WEBVTT

00:06.800 --> 00:11.160
Guten Tag liebe Konferenzteilnehmer, liebe Frau Robertson von TOTA,

00:11.260 --> 00:12.740
vielen Dank für die Einladung.

00:13.500 --> 00:18.000
Und ich werde hier natürlich nicht auf Anträge im Einzelnen anwählen.

00:18.180 --> 00:21.660
Das kann man dann in persönlichen Gesprächen mit mir gerne machen, da

00:21.660 --> 00:24.280
bin ich durchaus auskunftsbereit.

00:24.740 --> 00:31.240
Aber an dieser Stelle vielleicht nur einige grundsätzliche Bemerkungen

00:31.240 --> 00:35.940
zu dem Wettbewerb und welche Implikationen sich daraus möglicherweise

00:35.940 --> 00:38.700
insbesondere für die technischen Universitäten ergeben.

00:45.480 --> 00:48.600
Ah, ich muss auf den richtigen Knopf treffen.

00:50.300 --> 00:54.140
Gott ist ein Ingenieur, ist ja vielleicht eine naheliegende Frage für

00:54.140 --> 00:58.380
technische Universitäten, die sie sich alle bestimmt täglich stellen

00:58.380 --> 01:01.800
und die keineswegs so banal ist, wie es sich vielleicht anhört.

01:01.800 --> 01:04.660
Die einfachsten Fragen sind ja oft die schwierigsten.

01:05.600 --> 01:09.280
Gott ist ein Ingenieur, ist eine Frage, die Lee Schulman in einem groß

01:09.280 --> 01:11.280
angelegten Forschungsprojekt gestellt hat.

01:11.360 --> 01:15.380
Lee Schulman ist von Haus aus Psychologe, ist Präsident der Carnegie

01:15.380 --> 01:19.940
Foundation for the Advancement of Teaching und die haben vergleichend

01:19.940 --> 01:23.980
das professionelle Verständnis von verschiedenen Berufsgruppen, unter

01:23.980 --> 01:27.680
anderem eben Ingenieuren, untersucht und haben sich für die Frage

01:27.680 --> 01:31.700
interessiert, wie sich dieses professionelle Verständnis im

01:31.700 --> 01:34.760
Ausbildungsprozess herausbildet.

01:35.400 --> 01:39.800
Und die Eingangsfrage war eben immer, dass sie Vertreter der

01:39.800 --> 01:43.120
Profession gefragt haben, what is an engineer, what is a teacher, what

01:43.120 --> 01:43.780
is a nurse.

01:46.280 --> 01:54.280
Die Antwort wäre jetzt schön...

02:06.020 --> 02:11.540
Also die Antwort, der erste Teil der Antwort, ich verrate Ihnen, dass

02:11.540 --> 02:12.480
es noch einen zweiten Teil gibt.

02:12.480 --> 02:16.300
Der erste Teil der Antwort ist glaube ich noch nicht so überraschend.

02:16.800 --> 02:21.020
An engineer is someone who uses math and science to mess with the

02:21.020 --> 02:21.380
world.

02:21.420 --> 02:23.180
Das ist vielleicht schon etwas ungewöhnlich.

02:23.720 --> 02:27.100
By designing and making things that other folks can't use.

02:27.680 --> 02:29.220
Aber dann...

02:29.220 --> 02:32.960
And once you mess with the world, you're responsible for the mess

02:32.960 --> 02:33.780
you've made.

02:34.640 --> 02:39.560
Und das vielleicht nochmal als sehr griffiges Zitat.

02:39.560 --> 02:47.080
Warum zu einem Studium, auch an einer technischen Universität, die

02:47.080 --> 02:52.520
Ingenieure ausbildet, mehr gehören muss als das Fachwissen.

02:55.260 --> 03:02.740
In der Ausschreibung zum Programm Schlüsselqualifikationen Plus haben

03:02.740 --> 03:06.120
wir das so formuliert, wie das hier jetzt drin steht.

03:07.480 --> 03:10.800
Was sozialisierende und persönlichkeitsbildende Funktionen eines

03:10.800 --> 03:14.320
Hochschulstudiums sein sollen und an welche Fähigkeiten dazugehören.

03:14.720 --> 03:18.340
Das ist ja im Positionspapier Schlüsselqualifikationen an technischen

03:18.340 --> 03:21.440
Universitäten etwas operationalisiert worden.

