WEBVTT

00:07.000 --> 00:10.320
Heute ist die Abschlussveranstaltung unserer Vortragsreihe

00:10.320 --> 00:12.980
Existentialist, Wege nach dem Diplom.

00:13.760 --> 00:18.440
Mit dem Hintergrund, einfach Wege nach dem Diplom auszuzeigen.

00:23.450 --> 00:29.610
Heute haben wir einen klassischen Architekten hier bei uns.

00:30.870 --> 00:37.670
Und Alexander Ruhle arbeitet in Zürich bei Graber & Gröber.

00:37.670 --> 00:42.430
Er hat seit letztem Jahr die Diplom-Leitung übernommen.

00:43.250 --> 00:46.570
Davor war er in anderen Büros tätig.

00:46.970 --> 00:48.870
Während seines Studiums hat er an

00:57.530 --> 00:58.830
der Fakultät gearbeitet.

00:59.050 --> 00:59.870
Und hat dann auch

01:03.740 --> 01:11.540
2004 nach seinem Diplom bei Arno Lederer und Herrn Jansson seine

01:14.540 --> 01:16.620
praktische Tätigkeit auszulüben.

01:20.060 --> 01:27.350
Ich wünsche Euch allen viel Spaß und einen angenehmen Abend.

01:42.060 --> 01:47.300
Als ich das Plakat gesehen habe, da habe ich mich gefragt, was es mit

01:47.300 --> 01:50.460
dem Fluchtweg-Piktogramm eigentlich so genau auf sich hat.

01:51.200 --> 01:58.440
Mit diesen Exit-Strategies heißt es nichts wie weg aus Deutschland

01:58.440 --> 02:03.400
oder heißt es nichts wie weg aus Karlsruhe oder heißt es einfach nur

02:03.400 --> 02:05.140
was machen nach dem Diplom.

02:06.760 --> 02:11.860
Übrigens mündet das Fluchtweg Männchen mit den 3 in ein Treppenhaus,

02:12.080 --> 02:15.560
bei dem wir ein Jahr lang kämpfen mussten, bis uns die bewilligenden

02:15.560 --> 02:18.280
Behörden als Fluchttreppenhaus anerkannt haben.

02:19.000 --> 02:22.080
Es sieht sehr verwirrend aus, ist aber gar nicht so verwirrend.

02:22.340 --> 02:25.380
Das werde ich nachher zeigen, wie das funktioniert.

02:29.340 --> 02:33.040
Als ich angefragt wurde, hier diesen Vortrag zu halten, da habe ich

02:33.040 --> 02:37.700
mir überlegt, über was soll ich eigentlich referieren, was soll das

02:37.700 --> 02:39.000
für ein Vortrag werden.

02:40.100 --> 02:43.520
Ein Vortrag über mich oder was ich gemacht habe, das hätte ich

02:43.520 --> 02:47.600
irgendwie für etwas vermessen oder vielleicht auch für zu früh in

02:47.600 --> 02:51.360
meinem Alter und meiner Position, in der ich jetzt bin.

02:52.540 --> 02:55.880
Ein Vortrag über Architektur oder unsere Projekte soll es auch nicht

02:55.880 --> 02:58.140
wirklich werden, da würde ich mich auch zum Großteil mit

02:58.140 --> 03:04.440
Fernpilotlehrern schmücken, weil ich ja nur Mitarbeiter bin eigentlich

03:04.440 --> 03:07.760
in diesem Büro, zwar mittlerweile in der Geschäftsleitung tätig, aber

03:07.760 --> 03:15.860
eines von fünf Geschäftsleitungsmitgliedern und federführend im

03:15.860 --> 03:20.160
Entwurf sind das natürlich immer noch Marco Graber und Dan Pulver.

03:21.060 --> 03:25.540
Das heißt, es soll sicher kein schwergewichtiger Architekturvortrag

03:25.540 --> 03:26.060
werden.

03:26.840 --> 03:30.020
Ich werde auch wenig übliche Architekturbilder oder Pläne zeigen.

03:31.140 --> 03:33.880
Ich habe es eigentlich eher gegriffen als eine Art Infomöglichkeit,

03:34.020 --> 03:34.800
auch für euch.

03:37.460 --> 03:41.360
Um meine Erfahrungen einfach zu zeigen, zu berichten, was ich gemacht

03:41.360 --> 03:43.280
habe, wie sich das bei mir entwickelt hat.

03:43.860 --> 03:46.500
Ich werde deshalb den Vortrag auch möglichst kurz halten.

