WEBVTT

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Hier an der Uni, der Radio-Regenbogen-Campus-Report.

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Kaum ein Werkstoff ist so vertraut wie Zement.

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Schließlich haben schon die Römer mit der gebrannten Kalk als

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Bindemittel experimentiert.

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Und spätestens seit dem 18.

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Jahrhundert gibt es den Zement, den wir heute gebrauchen.

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Aber nichts ist so gut, dass man es nicht noch besser machen könnte.

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Wissenschaftler am KIT haben sich den Zement mit Hightech-Verfahren

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angeschaut und den altbekannten Mauerklebstoff nochmal einmal ganz neu

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erfunden.

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Beim Zementbrennen wird CO2 nicht nur aus den Brennstoffen

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freigesetzt, sondern auch aus den Rohstoffen.

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Je mehr Kalk Sie beim Zementherstellen verbrauchen, desto höher ist

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der CO2-Anteil, den Sie in die Atmosphäre emittieren.

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Das sind weltweit immerhin 5 Prozent der gesamten CO2-Emission.

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Dr. Peter Stemmermann, Abteilungsleiter am Institut für Chemische

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Technik, ist eigentlich Mineraloge.

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Dass auch bei der Zementherstellung weniger unter Umständen mehr sein

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kann, hat er durch Grundlagenforschung mit den neuesten

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nanotechnologischen Untersuchungsinstrumenten herausbekommen.

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Wenn man mit einem Mikroskop in einen herkömmlichen Beton hineingucken

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würde, dann würde man nichts sehen.

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Wenn man ein Mikroskop hätte, was bis auf die Größenordnung von 10

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Angstströmen, das sind also 100 Durchmesser eines Wasserstoffatoms,

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gucken könnte, dann würde man erst die Partikel sehen.

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Bis zur Hälfte der klimaschädlichen CO2-Emissionen und jede Menge

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Energie können durch den am KIT entwickelten neuen Zement Silitement

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eingespart werden, bei gleicher Festigkeit wohlgemerkt.

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Die beim Abbinden von konventionellem Zement entstehenden

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Hauptprodukte, die kann man in zwei Gruppen teilen.

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Die einen bringen tatsächlich Festigkeit, die andere Hälfte etwa der

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Produkte, die beim Zementabbinden entsteht, die braucht man eigentlich

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gar nicht.

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Und die haben wir einfach weggelassen.

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Das heißt, wir haben kein Problem mit der Stabilität.

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In Kooperation mit dem Zementhersteller Schwenk wird jetzt eine

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Pilotanlage errichtet, die den neuen Zement zunächst in kleinen Mengen

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herstellen wird.

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Dr. Hans-Günter Meyer von der Stabsabteilung Innovation am KIT.

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Unsere große Chance steckt darin, zusammen mit dem Industriepartner

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die ganzen Genehmigungs- und Prüfverfahren durchzuführen.

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Ziel wird sein, am Anfang speziale Produkte anzuwenden, bevor auch der

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Massenmarkt des Zementes dazukommt.