03:22.040 --> 03:25.620
Ich nenne jetzt hier nur beispielhaft Kontextualisierungsfähigkeit und

03:25.620 --> 03:26.860
verantwortliches Handeln.

03:27.540 --> 03:29.740
Ich brauche dafür jetzt nichts.

03:29.900 --> 03:32.580
Uns in der Zeit will ich da nicht weiter darauf eingehen.

03:33.310 --> 03:38.380
Jetzt gibt es sehr viel, was die Hochschulen machen.

03:39.000 --> 03:40.840
Auch die technischen Hochschulen.

03:42.140 --> 03:47.860
Aber, und das betrifft jetzt alle, als wir das Programm konzipiert

03:47.860 --> 03:52.740
haben, sind wir davon ausgegangen, diese Angebote sind überwiegend

03:52.740 --> 03:54.120
fakultativ.

03:55.380 --> 03:58.480
Und nicht alle, vielleicht auch nicht in diesem Rahmen, aber

03:58.480 --> 04:02.300
jedenfalls bei den Programmpartnern und auch in der Jury, sind der

04:02.300 --> 04:05.600
Meinung, dass sich dieses Prinzip der Freiwilligkeit bewährt hat.

04:06.600 --> 04:09.500
Kritisch haben wir auch gesehen, dass die Angebote korrekt und

04:09.500 --> 04:11.120
klarheitlich nicht integriert sind.

04:11.240 --> 04:13.500
Das hängt eng zusammen mit den Fakultativen.

04:14.040 --> 04:18.220
Dass sie nicht prüfungsrelevant sind, dass sie unkoordiniert sind und

04:18.220 --> 04:19.220
wenig transparent.

04:19.980 --> 04:23.800
Und unsere Schlussfolgerung aus dieser Bestandsaufnahme, oder warum

04:23.800 --> 04:29.140
wir das eben kritisch sehen, ist, so werden die Angebote von

04:29.140 --> 04:33.920
Studierenden und Lehrenden gleichermaßen als nachrangig betrachtet.

04:34.900 --> 04:38.640
Deshalb vor allen Dingen ist es notwendig, sie aus dem Bereich der

04:38.640 --> 04:43.280
Freiwilligkeit, Geliebigkeit und mangelnden Curriculumsintegration auf

04:43.280 --> 04:48.120
eine studien- und prüfungsrelevante Ebene zu heben.

04:49.100 --> 04:55.120
Das war die Ausgangssituation, oder der Hintergrund, vor dem wir das

04:55.120 --> 04:56.980
Programm ausgeschrieben haben.

04:58.040 --> 05:02.900
Ziel war eben, Best-Practice-Modelle zu identifizieren, sie dann

05:02.900 --> 05:08.700
auszuzeichnen und zu fördern mit einem Preisgeld, um der

05:08.700 --> 05:13.680
Bildungsfragmentierung, der durch den Bologna-Prozess unserer Meinung

05:13.680 --> 05:18.700
nach noch Vorschub geleistet wurde, entgegen seines ursprünglichen

05:18.700 --> 05:22.800
Anliegens, um dieser Bildungsfragmentierung entgegenzuwirken, also

05:22.800 --> 05:25.580
wieder den ganzheitlichen Bildungsauftrag der Hochschulen in den

05:25.580 --> 05:29.960
Vordergrund zu rücken und um auch so etwas wie Qualitätsstandards für

05:29.960 --> 05:32.860
Schlüsselqualifikationen zu entwickeln.

05:34.220 --> 05:42.200
Insgesamt haben wir 94 Anträge bekommen, die verteilen sich in dieser

05:42.200 --> 05:45.000
Art auf Universitäten und Fachhochschulen.

05:45.000 --> 05:49.740
Interessant ist noch die Beteiligung der technischen Universitäten.

05:50.720 --> 05:55.720
Mit Ausnahme der Universität Hannover haben sich alle TU9-Hochschulen

05:55.720 --> 05:58.240
an dem Wettbewerb beteiligt.

05:58.820 --> 06:03.060
Auch die drei Kooperationspartner und unser heutiger Gastgeber, das

06:03.060 --> 06:06.160
hatte die Frau Robertson schon gesagt.

06:08.040 --> 06:11.100
Und jetzt kommen wir vielleicht zu dem spannendsten Teil.

