WEBVTT

00:02.060 --> 00:04.420
Und da habe ich jetzt erstmal ein paar Themen rausgepickt.

00:05.440 --> 00:09.180
Und dann spreche ich im zweiten Teil drei Kernprobleme an, die, wie

00:09.180 --> 00:11.180
ich eben vorher schon sagte, so ein bisschen mehr in meinem eigenen

00:11.180 --> 00:12.100
Arbeitsbereich liegen.

00:12.800 --> 00:15.540
Nämlich einmal das Thema Cockpit Enhancement, das heißt, wie man sich

00:15.540 --> 00:19.940
mit Hilfe von psychopharmakologischen Methoden in seiner geistigen

00:19.940 --> 00:21.420
Leistungsfähigkeit verbessern kann.

00:21.560 --> 00:26.860
Das ist Rhythmen, Mustererkennung, Maschinenlernen und so weiter, wo

00:26.860 --> 00:31.500
man dann eben versucht, Bewusstseinszustände im Gehirn zu finden oder

00:31.500 --> 00:32.840
zu verorten und vorherzusagen.

00:33.900 --> 00:35.660
Und das kann man dann eben auch anwenden, z.B.

00:35.740 --> 00:36.740
für die Lügendetektion.

00:37.960 --> 00:41.840
Und dann der dritte Punkt wird Sie interessieren, wenn Sie, wie ich

00:41.840 --> 00:46.340
hoffe, auch ein bisschen ein kritischer Mensch sind und nicht so sehr

00:46.340 --> 00:49.640
vielleicht zufrieden auch sind damit, wie die Diskussion in der

00:49.640 --> 00:50.600
Öffentlichkeit geführt wurde.

00:50.700 --> 00:52.860
Also gerade wenn es um solche Punkte wie Willensfreiheit geht oder das

00:52.860 --> 00:56.620
Menschenbild, das jetzt umgestürzt werden soll angeblich durch die

00:56.620 --> 00:57.260
Hirnforschung.

00:57.800 --> 00:59.700
Und ich habe eben hier dann versucht zu zeigen, dass man eigentlich

00:59.700 --> 01:02.080
die Forschungsergebnisse immer auf verschiedene Weise interpretieren

01:02.080 --> 01:07.480
kann und dass es vor allem auch nichts zu beschätzen ist, wie sie auch

01:07.480 --> 01:09.820
in den Medien dann aufgegriffen und darüber berichtet wird.

01:10.700 --> 01:14.400
Und dann kommt eben zum Schluss ein paar Folien nach Neuroethik oder

01:14.400 --> 01:15.220
Neurophilosophie.

01:17.140 --> 01:20.020
Ich möchte eigentlich eine Stunde sprechen, die Zeit läuft jetzt

01:20.020 --> 01:20.280
schon.

01:21.400 --> 01:23.200
Und schlimmstenfalls, wenn es ein bisschen eng wird, würde ich den

01:23.200 --> 01:27.200
dritten Punkt oder zwei weglassen, damit wir auch noch zur Diskussion

01:27.200 --> 01:28.000
ordentlich Zeit haben.

01:28.140 --> 01:29.480
Ich glaube, das ist für alle dann auch interessant.

01:29.620 --> 01:32.860
Ich möchte auch wissen, was Sie so denken und es interessiert.

01:33.840 --> 01:35.860
Also fangen wir mal an, Übersicht über die ethischen Probleme der

01:35.860 --> 01:36.380
Neurowissenschaft.

01:36.680 --> 01:39.360
Einfach mal ein paar Themen, die es da gibt.

01:39.480 --> 01:43.100
Es gibt zum Beispiel, unter dem Stichpunkt Neuroethik ist gleich FMRI

01:43.100 --> 01:43.280
-Ethik.

01:44.040 --> 01:47.480
Also FMRI ist die funktionelle Magnetresonanz-Tomografie, also im

01:47.480 --> 01:50.600
Englischen dann E-Imaging anstatt von Tomografie.

01:51.080 --> 01:57.540
Und MRT ist eben die Methode, mit der wir arbeiten oder die

01:57.540 --> 01:59.220
Maschinerie sozusagen, die wir haben.

01:59.740 --> 02:03.480
Damit kann man anatomische und funktionelle Aufnahmen machen.

02:03.640 --> 02:05.880
Und eben weil man damit funktionelle Aufnahmen machen kann, das heißt

02:05.880 --> 02:10.660
die Hirnaktivität verfolgen in gewisser Art und Weise, ist das eben in

02:10.660 --> 02:14.780
den letzten 15 Jahren sehr beliebt geworden bei den Forschern, weil

02:14.780 --> 02:19.120
man dort eben ohne Kontrastmittel zu spritzen oder irgendwelche

02:19.120 --> 02:25.180
anderen gesundheitsschädlichen Nebenwirkungen die Menschen untersuchen

02:25.180 --> 02:25.360
kann.

02:25.460 --> 02:27.140
Also es wird nur ein statusstarkes Magnetfeld gegeben.

02:27.280 --> 02:29.720
Es gibt auch so das Gebiet der MR-Physik, darüber will ich jetzt nicht

02:29.720 --> 02:30.320
so sehr sprechen.

02:30.920 --> 02:32.900
Aber jedenfalls ein Problem, das man auch in der Neuroethik

02:32.900 --> 02:36.400
diskutiert, ist das eben bei vielen Menschen, und hier sehen Sie links

02:36.400 --> 02:40.460
Judy Illes vom Biomedical Ethics Center der Stanford University.

02:40.460 --> 02:45.060
Und wir haben eben festgestellt, dass in 47% der 151 strukturellen

02:45.060 --> 02:49.060
Aufnahmen, davon sehen Sie hier rechts, treten Zufallsbefunde auf.

02:49.580 --> 02:51.540
Also es war ein Sample, das sie ausgewählt haben.

02:52.220 --> 02:55.920
Zufallsbefunde heißt, das sind irgendwelche Auffälligkeiten, die man

02:55.920 --> 02:59.940
eigentlich einem Neuroradiologen geben muss, und der dann entscheidet,

03:00.700 --> 03:02.020
ob die klinisch relevant sind.

03:02.100 --> 03:04.960
Das heißt, ob man die weiter untersuchen sollte.

03:05.100 --> 03:06.660
Hier sieht man so ein Beispiel, das sieht schon mal sehr

03:06.660 --> 03:07.640
außergewöhnlich aus.

03:07.640 --> 03:10.940
Hier vorne im rechtes Corpus Callosum des anterioren singulären

03:10.940 --> 03:11.440
Kortex.

03:13.560 --> 03:18.060
Und tatsächlich sind dann aber eben nur 0,5 bis 2% der Untersuchungen,

03:18.100 --> 03:21.440
die man macht, oder dieser strukturellen Aufnahmen, die man macht,

03:21.940 --> 03:24.380
sind dann wirklich in dem Sinne klinisch relevant, dass sie auf

03:24.380 --> 03:25.160
Krankheiten hinweisen.

03:25.640 --> 03:28.480
Und hier oben sehen Sie so Material, Schnipsel aus entweder Science

03:28.480 --> 03:32.000
oder Nature, wo immer Leute sagen, I'm volunteering for an MRI scan to

03:32.000 --> 03:32.760
change my life.

03:33.280 --> 03:35.800
Oder hier rechts dieser kleine Schnipsel hat ein Student, nachdem man

03:35.800 --> 03:39.080
bei ihm eine Anomalie im Gehirn gefunden hat, gesagt, er will jetzt

03:39.080 --> 03:41.020
nicht mehr auf die Kardiothenschule gehen und seinen Doktor machen,

03:41.080 --> 03:43.420
weil er sich nicht mehr zutraut mit diesem Gehirn.

03:43.720 --> 03:46.320
Und das ist eben so eines der praktischen Probleme, das eben die

03:46.320 --> 03:49.240
Forscher jetzt haben, dass die Versuchspersonen auch unter Umständen

03:49.240 --> 03:51.980
haben können, wenn sie sich freiwillig melden, also wir in Bonn lösen

03:51.980 --> 03:54.400
das Problem, indem wir so eine Full Disclosure Policy haben, also die

03:54.400 --> 03:57.820
Leute müssen einwilligen, dass im Fall eines solchen Fundes wir das an

03:57.820 --> 04:03.780
einen Radiologen geben und dann unter Umständen sie kontaktieren, dass

04:03.780 --> 04:05.640
das vielleicht medizinisch nochmal abgeklärt werden sollte.

04:05.740 --> 04:07.040
Darüber spreche ich jetzt nicht mehr im Weiteren.

04:07.840 --> 04:09.300
Ein anderes Beispiel in eurem Marketing.

04:10.440 --> 04:12.760
Firmen untersuchen, wie die Gehirne von Versuchspersonen z.B.

04:12.860 --> 04:15.960
auf Produkt- oder Werbeklips reagieren und wollen damit ihr Marketing

04:15.960 --> 04:16.420
optimieren.

04:16.480 --> 04:19.800
Hier unten ist eine Studie aus unserer Gruppe von Susanne Erk, wo sie

04:19.800 --> 04:23.980
eben in Kooperation mit einem Wirtschaftsunternehmen, das Autos

04:23.980 --> 04:27.700
herstellt, männlichen Versuchspersonen Sportwagen, Limousinen und

04:27.700 --> 04:30.700
diese Small Cars, irgendwelche Kleinwagen gezeigt haben.

04:31.320 --> 04:33.840
Und man sieht jetzt hier auf dem Bild links im ventralen Striotum,

04:33.900 --> 04:37.080
also es ist ein Hirnbereich, der aufgrund der Dopaminergen, also es

04:37.080 --> 04:40.520
heißt Dopaminerzeugende Neuronen dort, eben ein wesentlicher Teil des

04:40.520 --> 04:41.480
Belohnungssystems ist.

04:41.920 --> 04:45.200
Man kann das im Prinzip so verstehen, dass die männlichen Probanden

04:45.200 --> 04:48.540
auf die Sportwagens ein besonders großes Belohnungsempfinden

04:48.540 --> 04:49.100
vielleicht hatten.

04:49.680 --> 04:52.080
Und man könnte jetzt versuchen, die Sportwagen darauf zu optimieren.

04:52.640 --> 04:54.980
Das ist erstmal eine Methode, wie man es vielleicht vorher auch

04:54.980 --> 04:58.620
gemacht hat, mit irgendwelchen Fragebögen oder Umfragen zu optimieren.

04:58.620 --> 05:01.360
Man könnte sich irgendwie auch fragen, ist die Werbung nicht

05:01.360 --> 05:03.780
vielleicht heute schon besser, als wir es eigentlich uns wünschen?

05:04.640 --> 05:07.020
Und kann man vielleicht jetzt mit diesen Methoden des Neuromarketings

05:07.020 --> 05:10.100
irgendwann ein unwiderstehbares Produkt vielleicht mal erzeugen, dem

05:10.100 --> 05:10.980
wir nicht mehr widerstehen könnten?

05:11.100 --> 05:12.640
Das ist vielleicht auch ein ethisches Problem.

05:13.700 --> 05:17.100
Jetzt keines, womit ich mich im Neuron befasse, deswegen werde ich

05:17.100 --> 05:18.260
auch darüber jetzt nicht mehr sprechen.

05:20.060 --> 05:23.760
Das dritte Schlagwort, wir hatten jetzt schon Neuroethik, wir hatten

05:23.760 --> 05:26.220
eben Neuromarketing, Neuroeducation, es gibt noch eine ganze Reihe

05:26.220 --> 05:26.740
mehr davon.

05:29.060 --> 05:31.680
Neuroeducation bedeutet, dass es jetzt viele Menschen gibt, die

05:31.680 --> 05:34.520
versuchen, mithilfe der Ergebnisse aus der Hirnforschung Empfehlungen

05:34.520 --> 05:36.780
zu geben, dafür, wie wir Unterricht gestalten sollen.

05:37.300 --> 05:38.920
Zum Teil sind das seriöse Empfehlungen, z.B.

05:39.040 --> 05:41.960
wann man damit beginnen soll, Fremdsprachen zu unterrichten in

05:41.960 --> 05:47.140
Schulen, das hat schon Auswirkungen auf den Unterricht dort.

05:47.360 --> 05:50.140
Zum Teil sind es aber auch ganz unseriöse und hanebüchene

05:50.140 --> 05:52.500
Empfehlungen, die Lehrern dort gegeben wird.

05:52.500 --> 05:55.320
Das wird in diesen beiden Artikeln, die jetzt etwa im April dieses

05:55.320 --> 05:57.500
Jahres erschienen sind, diskutiert.

05:58.640 --> 06:05.740
Also auch sozusagen die Anwendung der mutmaßlichen Ergebnisse der

06:05.740 --> 06:11.300
Hirnforschung ist eben auch hier ethisch nicht unproblematisch, weil

06:11.300 --> 06:15.920
eben viele dieser Forschungsergebnisse auch vielleicht gar nicht so

06:15.920 --> 06:18.700
unstrittig sind, wie sie dann verkauft werden an die Lehrer, sage ich

06:18.700 --> 06:19.000
jetzt mal.

06:20.260 --> 06:21.860
Darüber jetzt im Folgenden nicht mehr so viel.

06:22.580 --> 06:26.260
Auch jetzt hier noch ein Punkt, der Sie vielleicht schon mal sehr

06:26.260 --> 06:29.280
interessieren könnte, die Frage des künstlichen Bewusstseins.

06:30.180 --> 06:33.600
Hier habe ich jetzt mal eine Textstelle von Hilary Putnam, das ist so

06:33.600 --> 06:36.900
eine der Vaterfiguren der Philosophie in den Vereinigten Staaten.

06:38.200 --> 06:42.160
1964 hat das sich schon im Journal of Philosophy über die Frage

06:42.160 --> 06:45.800
Gedanken gemacht, Machines are artificially created live.

06:46.000 --> 06:48.600
Also es geht jetzt natürlich nicht um irgendwelche ganz trivialen

06:48.600 --> 06:52.400
Roboter, sondern um welche, die ähnliche Eigenschaften aufweisen, wie

06:52.400 --> 06:53.380
es vielleicht Menschen können.

06:53.960 --> 06:57.560
Und da hat eben sich schon 1964 mit dieser Frage beschäftigt, sind das

06:57.560 --> 06:59.200
eigentlich nur Maschinen oder irgendwann vielleicht sowas wie

06:59.200 --> 07:00.280
künstlich erzeugtes Leben?

07:03.040 --> 07:05.500
Und diskutiert eben dann dort auch diesen Punkt, sollten Roboter

07:05.500 --> 07:06.320
Bürgerrechte haben?

07:06.880 --> 07:08.900
Ich will das jetzt hier gar nicht im Einzelnen vorlesen, aber er macht

07:08.900 --> 07:12.320
dann so ein Gedankenexperiment mit einem Roboter Oscar, der eben

07:12.320 --> 07:14.900
bestimmte ähnliche funktionelle Eigenschaften aufweist, die eben auch

07:14.900 --> 07:17.520
Menschen haben, der wahrscheinlich Bewusstseinserlebnisse hat.

07:18.060 --> 07:20.140
Und der diskutiert eben diese Frage, sollten Roboter Bürgerrechte

07:20.140 --> 07:20.480
haben?

07:22.500 --> 07:24.960
Ich glaube, die Textstelle lasse ich hier einfach mal weg, vielleicht

07:24.960 --> 07:26.340
nur zur Unterhaltung.

07:26.440 --> 07:28.400
Am Ende sagt er unten noch, also nach den Punkten,

07:36.100 --> 07:39.840
Was er damit meint ist, damals war das noch so weit weg, dass man

07:39.840 --> 07:43.260
sozusagen frei von politischen Strömungen die Frage diskutieren

07:43.260 --> 07:45.640
könnte, ob Roboter sowas wie Bürgerrechte kriegen sollten.

07:46.540 --> 07:49.400
Und er hat halt prognostiziert, sobald wir mal solche Systeme haben

07:49.400 --> 07:53.480
sollten, dass dann eben ganz starke persönliche politische Faktoren

07:53.480 --> 07:56.120
eine Rolle spielen werden in der Diskussion, und er deshalb hofft,

07:56.360 --> 07:59.800
also damals vor über 40 Jahren hätte man das Problem noch lösen können

07:59.800 --> 08:00.540
ohne diese Probleme.

08:01.220 --> 08:02.300
Ich glaube, wir haben es noch nicht gelöst.

08:04.240 --> 08:06.640
Aber hier jetzt mal aus seiner Conclusion einen Absatz.

08:07.300 --> 08:10.520
Da schreibt er, It is reasonable then to conclude that the question

08:10.520 --> 08:15.240
that titles this paper, also Maschinen oder künstliches Leben, calls

08:15.240 --> 08:16.740
for a decision and not for a discovery.

08:17.580 --> 08:21.240
If we are to make a decision, it seems preferable to me to extend our

08:21.240 --> 08:24.860
concept so that robots are conscious, also es geht um die Frage, ob

08:24.860 --> 08:29.300
Roboter sowas wie Bewusstsein haben können, for discrimination based

08:29.300 --> 08:33.080
on softness or hardness of the body parts of a synthetic organism

08:33.080 --> 08:36.640
seems as silly as discriminatory treatment of humans on the basis of

08:36.640 --> 08:36.900
color.

08:37.060 --> 08:39.180
Und was man vielleicht noch dazusagen musste, also Billy Ripatman war

08:39.180 --> 08:42.020
einer der ersten Funktionalisten in der Philosophie, also die haben

08:42.020 --> 08:44.640
sozusagen die BHB-Juristen erledigt, denen sie gezeigt haben, deren

08:44.640 --> 08:48.320
Theorien sind schlecht, und die Funktionalisten sagen eben, Systeme,

08:48.360 --> 08:51.520
die sich im Hinblick auf ihre funktionalen Eigenschaften, also auf

08:51.520 --> 08:55.580
das, was sie können, das Verhalten, das sie zeigen, auf die Zustände,

08:55.640 --> 08:58.680
die ihnen idealisiert sind, identisch sind, die sind eigentlich in

08:58.680 --> 08:59.920
allen wesentlichen Eigenschaften identisch.

08:59.920 --> 09:02.400
Also wenn ich Bewusstsein habe und ich habe irgendwie einen

09:02.400 --> 09:05.800
funktionalen Zwilling sozusagen, dann ist es jetzt egal, ob der aus

09:05.800 --> 09:09.660
Silizium gebaut ist, ob der aus Wasserrohren gebaut ist, oder aus, was

09:09.660 --> 09:14.120
ich weiß, Käsestreifen gebaut ist, wenn der funktionell identisch ist

09:14.120 --> 09:16.500
mit mir, damals hat man eben noch viel über Toolmaschinen nachgedacht

09:16.500 --> 09:21.440
zu dieser Zeit, dann hat der eben auch Bewusstsein und ähnlich könnte

09:21.440 --> 09:23.740
man dann auch die Fragen nach den Bürgerrechten beantworten.

09:25.180 --> 09:27.080
Dazu jetzt im Folgenden auch nicht mehr, wir können das ja gerne in

09:27.080 --> 09:28.560
der Diskussion alles nochmal aufgreifen.

