WEBVTT

00:00.000 --> 00:04.100
Es ist natürlich besonders spannend, sich zu überlegen und sich zu

00:04.100 --> 00:10.720
fragen, ob das, was wir für das Alltagsweltbild der Naturvölker und

00:10.720 --> 00:16.120
der vorindustriellen Völker gesagt haben, also über das Weltbild des

00:16.120 --> 00:20.520
Normalen, ob diese Kategorien, also die Möglichkeit der

00:20.520 --> 00:27.240
entwicklungspsychologischen Erklärung, auch auf die Philosophien und

00:27.240 --> 00:33.660
die Wissenschaftssysteme der alten Welt zutreffen könnten, oder ob

00:33.660 --> 00:35.320
diese eine Ausnahme sind.

00:37.760 --> 00:41.060
Denn wenn es sich zeigen sollte, dass die Entwicklungspsychologie

00:41.620 --> 00:50.340
sogar zum Kern und ins Herz der antiken Philosophie vordringen kann

00:50.340 --> 00:54.620
und dazu in der Lage ist, diese zu erklären und darzustellen, dann

00:54.620 --> 00:58.940
dürfte der Beweis vollständig erbracht sein, dass der große

00:58.940 --> 01:06.560
Kulturbruch zwischen Vormoderner und Moderner der eigentliche ist und

01:06.560 --> 01:13.540
dass auch die Philosophen und Denker der alten Welt nicht aus diesem

01:13.540 --> 01:17.600
Weltbild, dem beschriebenen, herausgekommen sind.

01:17.600 --> 01:22.300
Und dass die große Grenzscheide zwischen präoperationalem und

01:22.300 --> 01:28.520
formaloperationalem Denken auch die Kulturscheide Moderne und

01:28.520 --> 01:29.480
Vormoderne ist.

01:31.180 --> 01:35.380
Das schließt an, an das was wir in der letzten Woche über die Religion

01:35.380 --> 01:40.200
gesagt haben, denn die Religion ist ja gewissermaßen das

01:40.200 --> 01:42.380
Alltagsweltbild der alten Kulturen.

01:42.380 --> 01:48.140
Sie erklären sich alles in religiösen Kategorien und die Religion ist

01:48.140 --> 01:51.740
der geistige Rahmen, in dem sie sich orientieren.

01:52.840 --> 01:57.160
Und wir haben also eine Entwicklung gewissermaßen von der Religion

01:57.160 --> 02:04.320
über die philosophischen Systeme der Hochkulturen zur Wissenschaft der

02:04.320 --> 02:04.920
Neuzeit.

02:05.300 --> 02:08.300
Das ist ein Evolutionsschritt von der Religion zur Wissenschaft.

02:09.300 --> 02:15.280
Dazu muss man wissen, dass ja im Mittelalter die Philosophie im Grunde

02:15.280 --> 02:18.020
immer geblieben ist, theologische Philosophie.

02:18.520 --> 02:20.860
Damit meine ich jetzt nicht christliche Philosophie, sondern

02:20.860 --> 02:22.140
theologische Philosophie.

02:22.540 --> 02:27.120
Auch die aristotelische Philosophie ist eine theologische Philosophie.

02:27.840 --> 02:32.560
Also es gibt eine Symbiose zwischen dem christlichen Weltbild und der

02:32.560 --> 02:36.560
aristotelischen Philosophie und diese Symbiose macht das

02:36.560 --> 02:38.120
mittelalterliche Weltbild aus.

02:38.840 --> 02:41.080
Aber es ist immer theologische Philosophie.

02:41.680 --> 02:45.100
Wir haben also eine Entwicklung von einer theologischen Philosophie

02:45.100 --> 02:46.980
zur modernen Naturwissenschaft.

02:47.300 --> 02:47.480
Oder?

02:48.060 --> 02:52.120
Die modernen Naturwissenschaften sind aus der Religion hervorgegangen.

02:52.860 --> 02:56.480
Die Naturwissenschaften sind aus der Religion, aus der Philosophie,

02:56.560 --> 02:58.340
aus der religiösen Philosophie hervorgegangen.

02:58.340 --> 03:04.000
Und diesen Prozess kann man wunderbar beobachten im 17.

03:04.420 --> 03:05.160
Jahrhundert.

03:06.280 --> 03:09.460
Und damit, mit der Entstehung der modernen Naturwissenschaften,

03:09.760 --> 03:12.440
beschäftigen wir uns in der nächsten Woche.

03:12.960 --> 03:18.940
Und dann in der letzten Sitzung, dann welche Bedeutung dies hat für

03:18.940 --> 03:20.520
die Entstehung der modernen Welt.

03:21.420 --> 03:24.380
Und ohne die modernen Naturwissenschaften gibt es keine moderne

03:24.380 --> 03:25.280
Industriegesellschaft.

03:26.260 --> 03:29.340
Die moderne Industriegesellschaft geht aus den modernen

03:29.340 --> 03:30.460
Naturwissenschaften hervor.

03:30.820 --> 03:34.000
Die modernen Naturwissenschaften sind aber die Folge der Evolution der

03:34.000 --> 03:35.420
formalen Operationen im 17.

03:35.520 --> 03:35.900
und 18.

03:36.040 --> 03:36.400
Jahrhundert.

03:37.880 --> 03:40.340
Das heißt, wenn man sich mit der Entstehung der modernen Welt

03:40.340 --> 03:42.860
beschäftigen will, muss man sich mit der Entstehung der modernen

03:42.860 --> 03:44.020
Naturwissenschaften beschäftigen.

03:44.440 --> 03:47.080
Wenn man sich mit der Entstehung der modernen Naturwissenschaften

03:47.080 --> 03:51.040
beschäftigen will, muss man sich mit der vorgängigen Philosophie

03:51.040 --> 03:51.680
beschäftigen.

03:51.680 --> 03:54.340
Das heißt, mit der christlich-aristotelischen Philosophie.

03:55.200 --> 04:01.000
Und die wiederum ist ein evolutionärer Sprungschritt über das

04:01.000 --> 04:06.000
religiöse Weltbild der alten Kulturen hinaus, der wir uns ja in der

04:06.000 --> 04:07.400
letzten Woche beschäftigt haben.

04:07.660 --> 04:12.640
Deswegen heute das aristotelische Weltbild.

04:14.080 --> 04:17.740
Und zunächst kommen wir mal zur Kosmologie.

04:17.740 --> 04:24.680
Wie haben sich denn die Völker den Kosmos vorgestellt?

04:27.640 --> 04:32.480
Das vorindustrielle Denken versteht die Bewegung von Körpern

04:32.480 --> 04:33.020
teleologisch.

04:34.020 --> 04:39.200
Also jeder Körper hat ein vorab festgeschriebenes Ziel, auf das er

04:39.200 --> 04:41.100
hinstrebt, teleologisch.

04:41.640 --> 04:44.720
Und biologisch und intentional.

04:45.640 --> 04:50.620
Alle Körper streben intentional nach Verwirklichung ihrer Natur, ihres

04:50.620 --> 04:51.540
Potenzials.

04:52.320 --> 04:57.020
Wie die Eichel danach strebt, sich zur Eichel zu entwickeln, also

04:57.020 --> 05:01.540
teleologisch, steckt in der Eichel drin, zur Eichel zu werden.

05:02.380 --> 05:06.680
Wo strebt der Stein in diesem Weltbild danach, nach unten zu fallen?

05:07.760 --> 05:12.080
Weil der Erdmittelpunkt der natürliche Ort des Aufenthalts schwerer

05:12.080 --> 05:12.640
Körper ist.

05:12.640 --> 05:15.640
Man kannte ja nicht das Gravitationsgesetz.

05:16.380 --> 05:19.820
Wenn man das Gravitationsgesetz nicht kennt, hat man nicht die

05:19.820 --> 05:24.200
Möglichkeit, die Bewegung eines Körpers als eine Reaktion zu

05:24.200 --> 05:24.620
verstehen.

05:25.320 --> 05:28.480
Wir verstehen ja den Fall eines Körpers grundsätzlich als eine

05:28.480 --> 05:31.780
Reaktion, für die er ja gar nicht kann.

05:32.280 --> 05:35.660
Es liegt ja nicht in der Absicht des Steins, zum Boden zu fallen,

05:36.180 --> 05:39.260
sondern er reagiert auf die Massenanziehung.

05:39.260 --> 05:43.500
Aber diese Reaktion ist nicht intentional nach unserer Vorstellung,

05:44.080 --> 05:48.100
sondern es ist ein passives Geschehen, dem der Stein gar nicht

05:48.100 --> 05:51.920
ausweichen kann, gar nicht ausweichen will, weil der Stein weder etwas

05:51.920 --> 05:53.980
wollen kann, noch etwas können kann.

05:54.300 --> 05:56.520
Er fällt einfach runter, er reagiert.

05:57.600 --> 06:02.820
Wenn man aber nicht das Gravitationsgesetz kennt, was kannten die

06:02.820 --> 06:07.980
Völker nicht bis Newton, hat man die Bewegung verstanden als eine

06:07.980 --> 06:11.980
Intention, als eine Absicht, so wie ein Pferd über eine Weide läuft

06:11.980 --> 06:15.220
oder wie wir in den Vorlesungssaal gehen.

06:15.860 --> 06:19.560
Es ist ja kein passives, reaktives Geschehen, sondern die Folge

06:19.560 --> 06:20.380
unseres Willens.

06:20.660 --> 06:23.560
Und genauso hat man auch das Fallen der Körper verstanden.

06:24.140 --> 06:30.660
Das heißt, der Fall des Steins auf dem Boden ergibt sich aus seiner

06:30.660 --> 06:33.680
Absicht, dahin zu gehen, wo er hingehört, zu seiner Heimat.

06:34.180 --> 06:39.220
So wie der Hirte, so sagt Aristoteles, zu seiner Hütte strebt, um sich

06:39.220 --> 06:40.200
abends auszuruhen.

06:40.480 --> 06:42.900
Er bringt diesen Vergleich expressis verbis.

06:43.800 --> 06:48.240
Das Feuer zümmelt hingegen in die Höhe, weil es zu seinem natürlichen

06:48.240 --> 06:50.460
Ort nach oben zum Himmel strebt.

06:50.680 --> 06:55.380
So wie der Hirte abends in die Hütte geht, um sich auszuruhen, so

06:55.380 --> 06:57.020
strebt das Feuer in den Himmel.

06:57.980 --> 07:02.100
Das heißt, auch in der Fassung des Aristoteles spricht das

07:02.100 --> 07:07.520
vorindustrielle Denken, Gegenstände und Prozesse, seelenähnliche

07:07.520 --> 07:08.560
Eigenschaften zu.

07:10.280 --> 07:16.820
Der Kosmos setzt sich daher aus seinen Elementen und deren Zielen

07:16.820 --> 07:17.360
zusammen.

07:19.060 --> 07:23.800
Nach Aristoteles besteht der Kosmos aus den vier Elementen Erde,

07:24.180 --> 07:26.060
Wasser, Luft und Feuer.

07:26.060 --> 07:29.860
Und die haben jeweils ihre eigene natürliche Bewegung.

07:30.840 --> 07:40.640
Alles, was erdhaft ist, strebt zum Erdmittelpunkt hin und Luft und

07:40.640 --> 07:44.460
Feuer streben eben nach oben.

07:47.780 --> 07:52.120
Diese vier Elementenlehre findet sich weltweit in vorindustriellen

07:52.120 --> 07:53.440
Gesellschaften.

07:53.440 --> 07:56.960
Die wurde erst in der europäischen Neuzeit über Bord geworfen.

07:58.420 --> 08:02.780
Es entsprach der Natur des Elements Erde, in gerader Linie den

08:02.780 --> 08:04.420
Mittelpunkt der Erde zuzustreben.

08:07.000 --> 08:10.640
Und zwar so lange, bis der erdige Körper entweder auf ein Hindernis

08:10.640 --> 08:15.060
traf, das ihm den Weg versperrte, oder einen Stoß erhielt, der ihn in

08:15.060 --> 08:16.340
eine andere Richtung drängte.

08:18.560 --> 08:23.680
Jetzt kommen diese vier Elemente natürlich keineswegs in Reinform vor.

08:24.220 --> 08:28.120
Zum Beispiel ist ja der Mensch nach dieser Lehre aus vier Elementen

08:28.120 --> 08:28.760
zusammengesetzt.

08:28.840 --> 08:30.300
Das heißt, wir haben in uns ja alles.

08:30.880 --> 08:33.980
Erde, Wasser, Feuer und Luft.

08:35.080 --> 08:39.080
Nur nach dieser vier Elementenlehre und die Persönlichkeitstheorie der

08:39.080 --> 08:42.600
alten Welt, die ja bis ins 90er, sogar bis ins 20.

08:42.780 --> 08:46.440
Jahrhundert maßgeblich war, setzt sich auch aus dieser vier

08:46.440 --> 08:47.500
Elementenlehre zusammen.

08:47.820 --> 08:51.660
Also es gibt vier Typen von Menschen, und diese vier Typen von

08:51.660 --> 08:58.340
Menschen entstehen dadurch, dass jeweils ein anderes Element Dominanz

08:58.340 --> 08:58.520
hat.

08:58.620 --> 09:01.040
Nicht der Psychmatiker, der Pharmieniker, der Choleriker.

09:01.460 --> 09:07.080
Das sind die Typen, die aus dieser vier Elementenlehre hervorgehen.

09:07.080 --> 09:11.840
Man sieht, diese Kosmologie und diese Physik, die ja gar nicht in

09:11.840 --> 09:15.500
unserem Sinne Physik ist, ist gleichzeitig eine Biologie und eine

09:15.500 --> 09:16.000
Psychologie.

09:16.120 --> 09:18.620
Man kann aus ihr alles reduzieren.

09:20.340 --> 09:29.520
Das ist die aristotelische Kosmologie, die ja bis in die Neuzeit

09:29.520 --> 09:34.940
Bestand hatte, hier in einer unmaßgeblichen Abwandlung.

09:34.940 --> 09:37.520
Es gibt natürlich eine Vielzahl von Kosmologien.

09:37.940 --> 09:42.820
Vor 100 Jahren hat Pierre Duhem ein x-bändiges Werk beschrieben, in

09:42.820 --> 09:45.480
dem alle Kosmologien der alten Welt zusammengefasst sind.

09:46.040 --> 09:51.220
Aber im Großen und Ganzen entspricht dies dem Denken bis zu

09:51.220 --> 09:51.940
Kopernikus.

09:53.480 --> 09:54.740
Und was sehen wir?

09:55.300 --> 09:57.600
Erstens, der Kosmos ist kreisrund.

09:58.340 --> 10:01.760
Zweitens, er ist abgeschlossen, das heißt, er hat eine Grenze.

10:01.760 --> 10:04.040
Nicht so wie ein Fußball.

10:05.540 --> 10:07.720
Und jenseits davon gibt es nichts.

10:09.240 --> 10:13.000
Nicht der Erste, der das unendliche Universum formuliert hat, war ja

10:13.000 --> 10:14.980
Nikolaus Cusanus.

10:15.760 --> 10:20.820
Vorher hat man den Kosmos immer als etwas Begrenztes gesehen und als

10:20.820 --> 10:21.560
etwas Rundes.

10:22.900 --> 10:26.440
Im Mittelpunkt des Kosmos, deswegen spricht man ja auch von Kosmos und

10:26.440 --> 10:33.280
nicht von Universum, ist die Erde, genauer gesagt die Hölle, weil die

10:33.280 --> 10:35.220
Hölle ist nämlich in der Mitte der Erde.

10:36.700 --> 10:39.000
Also im Mittelpunkt des Kosmos ist eigentlich die Hölle.

10:40.780 --> 10:42.380
Und die Hölle ist in der Mitte der Erde.

10:42.920 --> 10:45.880
Und die Erde ist im Mittelpunkt des Kosmos.

10:46.200 --> 10:50.440
Deswegen nennt man das auch das geozentrische Weltbild, weil eben die

10:50.440 --> 10:52.080
Erde im Mittelpunkt des Kosmos ist.

10:52.640 --> 10:56.620
Und seit Kopernikus gibt es das heliozentrische Weltbild, in dem die

10:56.620 --> 10:57.780
Sonne im Mittelpunkt ist.

10:58.000 --> 11:00.660
Und davon haben wir uns natürlich mittlerweile auch schon längst

11:00.660 --> 11:03.520
wieder verabschiedet, nämlich zu glauben, dass die Sonne im

11:03.520 --> 11:04.680
Mittelpunkt des Kosmos ist.