06:12.100 --> 06:16.040
Ich gehe hier auf die einzelnen Beurteilungskriterien im Folgenden

06:16.040 --> 06:16.620
noch ein.

06:17.220 --> 06:20.820
Das sind insgesamt die Beurteilungskriterien, anhand derer die

06:20.820 --> 06:27.260
Jurymitglieder diese eingegangenen 94 Anträge begutachtet haben.

06:28.520 --> 06:35.700
Jedem Antrag sind zwei Jurymitglieder als Berichterstatter zugeordnet

06:35.700 --> 06:36.280
worden.

06:36.780 --> 06:42.940
Jedes einzelne Kriterium ist auf einer Viererskala von sehr, eher, gut

06:42.940 --> 06:44.520
oder schlecht beurteilt worden.

06:45.780 --> 06:51.620
Wichtiger war aber noch das Gesamturteil, also ob ein Antrag als sehr

06:51.620 --> 06:55.360
bedingt oder nicht förderungswürdig eingeschätzt worden ist.

06:55.360 --> 06:59.440
Und das ist dann im Diskussionsprozess nochmal abgeglichen worden.

06:59.740 --> 07:04.680
Also man sollte nicht die Vorstellung haben, dass ein Antrag, der in

07:04.680 --> 07:07.620
der Vorbegutachtung sehr gut abgeschlossen hat, dann auch

07:07.620 --> 07:11.500
notwendigerweise in die Finalrunde gekommen ist und sich als

07:11.500 --> 07:13.220
Preisträger durchgesetzt hat.

07:13.600 --> 07:15.440
Das passt nur bedingt.

07:17.120 --> 07:20.200
Ich gehe jetzt auf die ersten beiden Kriterien ein.

07:20.200 --> 07:24.260
Also das Verständnis von Schlüsselqualifikation und die Inhalte und

07:24.260 --> 07:25.820
Studienziele.

07:27.180 --> 07:31.520
Unter Schlüsselqualifikation verstehen wir alle Kompetenzen, die über

07:31.520 --> 07:35.760
die rein fachlichen Kenntnisse und Fähigkeiten hinaus Türen

07:35.760 --> 07:41.180
aufschließen, Zugänge eröffnen und gesellschaftliche Teilhabe in einem

07:41.180 --> 07:43.140
umfassenden Sinne ermöglichen.

07:43.140 --> 07:47.680
Hier unterfallen auch Orientierungswissen im Sinne eines Studiums

07:47.680 --> 07:50.420
Generale und die Fähigkeit zur Selbstreflexion.

07:51.520 --> 07:53.760
Dieser Begriff war uns ganz wichtig.

07:54.020 --> 07:58.560
Er impliziert, dass Fachkompetenz natürlich das Fundament ist.

07:59.080 --> 08:03.260
Also wir haben nicht die Vorstellung gehabt, naja Hauptsache man ist

08:03.260 --> 08:04.180
schlüsselkompetent.

08:04.320 --> 08:07.500
Also wir wollen auch nicht die Botschaft vermitteln, wir brauchen

08:07.500 --> 08:10.380
jetzt Spezialisten für das Generelle.

08:11.600 --> 08:18.140
Aber wir wollen halt, dass auf dem Fundament der Fachkompetenz eben

08:18.140 --> 08:22.680
dieses Orientierungswissen auch vorhanden ist.

08:23.100 --> 08:26.660
Um nochmal auf das Positionspapier der technischen Universitäten

08:26.660 --> 08:27.400
zurückzukommen.

08:27.520 --> 08:30.820
Unser Verständnis von Schlüsselqualifikation umfasst diese

08:30.820 --> 08:31.380
Basiskompetenzen.

08:32.400 --> 08:34.940
Das ist sicherlich wenig überraschend, das ist so das allgemeine

08:34.940 --> 08:36.800
Verständnis von Schlüsselqualifikation.

08:36.800 --> 08:40.680
Und vor allem auch das Orientierungswissen.

08:41.400 --> 08:44.180
Tendenziell eher nicht die Praxisorientierung.

08:46.120 --> 08:50.960
Diese beiden Kriterien sind für die Mehrheit der Anträge, also etwas

08:50.960 --> 08:58.000
mehr als die Hälfte, übereinstimmend als sehr oder eher gut beurteilt

08:58.000 --> 09:00.840
worden und erfreulich.

