WEBVTT

00:21.810 --> 00:23.330
Anfang 2004.

00:24.310 --> 00:26.330
Ungewöhnliche Wetterbilder aus Bayern.

00:27.450 --> 00:30.650
Die gelben Wolken enthalten Sandstaub aus der Sahara.

00:31.710 --> 00:33.530
Nordwind trägt ihn über die Alpen.

00:34.290 --> 00:35.770
Zehnmal und mehr im Jahr.

00:37.110 --> 00:39.270
Sandstaub, der um die Welt wandert.

00:40.470 --> 00:42.970
Sand, der unser Wetter beeinflusst.

00:42.970 --> 00:49.250
Sand, die unbekannte Komponente der Klimaveränderung.

01:02.210 --> 01:07.090
Der Sandstaub aus der Sahara wird täglich von Winden und warmer Luft

01:07.090 --> 01:09.030
hoch in die Atmosphäre geschleudert.

01:10.090 --> 01:13.590
Überall in der Wüste kann man diese sogenannten Staubteufel oder

01:13.590 --> 01:14.950
Staubwalzen beobachten.

01:19.960 --> 01:24.100
Der Sand bildet Staubteppiche, manche so groß wie Spanien.

01:24.100 --> 01:28.720
Und diese ziehen dann von Afrika über den Atlantischen Ozean Richtung

01:28.720 --> 01:33.400
Karibik und Südamerika bis zu den großen Regenwaldgebieten im

01:33.400 --> 01:34.480
Amazonasgebiet.

01:37.020 --> 01:41.800
Hier regnet der Sandstaub ab und sorgt dafür, dass Leben erhalten

01:41.800 --> 01:42.140
bleibt.

01:43.220 --> 01:46.200
Saharasand ist die Nährstoffdusche des Amazonas.

01:47.620 --> 01:51.800
Er enthält wichtige Mineralien wie Calcium, Phosphor oder Kalium und

01:51.800 --> 01:53.640
die sind überlebenswichtig für die Pflanzen.

01:54.700 --> 01:58.440
Denn der Boden des Tropenwaldes enthält kaum Nährstoffe und viele

01:58.440 --> 01:59.980
Pflanzen erreichen ihn auch gar nicht.

02:00.760 --> 02:04.340
Moose, Flechten und Orchideen zum Beispiel wachsen hoch in den Bäumen,

02:04.780 --> 02:07.920
haben keine Wurzeln und müssen ihre Nährstoffe aus der Luft aufnehmen.

02:08.960 --> 02:12.180
Ohne die natürliche und regelmäßige Düngung durch den Sahara-Staub

02:12.180 --> 02:13.580
könnten sie nicht überleben.

02:14.440 --> 02:17.160
Sand, der um die Welt zieht, das war schon immer so.

02:19.860 --> 02:21.680
Nur etwas hat sich geändert.

02:22.480 --> 02:24.360
Frühling 2006 in Peking.

02:25.000 --> 02:28.580
Über 300.000 Tonnen Sand und Staub legen sich wie eine Decke über die

02:28.580 --> 02:31.900
14 Millionen statt und bringen das öffentliche Leben zum Erliegen.

02:33.060 --> 02:36.400
Solche Sandstürme peitschen jedes Jahr zwischen Anfang März bis Ende

02:36.400 --> 02:39.540
Mai aus der mongolischen Wüste nach Nordchina heran.

02:41.180 --> 02:43.620
Seit einigen Jahren verschlimmert sich das Problem.

02:44.640 --> 02:46.480
Große Teile des Landes verwüsten.

02:47.440 --> 02:51.100
Eine intensive Landwirtschaft, der Kahlschlag der vergangenen

02:51.100 --> 02:54.960
Jahrzehnte und die rasante Industrialisierung hinterlassen ihre

02:54.960 --> 02:55.400
Spuren.

02:56.800 --> 03:00.980
Jedes Jahr verliert China rund 2500 Quadratkilometer an die Wüsten.

03:01.800 --> 03:03.360
Das ist etwa die Fläche des Saarlandes.

03:04.680 --> 03:07.140
Und auch dieser Staub zieht durch die Atmosphäre.

03:07.860 --> 03:11.380
Über 10.000 Kilometer weit bis nach Grönland.

03:15.590 --> 03:18.050
Und nicht nur die Wüsten Chinas wachsen.

03:18.750 --> 03:21.370
Überall auf der Welt werden die Wüstenflächen größer.

03:22.870 --> 03:26.890
Starke Winde können ungehinderter wehen und Sand- und Staubpartikel

03:26.890 --> 03:27.670
aufwirbeln.

03:28.790 --> 03:31.110
Die Zahl der Sandstürme hat sich vervielfacht.

03:32.230 --> 03:34.170
Immer mehr Staub gelangt in die Atmosphäre.

03:36.850 --> 03:40.230
Wissenschaftler registrieren mit Sorge, dass die Staubproduktion der

03:40.230 --> 03:43.090
Wüsten weltweit um ein Drittel zugenommen hat.

03:45.230 --> 03:49.350
Das wird erst wichtig, wenn man sich klarmacht, welchen Anteil der

03:49.350 --> 03:53.370
Mineralstaub an der Gesamtstaubbelastung der Atmosphäre hat.

03:54.210 --> 03:59.050
Staub ist die wesentliche Aerosolquelle, also Mineralstaub.

