WEBVTT

00:18.970 --> 00:24.070
Die Faszination für die Strömungsmechanik leitet sich aus zahlreichen

00:24.070 --> 00:26.350
Beispielen in Natur und Technik ab.

00:27.230 --> 00:30.530
Strömungen sind verantwortlich für die meisten Transport- und

00:30.530 --> 00:33.750
Mischungsprozesse, wie sie zum Beispiel beim Transport von

00:33.750 --> 00:37.990
Schadstoffen unserer Umwelt, bei industriellen Prozessen bis hin zu

00:37.990 --> 00:39.730
lebenden Organismen vorkommen.

00:40.530 --> 00:44.390
Die Verbrennung begrenzter fossiler Brennstoffe produziert heute den

00:44.390 --> 00:47.190
größten Teil der elektrischen Energie und Wärmeenergie.

00:47.190 --> 00:52.170
Die Optimierung von Strömungen bei diesen Verbrennungsprozessen dient

00:52.170 --> 00:55.730
der Verringerung des Öl- und Kraftstoffverbrauchs bei gleichzeitiger

00:55.730 --> 00:57.610
Reduzierung der Schadstoffemission.

00:58.370 --> 01:02.090
Strömungen interessieren beim Antrieb von Flugzeugen, Schiffen und

01:02.090 --> 01:06.710
Kraftfahrzeugen, beim Pumpen von Öl und Gas durch Pipelines, bei der

01:06.710 --> 01:09.470
Herstellung von Materialien und deren Beschichtung.

01:10.310 --> 01:13.670
Sie ermöglichen Leben durch den Transport von Sauerstoff und

01:13.670 --> 01:15.610
Kohlendioxid im Organismus.

01:15.610 --> 01:20.110
Sie sind von Bedeutung beim Bau von widerstandsarmen Kraftfahrzeugen

01:20.110 --> 01:24.010
und Verkehrsflugzeugen, bei der Entwicklung von Trägerraketen und

01:24.010 --> 01:28.050
Raumgleitern für den Transport zur Raumstation, bei der Energie- und

01:28.050 --> 01:32.370
Umwelttechnik, bei der Verfahrens- und Prozestechnik bis hin zur

01:32.370 --> 01:34.790
Simulation ganzer Produktionsanlagen.

01:35.790 --> 01:39.950
Im Bereich des Bauingenieurwesens, in der Physik für die Geo- und

01:39.950 --> 01:44.370
Astrophysik, in der Meteorologie und Klimaforschung bis hin zur

01:44.370 --> 01:48.690
Medizin, wo Innovationen immer häufiger mit der strömungsmechanischen

01:48.690 --> 01:53.190
Optimierung von künstlichen Herzklappen, Herzen und Gefäßprothesen

01:53.190 --> 01:53.750
einhergehen.

02:06.540 --> 02:10.760
Das Wettergeschehen in der Erdatmosphäre ist ein Strömungsbeispiel

02:10.760 --> 02:12.300
unserer natürlichen Umwelt.

02:12.300 --> 02:16.600
Die Strömungen in der Erdatmosphäre sind durch den Wärmeaustausch

02:16.600 --> 02:20.480
zwischen den warmen Äquatorzonen und den kalten Polen gekennzeichnet.

02:21.860 --> 02:25.520
Am Äquator steigt die von der senkrecht stehenden Sonne aufgeheizte

02:25.520 --> 02:29.440
Luft in die Atmosphäre auf und fällt an den kalten Polen ab.

02:30.220 --> 02:34.180
Der Wärmeaustausch zwischen dem Äquator und den Polen erfolgt durch

02:34.180 --> 02:35.360
großräumige Winde.

02:35.360 --> 02:40.440
Diese globale Luftzirkulation bestimmt das großräumige Wetter auf der

02:40.440 --> 02:42.420
Nord - und Südhalbkugel der Erde.

02:43.540 --> 02:47.920
Die stabilsten, großräumigen Windsysteme sind die Passatwinde, die von

02:47.920 --> 02:51.660
der aufsteigenden Luft am Äquator angetrieben werden und zwei

02:51.660 --> 02:56.140
Ringwirbel um den Äquator bilden, deren meridionale Zirkulation

02:56.140 --> 02:57.880
Hadleyzelle genannt wird.

02:57.880 --> 03:02.040
In den mittleren Breiten variiert die Strömung mit der Zeit.

03:02.720 --> 03:06.040
Es bilden sich Hoch- und Tiefdruckgebiete, die mit der West

03:06.040 --> 03:09.540
-Ostluftströmung wieder zerfallen und das Wettergeschehen in der

03:09.540 --> 03:10.600
Atmosphäre bestimmen.

03:11.460 --> 03:15.080
In diesen Breiten ist der Temperaturgradient zwischen dem Äquator und

03:15.080 --> 03:19.560
den Polen am größten, so dass der Energie- und Impulsaustausch nicht

03:19.560 --> 03:23.280
durch ein einfaches Wirbelsystem bewerkstelligt werden kann, wie dies

03:23.280 --> 03:25.080
bei der Hadleyzelle der Fall ist.

03:25.080 --> 03:29.580
Die Strömung wird instabil und der Energie- und Impulstransport

03:29.580 --> 03:32.350
erfolgt über mehrere großräumige Wirbelsysteme.

03:33.780 --> 03:37.220
An den Polen bilden sich entsprechende polare Zellen aus.

03:38.260 --> 03:41.840
Das lokale Gleichgewicht des Drehmoments verlangt zum Ausgleich der

03:41.840 --> 03:46.020
bisher diskutierten Ostwinde die entsprechenden Westwinde, die sich

03:46.020 --> 03:49.000
als Jetströme in der hohen Atmosphäre ausbilden.

03:49.000 --> 03:54.120
Diese verändern ebenfalls von Tag zu Tag ihre Lage und werden von den

03:54.120 --> 03:58.140
Verkehrsflugzeugen als Rückenwind im transatlantischen Luftverkehr

03:58.140 --> 03:58.660
genutzt.

03:59.380 --> 04:03.340
In den späten Sommermonaten heizt sich die Luft am Äquator derart

04:03.340 --> 04:07.100
stark auf, dass die verstärkten Passatwinde innerhalb weniger Tage

04:07.100 --> 04:12.020
Wirbel mit einem Durchmesser von 500 bis 1000 Kilometer und einer

04:12.020 --> 04:15.980
Rotationsgeschwindigkeit bis zu 300 Kilometer pro Stunde bilden.

