WEBVTT

00:06.770 --> 00:10.130
Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Frau Wetzel von Trotin,

00:11.890 --> 00:14.530
ich war ja ganz überrascht, was ich alles über mich gehört habe, jetzt

00:14.530 --> 00:15.910
bin ich selbst ganz beeindruckt.

00:16.270 --> 00:17.990
Deshalb muss ich doch sagen, warum ich hier bin.

00:18.330 --> 00:22.050
In meiner Verbundenheit mit Karlsruhe über Jahre der Mitarbeiterschaft

00:22.050 --> 00:26.450
und gerade neben einem Verfassungsgericht ist das eine.

00:26.950 --> 00:31.410
Und das zweite, dass ich es immer sehr schön finde, wenn die

00:31.410 --> 00:35.790
Juristerei unter die Kulturwissenschaften gerechnet wird und nicht so

00:35.790 --> 00:38.910
als trockenes Abseitsgebiet für Spezialisten behandelt wird, finde ich

00:38.910 --> 00:39.430
wunderbar.

00:40.730 --> 00:46.810
Und das dritte, dass ich eigentlich es toll finde, als Juristin

00:46.810 --> 00:48.770
endlich international zu sein.

00:48.930 --> 00:52.350
Denn normalerweise ist man als Jurist zu Hause und lernt das, was man

00:52.350 --> 00:54.930
für das eigene Land braucht und bleibt da auch.

00:55.350 --> 00:58.490
Und das hat sich bei mir geändert und daran will ich Sie teilhaben

00:58.490 --> 00:58.650
lassen.

01:00.610 --> 01:04.810
Wir haben uns mit der Überschrift eine etwas provozierende Frage

01:04.810 --> 01:08.370
gestellt, ob nicht nur der Rest der Welt, sondern auch Deutschland,

01:08.550 --> 01:13.370
das den Menschenrechtsgerichtshof braucht, obwohl dort nebenan das

01:13.370 --> 01:14.410
Verfassungsgericht ist.

01:15.810 --> 01:18.190
In dieser Form kann man die Frage und darf man sie eigentlich gar

01:18.190 --> 01:21.890
nicht mehr stellen, denn schließlich ist Deutschland der Konvention

01:21.890 --> 01:24.430
zum Schutz der Menschenrechte und Grundvorhalten beigetreten.

01:24.430 --> 01:28.550
Es handelt sich um einen völkerrechtlichen Vertrag, er ist vom

01:28.550 --> 01:33.390
Parlament ratifiziert, er ist in innerstaatliches Recht umgesetzt und

01:33.390 --> 01:35.410
also gilt er bei uns.

01:37.450 --> 01:41.130
Dasselbe geschah mit allen Abänderungen, mit den Zusatzprotokollen und

01:41.130 --> 01:43.570
diese Verträge haben für Deutschland Folgen.

01:43.910 --> 01:48.530
Materiell, Deutschland erkennt die Konvention inhaltlich an und

01:48.530 --> 01:52.210
verfahrensmäßig, auch das Verfahrensrecht wird anerkannt und das

01:52.210 --> 01:55.250
bedeutet, es gibt das Individualbeschwerderecht zum Europäischen

01:55.250 --> 01:57.850
Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg.

01:58.110 --> 02:02.090
Und dieser Gerichtshof steht allen Bürgern Europas und auch allen

02:02.090 --> 02:05.070
Bürgern Deutschlands damit offen, wenn sie den innerstaatlichen

02:05.070 --> 02:06.530
Rechtsweg erschöpft haben.

02:07.770 --> 02:10.350
Spätestens dann können sie geltend machen, dass sie immer noch in

02:10.350 --> 02:13.310
ihren Menschenrechten oder Grundfreiheiten verletzt sind.

02:14.270 --> 02:17.790
Was bedeutet das eigentlich, in Menschenrechten verletzt zu sein?

02:18.530 --> 02:21.830
Selbst das Grundgesetz und die in ihm verbürgten Grundrechte,

02:22.090 --> 02:26.530
ebenfalls Menschenrechte und Grundfreiheiten, sind ja vielen Bürgern

02:26.530 --> 02:27.370
nicht bekannt.

02:29.010 --> 02:31.790
Jetzt haben wir hier diese Schilder in der Stadt überall, damit jeder

02:31.790 --> 02:35.310
sich ein bisschen informieren kann, aber ersichtlich war das auch in

02:35.310 --> 02:39.070
der Stadt mit dem Sitz des Verfassungsgerichts nötig.

02:40.070 --> 02:42.490
Die Menschenrechtskonvention ist noch viel unbekannter.

02:44.230 --> 02:47.550
Ausgangspunkt und Quelle des Menschenrechtsschutzes bilden

02:47.550 --> 02:53.510
innerstaatliche Erklärungen in früheren Jahrhunderten, vor allem die

02:53.510 --> 02:56.030
französische und die amerikanische Menschenrechtserklärung.

02:56.830 --> 03:01.330
Vorläufer ist auch so etwas, die deutsche Verfassung, Entwürfe zur

03:01.330 --> 03:03.450
Verfassung, die Praulskirchen-Verfassung zum Beispiel.

03:04.870 --> 03:09.110
Auf diesen Grundlagen, also Erkenntnissen, die man bereits hatte, aber

03:09.110 --> 03:12.970
doch erst nach den Räumen des Zweiten Weltkriegs und den Untaten des

03:12.970 --> 03:15.310
Dritten Reiches, die Frau Robertson von Trotha schon erwähnt hat,

03:16.510 --> 03:21.210
empfand man die Notwendigkeit, eine Basis für menschenrechtskonformes

03:21.210 --> 03:24.770
Handeln zu haben, und damit also auch das Grundgesetz.

03:25.750 --> 03:29.370
Das klassische Völkerrecht selbst kannte den Einzelnen zunächst

03:29.370 --> 03:34.410
überhaupt nicht als ein handelndes Subjekt, sondern das Völkerrecht

03:34.410 --> 03:37.210
war etwas Staatliches, diente dem Schutz von Staaten.

03:37.210 --> 03:40.970
Das Individuum wurde nur mittelbar geschützt.

03:42.910 --> 03:45.930
Die ersten Vorläufer für so etwas wie die Menschenrechtskonvention

03:45.930 --> 03:48.310
kamen in den Wiener Kongresse hin.

03:48.430 --> 03:50.730
Dort wurde der Sklavenhandel verboten.

03:52.290 --> 03:54.110
Dann entwickelte sich diplomatischer Schutz.

03:54.230 --> 03:58.310
Die Angehörigen der Diplomatie wollten auch als Individuum und nicht

03:58.310 --> 04:02.310
nur als Teil eines Volkes oder eines Staates geschützt sein.

04:03.110 --> 04:04.010
In der Mitte des 19.

04:04.190 --> 04:06.310
Jahrhunderts kam das Kriegsvölkerrecht hinzu.

04:06.310 --> 04:10.410
Wir alle kennen als herausragendes Ergebnis das Rotkreuz.

04:11.570 --> 04:13.950
Es bedurfte aber dann immer noch der Erschütterung der

04:13.950 --> 04:19.530
Zweierweltkriege, damit 1945 der universelle Menschenrechtsschutz für

04:19.530 --> 04:21.970
jedes Individuum auf die Agenda kam.

04:23.090 --> 04:25.050
Das geschah in zweierlei Weise.

04:25.350 --> 04:27.870
Zum einen im Rahmen der UNO kam es zu einer allgemeinen

04:27.870 --> 04:29.710
Menschenrechtserklärung 1948.

04:31.510 --> 04:34.270
Die UNO setzte eine Menschenrechtskommission ein.

04:34.270 --> 04:38.030
Ihr Druckmittel ist die öffentliche Verurteilung von

04:38.030 --> 04:39.130
Menschenrechtsverletzungen.

04:39.970 --> 04:42.310
Im Völkerrecht ein durchaus wirksames Verfahren.

04:44.290 --> 04:49.030
1970 ist auch der UNO Menschenrechtskommission gestattet worden, von

04:49.030 --> 04:52.210
einzelnen Individuen die Beschwerden jedenfalls einmal anzuhören,

04:52.330 --> 04:57.090
Petitionen entgegenzunehmen und als Reaktion Untersuchungen an Ort und

04:57.090 --> 04:58.050
Stelle vorzunehmen.

04:59.910 --> 05:02.590
Die Vorfälle in Darfur sind ein Beispiel für solches Verhalten.

05:03.750 --> 05:07.250
Auch das ist ein wirksames Mittel, um Menschenrechtsverletzungen

05:07.250 --> 05:07.590
anzuprangern.

05:09.190 --> 05:13.190
In die Anfänge dieser UNO-Erklärungen fällt auch der Anfang des

05:13.190 --> 05:13.850
Europaheits.

05:14.730 --> 05:18.970
Nach dem Krieg entstand die Vision eines vereinten Europas, unter der

05:18.970 --> 05:23.470
Vorherrschaft des Rechts und mit dem Grundsatz, dass jeder, der der EU

05:23.470 --> 05:27.490
als Gewalt einer der Staaten unterliegt, auch der Menschenrechte und

05:27.490 --> 05:29.330
Grundfreiheiten teilhaftig werden sollen.

05:30.770 --> 05:34.390
Dabei ging es noch nicht um die Abgabe von Wahrheitsgewalt.

05:34.470 --> 05:37.930
Es ging nicht um das, was wir supranationale Einrichtungen nennen.