03:59.230 --> 04:02.990
Die zweitgrößte wären Seesalzpartikel, die aber über dem Kontinent

04:02.990 --> 04:04.250
keine große Rolle spielen.

04:04.970 --> 04:09.470
Und das sind riesige Mengen, das sind also vielleicht ein, zwei

04:09.470 --> 04:12.590
Gigatonnen pro Jahr, also Milliarden Tonnen pro Jahr.

04:12.730 --> 04:16.230
Das ist viel mehr, als der Mensch an Masse produziert.

04:16.770 --> 04:19.910
Und deswegen hat das auch sicher einen großen Effekt auf Wetter und

04:19.910 --> 04:20.270
Klima.

04:25.550 --> 04:29.230
Seit den 70er Jahren hat die Stärke und Häufigkeit tropischer

04:29.230 --> 04:31.030
Wirbelstürme rasant zugenommen.

04:31.030 --> 04:35.150
Die Zahl von Hurricanes der Stärken 4 und 5 hat sich beinahe

04:35.150 --> 04:35.650
verdoppelt.

04:36.210 --> 04:38.230
Hauptsächlich betroffen davon sind die Amerikaner.

04:39.150 --> 04:42.370
Noch weiß niemand genau, warum es immer mehr Hurricanes gibt.

04:50.100 --> 04:53.740
Die Atmosphärenforscher haben ein interessantes Phänomen beobachtet.

04:54.760 --> 04:58.440
Etwa ein Drittel bis zur Hälfte des Sahara-Staubes gerät in eine Art

04:58.440 --> 04:59.240
Autobahn.

05:00.260 --> 05:03.440
Getragen von Passatwinden weht er Richtung Florida.

05:10.680 --> 05:15.100
Die Wirbelstürme bilden sich über warme Meer, häufig im Golf von

05:15.100 --> 05:15.560
Mexiko.

05:16.580 --> 05:20.680
Je wärmer die Wasseroberfläche, je kühler die Luft darüber, desto

05:20.680 --> 05:21.660
kräftiger der Hurricane.

05:22.860 --> 05:25.720
Kann es also sein, dass es einen Zusammenhang zwischen der

05:25.720 --> 05:27.580
Sandautobahn und den Hurricanes gibt?

05:28.240 --> 05:32.880
Das bedeutet, er wird genau in die Gegend ausgebreitet, die man im

05:32.880 --> 05:35.020
Englischen die Hurricane Alley nennt.

05:35.020 --> 05:39.260
Also die Straße, in der die Hurricanes gebildet werden, weil dort die

05:39.260 --> 05:44.180
Meersoberflächentemperatur nördlich von Südamerika extrem hoch ist.

05:44.380 --> 05:47.820
Und genau in der Richtung wird auch der Staub geblasen.

05:48.420 --> 05:51.480
Und die große Frage, die vor allen Dingen die Amerikaner, die es dann

05:51.480 --> 05:55.260
weitgehend trifft, interessiert, ist, wie stark werden die Hurricanes?

05:55.980 --> 05:58.440
Die Bildung der Hurricanes und die Entwicklung, die Stärke der

05:58.440 --> 06:02.960
Hurricanes, von dem Zustrom von Sahara-Staub beeinflusst.

06:04.240 --> 06:07.800
Der Staub in der Atmosphäre ist bisher kaum untersucht.

06:08.420 --> 06:10.740
Einfach, weil er lange nicht ernst genommen wurde.

06:12.040 --> 06:16.320
Als man das CO2-Problem erkannt hatte, wurden erste Klimamodelle

06:16.320 --> 06:16.760
entworfen.

06:17.580 --> 06:21.720
Und die stimmten nicht, weil sie viel zu starke Temperaturanstiege

06:21.720 --> 06:22.420
voraussagten.

06:24.120 --> 06:27.080
Bei ihrer Berechnung hatten die Wissenschaftler die Rolle der

06:27.080 --> 06:30.260
Aerosole, also der Staubpartikel, ignoriert.

06:31.160 --> 06:33.540
Genau diese Frage stellt sich heute.

06:34.360 --> 06:37.540
Wie wirkt sich der Mineralstaub auf Klima und Wetter aus?

06:40.520 --> 06:44.240
Das Deutsche Institut für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen.

06:45.000 --> 06:48.360
Das Forschungsflugzeug Falcon wird für eine Expedition nach Marokko in

06:48.360 --> 06:49.500
die Sahara vorbereitet.

06:50.460 --> 06:53.820
Die Falcon ist Teil einer großen und außergewöhnlichen Forschungsreise

06:53.820 --> 06:54.460
in die Wüste.

06:55.240 --> 06:58.840
Zum ersten Mal rücken Wissenschaftler aus, um die Wirkung des

06:58.840 --> 07:00.380
fliegenden Sandes zu erforschen.

07:01.920 --> 07:05.240
40 Atmosphärenphysiker, Geologen, Mineralogen.

07:06.140 --> 07:08.840
Ein international einmaliges Projekt der Deutschen

07:08.840 --> 07:09.920
Forschungsgesellschaft.

07:10.480 --> 07:14.640
Samum haben sie es genannt, so wie die Araber den heißen Wüstensturm

07:14.640 --> 07:14.900
nennen.

07:15.840 --> 07:19.100
Der Physiker Alexander Petzold beschäftigt sich schon länger mit den

07:19.100 --> 07:20.620
Staubausbrüchen in der Sahara.