09:00.840 --> 09:05.700
Zunächst, hinsichtlich des Verständnisses von Schlüsselqualifikation

09:05.700 --> 09:10.440
schneiden die technischen Hochschulen signifikant besser ab.

09:10.920 --> 09:14.660
Also viele von denen haben eben dieses Orientierungswissen auch

09:14.660 --> 09:18.260
thematisiert und auch in den Vordergrund gestellt.

09:18.560 --> 09:21.880
In ihren Ausführungen, was sie unter Schlüsselqualifikation verstehen.

09:21.880 --> 09:28.880
Das ist sehr gut angekommen bei der Jury, aber die Umsetzung in

09:28.880 --> 09:34.820
entsprechende Inhalte und Studienziele wird durchweg mindestens eine

09:34.820 --> 09:36.740
Kategorie schlechter beurteilt.

09:37.180 --> 09:39.960
Also hier ist ein ganz großes Defizit gesehen worden.

09:40.080 --> 09:42.060
Ich sage das nochmal salopp.

09:42.060 --> 09:47.740
Superlightbild, Umsetzung in Curricula lässt zu wünschen übrig.

09:48.040 --> 09:54.300
Das ist das Fazit, was insbesondere für die technischen Universitäten

09:54.300 --> 09:56.280
zutrifft.

09:56.840 --> 10:00.620
Insgesamt muss man sagen, die Hochschulen beherrschen inzwischen die

10:00.620 --> 10:06.560
Semantik, können super Anträge schreiben.

10:06.560 --> 10:11.760
Aber wenn man dann genau hinguckt, was taucht im Curriculum auf, da

10:11.760 --> 10:13.440
ist noch nicht nichts passiert.

10:13.520 --> 10:17.860
Da würde ich Herrn Tim in Ansätzen recht geben.

10:18.240 --> 10:19.740
Also es ist schon eine Menge passiert.

10:20.140 --> 10:23.580
Softskills kommen inzwischen wirklich in fast allen Curricula auch

10:23.580 --> 10:23.880
vor.

10:24.300 --> 10:28.640
Aber an der Auseinandersetzung mit komplementären Fachkulturen, also

10:28.640 --> 10:32.120
an dem, von dem wir der Meinung sind, dadurch bildet sich vor allen

10:32.120 --> 10:34.040
Dingen Orientierungswissen heraus.

10:34.580 --> 10:36.660
Da fehlt es eben noch häufig.

10:38.660 --> 10:42.680
Nächster Punkt, Verbindlichkeit, curriculare Veränderung.

10:42.840 --> 10:47.460
Hatte ich schon am Anfang gesagt, wir sind davon ausgegangen, oder

10:47.460 --> 10:51.940
unsere nicht repräsentative Stadtaufnahme hatte ergeben, die meisten

10:51.940 --> 10:53.700
Angebote sind fakultativ.

10:57.800 --> 11:04.600
Und überraschenderweise setzen die meisten Hochschulen auf integrierte

11:04.600 --> 11:08.160
Ansätze, integriert im Gegensatz zu additiv.

11:08.320 --> 11:12.960
Fast drei Viertel aller Hochschulen sagen, nein, wir haben einen

11:12.960 --> 11:18.100
integrierten Vermittlungsansatz, nur ungefähr ein Viertel setzt ganz

11:18.100 --> 11:19.700
auf additive Ansätze.

11:20.700 --> 11:26.200
An den technischen Universitäten hingegen ist es nur etwas mehr als

11:26.200 --> 11:30.080
die Hälfte, die auf ein integriertes Konzept setzt.

11:30.740 --> 11:34.200
Nächster Punkt, der auch zur Verbindlichkeit und curricularen

11:34.200 --> 11:38.000
Verankerung gehört, ist obligatorisch oder fakultativ.

11:38.860 --> 11:45.960
Auch hier die Mehrheit der Hochschulen, also 57 Prozent, setzen auf

11:45.960 --> 11:51.420
die obligatorische Vermittlung von Schlüsselqualifikationen, aber an

11:51.420 --> 11:56.080
den technischen Hochschulen nur 38 Prozent.

11:57.280 --> 12:02.160
Insgesamt wurde die Verbindlichkeit nicht so gut beurteilt wie das

12:02.160 --> 12:07.000
Verständnis von Schlüsselqualifikationen, aber immer noch für mehr als

12:07.000 --> 12:10.080
ein Drittel aller Anträge sehr oder eher gut.