09:29.380 --> 09:33.680
Jetzt haben wir uns sozusagen überlegt, die Maschinen, die wir

09:33.680 --> 09:37.500
erzeugen, was mit denen ist, also es geht so, sage ich mal, das, was

09:37.500 --> 09:40.600
wir Menschen machen, jetzt gucken wir uns mal die andere Seite an,

09:40.660 --> 09:45.360
also die Tiere, die um uns herum leben, und was wir hier sehen, also

09:45.360 --> 09:48.380
diese Zeitschrift Consciousness and Cognition, die hatte 2005 einen

09:48.380 --> 09:53.200
Schwerpunkt zum Thema Animal Cognition, also sozusagen kognitive

09:53.200 --> 09:56.240
Fähigkeiten, die Tiere besitzen könnten, und diese Autoren hier,

09:56.240 --> 09:59.780
Edelmann und Kollegen, haben eben hier so ein Modell, also man kann

09:59.780 --> 10:03.040
sich jetzt vorstellen, alle diese Individuen sehen gerade eine

10:03.040 --> 10:06.320
Glühbirne, und der Mensch da oben, der hat halt so dieses begriffliche

10:06.320 --> 10:10.200
Wissen, der sieht, okay, ich sehe gerade eine Glühbirne, dann haben

10:10.200 --> 10:12.580
wir hier Nagetiere, und für Edelmann und Kollegen ist schon relativ

10:12.580 --> 10:15.200
sicher eigentlich, dass Nagetiere auch ein bewusstes Erleben von

10:15.200 --> 10:20.380
Glühbirnen haben, weil ihre Gehirne sozusagen in struktureller

10:20.380 --> 10:22.940
Hinsicht sehr ähnlich zu unseren sind, sie sind nur in voluminöser

10:22.940 --> 10:26.720
Hinsicht kleiner, also bis zur Maus hier drunter und so weiter, sind

10:26.720 --> 10:29.640
im Wesentlichen alle Strukturen, die wir besitzen, auch bei den Nagern

10:29.640 --> 10:31.240
vorhanden und bei allen anderen Säugetieren.

10:32.000 --> 10:35.640
Dann hat zum Beispiel der Vögel das Fragezeichen, da hat man noch

10:35.640 --> 10:37.860
nicht so wirklich eine gute Theorie, wie dort Bewusstsein entstehen

10:37.860 --> 10:39.540
könnte, aber man hat zumindest schon eine Vermutung, das sehen wir

10:39.540 --> 10:42.140
auch gleich, und hier unten sogar bei den Mollusken, bei

10:42.140 --> 10:45.280
Zählerfrohbroden, sagen einfach Edelmann und Kollegen, also das, was

10:45.280 --> 10:48.440
diese Tiere alles leisten können, die Aufgaben, die sie lösen können,

10:48.440 --> 10:50.580
da müssen wir eigentlich davon ausgehen, dass sie auch Bewusstsein

10:50.580 --> 10:51.040
haben.

10:54.420 --> 10:57.260
Das hier sind jetzt sozusagen drei Beispiele für anatomisch

10:57.260 --> 10:58.960
hinreichende Bedingungen für Bewusstsein.

10:59.580 --> 11:02.000
Das sind Fälle des Menschen, man spricht auch von der

11:02.000 --> 11:04.320
corticothalamischen Schleife.

11:07.120 --> 11:10.060
Also man würde jetzt natürlich nicht sagen, auch wenn sie ja träumen

11:10.060 --> 11:12.940
zum Beispiel, na Quatsch, wenn sie schlafen, in einem traumlosen

11:12.940 --> 11:15.900
Schlaf, haben sie ja kein Bewusstsein, aber sie haben trotzdem diese

11:15.900 --> 11:20.820
Hirnareale, also ermöglichen diese Hirnstrukturen Bewusstsein, das ist

11:20.820 --> 11:24.520
so der gängige Stand der Technik, was man einfach überprüfen konnte,

11:24.600 --> 11:26.880
auch durch Lesionsstudien, also Menschen, die Verletzungen in diesen

11:26.880 --> 11:29.420
Bereichen haben, die werden auf das Bewusstsein, vor allem im Bereich

11:29.420 --> 11:30.880
der Basalganglin und des Thalamus.

11:31.380 --> 11:33.920
Cortex ist ja eigentlich das ganze Großhirn, also da kann auch

11:33.920 --> 11:36.060
manchmal einiges kaputt gehen, wenn man das trotzdem auf das

11:36.060 --> 11:36.720
Bewusstsein...

11:37.600 --> 11:40.620
Bei Vögeln hat man eben die Vermutung, die haben jetzt halt keinen

11:40.620 --> 11:44.520
Cortex, aber da könnte dann dieses Telencephalon diese Rolle

11:44.520 --> 11:45.080
übernehmen.

11:45.980 --> 11:48.440
Und bei Cephalopoden, da weiß man über deren Gehirn eigentlich noch

11:48.440 --> 11:48.900
gar nicht so viel.

11:49.480 --> 11:52.060
Ich bin jetzt kein Experte, ich bin kein Biologe, kein Anatomiker,

11:52.200 --> 11:54.460
aber jedenfalls ist deren Gehirn schon sehr unterschiedlich.

11:55.500 --> 11:57.140
Aber das ist sozusagen jetzt der Stand der Forschung.

11:59.100 --> 12:02.740
Das ist jetzt so eine Tabelle aus dieser selben Ausgabe von

12:02.740 --> 12:03.840
Consciousness and Cognition.

12:04.180 --> 12:09.280
Wir haben dem Seth und Kollegen einen Vorschlag gemacht von 17

12:09.280 --> 12:12.600
Verfahrensweisen, die man bewusst sein feststellen könnte, in Menschen

12:12.600 --> 12:13.340
und auch in Tieren.

12:13.920 --> 12:15.480
Wir müssen uns das im Detail gar nicht anschauen.

12:16.020 --> 12:18.060
Merken Sie sich nur, es gibt jetzt hier diese Liste, Sie sagen also 1

12:18.060 --> 12:19.600
bis 3, das sind so die wesentlichen.

12:19.740 --> 12:21.000
Und dann gibt es eben 14 weitere.

12:21.920 --> 12:26.040
Und eben so weit man das auf viele Tiere eben anwenden kann, so weit

12:26.040 --> 12:29.120
scheint es eben so zu sein, dass diese Tiere tatsächlich auch

12:29.120 --> 12:29.860
Bewusstsein haben.

12:33.300 --> 12:36.480
Hier nochmal Vittoria Galesa von der Universität Palmer.

12:36.620 --> 12:40.940
Das ist ein Neurowissenschaftler, der an der Gruppe beteiligt war, die

12:40.940 --> 12:43.360
die sogenannten Spiegelneuronen, Mirror Neurons, entdeckt haben.

12:43.740 --> 12:45.520
Vielleicht haben Sie den Begriff schon mal gehört, ich sage gleich

12:45.520 --> 12:49.080
nochmal, was das sind.

12:50.040 --> 12:51.860
Und der hat sich jetzt in einem Aufsatz, den habe ich auch mal ins

12:51.860 --> 12:54.400
Deutsche übersetzt, vor einem Sammelband, jedenfalls mit der Frage

12:54.400 --> 12:56.080
beschäftigt, haben Affen Begriffe.

12:57.480 --> 12:59.820
Und er spricht dann in diesem Zusammenhang von Canonical und Mirror

12:59.820 --> 13:02.800
Neurons, ich erkläre gleich, was das sind, und er sagt dort, Should we

13:02.800 --> 13:06.440
then grant a capacity to have conceptual knowledge about objects and

13:06.440 --> 13:10.520
facts in the world to non-linguistic species such as monkeys, also

13:10.520 --> 13:13.600
Spezies ohne Sprache, wie zum Beispiel so eine gesprochene Sprache,

13:13.660 --> 13:17.200
wie zum Beispiel den Affen, if we could show that their brain can

13:17.200 --> 13:20.940
represent a specific object or fact in the world through multiple and

13:20.940 --> 13:24.840
converging sensometer paths, I think that many would be ready to

13:24.840 --> 13:25.520
answer yes.

13:26.300 --> 13:27.780
Jetzt kommt aber der spannende Punkt.

13:28.900 --> 13:32.880
The evidence in Canonical Neurons presented above suggest that this

13:32.880 --> 13:33.720
might be the case.

13:33.860 --> 13:37.360
However, some recent neurophysiological data obtained in our

13:37.360 --> 13:39.460
laboratory seem to really make the case.

13:39.560 --> 13:42.620
Also er sagt in diesem Argument, die kanonischen Neuronen, und das

13:42.620 --> 13:44.900
sind Neuronen, die man gefunden hat im motorischen Cortex, also

13:44.900 --> 13:47.720
eigentlich im Ambienbereich, der mit Bewegung zu tun hat,

13:47.780 --> 13:49.540
beziehungsweise genauer gesagt im prämotorischen Bereich, also der

13:49.540 --> 13:52.500
Vorbereitung von Bewegung, wo man eigentlich nur Neuronen erwartet,

13:52.580 --> 13:54.960
die etwas mit Bewegung zu tun haben, hat man eben durch

13:54.960 --> 13:57.960
Einzelzellableitungen in Markaken, also einer Affenspezies, einer

13:57.960 --> 14:01.920
Rhesus -Affenspezies oder Art, Neuronen gefunden, die nicht nur auf

14:01.920 --> 14:05.040
Bewegung, sondern auch auf die visuelle Präsentation von Objekten

14:05.040 --> 14:08.300
reagieren, wie zum Beispiel dieser Flasche, und zwar spezifisch.

14:08.420 --> 14:11.380
Also sie haben dann einige, zumindest die Affen, die spezifisch auf

14:11.380 --> 14:14.800
Flaschen, andere, die auf Gläser oder was auch immer, reagiert haben.

14:15.260 --> 14:18.660
Und er sagt, dass schon allein diese kanonischen Neuronen dafür eine

14:18.660 --> 14:20.840
Erklärung liefern könnten, dass tatsächlich Affen so etwas wie

14:20.840 --> 14:23.880
Abstraktionsvermögen, wie Begriffe besitzen, aber jetzt die

14:23.880 --> 14:26.600
Spiegelneuronen hier unten seem to really make the case.

14:26.680 --> 14:30.860
Also die scheinen tatsächlich diese Frage zu lösen, weil

14:30.860 --> 14:33.660
Spiegelneuronen nämlich Neuronen sind, die nicht nur feuern, also auch

14:33.660 --> 14:36.460
in dem selben Bereich, wieder im prämotorischen Kortex, die nicht nur

14:36.460 --> 14:39.520
feuern, wenn man was mit dem Objekt macht, die nicht nur feuern, wenn

14:39.520 --> 14:42.020
man das Objekt sieht, sondern die auch spezifisch dann feuern, wenn

14:42.020 --> 14:45.060
man andere dabei beobachtet, wie sie zielgerichtete Handlungen mit

14:45.060 --> 14:45.720
einem Objekt vornehmen.

14:45.720 --> 14:48.780
Also wenn sie zielgerichtet nach einer Flasche greifen, zielgerichtet

14:48.780 --> 14:51.700
Nüsse knacken, zielgerichtet was auch immer machen, gibt es im

14:51.700 --> 14:56.840
prämotorischen Kortex Neuronen, die das kodieren und das könnte eben

14:56.840 --> 14:59.540
eine Erklärung dafür sein, dass es so etwas wie Abstraktionsvermögen

14:59.540 --> 15:03.320
und Begriffe auch bei Affen gibt.

15:04.060 --> 15:06.740
Und diese Spiegelneuronen, also es war 1997, glaube ich, war die erste

15:06.740 --> 15:09.100
Veröffentlichung dazu, von Rizzolatti, das ist so der Chef dort in

15:09.100 --> 15:11.120
Brammer, und den Kollegen, Igalese und anderen.

15:11.880 --> 15:15.260
Und seitdem versucht man alles mithilfe von Spiegelneuronen zu

15:15.260 --> 15:15.620
erklären.

15:16.360 --> 15:17.760
Deswegen meinte ich, vielleicht haben Sie auch diesen Begriff schon

15:17.760 --> 15:19.820
mal gehört, also in Menschen sind sie noch nicht experimentell

15:19.820 --> 15:20.560
nachgewiesen worden.

15:21.140 --> 15:23.100
Was aber auch daran liegt, dass man bei Menschen in der Regel keine

15:23.100 --> 15:25.360
Einzelzellableitungen macht, weil das ein invasives Verfahren ist, bei

15:25.360 --> 15:28.420
dem man Elektroden in den Kortex einführt und partieren, gibt es da

15:28.420 --> 15:32.220
eben geringere Bedenken als bei Menschen, was man davon halten mag.

15:35.420 --> 15:38.740
Um das jetzt mal zusammenzufassen, was hat das jetzt mit Ethik zu tun?

15:40.000 --> 15:43.280
Meine Meinung, die Kriterien, mit denen wir Systemen, in der Regel uns

15:43.280 --> 15:45.540
und unseren Spätisgenossen, also es gibt ja dieses schöne englische

15:45.540 --> 15:48.840
Wort Conspecifics, das man oft liest, also wir selbst, ich würde jetzt

15:48.840 --> 15:50.620
sagen, ich habe Bewusstsein, ich würde sagen, Sie alle hier haben

15:50.620 --> 15:51.540
wahrscheinlich auch Bewusstsein.

15:52.840 --> 15:55.300
Also die Kriterien, mit denen wir Systemen bewusst sind, zuschreiben,

15:55.720 --> 15:57.580
scheinen nicht nur auf Menschen anwendbar zu sein.

15:58.660 --> 16:00.260
Zusammenfassung dessen, was ich Ihnen eben gezeigt habe.

16:01.500 --> 16:04.840
Wenn wir die Kriterien enger fassen, laufen wir Gefahr, Systeme, die

16:04.840 --> 16:06.600
wahrscheinlich bewusst sind, auszugrenzen.

16:07.460 --> 16:10.360
Das nennt man in der Philosophie dann auch Chauvinismus, das könnte

16:10.360 --> 16:12.600
zum Beispiel eine Form des Speziesismus sein, also man würde

16:12.600 --> 16:15.300
prinzipiell sagen, was nicht der menschlichen Spezies angehört, das

16:15.300 --> 16:16.220
kann ja auch nicht Bewusstsein.

16:17.820 --> 16:20.440
Man könnte sagen, Corticozentrismus, also alles, was keinen Cortex

16:20.440 --> 16:22.460
hat, das kann kein Bewusstsein haben.

16:25.020 --> 16:27.420
Wenn wir sie aber zu weit fassen, diese Kriterien, dann schließen wir

16:27.420 --> 16:29.520
Systeme ein, die wahrscheinlich unbewusst sind, das nennt man dann

16:29.520 --> 16:31.920
Liberalismus, das hat nichts mit politischem Liberalismus zu tun.

16:31.920 --> 16:35.820
Und es gibt zum Beispiel auch Philosophen, die so einen Panpsychismus,

16:35.880 --> 16:37.860
nennt man das dann, vertreten, die sogar sagen würden, selbst Steine

16:37.860 --> 16:38.420
sind bewusst.

16:39.240 --> 16:41.000
Ich habe das nie so selbst so ganz verstanden.

16:42.800 --> 16:45.120
Aber jedenfalls will man eigentlich, wenn man jetzt Kriterien für die

16:45.120 --> 16:48.260
Zuschreibung von Bewusstsein nennt, auf keiner dieser beiden Seiten

16:48.260 --> 16:48.640
landen.

16:48.780 --> 16:51.200
Also man will weder Chauvinist sein, noch will man Liberalist sein.

16:53.860 --> 16:56.080
Chauvinist, zum Beispiel wenn ich jetzt spontan sagen würde, wer hier

16:56.080 --> 16:59.080
nicht spricht, hat kein Bewusstsein, dann würden alle Menschen, die

16:59.080 --> 17:02.780
der Sprache nicht fähig sind, aus welchen Gründen auch immer, hätten

17:02.780 --> 17:04.560
dann sofort kein Bewusstsein, wäre also schon mal ein ganz schlechtes

17:04.560 --> 17:05.000
Kriterium.

17:05.600 --> 17:07.080
Und deshalb können wir eigentlich auch nicht, wie es in der

17:07.080 --> 17:10.080
Vergangenheit über Jahrhunderte hinweg getan wurde, nur weil Tiere

17:10.080 --> 17:12.300
nicht sprechen können, nicht sagen, dass sie kein Bewusstsein haben.

17:13.940 --> 17:16.780
Und warum ist das jetzt für Normativität und für Ethik wichtig?

17:17.620 --> 17:20.380
Diese Brücke sehe ich hier, denn in dem Maße, wie wir unser

17:20.380 --> 17:23.640
psychologisches Vokabular, zum Beispiel Begriffe wie Denken, Sehen,

17:23.640 --> 17:27.260
oder normatives Vokabular, zum Beispiel Person, Träger von Rechten,

17:27.780 --> 17:30.580
auf Bewusstseinsfähigkeit gründen, werden wir es wahrscheinlich auch

17:30.580 --> 17:31.820
anderen Systemen zugestehen müssen.

17:31.900 --> 17:35.400
Das heißt, wenn ich eine Person bin, oder wenn ich Träger von Rechten

17:35.400 --> 17:38.360
bin, eben weil ich bestimmte Bewusstseinselebnisse habe, dann

17:38.360 --> 17:41.520
konsequenterweise müsste ich auch wahrscheinlich anderen Systemen

17:41.520 --> 17:43.240
diese Kriterien zusprechen.

17:43.700 --> 17:46.380
Man kann natürlich umgekehrt sagen, ich lasse mich gar nicht auf

17:46.380 --> 17:48.620
Bewusstseinskriterien und empirische Sachen usw.

17:48.680 --> 17:49.020
ein.

17:49.020 --> 17:51.660
Irgendwie der Mensch ist, keine Ahnung, Gottes Ebenbild.

17:52.580 --> 17:55.720
Und deshalb stellt sich die Frage gar nicht, ob Tiere Bewusstsein oder

17:55.720 --> 17:56.300
Rechte haben.

17:56.420 --> 17:57.160
Das ist alles uninteressant.

17:57.220 --> 17:58.020
Das ist jetzt nur eine Position.

17:58.160 --> 17:59.360
Das ist im Prinzip ein Konditionalsatz.

17:59.900 --> 18:03.120
Also wenn Bewusstseinszuschreibung für normative Begriffe wichtig

18:03.120 --> 18:06.020
sind, dann hat das eben diese folgenden Implikationen.

18:07.600 --> 18:09.280
So ein bisschen eine provokante These von mir.

18:09.320 --> 18:10.140
Wo war das Mensch?

18:10.600 --> 18:12.960
Also wir sehen hier links, wo der Schimpanse im Zoo sitzt.

18:13.880 --> 18:17.220
Irgendwie ist die Grenze diffus, das will ich sagen, mit diesem Fall.

18:17.220 --> 18:20.380
Nach rechts, mit den Artefakten, die wir erzeugen, wird die Grenze

18:20.380 --> 18:21.200
irgendwann diffus.

18:21.860 --> 18:25.960
Und nach unten, und das ist so der Punkt, mit dem Herr Stixxler

18:25.960 --> 18:28.500
aufmerksam wurde, vielleicht auf den Gedanken mit Philosophen hier

18:28.500 --> 18:30.220
einzuladen, diese Ringverlösung, wie er mir gesagt hat.

18:30.700 --> 18:32.120
Mit dem, was wir mit unseren Gehirnen machen.

18:32.620 --> 18:35.960
Das ist in dem Fall, hat man hier, das ist jetzt ein Modell eines

18:35.960 --> 18:39.780
Verfahrens, mit dem man Elektroden im Gehirn implantiert, um eben z.B.

18:40.280 --> 18:42.700
querschnittsgelähmten Menschen zu möglichen gewissen Prothesen zu

18:42.700 --> 18:43.000
steuern.

18:43.400 --> 18:45.820
Das ist alles noch sehr im Anfangsstadium.

18:45.820 --> 18:49.220
Aber jedenfalls sollen es jetzt drei Beispiele sein, wo eben die

18:49.220 --> 18:51.420
Grenzen verschwimmen ein bisschen.

18:51.560 --> 18:55.160
Weil auch in dem dritten Fall, wir im Prinzip Technik in unseren

18:55.160 --> 18:55.920
Körper einbauen.

18:57.000 --> 19:00.480
Und das ein bisschen etwas anderes aus uns macht, als wir vorher

19:00.480 --> 19:02.360
wahrscheinlich waren.