07:20.620 --> 07:24.640
Jetzt hat er die Chance, dass einige seiner Fragen endlich beantwortet

07:24.640 --> 07:24.840
werden.

07:25.680 --> 07:28.420
Wie verändert sich der Staub während der Anhebung?

07:28.820 --> 07:30.340
Welche Eigenschaften hat er in Bodennähe?

07:30.400 --> 07:32.280
Welche Eigenschaften hat er in größerer Höhe?

07:32.960 --> 07:36.420
Und wie verändern sich die Staub-Eigenschaften, insbesondere die, die

07:36.420 --> 07:38.680
für die Klimawirkung relevant sind?

07:38.740 --> 07:42.440
Wie verändern die sich zum Beispiel während des Transports aus der

07:42.440 --> 07:49.580
Sahara, aus Quellregionen über Marokko auf den Atlantik hinaus?

07:51.240 --> 07:55.300
Das Flugzeug ist mit fast einer Tonne Spezialgeräten ausgestattet.

07:55.920 --> 07:58.360
An beide Tragflächen werden außen Laser montiert.

07:59.320 --> 08:03.180
Die Falcon ist das einzige europäische Forschungsflugzeug, das die

08:03.180 --> 08:05.080
gesamte Troposphäre erkunden kann.

08:06.020 --> 08:09.000
Das heißt, sie kann bis etwa zwölf Kilometer Höhe noch exakte

08:09.000 --> 08:09.880
Messungen durchführen.

08:11.160 --> 08:14.780
Das Spezialflugzeug hat eine komplette meteorologische Ausrüstung an

08:14.780 --> 08:14.980
Bord.

08:14.980 --> 08:17.460
Das Besondere aber sind die Laser.

08:18.180 --> 08:21.180
Nicht nur an der Tragfläche, auch im Innenraum ist einer installiert.

08:22.000 --> 08:24.380
Mithilfe dieser Laser soll während des Fluges durch die

08:24.380 --> 08:27.480
Staubschichten, deren Dicke und Höhe exakt vermessen werden.

08:30.500 --> 08:34.120
Tagelang wird alles sorgfältig überprüft, denn in Marokko werden

08:34.120 --> 08:37.120
Reparaturen an den hochempfindlichen Geräten schwierig sein.

08:43.120 --> 08:45.940
Es ist eine Forschungsreise ins Ungewisse.

08:46.700 --> 08:49.800
Die deutschen Wissenschaftler sind gespannt, was sie vor Ort erwartet

08:49.800 --> 08:51.860
und was ihre Messungen ergeben werden.

08:54.320 --> 08:58.820
Die Oasenstadt Kwasar Saate liegt südlich eng am Fuß des

08:58.820 --> 08:59.700
Atlasgebirges.

09:00.540 --> 09:04.040
Hier beginnt die größte Wüste der Erde, die Sahara.

09:06.940 --> 09:10.920
Auch wenn sie mit bloßem Auge nur am Boden zu erkennen ist, eine

09:10.920 --> 09:13.120
Staubschicht liegt über der gesamten Wüste.

09:13.900 --> 09:17.260
Direkt am kleinen Flughafen von Kwasar Saate haben die deutschen

09:17.260 --> 09:19.780
Wissenschaftler eine ihrer Messstationen aufgebaut.

09:20.480 --> 09:23.700
Sie brauchen viel Strom, denn die Messgeräte müssen nicht nur mit

09:23.700 --> 09:26.460
Energie versorgt, sondern auch ständig gekühlt werden.

09:27.080 --> 09:30.140
Zwei riesige Hochenergie-Laser haben die Wissenschaftler in

09:30.140 --> 09:31.520
Spezialkontainern mitgebracht.

09:32.360 --> 09:36.180
Und jeden Tag bangen sie aufs Neue, ob alles funktioniert, bei 40 Grad

09:36.180 --> 09:36.620
im Schatten.

09:37.280 --> 09:40.800
Die Hitze ist unser größter Feind, dann kommt der Sand natürlich als

09:40.800 --> 09:44.440
zweites, fast genauso Schlimmes, der überall eindringt und alle

09:44.440 --> 09:48.200
beweglichen Teile stört, sodass wir uns schon mal aus dem Container

09:48.200 --> 09:52.120
ausgesperrt haben, weil der Sand in das Schloss eingedrungen war und

09:52.120 --> 09:53.120
wir nicht mehr reinkamen.

09:56.460 --> 10:00.860
Der in einem Container untergebrachte große LIDAR-Laser funktioniert

10:00.860 --> 10:02.420
nach einem einfachen Prinzip.

10:03.180 --> 10:04.740
Er misst mit Lichtreflexion.

10:09.140 --> 10:12.960
Über eine Öffnung an der Seite schießt das Laserlicht heraus und wird

10:12.960 --> 10:15.000
über Spiegel in die Atmosphäre gelenkt.

10:21.080 --> 10:24.200
Das Ganze in kurzen Impulsen von 10 Nanosekunden.

10:25.100 --> 10:27.940
Nach 30 Mikrosekunden kommt der nächste Lichtpuls.

10:43.390 --> 10:46.370
Das Laserlicht breitet sich in die Atmosphäre aus.

10:47.310 --> 10:50.770
Es trifft dort auf die Sandpartikel und die streuen das Licht wieder

10:50.770 --> 10:51.110
zurück.