03:46.680 --> 03:49.260
Ich habe es nur als Ziel gesetzt, nicht länger als eine Stunde auf

03:49.260 --> 03:49.800
jeden Fall.

03:50.640 --> 03:54.800
Und ich würde mich freuen, wenn ihr mir einfach Fragen stellt und wir

03:54.800 --> 03:56.480
in das Gespräch kommen könnten.

03:58.000 --> 04:02.120
Zum Einstieg ein paar Informationen zu unserem Büro.

04:04.260 --> 04:09.700
Wir haben zwei Büros, eins in Zürich und eins in Bern.

04:10.760 --> 04:15.320
Als ich dazugekommen bin, 2004, waren wir insgesamt in beiden Büros

04:15.320 --> 04:16.000
zusiebt.

04:17.880 --> 04:22.360
Ich bin eingestellt worden, nachdem kurzfristig im Wettbewerb mit 170

04:22.360 --> 04:25.440
Wohneinheiten gewonnen wurde und einfach Not am Mann war.

04:26.440 --> 04:32.120
Von diesen sieben Personen, 2004, haben wir uns dann aufgrund einer

04:32.120 --> 04:36.520
Phase von zahlreichem Wettbewerbsgewinn entwickelt, auch heute 36

04:36.520 --> 04:41.420
Personen, in beiden Büros Bern und Zürich, ungefähr 50-50 verteilt.

04:42.660 --> 04:47.180
Wie ich schon gesagt habe, haben wir fünf Geschäftsleitungsmitglieder,

04:47.520 --> 04:50.380
die zusammen diese beiden Büros am Laufen halten.

04:50.380 --> 04:56.960
Das sind Marco Krawer, Tom Kulver, Thomas Wins, der das Büro in Bern

04:56.960 --> 05:01.700
leitet, ich bin der Büroleiter in Zürich und wir haben dann auch Susan

05:01.700 --> 05:06.260
Graf, die hauptsächlich die Administration macht, sie ist auch keine

05:06.260 --> 05:12.560
Architektin, sondern versucht uns administrativ, technisch, finanziell

05:12.560 --> 05:13.520
am Laufen zu halten.

05:13.520 --> 05:19.620
So sind wir gegliedert und wir betreuen eben zu fünft unsere 36 Leute.

05:20.600 --> 05:25.400
Das machen hauptsächlich die beiden Büroleiter, was den Alltag

05:25.400 --> 05:25.780
anbelangt.

05:26.920 --> 05:31.020
Und Marco Krawer und Tom Kulver sind dann einfach mindestens einen

05:31.020 --> 05:36.260
ganzen Tag pro Woche zum Showfix in einem Büro und dem anderen Büro,

05:36.560 --> 05:38.400
wo die Projekte durchgesprochen werden.

05:38.400 --> 05:43.840
Und ansonsten sind sie natürlich auch viel unterwegs mit verschiedenen

05:43.840 --> 05:47.240
ehrenamtlichen Tätigkeiten, Lehrtätigkeiten, Vorträgen und so weiter.

05:49.400 --> 05:54.280
Wir sind primär im Wettbewerbs- und Planungsbüro, lagern die

05:54.280 --> 05:56.180
Ausführungen meistens aus.

05:56.420 --> 05:59.120
Also es gibt nur wenige Projekte, die wir wirklich selbst dann auch

05:59.120 --> 06:00.560
bauen.

06:01.480 --> 06:04.620
Allerdings legen wir Wert darauf, dass wir wirklich bis zum letzten

06:04.620 --> 06:09.660
Detail planen dürfen und dass wir auch die gestalterische Oberleitung

06:09.660 --> 06:11.580
wirklich zu 100% machen dürfen.

06:12.220 --> 06:15.080
Das klappt eigentlich auch immer ganz gut, weil wir mittlerweile

06:15.080 --> 06:19.040
natürlich Partnerbüros haben, die für uns die Ausführungen machen, mit

06:19.040 --> 06:22.220
denen wir schon mehrere Projekte gemacht haben, mit denen wir auch

06:22.220 --> 06:24.240
seit Jahren schon zusammenarbeiten.

06:25.100 --> 06:27.320
Schwieriger wird es dann, wenn man gezwungen wird, mit irgendeinem

06:27.320 --> 06:29.320
Generalunternehmer zusammen zu arbeiten.

06:29.840 --> 06:31.640
Da kracht es dann schon öfter ein paar.

06:33.740 --> 06:40.120
Die Akquisition, wie gesagt, Wettbewerbsbüro läuft zu 98%, sage ich

06:40.120 --> 06:41.480
jetzt mal, über Wettbewerbe.