19:04.380 --> 19:06.140
Ich möchte hier gerade kurz nochmal aufmerksam.

19:07.000 --> 19:10.080
Es gab jetzt in Gehirn und Geist eine siebenteilige Serie zum Thema

19:10.080 --> 19:10.740
Neuroethik.

19:10.740 --> 19:15.780
Das sind zwei Themen, über die jetzt Herr Metzinger geschrieben hat,

19:16.040 --> 19:19.660
mein ehemaliger Chef aus Mainz, den ich sozusagen jetzt hier vertrete

19:19.660 --> 19:20.180
heute Abend.

19:20.520 --> 19:22.460
Also nicht seine Meinung, aber weil er nicht konnte, hat er mich

19:22.460 --> 19:23.480
sozusagen weiter empfohlen.

19:24.420 --> 19:28.140
Und er hat eben dort einen Artikel auch zum Thema tierischen

19:28.140 --> 19:29.860
Bewusstsein und zum Thema Maschinenbewusstsein.

19:30.420 --> 19:32.740
Und er würde ein bisschen mehr jetzt über diese Themen sprechen, als

19:32.740 --> 19:34.160
ich es tun werde.

19:35.380 --> 19:37.020
Aber ich komme jetzt nochmal zu etwas anderem.

19:39.080 --> 19:42.120
In der Diskussion hat es sich einfach so etabliert, dass man sagt,

19:42.720 --> 19:45.620
Neuroethik ist nicht nur die Ethik der Neurowissenschaft, sondern ist

19:45.620 --> 19:47.020
auch Neurowissenschaften der Ethik.

19:47.820 --> 19:51.500
Und was wir jetzt hier sehen, das ist tatsächlich der Kernbestandteil

19:51.500 --> 19:54.900
meiner empirischen Arbeit, ist eine Untersuchung, bei der man für

19:54.900 --> 19:58.460
Suchpersonen im Scanner ethische Dilemmas gezeigt hat.

19:58.520 --> 20:01.260
In diesem Fall wäre das Beispiel das folgende, das ist jetzt so eine

20:01.260 --> 20:04.180
Comicabstraktion, im Scanner wären das Textgeschichten.

20:04.180 --> 20:07.120
Also man wäre jetzt dieses kleine blaue Männchen dort am Rande und

20:07.120 --> 20:11.000
sozusagen, da sind fünf Leute im Zug und dieser Zug ist außer

20:11.000 --> 20:14.060
Kontrolle und dort sehen Sie, ist dieses Loch in der Schiene.

20:14.700 --> 20:16.960
Und wenn der Zug jetzt einfach so weiterfahren würde, würde er auch so

20:16.960 --> 20:18.780
entgleisen, alle Menschen würden sterben.

20:19.240 --> 20:22.060
Und ich hätte halt die Möglichkeit, theoretisch diesen dicken Mann da

20:22.060 --> 20:24.740
drauf zu schubsen, das würde den Zug was auch immer bremsen oder

20:24.740 --> 20:27.060
jedenfalls verhindern, dass diese fünf Menschen sterben.

20:28.380 --> 20:30.500
Und das ist jetzt eben eine witzige Comicversion.

20:32.560 --> 20:36.960
Jedenfalls war das ein Experiment, das Joshua Green gemacht hat, mit

20:36.960 --> 20:37.840
dem er sehr erfolgreich wurde.

20:37.960 --> 20:41.300
Also er hat sozusagen die Gehirne von Menschen untersucht, die gerade

20:41.300 --> 20:43.920
ethische Dilemmas beantworten sollen.

20:44.560 --> 20:47.160
Also Sie sollten jetzt sagen, wäre es angemessen, diesen dicken Mann

20:47.160 --> 20:49.220
auf die Gleise zu schubsen, um die anderen zu retten oder nicht?

20:49.980 --> 20:53.020
Und dann fand er eben jetzt gewisse Aktivierung hier im parazingulären

20:53.020 --> 20:54.200
Cortex und so weiter und so fort.

20:54.840 --> 20:56.820
Das muss uns im Detail jetzt nicht interessieren, ich wollte es nur

20:56.820 --> 20:58.480
der Vollständigkeit halber sagen.

20:59.420 --> 21:03.480
Unter Neuroethik versteht man eben auch Neurowissenschaften der Ethik.

21:04.720 --> 21:07.480
So kommen wir jetzt zu den drei Kernproblemen.

21:09.200 --> 21:13.400
Erstens Cognitive Enhancement, das, wie ich eben denke, Sie vielleicht

21:13.400 --> 21:15.020
als Studenten sehr stark interessieren wird.

21:17.220 --> 21:20.140
Ich habe gerade mit meinem Chef einen Artikel dazu geschrieben, unter

21:20.140 --> 21:22.080
dem Titel Cognitive Enhancement Fakten und Mythen.

21:22.660 --> 21:24.900
Was ich Ihnen jetzt hier ein bisschen vorstelle, ist so ein kleiner

21:24.900 --> 21:25.640
Ausfall daraus.

21:26.320 --> 21:28.980
Morgen wird gerade bei Science Garden, das ist so ein Online

21:28.980 --> 21:33.080
-Wissenschaftsjournalistisches Magazin, ein Artikel von mir

21:33.080 --> 21:35.260
erscheinen, mit dem Titel gedopt ins Abitur.

21:35.360 --> 21:37.800
Ist so ein bisschen für Schüler und Studenten, sage ich mal,

21:37.840 --> 21:39.000
optimiert, worüber ich dort schreibe.

21:40.600 --> 21:42.780
Und falls Sie Interesse haben, können Sie dort nochmal ein bisschen

21:42.780 --> 21:44.260
mehr lesen.

21:45.460 --> 21:46.840
Was meint man jetzt mit Enhancement?

21:46.900 --> 21:50.120
Also ich glaube Cognitive ist relativ klar, aber was meint man jetzt

21:50.120 --> 21:50.700
mit Enhancement?

21:50.740 --> 21:54.160
Das ist auch so eine ganz große Debatte, was eigentlich Verbesserung,

21:54.240 --> 21:55.220
Enhancement bedeuten soll.

21:55.220 --> 21:59.780
Aber das ist sozusagen ein Minimalkonsens aus einem Bericht, den eine

21:59.780 --> 22:05.920
Kommission des US-Präsidenten vorgelegt hat, eben zu der Frage Beyond

22:05.920 --> 22:08.940
Therapy, Biotechnology and the Pursuit of Happiness.

22:09.640 --> 22:11.740
Also wie können wir uns mit Hilfe von Biotechnologie vielleicht

22:11.740 --> 22:12.780
verbessern?

22:14.180 --> 22:16.860
Und die definieren dann eben Enhancement wie folgt.

22:16.920 --> 22:19.880
Es bezeichnet die zielgerichtete Verwendung biotechnologischer Mittel

22:19.880 --> 22:22.900
um nicht krankhafte Vorgänge, sondern das normale, in

22:22.900 --> 22:25.580
Anführungszeichen, Funktionieren des menschlichen Körpers und der

22:25.580 --> 22:29.000
Psyche zu verändern und ihre angeborenen Kapazitäten zu vergrößern

22:29.000 --> 22:29.820
oder zu verbessern.

22:31.620 --> 22:35.600
Und es gibt jetzt, Sie haben eben ja den Titel von unserem Artikel

22:35.600 --> 22:39.020
Nervenerkunde gesehen, Mythen und Fakten, meiner Meinung nach.

22:39.920 --> 22:42.980
Und ich werde jetzt hier ein paar Mythen über die Wirksamkeit und

22:42.980 --> 22:48.240
Verbreitung der Substanz Methylphenidat entflößen, Methylphenidat,

22:48.420 --> 22:50.220
davon haben Sie vielleicht schon mal gehört, weil es der Wirkstoff in

22:50.220 --> 22:53.700
dem ADHS-Medikament Ritalin ist, das immer wieder diskutiert wird,

22:53.720 --> 22:54.480
schon seit Jahrzehnten.

22:55.160 --> 22:57.880
ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizit, Hyperaktivitätsstörung.

22:58.380 --> 23:00.260
Man ist sich gar nicht so wirklich sicher, ist das wirklich ein

23:00.260 --> 23:01.000
Krankheitsbild.

23:01.440 --> 23:03.700
Man sagt oft auch so Zapfel-Phillips-Syndrom, also werden einfach

23:03.700 --> 23:06.120
Kinder, die nicht aufmerksam zuhören können, wie Sie es gerade machen,

23:06.740 --> 23:09.520
werden die als ADHS-Fälle diagnostiziert, kriegen Tabletten und

23:09.520 --> 23:10.460
plötzlich soll es denen besser gehen.

23:12.220 --> 23:14.720
Also über diese Frage, ob das gerechtfertigt ist oder nicht, diese

23:14.720 --> 23:16.900
Diagnose spreche ich jetzt nicht, sondern darüber, dass es eben Mythen

23:16.900 --> 23:19.940
darüber gibt, dass diese Substanz Methylphenidat auch gesunden

23:19.940 --> 23:22.020
Versuchspersonen oder gesunden Menschen helfen würde.

23:23.320 --> 23:26.960
Und einer dieser Mythos, den hat zwar nicht Michael Geseniger in die

23:26.960 --> 23:29.760
Welt gesetzt, den Sie hier gerade sehen, aber er berichtet zum

23:29.760 --> 23:32.660
Beispiel gerade in einer griffigen Weise über ihn, deswegen habe ich

23:32.660 --> 23:35.560
ihn hier auch zitiert, in einem Artikel, der zusammen mit einem von

23:35.560 --> 23:38.520
mir in Gehirn und Geist erschienen ist, zum Thema eben kognitiven

23:38.520 --> 23:39.460
Enhancement.

23:39.600 --> 23:43.380
Und der sagt, dass Ritalin is commonly thought to boost SAT-Scores by

23:43.380 --> 23:47.240
more than 100 points for both the hyperactive and the normal user.

23:47.240 --> 23:51.140
Also SAT-Scores, das sind die Punkte, die man sammeln muss in

23:51.140 --> 23:53.480
Aufnahmeprüfungen an amerikanischen Colleges.

23:54.540 --> 23:57.860
Und dieser Satz bedeutet einfach, dass man gemein und glaubt, dass man

23:57.860 --> 24:00.840
mit Hilfe von Ritalin seine Punktzahl in diesen Aufnahmetests, die für

24:00.840 --> 24:03.040
die Karriere sehr wichtig sein können, weil sie darüber entscheiden,

24:03.140 --> 24:06.380
ob man eben aufgenommen wird oder nicht an diesem College, extrem

24:06.380 --> 24:07.240
wichtig sein können.

24:08.260 --> 24:10.740
Und zwar nicht nur für den Hyperaktiven, also für den Kranken, für den

24:10.740 --> 24:13.300
das Medikament gedacht ist, sondern auch in den normalen User.

24:13.300 --> 24:15.760
Wenn Sie das halt mal bei Google nachschauen oder wo auch immer,

24:16.400 --> 24:19.220
werden Sie da viele Aussagen finden, die das behaupten.

24:20.160 --> 24:22.040
Ich denke zu Unrecht, das werden wir auch gleich sehen.

24:26.200 --> 24:28.980
Also Michael Geseiniger hat mir auf dieselbe Frage geantwortet, es

24:28.980 --> 24:30.800
würden etwa 7 IQ-Punkte entsprechen.

24:31.560 --> 24:33.020
Also es ist schon ein signifikanter Unterschied.

24:34.700 --> 24:36.920
Also ich selbst habe diese SAT-Phase nicht durchgemacht, ich habe hier

24:36.920 --> 24:38.000
in Deutschland studiert, wie Sie auch.

24:38.080 --> 24:40.680
Ich weiß es nicht genau, aber es ist auf jeden Fall ein relevanter

24:40.680 --> 24:43.640
Unterschied, der im Einzelfall darüber entscheiden wird, bei

24:43.640 --> 24:45.680
Grenzsituationen, ob man genommen wird oder nicht am College.

24:48.540 --> 24:50.920
Das ist jetzt eine Forschungsgruppe aus Cambridge, die eben

24:50.920 --> 24:52.940
Experimente mit Psychopharmakologie machen.

24:53.640 --> 24:57.700
Und die haben eben eins mit Methylphenidat bei gesunden, jungen

24:57.700 --> 25:00.580
Männern gemacht, oder gesunden, jungen Erwachsenen.

25:01.540 --> 25:04.900
Und die haben herausgefunden, das habe ich hier auf Deutsch mal kurz

25:04.900 --> 25:08.440
übersetzt, Methylphenidat hat signifikante Effekte auf die Leistung in

25:08.440 --> 25:11.600
den Tests für räumliches Arbeitsgerecht und Planung, aber nicht in den

25:11.600 --> 25:13.260
Aufmerksamkeits - oder Gewandheitstests.

25:13.840 --> 25:16.540
Wenn die Substanz in der ersten Sitzung genommen worden war, also die

25:16.540 --> 25:21.020
Versuchspersonen wurden zweimal eingeladen, war die Leistung für die

25:21.020 --> 25:23.560
räumlichen Tests verbessert im Vergleich zum Placebo.

25:23.700 --> 25:26.040
Also man hat immer eine Kontrollgruppe, die anstelle der Substanz ein

25:26.040 --> 25:26.660
Placebo kriegt.

25:27.200 --> 25:29.340
Und natürlich wissen beide Gruppen nicht, ob sie gerade Substanz oder

25:29.340 --> 25:30.040
Placebo kriegen.

25:30.760 --> 25:32.840
Und weil man immer geringe Versuchspersonenzahlen für diese

25:32.840 --> 25:36.420
freiwilligen Experimente nur kriegt, macht man so ein Counterbalanced

25:36.420 --> 25:37.720
Design, nennt man das.

25:37.720 --> 25:41.260
Also die Leute, die beim ersten Termin Placebo kriegen, die kriegen

25:41.260 --> 25:43.900
beim zweiten Termin Methylphenidat.

25:44.520 --> 25:46.640
Und die Personen, die beim ersten Mal Methylphenidat kriegen, kriegen

25:46.640 --> 25:49.320
beim zweiten Mal Placebo eben aus statistischen Gründen, damit man

25:49.320 --> 25:52.000
mehr Versuchspersonen hat, die man eben auswerten kann für die

25:52.000 --> 25:52.860
statistische Analyse.

25:53.920 --> 25:56.000
Wobei man es mit derselben Anzahl von Menschen zu tun hat einfach.

25:58.760 --> 26:01.500
Und wenn die Substanz aber in der zweiten Sitzung genommen worden war,

26:01.600 --> 26:03.480
dann war die Genauigkeit der Leistung schlechter und die

26:03.480 --> 26:04.680
Reaktionszeiten geringer.

26:05.520 --> 26:07.760
Dazu habe ich hier mal, und das sind die beiden meiner Meinung nach

26:07.760 --> 26:10.300
besten Ergebnisse aus dieser Studie, hier mal gezeigt.

26:11.080 --> 26:13.540
Was Sie hier sehen, sind zwei Grafiken.

26:14.540 --> 26:16.800
Auf der linken Seite ging es um einen Spatial Span Test.

26:17.680 --> 26:21.120
Das war sozusagen, Sie haben auf dem Bildschirm so verschiedene, was

26:21.120 --> 26:22.400
weiß ich, fünf- oder sechsecke gesehen.

26:23.080 --> 26:25.360
Und die sind in einer bestimmten Reihenfolge aufgeblinkt und Sie

26:25.360 --> 26:27.260
mussten sich merken, in welcher Reihenfolge die blinken.

26:27.380 --> 26:30.020
Das wird auch so ein Kinderspiel, wenn Sie das mal gesehen haben, wo

26:30.020 --> 26:32.320
es so vierfarbige Felder gibt und es wird immer komplexer, immer

26:32.320 --> 26:32.600
länger.

26:32.600 --> 26:35.600
Also man muss sich immer länger merken, in welcher Reihenfolge diese

26:35.600 --> 26:38.980
Flecken aufblinken und das danach eingeben.

26:40.660 --> 26:42.700
Und man sieht eben hier die Mean Errors.

26:44.200 --> 26:46.720
Und man sieht eben hier bei der ersten Session, haben also die

26:46.720 --> 26:49.320
Versuchspersonen, die auf Drug, also Drug heißt im Englischen ja nur

26:49.320 --> 26:52.720
Wirksubstanz, in diesem Sinne nicht jetzt Droge, also die einfach

26:52.720 --> 26:55.680
Methylphenidat bekommen haben, die haben sehr viel weniger Fehler im

26:55.680 --> 26:57.600
Mittel gemacht als die Placebokontrollgruppe.

26:59.640 --> 27:02.500
Aber eben bei der zweiten Session war das Bild plötzlich anders.

27:03.100 --> 27:05.300
Hier haben die Leute, die die Substanz bekommen haben, mehr Fehler im

27:05.300 --> 27:08.040
Mittel gemacht als die Leute, die die Placebo bekommen haben.

27:09.660 --> 27:13.160
Und ein anderes, aber auch ähnliches Bild haben wir für ein Spatial

27:13.160 --> 27:16.380
Working Memory Task, das ist im Prinzip ein Memory Spiel, wo man sich

27:16.380 --> 27:18.440
eben merken muss, an welcher Stelle ein bestimmtes Symbol ist.

27:19.140 --> 27:22.300
Und das sieht man auch wieder bei der ersten Sitzung, haben eben die

27:22.300 --> 27:26.340
Methylphenidatgruppe weniger Fehler gemacht, bei der zweiten ist aber

27:26.340 --> 27:27.200
dieser Effekt verschwunden.

27:27.860 --> 27:30.140
Und diese Forschungsgruppe erklärt das eben so, dass Methylphenidat

27:30.140 --> 27:33.000
eine zweifache Wirkung hat.

27:34.400 --> 27:37.020
Einerseits verstärkt es wohl tatsächlich die Konzentration, aber

27:37.020 --> 27:38.800
andererseits verstärkt es auch die Impulsivität.

27:39.360 --> 27:41.340
Das heißt, bei diesem zweiten Termin haben die Leute die Fragen

27:41.340 --> 27:44.700
beantwortet, bevor sie wirklich sich über die Lösung sicher waren und

27:44.700 --> 27:45.680
haben deshalb mehr Fehler gemacht.

27:46.620 --> 27:49.140
Und jetzt daraus eine Empfehlung abzuleiten, dass zum Beispiel Schüler

27:49.140 --> 27:52.480
im Abitur oder Studenten an der Uni ihre Leistungen damit verbessern

27:52.480 --> 27:55.560
können, ist eben sehr fatal, weil man muss sich ja vorstellen, man

27:55.560 --> 27:57.460
studiert und lernt ja eben lange, um sich auf diese Prüfung

27:57.460 --> 27:58.140
vorzubereiten.

27:58.700 --> 28:01.740
Also sind die Fragen in gewisser Art und Weise ja vertraut.

28:02.420 --> 28:06.560
Also könnte es genau sein, dass sie eher hier so ein Bild kriegen wie

28:06.560 --> 28:10.160
rechts, dass sie tatsächlich also mit der Substanz schlechter

28:10.160 --> 28:12.680
abschließen, weil sie die Fragen schneller, aber eben auch

28:12.680 --> 28:13.700
falscherweise beantworten.

28:13.700 --> 28:14.100
Ja.

28:20.750 --> 28:21.190
Substanz, ja.

28:26.960 --> 28:27.240
Nein,

28:31.890 --> 28:34.690
im Vergleich zu...also es gibt ja einmal natürlich einen Lerneffekt.

28:35.070 --> 28:37.090
Das heißt, wenn man das zweite Mal eingeladen wird und man soll

28:37.090 --> 28:39.030
dieselben Aufgaben machen, hat man ein bisschen was gelernt, man kennt

28:39.030 --> 28:41.390
die Aufgaben, man macht es ja ein bisschen besser als beim ersten.