05:39.870 --> 05:44.410
Es ging eher darum, einen Vertrag abzuschließen und mit Empfehlungen

05:44.410 --> 05:48.110
und Resolutionen auch in der Parlamentarischen Versammlung auf eine

05:48.110 --> 05:50.310
Verbesserung des Menschenrechtsschutzes hinzuwirken.

05:51.950 --> 05:55.050
Die Parlamentarische Versammlung versteht sich heute noch als das

05:55.050 --> 05:56.490
Gewissen Europas.

05:58.170 --> 06:04.510
Heute gehören dem Europaheit 46 europäische Demokratien an, im engeren

06:04.510 --> 06:06.070
Europa alle bis auf Weißrussland.

06:06.870 --> 06:08.410
Aber es hat einmal klein angefangen.

06:08.950 --> 06:13.570
1949 empfahl die Parlamentarische Versammlung, dem Ministerkomitee die

06:13.570 --> 06:16.310
Konvention zum Schutz der Menschenrechte auszuarbeiten.

06:16.450 --> 06:21.290
Sie wurde 50 in Rom unterzeichnet, trat 53 in Kraft und da waren ihr

06:21.290 --> 06:25.150
dann 10 Staaten beigetreten, Großbritannien, Norwegen, Schweden,

06:25.230 --> 06:30.250
Deutschland, die Türkei, Griechenland, Dänemark, Island, Luxemburg.

06:31.570 --> 06:34.070
Seit 1959 arbeitet der Gerichtshof.

06:35.170 --> 06:39.290
Das Besondere an dieser europäischen Konvention ist nicht der Inhalt.

06:40.090 --> 06:42.510
Er deckt sich weitgehend mit den Menschenrechten im Allgemeinen.

06:43.150 --> 06:46.590
Das Besondere ist tatsächlich dieses Beschwerderecht, dass das

06:46.590 --> 06:50.410
Individuum das Recht hat, den Gerichtshof anzurufen.

06:50.410 --> 06:52.550
So ganz glatt war das am Anfang nicht.

06:52.670 --> 06:55.810
Zunächst müsste man die Kommission anrufen, inzwischen erst geht es

06:55.810 --> 06:56.870
unmittelbar ins Gericht.

06:58.050 --> 07:01.150
Auch das Individualbeschwerderecht musste nicht sofort anerkannt

07:01.150 --> 07:01.390
werden.

07:01.470 --> 07:04.050
Man wollte es den Staaten leicht machen, die Konvention zu

07:04.050 --> 07:04.850
ratifizieren.

07:05.910 --> 07:09.570
Die Staaten waren zurückhaltend, weil ein Gerichtshof anzuerkennen,

07:09.670 --> 07:13.070
der nicht national besetzt ist, das bedeutet Verlust von Macht, das

07:13.070 --> 07:15.310
bedeutet Verlust von Souveränität.

07:15.990 --> 07:19.430
Erst Ende der 80er Jahre hatten alle Vertragsstaaten, die damals

07:19.430 --> 07:22.410
dazugehörten, die Zuständigkeit des Gerichts anerkannt.

07:24.470 --> 07:26.750
Welche Rechte garantierten denn die Konvention?

07:27.310 --> 07:31.130
Ich zähle Ihnen die wesentlichen auf und Sie werden erkennen, dass

07:31.130 --> 07:36.930
dies keine großen Unterschiede macht, egal aus welchem Vertrag, aus

07:36.930 --> 07:38.330
welcher Verfassung man zitiert.

07:39.250 --> 07:43.190
Es geht um das Recht auf Leben, das Verbot der Folter, das Verbot der

07:43.190 --> 07:46.530
Sklaverei und der Zwangsarbeit, um das Recht auf Freiheit und

07:46.530 --> 07:49.350
Sicherheit, das Recht auf ein faires Verfahren.

07:50.490 --> 07:53.150
Man soll nicht ohne gesetzliche Grundlage bestraft werden.

07:53.650 --> 07:57.570
Es geht um die Achtung des Privat- und Familienlebens, um die Freiheit

07:57.570 --> 08:00.130
der Meinungsäußerung, um die Versammlungsfreiheit, um die

08:00.130 --> 08:01.130
Vereinigungsfreiheit.

08:01.650 --> 08:04.950
Auch um das Recht der Eheschließung, das Verbot von Diskriminierung.

08:05.930 --> 08:09.570
Erst in Zusatzprotokollen gibt es die Eigentumsgarantie, das Recht auf

08:09.570 --> 08:12.590
Bildung, das Recht auf freie und geheime Wahlen.

08:13.570 --> 08:17.590
Auch das Verbot der Todesstrafe und das Recht auf Freizügigkeit.

08:18.750 --> 08:21.650
Nicht alle Protokolle sind von allen Staaten ratifiziert.

08:21.790 --> 08:25.790
Es gibt immer noch unterschiedliche Standards, je nach dem Grad der

08:25.790 --> 08:29.350
völkerrechtlichen Verbindlichkeit, nicht der Konvention, aber der

08:29.350 --> 08:30.390
Zusatzerklärung.

08:33.410 --> 08:37.450
Dieser Kernbestand unveräußerlicher Menschenrechte und die

08:37.450 --> 08:41.070
Rechtssicherheit, die damit verbunden ist, sollten die Menschen in

08:41.070 --> 08:45.810
Zukunft davor bewahren, dass Ähnliches wie davor kam in den

08:45.810 --> 08:49.950
Weltkriegen und davor, es sollten Mindeststandards eingeführt werden

08:49.950 --> 08:54.070
und, und das war immer das Ziel, damit auch einen Schritt in Richtung

08:54.070 --> 08:55.850
auf europäische Integration zu tun.

08:56.450 --> 08:57.570
Das ist gelungen.

08:58.690 --> 09:02.410
Der größte Unterschied zwischen dem Europarat und der Union liegt

09:02.410 --> 09:05.810
eigentlich jetzt nur noch in dem zwingend vorgeschriebenen

09:05.810 --> 09:09.670
gerichtlichen Verfahren, der Unmittelbarkeit des Gerichtshofs und

09:09.670 --> 09:15.090
diese Änderung ist erst 1998 in Kraft getreten und hat den

09:15.090 --> 09:21.350
Überwachungsmechanismus ganz entscheidend reformiert, denn zuvor war

09:21.350 --> 09:24.150
das Überprüfungsverfahren eben doch noch angenähert, all den

09:24.150 --> 09:27.950
außenpolitischen Implikationen, die einmal zur Konvention geführt

09:27.950 --> 09:28.290
haben.

09:28.970 --> 09:31.950
Man nahm auf Empfindlichkeiten Rücksicht, man versuchte gütliche

09:31.950 --> 09:34.730
Einigungen zu schaffen, die Berichte waren nicht öffentlich, die

09:34.730 --> 09:36.250
Verhandlungen waren nicht öffentlich.

09:36.250 --> 09:39.870
Es konnte wieder gut gemacht werden, ohne dass etwas nach außen drang.

09:39.930 --> 09:42.770
Man sieht, das sind ganz andere Verfahren, das sind die Verfahren der

09:42.770 --> 09:46.290
Diplomatie und es sind nicht die Verfahren eines Gerichts.

09:48.110 --> 09:52.570
Heute ist der Gerichtshof das wichtigste Entscheidungsorgan.

09:53.090 --> 09:55.950
Jeder Bürger, jede Bürgerin kann Beschwerde ergeben und geltend

09:55.950 --> 09:58.430
machen, in einem Konventionsrecht verletzt zu sein.

09:59.190 --> 10:02.190
Man kann sich unmittelbar an den Gerichtshof wenden, auch wenn die

10:02.190 --> 10:04.830
offiziellen Sprachen Englisch und Französisch sind, kann man in seiner

10:04.830 --> 10:08.350
Heimatsprache schreiben und die Beschwerde, wenn sie denn zur

10:08.350 --> 10:10.770
Entscheidung angenommen wird, wird dann übersetzt.

10:12.150 --> 10:15.870
Der Gerichtshof entscheidet in einem ganz rechtsförmigen Verfahren mit

10:15.870 --> 10:17.630
allen rechtsstaatlichen Garantien.

10:18.070 --> 10:21.170
Er hat 45 Richter, demnächst wird zum 46.

10:21.470 --> 10:22.890
Staat der 46.

10:23.230 --> 10:23.710
gewählt.

10:24.730 --> 10:28.070
Er ist in 4 Sektionen eingeteilt, demnächst werden wir wahrscheinlich

10:28.070 --> 10:28.750
5 sein.

10:29.230 --> 10:33.570
Jeder Richter gehört einer Sektion an, die Sektionen bilden Kammern

10:33.570 --> 10:35.990
und in den Kammern wird entschieden, immer zu siebt.

10:36.790 --> 10:38.610
Damit sind die Spruchkörper überbesetzt.

10:39.130 --> 10:42.810
Es gibt also immer mehr Richter in einer Sektion, als die, die gerade

10:42.810 --> 10:45.090
entscheiden, sodass es Ersatzrichter gibt.

10:47.330 --> 10:49.990
Das alles beruht auf dem Prinzip, ein Staat, ein Richter.

10:50.510 --> 10:53.150
Das ist immer noch ein völkerrechtlicher Rest.

10:53.710 --> 10:55.770
Es kommt also nicht darauf an, wie groß der Staat ist.

10:55.890 --> 10:58.390
Russland stellt einen Richter und Liechtenstein auch.

11:01.070 --> 11:05.510
Bei der Zusammensetzung der Sektionen versuchen wir, die geografische

11:05.510 --> 11:06.830
Vielfalt zu berücksichtigen.