06:42.000 --> 06:45.940
Wir haben bis jetzt, glaube ich, nur zwei nennenswerte Direktaufträge

06:45.940 --> 06:50.160
gemacht und es zeigt sich auch immer mehr, dass die Wettbewerbe

06:50.160 --> 06:54.620
eigentlich unsere Akquisitionsform sind und wahrscheinlich auch

06:54.620 --> 06:59.240
bleiben werden, weil wir bei den Wettbewerben wirklich die Chance

06:59.240 --> 07:05.400
haben, in einer sehr dichten Anfangsphase, ohne fremde Einflüsse, ohne

07:05.400 --> 07:10.920
Störungen, ohne Diskussionen mit Bauherrschaften, Auftraggebern, ein

07:10.920 --> 07:12.380
Projekt entwickeln zu dürfen.

07:13.360 --> 07:17.660
Und ein Wettbewerbssiegerprojekt natürlich auch eine gewisse

07:17.660 --> 07:22.080
Verbindlichkeit hat, sprich ein Bauherr eigentlich schon ein fast

07:22.080 --> 07:25.840
fertiges Projekt, zumindest was das Konzept und die Idee anbelangt,

07:25.860 --> 07:30.280
kauft und wir dadurch eine gewisse Sicherheit haben, dass wir wirklich

07:30.280 --> 07:34.040
auch das weiterentwickeln und bauen dürfen, was wir im Wettbewerb

07:34.040 --> 07:35.060
konzipiert haben.

07:36.500 --> 07:37.940
Wir machen ca.

07:38.000 --> 07:43.580
2-3 Wettbewerbe gleichzeitig immer, ungefähr 10 pro Jahr sind das

07:43.580 --> 07:49.500
dann, die wir machen und wie gesagt, hatten in den letzten Jahren das

07:49.500 --> 07:54.420
Glück, doch einige zu gewinnen und aus denen dann auch einige

07:54.420 --> 07:57.000
Großprojekte resultiert haben.

07:57.100 --> 08:01.020
Zur Zeit haben wir 6 Großprojekte in der Arbeitung, die liegen

08:01.020 --> 08:04.860
zwischen 30 und 250 Millionen Franken Bausumme.

08:06.080 --> 08:08.860
Zwischendurch machen wir auch kleine Projekte, wie gesagt auch mal

08:08.860 --> 08:12.940
Direktaufträge, das sind aber mehr so Lückenfüller und sind auch

08:12.940 --> 08:17.240
natürlich nicht die Projekte, die die Büros am Laufen halten und die

08:17.240 --> 08:20.240
auch die Büros finanziell absichern.

08:20.680 --> 08:25.220
Diese Großprojekte haben einen Horizont bis 2013 momentan bei uns, das

08:25.220 --> 08:26.820
heißt soweit können wir planen.

08:27.060 --> 08:30.880
Bis 2013 wissen wir eigentlich, woran wir arbeiten werden, was

08:30.880 --> 08:33.460
natürlich nicht heißt, dass wir weiterhin Wettbewerbe machen müssen

08:33.460 --> 08:38.180
und diese Auftragslage stabil halten und vor allem eben auch die

08:38.180 --> 08:41.080
Verantwortung für 36 Mitarbeiter diesbezüglich übernehmen.

08:44.450 --> 08:49.020
Wie ich schon gesagt habe, ich bin in der Geschäftsleitung mittätig.

08:49.730 --> 08:52.190
Ich habe die Leitung für das Büro Zürich übernommen.

08:52.830 --> 08:58.730
Das heißt, dass ich neben den Projekten, die ich betreue, ganz viel

08:58.730 --> 09:01.110
Administratives machen muss.

09:01.270 --> 09:04.430
Das sind im Prinzip Sekretärinnenjobs in Anführungszeichen.

09:05.190 --> 09:11.450
Da geht es um Teamzusammensetzung, um die Personalrekrutierung, um die

09:11.450 --> 09:16.770
generelle Büroorganisation, Infrastruktur, EDV und so weiter.

09:17.050 --> 09:23.670
Das heißt, das ist die klassische Architektentätigkeit, die beschränkt

09:23.670 --> 09:28.570
sich irgendwann immer mehr, je größer das Büro wird und je mehr

09:28.570 --> 09:32.370
leitende Tätigkeiten man ausüben muss.

09:48.320 --> 09:53.820
Da seht ihr ein Plakat, das haben wir zu unserer letzten Buchrevisage

09:53.820 --> 09:55.140
herausgebracht.