28:41.970 --> 28:44.630
Und diesen Haupteffekt des Lernens sehen Sie also im Schnitt,

28:45.210 --> 28:48.010
zumindest hier bei dem Spatial Span Task, kam beim zweiten Mal,

28:48.610 --> 28:50.990
wahrscheinlich auch beim Spatial Work Environment Task, also die

28:50.990 --> 28:53.790
Versuchspersonen alle jetzt weniger Fehler gemacht als beim ersten

28:53.790 --> 28:54.310
Mal.

28:54.890 --> 28:57.550
Und es ist jetzt eben interessant, dass beim zweiten Mal die

28:57.550 --> 29:00.770
Versuchspersonen, die die Substanz bekommen haben, eben mehr Fehler

29:00.770 --> 29:03.690
machen als die Versuchspersonen, die die Kontrollgruppe, also die

29:03.690 --> 29:04.610
Placebo bekommen haben.

29:07.190 --> 29:11.010
Und das zeigt eben, dass sie eben, also es wird eben erklärt dadurch,

29:11.070 --> 29:12.450
dass sie zu schnell geantwortet haben.

29:13.570 --> 29:14.890
Antwort ist jetzt Ihre Frage, oder?

29:15.550 --> 29:17.450
Also ein bisschen schwer zu verstehen, also man macht eben dieses

29:17.450 --> 29:20.810
Wechselspiel so, dass man jede Person einmal unter Placebo und einmal

29:20.810 --> 29:21.930
unter Methylphenidatin misst.

29:22.410 --> 29:23.950
Also dass man seine Datenbasis verdoppelt.

29:24.550 --> 29:26.990
Und wenn man sie nur einmal einladen würde, könnte man ihr nur

29:26.990 --> 29:27.810
entweder oder geben.

29:28.370 --> 29:31.610
Und wenn man sie zweimal einlädt, dann kriegt jeder einmal das, einmal

29:31.610 --> 29:31.870
das.

29:34.430 --> 29:37.670
So viel zum Thema, diese Ergebnisse sind nicht so ganz so optimal, wie

29:37.670 --> 29:40.490
man sich vielleicht wünschen würde, wenn wir an dieses Vorurteil

29:40.490 --> 29:42.010
zurückdenken, dass es einem hilft.

29:42.830 --> 29:46.690
Jetzt mal eine andere Studie, die sehr viel kritischer war.

29:48.210 --> 29:50.170
Also sie haben momentan ein ganz ähnliches Experiment gemacht und die

29:50.170 --> 29:51.150
fanden Folgendes raus.

29:51.810 --> 29:54.610
Durch die Gabe von Methylphenidatin wurde bei jungen Erwachsenen unter

29:54.610 --> 29:57.410
Schlafentzug keine kognitive Verbesserung beobachtet.

29:58.110 --> 30:01.090
Vorteile, die allgemein von Personen beobachtet werden, welche die

30:01.090 --> 30:03.330
Substanz missbrauchen, also dieses Vorurteil, das gibt es in der

30:03.330 --> 30:06.850
Gesellschaft, zumindest in der nordamerikanischen, könnten mit der

30:06.850 --> 30:08.570
gesteigerten Selbsteinschätzung zusammenhängen.

30:09.050 --> 30:11.330
Also das heißt, die Personen, die Methylphenidatin bekommen haben in

30:11.330 --> 30:15.070
diesem Experiment, die wurden gefragt, oder alle wurden gefragt,

30:15.890 --> 30:16.710
meinst du, du warst besser?

30:18.470 --> 30:21.830
Und tatsächlich haben die Leute, die Methylphenidatin, sich selbst für

30:21.830 --> 30:24.450
besser gehalten, als die Placebo-Gruppe, also deren Selbsteinschätzung

30:24.450 --> 30:26.850
war gesteigert, aber deren Leistung nicht.

30:27.310 --> 30:28.970
Also sie hielten sich fälschlicherweise für besser.

30:29.630 --> 30:32.530
Und das, so ist es meine Meinung, und so erklären sie es auch hier,

30:32.950 --> 30:34.730
könnte also erklären, warum es dieses Vorurteil gibt.

30:35.490 --> 30:37.710
Denn wenn die Menschen denken, dass sie besser sind, dann denken sie,

30:37.810 --> 30:40.450
das Medikament hilft ihnen, aber in Wirklichkeit schneiden sie gar

30:40.450 --> 30:40.950
nicht besser ab.

30:42.070 --> 30:44.070
Und eben nach den Pünktchen sollte man es ein bisschen erwähnen, also

30:44.070 --> 30:46.970
die Gabe von Methylphenidatin führt außerdem zu physiologischen

30:46.970 --> 30:49.830
Effekten, die für bestimmte Individuen bedrohlich sein könnten.

30:50.570 --> 30:53.130
Also wie alle anderen Medikamente und auch insbesondere wie

30:53.130 --> 30:55.150
Psychopharmakologie hat natürlich auch Methylphenidatin

30:55.150 --> 30:55.690
Nebenwirkungen.

30:55.690 --> 30:58.310
Und das einfach so zu nehmen, das sollte man eigentlich niemandem

30:58.310 --> 30:59.130
empfehlen.

31:00.350 --> 31:03.910
Also zusammenfassend gesagt, die Wirksamkeit von Methylphenidatin wird

31:03.910 --> 31:06.350
zwar tatsächlich allgemein angenommen, eine fundierte

31:06.350 --> 31:08.690
wissenschaftliche Basis für diese Anwendung gibt es hingegen nicht.

31:09.930 --> 31:12.670
Die negativen Studien legen jedoch den Verdacht nahe, ich habe Ihnen

31:12.670 --> 31:15.410
das eine gezeigt, es gibt aber noch andere, dass Methylphenidatin

31:15.410 --> 31:17.450
gesunden zu einer gesteigerten Selbststeinschätzung führt.

31:19.590 --> 31:23.110
Kommen wir jetzt zum zweiten Mythos, den Mythos, der die Verbreitung

31:23.110 --> 31:25.990
von Methylphenidatin betrifft.

31:26.130 --> 31:29.190
Also ich war in diesem Jahr auf einigen Konferenzen, zum Teil

31:29.190 --> 31:32.210
internationalen, wo auch Leute gesprochen haben, wie hier Martha

31:32.210 --> 31:35.450
Farrar von der University of Pennsylvania, die teilweise solche

31:35.450 --> 31:39.450
Behauptungen in den Raum stellen, die jeder Zweite nimmt, dass schon

31:39.450 --> 31:43.330
längst Methylphenidat ist, was sie jetzt vielleicht überrascht, weil

31:43.330 --> 31:44.570
sie vielleicht noch nie davon gehört haben.

31:44.650 --> 31:46.310
Mich überrascht das auch immer wieder, wenn ich das höre, weil ich

31:46.310 --> 31:49.310
denke, sind die dann wirklich so naiv, die Studenten da drüben, dass

31:49.310 --> 31:52.490
sie alles sofort einschmeißen, nur weil irgendjemand sagt, das würde

31:52.490 --> 31:52.950
ihnen helfen.

31:53.410 --> 31:56.450
Und Martha Farrar hat zum Beispiel hier in zwei Aufsätzen, die an sehr

31:56.450 --> 31:59.410
renommierten Orten, nämlich in Nature Neuroscience und in Trans and

31:59.410 --> 32:04.730
Cognitive Sciences erschienen ist, mal hier zwei Behauptungen

32:04.730 --> 32:05.270
aufgestellt.

32:05.450 --> 32:08.590
Einmal sagt sie, Tausende normaler, gesunder Kinder und Erwachsene

32:08.590 --> 32:10.050
nehmen also schon Methylphenidat.

32:10.750 --> 32:13.410
Und unten heißt es, 10% der Highschool-Schüler und 20% der College

32:13.410 --> 32:13.950
-Studenten.

32:16.350 --> 32:18.950
Ich meine, man könnte jetzt sagen, vielleicht bis zu, oder jedenfalls,

32:19.730 --> 32:22.050
ich will jetzt nicht unbedingt sagen, dass es falsch ist, was sie

32:22.050 --> 32:23.590
sagt, aber es ist jedenfalls sehr suggestiv.

32:23.730 --> 32:26.550
Also wenn ich jetzt was lesen würde, wenn ich mich daran erinnere, was

32:26.550 --> 32:29.510
Gesenniger dort berichtet hat, dass es angeblich helfen sollte, und

32:29.510 --> 32:31.650
ich würde gerade vorm Abitur stehen, dann würde ich jedenfalls einen

32:31.650 --> 32:34.330
ganz starken Drang verspüren, schnell dieses Methylphenidat zu

32:34.330 --> 32:34.710
besorgen.

32:36.090 --> 32:41.490
Und das tatsächliche Bild, das aber in Studien sich ergibt, ist ein

32:41.490 --> 32:42.110
ganz anderes.

32:42.710 --> 32:44.990
Konzentrieren wir uns hier nur mal auf diese Spalte, 4 MacCabit als

32:44.990 --> 32:46.830
2005, wo die beiden grünen Zahlen sind.

32:47.330 --> 32:51.570
Die beiden Zahlen sind deshalb grün, weil einmal M ist die Anzahl der

32:51.570 --> 32:53.530
Studierenden, die an dieser Befragung teilgenommen haben, das waren

32:53.530 --> 32:57.170
über 10.000, also eine sehr repräsentative, also quer durch die ganzen

32:57.170 --> 32:57.870
Vereinigten Staaten.

32:58.470 --> 33:01.890
Und L ist die Anzahl der Locations, also 119 Colleges haben diese

33:01.890 --> 33:02.770
Studierenden teilgenommen.

33:03.890 --> 33:06.450
Und es ging um verschreibungswürdige Stimulantien, also zum Beispiel

33:06.450 --> 33:08.970
Methylphenidat, zum Beispiel Amphetamin, zum Beispiel andere

33:08.970 --> 33:09.490
Substanzen.

33:10.270 --> 33:13.910
Und sie haben die Frage gestellt, haben sie im letzten Jahr, das ist

33:13.910 --> 33:17.210
dann die obere Zeile, oder im letzten Monat diese Substanz genommen,

33:17.310 --> 33:19.950
und das haben wir eben gesagt, zur Frage im letzten Jahr, haben

33:19.950 --> 33:22.890
gesagt, 4,1%, das bedeutet einmal im letzten Jahr mindestens.

33:23.650 --> 33:26.390
Und im letzten Monat 2,1, also das sind viel bescheidenere Zahlen, als

33:26.390 --> 33:30.310
die eigentlich suggeriert wurden, von dem, was ich Ihnen eben gezeigt

33:30.310 --> 33:30.590
habe.

33:31.370 --> 33:33.890
Und hier ist nochmal so ein Histogramm aus deren Studie, ganz kurz,

33:33.990 --> 33:36.270
das sind Jean-Marc Cabo und Christian Thieder, ein Koalitor.

33:37.150 --> 33:39.170
Und hier sieht man eben, das habe ich versucht mal zu verdeutlichen,

33:39.270 --> 33:43.590
es gibt hier vielleicht von diesen 119 neuen Colleges, oder 8%, an

33:43.590 --> 33:48.350
denen ist es vielleicht wirklich ein Problem, weil dort eben 12-25%

33:48.350 --> 33:50.330
der Studierenden gesagt haben, ja, einmal im letzten Jahr habe ich

33:50.330 --> 33:51.210
Methylphenidat genommen.

33:52.050 --> 33:57.790
Es gibt hier ein großes Mittelfeld von 45%, wo 3-10% der Studierenden

33:57.790 --> 34:01.010
gesagt haben, ja, ich habe das im letzten Jahr einmal genommen.

34:01.530 --> 34:04.490
Es gibt aber eben hier die Mehrzahl der Colleges, ich denke, ich hätte

34:04.490 --> 34:07.550
das noch konservativer einfärben können, ich hätte eigentlich noch

34:07.550 --> 34:09.050
mehr in den grünen Bereich durchaus nehmen können.

34:09.810 --> 34:12.810
Ich habe jetzt halt nur 0,1 und 2%, also jedenfalls an der Mehrzahl

34:12.810 --> 34:15.410
der Colleges scheint Methylphenidat überhaupt gar kein Problem zu

34:15.410 --> 34:15.610
sein.

34:17.370 --> 34:20.110
Also muss man auch sagen, letztlich, in meiner Zusammenfassung,

34:20.950 --> 34:22.930
Methylphenidat wird zwar tatsächlich von einigen Studierenden in der

34:22.930 --> 34:25.210
nordamerikanischen Hochschule konsumiert, jedoch scheinen die

34:25.210 --> 34:27.450
wirklichen Zahlen wesentlich geringer zu sein, als oft sekundär

34:27.450 --> 34:28.410
berichtet oder suggeriert.

34:29.790 --> 34:32.050
Darüber hinaus ist es nicht zutreffend, dass der Konsum hauptsächlich

34:32.050 --> 34:33.590
mit dem Ziel des Cognitive Enhancement geschieht.

34:34.130 --> 34:36.290
Das steckt eben auch in der Tabelle drin, die ich jetzt im Detail

34:36.290 --> 34:37.650
nicht erklärt habe, weil das zu viel wäre.

34:38.090 --> 34:40.210
Aber teilweise haben sie eben auch korreliert das mit anderen

34:40.210 --> 34:42.790
Faktoren, oder haben die Leute einfach gefragt, warum nehmen die diese

34:42.790 --> 34:43.310
Substanzen?

34:44.290 --> 34:46.830
Und da gab es eben folgendes Ergebnis.

34:47.450 --> 34:49.930
Vielmehr ist die Motivation vieler Studierender für den Konsum Spaß

34:49.930 --> 34:53.090
und Erholung, also die man nach Alkohol trinkt, häufig im Zusammenhang

34:53.090 --> 34:55.430
mit anderen Drogen, mit der Bereitschaft auf Partys zu gehen oder mit

34:55.430 --> 34:58.450
Mitgliedschaft in den berüchtigten Verbindungen, also den Brotherhoods

34:58.450 --> 34:59.870
und Sororities in den Vereinigten Staaten.

35:00.670 --> 35:01.770
Kann man das damit korrelieren?

35:01.870 --> 35:04.490
Also man kann nicht sagen, dass allgemein jeder, der diese Medikamente

35:04.490 --> 35:09.890
nimmt, das tut, um sich irgendwie in den Klausuren besser zu

35:09.890 --> 35:12.410
produzieren, sondern dass es auch einfach viel mit Drogen und

35:12.410 --> 35:15.810
Experimente ausprobieren und Spaß und so weiter zu tun hat.

35:18.610 --> 35:20.490
Kurz, Wirksamkeit der Substanz Modafinil.

35:20.590 --> 35:23.610
Das ist ein Wirkstoff im Medikament gegen Schlaferkrankungen, das in

35:23.610 --> 35:24.850
Deutschland, glaube ich, Vigilum heißt.

35:25.750 --> 35:27.950
In den Vereinigten Staaten wird es unter dem Handelsnamen Provigil

35:27.950 --> 35:29.670
verkauft oder verschrieben.

35:30.430 --> 35:31.650
Da sieht es jetzt ein bisschen besser aus.

35:31.650 --> 35:33.630
Ich wollte jetzt nicht nur was Negatives Ihnen berichten, auch ein

35:33.630 --> 35:34.470
bisschen was Positives.

35:35.110 --> 35:39.450
Es gibt jetzt zum Beispiel eine vom Militär durchgeführte Studie mit

35:39.450 --> 35:43.230
Helikopterpiloten, wo das Ergebnis war, Modafinil minderte die Effekte

35:43.230 --> 35:45.410
des Schlafentzugs, also die Piloten wurden unter Schlafentzug

35:45.410 --> 35:49.070
gestellt, bei 4 von 6 Flugmanövern, und zwar im Simulator, nicht

35:49.070 --> 35:52.710
tatsächlich im Hubschrauber, reduzierte die EEG-Aktivität im Bereich

35:52.710 --> 35:55.650
langsamer Wellen, also die, die was mit Müdigkeit, mit Schlafen zu tun

35:55.650 --> 35:59.890
haben, und verringert die berichteten Probleme mit Stimmung und

35:59.890 --> 36:01.470
Wachsamkeit verglichen mit Verzögerung.

36:03.450 --> 36:05.990
Hier wieder von dieser Cambridge-Gruppe, allerdings diesmal mit einer

36:05.990 --> 36:10.170
anderen Erstdoktorin, ein paar Jahre später, die fanden, Modafinil

36:10.170 --> 36:13.110
verbesserte signifikant die Leistungen in Tests für Zahlenreihen,

36:13.170 --> 36:16.730
Erinnerungen für visuelle Mustererkennung, räumliches Planen und die

36:16.730 --> 36:18.070
Stoppsignalreaktionszeit.

36:19.450 --> 36:21.850
Versuchspersonen berichteten, dass sie wachsamer, aufmerksamer und

36:21.850 --> 36:25.770
energetischer unter dem Einfluss der Substanz sich fühlten.

36:26.990 --> 36:30.670
Und da auch nochmal eine Folie drauf, links sehen wir ein Digit-Span

36:30.670 --> 36:31.470
-Length -Task.

36:31.950 --> 36:35.570
Man musste sich einfach zufällige Zahlenreihen merken, zwar vorwärts

36:35.570 --> 36:36.210
und rückwärts.

36:36.770 --> 36:39.870
Man sieht oben die Länge der Zahlenreihen und man sieht eben, das sind

36:39.870 --> 36:43.470
die Lernkreise, also wie viele Zahlen konnten sich die

36:43.470 --> 36:45.190
Versuchspersonen mit Placebo merken.

36:45.670 --> 36:50.090
Die sind also niedriger als die mit der niedrigen und hohen Dosis von

36:50.090 --> 36:50.870
Modafinil.

36:51.730 --> 36:55.090
Und zwar bei vorwärts ist es also sehr signifikant und bei rückwärts

36:55.090 --> 36:55.870
ist es immer noch signifikant.

36:56.890 --> 36:59.110
Und rechts sehen wir New Tower of London, das ist so eine Art Türme

36:59.110 --> 36:59.890
von Hanoi-Spiel.

37:00.690 --> 37:04.610
Nur dass man, also es gibt im Prinzip, man muss Scheiben verschieben,

37:04.690 --> 37:06.990
es gibt einen bestimmten Zielzustand, in dem man diese Scheiben

37:06.990 --> 37:07.550
bringen muss.

37:08.190 --> 37:10.030
Der New Tower of London ist ein bisschen schwieriger als der alte,

37:10.110 --> 37:11.890
weil man das quasi alles im Kopf durchmachen muss.

37:11.970 --> 37:14.970
Bei dem alten konnte man es schrittweise durchführen und da sieht man

37:14.970 --> 37:16.030
eben auch hier ein ähnliches Bild.

37:16.030 --> 37:18.950
Also die mittlere Anzahl der Versuche, die die Versuchspersonen

37:18.950 --> 37:22.770
brauchen, um das Problem korrekt zu lösen, war eben mit Modafinil

37:22.770 --> 37:23.450
geringer.

37:23.550 --> 37:26.530
Es wird immer signifikanter dieser Effekt, je nachdem wie schwierig

37:26.530 --> 37:27.830
man dieses Problem löst.

37:27.910 --> 37:30.230
Also man kann das Problem variieren, indem man die Anzahl der Züge,

37:30.290 --> 37:33.050
die man machen muss, um das Problem richtig zu lösen, vergrößert.

37:33.630 --> 37:35.970
Natürlich je mehr Züge ich im Kopf vorausdenken muss, desto

37:35.970 --> 37:36.690
schwieriger wird es.

37:37.330 --> 37:39.710
Und das sehen Sie eben hier bei Placebo brauchen die Leute im Mittel

37:39.710 --> 37:41.650
immer mehr Versuche dafür, das Problem zu lösen.

37:43.330 --> 37:44.390
Hier eine andere Studie.