11:06.950 --> 11:09.450
Auch die unterschiedlichen Rechtssysteme, die auch schon erwähnt

11:09.450 --> 11:11.210
wurden und die sich wirklich sehr unterscheiden.

11:11.830 --> 11:14.490
Auch in Bezug auf die Vertretung der Geschlechter wird ein

11:14.490 --> 11:16.090
ausgewogenes Verhältnis gesucht.

11:16.510 --> 11:18.930
Ein Viertel der Richter sind weiblich.

11:21.790 --> 11:27.030
Unzulässig, und zwar direkt vorab, sind 95% der Verfahren.

11:27.030 --> 11:31.130
Das klingt schlimm, aber die restlichen 5% haben es dann in sich.

11:31.330 --> 11:34.270
Und das ist ganz ähnlich wie beim Bundesverfassungsgericht, wo auch

11:34.270 --> 11:35.890
allenfalls 3% Erfolg haben.

11:37.150 --> 11:42.070
Trotzdem beruht der Ruf eines Gerichts auf den Entscheidungen, die zur

11:42.070 --> 11:43.810
Sache etwas sagen, und nicht auf den Rest.

11:44.050 --> 11:46.330
Und trotz der vielen unzulässigen Entscheidungen werden solche

11:46.330 --> 11:47.590
Gerichte immer wieder angerufen.

11:48.770 --> 11:51.270
Die besonders wichtigen Entscheidungen werden nicht zu siebt

11:51.270 --> 11:54.890
getroffen, sondern zu siebzehnt in der sogenannten großen Kammer.

11:54.890 --> 11:59.510
Sie entscheidet entweder über Grundsatzfragen wie eine erste Instanz,

11:59.590 --> 12:03.450
also direkt, oder nachdem die Kammer mit sieben entschieden hat, wenn

12:03.450 --> 12:07.290
der Staat oder der unterlegene Beschwerdeführer die große Kammer

12:07.290 --> 12:09.910
anruft und das zugelassen wird, dann ist es so ähnlich wie eine

12:09.910 --> 12:10.810
Rufungsinstanz.

12:13.650 --> 12:17.570
Verletzt werden kann die Konvention in verschiedenen Weisen.

12:18.330 --> 12:22.970
Durch einen Verwaltungsakt, also eine Behörde, durch ein Urteil, aber

12:22.970 --> 12:27.010
auch durch das Parlament, in dem es menschenrechtswidrige Gesetze

12:27.010 --> 12:27.450
erlässt.

12:28.850 --> 12:31.110
Daneben kann man auch sagen, es kann eine Verletzung durch eine

12:31.110 --> 12:34.330
allgemeine Praxis, durch eine allgemeine Übung, wie ein Gesetz

12:34.330 --> 12:35.370
angewandt wird, geben.

12:38.170 --> 12:41.630
Die Konvention überlässt es den Vertragsstaaten, wie sie ihren

12:41.630 --> 12:44.010
völkerrechtlichen Verpflichtungen folgen wollen.

12:44.010 --> 12:47.990
In manchen Staaten gilt die Konvention gleich wie eine Verfassung, sie

12:47.990 --> 12:48.850
hat Verfassungsrang.

12:49.570 --> 12:52.650
Dann wird sie auch genauso durchgesetzt, wie Verfassungen durchgesetzt

12:52.650 --> 12:52.970
werden.

12:53.430 --> 12:56.610
In anderen Staaten hat sie Gesetzesrang, so ist es in Deutschland, wie

12:56.610 --> 12:57.550
ein einfaches Gesetz.

12:58.170 --> 13:00.210
Muss also auch beachtet werden, wie ein Gesetz.

13:01.030 --> 13:03.810
Es gibt auch Staaten, da ist sie so in einem Zwischenraum angesiedelt,

13:03.930 --> 13:07.870
weil sie in der Überprüfung höher steht als das Gesetz, aber sich doch

13:07.870 --> 13:09.450
noch nach der Verfassung zu richten hat.

13:11.090 --> 13:13.950
Jedenfalls haben sich alle Vertragsstaaten jeweils mit der

13:13.950 --> 13:18.070
Unterzeichnung und Ratifikation verpflichtet, in allen Rechtssachen,

13:18.170 --> 13:22.470
in denen der Staat endgültig Partei ist, das Urteil zu beachten und

13:22.470 --> 13:23.090
durchzusetzen.

13:23.570 --> 13:26.710
Und überwacht wird das, das ist nochmal ein völkerrechtlicher Rest,

13:27.130 --> 13:28.450
durch das Ministerkomitee.

13:31.870 --> 13:34.490
Wie weit diese Bindung der Vertragsstaaten geht und wie weit sie

13:34.490 --> 13:36.170
beachtet werden, das ist ein Problem.

13:36.170 --> 13:38.750
Das ist in Deutschland ja auch in der allgemeinen Presse erurteilt

13:38.750 --> 13:42.010
worden und im Verhältnis zum Bundesverfassungsgericht will ich darauf

13:42.010 --> 13:44.290
auch noch näher eingehen.

13:45.750 --> 13:50.110
Ich denke, das meiste, was ich jetzt erzielt habe, war für die meisten

13:50.110 --> 13:51.030
neu.

13:52.550 --> 13:54.430
Mir ging das vor einem guten Jahr nicht anders.

13:55.350 --> 13:58.210
Ich bin 37 Jahre lang, wie Sie gehört haben, deutsche Richterin

13:58.210 --> 14:02.050
gewesen und muss zugehen, dass die Straßburger Judikatur zu den

14:02.050 --> 14:05.610
Menschenrechten meine eigene Tätigkeit nur wenig beeinflusst hat und

14:05.610 --> 14:07.290
ich habe sie auch wenig zur Kenntnis genommen.

14:07.770 --> 14:10.110
Und erst in der Schlussphase meiner Arbeit habe ich dann näher darauf

14:10.110 --> 14:13.310
geachtet und habe festgestellt, dass sie eine gute Argumentationshilfe

14:13.310 --> 14:15.890
ist und dass sie interessante Anstöße gibt.

14:17.290 --> 14:20.090
Ich habe in der Sozialgerichtsbarkeit gearbeitet, wie Sie gehört

14:20.090 --> 14:21.330
haben, und im Verfassungsrecht.

14:22.590 --> 14:24.750
Aber in Straßburg wird man zum Allround-Jurist.

14:26.250 --> 14:28.290
An Rechtsmaterien fällt so gut wie alles an.

14:28.790 --> 14:31.610
Und neben der heimischen Rechtsprechung und Rechtsordnung, die man

14:31.610 --> 14:36.390
kennen sollte und die man seinen Kollegen erläutern muss, weil man als

14:36.390 --> 14:40.790
Nationalrichterin entweder als Nationalrichterin beteiligt ist oder

14:40.790 --> 14:44.670
man wird sofort Berichterstatterin in dem Fall, muss man außerdem

14:44.670 --> 14:47.170
möglichst die Rechtsordnungen der anderen begreifen lernen.

14:47.590 --> 14:48.850
Also 45 weitere.

14:49.450 --> 14:53.170
Oder doch jedenfalls die 10 oder 11, mit denen man dauernd zu tun hat,

14:53.230 --> 14:54.710
weil man in derselben Sektion ist.

14:54.710 --> 14:59.010
Es ist hilfreich, wenn man den regelmäßigen Gegenstand von

14:59.010 --> 15:01.490
richterlichen Entscheidungen einigermaßen gut beherrscht.

15:02.650 --> 15:05.270
Oft betreffen die Fälle das Familienrecht.

15:06.090 --> 15:09.730
Das Recht auf Familienleben ist in Artikel 8 der Konvention geschützt.

15:11.250 --> 15:15.630
Aber Schutz bedeutet nicht unbeschränkte Gewährleistung, auch nicht in

15:15.630 --> 15:16.410
der Konvention.

15:17.730 --> 15:21.150
Die Sorge, es gäbe irgendwelche uneinschränkbaren Rechte, hat

15:21.150 --> 15:24.490
diejenigen, die Recht setzen, die Parlamentarier, die etwas

15:24.490 --> 15:26.270
ratifizieren, nachher immer unbetrieben.

15:26.410 --> 15:29.250
Deshalb kann natürlich eingegriffen werden in das Recht auf

15:29.250 --> 15:29.890
Familienleben.

15:30.290 --> 15:32.150
Es muss nur gesetzlich vorgesehen sein.

15:32.470 --> 15:35.150
Es muss in einer demokratischen Gesellschaft notwendig sein.

15:36.130 --> 15:39.370
Und notwendig kann es sein, wenn der Eingriff für die nationale oder

15:39.370 --> 15:43.130
die öffentliche Sicherheit, oder Familie nicht so häufig, für das

15:43.130 --> 15:46.730
wirtschaftliche Wohl des Landes, zur Aufrechterhaltung der Ordnung,

15:46.870 --> 15:51.030
zur Verhütung von Straftaten, zum Schutz der Gesundheit oder der Moral

15:51.030 --> 15:54.750
oder zum Schutz der Rechte und Freiheiten anderer notwendig ist.

15:54.870 --> 15:56.910
Also eine große Latte rechtfertigender Gründe.

15:59.850 --> 16:02.910
Familienrechtliche Auseinandersetzungen haben aber stets bei allen

16:02.910 --> 16:06.350
Personen genau dieses Recht auf ihrer Seite.

16:07.010 --> 16:10.950
Bei einer Ehescheidung kann jeder sagen, mein Recht auf Familienleben,

16:10.990 --> 16:12.690
mein Recht auf Privatleben ist betroffen.