04:15.980 --> 04:20.580
Diese Hurricanes bewegen sich mit dem Hauptwind der Hadley-Zelle nach

04:20.580 --> 04:24.560
Westen und drehen in größeren Breiten nach Osten, wo sie als

04:24.560 --> 04:26.680
Tiefdruckgebiete Europa erreichen.

04:27.760 --> 04:31.280
Sie erscheinen jährlich am Ende des Sommers mit ihrer zerstörerischen

04:31.280 --> 04:34.840
Wirkung über den karibischen Inseln und rotieren, wie die

04:34.840 --> 04:38.980
Tiefdruckgebiete aufgrund der Coriolis-Kraft auf der Nordhalbkugel

04:38.980 --> 04:40.240
entgegen dem Uhrzeigersinn.

04:40.940 --> 04:45.320
Wir verfolgen die Satellitenaufnahme des Hurricanes Georges und dessen

04:45.320 --> 04:48.360
Bahn über die karibischen Inseln.

04:54.380 --> 04:57.600
Auch starke Scherwinde, zum Beispiel an Gewitterfronten oder

04:57.600 --> 05:01.720
auftriebsbedingte Winde in der Wüste, können kleinskaligere Wirbel

05:01.720 --> 05:02.160
bilden.

05:02.760 --> 05:07.000
Sie sind als Tornados oder Windhosen bekannt, haben einen Durchmesser

05:07.000 --> 05:11.200
von bis zu 500 Meter und eine Lebensdauer von einigen Minuten.

05:19.200 --> 05:22.680
Ein entsprechender Wärmeaustausch zwischen dem warmen Wasser der

05:22.680 --> 05:27.100
Äquatorregionen und dem kalten Wasser der eisbedeckten Pole findet in

05:27.100 --> 05:31.180
den Ozeanen statt, der wiederum Auswirkungen auf das Wettergeschehen

05:31.180 --> 05:32.320
in der Atmosphäre hat.

05:33.040 --> 05:36.620
Die Strömungen in den Ozeanen werden durch die Kontinente begrenzt.

05:37.720 --> 05:41.540
Damit ist eine globale Zirkulation, wie wir sie in der Atmosphäre

05:41.540 --> 05:43.380
diskutiert haben, nicht möglich.

05:43.380 --> 05:47.980
Die Ozeanströmungen werden zum einen von den großräumigen Winden

05:47.980 --> 05:51.640
angetrieben und zum anderen entstehen sie, wie in der Atmosphäre,

05:51.940 --> 05:55.500
durch Konvektionsströmungen, die den Wärmeaustausch zwischen dem

05:55.500 --> 05:57.440
Äquator und den Polen bestimmen.

05:58.460 --> 06:02.120
Die Scherwirkung der von der Hadley-Zelle verursachten Ostwinde

06:02.120 --> 06:07.080
verursacht im Pazifik nördlich des Äquators eine Ostströmung, die vor

06:07.080 --> 06:11.480
Afrika umgelenkt wird und als warme Wasserströmung nach Westen strömt.

06:11.480 --> 06:15.120
Diese teilt sich vor den westindischen Inseln auf.

06:15.780 --> 06:19.960
Ein Teil strömt in den Golf von Mexiko, der zweite Teil strömt entlang

06:19.960 --> 06:20.760
den Bahamas.

06:21.460 --> 06:25.540
Die beiden Teilströme vereinigen sich vor der Küste Floridas und

06:25.540 --> 06:28.840
strömen als warmer Golfstrom entlang der Küste Georgias.

06:30.020 --> 06:32.860
Dieser nordatlantische Golfstrom hat eine hohe

06:32.860 --> 06:36.880
Strömungsgeschwindigkeit an der Wasseroberfläche von drei Meter pro

06:36.880 --> 06:40.180
Sekunde und eine Ausdehnung von 100 Kilometer.

06:40.180 --> 06:45.340
Am Rande des Golfstroms steigt die Wassertemperatur um etwa 10 Kelvin

06:45.340 --> 06:45.740
an.

06:46.500 --> 06:50.820
Der Volumenstrom dieser Warmwasserröhre beträgt beträchtliche 30

06:50.820 --> 06:53.120
Millionen Kubikmeter pro Sekunde.

06:54.040 --> 06:58.380
Dieser mächtige Golfstrom verlässt die Küste Nordamerikas am Cape

06:58.380 --> 07:03.320
Hatteras und strömt ostwärts nach Europa, wo sein warmes Wasser für

07:03.320 --> 07:06.900
das milde Klima an der britischen und norwegischen Küste

07:06.900 --> 07:07.920
verantwortlich ist.

07:07.920 --> 07:13.200
Der zweite Teil des Golfstroms strömt entlang der Küste Nordafrikas

07:13.200 --> 07:17.040
und bildet die großräumige nordequatoriale Zirkulation.

07:18.320 --> 07:21.700
Die kalte Meeresströmung bewegt sich entlang der nord- und

07:21.700 --> 07:25.060
südamerikanischen Küste vom Nordpol zum Äquator.

07:34.110 --> 07:37.950
Auch im Erdinnern sind es Konvektionsströmungen, die den Energie- und

07:37.950 --> 07:42.570
Impulstransport vom heißen Erdkern zum erstarrten Erdmantel bestimmen.

07:42.570 --> 07:47.270
Diese sind für das Erdmagnetfeld und die Drift der Kontinente auf der

07:47.270 --> 07:48.930
Erdoberfläche verantwortlich.

07:49.770 --> 07:53.830
Betrachtet man die Konturen von Südamerika und Afrika, zeigt sich,

07:54.030 --> 07:58.750
dass sie vor etwa 250 Millionen Jahren offensichtlich einen Kontinent

07:58.750 --> 07:59.510
gebildet haben.

08:00.250 --> 08:03.850
Dies wird insbesondere deutlich, wenn man die weißen Landmassen unter

08:03.850 --> 08:04.730
Wasser mit berücksichtigt.

08:04.730 --> 08:09.790
Diese beiden Kontinente driften bis heute in den Scheerschichten der

08:09.790 --> 08:12.570
Konvektionsrollen der Asthenosphäre auseinander.