37:44.550 --> 37:47.830
Ich sehe gerade mit der Zeit ein bisschen eng. Ich will Ihnen nur

37:47.830 --> 37:51.050
sagen, die haben im Prinzip ganz ähnliche Tests durchgeführt, haben

37:51.050 --> 37:53.550
aber teilweise widersprüchliche Ergebnisse gefunden.

37:55.030 --> 37:56.870
Das sind jetzt nur mal zwei, die ich hier ausgewählt habe.

37:57.690 --> 37:59.930
Hier ist eine Stellungnahme von meinem Chef, Nick Walter, in einem

37:59.930 --> 38:02.950
Artikel von mir zum Cognitive Enhancement, wo er eben hier sagt, eines

38:02.950 --> 38:06.290
ist sicher, der alte Lehrsatz, keine Wirkung ohne Nebenwirkung gilt

38:06.290 --> 38:06.890
ohne Ausnahme.

38:07.350 --> 38:10.270
Denn effektive Medikamente greifen notgedrungen in neurobiologische

38:10.270 --> 38:11.790
Regelkreise ein.

38:12.630 --> 38:15.130
Und er sagt, auch für Cognitive Enhancement gilt, was eine

38:15.130 --> 38:17.750
Nebenwirkung ist und ob ich sie in Kauf nehmen will, ist häufig

38:17.750 --> 38:17.970
Ansichtssache.

38:19.070 --> 38:21.930
Die evolutionär entstandene Multifunktionsstruktur unseres Gehirns

38:21.930 --> 38:24.650
verhindert aber, dass es Mind Doping ohne Nebenwirkungen gibt.

38:25.530 --> 38:29.110
Selbst wenn scheinbar keine da sind, hat man nur nicht lange genug

38:29.110 --> 38:31.770
geschaut oder das Mittel noch nicht lange genug eingenommen.

38:31.770 --> 38:36.290
Und er ist Psychiater und Neurologe und sieht das dort realistisch.

38:36.410 --> 38:38.270
Ich persönlich denke, es ist ein bisschen pessimistisch, aber

38:38.270 --> 38:41.850
zumindest mit den heutigen Substanzen, die wir haben, gebe ich ihm

38:41.850 --> 38:45.010
voll und ganz Recht, dass ich zu der folgenden Zusammenfassung komme.

38:45.810 --> 38:49.250
Es gibt Hinweise darauf, dass Modafinil bei vereinzelten kognitiven

38:49.250 --> 38:50.510
Tests die Leistung verbessert.

38:51.150 --> 38:52.610
Diese Hinweise sind aber nicht unbestritten.

38:53.210 --> 38:54.870
Es gibt Gegenteile gefunden in der Wissenschaft.

38:55.850 --> 38:58.730
Aufgrund seiner Risiken und Nebenwirkungen wäre auch Modafinil nicht

38:58.730 --> 38:59.690
für den Asthma geeignet.

38:59.690 --> 39:02.110
Also alle Leute, die heutzutage schon politische Empfehlungen

39:02.110 --> 39:05.470
aussprechen wollen, tun das eigentlich nicht aufgrund harter

39:05.470 --> 39:06.690
wissenschaftlicher Fakten.

39:09.810 --> 39:12.450
Falls Sie noch mal mehr lesen wollen, unter www.cognitiveenhancement

39:12.450 --> 39:15.690
.de habe ich ein paar Literaturhinweise zusammengestellt.

39:16.310 --> 39:19.130
Die sind jetzt nicht mehr vom aktuellen Stand, sondern von März diesen

39:19.130 --> 39:19.530
Jahres.

39:20.010 --> 39:23.490
Aber dort gibt es eben viele der Aufsätze noch mal zitiert, eigentlich

39:23.490 --> 39:24.550
alle, die ich Ihnen gezeigt habe.

39:25.850 --> 39:27.430
Kommen wir damit zum zweiten Punkt.

39:28.330 --> 39:29.710
Mindreading und Lügendetektion.

39:32.950 --> 39:35.650
Da habe ich vor kurzem für Gehirn und Geist und für Spiegel Online

39:35.650 --> 39:36.450
Artikel zugeschrieben.

39:36.530 --> 39:39.110
Den Spiegel Online Artikel gibt es kostenlos im Internet.

39:39.790 --> 39:41.650
Also falls Sie noch mal ein bisschen genauer nachlesen wollen über

39:41.650 --> 39:44.030
das, was ich Ihnen jetzt erzähle, können Sie das im Internet kostenlos

39:44.030 --> 39:45.150
machen.

39:46.410 --> 39:48.190
Hier sehen wir jetzt eine der frühen Studien.

39:49.690 --> 39:51.510
Und zwar war es ein ganz einfaches Experiment.

39:51.510 --> 39:55.030
Die Versuchspersonen wurden also in den Hirnscanner reingeschoben.

39:56.350 --> 40:00.570
Und sie haben einmal, das ist diese Perception-Bedingung, Bilder von

40:00.570 --> 40:02.390
Häusern und von Gesichtern gezeigt bekommen.

40:03.170 --> 40:05.610
Und einmal, das ist die Imagery-Bedingung, haben sie die Anweisung

40:05.610 --> 40:08.050
bekommen, stellt euch jetzt Häuser oder Gesichter vor.

40:09.950 --> 40:11.410
Und hier sind eben dieses Smileys in Häusern.

40:11.510 --> 40:14.990
Das bedeutet also, zu diesem Zeitpunkt haben sie Gesichter gesehen, zu

40:14.990 --> 40:16.310
diesem Zeitpunkt haben sie Häuser gesehen.

40:17.530 --> 40:20.270
Und das ist dann verteilt oben und unten in zwei verschiedene

40:20.270 --> 40:20.810
Hirnareale.

40:20.910 --> 40:25.650
Einmal in die FFA, die sogenannte Fusiform Face Area, und einmal in

40:25.650 --> 40:27.850
die PPA, die sogenannte Parahippocampal Place Area.

40:27.990 --> 40:31.710
Also diese Areale haben den Namen deshalb erhalten, weil man eben

40:31.710 --> 40:33.890
festgestellt hat, dass sie sehr spezifisch auf bestimmte Reize,

40:33.970 --> 40:37.390
nämlich auf Gesichter und Häuser oder Plätze allgemein, reagieren.

40:37.470 --> 40:40.830
Und was man eben hier sieht, diese Kurve, das ist das Brot-Signal,

40:40.970 --> 40:43.490
also das Durchblutungssignal, das man misst mithilfe der

40:43.490 --> 40:44.270
Kernspectromographie.

40:44.270 --> 40:46.450
Und man sieht eben jetzt, was einen überhaupt nicht überrascht

40:46.450 --> 40:50.830
erstmal, dass wenn die Leute eben Gesichter sehen, dann ist die

40:50.830 --> 40:54.130
Aktivierung im Bereich, sozusagen in der Gesichtsregion im Gehirn ist

40:54.130 --> 40:57.610
hoch und in der Platzregion im Gehirn niedrig.

40:58.210 --> 41:01.130
Umgekehrtes Bild, wenn man denen Häuser zeigt, was jetzt ein bisschen

41:01.130 --> 41:03.490
interessanter ist, das ist auch einer der Gründe, warum die Studie,

41:03.570 --> 41:05.770
denke ich, mal veröffentlicht werden zu diesem Zeitpunkt war, weil da

41:05.770 --> 41:06.710
wusste man das alles längst schon.

41:06.710 --> 41:09.610
Selbst wenn die Versuchspersonen daran denken, also wenn sie sich

41:09.610 --> 41:16.070
Häuser oder Gesichter vorstellen, diese ähnliche Aktivierung, und dann

41:16.070 --> 41:19.410
haben die eben damals diesen Einfall gehabt, geben wir doch jetzt mal

41:19.410 --> 41:22.970
diese beiden Kurven, also orange und blau sind wieder die Signale, das

41:22.970 --> 41:25.970
sehen Sie unten, also Physiophon-Place-Area oder Parahippocampus-Place

41:25.970 --> 41:29.310
-Area, und sagen wir jetzt mal einer dritten Person, die nichts von

41:29.310 --> 41:32.770
unserem Experiment weiß, die soll mal entscheiden, ob die

41:32.770 --> 41:37.970
Versuchsperson sich gerade ein Gesicht oder ein Haus vorgestellt hat.

41:38.570 --> 41:41.170
Also in diesem Teil des Experiments durften die Versuchspersonen sich

41:41.170 --> 41:43.370
das aussuchen, will ich mir jetzt ein Gesicht oder ein Haus

41:43.370 --> 41:46.510
vorstellen, und der dritte Person konnte mithilfe dieser Signale

41:46.510 --> 41:50.570
festlegen, mit über 90%iger Wahrscheinlichkeit, ob die Versuchsperson

41:50.570 --> 41:52.270
sich gerade ein Haus oder ein Gesicht vorgestellt hat.

41:52.390 --> 41:55.110
Das ist sozusagen eine der ersten Untersuchungen zum Thema

41:55.110 --> 41:58.190
Mindreading, alles natürlich noch in Anführungszeichen, das ist in

41:58.190 --> 42:00.590
gewisser Weise trivial, also wenn selbst so etwas nicht möglich wäre,

42:00.930 --> 42:03.310
dann wäre eigentlich die ganze Hirnforschung ein bisschen, oder

42:03.310 --> 42:06.470
zumindest die bildgebende Hirnforschung, in einer Krise, also sowas

42:06.470 --> 42:08.670
darf man auch durchaus erwarten von der Hirnforschung.

42:09.610 --> 42:10.830
Jetzt wird es ein bisschen interessanter, weil

42:10.830 --> 42:13.370
Mustererkennungsalgorithmen, da wissen einige von Ihnen wahrscheinlich

42:13.370 --> 42:17.030
viel mehr drüber als ich, aber der Gedanke ist jetzt hier, man hat 10

42:17.030 --> 42:22.210
Plätze im Gehirn, also N1 bis N10, das sind sogenannte Voxel, ein

42:22.210 --> 42:24.550
Voxel ist im Prinzip ein Pixel im Gehirn.

42:25.230 --> 42:28.170
Man misst einen dreidimensionalen Raum, der gefüllt ist von diesen

42:28.170 --> 42:33.730
Voxels, man hat in der Regel pro Schicht 64x64 oder 128x128 Voxel.

42:34.150 --> 42:36.970
Man misst, je nachdem, wie viel Zeit man für ein komplettes Volumen

42:36.970 --> 42:41.630
gibt, 18 bis vielleicht 36 Schichten.

42:42.650 --> 42:43.410
Also das heißt, man hat z.B.

42:43.430 --> 42:47.790
bei 2 Sekunden 36 Schichten, also eine komplette Aufnahme des Genes

42:47.790 --> 42:50.090
innerhalb von 2 Sekunden, die gefüllt ist mit eben diesen Voxeln.

42:50.570 --> 42:54.590
Man kann relativ gut mit der FMRT die räumliche Koordinate bestimmen,

42:55.490 --> 42:58.530
man kann halt etwas schlechter die zeitliche Koordinate bestimmen.

42:59.430 --> 43:04.130
Und was wir eben hier sehen, wir haben jetzt hier 10 Voxel immer, zu

43:04.130 --> 43:07.270
verschiedenen Zeitpunkten, T1 und T2 bis Tz und so weiter.

43:07.890 --> 43:10.670
Und wir haben unten, das ist alles rein theoretisch, zwei Conditions,

43:10.810 --> 43:11.990
Condition 1 und Condition 2.

43:11.990 --> 43:16.530
Und ich füttere jetzt sozusagen in den Mustererkennungsalgorithmus von

43:16.530 --> 43:20.210
den Zeitpunkten T1 bis T9, welche Bedingungen vorlag, also Bedingung

43:20.210 --> 43:23.650
C1 oder Bedingung C2, das könnten sein wie der Häuser oder Gesicht

43:23.650 --> 43:23.910
auch.

43:24.690 --> 43:26.150
Oder was auch immer Sie sich ausdenken.

43:26.750 --> 43:31.050
Und ich füttere die Information in das System, wie die Aktivierungen

43:31.050 --> 43:33.130
an diesen 10 Orten waren.

43:33.270 --> 43:35.490
Also das sind die Aktivierungen in den wesentlichen Grauwerten, die

43:35.490 --> 43:38.010
eben nach einer Fourier-Transformation und ganz viel Physik und

43:38.010 --> 43:40.910
Statistik und so weiter und so fort dann der Scanner ausspuckt am

43:40.910 --> 43:41.110
Ende.

43:41.610 --> 43:44.830
Und das System kriegt jetzt die Aufgabe, darin ein Muster zu erkennen.

43:45.430 --> 43:49.050
Und hier zum Zeitpunkt T10 gebe ich zwar wieder die Aktivierung, aber

43:49.050 --> 43:50.970
ich sage nicht, welche Bedingung es ist, sondern das soll das System

43:50.970 --> 43:51.530
gerade schätzen.

43:52.350 --> 43:54.790
Das ist sozusagen der State-of-the-Art im Bereich Mind-Reading.

43:55.530 --> 44:01.370
Was Sie hier sehen, ist ein Ergebnis eines Experimentes, bei dem 10

44:01.370 --> 44:03.290
verschiedene Objekte in den Versuchspersonen gezeigt wurden, zum

44:03.290 --> 44:05.510
Beispiel Wäsche, Körbe, Stühle und so weiter und so fort.

44:05.510 --> 44:09.950
Was hier gerade rot markiert ist, das sind also für knapp 200 Voxel

44:09.950 --> 44:15.330
sozusagen die mittleren Aktivierungen für den Fall Wäschekorb.

44:15.450 --> 44:19.550
Also man könnte sagen, das ist eine grobe Repräsentation des

44:19.550 --> 44:21.030
Wäschekorbs im Gehirn der Versuchsperson.

44:22.830 --> 44:26.030
Und der Gedanke dabei ist natürlich, wenn ich das System getestet

44:26.030 --> 44:28.630
habe, dann soll es mir irgendwann vorhersagen, wenn ich diese Bilder

44:28.630 --> 44:30.390
zeige, was die Versuchsperson gerade sieht.

44:31.090 --> 44:33.930
Und da haben Sie hier so ein kleines methodisches Paper in erster

44:33.930 --> 44:35.390
Linie, wo Sie verschiedene Algorithmen testen.

44:36.310 --> 44:38.830
Also SVM steht für Support Vector Machines, davon haben Sie vielleicht

44:38.830 --> 44:41.310
schon mal was gehört, wenn Sie Maschinenlernen gemacht haben.

44:42.110 --> 44:43.530
Wer ist das andere Verfahren?

44:43.610 --> 44:46.650
Ich kann Ihnen da nicht viele Details zu erzählen, aber was jedenfalls

44:46.650 --> 44:51.610
spannend ist, also hier einmal ist abgetragen oben die Genauigkeit des

44:51.610 --> 44:55.650
Systems in Abhängigkeit von den Anzahl der Voxels, also von 0 bis eben

44:55.650 --> 44:56.290
knapp 200.

44:56.290 --> 45:01.810
Also mit wie viel Information muss man das System trainieren, im

45:01.810 --> 45:03.290
Hinblick auf Dimensionen.

45:04.250 --> 45:08.190
Und man sieht eben das schon, bei so wenigen wie, also auf jeden Fall

45:08.190 --> 45:10.950
hier bei 50 Voxels, also wenn ich nur 50 Bildpunkte in das System

45:10.950 --> 45:15.210
füttere, dann kann es schon mit 80%iger Genauigkeit sagen, welches der

45:15.210 --> 45:16.750
Objekte die Versuchsperson gesehen hat.

45:17.750 --> 45:26.370
Das nähert sich dann hier irgendwann so einer, weiß nicht, 85% Wert

45:26.370 --> 45:26.850
an.

45:27.250 --> 45:29.210
Rechts sieht man jetzt, wenn man versucht hat, das System zu

45:29.210 --> 45:31.850
verbessern, indem man gesagt hat, füttern wir mal nur die

45:31.850 --> 45:33.950
Informationen aus den Arealen, wo man es erwarten würde.

45:34.550 --> 45:36.110
Also Arealen, aus denen man weiß, die sind eigentlich

45:36.110 --> 45:36.970
objektspezifisch.

45:37.450 --> 45:40.370
Und was Sie sehen, die eigene, also die Vorhersage wird plötzlich

45:40.370 --> 45:41.090
wesentlich schlechter.

45:45.070 --> 45:47.290
Also gut, das sehen Sie einfach auf der Kurve.

45:47.710 --> 45:51.670
Also sozusagen links durfte der Algorithmus sich selbst die Voxel

45:51.670 --> 45:54.910
aussuchen, mithilfe derer er beim Training die besten Vorhersagen

45:54.910 --> 45:55.230
machen konnte.

45:55.330 --> 45:57.910
Und rechts hat man versucht, zusätzliche Intelligenz reinzustecken,

45:58.010 --> 45:58.730
das hat aber nicht funktioniert.

45:59.410 --> 46:02.350
Und unten sehen Sie nochmal, das ist jetzt die Genauigkeit in

46:02.350 --> 46:04.950
Abhängigkeit von der Anzahl der Tests, die das System brauchte.

46:05.310 --> 46:08.330
Und auch das ist sehr interessant, denn nur bei wenigen, sagen wir

46:08.330 --> 46:11.250
auch mal fünf Tests, also man hat jeweils fünfmal jedes Objekt der

46:11.250 --> 46:14.850
Versuchsperson gezeigt, ist man schon bei über 80% Genauigkeit.

46:15.450 --> 46:17.530
Und hier eben dieser gestrichene Balken ist immer Chance Level.

46:18.410 --> 46:20.290
Man hatte ja zehn Objekte, also trifft man mit einer

46:20.290 --> 46:22.750
Wahrscheinlichkeit von einem Zehntel, wenn man raten würde, das

46:22.750 --> 46:23.090
Richtige.

46:23.190 --> 46:26.950
Und man sieht also, dass diese Mustererkennungsalgorithmen hier eine

46:26.950 --> 46:27.890
ganz gute Arbeit leisten.

46:28.970 --> 46:30.010
Das ist jetzt rein methodisch.

46:30.010 --> 46:33.310
Etwas interessanter war hier ein Experiment von John Haynes und Jan

46:33.310 --> 46:38.990
Rees, wo sie den Versuchspersonen auf dem linken und dem rechten Auge

46:38.990 --> 46:42.650
zwei verschiedene rotierende Kreise präsentiert haben.

46:42.870 --> 46:44.070
Also einen roten und einen blauen.

46:45.090 --> 46:47.790
Und das nennt man binokulare Realität.

46:48.010 --> 46:50.190
Also man sieht links einen Stimulus, rechts einen anderen.

46:51.190 --> 46:53.870
Und was Sie jetzt sehen, ist abwechselnd einmal einen roten sich

46:53.870 --> 46:56.790
drehenden Kreis und einmal einen blauen sich drehenden Kreis.

46:56.790 --> 46:58.970
Das ist einfach ein psychologisches Phänomen, das relativ lange schon

46:58.970 --> 47:00.150
bekannt ist.

47:00.410 --> 47:03.250
Also das Gehirn switcht sozusagen immer zwischen beiden Perzepten hin

47:03.250 --> 47:03.630
und her.

47:04.570 --> 47:06.030
Und die Versuchspersonen sollten jetzt drücken.

47:06.190 --> 47:07.230
Das sind hier diese links und rechts.

47:07.370 --> 47:09.810
Sie hatten einen Knopf in der linken Hand, einen Knopf in der rechten

47:09.810 --> 47:10.050
Hand.

47:10.650 --> 47:11.830
Links bedeutet, ich sehe gerade rot.

47:11.950 --> 47:13.410
Rechts bedeutet, ich sehe gerade blau.

47:14.610 --> 47:16.810
Mit dieser Information wurde der Mustererkennungsalgorithmus

47:16.810 --> 47:17.810
gefüttert.