16:13.150 --> 16:15.490
Geht es um die Sorge für die Kinder, ist es dasselbe.

16:15.570 --> 16:18.610
Die Kinder, die Eltern, manchmal auch noch die Großeltern, alle

16:18.610 --> 16:19.330
dasselbe Recht.

16:19.770 --> 16:24.130
Das heißt, ohne ein Zurückschneiden absoluter Rechte des einen, können

16:24.130 --> 16:26.810
die Rechte der anderen gar nicht zur Geltung kommen.

16:28.230 --> 16:33.490
Und ich nenne einfach mal ein paar Fälle aus Polen, aus Deutschland,

16:33.690 --> 16:37.270
aus Italien, aus den Niederlanden, alles Familienrechtsfälle, woran

16:37.270 --> 16:41.190
man sieht, wie denn der Strauß gewunden ist, über den wir so zu

16:41.190 --> 16:41.830
befinden haben.

16:42.870 --> 16:43.790
Der polnische Fall.

16:45.450 --> 16:48.950
Alles so Sachen aus nicht weit zurückliegender Zeit.

16:50.970 --> 16:53.050
Entscheidungsverfahren hat die Mutter, dass alleinige Personen

16:53.050 --> 16:55.230
Sorgerecht für zwei eheliche Kinder bekommen.

16:55.950 --> 16:59.070
Im Verlauf dieses Rechtsstreits hat der Vater die Kinder schon zweimal

16:59.070 --> 16:59.290
entführt.

17:00.650 --> 17:02.430
Sie mussten dann gewaltsam wieder abgenommen werden.

17:03.790 --> 17:06.470
Nachdem die Entscheidung rechtskräftig ist, nimmt die Mutter die

17:06.470 --> 17:08.630
Kinder und verlässt Polen und geht nach Großbritannien.

17:08.710 --> 17:10.270
Noch weitere Entführungen möchte sie nicht.

17:11.230 --> 17:13.850
Der Vater versucht ein Wiederaufnahmeverfahren und er möchte

17:13.850 --> 17:15.070
wenigstens ein Besuchsrecht.

17:15.170 --> 17:17.770
Nachdem die Mutter in Großbritannien ist, sieht er das vereitelt.

17:17.770 --> 17:23.350
Und er meint, Polen hat gegen die Konvention verstoßen, weil Polen die

17:23.350 --> 17:27.810
Freizügigkeit von Mutter und Kindern nicht beschränkt hat und ihnen

17:27.810 --> 17:30.950
nicht den Wechsel in einen anderen Staat verboten hat.

17:32.010 --> 17:33.250
Der Fall aus Deutschland.

17:34.090 --> 17:36.130
Auch hier hat die Mutter das Personensorgerecht.

17:36.890 --> 17:39.550
Auch sie bringt ihre Kinder ins Ausland, aber heimlich.

17:40.070 --> 17:42.070
Denn der Vater hat ein Umgangsrecht.

17:42.870 --> 17:48.010
Sie gibt den Aufenthaltsort der Kinder nicht preis und so wird

17:48.010 --> 17:49.230
Beugehaft gegen sie verhängt.

17:49.770 --> 17:53.110
Gerichtlich angeordnet, sechs Monate sitzt sie ein.

17:54.050 --> 17:55.190
Sie ist nicht zu beugen.

17:55.470 --> 17:57.010
Sie sagt nicht, wo die Kinder sind.

17:57.850 --> 18:00.750
Aber sie sagt, gegen mein Menschenrecht ist verstoßen worden, denn

18:00.750 --> 18:05.070
Beugehaft ist unverhältnismäßig zur Durchsetzung eines Besuchsrechts.

18:06.650 --> 18:08.370
Ein Fall aus Italien.

18:08.450 --> 18:11.530
Hier vereiteln die halbwüchsigen Kinder das Besuchsrecht des Vaters.

18:11.530 --> 18:13.550
Sie wollen ihn überhaupt nicht sehen.

18:14.270 --> 18:16.630
Der Vater macht eine Menschenrechtsverletzung geltend.

18:16.770 --> 18:17.590
Warum wohl?

18:17.890 --> 18:21.050
Weil der italienische Staat keine Beugehaft angeordnet hat gegen die

18:21.050 --> 18:23.670
Kinder und die Mutter, damit sie ihn endlich besuchen.

18:25.810 --> 18:27.350
Der Fall aus den Niederlanden.

18:27.690 --> 18:29.550
Eine marokkanische Ehe wird geschieden.

18:30.070 --> 18:32.810
Und natürlich erhält dort nicht die Muttersöhne der Vater das

18:32.810 --> 18:33.310
Sorgerecht.

18:35.070 --> 18:37.090
Tatsächlich zieht die Großmutter die Kinder auf.

18:37.090 --> 18:40.830
Die Mutter geht in die Niederlande und heiratet dort und bekommt die

18:40.830 --> 18:42.470
niederländische Aufenthaltsberechtigung.

18:42.970 --> 18:47.090
Als der Vater stirbt, wollen die Kinder zur Mutter, die Halbwaisen.

18:49.210 --> 18:51.950
Hier wird fraglich, ob die Kinder überhaupt in den Niederlanden ein

18:51.950 --> 18:54.830
Aufenthaltsrecht bekommen oder ob sie in Marokko bleiben müssen.

18:57.990 --> 19:03.230
Da sieht man, alles Familienrecht, immer derselbe Streit, immer um die

19:03.230 --> 19:05.030
Kinder, immer wieder andere Aspekte.

19:05.030 --> 19:09.090
Immer dasselbe Menschenrecht.

19:10.070 --> 19:13.430
Aber wie vielfältig die Probleme, die mit demselben einfachen

19:13.430 --> 19:16.090
Menschenrecht, jeder hat ein Recht auf Privat- und Familienleben,

19:16.590 --> 19:17.430
gelöst werden sollen.

19:19.270 --> 19:22.890
Kommen die Fälle aus Deutschland, haben die deutschen Gerichte die

19:22.890 --> 19:24.370
Streitigkeiten bereits geprüft.

19:25.930 --> 19:29.430
In zweien Stanzen, in dreien Stanzen, jedenfalls am Ende des

19:29.430 --> 19:30.290
Verfassungsgerichts.

19:30.830 --> 19:33.710
Und letztendlich hat es den Beschwerdeführer der Beschwerdeführerin

19:33.710 --> 19:36.370
nicht recht gegeben, denn sonst käme sie nicht nach Straßburg.

19:37.350 --> 19:42.110
Der Prüfungsmaßstab ist weitgehend gleich, weil es keine erheblichen

19:42.110 --> 19:45.050
Unterschiede gibt im Inhalt, nur in den Formulierungen.

19:46.650 --> 19:50.330
Aber die deutsche Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts hat

19:50.330 --> 19:54.490
sich weitgehend unabhängig von der des Straßburger Gerichtshofs

19:54.490 --> 19:55.190
entwickelt.

19:55.630 --> 19:58.010
Nicht nur ich habe nicht hingeguckt, die anderen auch nicht.

20:00.690 --> 20:05.370
Und deshalb, wenn man nach dem Stichwort Straßburg Europäische

20:05.370 --> 20:09.550
Menschenrechtskonvention sucht, in den ersten 100 Bänden des

20:09.550 --> 20:14.850
Bundesverfassungsgerichts, wir sind jetzt so bei 115, dann findet man

20:14.850 --> 20:15.710
20 Ergebnisse.

20:17.350 --> 20:19.870
Und die sind meistens nur im Sachbericht, die haben mit dem Recht gar

20:19.870 --> 20:20.350
nichts zu tun.

20:20.490 --> 20:23.070
Da steht nur, es hat sich jemand auf die Konvention gerufen.

20:24.830 --> 20:28.710
Weil das Grundgesetz nicht zu den Verfassungen gehört, die sich durch

20:28.710 --> 20:32.530
eine Inkorporation, durch die Einbeziehung international

20:32.530 --> 20:35.450
rechtsentwickelt haben, sondern eben eigenständig und ganz

20:35.450 --> 20:36.330
innerstaatlich.

20:37.970 --> 20:41.030
Wir stehen in der deutschen Tradition von 1848.

20:42.550 --> 20:47.350
Die Konvention war auch kein Wippengießer, weil das Grundgesetz ist

20:47.350 --> 20:48.290
ziemlich vollständig.

20:48.450 --> 20:51.930
Und daher gibt es eigentlich nur zwei Fälle, wo man sehen kann, es war

20:51.930 --> 20:55.490
ganz gut zurückzugreifen, weil es nicht ausdrücklich bei uns in der

20:55.490 --> 20:56.290
Verfassung steht.

20:56.590 --> 21:00.070
Das war die Unschuldsvermutung, dass wir schuldig gehalten werden,

21:00.210 --> 21:02.850
bevor er von einem Gericht verurteilt ist.

21:02.930 --> 21:05.710
Das steht nicht bei uns in der Verfassung, aber es steht in der

21:05.710 --> 21:06.190
Konvention.

21:06.530 --> 21:09.090
Da hat das Bundesverfassungsgericht auch darauf zurückgegriffen.

21:09.090 --> 21:13.790
Und als es um die Gerichtsoffentlichkeit ging, ist ebenfalls auf die

21:13.790 --> 21:15.230
Konvention Bezug genommen worden.

21:18.910 --> 21:24.330
Einer der Fälle, wo das Grundgesetz jedenfalls eindeutig hinter den

21:24.330 --> 21:26.750
internationalen Standards zurückbleibt und auch unsere

21:26.750 --> 21:29.510
Verfahrensregeln, betrifft die Verfahrensdauer.