12:10.870 --> 12:14.100
Und das ist sicherlich der entscheidende Punkt, den man rückblickend

12:14.100 --> 12:15.280
sagen muss.

12:15.680 --> 12:19.240
Die technischen Hochschulen schneiden hinsichtlich dieses Kriteriums

12:19.240 --> 12:21.240
signifikant schlechter ab.

12:21.760 --> 12:26.140
Und um es nochmal vorwegzunehmen, kein anderes Kriterium ist für die

12:26.140 --> 12:30.380
Anträge der technischen Hochschulen so schlecht beurteilt worden wie

12:30.380 --> 12:30.800
dieses.

12:30.980 --> 12:32.540
Und das ist völlig gegen den Trend.

12:33.320 --> 12:37.460
Über alle Hochschulen hinweg waren es andere Kriterien.

12:37.460 --> 12:42.280
Kein einziges Vorhaben der technischen Hochschulen hat in diesem

12:42.280 --> 12:45.480
Kriterium ein sehr gut erzielt.

12:49.430 --> 12:53.210
Insgesamt, auf den ersten Blick, haben sich die meisten Hochschulen

12:53.210 --> 12:55.690
für die curriculare Integration entschieden.

12:56.470 --> 13:02.070
Diese Zählung beruht erstmal auf einer Selbsteinschätzung, aber bei

13:02.070 --> 13:05.490
genauerer Betrachtung fällt eben auf, dass es sich lediglich um eine

13:05.490 --> 13:08.030
formalstrukturelle Integration handelt.

13:08.030 --> 13:10.130
Entschuldigung, wie komme ich jetzt nochmal zurück?

13:20.590 --> 13:24.570
Ich sage das einfach so, dann kann diese Taste schon schimpern.

13:24.830 --> 13:27.610
Also oft ist es nur so ein Platzhalter in den Curricula.

13:27.730 --> 13:32.490
Da gibt es halt einen Freiraum im Curriculum von x Stunden und da kann

13:32.490 --> 13:35.130
man irgendwas machen, was nicht zum Fach gehört.

13:35.290 --> 13:41.710
Es gibt aber keine Beratung oder keine Curricularisierung.

13:43.530 --> 13:48.510
Zur Frage obligatorisch oder fakultativ, zumindest in den neuen

13:48.510 --> 13:53.050
Studiengängen, ist jetzt ein Anteil von Schlüsselqualifikationen in

13:53.050 --> 13:59.230
fast allen Fällen obligatorisch, aber der Anteil bleibt meistens

13:59.230 --> 14:00.730
hinter den Empfehlungen zurück.

14:01.550 --> 14:05.190
Heute Morgen, Frau Robertson, Sie hatten das gesagt, hier gibt es eine

14:05.190 --> 14:08.270
Empfehlung oder in dem Verbundprojekt, das habe ich nicht genau

14:08.270 --> 14:12.290
mitbekommen, 20 ECTS-Punkte Schlüsselqualifikation.

14:12.630 --> 14:14.610
Ah, okay, Sie würden das machen, ist okay.

14:16.070 --> 14:21.790
Der VDI hat schon vor mehr als 20 Jahren empfohlen, 20% des

14:21.790 --> 14:26.710
Curriculums, 20% sind jedenfalls mehr als 20 ECTS-Punkte für

14:26.710 --> 14:29.890
überfachliche Qualifikationen zu reservieren.

14:31.210 --> 14:34.530
Und wenn man jetzt sagt, es bleibt häufig deutlich hinter den

14:34.530 --> 14:39.250
Empfehlungen zurück, häufig muss man nur so 6 ECTS oder sowas

14:39.250 --> 14:44.450
erwerben, dabei werden oft noch ganz gängige Studienelemente, die es

14:44.450 --> 14:46.430
immer schon gegeben hat, mitgezählt.

14:46.870 --> 14:50.850
Also Studienarbeiten gehören traditionell zum

14:50.850 --> 14:55.950
ingenieurwissenschaftlichen Curriculum und natürlich kann man anhand

14:55.950 --> 15:01.910
der Studienarbeit auch methodische Kompetenzen erwerben, aber die

15:01.910 --> 15:05.090
erwirbt man nicht automatisch dadurch, dass man halt die Studienarbeit

15:05.090 --> 15:05.910
anfertigt.

15:06.030 --> 15:08.610
Und wenn sich sonst nichts geändert hat, dann ist es auch ein bisschen

15:08.610 --> 15:12.770
problematisch, das nun als überfachliche Qualifikation zu rechnen.