08:13.630 --> 08:17.350
Die Driftgeschwindigkeit beträgt bis zu 5 cm pro Jahr.

08:18.310 --> 08:21.890
In der Umgebung von Auftriebszonen der Konvektionsrollen in der

08:21.890 --> 08:25.670
Erdmantelschicht wird heißes Magma aus dem Erdinnern an die

08:25.670 --> 08:26.900
Erdoberfläche transportiert.

08:26.900 --> 08:30.260
So entstand der mittelatlantische Rücken.

08:31.000 --> 08:35.200
In den Abtriebszonen wird kaltes Erdkrustenmaterial ins Erdinnere

08:35.200 --> 08:38.680
transportiert, was den Graben im Pazifik zur Folge hat.

08:39.420 --> 08:43.480
Die Drift der südamerikanischen Kontinentalplatte bildet vor dem

08:43.480 --> 08:45.200
Graben das Andengebirge.

08:45.960 --> 08:50.100
Die Größe der Konvektionsrollen in der Erdmantelschicht beträgt etwa

08:50.100 --> 08:51.160
700 Kilometer.

09:00.620 --> 09:05.100
Ganz entsprechende Strömungen beobachten wir auch auf und in den

09:05.100 --> 09:07.880
Planeten unseres Sonnensystems bei veränderter

09:07.880 --> 09:12.200
Rotationsgeschwindigkeit der Planeten und anderer Gaszusammensetzungen

09:12.200 --> 09:13.400
von deren Atmosphäre.

09:14.340 --> 09:18.320
Die Strömungen in den Planetenatmosphären haben die gleiche Ursache

09:18.320 --> 09:19.940
wie die in der Erdatmosphäre.

09:20.800 --> 09:24.640
Der Energie- und Impulsaustausch zwischen dem Äquator und den Polen

09:24.640 --> 09:28.280
erfolgt ebenfalls über großräumige Konvektionsströmungen.

09:28.960 --> 09:32.840
Diese hängen von der Rotationsfrequenz und der jeweiligen Höhe der

09:32.840 --> 09:36.340
Planetenatmosphäre sowie deren Dichteschichtung und chemischen

09:36.340 --> 09:40.940
Zusammensetzung, der Bilanz der Sonneneinstrahlung und deren Reflexion

09:40.940 --> 09:42.860
auf der Planetenoberfläche ab.

09:43.760 --> 09:47.220
Betrachtet man die Jupiter-Atmosphäre, so erkennt man ganz

09:47.220 --> 09:51.640
entsprechende zonale Zellstrukturen, wie wir sie für die Erdatmosphäre

09:51.640 --> 09:52.420
beschrieben haben.

09:52.420 --> 09:57.180
Der Jupiter, der größte Planet unseres Sonnensystems, besteht aus

09:57.180 --> 10:01.740
verdichtetem Gas und rotiert 2,4 Mal so schnell wie die Erde.

10:02.720 --> 10:07.240
In größeren Breiten entstehen aufgrund der inneren Aufheizung ovale,

10:07.460 --> 10:11.060
antizyklonische Wirbel, ganz analog den Hurricanes in der

10:11.060 --> 10:11.900
Erdatmosphäre.

10:12.860 --> 10:16.080
Diese wirken in der Jetströmung der Jupiter-Atmosphäre wie

10:16.080 --> 10:20.040
Hindernisse, die im Nachlauf wiederum eine periodische Wirbelbildung

10:20.040 --> 10:20.880
zur Folge haben.

10:20.880 --> 10:26.600
Diese sogenannten roten Flecken haben eine Ausdehnung von bis zu 22

10:26.600 --> 10:29.860
.000 Kilometer und sind bemerkenswert stabil.

10:30.680 --> 10:32.180
Sie zerfallen sehr langsam.

10:32.980 --> 10:37.020
Ihr Durchmesser war vor 100 Jahren etwa doppelt so groß wie heute.

10:47.310 --> 10:50.490
Auch die Granulation der Sonnenoberfläche ist ein Strömungsphänomen.

10:51.480 --> 10:55.290
Wir beobachten wiederum Konvektionszellen mit einem Durchmesser von

10:55.290 --> 10:59.610
etwa 1.000 Kilometer und einer Lebensdauer von einigen Minuten.

11:00.710 --> 11:04.430
Das heiße Plasma der Sonne strömt in den hellen Zonen an die

11:04.430 --> 11:08.490
Sonnenoberfläche und in den dunklen Zellzonen nach entsprechender

11:08.490 --> 11:09.910
Abkühlung nach innen.

11:10.650 --> 11:14.430
Die Plasmaströme in den Zellen sind mit starken Magnetfeldern

11:14.430 --> 11:14.930
verbunden.

11:14.930 --> 11:19.230
Dies tritt insbesondere in der Umgebung von schwarzen Flecken in

11:19.230 --> 11:23.110
Erscheinung, wo sich die Konvektionszellen entlang des radialen

11:23.110 --> 11:26.850
Magnetfeldes zu länglichen Konvektionsrollen formen.

11:35.720 --> 11:38.640
Wir finden Wirbelsysteme auch im Kosmos.

11:39.600 --> 11:43.520
Die Galaxien bestehen aus 100 Billionen einzelnen Sternen.

11:43.520 --> 11:49.320
Unsere Sonne bedurfte etwa 250 Millionen Jahre, um sich einmal um das

11:49.320 --> 11:53.300
Zentrum unseres Milchstraßensystems zu bewegen, dessen Durchmesser

11:53.300 --> 11:56.020
etwa 75.000 Lichtjahre beträgt.

11:56.880 --> 12:01.120
Im Weltall gibt es Billionen solcher rotierender Galaxien, die dadurch

12:01.120 --> 12:05.160
gekennzeichnet sind, dass sie im Wirbelzentrum eine höhere stellare

12:05.160 --> 12:08.840
Konzentration aufweisen, wo neue Sterne entstehen können.

12:16.900 --> 12:21.320
Im Gegensatz zu den vorangegangenen Beispielen von Strömungen in der

12:21.320 --> 12:25.960
Natur befasst sich die Bioströmungsmechanik mit Strömungen, die von

12:25.960 --> 12:29.420
flexiblen biologischen Oberflächen aufgeprägt werden.