21:30.530 --> 21:34.090
Und daher gibt es auch ganz, ganz viele Verfahren aus Deutschland, die

21:34.090 --> 21:36.390
sich allein mit der Länge des Verfahrens beschäftigen.

21:37.810 --> 21:41.690
Der Straßburger Gerichtshof hat eine Entscheidung in angemessener

21:41.690 --> 21:44.770
Zeit, so steht es in der Konvention, immer als einen wesentlichen Teil

21:44.770 --> 21:46.170
des fairen Verfahrens angesehen.

21:47.330 --> 21:51.170
Es ist ein Quasi-Menschenrecht, ein Verfahrensmenschenrecht.

21:53.050 --> 21:56.010
Im Deutschen kann man Abhilfe schaffen in Strafverfahren, indem

21:56.010 --> 21:59.630
einfach die Strafdauer herabgesetzt wird, wenn das Verfahren zu lange

21:59.630 --> 22:00.050
dauert.

22:01.910 --> 22:05.590
Aber in verwaltungsrechtlichen Streitigkeiten oder in Zivilverfahren

22:05.590 --> 22:08.370
gibt es überhaupt kein Mittel, das zu berücksichtigen.

22:08.450 --> 22:13.130
Man kann das reden, aber es gibt keine Methode der Wiedergabe der

22:13.130 --> 22:21.510
Strafdauer und um Schadensersatz zu bekommen, kommen Beschwerdeführer

22:21.510 --> 22:24.330
und beschweren sich über die Länge deutscher Gerichtsverfahren.

22:32.280 --> 22:37.100
Es gibt auch essentielle Unterschiede zwischen den, wie die

22:37.100 --> 22:39.700
Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts und die des Straßburger

22:39.700 --> 22:41.940
Gerichtshofs durchgesetzt werden.

22:44.320 --> 22:48.820
Das Verfassungsgericht hat nach der Verfahrensordnung, die für es

22:48.820 --> 22:54.140
gilt, die Möglichkeit, Gesetze aufzuheben, das heißt das Parlament zu

22:54.140 --> 22:54.960
korrigieren.

22:56.100 --> 22:58.780
Gerichtsentscheidungen können aufgehoben werden und die Sachen können

22:58.780 --> 23:01.720
zurückverwiesen werden und die Gerichte müssen neu entscheiden.

23:03.700 --> 23:07.220
Hingegen trifft Straßburg nur Feststellungsurteile.

23:07.400 --> 23:11.960
Es stellt fest, dass ein Staat gegen die Konvention verstoßen hat, in

23:11.960 --> 23:15.260
dem dieser Staat nicht verhindern konnte, dass seine Gerichte falsch

23:15.260 --> 23:18.560
entscheiden, dass seine Polizei falsch arbeitet, dass seine Behörden

23:18.560 --> 23:21.100
falsche Entscheidungen treffen oder gar, dass sein Parlament

23:21.100 --> 23:23.380
unrichtige Entscheidungen trifft.

23:24.860 --> 23:27.820
Das sieht schon rechtlich nach sehr erheblichen Unterschieden aus.

23:28.900 --> 23:31.680
Aber auch das Bundesverfassungsgericht kann zur Durchsetzung seiner

23:31.680 --> 23:35.980
kräftigen Bindung ja kaum die Armee nach Berlin schicken, wenn die

23:35.980 --> 23:39.140
Parlamentarier nicht tun, was das Bundesverfassungsgericht gesagt hat.

23:39.800 --> 23:41.860
Kein Gerichtsvollzieher vollstreckt.

23:43.680 --> 23:46.640
Das heißt, auch das Bundesverfassungsgericht ist darauf angewiesen,

23:46.740 --> 23:48.040
dass ihm gefolgt wird.

23:51.980 --> 23:55.520
Durchsetzen kann man Folgebereitschaft nicht, indem das Gericht aktiv

23:55.520 --> 23:59.600
wird, sondern, das ist das Besondere, durchgesetzt wird es, weil der

23:59.600 --> 24:03.220
Einzelne aktiv wird und sagt, ihr folgt nicht dem, was längst

24:03.220 --> 24:07.340
entschieden ist, ihr müsstet gehorchen, ihr tut es nicht, wir rufen

24:07.340 --> 24:09.900
erneut das Gericht an und wir gewinnen wieder.

24:10.780 --> 24:14.900
Und so hat auch das Bundesverfassungsgericht schon manches Mal erneut

24:14.900 --> 24:18.060
entscheiden müssen, auch gegen das Parlament, das zweite Gesetz war

24:18.060 --> 24:19.840
genauso verfassungswidrig wie das erste.

24:21.660 --> 24:25.380
Oft gelangt es, dass in einer Besetzung mit drei Richtern das

24:25.380 --> 24:27.820
Bundesverfassungsgericht sagt, das ist alles vom Senat schon

24:27.820 --> 24:30.120
entschieden, wir können die Entscheidung aufheben.

24:30.120 --> 24:33.500
So wird durch fortwährende, wiederholende Entscheidung die erste

24:33.500 --> 24:37.400
Entscheidung, die als nicht so erheblich eingestuft oder als zu

24:37.400 --> 24:40.900
unbequem angesehen wird und deshalb nicht beachtet wird, auf lange

24:40.900 --> 24:46.480
Sicht doch durchgesetzt, nicht durch Macht, sondern dadurch, dass die

24:46.480 --> 24:49.700
Untertanen, die Bürger es sich nicht länger gefallen lassen.

24:51.000 --> 24:54.420
Und nichts anderes gilt eigentlich bei den Entscheidungen in den

24:54.420 --> 24:55.480
Revisionsinstanzen.

24:56.860 --> 25:00.860
Denn auch da ist die Bindung eigentlich nur direkt beim einzelnen

25:00.860 --> 25:05.440
Fall, der aufgehoben und zurückverwiesen wird, in der Prozessordnung

25:05.440 --> 25:05.980
festgelegt.

25:06.100 --> 25:09.240
Dass sich aber Revisionsrechtsprechung durchsetzt, das liegt an ihrer

25:09.240 --> 25:12.300
Argumentationsstärke und der Überzeugungskräfte.

25:12.300 --> 25:15.860
Und natürlich, weil die Prozessierenden auch Geld sparen wollen, denn

25:15.860 --> 25:19.100
das kostet ja erneut und immer wieder dagegen anzurennen.

25:19.560 --> 25:24.120
Also sagt man, was das Revisionsgericht gesagt hat, gilt im

25:24.120 --> 25:27.480
Zivilrecht, gilt zum Beispiel im Sozialrecht, wenn das

25:27.480 --> 25:29.580
Bundessozialgericht eine Rechtsfrage entschieden hat.

25:31.020 --> 25:34.440
Damit ist alles in allem die Durchsetzung der Entscheidungen des

25:34.440 --> 25:37.340
Europäischen Gerichtshofs nicht entscheidend anders.

25:37.340 --> 25:40.920
Gebunden ist der Staat, der verurteilt wird und der Entschädigungen

25:40.920 --> 25:41.600
leisten muss.

25:42.260 --> 25:46.060
Die vorangehenden Entscheidungen sind noch unangetastet, allerdings

25:46.060 --> 25:48.420
Strafverfahren können wieder aufgerollt werden in Deutschland.

25:49.420 --> 25:53.220
Aber sind die Organe des Staates weiterhin ungausam und sie fallen den

25:53.220 --> 25:54.180
Leitlinien nicht.

25:55.140 --> 25:58.220
Denn Bürger und Bürgerinnen erneut nach Straßburg gehen, der Staat

25:58.220 --> 26:02.600
wird erneut verurteilt und von diesen Wiederholungsfällen gibt es

26:02.600 --> 26:04.040
tatsächlich sehr viele.

26:05.200 --> 26:09.520
In Straßburg nennen wir die sogar Klonfälle, weil sie sich so ähnlich

26:09.520 --> 26:11.480
sind wie ein ein dem anderen.

26:13.220 --> 26:17.240
Auf lange Sicht allerdings bewirkt die Hartnäckigkeit der Bürger dann

26:17.240 --> 26:20.140
doch, dass sich in den Staaten was ändert.

26:21.940 --> 26:26.240
Auch Urteile, die gegen andere Konventionsstaaten ergehen, können

26:26.240 --> 26:29.100
zeigen, dass im eigenen Staat etwas nicht stimmt, dass die Praxis

26:29.100 --> 26:31.980
nicht in Ordnung ist, dass die Gesetze nicht richtig sind.

26:31.980 --> 26:35.600
Aus Urteilen zum Beispiel gegen Frankreich oder Italien müsste da

26:35.600 --> 26:38.540
gegebenenfalls auch Deutschland Konsequenzen ziehen.

26:39.620 --> 26:43.440
Diese Bindung ergibt sich ganz klar aus dem Artikel 1 der Konvention,

26:43.660 --> 26:47.060
wenn sich alle Staaten verpflichten, die Rechte durchzusetzen aus der

26:47.060 --> 26:50.340
Konvention und wenn die Rechte aus der Konvention so gelten, wie die

26:50.340 --> 26:55.120
Richter sie auslegen, als lebendes Instrument, dann ist die

26:55.120 --> 26:58.220
Rechtsprechung die Konvention und so muss beachtet werden.

26:58.960 --> 27:01.700
Das Richterrecht hat völkerrechtliche Verbindlichkeit.