09:55.580 --> 10:02.060
Das zeigt die damals, also vor zwei Jahren, bereits fertiggestellten

10:02.060 --> 10:03.980
oder in Ausführungen befindlichen Projekte.

10:04.780 --> 10:08.140
Alle im gleichen Maßstab, 1 zu 500 waren die damals gezeichnet.

10:08.620 --> 10:13.160
Ganz oben links seht ihr ein Ferienhaus in Wallis und unten liegend

10:13.160 --> 10:16.300
seht ihr eine Müllverbrennungsanlage in Bern, bei der es jetzt

10:16.300 --> 10:17.780
demnächst richtig losgeht.

10:18.520 --> 10:22.720
Die hat eine Länge von 320 Metern, das Gebäude.

10:23.820 --> 10:28.540
Dazwischen sind unterschiedlichste Sachen, was unser Büro auch mit

10:28.540 --> 10:29.160
auszeichnet.

10:29.320 --> 10:33.440
Das ist einfach auch unser Anspruch, möglichst viele verschiedene

10:33.440 --> 10:34.980
Arten von Projekten zu machen.

10:35.180 --> 10:40.140
Wir wollen uns nicht spezialisieren auf Wohnbauten oder Gewerbebauten

10:40.140 --> 10:42.740
oder sonstige technische Gebäude oder Schulbäume.

10:42.740 --> 10:45.880
Wir haben den Anspruch, bei ganz unterschiedlichen Wettbewerben

10:45.880 --> 10:51.660
mitzumachen und ganz unterschiedliche Sachen zu bearbeiten.

10:52.180 --> 10:55.720
Das führt natürlich auch dazu, dass wir ein Stück weit das Rad neu

10:55.720 --> 11:00.160
erfinden wollen und diesbezüglich dann auch nicht sonderlich effizient

11:00.160 --> 11:00.740
arbeiten.

11:02.280 --> 11:05.260
Aber es ist uns dennoch wichtig und es macht Spaß.

11:13.420 --> 11:17.520
So sieht es aus, wenn ich länger an meinem Arbeitsplatz sitze abends.

11:17.520 --> 11:21.320
Ich hoffe, man erkennt ein bisschen was an so einem Startschuss von

11:21.320 --> 11:22.760
mir mit der Digitalkamera.

11:23.500 --> 11:27.060
Das ist unser Büro in Zürich, das liegt an der Siel- und

11:27.060 --> 11:29.800
Limmatmündung, wo die beiden zusammenfließen.

11:30.440 --> 11:34.640
Gegenüber ist das Marriott Hotel und da stattet sich so der Berg in

11:34.640 --> 11:38.620
Richtung Oenk nach oben, wo dann die Äthiakien sind.

11:46.260 --> 11:49.740
Als ich eingeladen wurde, hier an meiner alten Uni einen Vortrag zu

11:49.740 --> 11:53.660
halten und den Studenten von meinen Erfahrungen zu berichten, habe ich

11:53.660 --> 11:57.300
mich zunächst einmal gefragt, komme ich als Gast oder als Heimkehrer?

11:58.260 --> 12:01.580
Als Gast müsste ich mich im Vornehmen zurückhalten gegenüber dem

12:01.580 --> 12:02.520
Gastgeber üben.

12:03.200 --> 12:06.380
Als Heimkehrer hingegen, geprägt von den mittlerweile gemachten

12:06.380 --> 12:10.300
Erfahrungen, dürfte ich mich durchaus kritisch mit der alten Heimat

12:10.300 --> 12:11.200
auseinandersetzen.

12:12.640 --> 12:16.520
Ich habe mich dafür entschieden, beides zu sein, ein wenig Gast und

12:16.520 --> 12:21.060
ein wenig Heimkehrer, so dass ich beides darf, mich zu gewissen Dingen

12:21.060 --> 12:24.700
bedeckt halten, anderes vielleicht aber auch vorsichtig präzisieren.

12:26.820 --> 12:31.640
Als Kleinkind wollte ich Zimmermann werden, das weiß ich noch genau.