11:05.860 --> 11:12.760
So, jetzt unterscheidet diese Kosmologie zwischen einer sublunaren und

11:12.760 --> 11:15.040
einer supralunaren Sphäre.

11:15.040 --> 11:20.400
Und das sind zwei Sphären, die nach unterschiedlichen Gesichtspunkten

11:20.400 --> 11:22.000
geordnet sind.

11:22.420 --> 11:28.600
Weil zu der sublunaren Sphäre, das ist die Sphäre unterhalb des

11:28.600 --> 11:34.960
Mondes, gehört das, was unvollkommen ist.

11:36.160 --> 11:40.580
Also der Mond ist unvollkommen, die Erde ist unvollkommen, die

11:40.580 --> 11:42.820
Luftschicht bis zum Mond ist unvollkommen.

11:42.820 --> 11:47.560
Man dachte auch, dass die Kometen sich alle in der sublunaren Sphäre

11:47.560 --> 11:48.040
bewegen.

11:49.300 --> 11:51.500
Und die Hölle ist natürlich unvollkommen.

11:52.640 --> 11:55.240
Das sind also die Bewegungen, die sind da krumm und schief.

11:55.740 --> 11:58.260
Manche Menschen, die gehen einmal in die Richtung, dann in die

11:58.260 --> 11:59.500
Richtung und so weiter und so fort.

11:59.580 --> 12:03.600
Die Kometen, die man sehen kann, von denen man dachte sie seien in der

12:03.600 --> 12:07.400
sublunaren Sphäre, die haben komische Bewegungen.

12:09.140 --> 12:10.640
Während der Himmel ist vollkommen.

12:10.640 --> 12:15.760
Die sublunare Sphäre, also alles was oberhalb des Mondes ist, das ist

12:15.760 --> 12:16.420
vollkommen.

12:16.580 --> 12:16.760
Warum?

12:17.580 --> 12:22.640
Weil man dachte sich, es gibt dort nur runde Bewegungen, alles ist

12:22.640 --> 12:22.980
rund.

12:23.800 --> 12:28.260
Und was rund ist und auf Kreisbewegungen läuft, das ist vollkommen.

12:29.960 --> 12:32.920
Das sind vollkommene Bewegungen, das ist der Beweis für die

12:32.920 --> 12:34.240
Göttlichkeit des Himmels.

12:34.940 --> 12:39.080
Nämlich, dass die Himmelsbewegungen rund, kreisrund und vollkommen

12:39.080 --> 12:39.360
sind.

12:39.360 --> 12:42.820
Das heißt, man dachte sich tatsächlich, alle Sterne und Planeten

12:42.820 --> 12:44.500
bewegen sich richtig schön rund.

12:46.880 --> 12:50.260
Das machen sie deswegen, weil sie göttlicher Natur sind.

12:51.160 --> 12:53.660
Während die Erde ist eben etwas verwirrt.

12:55.860 --> 13:02.380
Und deswegen, es war ein großer Skandal, als Galileo die Sphäre

13:02.380 --> 13:10.000
schaute und stellte fest, dass der Mond Flecken hat und dass die

13:10.000 --> 13:11.460
Planeten auch Flecken haben.

13:12.400 --> 13:16.540
Weil das geht ja nicht, dass göttliche, vollkommene Sachen Flecken

13:16.540 --> 13:16.920
haben.

13:17.520 --> 13:21.340
Das kann man durch Januar eben beobachten, das galt als Skandal und

13:21.340 --> 13:22.620
musste eigentlich vertuscht werden.

13:28.140 --> 13:32.060
Die Himmel sind nach Sphären geordnet.

13:34.480 --> 13:40.260
Der äußerste Rand ist der Ort des ersten Bewegers.

13:40.780 --> 13:42.040
Und der erste Beweger ist Gott.

13:43.940 --> 13:49.160
Das heißt, man muss sich das so vorstellen, am äußersten Rand des

13:49.160 --> 13:52.260
Kosmos befindet sich die höchste Gottheit.

13:53.200 --> 13:59.160
Und diese höchste Gottheit gibt es so ähnlich wie ein Esel, der ein

13:59.160 --> 14:00.220
Wasserrad bewegt.

14:00.220 --> 14:02.060
Diesem Wasserrad den Tritt.

14:02.920 --> 14:08.400
Er setzt also den anderen Himmel, Himmeln, einen Tritt gewissermaßen

14:08.400 --> 14:10.740
und zwar ständig, sodass sie sich bewegen.

14:11.900 --> 14:15.840
Das heißt, die Bewegung des Himmels kommt durch die ständigen Tritte

14:15.840 --> 14:22.520
des höchsten Himmels Gottes, dem ersten Beweger, der sich hier

14:22.520 --> 14:26.480
befindet, dieser äußersten Schale, zustande.

14:26.480 --> 14:33.880
Dann bewegen sich diese Schalen, diese Zahnräder ineinander und setzen

14:33.880 --> 14:35.520
den Himmel in Bewegung.

14:36.780 --> 14:39.100
Dann haben wir schon den großen Unterschied zu unserer heutigen

14:39.100 --> 14:39.700
Weltbildmann.

14:39.780 --> 14:44.900
Man dachte nämlich, dass der Himmel in Bewegung ist, während die Erde

14:44.900 --> 14:45.420
ruht.

14:46.100 --> 14:47.420
Die Erde bewegt sich nicht.

14:47.600 --> 14:52.120
Die Erde bleibt im Mittelpunkt stehen und ist ein fixer Punkt.

14:52.120 --> 14:58.940
Da gibt es keine Bewegung, sondern sie steht still für alle Zeiten.

15:00.680 --> 15:06.840
Wenn man also beobachtet, dass die Sonne auf und unter geht und die

15:06.840 --> 15:11.900
Sterne auch auf und unter gehen, Tag und Nacht wechseln, dann kommt

15:11.900 --> 15:16.020
das daher, weil sich der Himmel um die Erde bewegt.

15:17.400 --> 15:22.060
Das heißt, alle Sterne und Planeten, die sich hier befinden auf diesen

15:22.060 --> 15:28.740
Kreisbahnen, bewegen sich in 24 Stunden einmal um die Erde.

15:30.980 --> 15:37.200
Also stellen Sie sich das jetzt so vor, nehmen wir mal an, der erste

15:37.200 --> 15:41.080
Beweger sei eine Million Kilometer entfernt vom Erdmittelpunkt.

15:41.080 --> 15:51.760
Dann würde das bedeuten, dass in 24 Stunden diese Himmel sich alle um

15:51.760 --> 15:52.620
die Erde bewegen.

15:53.800 --> 15:58.060
Das heißt, je größer der Kosmos wäre, desto schneller muss die

15:58.060 --> 16:02.280
Geschwindigkeit der Himmel sein, um sie instand setzen zu können, in

16:02.280 --> 16:04.400
24 Stunden um die Erde zu rasen.

16:05.540 --> 16:08.820
Das ist auch der Grund, warum man den Kosmos natürlich als einen

16:08.820 --> 16:13.480
begrenzten Kosmos verstanden hat, weil je kleinräumiger der Kosmos

16:13.480 --> 16:17.660
ist, je geringer die Entfernungen sind bis zum äußersten Rand des

16:17.660 --> 16:21.220
Himmels, umso wahrscheinlicher kann man es auch machen, nämlich

16:21.220 --> 16:25.500
glauben zu können und anzunehmen, dass die Himmel sich tatsächlich um

16:25.500 --> 16:26.420
die Erde bewegt.

16:26.420 --> 16:30.460
Und das ist natürlich eine Vorstellung, die der Unseren heute

16:30.460 --> 16:33.480
diametral entgegengesetzt ist.

16:34.060 --> 16:39.040
Weil wir haben ja auf die Annahme eines ruhenden und fixen Planeten

16:39.040 --> 16:41.920
Erde nun seit einigen Jahrhundert verzichtet.

16:43.260 --> 16:50.100
Sondern die Erde rast mit durch das Sonnensystem und die Erdumdrehung,

16:50.480 --> 16:54.560
die tägliche, ist verantwortlich für den Wechsel von Tag und Nacht.

16:54.560 --> 16:58.240
Aber wenn man die Erde als fix und unbeweglich annimmt, dann muss man

16:58.240 --> 17:02.540
eben das umdrehen und sagen, wenn die Erde still steht, dann erklären

17:02.540 --> 17:06.500
sich die Bewegungen am Himmel eben dadurch, das heißt der tägliche

17:06.500 --> 17:11.220
Aufgang der Sterne und der Sonne, dadurch, dass sich der Himmel um die

17:11.220 --> 17:11.780
Erde bewegt.

17:12.100 --> 17:14.900
Und genau das hat man geglaubt bis vor ein paar hundert Jahren.

17:16.220 --> 17:22.760
So, jetzt setzt also hier der Himmel, den unteren Himmel in Bewegung.

17:23.630 --> 17:26.360
Hier diese Punkte hier, das sind die Fixsterne.

17:26.900 --> 17:32.000
Daher kommt der Ausdruck, man dachte, je weiter ich in den Himmel

17:32.000 --> 17:39.440
schaue, desto weniger habe ich ja Planeten und Sterne vor mir, die

17:39.440 --> 17:45.020
verschiedenen Bewegungen zyklischer Art ausgesetzt sind, sondern die

17:45.020 --> 17:48.980
weit entfernten Sterne unterliegen ja nicht so häufig Bewegungen wie

17:48.980 --> 17:49.980
zum Beispiel die Planeten.

17:49.980 --> 17:52.380
Deswegen nannte man die Fixsterne.

17:53.760 --> 17:57.940
Und hier sind noch die Himmel der höheren Himmelsgötter.

17:58.640 --> 18:00.720
Das ist dann hier so auch hierarchisch geliefert.

18:01.120 --> 18:04.720
Auf dieser Ebene sind die tiefer gesetzten Himmelsgötter.

18:05.240 --> 18:09.060
Und hier sehen Sie, in den engeren Kreisen sind die Planetenbahnen

18:09.060 --> 18:09.860
eingefasst.

18:10.580 --> 18:11.440
Die Planetenbahnen.

18:12.240 --> 18:15.860
Und alle diese Sterne sind Götter, das sind Personen.

18:15.860 --> 18:19.380
Das sind nicht Himmelskörper, wie wir das denken, die irgendwie aus

18:19.380 --> 18:21.480
Gas und Staub zusammengesetzt sind.

18:21.760 --> 18:23.200
Das sind Personen, das sind Götter.

18:23.940 --> 18:26.740
Und bei den Naturvölkern, haben wir ja schon gehört, sind das die

18:26.740 --> 18:27.500
Ahnengeister.

18:29.780 --> 18:32.640
Die Vorfahren, das sind die toten Vorfahren, die fahren in den Himmel

18:32.640 --> 18:32.940
auf.

18:34.600 --> 18:38.160
Und die leuchten dann uns Menschen aus dem Himmel.

18:38.300 --> 18:41.080
Das sind die toten Vorfahren, die toten Urgroßeltern.

18:41.580 --> 18:43.600
Das ist die Denkweise aller alten Völker.

18:43.600 --> 18:49.680
Und Reste davon findet man auch noch in diesen Vorstellungen und

18:49.680 --> 18:51.140
natürlich auch im christlichen Weltbild.

18:51.320 --> 18:51.540
Warum?

18:52.880 --> 18:55.260
Weil die Toten gehen in den Himmel.

18:56.760 --> 19:02.900
Oder wie man in der antiken Welt sagte, sie gehen zu den Ahnen, zu den

19:02.900 --> 19:03.440
Sternen.

19:04.080 --> 19:06.600
Die Pyramiden der Pharaonen haben alle sogenannte Sternenschächte.

19:07.680 --> 19:08.900
Kennen Sie vielleicht aus dem Fernsehen.

19:08.900 --> 19:13.820
Das ist so gedacht, dass der Pharao eben, wenn er in seinem Sarkophag

19:13.820 --> 19:17.920
liegt, die Möglichkeit hat, durch einen Sternenschacht direkt zum

19:17.920 --> 19:19.760
Sternbild des Osiris aufzusteigen.

19:19.960 --> 19:23.060
Deswegen sind die Sternenschächte in den Pyramiden nach den Sternen

19:23.060 --> 19:29.260
ausgerichtet, um eben diese Fahrt in den Himmel zu ermöglichen.

19:30.700 --> 19:37.440
Daran sieht man schon weiter, nämlich, dass es sich hierbei um einen

19:37.440 --> 19:40.940
hierarchischen und sakral geordneten Kosmos handelt.

19:42.000 --> 19:47.060
Das heißt, wir haben hier nicht einen abstrakten Raum, wie bei

19:47.060 --> 19:50.040
Immanuel Kant oder wie bei Isaac Newton.

19:51.680 --> 19:55.560
Bei Isaac Newton und vor allem bei Immanuel Kant ist der Himmel ja

19:55.560 --> 20:00.820
entsakralisiert, sondern wir haben hier einen sakralen Kosmos.

20:00.820 --> 20:06.980
Das heißt, die Räume unterscheiden sich nach ihrer sakralen Bedeutung,

20:07.060 --> 20:08.340
nach ihrem sakralen Wert.

20:09.600 --> 20:15.440
Es ist eben kein unendlicher Raum, kein Raum, der den Inhalten, die

20:15.440 --> 20:20.860
sich in ihm befinden, gleichgültig ist, sondern ein Raum, der

20:20.860 --> 20:25.060
gegliedert ist nach ethischen, religiösen und moralischen

20:25.060 --> 20:25.740
Sichtpunkten.

20:25.960 --> 20:28.400
Es sind Räume, die sind mehr wert als andere.

20:29.180 --> 20:35.560
Und die supralunare Sphäre ist göttlicher als die sublunare Sphäre,

20:35.680 --> 20:37.060
weil die ist ja schon in der Nähe der Hölle.

20:38.860 --> 20:40.340
Wir sind ja hier in der Nähe der Hölle.

20:41.980 --> 20:43.540
Der Teufel ist direkt unter uns.

20:48.730 --> 20:53.170
Dazu muss man wissen, wenn wir heute vom Himmel reden, meinen wir das

20:53.170 --> 20:54.350
in zweierlei Bedeutung.

20:54.690 --> 20:59.190
Wir meinen das in einer räumlichen Bedeutung, wir meinen das in einer

20:59.190 --> 21:00.290
religiösen Bedeutung.

21:00.290 --> 21:06.430
Wir würden nicht auf den Gedanken kommen, hoffe ich jedenfalls, dass

21:06.430 --> 21:10.170
diese beiden Bedeutungen im Grunde in eins gefasst werden können.

21:10.750 --> 21:14.390
Wenn wir vom Himmel sprechen, als einer religiösen Kategorie, da

21:14.390 --> 21:19.210
meinen wir damit das Jenseits, in dem sich die erlösten Seelen

21:19.210 --> 21:19.890
aufhalten.

21:20.430 --> 21:24.530
Wir würden nicht darauf kommen, dass man dies in einem strikt

21:24.530 --> 21:28.490
räumlichen Sinne meinen könnte, sondern wir benutzen dann den Himmel

21:28.490 --> 21:34.010
gleichsam nur als eine symbolische Schiffe, um etwas zu bezeichnen,

21:34.070 --> 21:36.930
von dem wir annehmen, dass man es gar nicht bezeichnen kann.

21:37.050 --> 21:39.010
Also als eine völlig abstrakte Kategorie.

21:39.830 --> 21:48.310
Die toten Seelen, die im Jenseits walten, im Himmel sich aufhalten,

21:49.310 --> 21:52.490
bei Gott sitzen, die machen das irgendwo.

21:52.490 --> 21:56.810
Aber man kann sich nicht vorstellen, dass das ein konkreter Raum sein

21:56.810 --> 22:00.010
könnte, sondern wir würden eben sagen, das kann man sich eben nicht

22:00.010 --> 22:00.590
vorstellen.

22:01.290 --> 22:07.070
Irgendwie lebt die Seele weiter, nach dem Tode ist er löst, sitzt zu

22:07.070 --> 22:10.710
Rechten des Vaters, aber das würden wir nicht wirklich konkret

22:10.710 --> 22:13.430
verstehen, sondern als eine bildliche Metapher.

22:16.050 --> 22:18.510
Wenn wir überhaupt noch solche Gedanken haben.

22:20.250 --> 22:23.130
Die alten Völker haben das natürlich ganz anders gemeint.