10:51.970 --> 10:56.170
Ein großes Teleskop fängt das reflektierte Licht auf und lenkt es auf

10:56.170 --> 10:56.950
einen Detektor.

10:58.270 --> 10:59.870
Der misst das elektronische Signal.

11:00.590 --> 11:04.270
Viel Licht, viel Signal, wenig Licht, wenig Signal.

11:04.990 --> 11:08.890
Sind viele Partikel in der Luft, die reflektieren, dann kommt viel

11:08.890 --> 11:09.370
Licht zurück.

11:10.050 --> 11:13.410
Sind wenig Partikel in der Luft, dann kommt wenig Licht zurück.

11:16.990 --> 11:20.470
Anhand der Zeit, die das Licht braucht, bis es zurückkommt, kann man

11:20.470 --> 11:23.370
auch die Entfernung der verschiedenen Partikelschichten vom Boden

11:23.370 --> 11:23.730
bestimmen.

11:30.770 --> 11:35.250
Die Forscher vermessen den Raum zwischen 400 Metern und 60 Kilometer

11:35.250 --> 11:35.570
Höhe.

11:39.990 --> 11:42.630
Für die Messungen haben sie nur drei Wochen Zeit.

11:43.270 --> 11:46.170
Bis zur ganz großen Sommerhitze müssen die Wissenschaftler fertig

11:46.170 --> 11:46.430
sein.

11:47.230 --> 11:50.510
50 Grad und mehr, das halten die Laser nicht aus.

11:52.210 --> 11:57.090
Wir haben etwa die letzten 10, 15 Jahre daran gearbeitet, an

11:57.090 --> 11:59.530
verschiedenen Stellen, vor allen Dingen an mehreren deutschen

11:59.530 --> 12:00.230
Universitäten.

12:00.230 --> 12:05.630
Und gemeinsam einen Park von solchen LiDA-Instrumenten, wir haben

12:05.630 --> 12:09.670
insgesamt drei Stück hier mit verschiedenen Eigenschaften entwickelt,

12:10.130 --> 12:13.730
die nun zum ersten Mal an einem Ort zusammen messen und damit auch

12:13.730 --> 12:17.890
insgesamt mehr messen können, als sie einzeln messen können, weil sie

12:17.890 --> 12:18.300
auch zusammenarbeiten.

12:18.930 --> 12:22.310
Das hat es auch noch nie gegeben, dass zwei LiDA-er zusammenarbeiten,

12:22.990 --> 12:25.270
um gemeinsam den Informationsskal zu erhöhen.

12:29.400 --> 12:32.800
Der Arbeitstag der Wissenschaftler beginnt morgens um sechs.

12:34.120 --> 12:37.680
Eine Gruppe vom Leipziger Institut für Troposphärenforschung arbeitet

12:37.680 --> 12:40.000
im Hangar direkt neben den Laserkontainern.

12:40.900 --> 12:44.100
Sie haben ein kleines Turboprop-Flugzeug mit einem Sonnenfotometer

12:44.100 --> 12:46.660
ausgerüstet, um die Sonnenstrahlung zu messen.

12:48.000 --> 12:51.260
Wie viel Sonnenenergie dringt überhaupt durch die Staubschicht über

12:51.260 --> 12:52.120
der Wüste hindurch?

12:52.980 --> 12:55.080
Wie viel wird reflektiert oder gespeichert?

12:55.080 --> 12:59.640
Dieses Instrument wurde extra für das Forschungsprojekt SAMUM

12:59.640 --> 13:00.200
entwickelt.

13:01.240 --> 13:05.960
Das Besondere, das Sonnenfotometer spaltet die Sonnenstrahlen in ihre

13:05.960 --> 13:06.960
Komponenten auf.

13:07.880 --> 13:11.420
Das kleine Flugzeug ist eine Ergänzung zum Forschungsflugzeug Falcon.

13:12.360 --> 13:14.300
Diese ist in Casablanca stationiert.

13:14.960 --> 13:17.300
Dort gibt es einen größeren, gekühlten Hangar.

13:17.300 --> 13:21.980
In der Wüstensonne auf dem Flughafen am Rande der Sahara wären die

13:21.980 --> 13:25.880
elektronischen Geräte, vor allem die Laser, einem gewaltigen Hitzestau

13:25.880 --> 13:28.160
ausgesetzt und würden recht bald ausfallen.

13:29.580 --> 13:33.940
Darum landet die Falcon in Quasarzate nur kurz, um die Wissenschaftler

13:33.940 --> 13:34.560
aufzunehmen.

13:39.690 --> 13:43.330
Die Falcon fliegt nach den Anweisungen der Kollegen am Boden.

13:48.380 --> 13:51.860
Gleichsam, immer um den großen Laserstrahl vom Boden herum, schraubt

13:51.860 --> 13:55.160
sich das Flugzeug nach oben bis auf eine Höhe von 10 Kilometern.

13:56.560 --> 13:59.800
Man misst dabei ständig die Dicke der Staubschicht mit ihren Lasern an

13:59.800 --> 14:02.460
den Tragflächen und senkrecht aus dem Innenraum.

14:09.790 --> 14:13.750
Es gibt eine exakte Routenplanung, ausgerichtet nach aktuellen

14:13.750 --> 14:17.870
Staubbewegungen, die von mehreren Satellitenstationen ständig gemeldet

14:17.870 --> 14:18.070
werden.