27:05.600 --> 27:09.340
Allerdings achten die Staaten oft nicht darauf, dass bei anderen

27:09.340 --> 27:12.480
geschieht, außer dass man gelegentlich froh ist, dass man selbst nicht

27:12.480 --> 27:13.220
betroffen ist.

27:14.380 --> 27:16.580
Auch da möchte ich Ihnen ein paar Beispiele nennen.

27:18.660 --> 27:22.600
Der Europäische Gerichtshof nennt die Beschwerdeführer immer mit

27:22.600 --> 27:22.980
Namen.

27:22.980 --> 27:25.660
In Deutschland sind wir immer ganz vorsichtig, dass Menschen, die das

27:25.660 --> 27:28.160
Gericht anrufen, die sollen immer Persönlichkeitsschutz haben.

27:28.320 --> 27:30.040
Deshalb reden wir über Aktenzeichen.

27:30.420 --> 27:34.060
Aber international sind die Fälle mit den Menschen verbunden, die das

27:34.060 --> 27:35.100
Recht durchgesetzt haben.

27:35.800 --> 27:37.320
Also Kuttler gegen Polen.

27:38.260 --> 27:41.800
Es war eine Verletzung übermäßiger Verfahrensdauer.

27:43.040 --> 27:46.380
Es gab keinen innerstaatlichen Rechtsweg in Polen, keine effektive

27:46.380 --> 27:48.060
Abhilfe, keine Kompensation.

27:48.060 --> 27:52.460
Nachdem diese Entscheidung ergangen war, haben die französischen

27:52.460 --> 27:54.180
Richter für Abhilfe gesorgt.

27:54.460 --> 27:58.700
Nicht der Gesetzgeber, sondern die Richter haben Mittel gefunden, bei

27:58.700 --> 28:02.060
überlanger Verfahrensdauer auch Scheinsersatz zuzusprechen.

28:02.620 --> 28:05.720
Italien wiederum hat ein Gesetz erlassen nach dieser Entscheidung, das

28:05.720 --> 28:06.420
Pinto -Gesetz.

28:07.340 --> 28:08.260
Deutschland hat es nicht.

28:08.800 --> 28:13.120
Im Fall Sirmeli, der war vor zwei Wochen vor der Großen Kammer, wird

28:13.120 --> 28:15.680
jetzt verhandelt, ob es denn in Deutschland überhaupt was gibt bei

28:15.680 --> 28:18.260
überlanger Verfahrensdauer und vor allem im Zivilverfahren.

28:18.720 --> 28:21.260
Und ob das Verfassungsgericht die geeignete Stelle ist, die man

28:21.260 --> 28:22.940
anrufen muss, wenn es zu lange dauert.

28:24.100 --> 28:26.780
Wo es ja auch beim Verfassungsgericht bekanntlich mal lange dauern

28:26.780 --> 28:26.980
kann.

28:28.900 --> 28:32.040
Es ist nicht vielersichtlich, dass Deutschland getan hätte, um aus

28:32.040 --> 28:35.400
diesem Coudier-Fall die Konsequenzen zu ziehen, die man in Frankreich

28:35.400 --> 28:37.040
und Italien gezogen hat.

28:38.360 --> 28:41.460
Ich bin nicht in diesem Fall drin, das ist noch mein Vorgänger Rest,

28:41.580 --> 28:43.440
deshalb kann ich darüber einfach nur so spekulieren.

28:43.620 --> 28:47.200
Ich glaube, der Sinn hat Deutschland nicht viel Chancen, einer

28:47.200 --> 28:49.100
Verurteilung zu entgehen.

28:49.100 --> 28:51.960
Und ich glaube, Deutschland hatte es auch eigentlich schon gemerkt,

28:52.380 --> 28:55.800
denn es war im Justizministerium im Gesetz vorbereitet und die

28:55.800 --> 28:58.400
Verbände waren auch schon angehört, aber durch die vorzeitige

28:58.400 --> 29:01.060
Auflösung des Bundestages ist das nicht mehr eingebracht worden und

29:01.060 --> 29:05.240
jetzt muss das ganze Gesetzgebungsverfahren erneut in Gang gesetzt

29:05.240 --> 29:05.540
werden.

29:06.480 --> 29:09.020
Ich will aber nicht nur ein negatives Licht auf Deutschland werfen.

29:09.500 --> 29:12.800
Ich erwähne daher mal noch einen anderen Fall, nämlich Malone gegen

29:12.800 --> 29:13.580
United Kingdom.

29:13.580 --> 29:15.260
Das war ein britischer Abhörfall.

29:16.780 --> 29:19.880
Und da hat dann der Europäische Gerichtshof festgestellt, die Art, wie

29:19.880 --> 29:22.820
in Großbritannien abgehört wird, verletzt die Menschenrechte, verletzt

29:22.820 --> 29:24.280
das Recht auf Privatleben.

29:25.900 --> 29:29.260
Frankreich hatte ganz ähnliche Vorschriften, änderte nichts und

29:29.260 --> 29:31.820
wartete ab, bis es selbst verurteilt wurde, was dann als bald

29:31.820 --> 29:32.260
passierte.

29:33.460 --> 29:36.740
In Deutschland haben insoweit die Entscheidungen des

29:36.740 --> 29:40.620
Bundesverfassungsgerichts längst für Klarheit gesorgt und verhindert,

29:40.620 --> 29:43.460
dass es überhaupt einen einzigen deutschen Fall mit einer Beschwerde

29:43.460 --> 29:46.640
wegen des Abhörens in Straßburg bisher gegeben hat.

29:47.460 --> 29:52.020
Da sieht man, welchen Vorteil es bieten kann, wenn Staaten ein eigenes

29:52.020 --> 29:54.840
Verfassungsgericht mit Grundrechtsschutz haben.

29:55.380 --> 29:57.860
Das hat weder Italien noch Frankreich.

29:58.280 --> 30:00.960
Da kann das Individuum erst in Straßburg Erfolg haben.

30:00.960 --> 30:04.340
Sonst müssen es andere Instanzen von sich aus richten.

30:06.040 --> 30:10.680
Soweit also staatliche Einrichtungen bestehen, kann die

30:10.680 --> 30:14.420
Machtverlagerung von der nationalen auf die internationale Ebene als

30:14.420 --> 30:15.660
geringer angesehen werden.

30:17.480 --> 30:20.840
Nur damit Sie noch mit ein paar Beispielen, da merkt man es sich meist

30:20.840 --> 30:24.720
leichter, das verbinden können, kommen noch welche aus Polen, der

30:24.720 --> 30:25.880
Schweiz und aus Frankreich.

30:26.720 --> 30:31.040
Bramowski gegen Polen, da hat der Europäische Gerichtshof eine

30:31.040 --> 30:34.860
Verletzung des Eigentumsrechts herausgepickt.

30:35.280 --> 30:37.320
Aus ganz vielen Fällen, ein Musterfall.

30:38.700 --> 30:41.760
Polen hat enteignet und hat keine Entschädigungen gezahlt.

30:43.360 --> 30:45.660
Und da ist entschieden worden, dass der Staat die geeigneten Maßnahmen

30:45.660 --> 30:46.440
jetzt treffen muss.

30:46.540 --> 30:50.100
Gesetzliche Maßnahmen, ein ordentliches Verwaltungsverfahren, er muss

30:50.100 --> 30:54.400
alles daran setzen, dem Eigentumsrecht, das im ersten Protokoll

30:54.400 --> 30:57.100
geschützt wird, Geltungskraft zu verleihen.

30:57.680 --> 30:59.580
Das war im Juni 2004 die Entscheidung.

31:00.160 --> 31:03.880
Ein gutes Jahr später, in diesem Jahr, im August, ist der Fall mit

31:03.880 --> 31:07.640
einer Vereinbarung, mit einem friendly settlement beendet worden.

31:08.100 --> 31:12.260
Und da hat Polen alle Entschädigungszahlungen garantiert, nicht nur

31:12.260 --> 31:15.420
für den Beschwerdeführer Bramowski, das wäre die Durchsetzung des

31:15.420 --> 31:19.140
einen Falles, nein, für den gesamten Personenkreis in vergleichbarer

31:19.140 --> 31:19.580
Situation.

31:20.340 --> 31:23.300
Es ist zu diesen Zwecken ein Fonds eingerichtet worden, es sind

31:23.300 --> 31:28.280
Verwaltungsverfahren eröffnet worden, spezieller Gerichtsweg, sodass

31:28.280 --> 31:31.180
auch immaterieller Schadensersatz wegen der jetzt sehr langen

31:31.180 --> 31:34.480
Herausforderung dieses Problems geleistet werden kann.

31:34.820 --> 31:39.180
Alles in allem Rechtssicherheit aufgrund eines einzigen Falles für

31:39.180 --> 31:40.840
hunderte, für tausende von Fällen.

31:42.500 --> 31:43.460
Zur Schweiz.

31:44.460 --> 31:47.940
Da habe ich meine Informationen aus der Neuen Zürcher, aus dem Juli in

31:47.940 --> 31:48.360
diesem Jahr.

31:49.200 --> 31:52.380
Da hat das Schweizer Bundesgericht die Verfassung umgangen.

31:54.420 --> 31:57.760
Es hat nämlich einen Konflikt gesehen zwischen dem europäischen Recht

31:57.760 --> 32:00.780
aus der Konvention und einem Bundesgesetz.