22:24.610 --> 22:30.650
Für die gab es keinen Unterschied zwischen dem Raum und dem Jenseits.

22:33.330 --> 22:35.190
Für die war das ein und dasselbe.

22:36.390 --> 22:43.570
Die Toten, die nach der Erlösung sich im Himmel aufhalten, halten sich

22:43.570 --> 22:45.570
tatsächlich da oben auf.

22:48.980 --> 22:52.360
Nach dem Tode kommt man in den Himmel.

22:53.100 --> 22:59.020
Das ist die Vorstellung einer jeden Religion, seit mindestens 50.000

22:59.020 --> 22:59.400
Jahren.

23:00.540 --> 23:03.080
Die Toten kommen in den Himmel, wenn sie erlöst sind.

23:03.820 --> 23:06.820
Was dachte man, was verstand man unter diesem Himmel?

23:07.220 --> 23:10.160
Ja, genau den Himmel, den man sieht, wenn man nach oben schaut.

23:11.220 --> 23:14.620
Und das ist der Grund, warum die alten Völker geglaubt haben, dass die

23:14.620 --> 23:18.140
Sterne die Toten Vorfahren seien, die uns leuchten.

23:19.620 --> 23:22.020
Die Toten kommen in den Himmel.

23:22.640 --> 23:23.560
Ja, was machen sie denn da?

23:23.760 --> 23:25.920
Da sind sie, die Sterne, die uns leuchten.

23:27.080 --> 23:30.220
Und da sehen sie, wie diese Forschung, die man bei den australischen

23:30.220 --> 23:33.780
Ureinwohnern findet, sich letztlich in jeder Religion wiederfindet,

23:34.380 --> 23:35.980
auch natürlich im Christentum.

23:36.180 --> 23:39.920
Weil wir glauben ja schließlich, oder haben geglaubt, dass die Toten

23:39.920 --> 23:40.760
in den Himmel kommen.

23:41.740 --> 23:43.500
Und das ist der Himmel dort oben.

23:44.240 --> 23:46.900
Und deswegen handelt es sich um einen sakral gegliederten Kosmos.

23:47.500 --> 23:48.720
Gott ist hier oben.

23:50.200 --> 23:54.820
Und die höchsten Himmelsgötter sitzen auf den Schalen da drunter.

23:56.580 --> 23:59.860
Und wenn die Toten in den Himmel kommen, dann sitzen sie bei den

23:59.860 --> 24:03.120
Göttern, nämlich in diesen Himmelssphären.

24:03.740 --> 24:06.680
Das ist ganz wörtlich zu verstehen.

24:06.680 --> 24:10.480
Das hat man ganz wörtlich so gedacht und ganz wörtlich so geglaubt.

24:10.780 --> 24:15.820
Es gab also nicht die Bedeutungszweiteilung von Himmel, die wir

24:15.820 --> 24:21.980
gewissermaßen infolge der Entwicklung des abstrakten Denkens in diese

24:21.980 --> 24:23.660
Dinge hinein interpolieren.

24:24.020 --> 24:27.140
Ohne darüber nachzudenken, weil wir nicht auf den Gedanken kommen

24:27.140 --> 24:31.780
würden, dass Menschen je wirklich geglaubt haben, dass die Toten auf

24:31.780 --> 24:32.800
den Wolken sitzen.

24:34.480 --> 24:36.380
Oder auf den Sternen herum sitzen.

24:36.480 --> 24:37.560
Oder die Sterne selbst sind.

24:37.860 --> 24:40.560
Wir würden nicht auf den Gedanken kommen, dass Menschen das geglaubt

24:40.560 --> 24:40.680
haben.

24:40.720 --> 24:42.180
Aber sie haben das geglaubt.

24:42.500 --> 24:43.740
Und zwar in genau dieser Weise.

24:45.540 --> 24:51.740
Jetzt hat man sich weiter gedacht, dass die Sterne und Planeten auf

24:51.740 --> 24:55.160
diesen Schalen sitzen.

24:55.840 --> 24:59.120
Da muss man sich nur vorstellen, wie Eisenbahnen, die auf Schienen

24:59.120 --> 24:59.500
fahren.

25:00.000 --> 25:01.480
Und das macht dann auch Krach.

25:01.860 --> 25:04.520
So haben also die alten Völker geglaubt, also auch die Philosophen,

25:04.600 --> 25:08.420
auch Aristoteles hat geglaubt, dass das ordentlich Krach macht, wenn

25:08.420 --> 25:10.860
die Sterne also hier auf ihren Schienen herumfahren, in diesen

25:10.860 --> 25:11.340
Schalen.

25:13.320 --> 25:16.980
Weil das erzeugt dann Himmelsmusik, die Sphäremusik, die göttliche

25:16.980 --> 25:17.800
Musik des Himmels.

25:19.560 --> 25:23.560
Und das ist ein Widerspruch eigentlich zu einer von demselben

25:23.560 --> 25:27.920
Philosophen vertretenen Auffassung, nämlich, dass die Sterne und die

25:27.920 --> 25:33.580
Planeten von selbst ihre Bewegung vollziehen, wie Pferde auf einer

25:33.580 --> 25:34.020
Wiese.

25:35.040 --> 25:40.480
Weil diese Schienenvorstellung steht ja in einem gewissen Gegensatz zu

25:40.480 --> 25:44.720
der Vorstellung, dass sie sich von selbst bewegen, wie Tiere auf einer

25:44.720 --> 25:45.200
Weide.

25:45.500 --> 25:49.420
Das ist eben auch typisch für das alte Denken, nämlich nicht

25:49.420 --> 25:50.520
widerspruchsfrei zu sein.

25:50.520 --> 25:53.640
Das kennen wir ja, das ist eben das präkausale Denken, das nicht

25:53.640 --> 25:54.780
widerspruchsfreie Denken.

25:55.900 --> 26:05.000
So, das ist im Grunde das Zentrum der alten Kosmologie.

26:05.800 --> 26:09.560
Und wir sehen sofort, hier fehlt was?

26:09.700 --> 26:10.380
Die Gravitation.

26:10.960 --> 26:17.760
Für uns sind ja die Konstellationen der Planeten und Sterne eine Folge

26:17.760 --> 26:18.880
der Massenanziehung.

26:18.880 --> 26:24.180
Wir erklären eben den Aufbau des Universums aus der Massenanziehung.

26:24.860 --> 26:27.100
Wir erklären das Sonnensystem aus der Massenanziehung.

26:27.580 --> 26:30.000
Hier gibt es aber keine Massenanziehung, hier gibt es keine

26:30.000 --> 26:30.680
Gravitation.

26:31.520 --> 26:38.000
Und deswegen handelt es sich hierbei, man kann sagen, um ein System,

26:38.780 --> 26:41.720
das sich aus zwei nicht eigentlich widersprechenden Komponenten

26:41.720 --> 26:42.060
zusammensetzt.

26:42.940 --> 26:45.060
Die kennen wir jetzt schon, nämlich Animismus und Artifizialismus.

26:46.100 --> 26:50.100
Animismus, weil eigentlich sind alle Akteure in diesem Geschehen

26:50.100 --> 26:50.820
Personen.

26:52.060 --> 26:56.020
Die sind ja Personen, denkende Personen, göttliche Personen, mit

26:56.020 --> 26:59.920
vollkommenem Wissen und vollkommener Weisheit gesegnet, wobei sich der

26:59.920 --> 27:01.140
Schmutz nur in der Mitte befindet.

27:03.800 --> 27:05.600
Das ist also ein animistisches Konzept.

27:06.540 --> 27:09.980
Andererseits handelt es sich um ein artifizialistisches Konzept, weil

27:09.980 --> 27:19.840
es ist ja der erste Beweger, der Gott, der das alles geschaffen hat.

27:21.440 --> 27:26.200
Es sind also zwei sich im Grunde widersprüchliche...

27:27.240 --> 27:28.860
Ja, und was haben wir hier noch natürlich?

27:29.940 --> 27:31.180
Die Astrologie.

27:32.500 --> 27:38.760
Jetzt können Sie endlich verstehen, den geistigen Ursprung der

27:38.760 --> 27:39.360
Astrologie.

27:40.240 --> 27:43.040
Das Weltbild der alten Völker ist immer astrologisch.

27:43.700 --> 27:45.960
Immer, in jeder Kultur ist immer astrologisch.

27:47.480 --> 27:50.060
Und das ist hier der wahre Ursprung der Astrologie.

27:50.840 --> 27:57.020
Weil, wenn die Götter das Leben der Menschen beherrschen, das glauben

27:57.020 --> 27:57.660
ja diese Völker.

27:58.780 --> 28:04.460
Und die Sterne, die Götter sind, die Planeten, die wirklichen und

28:04.460 --> 28:08.340
wahren Götter sind, sehen Sie ja hier, Jupiter, Mars, Venus, das

28:08.340 --> 28:12.100
kennen Sie ja alles aus dem Latein- oder Geschichtsunterricht,

28:15.310 --> 28:21.410
dann ist es klar, dass die Sterne eben das Leben der Menschen

28:21.410 --> 28:24.030
festlegen, weil sie die persönlichen Götter sind.

28:25.310 --> 28:33.230
Das heißt, es muss eine Möglichkeit geben, wie die Götter einwirken

28:33.230 --> 28:34.570
auf das Leben der Menschen.

28:35.850 --> 28:38.290
Das werden wir uns gleich genauer anschauen.

28:38.390 --> 28:40.050
Das hat auch Aristoteles geglaubt.

28:40.330 --> 28:45.810
Aristoteles ist ein astrologischer Denker, wie alle diese Denker immer

28:45.810 --> 28:46.750
Astrologen waren.

28:49.150 --> 28:52.310
Und für die ist Astronomie und Astrologie kein Gegensatz, sondern ist

28:52.310 --> 28:52.790
dasselbe.

28:53.610 --> 28:57.010
Die Astrologie ist gewissermaßen die qualitative Seite der Astronomie.

28:57.410 --> 29:00.110
Besser gesagt, es gibt überhaupt keine Astronomie ohne Astrologie.

29:01.190 --> 29:04.910
Wenn man mal von der bloßen, theorielosen Beobachtung von Sternen

29:04.910 --> 29:05.470
abzieht.

29:05.630 --> 29:08.690
Aber das theoretische Konzept ist immer ein astrologisches Konzept.

29:10.770 --> 29:15.350
Die Sterne beeinflussen und steuern das Leben der Menschen auf der

29:15.350 --> 29:19.790
Erde, weil die ahnen Götter das Leben beherrschen.

29:19.790 --> 29:25.250
Das heißt, zwischen Ahnenkult oder zwischen Religion und Astrologie

29:25.250 --> 29:26.830
gibt es da überhaupt keinen Gegensatz.

29:27.830 --> 29:32.790
Astrologie ist ein Ingredient der Religion und das kann in diesem

29:32.790 --> 29:34.750
Weltbild auch gar nicht anders sein.

30:01.890 --> 30:06.630
Aristoteles vertrat die Auffassung, der zufolge der Supralunare, also

30:06.630 --> 30:11.450
der Himmelsbereich, aus einem fünften Element bestünde, nämlich aus

30:11.450 --> 30:12.350
der Quintessenz.

30:12.570 --> 30:14.090
Daher kommt der Ausdruck Quintessenz.

30:14.910 --> 30:19.450
Wir haben ja die vier Elemente, und die vier Elemente Erde, Feuer,

30:19.550 --> 30:25.590
Wasser, Luft, das sind ja nur die Elemente in der Sublunaren Sphäre,

30:25.910 --> 30:27.370
also in dem Schmutzfleck.

30:27.830 --> 30:30.570
Erde, Hölle und alles, was unter dem Mond ist.

30:30.910 --> 30:35.190
Das sind die vier Elemente, die die Sublunare Sphäre beherrschen.

30:36.150 --> 30:41.970
Und die Materie aus der Supralunaren Sphäre, das ist die Quintessenz,

30:41.970 --> 30:44.790
nämlich die fünfte Essenz.

30:47.780 --> 30:53.900
Man hat sich ja nicht gedacht, dass der Weltraum materiefrei sein

30:53.900 --> 30:54.220
könnte.

30:54.440 --> 30:56.100
Es gibt keine Materiefreiheit.

30:56.520 --> 30:58.180
Alles ist voll mit Materie.

30:59.820 --> 31:06.620
Das weiß man ja erst seit 120, 130 Jahren, dass es den Äther gar nicht

31:06.620 --> 31:06.880
gibt.

31:08.060 --> 31:11.480
Das ist ja eine andere Bezeichnung, eine neuere Bezeichnung für

31:11.480 --> 31:11.810
Quintessenz.

31:11.810 --> 31:16.910
Das weiß man ja erst seit 130 Jahren, dass der Weltraum gar nicht

31:16.910 --> 31:18.910
vollgepackt ist mit Materie.

31:19.210 --> 31:22.430
Man hat immer gedacht, der Weltraum sei vollgepackt mit Materie.

31:23.190 --> 31:26.030
Und hier in diesem Weltbild ist das die Quintessenz, alles voll mit

31:26.030 --> 31:27.970
Quintessenz, das fünfte Element.

31:29.170 --> 31:35.090
Und das ist mehr noch als die vier Elemente, auch eine göttliche

31:35.090 --> 31:35.830
Substanz.

31:36.630 --> 31:43.390
Wir müssen ja daran denken, Erde, Feuer, Wasser, Luft sind ja nur für

31:43.390 --> 31:45.610
uns rein empirische materielle Stoffe.

31:46.670 --> 31:51.750
Für die alte Welt konnten solche Stoffe nie nur geistlose Stoffe sein.

31:52.990 --> 31:55.970
Sie erinnern sich, wir sind hier im animistischen Weltbild.

31:56.890 --> 32:01.090
Für das animistische Weltbild sind natürlich auch Stoffe wie Erde,

32:01.330 --> 32:03.430
Feuer, Wasser, Luft auch Personen.

32:04.530 --> 32:06.490
Also seelische Substanzen.

32:07.590 --> 32:10.710
Aristoteles spricht zwar von Stoffen, aber wenn Aristoteles von

32:10.710 --> 32:12.810
Stoffen spricht, meint er was ganz anderes als wir.

32:13.330 --> 32:17.470
Wenn wir von Stoffen sprechen, also von Substanzen sprechen, von

32:17.470 --> 32:20.850
Elementen sprechen, meinen wir natürlich tote Reagenzien.

32:21.630 --> 32:22.990
Aber nicht so Aristoteles.

32:23.450 --> 32:25.170
Das sind beseelte Substanzen.

32:25.710 --> 32:29.450
Erde ist eine beseelte Substanz, Feuer auch, Wasser, Luft.

32:30.550 --> 32:33.970
Und damit natürlich haben sie auch Mana, Magie.

32:35.030 --> 32:37.510
Magisch beeinflusst, das sind magische Elemente.

32:37.810 --> 32:40.630
Die Quintessenz ist aber eine göttliche Substanz.

32:41.090 --> 32:44.090
Also etwas, was man in sich aufnehmen könnte, wenn man die Host hier

32:44.090 --> 32:44.350
ist.

32:46.410 --> 32:49.390
Himmel ist aus göttlicher Substanz geschaffen.

32:51.790 --> 32:54.990
Und jetzt können Sie sich von daher vorstellen, wie die Astrologie

32:54.990 --> 32:55.630
funktioniert.

32:55.630 --> 33:01.830
Nämlich Aristoteles glaubte, natürlich wie jeder Astrologe, diese

33:01.830 --> 33:07.470
Quintessenz würde als feinstoffliche Materie in den sublunaren Kosmos

33:07.470 --> 33:08.010
eindringen.

33:08.090 --> 33:13.270
Das heißt, das fünfte Element hat die Möglichkeit, in den Schmutzzweck

33:13.270 --> 33:16.110
einzudringen, in die sublunare Sphäre einzudringen.

33:16.590 --> 33:19.710
Und so wird die Erde gesteuert von Gott.

33:20.770 --> 33:24.750
So werden die Schicksale von Menschen, die Schicksale von Völkern, so

33:24.750 --> 33:29.570
wird jedes Ereignis auf der Welt besteuert von der Quintessenz,

33:29.670 --> 33:31.410
nämlich von der göttlichen Substanz.

33:31.770 --> 33:34.290
Gott beherrscht die Welt durch die Quintessenz.

33:34.710 --> 33:41.230
Die Sterne beeinflussen das Leben auf der Erde mittels des Einsickerns

33:41.230 --> 33:44.810
der Quintessenz in die vier Elemente.