47:18.970 --> 47:19.830
Das sah dann so aus.

47:19.850 --> 47:21.010
Das sieht jetzt relativ kompliziert aus.

47:21.010 --> 47:25.310
Aber hier oben sehen Sie wieder so ein bisschen ähnlich wie eben meine

47:25.310 --> 47:26.830
etwas einfachere Zeichnung.

47:26.930 --> 47:28.030
Also hat man hier diese Information.

47:28.890 --> 47:32.510
Man füttert dem System die Antwort der Versuchspersonen.

47:32.510 --> 47:33.770
Hat sie gerade blau oder rot gesehen.

47:34.510 --> 47:36.010
Das wird dann eben die Maschine gesteckt.

47:36.790 --> 47:38.350
Darauf kann man jetzt nicht eingehen, was dann passiert.

47:38.950 --> 47:40.650
Aber jedenfalls macht das System dann eine Prediction.

47:41.410 --> 47:44.350
Und diese Prediction ist, das sieht man hier vielleicht erstmal so

47:44.350 --> 47:46.030
grob, schon mal gar nicht schlecht.

47:46.530 --> 47:48.030
Dann sieht man es nochmal genauer.

47:48.910 --> 47:52.570
Also man hat hier wieder Chance Level, also diesmal 50-50.

47:52.750 --> 47:55.710
Das System soll ja sagen, hat die Versuchspersonen blau oder rot in

47:55.710 --> 47:56.630
den Kreis gesehen.

47:57.310 --> 47:59.450
Und diese vier Punkte sind für die vier Versuchspersonen, mit denen

47:59.450 --> 48:00.150
Sie es gemacht haben.

48:01.150 --> 48:03.650
Und man sieht eben, das ist der primäre visuelle Cortex.

48:04.270 --> 48:07.830
Also dort ist man schon relativ gut, vielleicht bei 80% accuracy,

48:08.010 --> 48:09.350
zumindest bei manchen Subjekten.

48:09.510 --> 48:10.310
Ich wollte da mal ein bisschen bleiben.

48:12.090 --> 48:13.570
Das ist jetzt mehr so methodisch interessant.

48:13.570 --> 48:16.030
Also wenn man andere Areale ausprobiert, haben Sie mal getestet, wie

48:16.030 --> 48:16.710
gut ist es dann.

48:17.470 --> 48:18.890
Aber jedenfalls ist man halt so in diesem Bereich.

48:19.470 --> 48:22.290
Und hier rechts sieht man auch nochmal interessant, dass schon wenige

48:22.290 --> 48:26.270
Voxel, also vielleicht sind wir hier bei 20, reichen also auch schon

48:26.270 --> 48:30.310
um eine Feuersage mit knapp 90% treffen zu können.

48:34.070 --> 48:36.390
Man hat das eben schon gemacht mit Objektenmentaler Vorstellung.

48:36.470 --> 48:37.450
Das habe ich Ihnen am Anfang gezeigt.

48:37.530 --> 48:40.410
Da gab es zwei Möglichkeiten mit Objektenvisueller Wahrnehmung.

48:40.490 --> 48:41.870
Das war diese Wäschekalbe und so weiter.

48:42.430 --> 48:44.670
Wir sehen da Orientierung eines Gittermusters, darüber habe ich jetzt

48:44.670 --> 48:45.270
nicht gesprochen.

48:46.310 --> 48:47.450
Aber auch eine interessante Studie.

48:47.990 --> 48:50.370
Eben erlebter Farbe eines bistabil rotierenden Stimulus.

48:50.550 --> 48:53.490
Das ist sehr interessant, weil Sie müssen sich vorstellen, hier gibt

48:53.490 --> 48:55.770
es in der physikalischen Welt außerhalb der Versuchsperson ja gar

48:55.770 --> 48:58.230
keine Möglichkeit mehr vorherzusagen, was die gerade sieht.

48:58.770 --> 49:01.170
Denn der Stimulus, der der Versuchsperson präsentiert wird, ist ja

49:01.170 --> 49:01.690
identisch.

49:01.830 --> 49:02.830
Das sind einfach drehende Kreise.

49:02.970 --> 49:05.510
Also von außen gibt es keine Möglichkeit zu sagen, was die

49:05.510 --> 49:06.450
Versuchsperson gerade sieht.

49:07.010 --> 49:08.310
Nur die Versuchsperson weiß es.

49:08.430 --> 49:10.010
Wenn sie ehrlich ist, drückt sie es mit den Knöpfen.

49:10.010 --> 49:12.290
Und wenn das System gut ist, kann es das vorher sagen.

49:12.390 --> 49:14.470
Und das macht es immerhin mit 90%iger Wahrscheinlichkeit.

49:16.050 --> 49:17.910
Das Aufmerksamkeitsfokus, das ist eine Studie, die gerade in

49:17.910 --> 49:18.610
Bearbeitung ist.

49:19.090 --> 49:22.310
Verdeckte Absichten, ob eine Versuchsperson eine Addition oder

49:22.310 --> 49:24.810
Subtraktion vornehmen wollte, ist auch gerade in Bearbeitung, diese

49:24.810 --> 49:25.010
Studie.

49:26.390 --> 49:28.490
Oder erlebte Eigenschaften unter natürlichen Sehbedingungen.

49:29.450 --> 49:31.530
Dazu sage ich Ihnen ganz kurz nochmal, was es gab.

49:31.590 --> 49:35.010
Dieses Jahr in Florenz auf der Human Brain Mapping Konferenz.

49:36.030 --> 49:40.630
Ein Wettbewerb, eine Brain Activity Interpretation Competition, die

49:40.630 --> 49:42.570
von der University of Pittsburgh ausgeschrieben wurde.

49:42.690 --> 49:47.910
Das ist Walter Schneider, der hat die Initiative geleitet.

49:48.750 --> 49:52.330
Und es war folgendes, man hat Versuchspersonen Filmausschnitte aus der

49:52.330 --> 49:54.750
Sitcom Hör mal, wer dort hämmert, gezeigt.

49:55.710 --> 49:59.430
Und die Versuchspersonen waren zu zwei Sessions dort.

50:00.010 --> 50:02.590
Und sie sollten am Ende nach jeder Session sich die Videos wieder

50:02.590 --> 50:05.890
anschauen und sagen, wurde da gesprochen in dieser Szene, wurde Musik

50:05.890 --> 50:08.350
gespielt in dieser Szene, hat man einen bestimmten Schauspieler

50:08.350 --> 50:10.130
gesehen, wurde gelacht und so weiter und so fort.

50:10.230 --> 50:13.710
Also man hat dann sozusagen psychologische Variablen erhoben, dessen

50:13.710 --> 50:14.930
was in den Versuchspersonen vorging.

50:16.570 --> 50:19.130
Und jetzt hat man den Wettbewerb wie folgt ausgeschrieben.

50:19.250 --> 50:22.050
Also man hat den Gruppen, die sich darauf beworben haben, weite

50:22.050 --> 50:24.390
Datensätze gegeben, sowohl aus der ersten Session wie aus der zweiten

50:24.390 --> 50:24.770
Session.

50:25.610 --> 50:27.550
Zu beiden Sessions wurden verschiedene Clips gezeigt.

50:27.650 --> 50:29.710
Die Gruppen wussten natürlich nicht, welche Clips gezeigt wurden.

50:30.710 --> 50:33.410
Und nur zu der ersten Session hat man die subjektiven Ratings der

50:33.410 --> 50:34.410
Versuchspersonen mitgegeben.

50:35.190 --> 50:36.830
Also mit dieser Information konnten sie ihren

50:36.830 --> 50:38.210
Mustererkennungsalgorithmus trainieren.

50:39.130 --> 50:42.090
Und die Aufgabe war jetzt für die zweite Session vorherzusagen, haben

50:42.090 --> 50:45.250
die Versuchspersonen da gerade einen Schauspieler gesehen, haben sie

50:45.250 --> 50:46.930
gerade einen Lacher gehört, haben sie gerade Musik gehört und so

50:46.930 --> 50:47.510
weiter und so fort.

50:48.730 --> 50:51.710
Hier ist das Ergebnis der besten Gruppe.

50:52.790 --> 50:55.890
Man sieht hier, es ist sehr komplex, aber jedenfalls, für einige

50:55.890 --> 50:57.450
Kategorien hat es relativ gut geklappt.

50:57.450 --> 51:02.730
Hier bei Music wurde gerade Musik gehört, wurde gerade gesprochen,

51:03.550 --> 51:04.470
wurde gerade gelacht.

51:05.070 --> 51:06.450
Für andere hat das gar nicht geklappt.

51:06.750 --> 51:08.130
Da waren wir relativ nah bei Null.

51:08.890 --> 51:10.830
Also das war jetzt eine subjektive Variable.

51:10.950 --> 51:12.950
Wie erregt warst du, als du dieses Video gesehen hast?

51:14.250 --> 51:15.670
Relativ schlechte Korrelation.

51:17.250 --> 51:19.850
Oder hier bei Sadness.

51:19.970 --> 51:21.110
Also wie traurig warst du gerade?

51:21.550 --> 51:22.790
Oder hat jemand Werkzeuge benutzt?

51:22.790 --> 51:26.310
Das ist eine Heimwerker-Sendung, wo relativ oft Werkzeuge vorkommen.

51:27.130 --> 51:30.390
Und das ließ sich schlechter vorhersagen als bei Sprache.

51:31.110 --> 51:32.470
Hier sehen Sie jetzt das Gewinnerteam.

51:32.590 --> 51:34.570
Ich habe in diesem Gehirn und Geist und Spiegel und anderen Artikeln

51:34.570 --> 51:35.790
ein bisschen ausführlicher darüber gesprochen.

51:36.410 --> 51:39.130
Ich zeige Ihnen das hier, weil es vielleicht motiviert, dass Sie hier

51:39.130 --> 51:42.890
von der Uni Karlsruhe, weil dieser Wettbewerb nur mindestens zwei

51:42.890 --> 51:44.230
weitere Male stattfinden wird.

51:45.090 --> 51:47.970
Und was interessant ist, dass alle Gewinner diesen Wettbewerbs von

51:47.970 --> 51:49.110
Hirnforschung keine Ahnung hatten.

51:49.110 --> 51:53.170
Also diese italienische Gruppe um Emanuele Olivetti, die Sie hier

51:53.170 --> 51:56.630
gerade sehen, das sind Informatiker, zum Teil spezialisiert auf

51:56.630 --> 51:58.990
Maschinenlernalgorithmen, auf künstliche Intelligenz.

51:59.510 --> 52:02.330
Die haben ein neuronales Netz programmiert, auf dem Supercomputer

52:02.330 --> 52:02.870
laufen lassen.

52:03.770 --> 52:05.550
Und damit haben sie eben den ersten Preis gewonnen.

52:05.670 --> 52:10.030
Der zweite Preis waren Physiker, die eine relativ gute Rekreation

52:10.030 --> 52:10.970
gemacht haben.

52:12.330 --> 52:17.370
Der dritte Preis waren wieder Informatiker, ich glaube vom Dartmouth

52:17.370 --> 52:17.790
College.

52:18.230 --> 52:20.650
Jedenfalls hatten die alle von Gehirn keine Ahnung.

52:21.150 --> 52:23.890
Die Informatiker haben gesagt, sie haben erstmal in Wikipedia

52:23.890 --> 52:24.510
nachgeschaut.

52:24.990 --> 52:26.930
Was weiß man eigentlich inzwischen über das Gehirn?

52:26.970 --> 52:28.470
Was ist so das Bolt-Signal?

52:28.550 --> 52:30.010
Also dieses Signal ist mal mit mit dem Hirnscanner.

52:30.630 --> 52:34.270
Also für sie gute Aussichten, vielleicht da auch mal die 10.000 Dollar

52:34.270 --> 52:34.730
zu gewinnen.

52:35.270 --> 52:37.350
Für die Hirnforscher ein bisschen peinlich, weil die alle total

52:37.350 --> 52:39.130
kroppenschlecht abgeschnitten haben.

52:39.530 --> 52:41.270
Aber Sie erinnern sich vielleicht eben an die eine Folie, die ich

52:41.270 --> 52:43.310
Ihnen gezeigt habe mit den verschiedenen Kurven für die verschiedenen

52:43.310 --> 52:43.810
Algorithmen.

52:44.190 --> 52:47.050
Also wenn auch dort ja die Leute versucht haben, das Modell besser zu

52:47.050 --> 52:50.430
machen, indem sie das reingesteckt haben, was sie über das Gehirn

52:50.430 --> 52:52.670
inzwischen wissen aus der Hirnforschung, dann sind die Vorhersagen

52:52.670 --> 52:53.250
schlechter geworden.

52:53.350 --> 52:54.950
Und genau das ist auch hier auch passiert.

52:57.710 --> 53:00.070
Also es sind einfach die statistischen Methoden, wenn man sie einfach

53:00.070 --> 53:03.810
ganz naiv benutzt, in dem Sinne, dass man gar keine Constraints gibt,

53:03.910 --> 53:06.810
also man schränkt gar keine Freiheitsgrade ein, dann ermöglichen sie

53:06.810 --> 53:10.110
viel besser Vorhersagen, als wenn man denkt, das System schlauer

53:10.110 --> 53:10.630
machen zu wollen.

53:10.690 --> 53:13.310
Und das zeigt halt auch in gewisser Weise, dass wir, zumindest wenn es

53:13.310 --> 53:15.990
jetzt um Video-Sequenzen geht, noch relativ wenig darüber wissen, wie

53:15.990 --> 53:17.110
die in Wien verarbeitet werden.

53:19.050 --> 53:21.290
Und ich meine, ein bisschen peinlich ist es auch für die Veranstalter

53:21.290 --> 53:24.850
des Wettbewerbs vielleicht, weil sie eigentlich mit dem Wettbewerb was

53:24.850 --> 53:27.450
über das Gehirn lernen wollten, aber wenn man eben die Gewinner jetzt

53:27.450 --> 53:29.790
gefragt hat, was lernt man über das Gehirn, ja das ist halt im

53:29.790 --> 53:33.410
neuronalen Netz verborgen, ist in der Gleichung verborgen, also man

53:33.410 --> 53:36.510
hat im Prinzip nichts über das Gehirn gelernt, aber man hat jedenfalls

53:36.510 --> 53:38.590
gelernt, dass diese statistischen Methoden sehr, sehr gut sind.

53:41.330 --> 53:44.410
Hier gibt es jetzt ein Review aus Natural Reviews Neuroscience, wo das

53:44.410 --> 53:46.950
nochmal methodisch ein bisschen besser beschrieben ist.

53:47.010 --> 53:50.790
Ich will Ihnen hier nochmal John Dylan Haynes kurz zeigen, der also

53:50.790 --> 53:52.750
federführend auf diesem Gebiet ist.

53:53.170 --> 53:56.690
Der ist jetzt seit Anfang November Professor am Bernstein Center in

53:56.690 --> 53:58.690
Berlin, Professor für Computational Neuroscience.

53:59.290 --> 54:01.910
Falls vielleicht jemand von Ihnen mal Interesse hat, eine Diplomarbeit

54:01.910 --> 54:04.370
angewandt in dem Bereich zu schreiben, wird das auf jeden Fall

54:04.370 --> 54:05.770
jemanden, wo Sie es mal probieren sollten.

54:05.770 --> 54:09.250
Man sucht sich ja immer exzellente Leute, die Methodenkompetenz

54:09.250 --> 54:09.770
besitzen.

54:13.090 --> 54:15.850
Jetzt nochmal ein anderes Anwendungsbeispiel, Lügendetektion.

54:16.810 --> 54:20.690
Hier ist vor kurzem in Nature ebenso im Editorial ein Artikel

54:20.690 --> 54:23.530
geschrieben, wo die Editors gesagt haben, wir brauchen eine

54:23.530 --> 54:24.130
Neuroethik.

54:24.790 --> 54:28.890
Die Forscher sollen sich dazu ausführen, wie Leute in der Anwendung

54:28.890 --> 54:30.370
sozusagen ihre Ergebnisse verkaufen.

54:30.530 --> 54:35.570
Es gibt Leute, wie von dieser Firma No-Lie MRI.

54:35.750 --> 54:38.010
Die versuchen jetzt mit Hilfe der funktionalen Magnetresonanz

54:38.010 --> 54:42.630
-Tomographie Lügendetektionslösungen zu verkaufen.

54:44.070 --> 54:45.750
Es gibt jetzt zum Beispiel ein Experiment, das war wie folgt

54:45.750 --> 54:46.150
aufgebaut.

54:46.230 --> 54:49.230
Wir haben einen Umschlag einverschlossen bekommen.

54:50.150 --> 54:53.470
Darin enthalten waren zwei Karten, Spielkarten.

54:54.810 --> 54:58.790
Einmal eine Kreuz 5, einmal eine Peak 7 und 20 Dollar.

54:58.790 --> 55:01.710
Sie haben gesagt bekommen, du sollst jetzt bei einer dieser Karten

55:01.710 --> 55:04.230
immer sagen, ja du hast sie.

55:04.970 --> 55:06.870
Und bei der anderen immer sagen, nein du hast sie nicht.

55:07.110 --> 55:09.130
Tatsächlich sollten wir einmal die Wahrheit sagen und einmal lügen.

55:10.050 --> 55:12.610
Nur wenn du gut lügen kannst, darfst du die 20 Dollar behalten.

55:13.370 --> 55:14.410
Das war allerdings selbst eine Lüge.

55:14.550 --> 55:16.510
Selbst wenn sie schlecht gelogen hätten, hätten sie die 20 Dollar

55:16.510 --> 55:17.010
behalten dürfen.

55:17.110 --> 55:19.590
Das war nur um die Motivation ein bisschen zu verstärken.

55:19.770 --> 55:22.910
Das Experiment war dann so, man hat ihnen also jede dieser beiden

55:22.910 --> 55:24.750
Zielkarten 24 mal gezeigt.

55:25.310 --> 55:28.210
Das heißt, die Versuchspersonen mussten je nachdem, egal was sie sich

55:28.210 --> 55:30.770
ausgewählt haben, von beiden 24 mal lügen oder 24 mal die Wahrheit

55:30.770 --> 55:31.290
sagen im Scanner.

55:32.150 --> 55:36.010
Man hat 24 mal die Herz 2 gezeigt, also eine dritte Karte, die jetzt

55:36.010 --> 55:37.290
kein Target war.

55:38.230 --> 55:40.570
Und 168 andere triviale Karten.

55:42.110 --> 55:46.750
Und man hat jetzt hier links wieder so ein Mustererkennungsalgorithmus

55:46.750 --> 55:47.990
damit trainiert.

55:48.910 --> 55:50.690
Das ist ja relativ trivial.

55:50.930 --> 55:54.990
Also wenn das System einfach ein paar mal diese Daten hat, und man

55:54.990 --> 55:57.810
sagt dem System jetzt ja, was war tatsächlich eine Lüge und was war

55:57.810 --> 56:01.010
die Wahrheit, dann hat es eben hier eine Wahrscheinlichkeit von über

56:01.010 --> 56:04.890
99 % in der Bestimmung dessen, was ein gelogener und ein falscher Teil

56:04.890 --> 56:05.010
war.

56:05.050 --> 56:10.370
Das System wird dann drüber lernt, ob sie das Studium auch hatten.

56:10.530 --> 56:14.130
Aber jetzt eben interessanterweise, wenn man jetzt Informationen, die

56:14.130 --> 56:17.610
das System nicht zum Lernen bekommen hat, dem System gibt, dem System

56:17.610 --> 56:20.890
sagt, jetzt hat die Versuchsperson die Wahrheit gesagt oder gelogen,

56:20.890 --> 56:23.850
dann hat man eben hier immer noch mit 90%iger Wahrscheinlichkeit

56:23.850 --> 56:28.650
Treffer für Lüge und mit 85%iger Wahrscheinlichkeit Treffer für

56:28.650 --> 56:29.470
Wahrheit gesagt.