12:30.420 --> 12:34.240
Man unterscheidet die Umströmung von Lebewesen in Luft oder im Wasser

12:34.240 --> 12:38.100
wie den Vogelflug oder das Schwimmen der Fische und Innenströmungen

12:38.100 --> 12:41.320
wie den geschlossenen Blutkreislauf von Lebewesen.

12:41.320 --> 12:45.260
Die Evolution hat in den vergangenen Jahrmillionen für die

12:45.260 --> 12:49.460
Fortbewegung der Lebewesen je nach Größe und Gewicht das Kriechen,

12:49.820 --> 12:52.600
Laufen, Schwimmen, Gleiten bzw.

12:53.000 --> 12:53.980
Fliegen entwickelt.

12:54.900 --> 12:58.460
Der für die Ortsveränderung notwendige Vortrieb erfordert eine

12:58.460 --> 12:59.630
angepasste Strömungskontrolle.

13:01.020 --> 13:04.780
Die Fortbewegung von Bakterien und Einzellern erfolgt bei

13:04.780 --> 13:07.620
vorherrschender Reibung mit Wimpern und Geißeln.

13:07.620 --> 13:12.840
Kaulquappen und Kraken nutzen die Trägheitskraft eines Strahlantriebs

13:12.840 --> 13:13.860
zur Fortbewegung.

13:14.700 --> 13:16.580
Aale bewegen sich wellenförmig.

13:17.120 --> 13:20.860
Wale nutzen die Wirbelablösung der Schwanzflosse zum Vortrieb.

13:21.820 --> 13:25.580
Schnell schwimmende Fische wie die Haie weisen Längsrillen auf ihren

13:25.580 --> 13:29.240
Schuppen auf, die die Viskoseunterschicht der Strömungsgrenzschicht

13:29.240 --> 13:33.220
derart beeinflussen, dass der Strömungswiderstand reduziert wird.

13:33.220 --> 13:39.200
Damit erreichen Haie Spitzengeschwindigkeiten bis zu 45 km pro Stunde.

13:40.180 --> 13:44.060
In der Technik werden derartige Längsrillenfolien genutzt, um den

13:44.060 --> 13:48.520
Widerstand von Verkehrsflugzeugen und Hochgeschwindigkeitszügen bzw.

13:48.880 --> 13:51.140
die Verluste in Pipelines zu verringern.

13:58.780 --> 14:02.660
Das Fliegen ist in der Natur in unterschiedlicher Weise bei den

14:02.660 --> 14:05.660
Insekten, Fledermäusen und Vögeln zu beobachten.

14:06.650 --> 14:10.820
Da die Propellerrotation um eine Achse biologisch nicht möglich ist,

14:11.200 --> 14:15.360
wird der zum Fliegen erforderliche Auftrieb und Vortrieb durch die Hin

14:15.360 --> 14:17.880
- und Herbewegung eines Flügelschlags erreicht.

14:18.760 --> 14:23.000
Der Vortrieb entsteht dadurch, dass der Abwärtsschlag mit großer Kraft

14:23.000 --> 14:27.020
und der Aufwärtsschlag bei möglichst geringem Widerstand ausgeführt

14:27.020 --> 14:27.300
wird.

14:27.300 --> 14:32.260
Den größten Anteil des Vortriebs liefern beim Vogel die äußeren Teile

14:32.260 --> 14:36.060
des Flügels, die den größten Teil der Vertikalbewegung zurücklegen.

14:37.140 --> 14:40.680
Dabei wird die Anstellung verschiedener Profilschnitte des Flügels im

14:40.680 --> 14:44.380
Verlauf einer Schwingungsperiode durch die Deformierung des Flügels

14:44.380 --> 14:44.820
verändert.

14:45.740 --> 14:49.340
Der innere Teil des Flügels erzeugt im Wesentlichen den Auftrieb.

14:49.340 --> 14:54.240
Damit sind die Funktionen des Tragflügels und Antriebpropellers eines

14:54.240 --> 14:57.360
Propellerflugzeuges im Vogelflügel integriert.

14:58.200 --> 15:02.580
Allerdings wird dies damit erkauft, dass sich Auftrieb und Vortrieb im

15:02.580 --> 15:04.240
Verlauf einer Schwingung ändern.

15:05.880 --> 15:10.160
Den damit verbundenen Stabilitätsproblemen wird durch aerodynamische

15:10.160 --> 15:14.040
Kräfte der Schwanzflächen entgegengewirkt, die als horizontales

15:14.040 --> 15:16.500
Steuerruder die Schwingbewegung ausgleichen.

15:16.500 --> 15:22.700
Der größte Wandervogel Albatros erreicht bei einer Spannweite von 3,80

15:22.700 --> 15:27.780
Meter eine Spitzengeschwindigkeit bis zu 110 Kilometer pro Stunde und

15:27.780 --> 15:32.240
eine Gleitzahl, dem Verhältnis von Auftriebskraft zu Widerstandskraft,

15:32.520 --> 15:33.200
von 20.

15:41.140 --> 15:45.920
Die erste erfolgreiche technische Umsetzung des Vogelflugs gelang Otto

15:45.920 --> 15:50.680
Lilienthal 1891 mit seinem manntragenden Gleitflugzeug.

15:50.680 --> 15:54.860
Der vogelähnliche Gleiter besitzt einen starren Flügel mit

15:54.860 --> 15:58.320
integrierten vertikalen und horizontalen Flächen, die für die

15:58.320 --> 15:59.520
Stabilität sorgten.

16:00.620 --> 16:04.500
Die Flugkontrolle des Hanggleiters erfolgte durch Gewichtsverlagerung

16:04.500 --> 16:06.360
des Körpers unter dem Gleiter.

16:07.360 --> 16:11.320
Auch bei den modernen Verkehrsflugzeugen ist es 100 Jahre später bei

16:11.320 --> 16:12.900
den starren Flügeln geblieben.

16:12.900 --> 16:17.680
Der Flügelschlag des Vogels wurde durch Fähntriebwerke ersetzt, die

16:17.680 --> 16:20.840
aufgrund ihrer Größe unter den Tragflächen angebracht sind.

16:21.700 --> 16:26.020
Der Rumpf nimmt die Passagiere auf und die Seiten- und Höhenleitwerke

16:26.020 --> 16:27.140
sorgen für die Flugstabilität.