33:54.040 --> 33:57.820
Und wenn man jetzt annimmt, dass die Sterne das Leben auf der Erde

33:57.820 --> 34:02.580
komplett bestimmen, dann ist das der Grund natürlich für den

34:02.580 --> 34:03.980
Fatalismus der alten Völker.

34:05.420 --> 34:09.660
Die Stoika, der Stoizismus beruht genau auf dieser Vorstellung.

34:09.820 --> 34:14.100
Weil die Sterne alles beeinflussen, brauche ich mich ja auch nicht zu

34:14.100 --> 34:16.320
kümmern, weil ich kann sowieso nichts machen.

34:17.120 --> 34:22.200
Der Fatalismus findet man ja heute noch in den Entwicklungsländern als

34:22.200 --> 34:23.560
eine typische Denkhaltung.

34:23.560 --> 34:29.220
Die fatalistische Denkhaltung, die man ja auch im europäischen

34:29.220 --> 34:32.380
Mittelalter noch kennt und heute in der islamischen Welt oder in der

34:32.380 --> 34:33.520
schwarzafrikanischen Welt.

34:33.820 --> 34:41.060
Der Fatalismus kommt letztlich natürlich aus diesem Vorstellungskreis.

34:48.530 --> 34:53.510
Man kann den Glauben an das Wirken der Sterne nicht ohne die Analysen,

34:53.510 --> 34:57.150
die wir bisher aus der Entwicklungspsychologie gehört haben,

34:57.230 --> 34:57.650
verstehen.

34:58.810 --> 35:03.710
Nicht ohne die Konzepte mystische Ursachen, mystische Partizipation,

35:04.090 --> 35:07.470
kann man dieses astrologische Weltbild nicht verstehen.

35:11.350 --> 35:16.990
Der Neu-Platoniker Plotin brachte diese Philosophie in besonderer

35:16.990 --> 35:18.630
Weise auf den Punkt.

35:19.630 --> 35:23.310
Er sagte, wie eigentlich alle oder die meisten Philosophen vor und

35:23.310 --> 35:28.230
nach ihm auch, dass alle irdischen Wesen untereinander und mit den

35:28.230 --> 35:32.190
Himmelskörpern durch ein kompliziertes Gespinst unaufhörlich

35:32.190 --> 35:34.370
pulsierender Einflüsse verbunden sind.

35:35.190 --> 35:38.970
Ständig sind die irdischen Dinge magischen Strömungen aus dem Weltall

35:38.970 --> 35:39.630
ausgesetzt.

35:40.770 --> 35:44.310
Alles Handeln ist magisch beeinflusst, alles Handeln letztlich

35:44.310 --> 35:45.070
zauberwerkt.

35:46.010 --> 35:50.790
Da alle Geschehnisse auf okkulten Beziehungen basieren, können Gebet

35:50.790 --> 35:52.450
und Magie die Bedingungen beeinflussen.

35:53.490 --> 35:57.310
Menschen, die es zu großer Tatkraft in der Zauberei und in der

35:57.310 --> 36:01.870
Weisheit bringen, können sich dem Einfluss der Sterne widersetzen oder

36:01.870 --> 36:04.550
diese in ihrem Sinne umlenken und umformen.

36:05.570 --> 36:08.610
Exakt dieser Glaube, der sich nicht nur bei den Magiern

36:08.610 --> 36:11.810
Schwarzafrikas, sondern auch bei den großen Philosophen des

36:11.810 --> 36:16.730
Abendlandes findet, ist sogar noch der Glaube von Kepler, von Boyle

36:16.730 --> 36:22.110
und Bacon und den Mitgliedern, vielen Mitgliedern der Royal Society of

36:22.110 --> 36:22.970
London im 17.

36:23.150 --> 36:25.830
Jahrhundert, immerhin der damals fortschrittlichsten

36:25.830 --> 36:28.010
wissenschaftlichen Denkfabrik.

36:28.850 --> 36:31.810
Also bis in diese Zeit hinein hat man das geglaubt.

36:33.230 --> 36:36.610
Die hierarchische Ordnung des Kosmos war nicht allein durch die

36:36.610 --> 36:38.810
Transferleistung der Quintessenz bestimmt.

36:40.350 --> 36:45.690
Dem unpersönlichen Mana der Quintessenz, das ist ja eine unpersönliche

36:45.690 --> 36:49.710
Mana, entspricht auf der anderen Seite natürlich, wie immer in diesem

36:49.710 --> 36:52.710
Kontext, eine Neigung zur Personifizierung.

36:53.390 --> 36:58.430
Also man hat sich das so gedacht, dass den himmlischen Intelligenzen

36:58.430 --> 37:03.610
hier oben, die den Sternensphären zugeordnet sind, gewissermaßen

37:03.610 --> 37:04.990
Dämonen vorstehen.

37:04.990 --> 37:10.670
Also bei Agrippa von Nettesheim sind also hier zwölf Dämonenfürsten

37:10.670 --> 37:11.590
verantwortlich.

37:12.470 --> 37:21.250
Dann gibt es 36 Vorsteher, 72 Vorsteher, hier 36 Vorsteher, hier 72

37:21.250 --> 37:22.070
Vorsteher.

37:22.370 --> 37:25.050
Das sind also Dämonengötter, die das alles beherrschen.

37:25.990 --> 37:28.930
Und dann gibt es noch die sieben Chefs der Planeten.

37:30.590 --> 37:34.790
Und unterhalb in der sublunaren Sphäre finden wir dann die Feuer-,

37:34.790 --> 37:36.290
Wasser-, Luft- und Erdgeister.

37:36.870 --> 37:39.330
Also die einzelnen Männchen und was es da sonst noch alles gibt, die

37:39.330 --> 37:41.450
elementischen, die dann da verantwortlich sind.

37:41.670 --> 37:45.470
Also es gibt einmal diese Neigung zum unpersönlichen Mana, aber es

37:45.470 --> 37:49.790
gibt auch die Neigung dazu, das immer zu personifizieren.

37:51.190 --> 37:52.070
Die Sternenfürste.

37:52.630 --> 37:55.750
Und die kann man jetzt natürlich als Magier hier auf der Erde

37:55.750 --> 38:01.470
beeinflussen, indem man einen Sternmantel anzieht, zum Beispiel seine

38:01.470 --> 38:08.010
Alumette und Talismane hervorzaubert und dann mit Abracadabra beginnt.

38:08.130 --> 38:12.950
Dann kann man also die Einflüsse der Quintessenz umlenken.

38:13.390 --> 38:19.910
Zum Beispiel Schaden von sich abwenden und die schädliche Kraft der

38:19.910 --> 38:21.650
Sterne auf andere lenken.

38:22.650 --> 38:24.430
Der Blitz ist ja der Beweis.

38:30.050 --> 38:36.090
Der Witz ist der, dass es gerade über die philosophische Betrachtung

38:36.090 --> 38:40.750
der Astrologie im Grunde zum mechanischen Weltbild der Neuzeit

38:40.750 --> 38:41.470
gekommen ist.

38:42.310 --> 38:47.350
Denn Philosophen neigen ja dazu, die Dinge genau zu betrachten.

38:47.350 --> 38:51.650
Und wenn ich jetzt einmal sage, dass die Sterne alles beherrschen,

38:53.750 --> 38:58.410
dann kann ich ja sagen, gut, wenn die Sterne alles beherrschen, dann

38:58.410 --> 39:04.430
kann der höchste Himmelsgott kein Wunder bewirken, ohne den Weg zu

39:04.430 --> 39:05.590
gehen hier über diese Treppe.

39:08.210 --> 39:15.030
Dann kann der Philosoph sagen, jedes Phänomen hat seine Ursache.

39:16.170 --> 39:19.710
Und wenn jedes Phänomen seine Ursache aus den Sternen hat, aus den

39:19.710 --> 39:23.150
Bewegungen der Sterne, aus der Quintessenz, die hier so rumsabbert,

39:26.840 --> 39:30.740
dann kann der liebe Gott mich nicht beeinflussen und mich nicht

39:30.740 --> 39:34.200
manipulieren, ohne den Weg über die Sterne zu gehen.

39:35.060 --> 39:37.540
Dann bin ich nämlich ein Ursache-Wirkungs-Modell.

39:38.580 --> 39:45.200
Und wenn ich dieses kausale Ursache-Wirkungs-Modell dann ernst nehme,

39:46.460 --> 39:50.780
dann habe ich etwas, was gegen einen, wie soll ich mal sagen,

39:51.220 --> 39:53.600
willkürlichen Wunderglauben feilt.

39:55.660 --> 40:00.000
Und man ist zur mechanischen Kausalität in der Neuzeit gekommen und

40:00.000 --> 40:04.620
den Weg zur mechanischen Kausalität gegangen, letztlich insbesondere

40:04.620 --> 40:11.060
in der italienischen Renaissance über, wie soll ich sagen, die

40:11.060 --> 40:15.760
Vervollständigung des astrologischen Denkens.

40:18.550 --> 40:26.850
So sagt der Philosoph Pomponazzi, könnten Engel oder Dämonen ohne die

40:26.850 --> 40:32.110
himmlischen Körper einen direkten Einfluss auf die Naturobjekte und

40:32.110 --> 40:35.770
auf die Menschenwelt ausüben, so wäre die Bedeutung und die

40:35.770 --> 40:39.470
Notwendigkeit eben dieser kosmischen Körper selbst, so wäre die

40:39.470 --> 40:42.990
Funktion, die sie im Ganzen der Welt zu erfüllen haben, nicht mehr

40:42.990 --> 40:44.030
verständlich zu machen.

40:44.700 --> 40:48.950
Die astrologische Kausalität wird zur Bedienung der Begreiflichkeit

40:48.950 --> 40:49.570
der Natur.

40:50.390 --> 40:55.130
Die unbedingte Herrschaft der Gestirne über alles Erische ist die

40:55.130 --> 40:58.030
Grundlage des Primats der wissenschaftlichen Vernunft.

40:58.970 --> 41:05.030
Da sieht man, da ist ein Missing Link zwischen Astrologie, der alten

41:05.030 --> 41:09.430
Philosophie und der mechanischen Denkweise der Neuzeit.

41:10.050 --> 41:11.370
So viel zur Kosmologie.

41:12.890 --> 41:16.410
Kommen wir jetzt, das ist auch die Kosmologie des Aristoteles, aber

41:16.410 --> 41:19.330
nicht nur die Kosmologie des Aristoteles, sondern die Kosmologie des

41:19.330 --> 41:20.870
ganzen Mittelalters und der Antike.

41:21.930 --> 41:24.610
Kommen wir jetzt zur Physik des Aristoteles.

41:27.190 --> 41:31.630
Dazu muss man folgendes wissen, wir haben von Aristoteles nur 10% der

41:31.630 --> 41:34.930
Schriften, die sind uns heute erhalten, können Sie überall für 29 Euro

41:34.930 --> 41:35.350
kaufen.

41:37.010 --> 41:39.130
Größte Denker der Antike, ganz klar.

41:39.910 --> 41:43.410
Also ich bin mir ganz sicher, die Chinesen und die Inder haben sowas

41:43.410 --> 41:44.050
nicht gehabt.

41:45.490 --> 41:51.970
Das ist hier also in dieser Klarheit und Brillanz für die

41:51.970 --> 41:54.930
vorindustrielle Welt, behaupte ich, unübertroffen.

41:56.050 --> 42:00.930
Und ich würde sogar sagen, wenn auch sein Denken, was die Strukturen

42:00.930 --> 42:06.070
im Sinne Piagets betrifft, von Descartes und Galileo überwunden wurde,

42:06.690 --> 42:11.330
würde ich, wenn man sich jetzt auch das quantitative Werk anschaut,

42:11.370 --> 42:15.050
die Geschlossenheit des Werkes anschaut, sagen, also eigentlich

42:15.050 --> 42:18.390
mindestens bis zur Kant und vielleicht sogar bis zum 19.

42:18.530 --> 42:21.230
Jahrhundert kommt da kein anderer heran.

42:23.450 --> 42:27.170
Also natürlich, die Philosophie der Neuzeit hat das aristotelische

42:27.170 --> 42:29.870
Denken überwunden, also schon die Philosophie des 17.

42:30.770 --> 42:31.330
Jahrhunderts.

42:31.330 --> 42:34.930
Aber würde man ernsthaft Descartes, auch weil er qualitativ

42:34.930 --> 42:38.090
weitergedacht hat als Aristoteles, deswegen als einen größeren

42:38.090 --> 42:40.110
Philosophen sehen, sage ich zu bezweifeln.

42:40.230 --> 42:42.350
Also müsste man sagen, mindestens bis zum 19.

42:42.510 --> 42:45.570
Jahrhundert ist er der größte Denker.

42:47.930 --> 42:52.470
Und trotzdem kann man sein Denken entwicklungspsychologisch erklären

42:52.470 --> 42:54.610
durch das, was wir bisher hier gehört haben.

42:54.610 --> 42:56.390
Und das ist ein Faszinosum.

42:57.770 --> 43:01.330
Piaget hatte selbst schon früh gesehen, dass die Physik des

43:01.330 --> 43:06.810
Aristoteles im Kern dem Denken etwa 10-jähriger Kinder entspricht.

43:09.710 --> 43:14.650
Natürlich sind Kinder dieses Alters nicht wie der wohl gewaltigste

43:14.650 --> 43:18.210
Denker der Antike zur systematischen Theoriebildung befähigt.

43:20.030 --> 43:22.770
10-jährige Kinder können nicht solche Bücher schreiben.

43:25.920 --> 43:28.200
Also gibt es auch Unterschiede.

43:28.360 --> 43:29.460
Das haben wir ja schon gehört.

43:30.220 --> 43:34.740
Dass ein Erwachsener in den Denkweisen, in den Denkstrukturen von

43:34.740 --> 43:37.820
Kindern denken kann, ohne selbst ein Kind zu sein.

43:39.000 --> 43:42.720
Wenn wir das Strukturniveau der Naturvölker auf das von Kindern

43:42.720 --> 43:47.720
zwischen 4 und 8 Jahren versetzen, und das Strukturniveau von

43:47.720 --> 43:51.940
Erwachsenen in unserer Gesellschaft auf 10, 12, 14 oder 16 Jahre

43:51.940 --> 43:56.180
ansetzen, dann sollte es uns nicht verwundern, dass zumindest die

43:56.180 --> 44:00.200
Möglichkeit besteht, dass man auch einen großen Philosophen auf das

44:00.200 --> 44:02.460
Denkniveau eines 10-Jährigen setzen kann.

44:05.160 --> 44:08.240
Also es gibt Unterschiede und es gibt Gemeinsamkeiten.

44:08.580 --> 44:11.400
Und wie jetzt genau diese Unterschiede und die Gemeinsamkeiten zu

44:11.400 --> 44:13.860
markieren sind, das lassen wir jetzt ganz einfach mal offen.

44:14.900 --> 44:20.840
Es gibt aber eine Fülle von Aufsätzen und Arbeiten, die diese

44:20.840 --> 44:24.320
Gemeinsamkeiten festgestellt haben, also zwischen Strukturentwicklung

44:24.320 --> 44:28.460
von Kindern und der Philosophie-Geschichte, insbesondere der des

44:28.460 --> 44:29.180
Aristoteles.

44:30.020 --> 44:35.640
Schon der große Wissenschaftstheoretiker Thomas Kuhn hat behauptet,

44:35.780 --> 44:39.080
erst die Kinder-Piagets hätten in die aristotelische Physik

44:39.080 --> 44:39.460
erschossen.

44:41.020 --> 44:46.720
Und der vielleicht bedeutendste Wissenschaftshistoriker Alexander

44:46.720 --> 44:51.740
Correa hat umgekehrt erklärt, von der aristotelischen Physik den

44:51.740 --> 44:54.460
Zugang zum Weltbild des Kindes gefunden zu haben.

44:55.440 --> 44:59.460
Daran kann man schon erkennen, es muss was dran sein an dieser

44:59.460 --> 45:00.180
Parallele.

45:02.580 --> 45:07.520
In den beiden ersten Phasen des kindlichen Artifizialismus erklärt

45:07.520 --> 45:11.340
sich das Kind, sie erinnern sich, alle Phänomene und Gegebenheiten als

45:11.340 --> 45:13.440
von Menschen direkt hergestellt und gefertigt.