14:19.930 --> 14:23.550
Die Flugdaten dienen auch zur Überprüfung der Daten aus der

14:23.550 --> 14:24.170
Bodenmessung.

14:25.250 --> 14:28.350
Interessant ist für die Forscher dabei, dass die Laser außen an den

14:28.350 --> 14:32.170
Tragflächen auch waagerecht in die Staubschichten hineinschießen und

14:32.170 --> 14:34.530
dadurch noch zusätzliche Messergebnisse liefern.

14:36.350 --> 14:38.590
Auch die Turboprop ist in der Luft.

14:39.290 --> 14:42.570
So tief wie möglich fliegt das kleine Flugzeug über den Wüstenboden.

14:42.570 --> 14:46.010
Dort, wo die anderen mit ihren Messgeräten nicht hinkommen,

14:46.610 --> 14:49.530
registriert es die Intensität der Sonnenstrahlung, die die

14:49.530 --> 14:50.590
Staubschicht durchdringt.

14:52.170 --> 14:55.710
Für die Wissenschaftler ist diese Dreierkombination ideal.

14:56.390 --> 14:59.890
Alle messen zur selben Zeit in verschiedenen Höhen dasselbe Ereignis.

15:01.570 --> 15:05.010
So ergibt sich ein nahezu perfekter Datensatz über die schwebende

15:05.010 --> 15:05.350
Wüste.

15:07.670 --> 15:11.110
Nach etwa zwei Stunden Flugzeit kommen die Forscher nach Kwasarsate

15:11.110 --> 15:11.510
zurück.

15:14.410 --> 15:16.690
Und dann ist da noch jemand unterwegs.

15:17.490 --> 15:18.870
Der Satellit Kalypso.

15:19.570 --> 15:22.690
Vor ein paar Monaten hat die NASA ihn in seine Umlaufbahn gebracht.

15:23.710 --> 15:27.070
Die Amerikaner interessieren sich brennend für den Wüstenstaub in der

15:27.070 --> 15:27.590
Atmosphäre.

15:28.870 --> 15:31.990
Kalypso ist ein extra für die Aerosolforschung entwickelter

15:31.990 --> 15:32.950
Lasersatellit.

15:33.970 --> 15:38.130
In 800 Kilometern Höhe zieht er seine Bahn, schießt seinen Laserstrahl

15:38.130 --> 15:42.130
herunter und vermisst so die wandernden Staubteppiche von oben aus dem

15:42.130 --> 15:42.330
All.

15:43.310 --> 15:47.990
Im engen Feld wie ein Laserpointer folgt er dem Sahara-Sand über 5000

15:47.990 --> 15:50.470
Kilometer bis in die Hurricane-Zonen.

15:53.690 --> 15:56.830
Wir wissen, dass das Wetter an einem bestimmten Ort von Faktoren

15:56.830 --> 16:00.530
beeinflusst wird, die an einem anderen Ort entstehen, weil die

16:00.530 --> 16:01.270
Partikel wandern.

16:02.090 --> 16:04.890
Und Kalypso erlaubt uns endlich einen Blick in die Entstehung dieser

16:04.890 --> 16:05.250
Schichten.

16:06.150 --> 16:08.570
Nur wenn wir mehr wissen, können wir darauf reagieren.

16:14.810 --> 16:17.170
Das allerdings wird noch lange dauern.

16:18.210 --> 16:20.110
Erst einmal müssen genug Daten gesammelt werden.

16:20.770 --> 16:24.490
Noch weiß niemand, wie diese Staubschicht genau aussieht und wie dick

16:24.490 --> 16:24.930
sie ist.

16:26.950 --> 16:30.330
Nach jedem Flug treffen sich die deutschen Wissenschaftler im Hangar,

16:30.650 --> 16:32.810
um die Messungen vorläufig auszuwerten.

16:32.810 --> 16:36.550
Und dabei gibt es bereits erste Ergebnisse, die alle überraschen.

16:37.410 --> 16:41.130
Die Grafiken, errechnet aus den ganzen Laserdaten, zeigen ein

16:41.130 --> 16:42.070
interessantes Bild.

16:42.730 --> 16:46.570
Die Staubschicht über der Wüste ist 5 Kilometer dick, sehr konstant

16:46.570 --> 16:48.910
und an ihrer Obergrenze scharf abgeschlossen.

16:49.410 --> 16:53.450
Das bedeutet, je kompakter die Schicht ist, desto weiter kann sie

16:53.450 --> 16:53.810
wandern.

16:54.850 --> 16:59.070
Das Atlasgebirge links auf dem Bild wirkt für den Staub wie eine

16:59.070 --> 16:59.470
Rampe.

17:00.250 --> 17:02.910
Er schießt über die Berge hinaus auf den Atlantik.

17:06.080 --> 17:11.200
Wir haben gemessen, wie stark die Sonnenstrahlung in der Staubschicht

17:11.200 --> 17:12.360
geschwächt wird.

17:12.360 --> 17:18.540
Und da kam also raus, dass wir 20 bis 25 Prozent Schwächung innerhalb

17:18.540 --> 17:20.140
dieser Staubschicht hatten.

17:20.440 --> 17:25.580
Und das ist also ein recht hoher Wert, den wir so nicht unbedingt

17:25.580 --> 17:26.260
erwartet hatten.

17:27.500 --> 17:29.520
Aber was passiert mit dem Licht?