32:01.460 --> 32:05.360
Und man kann das Schweizer Verfassungsgericht zwar alle Landesgesetze

32:05.360 --> 32:09.560
und alle Landesbehörden abändern und aufheben, aber die Bundesgesetze

32:09.560 --> 32:11.420
nicht, das steht ausdrücklich in der Verfassung.

32:12.520 --> 32:15.400
Und darüber hat es sich jetzt hinweggesetzt mit der Begründung, wenn

32:15.400 --> 32:19.780
die Nichtbeachtung der Konvention eine erfolgreiche Beschwerde in

32:19.780 --> 32:21.880
Straßburg vor Augen stellt.

32:22.220 --> 32:26.180
Man also sieht, dass der Staat die Konvention verletzt, dann ist es

32:26.180 --> 32:30.020
doch besser, wenn das eigene Gericht die Verletzung verhindert.

32:30.420 --> 32:33.480
Bei der Wahl zwischen zwei Übungen will also das Bundesgericht lieber

32:33.480 --> 32:36.060
selbst entscheiden und damit natürlich auch die Fälle in der Hand

32:36.060 --> 32:36.380
behalten.

32:37.300 --> 32:40.500
Das hat jetzt eine große Diskussion ausgelöst, das ist ein Problem,

32:40.720 --> 32:43.440
denn anstelle, dass man ein ordentliches Gesetzesrecht kriegt, deshalb

32:43.440 --> 32:47.020
habe ich den Fall Brondowski zunächst genannt, kriegt man hier jetzt

32:47.020 --> 32:49.360
das, was wir den Flickenteppich von Rechtsprechung nennen.

32:49.440 --> 32:53.580
Hier mal eine Entscheidung, da mal eine, aber keine konsistente

32:53.580 --> 32:54.260
Rechtsordnung.

32:54.880 --> 32:58.540
Möglicherweise wird das Ganze dazu führen, dass die Schweiz die

32:58.540 --> 33:01.660
Bundesverfassung auch ändern wird und dafür sorgen, dass die

33:01.660 --> 33:07.120
Konvention durch eigene Gesetze im eigenen Land durchgesetzt werden

33:07.120 --> 33:07.420
kann.

33:08.820 --> 33:10.860
Nicht weniger sensationell war es in Frankreich.

33:10.960 --> 33:14.140
Im Strafrecht ist da unglaublich viel passiert.

33:14.740 --> 33:17.960
Die Angeklagten hatten kein Recht, die Zeugen selbst zu verdämmen,

33:17.980 --> 33:19.300
selbst oder durch den Verteidiger.

33:19.560 --> 33:22.460
Das musste im Fall Delta durchgesetzt werden.

33:22.460 --> 33:28.040
Der Conseil d'Etat war ein Gericht, aber es entschied nicht immer

33:28.040 --> 33:28.560
unabhängig.

33:28.600 --> 33:31.460
Wenn es zum Beispiel um die Auslegung internationaler Verträge ging,

33:31.820 --> 33:34.860
hatte der Außenminister das letzte Wort und das Gericht wandte nur an,

33:35.000 --> 33:36.100
was der Außenminister sagte.

33:36.620 --> 33:40.960
Diese Bindung ist eines Gerichts nicht angemessen, sagte Straßburg.

33:42.340 --> 33:46.160
Alle drei obersten Gerichte, der Conseil Konstitutionnel, der Conseil

33:46.160 --> 33:49.720
d 'Etat und die Cour de Cassation, haben ihre frühere Rechtsprechung

33:49.720 --> 33:53.100
zur Rückwirkung von Gesetzen geändert, weil es in Frankreich üblich

33:53.100 --> 33:55.560
war, wenn man die Schwierigkeiten beim Gericht sah, setzte man ein

33:55.560 --> 33:57.900
bisschen aus und dann wurde der Gesetzgeber tätig und machte

33:57.900 --> 34:00.540
rückwirkend alles gut, was es bis dahin nicht gegeben hatte.

34:01.440 --> 34:02.920
Damit machte Straßburg ein Ende.

34:03.960 --> 34:07.300
Aber nicht nur im Prozessrecht hat es die Änderungen in Frankreich

34:07.300 --> 34:11.360
gegeben, sondern zum Beispiel auch bei der Meinungsfreiheit ein großer

34:11.360 --> 34:11.680
Wandel.

34:12.720 --> 34:16.100
Auch da eine große Stärke der Exekutive in Frankreich.

34:16.260 --> 34:17.160
Das ist herkömmlich so.

34:17.460 --> 34:20.340
Der Innenminister konnte den Vertrieb fremdsprachiger Bücher und

34:20.340 --> 34:21.500
Zeitungen einfach verbieten.

34:22.060 --> 34:23.940
Es war nicht gesetzlich definiert, wann das war.

34:23.940 --> 34:25.780
Es war schon schlimm genug, dass er aus dem Ausland kam.

34:26.740 --> 34:29.840
Es war überhaupt nicht definiert, was fremde Herkunft eigentlich

34:29.840 --> 34:30.300
bedeutet.

34:30.420 --> 34:32.240
Wie langt es, dass es aus dem Baskenland kam?

34:34.160 --> 34:36.360
Also es war gar kein so kritischer Fall.

34:36.360 --> 34:40.040
Es war aber eigentlich alles eindeutig, an dem es geklärt war, dass es

34:40.040 --> 34:44.060
gegen die Meinungsfreiheit nach der Konvention verstößt, wenn das so

34:44.060 --> 34:46.800
läuft und dass die Pressefreiheit ein hohes Gut in jedem

34:46.800 --> 34:48.140
demokratischen Staat ist.

34:49.820 --> 34:52.980
Und obwohl also bis zu diesem Zeitpunkt alle nationalen Gerichte in

34:52.980 --> 34:56.060
Frankreich anders entschieden hatten, das war überhaupt keine Frage

34:56.060 --> 34:56.860
national.

34:57.300 --> 34:58.220
Das war eben so.

34:58.300 --> 34:59.040
Man konnte das.

34:59.640 --> 35:02.120
Beugten sich die Richter der Entscheidung.

35:03.760 --> 35:07.860
Eine Revolution nennt das mein französischer Kollege Jean-Paul Costa.

35:09.480 --> 35:12.960
Damit setzt Frankreich also seine revolutionäre Tradition fort.

35:13.640 --> 35:15.960
Und im atheistischen Russland geschehen Wunder.

35:16.480 --> 35:19.600
So jedenfalls hat es im Kreise der Botschafter, der niederländische

35:19.600 --> 35:21.100
Botschafter, vor kurzem formuliert.

35:21.140 --> 35:23.000
Es ist ein Wunder, man kann es gar nicht glauben.

35:23.380 --> 35:25.780
Russland kann vor einen Gerichtshof gebracht werden.

35:26.120 --> 35:27.700
Russland kann verurteilt werden.

35:28.080 --> 35:31.240
Russland versucht, die Richtersprüche zu befolgen.

35:31.240 --> 35:35.160
Es bedeutet nicht nur, dass Entschädigungen gezahlt werden an Opfer

35:35.160 --> 35:39.180
von Enteignungen oder Katastrophen, die staatlich verursacht sind.

35:39.260 --> 35:40.880
Wir alle erinnern uns noch an Tschernobyl.

35:41.620 --> 35:44.840
Sondern es bedeutet sogar, dass öffentlich versprochen wird, dass die

35:44.840 --> 35:48.420
Anweisungen ins Militär in Tschetschenien geändert werden.

35:50.020 --> 35:53.640
Diese Veränderungen der Machtverhältnisse treffen also alle Staaten

35:53.640 --> 35:54.440
gleichermaßen.

35:54.440 --> 35:59.220
Die Staaten haben ihre Macht freiwillig abgegeben, indem sie die

35:59.220 --> 36:00.860
Konvention gezeichnet haben.

36:01.700 --> 36:04.940
Wir steuern auf eine europäische Integration beim Menschenrechtsschutz

36:04.940 --> 36:05.220
zu.

36:06.200 --> 36:10.000
Und wie der Straßburger Gerichtspräsident Wildhaber vor einem Monat

36:10.000 --> 36:14.800
hier so auf der anderen Seite bei der Justizpressekonferenz ausgeführt

36:14.800 --> 36:19.880
hat, definiert sich die europäische Rechtskultur mehr denn je durch

36:19.880 --> 36:23.560
ihr eigenes Verständnis von Grund- und Menschenrechten in einer

36:23.560 --> 36:24.680
demokratischen Gesellschaft.

36:25.580 --> 36:28.880
Und die Auslegung ist dem Straßburger Gerichtshof überantwortet.

36:29.560 --> 36:32.700
Es geht nicht mehr um nationale Perspektiven, sondern es geht

36:32.700 --> 36:36.500
notwendigerweise um internationale Perspektiven.

36:39.200 --> 36:42.120
Das haben andere Staaten vor Deutschland lange erfahren.

36:42.660 --> 36:46.840
Das uneheliche Recht für Kinder in Belgien ist vor vielen Jahren

36:46.840 --> 36:48.960
geändert worden aufgrund einer Entscheidung.

36:49.620 --> 36:52.940
Die Strafbarkeit der Homosexualität wurde in Großbritannien erst

36:52.940 --> 36:56.200
abgeschafft aufgrund einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs.

36:57.280 --> 37:00.340
All dies waren Fälle systemischer Verletzungen, weil die Gesetze

37:00.340 --> 37:01.080
falsch waren.

37:01.420 --> 37:05.460
Es gibt endemische Verletzungen, wenn die Gesetze in Ordnung sind, die

37:05.460 --> 37:07.240
Praxis aber ganz unzulänglich.