45:14.240 --> 45:19.000
Die Gestirne, Berge, Flüsse, Lebewesen sind von Menschen, Göttern

45:19.000 --> 45:22.600
hergestellt und wickeln sich dann aufgrund ihrer teleologischen

45:22.600 --> 45:23.440
Dynamik weiter.

45:24.780 --> 45:29.560
Der Animismus in der frühesten Phase des kindlichen Weltbildes ist

45:29.560 --> 45:31.540
also ein Vehikel des Artifizialismus.

45:32.400 --> 45:35.980
Alles was es gibt, ist direkt von Göttern handwerklich hergestellt

45:35.980 --> 45:38.400
worden, so wie ein Bäckermeister ein Stück Brot herstellt.

45:38.760 --> 45:40.780
Und dann hat aber dieses Stück Brot auch noch Leben.

45:41.300 --> 45:43.720
Und deswegen läuft das Stück Brot selbst weiter herum.

45:44.360 --> 45:48.160
Das ist das Weltbild der frühen Phase des Artifizialismus.

45:49.760 --> 45:52.060
Und das ist das Weltbild der Naturvölker.

45:54.460 --> 45:58.780
In der dritten Stufe des Artifizialismus, ab etwa sieben Jahren,

45:59.440 --> 46:02.820
unterscheidet das Kind erstmalig zwischen von außen erhaltener und

46:02.820 --> 46:06.440
eigener Bewegung und spricht letztere allem Fabrizierten ab.

46:06.980 --> 46:12.100
Das heißt, der Mond ist noch lebendig in der dritten Phase des

46:12.100 --> 46:15.120
Artifizialismus, aber die Steine eher nicht mehr.

46:18.270 --> 46:20.230
Wir haben einen Unterschied zur ersten Phase.

46:21.470 --> 46:21.790
Vierjährige.

46:22.370 --> 46:26.190
Die siebenjährigen sagen schon, Steine sind wohl eher nicht mehr

46:26.190 --> 46:27.430
lebendig, aber der Mond noch.

46:31.160 --> 46:35.300
Als vierte und letzte Periode schließt sich ab neun oder zehn Jahren

46:35.300 --> 46:38.200
der sogenannte immanente Artifizialismus an.

46:39.460 --> 46:43.260
Jetzt wird in dieser Phase mit neun oder zehn Jahren die Vorstellung

46:43.260 --> 46:47.580
endgültig fallen gelassen, die Naturphänomene seien von Menschen und

46:47.580 --> 46:48.940
Göttern fabriziert worden.

46:49.520 --> 46:55.640
Siehen Sie, wenn die Aztiken glauben, dass man die Sonne schaffen kann

46:55.640 --> 47:01.340
und erhalten kann, indem man der Sonne Blut spendet, dann haben wir

47:01.340 --> 47:05.840
hier noch die erste oder die zweite Phase des Artifizialismus.

47:06.320 --> 47:11.340
Das heißt, die haben noch auf dem Denkniveau von sechsjährigen Kindern

47:11.340 --> 47:12.580
geglaubt.

47:13.200 --> 47:16.660
Das ist aber nicht mehr das Denken der neun- oder zehnjährigen.

47:17.940 --> 47:22.320
Denn die neun- oder zehnjährigen verzichten auf den Glauben, dass

47:22.320 --> 47:26.340
Menschen und Götter direkt die Naturphänomene herstellen.

47:27.780 --> 47:30.800
Was glauben denn die neun- oder zehnjährigen Kinder in der vierten

47:30.800 --> 47:32.560
Phase des immanenten Artifizialismus?

47:34.280 --> 47:39.440
Sie glauben, dass die Natur sich selbst fabriziert, und zwar nach Art

47:39.440 --> 47:40.520
eines Handwerkers.

47:41.680 --> 47:45.520
Wenn man jetzt sagt, dass diese Menschen glauben, also die neun- oder

47:45.520 --> 47:48.480
zehnjährigen Kinder glauben, dass die Natur sich selbst fabriziert,

47:49.040 --> 47:53.740
dann nicht jetzt so zu verstehen, dass sie das mechanische Weltbild,

47:53.880 --> 47:59.200
das wir haben, schon entwickelt hätten, sondern sie glauben, die Natur

47:59.200 --> 48:03.980
ist lebendig, die Natur ist beseelt und schafft sich selbst aktiv und

48:03.980 --> 48:05.020
zwar zweckhaft.

48:05.020 --> 48:06.280
Also etwa so.

48:07.560 --> 48:12.820
Der Vulkan möchte das Feuer herstellen.

48:12.960 --> 48:15.180
Also spuckt der Vulkan Feuer.

48:16.080 --> 48:17.420
Aber das tut er absichtlich.

48:18.160 --> 48:19.460
Er tut das wie eine Person.

48:20.220 --> 48:23.920
Und aus dem Feuer heraus entstehen, sagen wir mal, die Seelen der

48:23.920 --> 48:24.300
Menschen.

48:25.060 --> 48:28.400
Weil die Seele ist Feuer, und die Seele entsteht aus dem Feuer, der

48:28.400 --> 48:31.340
Feuer, die die Vulkane nach oben gespuckt haben.

48:34.780 --> 48:38.940
Oder man hat in der alten Welt sich vorgestellt, dass die Lebewesen

48:38.940 --> 48:42.400
entstehen aus schmutzigen Gewässern, aus irgendwelchen Tümpeln.

48:44.360 --> 48:47.540
Selbsttätig entsteht aus irgendwelchen Tümpeln das Leben.

48:47.800 --> 48:50.720
Die Frösche, die Krautkrabber und irgendwie gehen aus diesen Fröschen

48:50.720 --> 48:52.660
dann die Affen und dann die Menschen hervor und so weiter.

48:53.180 --> 48:56.120
Das ist eine in der Alterzeit liebte Vorstellung.

48:56.480 --> 48:58.060
Leben schafft sich selbst, irgendwie.

48:59.780 --> 49:04.260
Das ist aber nicht zu verstehen als ein materieller Prozess, als ein

49:04.260 --> 49:07.520
chemischer Prozess, sondern als ein teleologischer Prozess.

49:07.680 --> 49:10.400
Die Natur hat selbst die Fähigkeit zu denken und hat selbst die

49:10.400 --> 49:12.640
Fähigkeit zu erkennen und schafft sich selbst.

49:13.400 --> 49:16.340
Also nicht mehr die Götter von außen, nicht mehr die Menschen als

49:16.340 --> 49:19.680
Maria schaffen wie die Bäcker und die Zimmerleute die Produkte,

49:19.680 --> 49:23.460
sondern die Natur ist selbst aktiv und die Natur ist selbst ein

49:23.460 --> 49:28.460
geistiges Lebewesen, das aus sich selbst heraus Gestalten setzt.

49:28.960 --> 49:32.660
Die Lebewesen sind gewissermaßen von der Natur selbst kreierte

49:32.660 --> 49:34.540
Gestalten und so weiter und so fort.

49:35.260 --> 49:39.640
Die Bäume gehen aus dem Boden hervor, weil der Boden, die Erde hat die

49:39.640 --> 49:43.240
Kraft die Bäume hervorzubringen und die Erde und der Boden möchte die

49:43.240 --> 49:44.100
Bäume hervorbringen.

49:44.100 --> 49:50.440
Das ist die vierte Phase des immanenten Artifizialismus, das ist die

49:50.440 --> 49:53.320
Denkweise die wir alle hatten als wir 910 Jahre alt waren.

49:54.180 --> 49:56.940
Und das ist die Denkweise des Aristoteles.

50:06.060 --> 50:11.660
Wenn nun auch, dann sehen wir auch, Aristoteles überwindet was?

50:11.940 --> 50:13.180
Nämlich die magische Religion.

50:13.180 --> 50:21.960
Aristoteles hätte das Verhalten der Azteten, der Sonne Opfer zu

50:21.960 --> 50:27.820
bringen, indem man Herzenspende nicht mehr verstanden und als einen

50:27.820 --> 50:31.600
kindischen Aberglauben begeistert.

50:31.980 --> 50:35.980
Weil er in der vierten Phase des immanenten Artifizialismus ist und

50:35.980 --> 50:39.360
nicht mehr in der ersten und zweiten Phase des Artifizialismus.

50:39.360 --> 50:42.640
Für ihn wäre das blanke Aberglaube gewesen.

50:44.360 --> 50:48.800
Das heißt er ist genau in der Zwischenphase zwischen mechanischer

50:48.800 --> 50:52.600
Philosophie und primären, primitiven Artifizialismus.

50:57.180 --> 51:01.680
Wenn nun auch die Natur vom Menschen nun unabhängig ist und sich ohne

51:01.680 --> 51:05.720
sein Zutun entwickelt, so liegt die Gemeinsamkeit von Mensch und Natur

51:05.720 --> 51:09.140
doch darin, dass beide zweckgerichtet handeln und schaffen.

51:10.000 --> 51:14.100
Natürliche Abläufe, auch diejenigen die kein Bewusstsein haben, werden

51:14.100 --> 51:18.260
als Ausdruck einer den Naturdingen zugehörigen spontanen Kraft

51:18.260 --> 51:18.880
angesehen.

51:19.700 --> 51:23.060
Natürliche Phänomene wie Flüsse und Wolken sind auf einen

51:23.060 --> 51:26.360
Lebensbegriff, auf eine Art Willen ohne Bewusstsein reduziert.

51:28.200 --> 51:35.520
Genau diese Charakterisierung findet man als ein Kennzeichen, dass

51:35.520 --> 51:38.620
auch Philosophiehistoriker dem Denken des Aristoteles zusprechen.

51:42.840 --> 51:46.180
Naturschaffen wird von ihm als ein verinnerlichtes und in sich

51:46.180 --> 51:48.320
versammeltes Kunstschaffen aufgefasst.

51:49.080 --> 51:52.740
Naturvorgänge sind zugleich Biomorph und finalistisch, das heißt, sie

51:52.740 --> 51:55.980
werden verstanden nach den Abläufen von Lebewesen, wie eine Katze

51:55.980 --> 51:57.580
funktioniert, so funktioniert die ganze Natur.

51:58.860 --> 52:03.220
Und finalistisch, das heißt, alles was da ist, hat eine Absicht, hat

52:03.220 --> 52:04.060
einen Zweck, ein Ziel.

52:11.370 --> 52:16.010
Bei Platon hingegen und Themaios, das kennen Sie vielleicht, findet

52:16.010 --> 52:19.130
man noch die Phase des primären Artifizialismus.

52:19.130 --> 52:22.450
In Themaios findet man noch die Vorstellung, genau wie bei den

52:22.450 --> 52:29.570
Naturvölkern, dass die Götter die Löcher bohren, die Zimmern das

52:29.570 --> 52:32.990
Weltall zusammen, die bilden, formen und pflanzen ein.

52:33.090 --> 52:38.790
Das ist noch die direkte Denkweise der Naturvölker, die man bei Platon

52:38.790 --> 52:39.250
noch findet.

52:39.470 --> 52:42.210
Bei Aristoteles findet man diese Denkweise nicht mehr.

52:44.290 --> 52:47.570
Jetzt wird auch verständlich, weshalb in der Antike die Mechanik nicht

52:47.570 --> 52:48.350
zur Physik gehört.

52:48.610 --> 52:50.970
Bei Aristoteles gehört die Mechanik nicht zur Physik.

52:51.790 --> 52:54.170
Nicht in der Philosophie der Neuzeit, in der Philosophie des 17.

52:55.830 --> 52:59.850
Jahrhunderts, wird man geradezu dazu übergehen, und zwar absichtlich

52:59.850 --> 53:03.530
und expressis veris, Mechanik und Physik gleichzusetzen.

53:03.830 --> 53:06.610
Da gibt es überhaupt keinen Unterschied mehr zwischen Mechanik und

53:06.610 --> 53:06.930
Physik.

53:07.270 --> 53:10.550
Da ist die Mechanik die Grundlage und das Grundverständnis der Physik.

53:10.550 --> 53:16.550
Aber in dieser artificialistischen Welt gehört die Mechanik nicht zur

53:16.550 --> 53:18.570
Physik, sondern die Physik ist Biologie.

53:21.920 --> 53:26.360
Die Mechanik versteht Aristoteles als gewaltsame, wiedernatürliche

53:26.360 --> 53:28.460
Bewegung.

53:32.200 --> 53:38.020
Und der Mensch und das menschliche Handeln und das Handeln der Natur

53:38.020 --> 53:42.340
gehören noch in einer anderen Weise zusammen.

53:42.340 --> 53:50.000
Also zum Beispiel versteht Aristoteles das Kochen als Nachahmung der

53:50.000 --> 53:50.880
Tätigkeit der Sonne.

53:51.420 --> 53:54.620
Man könnte aber auch umgekehrt sagen, er versteht die Tätigkeit der

53:54.620 --> 53:57.000
Sonne als eine Nachahmung des Kochens.

54:01.360 --> 54:04.280
Deswegen kennt Aristoteles auch kein Zufallstück.

54:04.880 --> 54:07.980
Weil er die Mechanik nicht kennt, kennt er nicht die mechanische

54:07.980 --> 54:09.860
Kausalität, die empirische Kausalität.

54:10.260 --> 54:13.820
Und weil er die empirische Kausalität nicht kennt, gehört für ihn auch

54:13.820 --> 54:18.840
nicht der Zufall in die Physik, obwohl für uns die Kausalität und der

54:18.840 --> 54:23.260
Zufall natürlich die Grundlagen des Weltbildes sind und die Grundlagen

54:23.260 --> 54:26.580
der Physik darstellen und damit die Grundlagen des mechanischen

54:26.580 --> 54:26.980
Denkens.

54:26.980 --> 54:32.000
Wer aber die Mechanik nicht zur Physik zulässt und sie aus der Physik

54:32.000 --> 54:35.760
aussieht, der kennt natürlich auch nicht die empirische Kausalität und

54:35.760 --> 54:36.940
also auch nicht den Zufallstück.

54:38.840 --> 54:41.740
Diese Parallelen der aristotelischen Physik mit dem Denken der

54:41.740 --> 54:45.060
Zehnjährigen betrifft nicht nur den Artifizialismus, sondern auch den

54:45.060 --> 54:45.720
Animismus.

54:46.720 --> 54:50.120
Zunächst erklärt das Kind jede Bewegung aus der inneren Kraft des

54:50.120 --> 54:54.960
bewegten Gegenstandes, ohne eine äußere Ursache anzunehmen.

54:56.080 --> 55:00.100
Aber auch das ältere Kind, das die Rolle äußerer Faktoren erkennt, die

55:00.100 --> 55:04.100
zur Bewegung eines Körpers führen, verzichtet nicht auf die

55:04.100 --> 55:09.920
Auffassung, dass jede Bewegung primär durch einen Eigenantrieb des

55:09.920 --> 55:11.720
sich bewegenden Körpers bedingt ist.

55:11.720 --> 55:15.700
Die äußere Ursache hat nur eine Auslösungs- und

55:15.700 --> 55:16.860
Unterstützungsfunktion.

55:17.920 --> 55:21.300
Das Kind versteht nie die Bewegung eines Körpers rein mechanisch

55:21.300 --> 55:23.000
aufgrund einer äußeren Wirkursache.

55:23.740 --> 55:28.560
Immer wird die Bewegung primär auf eine den bewegten, inhärente Kraft

55:28.560 --> 55:28.940
zurückgeführt.

55:30.260 --> 55:34.540
Das Wasser eines Flusses fließt aus eigenem Antrieb, wobei die Steine

55:34.540 --> 55:36.660
im Flussbett es in Schwung bringen.

55:37.480 --> 55:40.320
Die Straße macht, dass das Fahrrad von selbst fährt.

55:41.300 --> 55:45.420
Nach Otto Sieck enthält die aristotelische Theorie der Bewegung ein

55:45.420 --> 55:47.320
äußeres und ein inneres Anstoßprinzip.

55:48.220 --> 55:52.100
Wobei der äußere Anstoß nur Voraussetzung, aber nicht die Ursache der

55:52.100 --> 55:52.740
Bewegung ist.

55:53.260 --> 55:57.020
Er löst nur die schon vorhandene Tendenz aus, ohne die überhaupt keine

55:57.020 --> 55:58.460
Bewegung eintreten würde.

55:58.460 --> 56:04.700
Also zum Beispiel, sagt Aristoteles, wenn ein Kohlenfeuer anfängt zu

56:04.700 --> 56:05.180
brennen.

56:06.660 --> 56:09.700
Erst brennt eine Kohle, dann die nächste Kohle, dann die übernächste

56:09.700 --> 56:10.480
Kohle und so weiter.