16:36.810 --> 16:39.070
Damit sind wir bei den technischen Strömungsbeispielen.

16:40.510 --> 16:44.210
Unsere Umwelt ist in vielfältiger Weise von Strömungsphänomenen

16:44.210 --> 16:45.010
gekennzeichnet.

16:45.010 --> 16:49.550
So führt die Optimierung von Strömungen zur Widerstandsverringerung

16:49.550 --> 16:53.950
von Verkehrsflugzeugen, Schienen und Kraftfahrzeugen und damit zu

16:53.950 --> 16:55.310
Kraftstoffeinsparungen.

16:56.210 --> 16:59.950
Sie führt in den Antriebsaggregaten zur Steigerung des Wirkungsgrades

16:59.950 --> 17:02.290
und der Reduktion der Schadstoffemission.

17:03.370 --> 17:07.310
Bei der Herstellung von Materialien aus der Schmelze bestimmt sie die

17:07.310 --> 17:11.350
innere Struktur und damit die Festigkeit und Belastbarkeit des

17:11.350 --> 17:11.990
Materials.

17:11.990 --> 17:16.750
In chemischen Produktionsanlagen und Pipelines verringert die

17:16.750 --> 17:20.730
Optimierung der Strömungen die Verluste und reduziert damit die für

17:20.730 --> 17:24.150
die Herstellung und den Transport der Flüssigkeiten und Gase

17:24.150 --> 17:25.870
erforderliche Pumpleistung.

17:25.870 --> 17:29.930
Bei der Entwicklung der Verkehrs- und Schienenfahrzeuge geht es im

17:29.930 --> 17:33.610
Wesentlichen darum, der Transportgeschwindigkeit angepasste,

17:33.810 --> 17:37.690
widerstandsarme Körperformen zu finden, um den Kraftstoff der

17:37.690 --> 17:39.050
Triebwerke bzw.

17:39.350 --> 17:43.030
die elektrische Leistung der Antriebsmotoren möglichst gering zu

17:43.030 --> 17:43.390
halten.

17:56.130 --> 18:00.750
Die Entwicklung der Verkehrsluftfahrt begann in den 30er Jahren mit

18:00.750 --> 18:02.570
der legendären Ju 52.

18:03.530 --> 18:08.150
Sie transportierte 17 Passagiere mit einer Geschwindigkeit von 250 km

18:08.150 --> 18:11.950
pro Stunde und wurde von drei Kolbenmotoren angetrieben.

18:12.630 --> 18:16.950
Das Bestreben, möglichst schnell von einem Ort zum anderen zu fliegen,

18:17.290 --> 18:21.190
führte zur Entwicklung der Düsentriebwerke, die es heute erlauben, in

18:21.190 --> 18:26.150
einer Höhe von 10 bis 12 Kilometer mit einer Geschwindigkeit von 950

18:26.150 --> 18:27.670
Stundenkilometern zu fliegen.

18:28.370 --> 18:33.450
Die Großraumjets transportieren dabei bis zu 555 Passagiere.

18:34.340 --> 18:38.290
Der erste Vertreter dieser aerodynamisch neuen Generation von

18:38.290 --> 18:41.350
Verkehrsflugzeugen war die Boeing 707.

18:42.330 --> 18:46.090
Die entscheidende aerodynamische Erfindung war dabei der Pfeilflügel

18:46.090 --> 18:50.210
der aerodynamischen Versuchsanstalten in Göttingen in den frühen 40er

18:50.210 --> 18:50.550
Jahren.

18:51.690 --> 18:55.270
Neuere Entwicklungen führten zum sogenannten superkritischen

18:55.270 --> 18:56.530
transsonischen Flügel.

18:56.530 --> 19:01.270
Der jüngste Vertreter der neuen Generation von Verkehrsflugzeugen ist

19:01.270 --> 19:03.150
der Airbus A380.

19:04.150 --> 19:07.550
Dabei ist der Rumpf für den Transport möglichst vieler Passagiere

19:07.550 --> 19:08.430
größer geworden.

19:09.310 --> 19:13.330
Dennoch erreicht man eine erhebliche Treibstoffersparnis gegenüber der

19:13.330 --> 19:14.490
Boeing 707.

19:14.490 --> 19:19.530
Neben der verbesserten Aerodynamik des transsonischen Tragflügels sind

19:19.530 --> 19:23.810
es leichtere Materialien und verbesserte Fertigungstechniken sowie

19:23.810 --> 19:28.890
neue Fantriebwerke und das automatisierte Zwei-Piloten-Cockpit, die zu

19:28.890 --> 19:32.270
dieser Kraftstoffeinsparung und damit zur Reduzierung der

19:32.270 --> 19:36.190
Schadstoffemission durch die Luftfahrt in der hohen Atmosphäre geführt

19:36.190 --> 19:36.530
haben.

19:36.530 --> 19:41.710
Die Fantriebwerke haben gegenüber den ursprünglichen Düsentriebwerken

19:41.710 --> 19:44.130
einen deutlich größeren Durchmesser.

19:44.970 --> 19:49.370
Ein Teil der vom Fan verdichteten, kalten Luft wird am heißen

19:49.370 --> 19:52.210
Antriebsstrahl als Luftmantel vorbeigeführt.

19:52.930 --> 19:56.790
Dies hat den zusätzlichen Nutzeffekt, dass die Schallabstrahlung der

19:56.790 --> 20:00.690
Düsentriebwerke bei gleichzeitiger Steigerung des Wirkungsgrades

20:00.690 --> 20:02.910
deutlich reduziert werden konnte.

20:10.390 --> 20:14.750
Bei den Schienenfahrzeugen ist eine ganz entsprechende aerodynamische

20:14.750 --> 20:16.970
Entwicklung über die Jahrzehnte zu beobachten.

20:18.010 --> 20:21.970
Da der Leistungsaufwand mit der dritten Potenz der Geschwindigkeit und

20:21.970 --> 20:25.350
der Widerstand eines Fahrzeuges quadratisch mit der Geschwindigkeit

20:25.350 --> 20:28.930
wächst, ergibt sich bei Reisegeschwindigkeiten über 100

20:28.930 --> 20:33.070
Stundenkilometern die Notwendigkeit, die aerodynamische Formgebung

20:33.070 --> 20:34.530
entsprechend anzupassen.