15:13.270 --> 15:21.210
Mit Blick auf die Zeit möchte ich jetzt die Lehr- und Prüfungsformen

15:21.210 --> 15:24.170
nicht im Einzelnen näher drauf eingehen.

15:25.510 --> 15:31.150
Die Lehrformate sind vielfältiger als in der fachlichen Lehre.

15:32.530 --> 15:36.830
Auch hier gibt es aber noch ungenutztes Potenzial, was insbesondere an

15:36.830 --> 15:39.330
den privaten Hochschulen in Deutschland genutzt wird.

15:39.810 --> 15:43.390
Also solche Schichten, wie Frau Jarcho das auch berichtet hat, dass es

15:43.390 --> 15:49.330
zum Beispiel auch soziale Aktivitäten, also so ein Social Day oder

15:49.330 --> 15:52.650
dass studentische Projekte, wie das in St. Gallen der Fall ist, dass

15:52.650 --> 15:55.790
die berücksichtigt werden, das fehlt häufig.

15:56.310 --> 16:00.750
Also an den staatlichen Hochschulen, da könnte man noch mehr machen.

16:01.350 --> 16:05.710
Und hinsichtlich der Prüfungsformen muss man sagen, verbreitet Rat-

16:05.710 --> 16:07.190
und Ideenlosigkeit.

16:07.970 --> 16:12.950
Wenn Schlüsselqualifikationen überhaupt geprüft werden, und wir haben

16:12.950 --> 16:18.670
ja gehört, da geht es mehr um das Know-How, als um das Know-What, wird

16:18.670 --> 16:21.350
es trotzdem meistens in Form von Voraussuchungen oder möglichen

16:21.350 --> 16:27.750
Prüfungen geprüft, die zwar sehr geeignet sind, um kognitive

16:27.750 --> 16:32.590
Fähigkeiten zu testieren, aber häufig weniger geeignet sind, um

16:32.590 --> 16:37.710
mögliches Know-How festzustellen, zu überprüfen.

16:38.310 --> 16:42.170
Und wie gesagt, da gibt es noch großen Entwicklungsbedarf.

16:44.850 --> 16:49.070
Jetzt komme ich zu den Punkten, wo die technischen Hochschulen besser

16:49.070 --> 16:51.590
abgeschnitten haben, als die anderen.

16:52.030 --> 16:55.650
Hochschul- oder fachbereichsübergreifend, der Wettbewerb hat auf

16:55.650 --> 16:58.170
hochschulweite Modelle gezielt.

16:58.910 --> 17:04.070
Und an den technischen Hochschulen ist das auch überwiegend der Fall.

17:04.290 --> 17:09.130
Und in weit größerer Zahl, als das an allen anderen Hochschulen der

17:09.130 --> 17:09.690
Fall ist.

17:09.690 --> 17:13.690
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie man das dann organisieren

17:13.690 --> 17:16.410
kann, damit das Angebot hochschulweit erfolgt.

17:17.050 --> 17:20.110
Besonders populär ist die Einrichtung von Zentren für

17:20.110 --> 17:23.890
Schlüsselqualifikation oder vergleichbaren zentralen Einrichtungen.

17:24.890 --> 17:28.730
Also hochschuldidaktische Arbeitsstellen, Realservice, die sowas oft

17:28.730 --> 17:29.450
wahrnehmen.

17:30.370 --> 17:32.610
Das ist so das Populärste.

17:33.230 --> 17:36.490
An manchen Hochschulen gibt es eigene Fachbereiche oder

17:36.490 --> 17:38.450
fachbereichsähnliche Strukturen.

17:38.450 --> 17:45.010
Und nur an sehr wenigen Hochschulen, also Uni Wittenherdecke und

17:45.010 --> 17:48.790
Hamburg -Harburg sind glaube ich die einzigen Universitäten, an denen

17:48.790 --> 17:52.930
es spezielle Professuren gibt in Deutschland.

17:54.150 --> 17:59.670
Insgesamt ist die Organisationsform sehr mäßig beurteilt worden.

17:59.810 --> 18:02.610
Aber wie gesagt, schön für die technischen Hochschulen, haben sie

18:02.610 --> 18:03.450
besser abgeschnitten.

18:03.810 --> 18:05.450
Hat eben nur am Ende nichts genützt.