37:07.340 --> 37:10.420
Zum Beispiel die überfüllten Gefängnisse in Russland, in Litauen, in

37:10.420 --> 37:10.920
der Ukraine.

37:11.820 --> 37:14.120
Rechtskräftige Urteile werden einfach nicht ausgeführt.

37:14.340 --> 37:18.140
In Rumänien, in Moldawien, in Russland und auch wieder die Ukraine.

37:18.140 --> 37:19.940
Aber sogar in Italien.

37:20.240 --> 37:21.160
Und zwar in großer Masse.

37:22.320 --> 37:24.740
Auch in Deutschland scheitert die Vollstreckung manchmal daran, dass

37:24.740 --> 37:26.300
wir gar keine Gerichtsvollzieher finden.

37:28.340 --> 37:31.480
Gerichte beachten das Recht der Meinungsfreiheit im Zusammenhang mit

37:31.480 --> 37:33.600
politischen Kundgebungen anders denkender.

37:33.780 --> 37:34.920
Empfehlungen nehmen wir nicht.

37:35.420 --> 37:37.780
Die Türkei ist nur ein besonders gutes Beispiel dafür.

37:38.720 --> 37:41.480
Dies war aber auch zum Beispiel eine der großen Domänen des

37:41.480 --> 37:42.560
Bundesverfassungsgerichts.

37:42.560 --> 37:47.760
Hier gibt es viel, viel Rechtsprechung dazu, dass man, wenn die

37:47.760 --> 37:50.720
politischen Kundgebungen anders denkende einem nicht passen, sie nicht

37:50.720 --> 37:51.740
einfach verbieten kann.

37:53.620 --> 37:56.860
Deshalb sind deutsche Fälle insoweit in Straßburg nicht gelandet.

37:57.680 --> 38:00.660
Andere Länder schädigen für die Enteignungen so spät, dass durch die

38:00.660 --> 38:02.900
Inflation das Ganze nur noch ein Trinkgeld ist.

38:04.640 --> 38:07.840
Insoweit erreichen den Gerichtshof massenweise Beschwerden

38:07.840 --> 38:09.360
beispielsweise aus der Türkei.

38:09.360 --> 38:13.320
Es werden dann einzelne herausgegriffen und wie am Beispiel Broniewski

38:13.320 --> 38:16.480
gezeigt, wird dann mit dem Musterfall versucht zu erreichen, dass sich

38:16.480 --> 38:18.520
das ganze System ändert.

38:19.220 --> 38:23.240
Es wird den Staaten die Möglichkeit gegeben, selbst zu entscheiden,

38:23.420 --> 38:25.620
wie sie den Richterspruch implementieren.

38:26.500 --> 38:28.240
Das Instrumentarium ist effektiv.

38:28.700 --> 38:32.460
Unzählige Missstände und Fehlentwicklungen in allen Vertragsstaaten

38:32.460 --> 38:34.040
sind bereits korrigiert worden.

38:34.040 --> 38:38.840
Den neu hinzutretenden Staaten im Osten ist ein Gerüst an die Hand

38:38.840 --> 38:39.600
gegeben worden.

38:40.100 --> 38:43.200
Innerhalb des Gerüstes konnten sie ihre Rechtsprechung entwickeln und

38:43.200 --> 38:43.680
aufbauen.

38:44.420 --> 38:48.140
Und oft ist die Straßburger Rechtsprechung die einzige, die die jungen

38:48.140 --> 38:52.360
Richter im Osten überhaupt haben, wenn sie einen Weg suchen, den

38:52.360 --> 38:54.220
Rechtsstaat zu verwirklichen.

38:55.040 --> 38:58.100
Das System lebt von der Unterstützung aller Beteiligten.

38:58.940 --> 39:03.260
Auch von der Bereitschaft nationaler Behörden und Gerichte, den

39:03.260 --> 39:04.540
Urteilen Folge zu leisten.

39:05.360 --> 39:08.960
Es gehört eben zum Wesen der von den Vertragsstaaten gewählten

39:08.960 --> 39:14.500
völkerrechtlichen Verpflichtung, dass sie die Garantien einlösen und

39:14.500 --> 39:17.100
die rein innerstaatliche Sicht ablösen.

39:17.940 --> 39:20.920
Durch einen Weg, den sie gestatten, einem international

39:20.920 --> 39:25.420
zusammengestellten Richterkollegium, das manchmal abweicht von der

39:25.420 --> 39:26.840
rein innerstaatlichen Sicht.

39:29.060 --> 39:33.200
Auf Dauer wird sich bei den individuellen Freiheitsrechten die

39:33.200 --> 39:36.440
Vereinheitlichungstendenz unter dem Einfluss dieser Rechtsprechung

39:36.440 --> 39:37.080
fortsetzen.

39:38.040 --> 39:40.980
Die nationalen Gerichte können dazu beitragen, auch das

39:40.980 --> 39:45.420
Bundesverfassungsgericht, voraussetzung die Dialogfähigkeit nimmt zu.

39:46.720 --> 39:51.080
Wenn man sich schult, die fremden Rechtsmeinungen, die ähnliche

39:51.080 --> 39:55.260
Problemlagen betreffen, überhaupt nur anzusprechen, zu zeigen, dass

39:55.260 --> 39:59.040
man es gelesen hat, dann kann doch ein Außenstehender kaum erkennen,

39:59.560 --> 40:03.720
ob man die Rechtsprechung ausländischer Gerichte und internationaler

40:03.720 --> 40:07.540
Gerichte gesehen hat, zur Kenntnis genommen hat und ob sie einen nicht

40:07.540 --> 40:08.280
überzeugt haben.

40:08.520 --> 40:12.560
Das kann ja aus guten Gründen so sein, dass man sie aus wohl erwogenen

40:12.560 --> 40:13.500
Gründen nicht übernimmt.

40:13.500 --> 40:17.500
Aber wenn man den Dialog dadurch erst führt, weiß man nicht, ob es nur

40:17.500 --> 40:21.640
aus Unkenntnis geschieht oder weil man die besseren Gründe zu haben

40:21.640 --> 40:22.120
glaubt.

40:23.460 --> 40:26.340
In den Schlussfolgerungen wird man nur überzeugend, wenn man den

40:26.340 --> 40:27.260
Dialog aufnimmt.

40:28.300 --> 40:31.320
Angesichts der Arbeitslast, die alle Richter in allen Staaten

40:31.320 --> 40:35.140
beklagen, sollte man annehmen, dass man auf die vorhandenen

40:35.140 --> 40:36.560
Erkenntnisse zurückgreift.

40:36.680 --> 40:40.180
Es gibt ein schatzkollektives Erkenntnis zu den Menschenrechten, die

40:40.180 --> 40:42.140
kann jeder Richter, die kann jedes Gericht nutzen.

40:42.140 --> 40:46.120
Und je besser die Menschenrechte schon national geschützt werden,

40:46.700 --> 40:49.980
desto mehr werden die Straßburger Richter entlastet.

40:50.800 --> 40:51.760
Und das ist auch nötig.

40:52.820 --> 40:57.180
Wenn man bedenkt, dass diese 45 Richter für 800 Millionen Menschen

40:57.180 --> 41:02.880
zuständig sind, dass jedes Jahr 40.000 Beschwerden eingehen und dass

41:02.880 --> 41:05.880
es einen erheblichen Rückstand unbearbeiteter Fälle gibt, dann wird

41:05.880 --> 41:09.020
man verstehen, dass Straßburg für jeden effektiven

41:09.020 --> 41:12.520
Menschenrechtsschutz auf nationale Ebene wirklich dankbar ist.

41:13.120 --> 41:15.400
Kooperation bedeutet Arbeitsteilung.

41:16.300 --> 41:19.900
Und die Menschenrechtskonvention ist auf Arbeitsteilung angelegt.

41:20.080 --> 41:24.060
Subsidiarität bedeutet erst national und erst im äußersten Fall

41:24.060 --> 41:24.640
international.

41:25.820 --> 41:29.780
Es gibt daher keine Gefahr, dass die nationalen Gerichte zur

41:29.780 --> 41:33.280
Bedeutungslosigkeit verkommen könnten, bevor sie vielfach Angst haben.

41:35.000 --> 41:38.100
Zum Ende noch einmal unsere Eingangsfrage.

41:38.220 --> 41:40.520
Brauchen wir den Europäischen Menschenrechtsgerichtshof?

41:41.060 --> 41:43.600
Ja, wir brauchen ihn.

41:43.920 --> 41:48.240
Um nicht nationale Sonderwege zu gehen, wo es europäische Standards

41:48.240 --> 41:48.600
gibt.

41:49.540 --> 41:50.300
Wir brauchen ihn.

41:51.180 --> 41:55.400
Weil einzelne Nationen, auch Deutschland, zu eilfertig die

41:55.400 --> 41:59.340
Freiheitsgarantien zu Gunsten von Hoffnung auf mehr Sicherheit

41:59.340 --> 41:59.940
aufgeben.

41:59.940 --> 42:04.900
Vor allem aber brauchen wir ihn, um nicht zu vergessen, dass die

42:04.900 --> 42:08.540
Verwirkung der unveräußerlichen Menschenrechte nicht erstmals in

42:08.540 --> 42:12.340
Deutschland verlangt und durchgesetzt worden ist, sondern durch andere

42:12.340 --> 42:16.740
Nationen, mit denen uns heute das Verkenntnis zu diesen

42:16.740 --> 42:19.500
unveräußerlichen Menschenrechten verbindet.

42:19.960 --> 42:20.660
Danke.