12:32.520 --> 12:36.020
Was mir allerdings nicht mehr ganz klar ist, hat mich das Konstruieren

12:36.020 --> 12:39.740
mit Holz fasziniert, die Kunst aus zunächst einmal zweidimensionalen,

12:39.800 --> 12:43.080
linearen Kanthölzern, mittels vielfältiger Knoten und

12:43.080 --> 12:47.240
Verbindungsmitteln, dreidimensionale Konstruktionen zu schaffen, Bäume

12:47.240 --> 12:50.760
entstehen zu lassen, oder war ich einfach nur beeindruckt von der

12:50.760 --> 12:54.080
Vorstellung, einmal selbstständige Balken mit dem Gabelstapler von

12:54.080 --> 12:57.460
einem LKW abzuladen und geschickt über den Hof der Zimmerei zu meinem

12:57.460 --> 12:57.940
Friedhof.

12:58.800 --> 13:01.360
Als kleiner Junge, vordergründig wahrscheinlich Letzteres.

13:02.580 --> 13:05.140
Später in meiner Kindheit hatte ich eine Phase, in der ich

13:05.140 --> 13:07.280
Wohnwagenkonstrukteur werden wollte.

13:08.260 --> 13:10.780
Ich kann mich erinnern, dass ich immer, wenn wir mit der Familie im

13:10.780 --> 13:14.060
Süden unterwegs waren, und wir auf der Autobahn diese unsäglichen

13:14.060 --> 13:18.380
Wohnwagengespanne überholt haben, abgeschätzt habe, wie lang die

13:18.380 --> 13:21.760
Anhänger wohl waren, und mir anhand der Länge und der Position der

13:21.760 --> 13:24.920
Fenster und der Tür versucht habe, den Grundriss vorzustellen.

13:27.440 --> 13:29.780
Wohnwagen sind nämlich so eine Art Meterware.

13:31.040 --> 13:34.540
Breite und Dürre sind oft in funktionaler und gesetzlicher Zwänge

13:34.540 --> 13:37.980
annähernd normiert, die Länge hingegen variabelt.

13:39.080 --> 13:42.100
Und an der jeweiligen Länge lässt sich ohne weiteres der soziale

13:42.100 --> 13:43.900
Status des Besitzers ablesen.

13:45.020 --> 13:48.720
Sowohl die langen Tandemachsmodelle mit goldenen Zierreisten und

13:48.720 --> 13:52.840
schweren Brokatvorhängen auch meist von einem 300er Mercedes gezogen.

13:53.620 --> 13:57.320
Bei den kleineren Wohnanhängern musste sich hingegen ein Opel Kadett

13:57.320 --> 14:00.620
abmühen, und zwar fast immer mit gelbem Nummernschild.

14:01.740 --> 14:04.800
Aber das war natürlich noch vor MVRDV und dem Boom in Holland.

14:06.600 --> 14:10.320
Das Wohnwageninteresse ging dann so weit, dass ich am Ferienort

14:10.320 --> 14:14.180
angekommen, Tage damit verbrachte, auf einem kapierten Schreibblock

14:14.180 --> 14:17.620
unsägliche Varianten von Wohnwagengrundrissen zu entwickeln.

14:18.600 --> 14:22.080
Damals kannte ich den Neufort natürlich noch nicht, ansonsten wäre ich

14:22.080 --> 14:25.440
sicher auf die Idee gekommen, meine gesammelten Ferienprodukte in Form

14:25.440 --> 14:27.580
eines Wohnwagenneuforts zu Geld zu machen.

14:29.840 --> 14:33.240
Im Laufe meiner Gymnasialzeit wurde ich dann scheinbar zu erwachsen,

14:33.460 --> 14:37.140
als dass ich mich noch für Gartenstapel oder Wohnwagen interessiert

14:37.140 --> 14:41.060
hätte, und war schließlich bereits lange vor dem Abitur, sicher auch

14:41.060 --> 14:44.660
motiviert durch den Bau des elterlichen Einfamilienhauses, fest

14:44.660 --> 14:46.200
entschlossen Architekt zu werden.

14:47.900 --> 14:50.280
Zwischenzeitlich hatte ich zwar noch mit dem Gedanken gespielt, den

14:50.280 --> 14:53.580
Traum vom schwarzen Porsche und den schicken Schuhen gegen einen

14:53.580 --> 14:57.260
sicheren Beamtenjob als Gymnasiallehrer für Kunst und Deutsch

14:57.260 --> 15:01.020
einzutauschen, am Schluss überbruch allerdings die Verlockung des

15:01.020 --> 15:04.340
schwarzen Porsches, den ich natürlich bis heute nicht präsentiere.

15:06.300 --> 15:09.940
Rückblickend scheine ich zu begreifen, auch mit dem Risiko, ein

15:09.940 --> 15:13.640
typisches Geschenk aus Architektenbiografien zu bemühen, dass ich

15:13.640 --> 15:17.020
bereits seit meiner Kindheit eine gewisse Affinität zur Behausung und

15:17.020 --> 15:19.100
deren Konstruktion entwickelt hatte.

