WEBVTT

00:03.460 --> 00:07.240
Gut zwei Kilometer Sicherheitsabstand muss die Deutsche Bahn im

00:07.240 --> 00:09.400
Augenblick zwischen zwei Zügen einhalten.

00:09.760 --> 00:13.320
Grund dafür ist die Ungenauigkeit, mit der an der Strecke montierte

00:13.320 --> 00:16.600
Achszähler die jeweilige Position eines Zuges angeben können.

00:17.120 --> 00:20.760
Ein junges Wissenschaftlerteam am KIT hat jetzt ein revolutionäres

00:20.760 --> 00:24.060
Ortungssystem entwickelt, mit dem die Position der Züge auf sage und

00:24.060 --> 00:26.560
schreibe 50 Zentimeter genau bestimmt werden kann.

00:26.560 --> 00:30.240
Vor allem der Güterverkehr könnte damit im Minutentakt rollen.

00:30.420 --> 00:31.700
Man könnte mehr Züge fahren lassen.

00:31.900 --> 00:33.680
Der Abstand kann dann kleiner werden zwischen den Zügen.

00:33.800 --> 00:36.620
Das ist natürlich das Ziel, dass wir nicht ein, zwei, drei Kilometer

00:36.620 --> 00:39.840
als kleinstmöglichen Abstand haben, sondern zwei, drei hundert Metern.

00:39.940 --> 00:41.040
Man wird auch Geld sparen.

00:41.220 --> 00:44.180
Die streckenseitige Ausrüstung, die man im Moment braucht an der

00:44.180 --> 00:45.700
Strecke, die kann verzichtet werden.

00:45.840 --> 00:48.540
Für den Betreiber ist es günstiger, auch eine wenig benutzte Strecke

00:48.540 --> 00:49.760
noch am Laufen zu halten.

00:50.000 --> 00:53.040
Und auf entsprechend mehr ausgelasteten Strecken können auch mehr Züge

00:53.040 --> 00:53.300
fahren.

00:53.420 --> 00:55.560
Also der Abstand zwischen den Zügen kann größer werden.

00:55.560 --> 00:59.600
Carsten Hasberg arbeitet am Institut für Mess- und Regelungstechnik

00:59.600 --> 01:00.280
des KIT.

01:00.900 --> 01:04.400
Er ist sich bewusst, dass das dort entwickelte neue Ortungssystem für

01:04.400 --> 01:08.780
Schienenfahrzeuge einen äußerst sensiblen Sicherheitsbereich des

01:08.780 --> 01:10.100
Zugverkehrs berührt.

01:10.680 --> 01:14.440
Zwischen Ettlingen und Bad Herrenalp wurde deshalb eine Teststrecke

01:14.440 --> 01:18.300
eingerichtet, in der der Sensor auf elektromagnetischer Basis ein

01:18.300 --> 01:22.620
ganzes Jahr lang seine Alltagstauglichkeit unter Beweis stellen muss.

01:22.620 --> 01:26.060
Da optische Systeme zu anfällig sind, vor allem durch Schmutz und

01:26.060 --> 01:27.660
Wasser und Ähnliches, arbeiten wir elektromagnetisch.

01:28.520 --> 01:31.760
Das bedeutet, wir registrieren Metall und durch magnetische Effekte

01:31.760 --> 01:35.220
können wir diese Änderung detektieren und haben sozusagen ein

01:35.220 --> 01:36.740
elektromagnetisches Messprinzip.

01:36.880 --> 01:40.460
Wir erzeugen Felder und diese Felder erzeugen in der Schiene wiederum

01:40.460 --> 01:42.900
ein Feld und dieses Feld, was in der Schiene erzeugt wird, das können

01:42.900 --> 01:43.520
wir wieder messen.

01:43.640 --> 01:46.080
Und durch die Messung dieses erzeugten Feldes können wir die

01:46.080 --> 01:46.880
Geschwindigkeit bestimmen.

01:46.880 --> 01:50.540
Teamkollege Stephan Hensel denkt an eine weitere Möglichkeit des neuen

01:50.540 --> 01:51.160
Sensors.

01:51.600 --> 01:55.220
Sind die charakteristischen Magnetfelder auf einer Strecke erst einmal

01:55.220 --> 01:59.460
gescannt und gespeichert, lässt sich die jeweilige Position des Zuges

01:59.460 --> 02:01.080
noch zuverlässiger erkennen.

02:01.480 --> 02:03.680
Mit was wir uns auch beschäftigen, ist die Mustererkennung.

02:03.860 --> 02:06.600
Das bedeutet, wenn wir einmal über eine Weiche gefahren sind, ist es

02:06.600 --> 02:09.480
uns möglich, die Weiche wieder im Signal zu finden und dadurch genau

02:09.480 --> 02:10.640
den Zug zu lokalisieren.

02:10.860 --> 02:13.260
Das heißt, wir können nicht nur die Geschwindigkeit bestimmen, sondern

02:13.260 --> 02:14.880
auch Weichen wiederfinden in dem Signal.

02:14.880 --> 02:18.200
Als Fernziel allerdings wird den Lokführern weniger gefallen.

02:18.720 --> 02:22.140
Carsten Hasberg sieht die Möglichkeit, dass man wirklich auf ein

02:22.140 --> 02:25.260
Fahrrad verzichten kann und die Bahn eben auf diesem Brennabstand

02:25.260 --> 02:27.420
fahren lässt, ohne dass ich da noch Menschen brauche, die den

02:27.420 --> 02:27.840
bedienen.

02:28.020 --> 02:31.040
Stephan Fuchs, Karlsruher Institut für Technologie.