17:30.180 --> 17:34.180
Wird es einfach nur reflektiert oder vielleicht auch absorbiert, also

17:34.180 --> 17:36.220
in der Staubschicht als Wärme gespeichert?

17:37.060 --> 17:39.640
Einen Hinweis gibt die Größe der Partikel.

17:40.500 --> 17:42.600
Auch hier wurden die Wissenschaftler überrascht.

17:43.280 --> 17:46.240
Die Partikel sind relativ groß für atmosphärische Verhältnisse.

17:46.780 --> 17:50.740
2 bis 3 Mikrometer, das sind 2 bis 3 tausendstel Millimeter.

17:52.200 --> 17:56.700
Zur Verdeutlichung, diese Stechmücke ist 20 Millimeter groß, der

17:56.700 --> 17:59.540
Sandpartikel auf ihr etwa 4 bis 5 Mikrometer.

18:00.420 --> 18:03.840
Dadurch, dass diese Partikel größer sind, haben sie eine größere

18:03.840 --> 18:06.260
Querschnittsfläche, das kann man sich ja leicht überlegen.

18:06.940 --> 18:11.800
Und die Querschnittsfläche ist das Kriterium, was die Sonnenstrahlung

18:11.800 --> 18:13.540
natürlich stark beeinflusst.

18:14.940 --> 18:17.700
Wenn man also einen großen Querschnitt hat, der der Sonnenstrahlung im

18:17.700 --> 18:19.660
Weg ist, hat man mehr Reflexionen.

18:20.340 --> 18:24.260
Und deswegen ist die Größe also ein sehr entscheidender Parameter, um

18:24.260 --> 18:28.460
die Strahlungswirkung der Staubpartikel einzuschätzen.

18:28.460 --> 18:32.000
Und die LIDAR-Messungen haben noch etwas gezeigt.

18:32.600 --> 18:33.900
Eine starke Wolkenbildung.

18:34.700 --> 18:38.600
Wolken bedeuten eine Abkühlung, weil sie Sonnenstrahlung reflektieren.

18:39.500 --> 18:41.820
Es wird also kühler am Boden in der Wüste.

18:44.780 --> 18:49.320
Wenn sich dann am oberen Ende dieses staubgefüllten Raums Wolken

18:49.320 --> 18:52.520
bilden, weil die Temperatur hinreichend kalt geworden ist, dann finden

18:52.520 --> 18:58.860
wir sehr häufig in diesen Wolken, die knapp unter 0 Grad gebildet

18:58.860 --> 19:00.240
werden, Eispartikel.

19:00.540 --> 19:01.600
Das war eine große Überraschung.

19:02.760 --> 19:05.600
Es kann über der Wüste regnen oder schneien.

19:06.300 --> 19:09.540
Auch wenn der Niederschlag nie den Boden erreicht, weil er in der

19:09.540 --> 19:11.200
großen Hitze vorher verdunstet.

19:12.040 --> 19:15.460
Der Verursacher der Wolken ist der hochgeschleuderte Sandstaub.

19:17.360 --> 19:18.760
Die Erklärung?

19:19.420 --> 19:22.460
Manche der winzigen Staubmineralien wirken als Kondensationskeime.

19:24.200 --> 19:27.200
Das bedeutet, Wasserdampf der Luft lagert sich an.

19:27.900 --> 19:29.120
Kühlende Wolken entstehen.

19:31.260 --> 19:33.300
Da ist aber auch die gegenläufige Entwicklung.

19:33.960 --> 19:36.980
Es gibt im Wüsten Staubpartikel, die nehmen schneller als andere

19:36.980 --> 19:39.680
Sonnenstrahlen Energie auf und speichern sie.

19:39.680 --> 19:41.560
Was überwiegt?

19:41.740 --> 19:43.900
Der kühlende oder ein wärmender Effekt?

19:44.700 --> 19:46.920
Aus welchen Mineralien besteht der Staubteppich?

19:48.580 --> 19:51.740
Diese Fragen möchte ein zweites AMUM-Team beantworten.

19:52.560 --> 19:55.780
Sie sind tiefer in die Wüste gefahren, zum südlichsten Zipfel

19:55.780 --> 19:57.800
Marokkos, an die algerische Grenze.

19:58.540 --> 19:59.810
Hier liegt die zweite Forschungsstation.

20:08.190 --> 20:12.510
Dr. Konrad Kandler ist Experte für Umweltmineralologie.

20:13.550 --> 20:16.610
Er und seine Kollegen haben eine komplexe Staubsammelstation

20:16.610 --> 20:20.050
aufgebaut, mitten in der Dünenlandschaft der Sahara.

20:21.870 --> 20:25.330
Der Forschungscontainer ist gespickt mit verschiedenen Instrumenten,

20:25.610 --> 20:28.690
die Luft ansaugen und dabei die Staubpartikel einfangen.

20:30.650 --> 20:33.710
Dabei werden sie durch verschiedene Spezialfilter nach Größen

20:33.710 --> 20:34.530
vorsortiert.

20:35.450 --> 20:40.370
Denn das Ziel ist es, am Ende ein repräsentatives Bild der vorhandenen

20:40.370 --> 20:41.570
Mineralien zu bekommen.

20:43.950 --> 20:48.450
Eisenhaltige Mineralien sind die überwiegenden Absorptionsträger in

20:48.450 --> 20:53.770
der Atmosphäre und entfernen dieses kurzwellige Licht aus der solaren

20:53.770 --> 20:54.470
Einstrahlung.