15:19.880 --> 15:23.220
Das Konstruieren übte ich dann nach dem Abitur, als ich zwei Jahre

15:23.220 --> 15:25.440
lang nebenbei in einer Zimmerei arbeitete.

15:26.440 --> 15:28.680
Auf den Baustellen machte ich natürlich die Bekanntschaft der

15:28.680 --> 15:32.500
Architekten und interessierte mich bald nur noch für die Ideen, die

15:32.500 --> 15:33.900
hinter den Plänen steckten.

15:35.320 --> 15:39.180
So bewahrte ich mich an meinen zukünftigen Wunschstudienort, keine

15:39.180 --> 15:43.720
Ahnung, warum das Karlsruhe war, in mehreren Architekturbüros an meine

15:43.720 --> 15:44.760
Praktikantenstelle.

15:45.740 --> 15:48.900
Vorher erkundigte ich mich noch bei Herrn Weberer, in welchem Büro

15:48.900 --> 15:50.280
sich denn etwas lernen könne.

15:51.140 --> 15:54.620
Schließlich landete ich bei Fayit Musa im Büro, wo ich ein halbes Jahr

15:54.620 --> 15:57.660
bis zum Studienbeginn und dann immer wieder während des Studiums

15:57.660 --> 15:59.900
arbeiten konnte und einiges gelernt hatte.

16:02.380 --> 16:05.320
Voller Spannung erwartete ich das erste Semester an der Uni.

16:06.520 --> 16:09.640
Ich ging dorthin mit der Vorstellung, man würde mir beibringen, wie

16:09.640 --> 16:10.700
Architektur geht.

16:11.640 --> 16:15.660
Stattdessen mussten wir Kehl-, Schweißnähte- und Nagelverbindungen

16:15.660 --> 16:20.540
berechnen, Vermessungsübungen machen und Wärmedämmenberechtigungen

16:20.540 --> 16:21.180
anstellen.

16:22.060 --> 16:25.700
Und man versuchte uns allen ernstes Weiß zu machen, das alles wollten

16:25.700 --> 16:27.500
wir später täglich dann entwerfen.

16:29.240 --> 16:32.860
Ich empfand den ganzen Plunder als Belästigung und als Belastung, denn

16:32.860 --> 16:36.160
er raubte mir die Zeit, die mir bei der Ausarbeitung meiner Entwürfe

16:36.160 --> 16:39.220
fehlte und die Energie, die ich gerne dazu verwendet hätte, mich

16:39.220 --> 16:41.400
tiefgreifend mit Architektur zu beschäftigen.

16:42.400 --> 16:45.960
Spätestens beim Vordiplom spürte ich dann, dass ich nicht so richtig

16:45.960 --> 16:46.880
von der Stelle kam.

16:48.500 --> 16:51.420
Ich fand an dieser Fakultät nichts mehr, das mich so richtig zu

16:51.420 --> 16:52.580
faszinieren vermochte.

16:53.340 --> 16:56.920
Ich hatte immer mehr das Gefühl, dass sowohl der Lehrbetrieb an der

16:56.920 --> 17:01.240
Fakultät als auch mein persönliches Studium einfach nur vorsichtigen

17:01.240 --> 17:01.980
Plätschern macht.

17:03.080 --> 17:04.620
Also beschloss ich wegzugehen.

17:05.840 --> 17:09.300
Nachdem ich bei einer leisigen Frau Bünden die dortige zeitgenössische

17:09.300 --> 17:12.940
Architektur gesehen hatte und Peter Zuntor Stern mir wieder etwas

17:12.940 --> 17:16.520
gegeben hatte, das mich wirklich faszinierte, beschloss ich mich,

17:16.700 --> 17:19.920
Material von Peter Zuntor an der Akademie an den Priester zu bewerben.

17:20.180 --> 17:21.160
Was dann auch klappte.

17:22.440 --> 17:25.520
Unabhängig von den Verpflichtungen eines Austauschprogramms und

17:25.520 --> 17:28.540
dennoch ausgestattet mit einem Stipendium der Studienstiftung des

17:28.540 --> 17:31.720
Deutschen Volkes, war es mir möglich, die Rosinen aus den

17:31.720 --> 17:34.080
Veranstaltungen an der Akademie heraus zu picken.

17:35.020 --> 17:38.540
Ich besuchte nur diejenigen Vorlesungen und Kritiken der Professoren,

17:38.680 --> 17:40.540
die mich interessierten und faszinierten.