56:32.610 --> 56:35.070
Ein bisschen mehr darüber können Sie eben hier auf der Internetseite

56:35.070 --> 56:37.050
Gedankenlesen.info nachlesen.

56:37.530 --> 56:41.590
Das ist so ein Thema, wo ich persönlich auch sehr stark dran arbeite,

56:41.690 --> 56:43.810
weil ich das für sehr gesellschaftsrelevant finde.

56:43.930 --> 56:48.410
Also ich denke, dort wo tatsächlich die Hirnforschung ja etwas

56:48.410 --> 56:52.030
wesentlich Neues liefert, das ist zum Beispiel hier in diesem Bereich.

56:53.250 --> 56:55.210
Und das ist natürlich auch ethisch nicht unproblematisch.

56:56.890 --> 56:58.890
Was ich denke ich mal Ihnen nicht länger erklären muss.

57:00.070 --> 57:03.330
Ich bin jetzt im Prinzip am Ende der Zeit, die ich sprechen wollte,

57:04.030 --> 57:06.130
wie ich es schon fast befürchtet habe.

57:06.770 --> 57:08.830
Deswegen gehe ich jetzt hier nochmal ganz schnell durch.

57:10.870 --> 57:13.290
Es gibt so ein ganz berühmtes Experiment, das nennt man den Iowa

57:13.290 --> 57:17.430
Gambling Task, wo die Leute Karten ziehen sollten von Stapeln.

57:17.850 --> 57:21.570
Und es gab eben zwei Stapel, die waren so getürkt, dass sie zwar große

57:21.570 --> 57:24.330
Gewinne, aber auch sehr große Verluste abwarfen.

57:24.830 --> 57:28.030
Und es gab zwei, die waren so getürkt, dass Gewinne etwas geringer

57:28.030 --> 57:29.070
waren, nämlich halb so groß.

57:29.910 --> 57:32.270
Und die Verluste dafür aber auch geringer.

57:32.730 --> 57:35.110
Die Umwelt sozusagen war so konzentriert, dass wenn man von diesen

57:35.110 --> 57:39.270
beiden Stapeln hier unten immer Karten gezogen hat, dann hat man im

57:39.270 --> 57:40.850
Wesentlichen seinen Gewinn maximiert.

57:40.890 --> 57:41.970
Das wussten die Versuchspersonen nicht.

57:44.150 --> 57:46.690
Man hat bei den Versuchspersonen die Hautleitfähigkeit gemessen.

57:47.250 --> 57:50.050
Die Hautleitfähigkeit ist so ein Maßstab für Arousal, also für

57:50.050 --> 57:50.870
Erregtheit.

57:53.050 --> 57:55.790
Und was man eben festgestellt hat, war, dass bei gesunden

57:55.790 --> 58:01.250
Versuchspersonen so nach einer Weile das ist hier diese Hanschphase,

58:01.370 --> 58:02.710
also Hansch bedeutet sowas wie eine Ahnung.

58:03.370 --> 58:06.150
Also wenn sie eine Ahnung hatten, mit zweiter Stapel ist irgendwas

58:06.150 --> 58:06.510
faul.

58:06.590 --> 58:08.410
Das sind hier die Bad Decks, die blauen.

58:09.170 --> 58:11.230
Und sie haben davon eine Karte gezogen, weil sie wussten noch nicht

58:11.230 --> 58:11.890
genau, was es ist.

58:11.930 --> 58:13.550
Aber sie wussten das stimmt fast unbedingt nicht mit denen.

58:14.330 --> 58:20.110
Dann hatten sie hier eine größere Hautleitfähigkeit.

58:20.770 --> 58:22.770
Also ein größeres Arousal, sie waren sozusagen aufgeregter.

58:24.030 --> 58:27.570
Und sie haben dann logischerweise auch weniger Karten gezogen, weil

58:27.570 --> 58:28.430
ihnen war das unangenehm.

58:29.310 --> 58:31.030
Das war der Fall hier vom Anfang noch nicht.

58:31.130 --> 58:33.750
Also bevor sie das erste Mal so eine schlechte Karte gezogen haben,

58:34.190 --> 58:36.390
haben sie sogar mehr Bad Decks gezogen, weil da waren die Gewinne ja

58:36.390 --> 58:36.810
größer.

58:38.890 --> 58:42.730
Hier sozusagen sind sie das erste Mal damit schlecht gefallen.

58:42.890 --> 58:44.070
Also hier wurden sie das erste Mal bestraft.

58:44.470 --> 58:45.230
Hier haben sie die Ahnung.

58:45.850 --> 58:49.370
Und Conceptual Period bedeutet jetzt, also hier wussten sie jetzt, was

58:49.370 --> 58:49.970
das Problem ist.

58:50.050 --> 58:51.590
Sie wussten die beiden Stapel sind schlecht.

58:51.750 --> 58:53.610
Also man hat sie nach jedem Zug gefragt, ahnt ihr irgendwas?

58:53.730 --> 58:54.290
Habt ihr irgendeine Idee?

58:54.910 --> 58:55.810
Dann hat man gesagt, nein, nein.

58:55.930 --> 58:56.830
Am Ende haben sie gesagt, ja.

58:57.390 --> 58:59.110
Ich weiß jetzt, was los ist.

58:59.750 --> 59:02.510
Und sieht man eben, wenn sie dann gezogen haben noch, wieder von den

59:02.510 --> 59:05.170
Bad Decks, war die Hautleitfähigkeit sehr hoch.

59:05.610 --> 59:07.250
Aber hier unten sieht man, die haben es nur noch sehr selten gemacht,

59:07.350 --> 59:09.970
logischerweise, weil sie ja wussten, die Stapel sind schlecht für

59:09.970 --> 59:10.170
mich.

59:11.610 --> 59:13.730
Und dieses Ergebnis hatte man eben nicht in der anderen Gruppe.

59:13.830 --> 59:17.110
Das waren eben Versuchspersonen, oder eher gesagt Patienten mit

59:17.110 --> 59:21.010
bestimmten Schäden im sogenannten Ventromedialen Präfrontalen Cortex,

59:21.110 --> 59:26.070
also einem Bereich, der viel mit emotionaler Informationsverarbeitung

59:26.070 --> 59:30.970
zu tun hat, aber auch mit ganz vielen anderen Aufgaben, was jetzt

59:30.970 --> 59:32.130
nicht ein Lehrer untersuchen muss.

59:32.190 --> 59:35.370
Aber jedenfalls war interessant, dass es bei diesen Patienten gar

59:35.370 --> 59:36.530
keine Ahnungsphase gab.

59:37.670 --> 59:40.170
Und auch nur die Hälfte der Patienten, da sieht man hier oben diese

59:40.170 --> 59:42.470
Zahl, Subsequent Reaching Repaired, also die Hälfte der Patienten

59:42.470 --> 59:46.050
haben überhaupt bei diesem Spiel kapiert, wie das funktioniert, die

59:46.050 --> 59:46.630
andere Hälfte nicht.

59:47.590 --> 59:49.450
Und bei denen gibt es ja diesen Unterschied in der Hautleitfähigkeit

59:49.450 --> 59:49.690
nicht.

59:50.570 --> 59:51.730
Warum zeige ich Ihnen das jetzt?

59:52.370 --> 59:58.630
Ich zeige Ihnen das jetzt deshalb, weil das in den Medien total stark

59:58.630 --> 59:59.410
verstanden wurde.

01:00:00.050 --> 01:00:02.770
Sie sehen hier den Auftakt zur emotionalen Wende, Macht der Ende der

01:00:02.770 --> 01:00:04.430
90er Jahre und so weiter, genau mit diesem Experiment.

01:00:05.170 --> 01:00:07.890
Also man hat dieses Experiment als Beweis dafür genommen, dass

01:00:07.890 --> 01:00:09.190
Emotionen intelligent sind.

01:00:09.870 --> 01:00:11.990
Also Emotionen helfen uns dabei, intelligente Entscheidungen zu

01:00:11.990 --> 01:00:12.250
treffen.

01:00:12.830 --> 01:00:17.050
Menschen, die schlechteres Emotionsverarbeitungssystem haben, aufgrund

01:00:17.050 --> 01:00:20.230
von Hirnschädigungen zum Beispiel, die treffen schlechtere

01:00:20.230 --> 01:00:22.830
Entscheidungen, gewinnen bei dem Spiel weniger und so weiter und so

01:00:22.830 --> 01:00:23.050
fort.

01:00:23.650 --> 01:00:25.350
Ich würde es Ihnen jetzt hier noch ein bisschen ausführlicher zeigen,

01:00:25.430 --> 01:00:26.410
dafür reicht die Zeit nicht mehr.

01:00:28.930 --> 01:00:31.630
Jedenfalls merken Sie sich einfach nur, dieses Experiment

01:00:31.630 --> 01:00:34.950
interpretiert man im Sinne der Intelligenz der Gefühle.

01:00:35.890 --> 01:00:37.870
Jetzt haben wir hier ein anderes Experiment, interessanterweise aus

01:00:37.870 --> 01:00:40.210
derselben Gruppe, also wieder von Damasio, den haben Sie vielleicht

01:00:40.210 --> 01:00:40.690
schon mal gehört.

01:00:41.270 --> 01:00:43.230
Nur ein anderer Erstautor ist diesmal Barbar Schilf, ein

01:00:43.230 --> 01:00:44.030
Marketingprofessor.

01:00:44.590 --> 01:00:46.970
Der hat ein ganz einfaches Spiel gemacht, Münze werfen 20 Mal, Kopf

01:00:46.970 --> 01:00:47.430
oder Zahl.

01:00:48.070 --> 01:00:50.730
Die Leute haben am Anfang 20 Dollar bekommen und sollten bei jedem Mal

01:00:50.730 --> 01:00:53.230
sagen, setzt du den Dollar oder setzt du ihn nicht?

01:00:55.350 --> 01:00:56.750
Also die Investition war 1 Dollar.

01:00:57.250 --> 01:00:59.590
Wenn sie richtig getippt haben, ob Kopf oder Zahl kommt, dann haben

01:00:59.590 --> 01:01:00.710
sie 2,50 gewonnen.

01:01:00.790 --> 01:01:02.090
Wenn sie falsch getippt haben, dann haben sie verloren.

01:01:02.890 --> 01:01:07.450
Also rational gesehen ist es richtig immer welche immer zu setzen,

01:01:07.550 --> 01:01:08.130
immer nicht zu setzen.

01:01:10.110 --> 01:01:11.970
Immer zu setzen, steht im Prinzip auch schon dort.

01:01:12.670 --> 01:01:16.130
Also Expected Value, also was man im Mittel gewinnt, wenn man setzt,

01:01:16.290 --> 01:01:16.950
ist 1,25.

01:01:18.030 --> 01:01:19.650
Und wenn man nicht setzt, ist es eben 1.

01:01:21.670 --> 01:01:25.590
Und jetzt haben hier Barbar Schilf, die haben eben auch wieder hier

01:01:25.590 --> 01:01:27.650
Patienten mit verschiedenen Läsionen untersucht.

01:01:28.310 --> 01:01:31.170
Sie haben normale Teilnehmer untersucht.

01:01:31.630 --> 01:01:32.970
Sie haben Kontrollpatienten untersucht, d.h.

01:01:33.390 --> 01:01:36.170
Patienten mit Hirnschädigungen in Bereichen, die man jetzt nicht mit

01:01:36.170 --> 01:01:42.510
emotionaler Informationsverarbeitung in Verbindung bringt.

01:01:42.990 --> 01:01:45.470
Und was man interessanterweise sieht hier, also hier ist immer

01:01:45.470 --> 01:01:49.230
abgetragen, wenn die Versuchspersonen in der vorherigen Runde sich

01:01:49.230 --> 01:01:51.970
dafür entschieden haben, nicht zu investieren, haben sie eben im

01:01:51.970 --> 01:01:56.850
Mittel hier die Patienten in 74% der Fälle gesagt, ich investiere

01:01:56.850 --> 01:01:57.290
jetzt.

01:01:57.990 --> 01:02:00.670
Die normalen Teilnehmer in weniger Fällen und die Kontrollpatienten

01:02:00.670 --> 01:02:00.910
auch.

01:02:01.630 --> 01:02:05.130
Wenn sie in der letzten Runde verloren hatten, davon haben sich hier

01:02:05.130 --> 01:02:07.710
eben die Patienten überhaupt nicht, sogar vor allen Dingen hier mit

01:02:07.710 --> 01:02:11.270
der Insula und somatosensorischen Läsionen, haben sich davon überhaupt

01:02:11.270 --> 01:02:11.870
nicht beenden lassen.

01:02:11.990 --> 01:02:14.430
Also wenn sie in der Runde davor verloren hatten, waren sie genauso

01:02:14.430 --> 01:02:17.110
motiviert wiederzusetzen, beim Mygdala auch.

01:02:17.810 --> 01:02:20.810
Im Mittel 85%, also viel höher als die normalen Versuchspersonen,

01:02:20.850 --> 01:02:23.390
Leute wie Sie und ich, die, wenn sie in der Runde davor verloren

01:02:23.390 --> 01:02:25.030
hatten, gesagt haben, nein, diesmal setze ich nicht.

01:02:27.770 --> 01:02:29.890
Und das sieht man hier noch ein bisschen deutlicher auf dieser Folie,

01:02:29.910 --> 01:02:30.810
die hier ist abgetragen.

01:02:32.110 --> 01:02:34.510
Also sozusagen die ersten 5 Runden, die zweiten 5 Runden, die dritten

01:02:34.510 --> 01:02:35.770
5 Runden, die vierten 5 Runden.

01:02:36.350 --> 01:02:38.590
In wie viel Prozent der Runden haben die Leute den Dollar gesetzt?

01:02:39.230 --> 01:02:43.790
Und man sieht eben hier bei den Target-Patients, also die mit den

01:02:43.790 --> 01:02:48.330
Hirnläsionen im Bereich die Emotionen verarbeiten, die haben sich

01:02:48.330 --> 01:02:49.250
dafür überhaupt nicht beenden lassen.

01:02:49.350 --> 01:02:53.030
Die haben immer weiter, was weiß ich, in 85% der Fälle oder fast

01:02:53.030 --> 01:02:54.350
gesetzt, das ganze Spiel durch.

01:02:54.990 --> 01:03:00.230
Und eben die Kontrollgruppe, also die gesunden Versuchspersonen und

01:03:00.230 --> 01:03:03.370
die Patienten mit Läsionen, die eben nicht mit Emotionsverarbeitung

01:03:05.330 --> 01:03:08.410
daran geschädigt waren aufgrund ihrer Läsionen, die wurden sozusagen

01:03:08.410 --> 01:03:09.270
immer konservativer.

01:03:09.390 --> 01:03:11.090
Sie haben immer weniger eingesetzt.

01:03:11.690 --> 01:03:12.850
Und hier rechts sieht man das Ergebnis.

01:03:13.450 --> 01:03:16.930
Die Zielpatienten, die haben im Schnitt 25 Dollar gewonnen, die

01:03:16.930 --> 01:03:18.890
Kontrollpatienten 20, also im Prinzip gar nichts gewonnen.

01:03:18.990 --> 01:03:21.210
Die haben genauso gut abgestimmt, als hätten sie jedes Mal gesagt,

01:03:21.250 --> 01:03:21.790
nee, ich spiele nicht.

01:03:22.430 --> 01:03:23.970
Und die gesunden Versuchspersonen 22.

01:03:25.230 --> 01:03:26.950
Also hier ist plötzlich jetzt ein anderes Bild.

01:03:27.030 --> 01:03:27.830
Darauf will ich hinaus.

01:03:29.110 --> 01:03:32.130
Wir haben eben erst diese Iowa Gambling-Studie mit den Karten gesehen.

01:03:32.630 --> 01:03:33.450
Das wurde so verstanden.

01:03:34.650 --> 01:03:39.290
Die Intelligenz der Gefühle, also Versuchspersonen, die sozusagen ihre

01:03:39.290 --> 01:03:41.890
Gefühle nicht mehr integrieren können für ihre Entscheidungen, die

01:03:41.890 --> 01:03:43.670
handeln unintelligent, die gewinnen weniger.

01:03:44.650 --> 01:03:46.810
Die zweite Studie ist es gerade umgekehrt, nämlich die

01:03:46.810 --> 01:03:50.490
Versuchspersonen, die diese ähnlichen oder die identischen Visionen

01:03:50.490 --> 01:03:53.550
hatten, schneiden hier plötzlich gut ab.

01:03:54.270 --> 01:03:57.590
Also müsste man in der Konsequenz plötzlich sagen, Gefühle sind dumm.

01:03:58.810 --> 01:04:00.790
Und so wie hier bei den Medien jetzt berichtet wird, man spricht halt

01:04:00.790 --> 01:04:03.850
von der emotionalen Wende und so weiter, also man sagt eben ständig

01:04:03.850 --> 01:04:08.890
nur, Gefühle sind sozusagen intelligent, wie auch dieser Autor aus

01:04:08.890 --> 01:04:10.470
Zeitwissen, den ich Ihnen eben gezeigt habe.

01:04:11.610 --> 01:04:15.430
Und letztlich lassen sich aber eigentlich für beide Thesen Belege

01:04:15.430 --> 01:04:15.690
finden.

01:04:15.770 --> 01:04:17.710
Das würde auch eigentlich bei uns, glaube ich, keinen Wundern, wenn

01:04:17.710 --> 01:04:20.330
wir mal überlegen, in welcher Situation wir sind.

01:04:22.830 --> 01:04:26.790
Ich fahre im Winter mit dem Auto, merke plötzlich, die Straße ist

01:04:26.790 --> 01:04:30.410
überfroren und ich haue aus Angst auf die Bremse, dann komme ich ins

01:04:30.410 --> 01:04:30.830
Schleudern.

01:04:31.070 --> 01:04:33.870
Es ist total dumm, das zu tun, aber die Angst war sozusagen meine

01:04:33.870 --> 01:04:34.830
emotionale Reaktion.

01:04:35.350 --> 01:04:38.890
Wenn jetzt hier der Feuermelder losgeht und ich kriege Panik und renne

01:04:38.890 --> 01:04:40.890
aus dem Gebäude, dann ist das aber genau das Richtige zu tun.

01:04:41.390 --> 01:04:43.390
Also das ist einfach von der Umwelt abhängig, ob sozusagen die

01:04:43.390 --> 01:04:46.670
emotionale Reaktion intelligent ist oder nicht.

01:04:46.810 --> 01:04:47.650
Mehr will ich damit nicht sagen.

01:04:48.510 --> 01:04:51.770
Und deshalb muss man einfach die Ergebnisse der Hirnforschung ein

01:04:51.770 --> 01:04:53.050
bisschen bescheidener interpretieren.

01:04:53.490 --> 01:04:56.090
Und ich habe jetzt noch gar nicht darüber gesprochen, dass auch diese

01:04:56.090 --> 01:04:59.270
eine Idee, die Interpretation des Iowa Gambling Testes nur Damasios

01:04:59.270 --> 01:04:59.850
Gedanke ist.

01:04:59.890 --> 01:05:00.950
Es gibt auch ganz andere Erklärungen.

01:05:01.470 --> 01:05:03.110
Die Patienten konnten einfach nicht so gut lernen.

01:05:03.550 --> 01:05:05.010
Das hat mit Emotionen überhaupt nichts zu tun gehabt.

01:05:05.670 --> 01:05:07.230
Das ist alles immer nur eine Interpretation der Geschichte.

01:05:08.570 --> 01:05:11.270
Das zeigt jetzt, das ist sozusagen eine wissenschaftsoziologische

01:05:11.270 --> 01:05:14.450
Studie, dass es immer mehr populäre Artikel gibt, die eben über

01:05:14.450 --> 01:05:15.330
Hirnforschung berichten.

