WEBVTT

00:03.240 --> 00:07.760
Die Berliner Große Koalition hat gerade das zweite milliardenschwere

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Rettungspaket verabschiedet.

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Die chinesische Regierung pumpt über 400 Milliarden Euro zur

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Ankurbelung der Konjunktur in den heimischen Markt.

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Mit Amtsantritt des neuen amerikanischen Präsidenten wird es neue

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staatliche Subventionen für die US-Automobilindustrie geben.

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Also das Krisenjahr 2009 stellt alle bisherigen wirtschaftspolitischen

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Glaubensbekenntnisse auf den Kopf.

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Die viel geschmähten Konjunkturprogramme der 70er Jahre haben wieder

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Konjunktur.

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Man hat ja hier in den letzten Jahren von Bankerseite dann häufig auf

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die USA oder auf England gezeigt, um zu sagen, da sind die wahren

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Stärken in der Zukunft.

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Das ist völlig zusammengebrochen, dieses Argument.

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Die wahren Stärken in der Zukunft liegen im realwirtschaftlichen

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Bereich.

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In der Möglichkeit, gute Produkte zu erzeugen, nicht in der

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Möglichkeit, neue Anlageformen zu kreieren.

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Die eigentlichen Ursachen der schweren Krise, die das Jahr 2009

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überschattet, liegen für Professor Werner Rothengatter vom Institut

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für Wirtschaftspolitik und Wirtschaftsforschung des KIT in der völlig

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absurden Abkopplung des Finanzsektors von der wahren produzierenden

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Wirtschaft.

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Getrieben wurde diese Entwicklung durch das Märchen von Gewinnen weit

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jenseits der Wachstumsrate.

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Selbsternsthafte Banken haben ja versucht, zu einer Rendite zu kommen,

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die bei 25 Prozent ihres Eigenkapitals liegt.

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Das sind völlig überzogene Zahlen.

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Die sind jetzt Gott sei Dank vom Tisch.

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Man besinnt sich wieder auf das normale Bankgeschäft.

01:32.660 --> 01:35.660
Man besinnt sich darauf, dass der Kunde eigentlich das Geld auch für

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die Banken bringt, was die Banken brauchen.

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Denn dieses normale Kundengeschäft ist völlig vernachlässigt worden

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gegenüber dem Investmentgeschäft.

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Und das ist das Gute an dieser Krise, dass man sich wieder auf den

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Kunden besinnt.

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Allen Unkenrufen zum Trotz plädiert Professor Rothengatter

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nachdrücklich für gezielte Konjunkturprogramme, wie sie während der

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Krise von 1929 vom englischen Ökonomen John Keynes vorgeschlagen

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wurden.

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Ich glaube, hier gibt es gar keine Alternative.

02:02.640 --> 02:06.240
Hier ist es in der Tat erforderlich, dass jetzt die Staaten versuchen,

02:06.460 --> 02:11.180
mehr Nachfrage in die Märkte hineinzubringen, um diesen rapiden Abfall

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der Nachfrage auf einigen Märkten auszugleichen.

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Denn es führt kein Weg daran vorbei, dass man wieder die

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keynesianischen Rezepte aufgreift.

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Sie wären nach 1929 das richtige Rezept gewesen.

02:22.300 --> 02:25.600
Man hat es damals nicht gemacht, mit ungeahnten Folgen, auch für die

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Arbeitsmärkte.

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Und man muss es jetzt machen, damit solche Folgen für die

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Arbeitsmärkte nicht eintreten werden.

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Stefan Fuchs, Karlsruher Institut für Technologie.