20:34.530 --> 20:38.410
Während bei den herkömmlichen Dampflokomotiven die

20:38.410 --> 20:42.790
Strömungsoptimierung lediglich mit seitlichen Windabweisern den Dampf

20:42.790 --> 20:47.330
vom Führerhaus fernhält, wurde bei den IC-Zügen eine widerstandsarme

20:47.330 --> 20:51.650
Formgebung der Lokomotive und Luftabweisern im Bereich der Räder der

20:51.650 --> 20:54.670
Fahrgastwagen in ersten Ansätzen verwirklicht.

20:54.670 --> 20:59.950
Erst beim ICE-3, der eine Reisegeschwindigkeit von bis zu 330

20:59.950 --> 21:04.250
Stundenkilometern erreicht, wurde eine konsequente aerodynamische

21:04.250 --> 21:08.410
Formgebung technisch umgesetzt, wenngleich auch hier zum Beispiel die

21:08.410 --> 21:11.810
Stromabnehmer einer aerodynamischen Verkleidung bedürften.

21:12.630 --> 21:15.730
Auch bei den Schienenfahrzeugen ist die strömungsmechanische

21:15.730 --> 21:17.450
Entwicklung noch nicht am Ende.

21:18.190 --> 21:22.590
Derzeit sind Projekte in Röhren mit Reisegeschwindigkeiten bis zu 500

21:22.590 --> 21:24.750
Kilometer pro Stunde in der Planung.

21:31.840 --> 21:36.760
Die widerstandsarme aerodynamische Formgebung eines Kraftfahrzeuges

21:36.760 --> 21:40.080
wurde bereits 1938 technisch gelöst.

21:41.480 --> 21:45.080
Der für das Erreichen des Geschwindigkeitsweltrekordes auf der Straße

21:45.080 --> 21:49.700
von Mercedes-Benz 1937 gebaute Rennwagen erreichte einen

21:49.700 --> 21:52.860
Widerstandsbeiwert von 0,365.

21:55.660 --> 21:59.840
Mit der Versenkung des Fahrers in den Rennwagen und der Verkleidung

21:59.840 --> 22:03.800
der Räder wurde ein Stromlinienkörper verwirklicht, der mit einer

22:03.800 --> 22:08.020
drastischen Widerstandsreduzierung auf 0,17 einherging.

22:09.180 --> 22:13.340
Der mit einem Stromlinienkörper bestenfalls erreichbare aerodynamische

22:13.340 --> 22:15.440
Wert beträgt 0,12.

22:16.800 --> 22:20.820
Wirklich berücksichtigt wurde diese Erkenntnis bei Straßenfahrzeugen

22:20.820 --> 22:24.540
jedoch erst in den 80er Jahren, nachdem das Bewusstsein der

22:24.540 --> 22:28.460
erforderlichen Kraftstoffeinsparung durch die Ölkrise geweckt wurde.

22:29.420 --> 22:33.180
Heute hat sich die Kraftfahrzeugindustrie auf einen Kompromiss des

22:33.180 --> 22:39.020
Widerstandsbeiwertes von etwa 0,26 eingestellt, der es gegenüber dem

22:39.020 --> 22:43.220
Stromlinienkörper erlaubt, einen komfortablen Fahrgastraum mit dem

22:43.220 --> 22:45.780
erforderlichen Rundumblick zu realisieren.

22:52.130 --> 22:55.910
Die Raumfahrt hat sich mit dem Transport von Satelliten und

22:55.910 --> 22:59.730
Raumstationen in den erdnahen Orbit in den letzten Jahrzehnten

22:59.730 --> 23:00.470
etabliert.

23:00.470 --> 23:05.690
Mit dem Bau der neuen Raumstation ISS und dem größer werdenden Bedarf

23:05.690 --> 23:09.890
geostationärer Satelliten in der Erdumlaufbahn wird die Entwicklung

23:09.890 --> 23:13.870
wiederverwendbarer Orbitaltransport- und Rückkehrsysteme immer

23:13.870 --> 23:14.610
notwendiger.

23:15.750 --> 23:21.190
Die historische Entwicklung des Orbitaltransports begann 1949 mit dem

23:21.190 --> 23:24.510
Start der ersten zweistufigen V2-Rakete.

23:24.510 --> 23:29.790
Bei der Rückkehr der zweiten Stufe in die Erdatmosphäre wurde erstmals

23:29.790 --> 23:33.350
in der Geschichte der Luft- und Raumfahrt die Machtzahl 5

23:33.350 --> 23:33.730
überschritten.

23:34.870 --> 23:38.970
Ein Meilenstein der weiteren Entwicklung des Orbitaltransports war das

23:38.970 --> 23:43.330
teilweise wiederverwendbare Orbitaltransportsystem Space Shuttle in

23:43.330 --> 23:46.510
den 70er Jahren, das bis heute im Einsatz ist.

23:46.510 --> 23:51.010
Die für den Start erforderlichen Feststoff-Raketenbooster werden

23:51.010 --> 23:51.850
wieder geborgen.

23:52.510 --> 23:56.210
Der Orbiter landet nach seiner Mission in einer erdnahen Umlaufbahn

23:56.210 --> 23:56.990
auf der Erde.

23:57.850 --> 24:01.350
Lediglich der Treibstofftank geht nach jedem Start verloren.

24:02.350 --> 24:08.110
Nachdem 1949 die Raketenspitze der zweiten Stufe der V2 bei ihrem

24:08.110 --> 24:12.290
ballistischen Wiedereintritt in die Erdatmosphäre aus 390 Kilometern

24:12.290 --> 24:17.830
Höhe verglühte, folgte 1961 der erste bemannte Wiedereintritt in die

24:17.830 --> 24:20.550
Erdatmosphäre mit einer Wiedereintrittskapsel.

24:20.550 --> 24:25.550
Beim Abbremsen der Kapsel in der Erdatmosphäre wurden Machtzahlen über

24:25.550 --> 24:26.890
25 erreicht.

24:27.630 --> 24:32.550
Das Gas vor der Kapsel wurde dabei über 10.000 Kelvin heiß, sodass die

24:32.550 --> 24:35.750
Wiedereintrittskapsel vor dem Verglühen durch ein Hitzeschild

24:35.750 --> 24:36.870
geschützt werden musste.