56:10.980 --> 56:13.680
Dann verstehen wir das als einen bloßen Reaktionsprozess, einen

56:13.680 --> 56:14.460
chemischen Reaktionsprozess.

56:15.900 --> 56:17.420
Bei Aristoteles ist das ganz anders.

56:17.980 --> 56:23.300
Die eine Kohle, die gerade brennt, regt die andere Kohle, die daneben

56:23.300 --> 56:27.640
liegt, gewissermaßen an, von selbst anfängt zu brennen.

56:27.640 --> 56:32.640
Und zwar als ein absichtliches Phänomen, so wie etwa bei einem

56:32.640 --> 56:33.320
Staffellauf.

56:35.260 --> 56:37.980
Wenn Sie das jetzt auf das Billiardspiel beziehen wollen.

56:38.640 --> 56:41.780
Wenn Sie mit einer Billiardkugel die nächste Billiardkugel anstoßen,

56:41.900 --> 56:44.960
will man nicht auf den Gedanken kommen, dass die angestoßene und sich

56:44.960 --> 56:49.540
so bewegende Billiardkugel sich deswegen bewegt, weil das in ihr

56:49.540 --> 56:52.620
selbst drinsteckt, weil sie in sich selbst die Kraft hat, sich zu

56:52.620 --> 56:53.040
bewegen.

56:54.060 --> 56:56.040
Sondern für uns ist das immer ein Reaktionsprozess.

56:57.340 --> 57:00.260
Eine Kraftübertragung hat mit Willen und Absichten nichts zu tun.

57:01.120 --> 57:06.260
Bei Aristoteles wird das so verstanden, wie eine fliegende

57:06.260 --> 57:07.000
Pferdeherde.

57:07.340 --> 57:11.240
Erst fängt ein Pferd an, wegzulaufen, dann setzt sich das nächste

57:11.240 --> 57:12.360
Pferd auch in Bewegung.

57:13.540 --> 57:19.360
Es ist immer diese Verbindung zwischen äußerem und innerem Antrieb.

57:19.360 --> 57:23.980
Oder, um das an diesem Beispiel klar zu machen,

57:27.240 --> 57:31.380
Wolken fahren über den Himmel,

57:35.240 --> 57:41.740
und für uns ist das klar, die Fahrt der Wolke über den Himmel ist die

57:41.740 --> 57:47.960
Folge des Windes und hat nichts zu tun mit der Eigenbewegung der

57:47.960 --> 57:48.280
Wolke.

57:49.360 --> 57:51.980
Da kann ich auf den Gedanken kommen, dass die Wolke sich von selbst

57:51.980 --> 57:52.520
bewegt.

57:53.120 --> 57:55.300
Bei Aristoteles ist das anders.

57:55.960 --> 58:01.020
Die Wolke bewegt sich aus eigener Kraft, so wie eine Raupe einen

58:01.020 --> 58:03.100
Baumstamm entlang läuft.

58:05.580 --> 58:10.720
Wenn die Wolke jetzt aus eigener Kraft über den Himmel fährt, dann

58:10.720 --> 58:12.200
erzeugt sie dabei einen Wind.

58:13.280 --> 58:19.260
Und dieser Wind, der wandert absichtlich nach hinten herum und stößt

58:19.260 --> 58:21.760
die Wolke von hinten zusätzlich an.

58:22.100 --> 58:23.960
Das nennt man die Antiperiskasis.

58:24.840 --> 58:30.340
Das ist also eine Zweikomponententheorie der Erklärung von Bewegung.

58:30.440 --> 58:33.620
Die trifft nicht nur auf die Bewegung von Wolken zu, sondern auf die

58:33.620 --> 58:37.180
Bewegung aller Körper in der Bewegungslehre des Aristoteles.

58:39.560 --> 58:46.520
Dabei machen natürlich beide Faktoren eine absichtliche Handlung.

58:47.380 --> 58:52.920
Es ist nicht nur die Wolke, die aus eigener Aktivität wandert, so wie

58:52.920 --> 58:54.180
eine Raupe über einen Ast,

58:58.280 --> 59:04.500
sondern die Luft macht natürlich so Platz, wie sie Platz machen, wenn

59:04.500 --> 59:04.860
ich komme.

59:06.300 --> 59:12.440
Und wandert noch zusätzlich nach hinten und stößt absichtlich die

59:12.440 --> 59:17.700
Wolke an, weil es die Absicht der Luft ist, der Wolke bei ihrer Fahrt

59:17.700 --> 59:18.300
zu helfen.

59:19.860 --> 59:23.320
So wie die Kindergärtnerin den Kinderwagen schiebt.

59:24.640 --> 59:25.240
Genauso.

59:27.680 --> 59:30.260
So versteht er auch die Bewegung der Bäume.

59:30.260 --> 59:34.660
Wenn wir einen Baum sich im Wind biegen sehen, kommen wir nicht auf

59:34.660 --> 59:39.020
den Gedanken, dass der Baum von selbst sich beugt und wieder

59:39.020 --> 59:39.640
aufrichtet.

59:40.580 --> 59:42.000
Aristoteles hat das so gesehen.

59:43.000 --> 59:47.180
Der Baum verneigt sich und dabei erzeugt er einen Wind.

59:48.860 --> 59:55.780
Und der Wind geht nach hinten und stößt den Baum zusätzlich an.

59:57.000 --> 01:00:00.380
Das ist so wie die kleinen Kinder, wenn die in die Hand klatschen in

01:00:00.380 --> 01:00:05.460
einem geschlossenen Raum, man fragt, ist da ein Luftzug?

01:00:05.600 --> 01:00:07.600
Dann sagen die, ja, da ist ein Luftzug, der durch das Klatschen

01:00:07.600 --> 01:00:08.520
erzeugt wird.

01:00:08.800 --> 01:00:10.020
Wodurch kommt dieser Luftzug?

01:00:10.860 --> 01:00:15.880
Dann sagt das Kind, einerseits, er kommt aus meinem Körper, ich

01:00:15.880 --> 01:00:20.300
erzeuge gleichzeitig magisch den Luftzug, er war vorher gar nicht da.

01:00:21.220 --> 01:00:27.940
Und gleichzeitig sagt das Kind aber, dass der Luftzug von draußen

01:00:27.940 --> 01:00:32.120
kommt, durch das geschlossene Fenster in die Hand.

01:00:32.820 --> 01:00:36.060
Das ist eine mystische Partizipation, das sind ja einigzweise nicht

01:00:36.060 --> 01:00:37.280
widersprechende Erklärungen.

01:00:38.040 --> 01:00:41.740
Das Kind glaubt aber, dass beide Erklärungen richtig seien.

01:00:42.200 --> 01:00:46.740
Es ist eine magische Erzeugung, der Luft aus dem Nichts, und

01:00:46.740 --> 01:00:50.020
gleichzeitig kommt die Luft aber aus dem Himmel durch das geschlossene

01:00:50.020 --> 01:00:51.700
Fenster in meine Hand hinein.

01:01:02.090 --> 01:01:05.630
Ein durch die Luft ziehender Körper wird sowohl durch die eigene

01:01:05.630 --> 01:01:08.910
Kraft, als auch durch die Luft bewegt.

01:01:09.510 --> 01:01:12.610
Denn die Luft bewegt sich um den Körper und stößt ihn von hinten an.

01:01:14.830 --> 01:01:19.170
So erklärt ein sechsjähriges Kind, dass der beim Springen erzeugte

01:01:19.170 --> 01:01:25.690
Luftstoß es vorwärts treibe, also ein Kind springt nach oben, dabei

01:01:25.690 --> 01:01:30.110
erzeugt es Luft, und dieser Luftstoß sorgt dafür, dass er noch fünf

01:01:30.110 --> 01:01:34.570
Zentimeter höher springen kann, als er sonst hätte springen können.

01:01:34.750 --> 01:01:39.670
Also auch wieder die Antiperistasis, die man in den Denken des Kindes

01:01:39.670 --> 01:01:41.830
bei allen Bewegungserklärungen feststellen kann.

01:01:47.330 --> 01:01:51.730
Muss man noch ein bisschen deutlicher darstellen.

01:01:55.340 --> 01:01:58.500
Weil die Bewegungslehre ist auch ein bisschen widersprüchlich.

01:01:59.920 --> 01:02:02.420
Also sie ist nicht nur falsch, sondern sie ist auch in sich

01:02:02.420 --> 01:02:04.440
widersprüchlich, also immanent widersprüchlich.

01:02:09.080 --> 01:02:16.340
Also, wenn ich einen Pfeil werfe, oder eine Lanze werfe, dann hat sich

01:02:16.340 --> 01:02:20.560
Aristoteles gedacht, erstens fliegt die Lanze in einer geraden Linie.

01:02:21.300 --> 01:02:24.240
Nicht also krumm, sondern sie fliegt in einer geraden Linie.

01:02:25.240 --> 01:02:29.940
Und wenn sie runterfällt, dann fliegt sie auch geradlinig runter,

01:02:30.560 --> 01:02:34.160
obwohl man ja in der Wahrnehmung schon sieht, dass das nicht stimmt.

01:02:35.280 --> 01:02:41.160
Aber hier sieht man wieder, der Primitive ist einer berühmten Formel

01:02:41.160 --> 01:02:43.000
gemäß der Erfahrung unzugänglich.

01:02:44.820 --> 01:02:49.400
Wenn die Leute das jetzt so gedacht haben, interessiert die

01:02:49.400 --> 01:02:51.000
Wahrnehmung, die Empirie, nicht mehr.

01:02:51.780 --> 01:02:53.980
Jetzt sagt man immer, das ist ein grundsätzliches Kennzeichen der

01:02:53.980 --> 01:03:01.920
alten Welt, aber da müssen wir jetzt auch ein bisschen vorsichtiger

01:03:01.920 --> 01:03:04.560
sein, denn es ist natürlich heute so viel anders auch nicht.

01:03:05.300 --> 01:03:07.980
Also die soziologischen Theorien sind ja geradezu dadurch

01:03:07.980 --> 01:03:11.760
gekennzeichnet, dass sie gegenüber der empirischen Realität völlig

01:03:11.760 --> 01:03:14.680
immun sind, auch dann, wenn sie sich als empirische Theorien ausgeben.

01:03:15.760 --> 01:03:18.020
Also so viel hat sich da auch wieder nicht geändert.

01:03:19.380 --> 01:03:24.220
Aber hier ist der Fall natürlich ganz klar, so läuft eine Bewegung

01:03:24.220 --> 01:03:24.660
nicht ab.

01:03:24.880 --> 01:03:29.100
Aber die haben das so geglaubt und haben sich dann darüber Bücher

01:03:29.100 --> 01:03:29.440
geschrieben.

01:03:30.220 --> 01:03:34.620
Also, die Lanze fliegt nach vorne und dann fällt sie runter.

01:03:36.940 --> 01:03:42.460
Nach der Lehre der Antiperistasis wäre das ja eigentlich so, dass der

01:03:42.460 --> 01:03:45.660
Fallschütze wird als Primärbeweger schon erkannt.

01:03:46.100 --> 01:03:49.400
Und das ist eigentlich das einzig Gemeinsame mit der modernen

01:03:49.400 --> 01:03:49.740
Anschauung.

01:03:49.840 --> 01:03:51.280
Alles andere ist unterschiedlich.

01:03:53.940 --> 01:03:57.860
Jetzt müsste man ja sagen, könnte man ja sagen, es liegt eigentlich in

01:03:57.860 --> 01:04:00.160
der Natur des Falls oder der Lanze zu fliegen.

01:04:03.520 --> 01:04:07.320
Komischerweise sagen die das nicht, obwohl man merkt implizit, dass

01:04:07.320 --> 01:04:09.540
sie das auch glauben und auch glauben müssen.

01:04:11.640 --> 01:04:15.580
Weil nach der Lehre der Antiperistasis setzt sich ja die Bewegung

01:04:15.580 --> 01:04:20.200
eines Körpers aus einem eigenen Antrieb und aus einem fremden Antrieb

01:04:20.200 --> 01:04:20.560
zusammen.

01:04:20.660 --> 01:04:21.800
Hier habe ich aber schon das Problem.

01:04:22.780 --> 01:04:25.640
Die Kraft wird ja vom Schützen übertragen.

01:04:25.640 --> 01:04:30.430
Was mache ich jetzt?

01:04:31.190 --> 01:04:34.610
Müsste ich jetzt nach der Lehre der Aristotelischen oder nach der

01:04:34.610 --> 01:04:39.210
Lehre der vierten Phase des Animismus glauben, dass der Fall eine

01:04:39.210 --> 01:04:41.850
eigene Lust und Aktivität hat, fliegen zu wollen?

01:04:42.130 --> 01:04:46.230
Oder müsste ich glauben, dass er nach der Natur der schweren Körper

01:04:46.230 --> 01:04:49.130
eigentlich Lust hat, sofort sich zum Boden zu begeben?

01:04:50.210 --> 01:04:53.850
Und man merkt bei Aristoteles und bei all den anderen

01:04:53.850 --> 01:04:59.630
Bewegungstheoretikern, dass sie beide Auffassungen gleichzeitig im

01:04:59.630 --> 01:05:02.170
Kopf haben, sie sich aber vollkommen widersprechen, sie diskutieren

01:05:02.170 --> 01:05:03.130
das aber nicht aus.

01:05:04.730 --> 01:05:07.890
Und die Philosophiehistoriker machen meistens den Fehler, dass sie

01:05:07.890 --> 01:05:11.490
sich nicht vorstellen können, dass ein Denker eine solche

01:05:11.490 --> 01:05:15.970
Widersprüchlichkeit eingeht und entscheiden sich meistens dafür, als

01:05:15.970 --> 01:05:19.050
wenn Aristoteles nur die eine oder die andere Variante vertreten hat.

01:05:19.110 --> 01:05:22.290
Demnächst hätte es aber beide Varianten vertreten, ohne diese

01:05:22.290 --> 01:05:24.170
Widersprüchlichkeit zu bemerken.

01:05:25.430 --> 01:05:34.270
Also, es sagt in der Hauptmasse der Argumentation Aristoteles, dass

01:05:34.270 --> 01:05:39.930
der Fall durch die vom Schützen übertragene Kraft zunächst mal selbst

01:05:39.930 --> 01:05:47.650
liegt, dann einen Luftstoß erzeugt, die verdrängte Luft, die geht nach

01:05:47.650 --> 01:05:54.230
hinten, kehrt in einer Spitzkehre an das Pfeilende zurück und trägt

01:05:54.230 --> 01:05:55.650
den Pfeil noch ein Stück weiter.

01:05:58.290 --> 01:06:03.610
Also wir haben jetzt hier in der Hauptmasse der Argumentation, ich

01:06:03.610 --> 01:06:07.370
lasse jetzt die Nebenaspekte, also die Nebentheorie weg, sondern diese

01:06:07.370 --> 01:06:12.850
Haupttheorie würde sich also zusammensetzen durch die vom Schützen

01:06:12.850 --> 01:06:19.350
verliehene Kraft und dann die zusätzliche Kraft, die durch die Luft

01:06:19.350 --> 01:06:19.710
kommt.

01:06:20.190 --> 01:06:24.650
Wobei die Luft auch wieder zu verstehen ist als eine Person.

01:06:25.230 --> 01:06:25.950
Und das ist eine Person.

01:06:28.410 --> 01:06:32.510
Wie du und ich, und die sagt sich, der Fall will fliegen, helfe ich

01:06:32.510 --> 01:06:32.850
ihm mal.

01:06:33.550 --> 01:06:38.770
Also mache ich jetzt Platz, gehe nach hinten und gehe absichtlich nach

01:06:38.770 --> 01:06:43.370
hinten ans Pfeilende und schieße den Fall weiter nach vorne.

01:06:49.970 --> 01:06:56.190
Der Fall kann seinen Willen erst dann durchsetzen, nach dieser

01:06:56.190 --> 01:07:02.050
Theorie, nämlich dein zu würden, wo er hingehört, nämlich als erdige

01:07:02.050 --> 01:07:02.850
Masse zur Erde.

01:07:04.370 --> 01:07:07.410
Der Hirte will ja abends in seine Hütte, die Erde will zur Erde, alles

01:07:07.410 --> 01:07:09.090
was erdig ist, will zur Erde.

01:07:09.530 --> 01:07:13.710
Pfeil ist erdig, also will er auf dem Boden liegen.