01:05:15.610 --> 01:05:16.830
Das überrascht Sie jetzt vielleicht nicht.

01:05:17.570 --> 01:05:19.470
Diese beiden Folien, ich kann es jetzt noch ganz schnell zeigen.

01:05:21.230 --> 01:05:27.430
Da hat man untersucht, wie kritisch denn diese populären Artikel sind.

01:05:29.630 --> 01:05:32.830
Und man sieht zum Beispiel hier, also nur 8% der Artikel in

01:05:32.830 --> 01:05:35.410
Specialized Sources, also das wären so Magazine wie Geist, wie

01:05:35.410 --> 01:05:38.490
Psychologie Heute, weisen überhaupt nur auf Elementation, also

01:05:38.490 --> 01:05:39.810
Einschränkung dieser Forschung hin.

01:05:40.590 --> 01:05:43.270
Nur 4% darauf, dass es Probleme bei der Interpretation geben könnte,

01:05:43.310 --> 01:05:44.410
was ich Ihnen eben gezeigt habe.

01:05:45.170 --> 01:05:47.870
Nur 6%, dass vielleicht die Validität dieser Daten gar nicht

01:05:47.870 --> 01:05:49.030
gewährleistet ist und so weiter.

01:05:50.090 --> 01:05:52.450
Und General Resources wäre sowas wie irgendwelche allgemeinen

01:05:52.450 --> 01:05:53.210
Zeitschriften und so weiter.

01:05:53.310 --> 01:05:57.450
Also man sieht extrem unkritisch die Medienberichterstattung.

01:05:58.330 --> 01:05:59.730
Und deshalb komme ich jetzt zu meinem Schluss.

01:06:01.030 --> 01:06:01.870
Die Zusammenfassung.

01:06:02.990 --> 01:06:05.530
Die Hirnforschung ermöglicht uns tiefere Einblicke in menschliches

01:06:05.530 --> 01:06:06.430
Verhalten und Denken.

01:06:07.070 --> 01:06:09.950
Dabei bestätigt sie einige unserer bereits bekannten Vorstellungen und

01:06:09.950 --> 01:06:10.570
revidiert andere.

01:06:11.210 --> 01:06:12.370
Also ein ganz nüchternes Ergebnis.

01:06:13.850 --> 01:06:16.010
Erkenntnisse der Hirnforschung sind aber auch verliebe und damit

01:06:16.010 --> 01:06:17.070
vorläufig und revidierbar.

01:06:17.890 --> 01:06:20.430
Und das ist eigentlich auch nur was wir aus anderen Forschungszweigen

01:06:20.950 --> 01:06:23.030
wissen und warum sollte das bei der Hirnforschung anders sein?

01:06:24.870 --> 01:06:26.790
Jetzt wird es vielleicht ein bisschen abgedreht für Sie, aber als

01:06:26.790 --> 01:06:29.030
Philosoph ist das zumindest ein wichtiger Punkt.

01:06:29.590 --> 01:06:32.210
Im Bereich metaphysische Aussagen, also zum Beispiel wenn es um

01:06:33.090 --> 01:06:36.150
Willensfreiheit geht oder Existenz der Seele, worüber ja ganz viel in

01:06:36.150 --> 01:06:38.770
den Medien in den letzten Jahren diskutiert wurde, kann die

01:06:38.770 --> 01:06:41.550
Hirnforschung jedoch keine Aussagen treffen.

01:06:41.630 --> 01:06:43.190
Das sei denn, man erhebt sich selbst vom Metaphysik.

01:06:43.930 --> 01:06:46.190
Weil eben diese Annahmen, wie ob es Willensfreiheit gibt oder nicht,

01:06:46.290 --> 01:06:48.090
oder die Annahmen, ob es eine Seele gibt oder nicht, die kann man gar

01:06:48.090 --> 01:06:49.690
nicht empirisch untersuchen.

01:06:49.790 --> 01:06:53.510
Das wäre genauso wie von einem Astronauten zu erwarten, ob es Gott

01:06:53.510 --> 01:06:54.010
gibt oder nicht.

01:06:55.370 --> 01:06:56.630
Wer sucht denn Gott im Erdorbit?

01:06:56.830 --> 01:06:58.150
Das ist irgendwie eine falsche Frage, glaube ich.

01:06:58.990 --> 01:07:02.330
Und das kann man natürlich machen, dann wird man unter Umständen ein

01:07:02.330 --> 01:07:03.450
Zientist genannt.

01:07:04.150 --> 01:07:08.570
Das sind sozusagen Leute, die aus der Empirie Folgerungen daraus

01:07:08.570 --> 01:07:10.630
ableiten, wie die Welt konstituiert ist, obwohl sie es eigentlich

01:07:10.630 --> 01:07:13.410
methodisch gesehen oder philosophisch gesehen nicht machen dürften.

01:07:16.870 --> 01:07:19.390
Und jetzt Zusammenfassung, also die Frage war ja ein bisschen

01:07:19.390 --> 01:07:21.070
Neuroethik oder Neurophilosophie.

01:07:21.650 --> 01:07:22.950
Wofür brauchen wir eine Neuroethik?

01:07:23.450 --> 01:07:25.850
Na, wir brauchen sie, um die Anwendungsmöglichkeiten der Hirnforschung

01:07:25.850 --> 01:07:26.770
kritisch zu untersuchen.

01:07:27.310 --> 01:07:29.790
Zum Beispiel für Lügendetektion und Psychopharmakologie, was ich Ihnen

01:07:29.790 --> 01:07:30.330
gezeigt habe.

01:07:31.550 --> 01:07:33.170
Wofür brauchen wir eine neue Anthropologie?

01:07:33.250 --> 01:07:35.750
Das Stichwort ist Ihnen noch nicht so stark gefallen, aber es geht im

01:07:35.750 --> 01:07:39.830
Prinzip um diese Menschenbildfrage, also diese Folie von Leonardo da

01:07:39.830 --> 01:07:43.090
Vinci und dem Affen und so weiter, das wäre so dieser Punkt jetzt,

01:07:43.130 --> 01:07:43.810
wofür brauchen wir die?

01:07:44.330 --> 01:07:46.610
Um die Ergebnisse der Hirnforschung kritisch in unserem Menschenbild

01:07:46.610 --> 01:07:47.150
aufzunehmen.

01:07:47.690 --> 01:07:51.150
Und da stellen wir vielleicht fest, dass eben so unser Personenkonzept

01:07:51.150 --> 01:07:53.590
vielleicht nicht nur auf uns, sondern auch auf bestimmte Schimpansen

01:07:53.590 --> 01:07:54.690
vielleicht zutreffen könnte.

01:07:55.610 --> 01:07:57.150
Und wofür brauchen wir eine neue Philosophie?

01:07:57.170 --> 01:07:59.930
Und das wollte ich eben am Ende zeigen, um die Erkenntnisse der

01:07:59.930 --> 01:08:01.150
Hirnforschung kritisch zu reflektieren.

01:08:01.310 --> 01:08:03.770
Das ist so ein bisschen der Punkt, den ich stark machen möchte.

01:08:05.010 --> 01:08:08.770
Mit einem Statement jetzt hier nochmal zum Abschluss in einem Artikel

01:08:08.770 --> 01:08:12.670
von mir und einer Kollegin, die Theologin ist, die vor kurzem bei

01:08:12.670 --> 01:08:13.810
Genung Geist online erschienen ist.

01:08:14.430 --> 01:08:16.610
Und wir sagen eben, der Preis der Selbsterkenntnis, also sozusagen

01:08:16.610 --> 01:08:20.370
das, was die Hirnforschung uns abfordert, besteht also nicht aus ihren

01:08:20.370 --> 01:08:23.570
Entdeckungen, sondern höchstens aus unserer eigenen geistigen Mühe,

01:08:23.990 --> 01:08:27.590
kritisch und reflektiert mit uns der Welt in wissenschaftlichen

01:08:27.590 --> 01:08:28.830
Entdeckungen in Nier umzugehen.

01:08:29.990 --> 01:08:32.330
Der Forderung nach einer neuen Anthropologie, also dahinter steckt

01:08:32.330 --> 01:08:35.410
diese Aussage, wir brauchen ein neues Menschenbild, alles wird durch

01:08:35.410 --> 01:08:38.590
die Hirnforschung anders, stellen wir daher die Forderung einer neuen

01:08:38.590 --> 01:08:41.650
Philosophie entgegen, welche die Erkenntnisse, in Anführungszeichen,

01:08:42.110 --> 01:08:45.250
der Neurowissenschaften sowie ihre impliziten Vorannahmen kritisch

01:08:45.250 --> 01:08:45.730
überprüft.

01:08:46.830 --> 01:08:49.810
Und damit bin ich dann eine Viertelstunde später, als ich wollte, am

01:08:49.810 --> 01:08:52.350
Ende angekommen und danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

01:09:07.500 --> 01:09:11.560
Haben Sie noch Fragen zu den Studien oder gibt es etwas anderes, was

01:09:11.560 --> 01:09:15.100
Sie schon immer mal einen angehenden Hirnforscher fragen wollten?

01:09:17.300 --> 01:09:23.620
Gibt es wirklich diese Menschen, die nur ganz gering ein Hirnmast

01:09:23.620 --> 01:09:24.120
bekommen und

01:09:28.280 --> 01:09:29.360
trotzdem...

01:09:30.580 --> 01:09:32.600
Also da bin ich jetzt kein Experte im Bereich.

01:09:33.620 --> 01:09:34.380
Mich würde es wundern.

01:09:35.300 --> 01:09:38.260
Also es gibt manchmal so dieses Vorteil, dem man immer wieder

01:09:38.260 --> 01:09:42.680
begegnet, auch auf populären Konferenzen, sozusagen nach dem Motto,

01:09:42.740 --> 01:09:45.340
wir würden nur 20% unseres Gehirns benutzen oder so.

01:09:46.220 --> 01:09:47.820
Also nach allem, was ich weiß, ist das falsch.

01:09:48.520 --> 01:09:51.060
Würde ich gerade nur 20% meines Gehirns benutzen, dann würde ich,

01:09:51.160 --> 01:09:52.820
glaube ich, nicht lebend und sprechend vor Ihnen stehen können.

01:09:53.420 --> 01:09:55.860
Also man muss sagen, das ganze Gehirn ist permanent aktiv, allein

01:09:55.860 --> 01:09:57.120
schon aus Gründen des Metabolismus.

01:09:57.220 --> 01:09:58.320
Die Zellen müssen versorgt werden.

01:10:01.360 --> 01:10:03.680
Diese einzelnen Aktivierungspunkte, die wir finden, das sind eben

01:10:03.680 --> 01:10:05.680
Signaländerungen, die wir letztlich statistisch mitteln.

01:10:05.680 --> 01:10:08.660
Das bedeutet nicht, nur wenn Sie Aktivierung hier sehen, dass der Rest

01:10:08.660 --> 01:10:10.820
nicht aktiviert ist, sondern der Punkt dort war halt ein bisschen mehr

01:10:10.820 --> 01:10:11.960
aktiviert.

01:10:13.520 --> 01:10:18.360
Also wenn jetzt jemand mit nur 20% Hirnvolumen ausgestattet wäre, wenn

01:10:18.360 --> 01:10:22.900
er überhaupt lebensfähig wäre, also es gibt zum Beispiel Babys, die

01:10:22.900 --> 01:10:25.000
auf die Welt kommen ohne einen Kortex, also das nennt man nach anderen

01:10:25.000 --> 01:10:30.360
Zufallen Kinder, die können bestenfalls am Leben erhalten werden,

01:10:30.440 --> 01:10:33.100
mithilfe von lebenerhaltenden Maßnahmen, aber mehr kann da nicht

01:10:33.100 --> 01:10:33.480
passieren.

01:10:33.480 --> 01:10:36.240
Das kommt zum Glück nur relativ selten vor, aber es gibt es

01:10:36.240 --> 01:10:36.620
jedenfalls.

01:10:37.540 --> 01:10:39.640
Und es würde mich wundern, wenn es solche Fälle tatsächlich gäbe.

01:10:44.700 --> 01:10:45.600
Sonst noch Fragen?

01:10:45.900 --> 01:10:48.200
Ich habe eine Frage zu dem Minuswert-Experiment.

01:10:48.520 --> 01:10:53.120
Und zwar, was mich ein bisschen gewundert hat, ist anscheinend, dass

01:10:53.120 --> 01:10:55.840
die Probanden das Experiment nicht durchschaut haben.

01:10:55.960 --> 01:10:58.040
Ich meine, das war ja so simpel.

01:10:58.760 --> 01:11:02.120
Die haben ja vorher gesagt gekriegt, du kriegst 2,50 Dollar raus, wenn

01:11:02.120 --> 01:11:02.640
du gewinnst.

01:11:02.800 --> 01:11:05.240
Dann müsste doch eigentlich jeder drauf kommen, dass er dann

01:11:05.240 --> 01:11:06.140
übersetzen muss.

01:11:06.640 --> 01:11:10.400
Weil dieser Punkt, wo man dann Geld verdient, wenn man annimmt, dass

01:11:10.400 --> 01:11:14.460
die Münze halb 5 die Münze fällt, ist ja bei 2 Dollar da.

01:11:14.600 --> 01:11:16.340
Alles was teurer ist, kriegt man ja Geld.

01:11:17.400 --> 01:11:20.880
Also rational gesehen, ist die richtige Entscheidung, jeder runter zu

01:11:20.880 --> 01:11:21.400
sagen, ich setze.

01:11:21.540 --> 01:11:24.600
Jetzt ist die berechtigte Frage, warum haben die normalen

01:11:24.600 --> 01:11:25.620
Versuchspersonen das nicht gemacht?

01:11:26.500 --> 01:11:29.540
Mich wundert es halt auch, das habe ich Ihnen erst nicht gezeigt, aber

01:11:29.540 --> 01:11:29.700
z.B.

01:11:29.780 --> 01:11:33.120
die durchschnittliche Schulbildung dieser Versuchspersonen betrug aus

01:11:33.120 --> 01:11:34.240
den 13 bis 14 Jahren.

01:11:34.980 --> 01:11:37.500
Also es waren eben zum Teil Highschool-Schüler, es waren zum Teil

01:11:37.500 --> 01:11:38.580
Highschool -Schüler mit Studium.

01:11:39.400 --> 01:11:41.560
Also eigentlich könnte man jetzt sagen, sollte man von diesen Menschen

01:11:41.560 --> 01:11:42.740
erwarten, dass sie das durchschauen.

01:11:43.380 --> 01:11:44.720
Aber die Realität ist eben anders.

01:11:44.880 --> 01:11:48.660
Also vielen Menschen sind einfach statistische Sachverhalte nicht so

01:11:48.660 --> 01:11:49.120
vertraut.

01:11:49.200 --> 01:11:51.060
Und ich meine, gewisserweise sind sie da vielleicht eine Elite hier,

01:11:51.120 --> 01:11:54.280
weil sie in Sachen Mathematik, in Sachen Statistik, die besser

01:11:54.280 --> 01:11:54.980
ausgebildet sind.

01:11:55.720 --> 01:11:57.640
Also wenn man das jetzt vielleicht mit Informatikstudenten machen

01:11:57.640 --> 01:11:59.420
würde, dieses Experiment, würde man vielleicht ein ganz anderes

01:11:59.420 --> 01:12:00.040
Ergebnis finden.

01:12:00.760 --> 01:12:03.840
Aber jedenfalls mit diesen Versuchspersonen, die man hier hatte, war

01:12:03.840 --> 01:12:04.360
es eben so.

01:12:04.780 --> 01:12:07.820
Es gibt so viele, die nennt man Paradoxien der Entscheidungstheorie.

01:12:08.560 --> 01:12:11.160
Also gibt es viele Beispiele, wo man eigentlich sagen würde, naja, die

01:12:11.160 --> 01:12:12.160
Lösung ist doch eigentlich klar.

01:12:13.080 --> 01:12:14.840
Aber wo die empirische Realität ganz anders aussieht.

01:12:14.920 --> 01:12:17.260
Also ein anderes Beispiel ist, nehmen wir mal an, ich würde jetzt ein

01:12:17.260 --> 01:12:18.280
Gewinnspiel mit Ihnen spielen.

01:12:19.100 --> 01:12:23.420
Und ich würde sagen, bei jeder Person in diesem Raum soll ich eine

01:12:23.420 --> 01:12:24.960
Zahl ausdenken von 1 bis 100.

01:12:25.880 --> 01:12:30.040
Und wer am Ende am nächsten an 70% des Mittels dran ist, der kriegt

01:12:30.040 --> 01:12:31.280
von mir 20 Euro aus der Tasche.

01:12:33.840 --> 01:12:36.480
Und theoretisch, wenn man das so schaut, gibt es schon mal eine Zahl,

01:12:36.540 --> 01:12:38.180
die Sie nie und nimmer tippen sollten, nämlich welche.

01:12:39.820 --> 01:12:41.040
Oder es gibt eine Reihe von Zahlen.

01:12:43.020 --> 01:12:44.400
Also 70% des Mittels.

01:12:45.340 --> 01:12:47.940
Also nehmen wir mal an, alle Versuchspersonen würden 100 sich denken.

01:12:49.200 --> 01:12:51.660
Dann wären 70% des Mittels, wäre die richtige Lösung 70.

01:12:52.400 --> 01:12:55.220
Also wäre eigentlich jeder, der am Ende sagt, zum Beispiel 80 oder 90,

01:12:55.220 --> 01:12:56.500
würde man sagen, der ist irrational.

01:12:56.660 --> 01:12:58.380
Weil es kann gar nicht beim Ergebnis rauskommen.

01:12:58.840 --> 01:13:00.540
Aber trotzdem werden Sie solche Tipps haben.

01:13:00.660 --> 01:13:03.400
Einfach Leute, die aus dem Bauch heraus entscheiden und sagen, naja,

01:13:03.520 --> 01:13:06.500
vielleicht 85 oder so, da war doch irgendwas mit 70%, vielleicht ist

01:13:06.500 --> 01:13:07.060
es da in der Nähe.

01:13:08.020 --> 01:13:10.540
Wenn Sie jetzt aber den nächsten Denkschritt machen und denken, okay,

01:13:10.560 --> 01:13:13.640
die Leute wissen, eigentlich kann gar nicht mehr als 70 rauskommen.

01:13:14.240 --> 01:13:15.740
Also wird keiner mehr als 70 sagen.

01:13:16.180 --> 01:13:17.700
Also wird maximal jeder 70 sagen.

01:13:18.640 --> 01:13:21.620
Also kann die richtige Lösung maximal 70% von 70 sein.

01:13:22.740 --> 01:13:25.040
Und Sie im nächsten Schritt plötzlich sagen, das ist 0,7 mal 0,7 und

01:13:25.040 --> 01:13:25.720
so weiter und so fort.

01:13:26.500 --> 01:13:28.880
Und theoretisch gesehen, wäre eigentlich die richtige Lösung, man

01:13:28.880 --> 01:13:30.760
müsste am Ende 1 oder 0 oder was auch immer sagen.

01:13:31.540 --> 01:13:33.100
Aber die empirische Realität ist eine ganz andere.

01:13:33.720 --> 01:13:34.600
Das können Sie eben messen.

01:13:35.280 --> 01:13:37.740
Aber erklären, warum die Leute so handeln, ist halt eine ganz andere

01:13:37.740 --> 01:13:38.020
Sache.

01:13:43.000 --> 01:13:45.140
Sie können das Experiment ja gerne mal in irgendeinem Informatikkurs

01:13:45.140 --> 01:13:47.540
hier mit Kommilitonen durchführen.

01:13:47.620 --> 01:13:49.480
Und es geht vielleicht in den Glühwein oder so, den Sie jetzt wieder

01:13:49.480 --> 01:13:51.440
verkaufen bei Ihnen in der Flasche.