18:07.610 --> 18:14.290
Ja, weil einfach ein anderes Kriterium für wichtiger gehalten worden

18:14.290 --> 18:14.490
ist.

18:14.630 --> 18:16.910
Darauf hatte ich ja vorher schon eingegangen.

18:17.530 --> 18:20.090
Man muss jetzt irgendwie den Spagat schaffen.

18:20.270 --> 18:23.330
Es gab innerhalb der Jury eine große Skepsis gegenüber solchen

18:23.330 --> 18:24.830
Zentrenlösungen.

18:25.270 --> 18:28.610
Weil die Zentren meistens in Verteilungskämpfen oder

18:28.610 --> 18:31.830
Entscheidungsprozessen gegenüber den Fächern immer den kürzeren

18:31.830 --> 18:32.390
ziehen.

18:33.510 --> 18:36.810
Deshalb ist das sehr problematisch gesehen worden.

18:37.330 --> 18:40.790
Andererseits muss man sich was überlegen, wenn man ein hochschulweites

18:40.790 --> 18:43.310
Angebot schaffen will, wie man das organisiert.

18:43.930 --> 18:46.090
Und da muss man halt eine Lösung finden.

18:46.190 --> 18:48.290
Das wäre jedenfalls mein Fazit.

18:48.670 --> 18:51.810
Also nicht zu sagen, ein Zentrum ist doof, das wollen wir nicht, das

18:51.810 --> 18:52.910
ist einfach zu einfach.

18:53.390 --> 18:59.870
Aber man muss gucken, wie man die Fächer einbindet in diese

18:59.870 --> 19:00.470
Verantwortung.

19:00.470 --> 19:04.950
Also sie dürfen nicht das Gefühl haben, wir machen das Fach und um den

19:04.950 --> 19:07.210
Rest kümmern wir uns nicht, das macht irgendwer.

19:07.550 --> 19:11.470
Also so eine Aufgabenteilung, die ist allenfalls auf dem Papier

19:11.470 --> 19:16.510
überzeugend, aber in der Wirklichkeit meistens nicht.

19:18.710 --> 19:19.230
Ressourcen.

19:20.630 --> 19:22.350
Nochmal gegen den Trend.

19:22.630 --> 19:27.350
Die Ressourcen und der Modellcharakter ist das, woran, was insgesamt

19:27.350 --> 19:33.790
über alle Anträge hinweg am schlechtesten beurteilt worden ist, ist

19:33.790 --> 19:37.170
für die Technischen Hochschulen viel besser beurteilt worden.

19:37.290 --> 19:40.710
Das ist schon auch ein Signal dafür, dass die Hochschulleitungen auch

19:40.710 --> 19:42.390
erkannt haben, das ist schon wichtig.

19:42.610 --> 19:46.770
Und da auch Gelder investieren, also das ernst nehmen.

19:51.130 --> 19:54.790
Aber insgesamt halt in vielen Fällen desolat.

19:55.610 --> 19:59.850
Und hinsichtlich des Modellcharakters muss ich selbstkritisch sagen,

20:00.350 --> 20:04.130
also hinsichtlich der Projekte, die wir selber ausgezeichnet haben,

20:04.790 --> 20:09.000
selbst da bin ich skeptisch, wie weit die übertragbar sind.

20:10.000 --> 20:16.500
Jetzt überspringe ich nochmal eine Folie, da können Sie schnell einen

20:16.500 --> 20:19.220
Blick drauf werfen.

20:19.960 --> 20:23.960
Mir ist die letzte Folie nochmal wichtig.

20:24.500 --> 20:27.900
Also wenn ich rückblickend auf den Wettbewerb zurückgucke, was wäre

20:27.900 --> 20:33.620
denn Best Practice und welchen Rat oder welche Empfehlung würde ich

20:33.620 --> 20:35.760
den Technischen Hochschulen geben?

20:36.590 --> 20:40.200
Den ganzheitlichen Bildungsbegriff, für den Sie so gelobt worden sind

20:40.200 --> 20:43.940
und den Sie alle, da könnte ich hier, also von der TU München, Uni

20:43.940 --> 20:50.180
Karlsruhe, Darmstadt könnte ich wunderbare Beispiele bringen, in

20:50.180 --> 20:54.280
konkrete Studienziele und Inhalte übersetzen.