01:07:14.490 --> 01:07:18.430
Der Fall kann seinen eigentlichen Willen erst dann durchsetzen, wenn

01:07:18.430 --> 01:07:25.850
die luftunterstützende Aktivität und Kraft erschöpft ist.

01:07:26.830 --> 01:07:31.550
Und wir sehen, es ist in jeder Hinsicht ein Gegensatz zum modernen

01:07:31.550 --> 01:07:32.010
Weltbild.

01:07:32.430 --> 01:07:37.250
Und wir sehen, die Bewegungslehre des Aristoteles beruht darauf,

01:07:37.770 --> 01:07:44.810
beruht auch darauf, dass die Gravitation als Kraft gar nicht bekannt

01:07:44.810 --> 01:07:45.130
ist.

01:07:48.370 --> 01:07:53.670
Wir sehen in der Luft keinen Motor und keinen Agens, sondern nur einen

01:07:53.670 --> 01:07:54.230
Widerstand.

01:07:55.110 --> 01:07:58.310
Pfeil bewegt sich nicht aus eigenem Antrieb, Pfeil will nicht zum

01:07:58.310 --> 01:08:01.170
Boden fliegen, sondern Massenanziehung ist stärker als die vom

01:08:01.170 --> 01:08:02.430
Schützen vermittelte Kraft.

01:08:02.670 --> 01:08:07.590
Also in jeder Hinsicht ein Gegensatz zu dem, was wir heute als

01:08:07.590 --> 01:08:09.910
selbstverständlich annehmen und glauben.

01:08:12.230 --> 01:08:16.630
Nach Aristoteles ist ein solcher Flug wieder natürlich und gewaltsam,

01:08:17.470 --> 01:08:21.350
da den schweren Körpern die Tendenz innewohnt, zu ihrem natürlichen

01:08:21.350 --> 01:08:25.570
Ort nach unten zu streben, sobald sie nicht mehr von einer äußeren

01:08:25.570 --> 01:08:28.390
Kraft, dem stoßenden Beweger, daran gehindert werden.

01:08:29.270 --> 01:08:32.690
Auch die Kinder unter zehn Jahren erklären den Fall schwerer Körper

01:08:32.690 --> 01:08:34.830
analog als innere Wesenskraft.

01:08:34.830 --> 01:08:39.430
Körper haben ein Ziel, wo sie immerhin fallen, zu ihrem natürlichen

01:08:39.430 --> 01:08:39.730
Ort.

01:08:41.270 --> 01:08:45.110
Aristoteles vertritt auch die Auffassung der Kinder, der zufolge der

01:08:45.110 --> 01:08:49.650
Flug auf einer als gradlinig aufgefassten Flugbahn, aus der vom

01:08:49.650 --> 01:08:53.810
Beweger vermittelten Funkkraft erklärt werden muss, die an das

01:08:53.810 --> 01:08:56.350
Projektil und das Milieu weitergegeben wird.

01:08:57.310 --> 01:09:01.910
Lässt die Kraft nach, dann setzt sie natürliche Tendenz des Körpers

01:09:01.910 --> 01:09:06.590
ein, nach unten zu fliegen, wobei der Absturz sowohl beim Kind als

01:09:06.590 --> 01:09:09.950
auch bei Aristoteles als senkrechter Fall verstanden wird.

01:09:10.610 --> 01:09:14.550
Der gradlinige Flug wird durch einen senkrechten Fall abgelöst.

01:09:15.370 --> 01:09:17.170
Beides entspricht nicht den Tatsachen.

01:09:18.130 --> 01:09:22.090
Warum nun fällt das Projektil nicht sofort zu Boden, nachdem es den

01:09:22.090 --> 01:09:23.110
Beweger verlassen hat?

01:09:23.690 --> 01:09:27.450
Der Beweger sitzt die Luft in Bewegung, die den Körper weiter treibt.

01:09:28.210 --> 01:09:32.390
Das Milieu, die zunächst angestoßene und dann verdrängte Luft,

01:09:33.370 --> 01:09:38.390
übernimmt die Rolle des Sekundärbewegers und stößt das Projektil nach

01:09:38.390 --> 01:09:42.990
vorne, bis seine Kraft erlarmt und das Projektil senkrecht nach unten

01:09:42.990 --> 01:09:43.310
fällt.

01:09:44.270 --> 01:09:49.230
Projektil und Luft sind sowohl bewegendes als auch bewegtes.

01:09:49.830 --> 01:09:53.650
Die Luft, die vom Projektil nach vorne und zur Seite verdrängt wird,

01:09:54.230 --> 01:09:58.650
kehrt um und wandert entgegen der Bewegungsrichtung des Projektiles um

01:09:58.650 --> 01:09:59.330
dieses herum.

01:10:00.070 --> 01:10:04.170
An dessen Ende angekommen, vollzieht sie eine erneute Spitzkehre, um

01:10:04.170 --> 01:10:07.870
das Vakuum hinter dem Projektil auszufüllen, bis sie die

01:10:07.870 --> 01:10:10.930
Bewegungsrichtung des Projektiles angenommen hat, um es schließlich

01:10:10.930 --> 01:10:11.730
voranzudrücken.

01:10:11.730 --> 01:10:16.590
Die Luft wechselt demnach zweimal selbstständig ihre

01:10:16.590 --> 01:10:17.490
Bewegungsrichtung.

01:10:18.710 --> 01:10:22.250
Dieses Verhalten der Luft ergibt sich nicht pausal-mechanisch aus dem

01:10:22.250 --> 01:10:25.950
Verhalten des Projektiles, sondern ist eindeutig animistisch zu

01:10:25.950 --> 01:10:27.770
verstehen und finalistisch zu verstehen.

01:10:28.530 --> 01:10:31.750
Die Physik des Aristoteles ist also animistisch.

01:10:31.750 --> 01:10:36.670
Sie hält eine innere, bewegende Kraft selbst bei unbelebten, bewegten

01:10:36.670 --> 01:10:41.070
Körpern für unerlässlich und meint, eine ständige Verbindung mit der

01:10:41.070 --> 01:10:45.270
äußeren, bewegenden Kraft sei auch dort notwendig, wo die Erhaltung

01:10:45.270 --> 01:10:48.290
der übernommenen Bewegung eigentlich ausreichen müsste.

01:10:50.110 --> 01:10:53.670
Wer immer eine Arbeit von Aristoteles gelesen hat, kann seine

01:10:53.670 --> 01:10:58.390
ungemeine Fähigkeit zur systematischen Analyse, zur konzeptionellen

01:10:58.390 --> 01:11:01.450
Theoriebildung und zum logischen Denken bezeugen.

01:11:03.230 --> 01:11:06.990
Man sollte sich also daher davor hüten, zu glauben, dieses Phänomen

01:11:06.990 --> 01:11:09.510
vorschnell erklären zu können.

01:11:09.510 --> 01:11:12.630
Es hat zunächst den Charakter eines Rätsels.

01:11:15.450 --> 01:11:19.170
Der immanente Artifizialismus und Animismus des Aristoteles entspricht

01:11:19.170 --> 01:11:23.550
dem Endstadium der konkreten Operation, auf welches das Stadium der

01:11:23.550 --> 01:11:24.810
formalen Operation folgt.

01:11:25.610 --> 01:11:29.110
Wir wissen ja, mit den formalen Operationen, der Evolution der

01:11:29.110 --> 01:11:33.330
formalen Operation in der Adoleszenz ist verbunden die Entstehung der

01:11:33.330 --> 01:11:34.430
mechanischen Weltsicht.

01:11:36.130 --> 01:11:38.590
Wir haben aber bei Aristoteles keine mechanische Weltsicht.

01:11:39.510 --> 01:11:42.930
Sondern eine animistisch-artifizialistische Weltsicht.

01:11:43.450 --> 01:11:48.690
Unterhalb der Stufe der Weltsicht der Mechanik, oberhalb der Stufe des

01:11:48.690 --> 01:11:49.910
Weltbildes der Naturvölker.

01:11:51.090 --> 01:11:52.870
Also eine mittlere Phase.

01:11:53.690 --> 01:11:57.570
Das ist die Endphase der konkreten Operation, Übergangsphase zur

01:11:57.570 --> 01:11:58.290
formalen Operation.

01:11:58.470 --> 01:12:00.510
Aber das ist nicht das Weltbild der formalen Operation.

01:12:02.410 --> 01:12:04.070
Aber wie kann das sein?

01:12:06.270 --> 01:12:08.490
Aristoteles ist der Erfinder der Syllogistik.

01:12:11.540 --> 01:12:16.160
Und das gehört zu der unteren Stufe der formalen Operation.

01:12:16.420 --> 01:12:21.620
Wer solche Theorien bilden kann, muss die untere Stufe der formalen

01:12:21.620 --> 01:12:22.880
Operation erreicht haben.

01:12:23.260 --> 01:12:26.720
Sonst könnte er solche kohärenten Texte nicht schreiben.

01:12:27.220 --> 01:12:28.940
Die mögen voll von Widersprüchen sein.

01:12:29.320 --> 01:12:31.540
Aber es sind die Texte von Soziologen erst recht.

01:12:35.970 --> 01:12:37.010
Wie kann man das erklären?

01:12:46.180 --> 01:12:52.120
Vor allen Dingen, wenn man sich überlegt, dass nach der Sozialisations

01:12:52.120 --> 01:13:01.960
- und Kulturtheorie des Denkens es ja die geringen Anregungen sind in

01:13:01.960 --> 01:13:07.520
der Kultur, die für den Stillstand der geistigen Entwicklung

01:13:07.520 --> 01:13:08.460
verantwortlich sind.

01:13:08.900 --> 01:13:16.400
Während in einer kulturell reichhaltigen Umwelt das Denken höhere

01:13:16.400 --> 01:13:17.340
Stufen erklimmt.

01:13:19.000 --> 01:13:23.380
Wir müssen ja diese Kulturtheorie der Sozialisation des kognitiven

01:13:23.380 --> 01:13:26.040
Denkens natürlich dann auch auf die Philosophen applizieren und

01:13:26.040 --> 01:13:26.400
anwenden.

01:13:27.580 --> 01:13:32.040
Das heißt, wenn wir jetzt also feststellen, die aristotelische

01:13:32.040 --> 01:13:37.160
Philosophie ist dadurch gekennzeichnet, dass die formalen Operationen

01:13:37.160 --> 01:13:41.240
sich nicht weit entwickeln konnten, dann müssten wir ja auch dann

01:13:41.240 --> 01:13:48.780
sagen, dass er in seiner Kindheit und Adoleszenz nicht den geistigen

01:13:48.780 --> 01:13:53.100
Reizen ausgesetzt war, seine Denkstrukturen auf das Niveau zu bewegen,

01:13:53.740 --> 01:13:57.940
wie in einer modernen Industriekultur sie leben und selbstverständlich

01:13:57.940 --> 01:13:58.160
sind.

01:13:59.320 --> 01:14:03.060
Hier hat man aber ein Problem, denn Aristoteles ist ja ein Philosoph,

01:14:03.540 --> 01:14:07.480
der sich sein Leben lang oder einen Großteil seines Lebens nicht nur

01:14:07.480 --> 01:14:10.520
mit dem dummen Alexander beschäftigt hat, sondern eben auch mit dem

01:14:10.520 --> 01:14:15.320
Schreiben von Büchern und mit dem Erforschen von Materialien.

01:14:17.660 --> 01:14:21.640
Wobei es eine heutige in der Wissenschaftsgeschichtsschreibung weit

01:14:21.640 --> 01:14:25.200
verbreitete Irrlehre ist, dass Aristoteles keine wirklichen

01:14:25.200 --> 01:14:26.340
Forschungen durchgeführt hätte.

01:14:26.940 --> 01:14:32.400
Und er hat schon durchaus Dinge untersucht, beobachtet und erforscht.

01:14:32.920 --> 01:14:35.320
Und nicht nur nachgedacht und geschrieben.

01:14:37.080 --> 01:14:44.700
Also war er doch Reizen ausgesetzt, die ihn eigentlich doch bewegen

01:14:44.700 --> 01:14:48.800
hätten müssen, das Formalopera-Seldenken zu einer hohen Reife

01:14:48.800 --> 01:14:49.700
auszubilden.

01:14:51.140 --> 01:14:52.140
Schwierig zu erklären.

01:14:53.240 --> 01:14:57.720
Möglich ist es trotzdem an der Kulturtheorie und Sozialisationstheorie

01:14:57.720 --> 01:15:01.160
festzuhalten, nämlich dann, wenn man darauf hinweist, dass er

01:15:01.160 --> 01:15:07.060
natürlich in der Kindheit und auch in der griechischen Kultur des

01:15:07.060 --> 01:15:13.680
vierten vorchristlichen Jahrhunderts nicht die komplexen Reize und

01:15:13.680 --> 01:15:16.500
Anregungen bekommen hat, natürlich auch nicht die Schulbildung

01:15:16.500 --> 01:15:18.560
bekommen hat, die wir hier bekommen.

01:15:19.800 --> 01:15:22.440
Das heißt, selbst wenn er vom 20.

01:15:22.680 --> 01:15:27.200
Lebensjahr an sich ständig mit Philosophie beschäftigt hat, obwohl er

01:15:27.200 --> 01:15:29.460
nebenbei natürlich auch noch Militär war, darf man auch nicht

01:15:29.460 --> 01:15:29.780
vergessen.

01:15:32.480 --> 01:15:34.360
Dann mag das spät gewesen sein.

01:15:36.120 --> 01:15:40.520
Er hat in der Kindheit nicht die Reize gehabt, die man hier in unserer

01:15:40.520 --> 01:15:41.260
Kultur hat.

01:15:41.420 --> 01:15:44.360
Nicht das Schulsystem genossen, das wir hier genossen haben.

01:15:45.220 --> 01:15:49.160
Und nach der Theorie des Entwicklungsfensters könnte man sich vor

01:15:49.160 --> 01:15:53.920
diesem Hintergrund erklären, weshalb die dann im Erwachsenenalter

01:15:53.920 --> 01:15:58.740
stattfindende ständige Beschäftigung mit Philosophie und dem Schreiben

01:15:58.740 --> 01:16:03.380
von Büchern nicht mehr ausgereicht hat, um die wirklich höheren,

01:16:03.580 --> 01:16:08.420
kombinatorischen, abstrakteren Stufen des philosophischen Denkens zu

01:16:08.420 --> 01:16:08.840
entklemmen.

01:16:09.760 --> 01:16:12.940
Also ich schließe mich zunächst mal dieser Auffassung an, weil sie mir

01:16:12.940 --> 01:16:17.260
am plausibelsten erscheint, aber ich bleibe trotzdem dabei, es ist gar

01:16:17.260 --> 01:16:19.300
nicht schlecht, wenn man zunächst mal sagt, eigentlich ist das ein

01:16:19.300 --> 01:16:19.740
Rätsel.

01:16:21.180 --> 01:16:22.160
Eigentlich ist das ein Rätsel.

01:16:22.440 --> 01:16:24.480
Wieso ist er nicht von selbst zur Mechanik gekommen?

01:16:24.480 --> 01:16:27.560
Wieso hat er nicht von selbst die animistische Denkweise überwunden?

01:16:27.880 --> 01:16:30.520
Wieso hat er nicht von selbst die artifizialistische und finalistische

01:16:30.520 --> 01:16:31.380
Denkweise überwunden?

01:16:31.840 --> 01:16:34.700
Man braucht zur Entwicklung der mechanischen Philosophie kein Wissen.

01:16:35.720 --> 01:16:39.760
Es genügt das bloße Reflektieren, das bloße Nachdenken.

01:16:40.300 --> 01:16:43.520
Man braucht zur Überwindung der animistischen Weltsicht kein Wissen.

01:16:45.100 --> 01:16:48.500
Man muss nicht auf ein wissenschaftliches Wissen, auf ein empirisches

01:16:48.500 --> 01:16:51.940
Wissen zurückgreifen können, um den Animismus zu überwinden.

01:16:51.940 --> 01:16:58.740
Der Animismus ist nicht die natürliche Weltsicht eines Weltkindes, das

01:16:58.740 --> 01:17:03.300
gewissermaßen voraussetzungslos, traditionslos, ohne Wissen die Augen

01:17:03.300 --> 01:17:04.980
aufmacht und sich die Welt anschaut.

01:17:05.380 --> 01:17:06.900
Dadurch komme ich nicht zum Animismus.