20:54.590 --> 20:57.830
Das führt dazu, dass es in der Atmosphäre wärmer wird und am Boden

20:57.830 --> 20:58.870
etwas kühler.

20:58.870 --> 21:05.090
In der Summe führt aber jegliche Absorption an Aerosolpartikeln dazu,

21:05.630 --> 21:08.050
dass die Atmosphäre als Ganzes sich erwärmt.

21:11.900 --> 21:15.740
Die Staubsammler auf dem Containerdach erreichen die Schicht bis vier

21:15.740 --> 21:16.680
Meter über dem Boden.

21:17.720 --> 21:20.640
Dazu kommen Staubproben, die die beiden Flugzeuge gesammelt haben.

21:21.640 --> 21:24.920
Noch nie sind Staubpartikel so umfassend auf ihre Form und

21:24.920 --> 21:27.080
mineralische Zusammensetzung untersucht worden.

21:27.080 --> 21:31.280
Aber nur so lässt sich die Wirkung auf das Klima feststellen.

21:32.780 --> 21:36.380
Ein Teil der Partikel landet über ein Rohrsystem direkt im Container.

21:37.460 --> 21:39.800
Hier lassen sich zunächst nur ein paar Eigenschaften messen.

21:40.380 --> 21:42.500
Neben der Größe ist auch das Gewicht interessant.

21:43.820 --> 21:46.520
Die Partikel werden auf verschiedene Filterplättchen geleitet.

21:47.440 --> 21:50.720
Jede einzelne Filterprobe wird gewogen und dann, später in

21:50.720 --> 21:53.980
Deutschland, unter dem Röntgenmikroskop auf ihre chemische

21:53.980 --> 21:55.200
Zusammensetzung untersucht.

21:55.840 --> 21:59.680
Um zu sehen, welche der Aerosolpartikel eher zur Wolkenbildung

21:59.680 --> 22:03.600
beitragen und welche nicht, wird ihr Feuchtewachstum getestet.

22:04.560 --> 22:08.300
Die Partikel werden mit diesem Gerät künstlich befeuchtet, um zu

22:08.300 --> 22:11.980
sehen, wie weit und wie unterschiedlich sie aufquellen, wenn sie mit

22:11.980 --> 22:14.180
zunehmender Luftfeuchtigkeit in Berührung kommen.

22:16.820 --> 22:20.360
In einem kleinen Wüstenhotel haben die deutschen Wissenschaftler ein

22:20.360 --> 22:21.620
Behelfslabor eingerichtet.

22:22.720 --> 22:26.100
Konrad Kantler untersucht täglich die Proben aus dem Staubsammler

22:26.100 --> 22:27.280
unter dem Mikroskop.

22:28.000 --> 22:31.060
Hier landet der Staub nicht auf Filtern, sondern auf beschichteten

22:31.060 --> 22:31.900
Kupferplättchen.

22:40.390 --> 22:42.770
Mineralien haben unterschiedliche Farben.

22:43.890 --> 22:46.550
Das heißt, sie absorbieren das Licht in unterschiedlichen

22:46.550 --> 22:46.910
Wellenbereichen.

22:48.850 --> 22:52.770
Dunkle Partikel fangen viel Sonnenlicht ein, weiße Partikel lassen

22:52.770 --> 22:53.650
mehr Licht passieren.

22:55.350 --> 23:00.370
Unter dem Lichtmikroskop lassen sich die Partikel bis auf das 250

23:00.370 --> 23:02.070
-Fache vergrößern.

23:02.290 --> 23:07.210
Man sieht rein qualitativ, dass die Teilchen sich unterscheiden in

23:07.210 --> 23:08.910
ihrer mineralischen Zusammensetzung.

23:09.390 --> 23:13.630
Aber das ist nicht sehr leicht zu identifizieren, welche Minerale hier

23:13.630 --> 23:14.130
vorliegen.

23:14.130 --> 23:18.230
Deswegen nutzen wir die Bilder aus dem Mikroskop ausschließlich dazu,

23:19.890 --> 23:23.290
die physikalischen Grundeigenschaften des Aerosolkörpers zu

23:23.290 --> 23:24.090
charakterisieren.

23:24.330 --> 23:28.610
Also wir zählen am Mikroskop nur, wie viele Partikel von welcher Größe

23:28.610 --> 23:29.270
vorhanden sind.

23:30.550 --> 23:34.090
Registriert und verpackt geht der Wüstenstaub auf die Reise.

23:34.750 --> 23:35.470
Nach Deutschland.

23:40.880 --> 23:44.240
Im Labor der Technischen Universität Darmstadt.

23:45.120 --> 23:47.600
Konrad Kandler bereitet die chemischen Analysen vor.

23:48.340 --> 23:51.300
Er arbeitet mit einem modernen Rasterelektronenmikroskop.

23:51.900 --> 23:55.120
Es kann Objekte von weniger als einem Millionsten Millimeter sichtbar

23:55.120 --> 23:55.380
machen.

23:57.240 --> 24:01.160
Ein scharf gebündelter Elektronenstrahl tastet die Staubpartikel ab.

24:02.440 --> 24:05.740
Die so gewonnenen Daten kann der Computer in ein sichtbares Bild

24:05.740 --> 24:06.280
umwandeln.

24:06.280 --> 24:10.760
Rund 700 Staubproben hat Kandler aus der Sahara mitgebracht.