20:55.000 --> 21:01.340
Wenn sich das da nicht wiederfindet, dann ist das einfach ein Problem.

21:01.340 --> 21:04.260
Und auch da möchte ich nochmal das Positionspapier zitieren.

21:04.700 --> 21:08.800
Auf allen Stufen der akademischen Ausbildung ist dann neben der

21:08.800 --> 21:11.800
Fachexpertise der Erwerbs- und Studienqualifikationen zu

21:11.800 --> 21:12.640
berücksichtigen.

21:13.620 --> 21:15.500
Auf allen Stufen der Ausbildung.

21:16.040 --> 21:20.640
Dann, curriculare Verbindlichkeit deutlich erhöhen.

21:21.120 --> 21:24.600
Also nach dem Wettbewerb muss ich für den Stifterverband sagen, das

21:24.600 --> 21:27.780
ist aus unserer Sicht die Gretchenfrage für die Technischen

21:27.780 --> 21:29.020
Hochschulen.

21:29.020 --> 21:31.340
Wie halte ich es mit der Verbindlichkeit?

21:32.860 --> 21:37.840
Wie ernst eine Hochschule ihren ganzheitlichen Bildungsauftrag nimmt?

21:38.580 --> 21:44.660
Und wie glaubwürdig sie ist, erweist sich nach unserer Auffassung eben

21:44.660 --> 21:48.560
maßgeblich, nicht nur, aber maßgeblich in der Verbindlichkeit.

21:49.900 --> 21:54.280
Soft-Skills-Domänen-spezifische Schulen, angebunden ans Fach.

21:54.740 --> 21:58.460
Keine eigenen Kurse, also Kurse für Projektmanagement,

21:58.620 --> 21:59.840
Konfliktmanagement und so.

22:00.120 --> 22:03.520
Kann ich mir ganz viel sparen und dadurch auch Freibeime im Curriculum

22:03.520 --> 22:07.320
schaffen, wenn ich meine Lehrformate entsprechend ändere.

22:07.600 --> 22:11.980
Dass das einfach vorkommt, dass ich das als Studierender üben,

22:12.060 --> 22:13.520
trainieren, anwenden muss.

22:13.520 --> 22:16.820
Allerdings muss ich es schon auch explizit thematisieren.

22:17.140 --> 22:22.200
Sonst weiß ich nämlich als Studierende überhaupt gar nicht, dass ich

22:22.200 --> 22:25.540
da vielleicht eine Kompetenz erworben habe.

22:25.900 --> 22:27.880
Also das ist nochmal das Thema Studienarbeit.

22:28.060 --> 22:32.900
Es ist schon oft eine gute Methode, um Projektmanagement zum Beispiel

22:32.900 --> 22:33.520
zu schulen.

22:33.980 --> 22:36.840
Aber es muss den Studierenden auch klar kommen und ich muss vielleicht

22:36.840 --> 22:38.460
auch mal gezielten Input machen.

22:38.740 --> 22:41.420
Aber während der Veranstaltung, dafür brauche ich nicht unbedingt

22:41.420 --> 22:42.580
einen extra Kurs.

22:45.120 --> 22:49.780
Aber für das Orientierungswissen ein strukturiertes Curriculum.

22:50.140 --> 22:54.460
Also nicht ein breites Angebot und da können die Studierenden daraus

22:54.460 --> 22:59.740
wählen, was ihnen jetzt mal gerade gut gefällt oder was aktuell ist.

23:00.120 --> 23:06.580
Sondern überlegen, was wäre besonders hilfreich, was wäre sinnvoll.

23:07.600 --> 23:09.780
Also statt der großen Beliebigkeit.

23:09.780 --> 23:13.860
Und letzter Punkt, das Commitment der Fachbereiche sicherstellen.

23:14.300 --> 23:17.200
Die Vermittlung von Schlüsselqualifikationen ist letztlich wie

23:17.200 --> 23:22.220
überhaupt die Lehre, ist letztlich die Verantwortung der Fächer.

23:22.960 --> 23:27.180
Und das fachliche Fundament, also das kann auch nur als Fundament

23:27.180 --> 23:29.320
wirken, wenn es eine enge Verbindung gibt.

23:29.680 --> 23:32.300
Und wenn die Vermittlung von Schlüsselqualifikationen nicht völlig

23:32.300 --> 23:33.340
abgekoppelt wird.

23:34.180 --> 23:35.080
Herzlichen Dank.