01:17:07.540 --> 01:17:11.260
Ich habe in der empirischen Wirklichkeit, wenn ich keine Voraussetzung

01:17:11.260 --> 01:17:15.960
habe, kein Wissen habe, auf das ich zurückgreifen kann, Anhaltspunkte

01:17:15.960 --> 01:17:23.800
genug, um zur empirischen Kausalität, zur Betrachtung der Natur und

01:17:23.800 --> 01:17:26.280
der Dinge als Dinge zu kommen.

01:17:27.340 --> 01:17:31.360
Der Animismus ist nicht die Weltsicht von voraussetzungslosen,

01:17:31.440 --> 01:17:32.380
wissenslosen Menschen.

01:17:33.540 --> 01:17:37.420
Der Animismus ist immer die Folge einer geistigen Schlichtheit, immer.

01:17:38.840 --> 01:17:43.580
Animismus ist die Folge eines undifferenzierten Denkens.

01:17:44.400 --> 01:17:46.500
Hat nichts zu tun mit fehlendem Wissen.

01:17:47.240 --> 01:17:50.000
Und wenn ich den Animismus überwunden habe, bin ich automatisch in der

01:17:50.000 --> 01:17:52.900
Weltsicht der Dinge, automatisch in der Weltsicht der empirischen

01:17:52.900 --> 01:17:56.060
Kausalität, automatisch in der Weltsicht der Mechanik.

01:17:57.900 --> 01:18:02.020
Und wenn ein Philosoph wie Aristoteles diesen Schritt nicht gemacht

01:18:02.020 --> 01:18:10.400
hat, muss ich doch wohl annehmen, dass er ein bestimmtes Niveau auch

01:18:10.400 --> 01:18:11.700
nicht überschreiten konnte.

01:18:11.700 --> 01:18:16.720
Und wenn ich das erklären will, trotz der Tatsache, dass er bis zum

01:18:16.720 --> 01:18:17.040
19.

01:18:17.280 --> 01:18:24.740
Jahrhundert der mehr oder weniger größte Denker gewesen ist, zumindest

01:18:24.740 --> 01:18:29.220
wenn man das quantitative mitnimmt, zumindest bis zum 17.

01:18:29.380 --> 01:18:31.840
Jahrhundert der größte Denker gewesen ist, also unterhalb der Stufe

01:18:31.840 --> 01:18:38.890
des Descartes, des Newton und des Kant, dann bin ich eigentlich

01:18:38.890 --> 01:18:44.370
gezwungen anzunehmen, dass eben doch in seinem ersten Lebensjahrzehnt

01:18:44.370 --> 01:18:52.710
bestimmte Anreize nicht erfolgt sind, die ihn soweit haben anregen

01:18:52.710 --> 01:19:02.970
können, dass er in seiner späteren Schaffensphase behindert war, diese

01:19:02.970 --> 01:19:04.810
höheren Strukturen noch ausbilden zu können.

01:19:04.810 --> 01:19:09.030
Aber das ist jetzt zwar eine in sich logische und geschlossene,

01:19:09.790 --> 01:19:13.290
vernünftige Erklärungstheorie, die ich jetzt hier anbiete, aber ich

01:19:13.290 --> 01:19:16.770
wage zu bezweifeln, dass das der Weisheit letzter Schluss ist.

01:19:16.910 --> 01:19:19.770
Also ich bleibe dabei, es ist eigentlich ein Rätsel.

01:19:21.810 --> 01:19:23.530
Ich kann es nicht fassen.

01:19:24.290 --> 01:19:27.090
Aber das Phänomen als solches ist zweifelsfrei.

01:19:27.090 --> 01:19:32.550
Also die Parallelen und die Homologien zwischen dem Aristotelischen

01:19:32.550 --> 01:19:36.310
und dem Denken der Zehnjährigen, das ist zweifelsfrei.

01:19:36.690 --> 01:19:41.350
Das ist eine ganz klare Kiste und passt natürlich auch vollkommen in

01:19:41.350 --> 01:19:46.410
das Gesamtschema der hier vermittelten Interpretationen und

01:19:46.410 --> 01:19:47.290
Sachdarlegungen.

01:19:48.610 --> 01:19:52.910
Sogar Thomas Kuhn bezweifelt nicht, dass die newtonsche Mechanik der

01:19:52.910 --> 01:19:54.730
aristotelischen Physik überlegen ist.

01:19:55.530 --> 01:19:58.890
Die einsteinische Physik stellt gegenüber der mechanischen Physik

01:19:58.890 --> 01:20:01.810
einen Fortschritt dar, diese gegenüber der aristotelischen.

01:20:02.370 --> 01:20:05.570
Die Abfolge der Erklärungsmodelle ist als Ausdruck eines

01:20:05.570 --> 01:20:07.390
wissenschaftlichen Fortschritts zu verstehen.

01:20:10.010 --> 01:20:13.990
Wie immer dieses Problem im Einzelnen zu lösen sein wird, meines

01:20:13.990 --> 01:20:18.370
Erachtens kann man festhalten, dass die Auffassung der insbesondere

01:20:18.370 --> 01:20:22.270
älteren Philosophiegeschichtsschreibung richtig ist, der zufolge die

01:20:22.270 --> 01:20:25.790
aristotelische Physik in der Mitte zwischen dem Weltbild der

01:20:25.790 --> 01:20:30.190
Naturvölker und der neuzeitlichen Naturwissenschaft anzusiedeln ist.

01:20:32.530 --> 01:20:35.410
Den Unterschied der aristotelischen Physik zum Weltbild der

01:20:35.410 --> 01:20:38.650
Naturvölker kann man deutlich herausstellen, wenn man den

01:20:38.650 --> 01:20:42.010
theologischen und anthropologischen Artifizialismus der Naturvölker

01:20:42.010 --> 01:20:46.350
und archaischer Kulturen mit dem immanenten Artifizialismus des

01:20:46.350 --> 01:20:47.590
Aristoteles vergleicht.

01:20:47.590 --> 01:20:51.730
Während die Kleinkinder, die Naturvölker und die archaischen Kulturen,

01:20:52.130 --> 01:20:55.290
die durch die unteren Stufen des artifizialistischen Denkens geprägt

01:20:55.290 --> 01:21:00.370
sind, glauben, die Naturphänomene würden durch Handlungen von Göttern

01:21:00.370 --> 01:21:04.490
und Menschen erhalten, ist bei Aristoteles dieses egozentrische Denken

01:21:04.490 --> 01:21:04.990
verschwunden.

01:21:06.010 --> 01:21:11.270
Bei Aristoteles erhält sich der Kosmos durch Eigenaktivitäten und ist

01:21:11.270 --> 01:21:14.590
auf menschliches Tun, Schöpfung und Instandhaltung nicht mehr

01:21:14.590 --> 01:21:15.090
angewiesen.

01:21:17.010 --> 01:21:20.670
Aristoteles hätte mit archaischen religiösen Kulten, in denen es um

01:21:20.670 --> 01:21:24.270
die Schöpfung und Instandhaltung des Kosmos geht, nichts mehr anfangen

01:21:24.270 --> 01:21:24.610
können.

01:21:25.490 --> 01:21:29.090
Für die Menschenopfer in Mexiko oder für den Pharaonenkult in Ägypten,

01:21:29.710 --> 01:21:33.030
für die Riten der Aborigines oder für die Fruchtbarkeitskult seiner

01:21:33.030 --> 01:21:35.950
Landsleute hätte er wohl kein Verständnis aufgebracht.

01:21:35.950 --> 01:21:40.010
Er hätte sie möglicherweise als primitiv beachtet, bzw.

01:21:40.070 --> 01:21:43.230
mit Sicherheit als primitiv beachtet, weil er ja auch schon die

01:21:43.230 --> 01:21:50.730
Auffassung der Vorsokratiker und seiner Vorgänger als Vorstufen seines

01:21:50.730 --> 01:21:54.810
Denkens verstanden hat und auch beachtet hat.

01:21:55.250 --> 01:21:56.390
In der Philosophie des 17.

01:21:56.910 --> 01:22:00.430
Jahrhunderts findet man dann das Phänomen, das kennen Sie vielleicht

01:22:00.430 --> 01:22:04.590
noch aus der Schule, dass sich jetzt die Philosophen über Aristoteles

01:22:04.590 --> 01:22:05.270
lustig machen.

01:22:05.950 --> 01:22:11.890
Sie kennen das vielleicht mit Molière, die Vies-Wiggel-Tanz, das

01:22:11.890 --> 01:22:20.250
Mittel, das zur Lebensenergie verleiht, eine Kraft, die sich aus sich

01:22:20.250 --> 01:22:21.070
selbst erklärt.

01:22:22.590 --> 01:22:27.570
Das animistische Denken neigt ja dazu, die Dinge aus sich selbst zu

01:22:27.570 --> 01:22:29.330
erklären, so die Vies-Wiggel-Tanz.

01:22:29.330 --> 01:22:33.650
Da hat man sich dann über Aristoteles lustig gemacht, weil er an

01:22:33.650 --> 01:22:38.290
solche Kräfte glaubt, die ja unterhalb der Stufe der empirischen

01:22:38.290 --> 01:22:41.390
Kausalität sind, weil die empirische Kausalität ja dadurch

01:22:41.390 --> 01:22:45.070
konstituiert ist, dass man etwas durch etwas anderes erklärt und nicht

01:22:45.070 --> 01:22:46.510
die Dinge aus sich selbst erklärt.

01:22:46.510 --> 01:22:49.370
Und so haben sich dann die Philosophen und Wissenschaftler des 17.

01:22:49.490 --> 01:22:51.770
Jahrhunderts über Aristoteles lustig gemacht.

01:22:52.110 --> 01:22:57.710
Man muss immerhin bedenken, Aristoteles war für 2000 Jahre lang die

01:22:57.710 --> 01:22:59.790
wissenschaftliche Autorität schlechthin.

01:22:59.790 --> 01:23:02.890
Und wer hat das je von sich sagen können?

01:23:03.650 --> 01:23:05.530
Da gibt es überhaupt keinen Vergleich.

01:23:06.070 --> 01:23:11.130
Wer konnte jemals von sich sagen, für 2000 Jahre die wissenschaftliche

01:23:11.130 --> 01:23:12.090
Autorität zu sein?

01:23:12.630 --> 01:23:15.090
Also sagen wir mal bis ins 17.

01:23:15.570 --> 01:23:16.590
Jahrhundert hinein.

01:23:16.630 --> 01:23:18.450
Und das sind genau 2000 Jahre.

01:23:18.450 --> 01:23:29.090
Es hat nie einen Wissenschaftler gegeben, der in der Weltgeschichte

01:23:29.090 --> 01:23:33.350
des Wissens, in der Weltgeschichte der Wissenschaften jemals eine

01:23:33.350 --> 01:23:36.590
solche Autorität, eine solche Durchsetzungskraft gab.

01:23:36.590 --> 01:23:40.630
Er hat diese Bedeutung gehabt in der islamischen Welt, er hat diese

01:23:40.630 --> 01:23:43.690
Bedeutung gehabt in der europäischen Welt, er hat diese Bedeutung

01:23:43.690 --> 01:23:46.170
gehabt in der griechisch-römischen Welt.

01:23:46.590 --> 01:23:51.290
Kein Römer wäre auf den Gedanken gekommen, an der Autorität des

01:23:51.290 --> 01:23:52.590
Aristoteles zu zweifeln.

01:23:52.590 --> 01:24:00.870
Er ist über 2000 Jahre lang in aller Munde gewesen und er hat im

01:24:00.870 --> 01:24:07.670
Grunde, wenn man so will, das animistische Weltbild auf den Begriff

01:24:07.670 --> 01:24:08.130
gebracht.

01:24:10.170 --> 01:24:14.810
Die Naturvölker haben ja einen unreflektierten Glauben an den

01:24:14.810 --> 01:24:15.390
Animismus.

01:24:15.730 --> 01:24:19.390
Sie haben ja keine Theorien, keine systematischen, kohärenten

01:24:19.390 --> 01:24:22.510
Theorien, sondern sie haben unreflektierte Vorstellungen.

01:24:22.950 --> 01:24:26.630
Natürlich können auch Naturvölker schon unreflektierte Vorstellungen

01:24:26.630 --> 01:24:28.130
in gewisse Stammeslehren bringen.

01:24:28.730 --> 01:24:29.990
Das sind aber keine Theorien.

01:24:30.810 --> 01:24:34.070
Das sind schon gar keine definitorischen Theorien, weil die

01:24:34.070 --> 01:24:37.490
Forschungen von Naturvölkern immer so sind, dass sie eine bestimmte

01:24:37.490 --> 01:24:42.690
Aussage von sich geben, eine bestimmte Meinung von sich geben, sich

01:24:42.690 --> 01:24:45.450
aber überhaupt keine Gedanken machen über die Abgrenzung von

01:24:45.450 --> 01:24:45.890
Meinungen.

01:24:46.030 --> 01:24:50.230
Das heißt, sie definieren nicht Meinungen, sie strukturieren auch

01:24:50.230 --> 01:24:53.670
nicht hierarchisch Meinungen, sondern die Aussagen bleiben

01:24:53.670 --> 01:24:54.730
gewissermaßen diffus.

01:24:55.190 --> 01:25:01.630
Sie bleiben offen für Auffassungen, die man daneben stellen kann, ohne

01:25:01.630 --> 01:25:03.690
dass man sich Gedanken macht über die Widerspruchsfreiheit.

01:25:04.890 --> 01:25:06.770
Das sind also sozusagen offene Aussagen.

01:25:07.750 --> 01:25:11.410
Also sie finden in der ganzen ägyptischen Kultur keine Theorie.

01:25:12.670 --> 01:25:17.370
Sie haben aus der ägyptischen Kultur Zehntausende von weiten

01:25:17.370 --> 01:25:20.670
Schrifttümern, aber sie finden dort keine Theorie.

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Weil um eine Theorie aufstellen zu können, muss man definieren können,

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man muss Aussagen abgrenzen können, man muss sich um

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Widerspruchsfreiheit bedenken, man muss Aussagen verallgemeinern

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können, man muss dazu in der Lage sein, Aussagen aus anderen Aussagen

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ableiten zu können oder von bestimmten Aussagen zu anderen Aussagen zu

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kommen.

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Das geht nur durch Operation.

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Das Präoperas von dem Denken kann das nicht.

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Das Präoperas von dem Denken kann nur Aussagen formulieren.

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Bei Aristoteles haben wir aber jetzt jemanden, der das eigentlich

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kann.

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Der kann sich um Widerspruchsfreiheit bemühen, der kann also brillant,

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also besser als heute, in vieler Hinsicht viel besser als heutige

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Wissenschaftler.

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Wenn Sie sich also einen Text von Aristoteles anschauen, vergleichen

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Sie dann den Text eines Geistes- und Sozialwissenschaftlers, also

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Luhmann oder Ulrich Beck oder so, vergleichen Sie das mal.

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Das ist, wie ich immer ihn als den klareren Denker ansehe, den

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Aristoteles als den klareren Denker ansehe, der die Aussagen besser

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begründen kann, der besser Widersprüche finden kann, der die Dinge

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besser auf den Punkt bringt, ganz klar.

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Das ist ein formalobisches Denken.

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Das ist etwas, was ein Ägypter nicht gekonnt hätte.

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Das ist etwas, was ein Naturmensch nicht kann.

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Aber die Aristoteles kann das besser als heute viele Zeiten genossen.

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Und trotzdem bleibt sein Weltbild auf einer kindlichen Stufe stehen.

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Das ist ein Faszinosum der Philosophie, Weltbild, Wissensgeschichte,

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ein absolutes, also ein unglaubliches Phänomen, dem sich viel zu wenig

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bisher gewidmet haben.

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In der nächsten Woche beschäftigen wir uns jetzt mit der Evolution des

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naturwissenschaftlichen Denken, das heißt mit der Evolution der

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Mechanik, also mit der Evolution des Weltbildes, das in unseren Köpfen

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so selbstverständlich drinsteckt und unser Denken ausmacht, dass wir

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uns gar nicht vorstellen können, dass es jemals Menschen gegeben hat,

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die nicht so gedacht haben, wenn wir nicht die Forschungsresultate

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kennen würden, die ich Ihnen hier präsentiere.

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Und auf der Grundlage dieses mechanischen Weltbildes hat sich die

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moderne Welt herausgebildet.

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Deswegen können wir hier sitzen und uns mit diesen Dingen beschäftigen

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und müssen nicht Schafe züchten.