24:36.870 --> 24:40.770
Es haben sich in der frühen Phase der Wiedereintrittstechnologie

24:40.770 --> 24:44.850
Applationshitzeschilder aus beispielsweise faserverstärkten

24:44.850 --> 24:47.390
Kunstharzen als Hitzeschutz bewährt.

24:48.150 --> 24:51.670
Dabei wird die teilweise Zerstörung der äußeren Wandschicht durch

24:51.670 --> 24:56.410
chemische Reaktionen, Sublimation, Verdunsten oder auch Schmelzfluss

24:56.410 --> 24:57.890
für die Wärmeabfuhr genutzt.

24:58.770 --> 25:02.270
Nach jedem Wiedereintritt muss das Hitzeschild der Kapsel ersetzt

25:02.270 --> 25:02.610
werden.

25:02.610 --> 25:06.310
Erst in jüngster Zeit sind neue hitzebeständige

25:06.310 --> 25:09.990
Kohlenstofffaserverbundwerkstoffe entwickelt worden, die mit einem

25:09.990 --> 25:13.750
entsprechenden Oxidationsschutz ein wiederverwendbares Hitzeschild

25:13.750 --> 25:14.510
möglich machen.

25:15.290 --> 25:19.450
Ein erster Ansatz eines wiederverwendbaren Hitzeschutzes wurde bereits

25:19.450 --> 25:22.030
beim Space Shuttle mit Kacheln realisiert.

25:30.170 --> 25:33.070
Mehrphasenströmungen sind die am häufigsten auftretenden

25:33.070 --> 25:35.330
Strömungsformen in Natur und Technik.

25:35.330 --> 25:40.050
Dabei ist der Begriff Phase im thermodynamischen Sinne als einer der

25:40.050 --> 25:45.290
Aggregatszustände fest, flüssig und gasförmig zu verstehen, die in ein

25:45.290 --> 25:48.890
- oder mehrkomponentigen Stoffsystemen simultan auftreten können.

25:49.830 --> 25:54.090
Die mit Regentropfen und Hagelkörnern driftenden Gewitterwolken, der

25:54.090 --> 25:58.370
schäumende Gebirgsbach, die abgehende Schneestaublawine oder die

25:58.370 --> 26:01.870
Vulkanaschewolke sind eindrucksvolle Beispiele für

26:01.870 --> 26:03.870
Mehrphasenströmungen in der Natur.

26:03.870 --> 26:08.130
In der Kraftwerks- und chemischen Verfahrenstechnik sind

26:08.130 --> 26:11.510
Mehrphasenströmungen ein entscheidendes Mittel für Wärme- und

26:11.510 --> 26:11.970
Stofftransport.

26:13.130 --> 26:16.810
Zwei Phasenströmungen bestimmen das Geschehen in den Dampferzeugern,

26:17.130 --> 26:20.170
Kondensatoren und Kühltürmen von Dampfkraftwerken.

26:20.810 --> 26:24.630
Mehrphasen-Mehrkomponentenströmungen werden bei der Gewinnung, dem

26:24.630 --> 26:28.850
Transport und der Verarbeitung von Erdöl und Erdgas eingesetzt.

26:28.850 --> 26:33.030
Bei Destillations- und Rektifikationsprozessen der chemischen

26:33.030 --> 26:37.330
Industrie sind diese Strömungsarten ebenso maßgeblich beteiligt.

26:38.030 --> 26:41.850
Sie treten auch als Kavitationserscheinungen in Wasserkraftturbinen

26:41.850 --> 26:42.230
auf.

26:43.210 --> 26:46.850
Bereits beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre haben wir ein erstes

26:46.850 --> 26:49.950
Beispiel einer Strömung mit chemischen Reaktionen der Luft

26:49.950 --> 26:50.770
kennengelernt.

26:51.550 --> 26:54.970
Strömungen mit Verbrennung werden technisch genutzt für den Antrieb

26:54.970 --> 26:57.730
von Flugzeugen, Schiffen und Kraftfahrzeugen.

26:57.730 --> 27:02.270
Die Verbrennung fossiler Brennstoffe erzeugt den größten Teil der

27:02.270 --> 27:04.230
elektrischen und Wärmeenergie.

27:05.190 --> 27:08.290
Die Optimierung der Strömungen bei diesen Verbrennungsprozessen

27:08.290 --> 27:11.930
ermöglicht die Verringerung des Kraftstoffverbrauches sowie die

27:11.930 --> 27:14.090
Reduzierung der Schadstoffemissionen.

27:15.070 --> 27:18.770
Turbulente Verbrennungsprozesse sind durch ein breites Spektrum von

27:18.770 --> 27:21.010
Zeit - und Längenskalen charakterisiert.

27:21.010 --> 27:25.830
Die typischen Längenskalen der Turbulenz reichen von der Ausdehnung

27:25.830 --> 27:30.050
der Verbrennungskammer bis hinunter zu den kleinsten Wirbeln, in denen

27:30.050 --> 27:33.230
turbulente, kinetische Energie dissipiert wird.

27:34.070 --> 27:37.730
So zeigt die Verbrennungsfront einer Flamme abgeschlossene Bereiche

27:37.730 --> 27:40.710
von Frischgas, die in das Abgas eindringen.

27:40.710 --> 27:45.110
Dieser transiente Prozess kann mittels der direkten numerischen

27:45.110 --> 27:49.390
Simulation zeitlich aufgelöst untersucht werden und ist für die

27:49.390 --> 27:53.250
Bestimmung des Gültigkeitsbereiches bestehender sowie die Entwicklung

27:53.250 --> 27:56.710
neuer Modelle zur Beschreibung der turbulenten Verbrennung von

27:56.710 --> 27:57.310
Bedeutung.

28:04.540 --> 28:09.420
Ein neues Anwendungsspektrum von biologischen Strömungen bietet die

28:09.420 --> 28:09.940
Medizintechnik.

28:09.940 --> 28:15.260
Der Wärme- und Stofftransport in Lebewesen erfolgt in Kreisläufen.

28:16.020 --> 28:19.740
Dazu gehören die Atmung, der Blut- und Lymphkreislauf sowie der

28:19.740 --> 28:20.210
Wasserhaushalt.

28:21.380 --> 28:25.680
Allen biologisch bedingten Strömungen ist gemeinsam, dass die Bewegung

28:25.680 --> 28:26.980
von äußeren bzw.