24:11.600 --> 24:15.020
Monatelange Arbeit für ihn und seinen Kollegen Lothar Schütz, einem

24:15.020 --> 24:17.380
Aerosolexperten der Universität Mainz.

24:17.960 --> 24:20.100
Eine Art Riesenpuzzle mit Millionen Teilen.

24:21.600 --> 24:24.780
Das Mikroskop wertet die chemische Zusammensetzung aus.

24:27.060 --> 24:29.320
Welche Mineralverbindungen sind vorhanden?

24:30.360 --> 24:31.440
Welche in der Mehrzahl?

24:34.060 --> 24:40.780
Vermutet werden Calcium, Gips und Silikate.

24:50.850 --> 24:55.650
Die allerersten Untersuchungen der Marokkoproben haben gezeigt, dass

24:55.650 --> 25:00.290
der Anteil an calciumhaltigen Partikeln deutlich erhöht ist.

25:01.330 --> 25:05.570
Das war von der speziellen Geologie Nordwestafrikas her prinzipiell zu

25:05.570 --> 25:06.090
erwarten.

25:06.870 --> 25:09.930
Wir sind etwas erstaunt, dass es sich so deutlich zeigt.

25:10.970 --> 25:15.450
Das hat prinzipiell Auswirkungen auf die optischen Eigenschaften der

25:15.450 --> 25:19.990
Partikel, weil die Calciumsulfat und Calciumkarbonate deutlich mehr

25:19.990 --> 25:24.650
Licht streuen als die Silikate, die normalerweise die Majorität des

25:24.650 --> 25:25.850
Wüstenstaubs bilden.

25:26.950 --> 25:30.170
Die Lasermessungen scheinen sich also zu bestätigen.

25:30.950 --> 25:35.070
Konkret bedeutet das, durch den großen Calciumgehalt der Staubschicht

25:35.070 --> 25:37.690
über der Wüste wird viel Sonnenstrahlung reflektiert.

25:37.690 --> 25:42.130
Und das bedeutet wiederum, der Wüstenboden kühlt aus.

25:43.730 --> 25:46.610
Ein Kühlelement wird in das Mikroskop montiert.

25:47.430 --> 25:49.390
Noch eine wichtige Frage soll geklärt werden.

25:50.270 --> 25:52.550
Welche Partikel befördern die Wolkenbildung?

25:53.830 --> 25:56.790
An welchem setzt sich Wasserdampf leicht an, an welchem nicht?

25:58.090 --> 26:01.370
Unter dem Mikroskop wird Feuchtigkeit zugeführt und dann gekühlt.

26:02.190 --> 26:05.050
Der Wasserdampf soll zu Eis und damit sichtbar werden.

26:07.770 --> 26:09.550
Diese Eiskeimforschung ist noch jung.

26:10.230 --> 26:13.050
Bisher ist bekannt, dass die chemische Zusammensetzung der Partikel

26:13.050 --> 26:16.190
eine große Rolle spielt für ihre Fähigkeit, Wolken zu bilden.

26:17.190 --> 26:18.610
Ein zweiter Aspekt ist die Form.

26:19.410 --> 26:22.270
Das Eis bildet sich schneller an Mineralien mit vielen Kanten.

26:23.250 --> 26:26.590
Man weiß zum Beispiel, dass Silikate gute Eiskernbilder sind.

26:27.310 --> 26:30.130
Und die sind im Wüstenstaub zahlenmäßig stark vertreten.

26:30.130 --> 26:33.830
In der Staubschicht, die von der Sahara über Teneriffa Richtung

26:33.830 --> 26:37.750
Atlantik zieht, wurden 70 bis 80 Prozent Silikate gemessen.

26:38.410 --> 26:42.090
Viele Silikate, das kann bedeuten, mehr Wolken über dem Atlantik.

26:42.870 --> 26:46.110
Noch sind längst nicht alle Daten ausgewertet und interpretiert.

26:46.890 --> 26:50.690
Eine erste vorsichtige Aussage über die schwebende Wüste ist bereits

26:50.690 --> 26:51.030
möglich.

26:51.030 --> 26:57.010
Ein allererstes Ergebnis erster Simulation gehen wir davon aus, dass

26:57.010 --> 27:02.990
wohl über den Wüsten eine Abkühlung stattfindet durch den Staub und

27:02.990 --> 27:04.770
über den Ozean eine Erwärmung.

27:06.390 --> 27:09.650
Eine Erwärmung der Luftmassen über der warmen Meeresoberfläche durch

27:09.650 --> 27:14.570
den Wüstenstaub heißt, mehr Wolken, es regnet früher, es gibt weniger

27:14.570 --> 27:15.210
Verdunstung.

27:15.210 --> 27:19.630
Und das hat einen überraschenden Effekt, denn ein Hurrikan bekommt

27:19.630 --> 27:21.890
seine Energie vom aufsteigenden Wasserdampf.

27:22.790 --> 27:26.710
Weniger Wasserdampf bedeutet weniger Luftzirkulation, die Luftschicht

27:26.710 --> 27:27.990
über dem Meer beruhigt sich.

27:28.790 --> 27:31.930
Und darum, so vermuten die Wissenschaftler, kann es sein, dass der

27:31.930 --> 27:35.830
Sahara -Staub die Bildung von Hurrikans nicht fördert, sondern sogar

27:35.830 --> 27:36.390
dämpft.

27:42.570 --> 27:45.890
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