17:41.300 --> 17:45.400
Neben Peter Zuntor waren das Kenneth Frampton, Luigi Snorzi, Francesco

17:45.400 --> 17:48.300
d 'Arco, Valerio Acciatti, Aurelio Gazzetti.

17:50.340 --> 17:53.540
Die Aura dieser Personen und die Inhalte, die sie imstande waren, zu

17:53.540 --> 17:57.400
vermitteln, vermochten mich in kürzester Zeit stärker zu bewegen als

17:57.400 --> 18:00.060
die vorangegangenen zwölf Semester in Karlsruhe.

18:00.900 --> 18:03.640
Wenn die Studienordnung an der Akademie ja nicht von mir verlangt

18:03.640 --> 18:06.640
hätte, so viele Prüfungen nachzuholen, hätte ich bei Peter Zuntor

18:06.640 --> 18:07.280
diplomiert.

18:08.140 --> 18:11.560
So aber kehrte ich nach Karlsruhe zurück, mit der festen Absicht, dort

18:11.560 --> 18:15.020
nur noch mein Diplom zu machen und mich anschließend in der Schweiz zu

18:15.020 --> 18:15.520
bewerben.

18:17.520 --> 18:18.820
Vergleicht habe ich es bereits getan.

18:18.920 --> 18:20.340
Wie bewirbt man sich in der Schweiz?

18:20.340 --> 18:24.420
Man kennt zwar die interessanten Büros, hat aber ansonsten bis auf ein

18:24.420 --> 18:27.520
paar Kontakte außen dem Visio keine leidenschaftliche Beziehung.

18:28.260 --> 18:31.360
Im Gegensatz zu Karlsruhe, wo ich natürlich ein ziemlich dichtes

18:31.360 --> 18:32.680
Beziehungsnetz zurückließ.

18:34.280 --> 18:38.300
So gestaltete sich die Bewerberei dann auch ziemlich zäh und

18:38.300 --> 18:38.600
langwierig.

18:39.460 --> 18:40.980
Mittlerweile verstehe ich auch warum.

18:41.880 --> 18:45.100
Die Anfängerstellen in den guten Büros sind nicht gerade dicht gesät,

18:45.300 --> 18:48.420
werden oft unter der Hand vergeben an ehemalige Studenten oder

18:48.420 --> 18:52.340
Büroinhaber, werden selten ausgeschrieben und müssen immer sehr

18:52.340 --> 18:53.880
kurzfristig besetzt werden.

18:54.520 --> 18:57.740
Denn die Auftragslage ändert sich schon fast täglich, sei es aus

18:57.740 --> 19:00.940
wirtschaftlichen, politischen oder bewilligungstechnischen Gründen

19:00.940 --> 19:04.200
oder im positiven Sinne durch einen Wettbewerbserfolg.

19:05.060 --> 19:07.940
Und man ist ständig gezwungen durch Anpassungen bei der

19:07.940 --> 19:11.480
Teamzusammensetzung und der Terminplanung darauf zu reagieren.

19:11.480 --> 19:15.720
So sind Bewerbungen auf ausgeschriebene Stellen eher selten möglich

19:15.720 --> 19:18.980
und Initiativbewerbungen nur bedingt Erfolg versprechen.

19:20.540 --> 19:23.960
Bei mir persönlich hat es schließlich durch einen Zufall geklappt.

19:24.780 --> 19:28.640
Robert Hofer hatte sein Team aufgrund der Auftragslage im Herbst 2003

19:28.640 --> 19:33.200
noch von 7 auf 5 Mitarbeiter reduzieren müssen, kurz vor Weihnachten

19:33.200 --> 19:36.200
jedoch einen Wettbewerb für eine Wohnsiedlung gewonnen, die sofort

19:36.200 --> 19:37.760
weiter bearbeitet werden sollte.

19:37.760 --> 19:41.900
Und so mussten im Januar kurzfristig zwei neue Mitarbeiter eingestellt

19:41.900 --> 19:42.220
werden.

19:43.260 --> 19:46.660
Von einer Kommilitonin aus Mentrisio, die davon selbst über mehrere

19:46.660 --> 19:50.000
Ecken erfahren hatte, wurde ich auf diese Chance hingewiesen.

19:50.740 --> 19:54.360
Einen Tag später fuhr ich nach Zürich, hinterließ mein Portfolio im

19:54.360 --> 19:58.740
Büro und weitere drei Tage später war ich bereits damit beschäftigt,

19:58.800 --> 20:01.800
den Wohnungsmix der soeben gewonnenen Siedlung zu bearbeiten.