28:27.300 --> 28:31.540
inneren, hochflexiblen und strukturierten Oberflächen aufgeprägt wird.

28:32.340 --> 28:36.560
Daraus resultiert eine aktiv kontrollierte Strömung, deren Verluste

28:36.560 --> 28:37.880
gering gehalten werden.

28:37.880 --> 28:41.700
Von der Vielzahl biologischer Strömungen wählen wir die

28:41.700 --> 28:44.380
Blutzirkulation im menschlichen Körper aus.

28:45.200 --> 28:48.980
Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehören mit zu den häufigsten Erkrankungen

28:48.980 --> 28:50.180
der modernen Zivilisation.

28:51.420 --> 28:55.340
Ablagerungen in Arterienverzweigungen und an Herzklappen sowie

28:55.340 --> 28:59.480
Vernarbungen des Herzmuskels durch einen Herzinfarkt verändern das

28:59.480 --> 29:03.200
pulsierende Strömungsverhalten im Herzen- und im Blutkreislauf.

29:04.320 --> 29:07.660
Überschreiten die Strömungsverluste einen lebensbedrohlichen,

29:07.900 --> 29:10.450
kritischen Wert, ist eine Operation unausweichlich.

29:12.180 --> 29:16.120
Um die Strömungsverluste im erkrankten Herzen vor und nach der

29:16.120 --> 29:21.400
Operation vorhersagen zu können, wurde das virtuelle Herz CAMO, das

29:21.400 --> 29:23.440
Karlsruher Heart Model, entwickelt.

29:24.440 --> 29:28.880
Das Herz pumpt in jeder Minute etwa 5 Liter Blut in den Kreislauf.

29:29.520 --> 29:33.860
Die Pumpleistung kann sich bei körperlicher Belastung auf 20 bis 30

29:33.860 --> 29:35.440
Liter pro Minute erhöhen.

29:36.500 --> 29:40.360
Der Blutkreislauf besteht aus zwei getrennten, über das Herz

29:40.360 --> 29:42.800
untereinander verbundenen Teilkreisläufen.

29:43.780 --> 29:47.840
Man bezeichnet den einen als Körperkreislauf und den anderen als

29:47.840 --> 29:48.860
Lungenkreislauf.

29:48.860 --> 29:53.700
Der Gesamtkreislauf sichert den Gasaustausch zwischen dem Stoffwechsel

29:53.700 --> 29:56.760
im menschlichen Gewebe und der Luft der Atmosphäre.

29:58.220 --> 30:01.960
Das Herz besteht aus zwei getrennten Pumpkammern, dem linken und

30:01.960 --> 30:03.020
rechten Ventrikel.

30:06.030 --> 30:09.990
Der rechte Ventrikel füllt sich mit sauerstoffarmen Blut aus dem

30:09.990 --> 30:13.970
Körperkreislauf, um sich bei seiner Kontraktion in den Lungenkreislauf

30:13.970 --> 30:14.710
zu entleeren.

30:15.810 --> 30:20.690
Das in der Lunge reoxygenierte Blut wird vom linken Ventrikel in den

30:20.690 --> 30:22.090
Körperkreislauf befördert.

30:24.350 --> 30:29.230
Die Ventrikel durchlaufen während der Herzzyklen eine periodische

30:29.230 --> 30:33.490
Kontraktion und Relaxation, die den pulsierenden Blutstrom im

30:33.490 --> 30:35.070
Körperkreislauf sicherstellt.

30:35.990 --> 30:39.270
Dieser Pumpzyklus geht mit Änderungen des Ventrikel- und

30:39.270 --> 30:40.690
Arteriendrucks einher.

30:40.690 --> 30:45.550
Die jeweilige Druckdifferenz sorgt für das druckgesteuerte Öffnen und

30:45.550 --> 30:46.730
Schließen der Herzklappen.

30:47.850 --> 30:51.230
Beim gesunden Herzen ist die pulsierende Strömung laminar und

30:51.230 --> 30:52.030
ablösefrei.

30:53.170 --> 30:57.750
Defekte des Pumpverhaltens des Herzens und Herzinsuffizienzen führen

30:57.750 --> 31:01.470
zu turbulenten Strömungsbereichen und Rückströmungen in den

31:01.470 --> 31:05.030
Ventrikeln, die die Strömungsverluste im Herzen erhöhen.

31:05.030 --> 31:10.290
Das virtuelle CAMO-Herzmodell besteht aus dem linken Herzventrikel,

31:10.670 --> 31:13.670
der Mitral- und Aortenklappe sowie der Aorta.

31:14.950 --> 31:19.230
Die Ergebnisse der Strömungsberechnung im Herzmodell des gesunden bzw.

31:19.530 --> 31:23.050
erkrankten menschlichen Herzens können über die quantitative

31:23.050 --> 31:27.690
Bestimmung der Strömungsverluste dem Herzchirurgen wichtige Hinweise

31:27.690 --> 31:30.590
über die zu wählenden chirurgischen Eingriffe geben.

31:30.590 --> 31:35.950
So wird das beschriebene Herzmodell im Rahmen einer Studie für die

31:35.950 --> 31:39.710
Bestimmung quantitativer Kriterien der Herzchirurgie eingesetzt.

31:40.530 --> 31:44.510
Die parametrisierte Darstellung des Herzgeometrie-Modells ermöglicht

31:44.510 --> 31:48.750
im klinischen Einsatz die Anpassung des Modells an die tomografischen

31:48.750 --> 31:52.290
Magnetspinresonanzdaten vor und nach der Operation.

31:57.750 --> 32:01.910
Die Strömungsbeispiele aus Natur und Technik lassen sich fortsetzen.

32:02.650 --> 32:06.390
Die gezeigten Beispiele dienen der Einstimmung in die Vielfalt der

32:06.390 --> 32:08.210
strömungsmechanischen Anwendungen.

32:08.850 --> 32:13.050
Die Faszination, die die Beispiele in Natur und Technik auslösen,

32:13.410 --> 32:16.810
machen es lohnenswert, sich in Lehre und Forschung mit der

32:16.810 --> 32:21.250
Strömungsmechanik auseinanderzusetzen und deren praktische Anwendung

32:21.250 --> 32:24.190
in Industrieprojekten weiter zu entwickeln.