20:05.630 --> 20:08.730
So bin ich also schlussendlich bei Graber Pulver gelandet.

20:10.390 --> 20:15.130
Ich werde euch doch ein paar Projekte vorstellen, nicht so sehr wegen

20:15.130 --> 20:19.230
der Architektur, sondern mehr um zu zeigen, was in der Schweiz alles

20:19.230 --> 20:27.250
gemacht wird, was alles möglich ist, welche Art von Projekten auch

20:27.250 --> 20:30.450
möglich ist, wo Architekten auch mitmachen dürfen in der Schweiz.

20:31.890 --> 20:36.110
Das erste Projekt ist das Mehrfamilienhaus Rondo in Zürich-Oerlikon.

20:37.370 --> 20:39.950
Das war einer unserer beiden Direktaufträge.

20:40.050 --> 20:45.350
Der Baumherr kam zu uns mit einem schwierigen Grundstück.

20:47.210 --> 20:49.970
Ihr seht das mit dem orangefarbenen Baukörper drauf.

20:50.050 --> 20:53.190
Ein fünffäckiges Grundstück, das ganz schwer bebaubar war aufgrund der

20:53.190 --> 20:56.110
Geometrie und der Abstandsregelungen, die es gab.

20:58.830 --> 21:02.770
Wir durften eine Studie machen, allerdings auf unser eigenes Risiko.

21:04.530 --> 21:09.130
Und wenn wir ihm ein bewilligungsfähiges Projekt vorlegen könnten,

21:09.310 --> 21:12.850
dann hat er gesagt, er würde uns das Ganze auch finanzieren und würde

21:12.850 --> 21:14.890
uns das auch bauen lassen.

21:15.170 --> 21:17.650
Das hat zum Glück dann auch geklappt mit dem bewilligungsfähigen

21:17.650 --> 21:20.990
Projekt, allerdings über sehr viele Umwege.

21:21.700 --> 21:26.050
Wir haben ein Jahr lang gebraucht, um den Baukörper zu entwickeln.

21:26.290 --> 21:29.890
Wir haben unzählige Modelle gebaut, das sind jetzt kleine 500-Studien

21:29.890 --> 21:33.730
-Modelle, bis wir dann schlussendlich zu diesem fünffäckigen,

21:34.150 --> 21:36.650
eigentlich ja naheliegenden Baukörper gelangt sind.

21:39.110 --> 21:42.430
Hier seht ihr nochmal dieses Treppenhaus vom Plakat, von oben

21:42.430 --> 21:46.230
betrachtet, sieht es eigentlich doch relativ einfach aus, das Ganze.

21:47.110 --> 21:48.570
Das Treppenhaus ist entstanden.

21:49.130 --> 21:52.130
Ist eigentlich mehr als ein Treppenhaus, also diese Erschließungshalle

21:52.130 --> 21:56.570
ist entstanden, aufgrund der Abstandsvorschriften und der Geometrie

21:56.570 --> 22:01.110
des Grundstückes und dem Wunsch des Bauherrn, die maximale Ausnutzung,

22:01.170 --> 22:02.470
sprich Rendite, zu erzielen.

22:04.810 --> 22:08.490
Und natürlich aufgrund der maximal möglichen Tiefe eines

22:08.490 --> 22:09.530
Wohnungsgrundrisses.

22:10.530 --> 22:13.750
Das sind fünf Wohnungen, die sich über diese fünf Ecken organisieren.

22:15.130 --> 22:18.250
Und schlussendlich blieb dann einfach dieser Raum in der Mitte übrig,

22:18.370 --> 22:20.450
circa 175 Quadratmeter.

22:21.030 --> 22:22.910
Und die Frage, was machen wir damit?

22:23.650 --> 22:26.690
Er war einfach nicht mehr nutzbar, weil die Belichtungstiefe irgendwo

22:26.690 --> 22:28.230
eingeschränkt war, für diese Wohnungen.

22:29.190 --> 22:32.390
Wenn wir ihn kleiner gemacht hätten, hätten wir zudem die Abwicklung

22:32.390 --> 22:37.770
von diesem Raum kleiner gemacht und damit auch die Organisation der

22:37.770 --> 22:42.910
Wohnungen problematischer gemacht und natürlich auch die Erschließung

22:42.910 --> 22:47.990
der Wohnungen verunmöglicht, die jetzt immer über diese Eckebereiche

22:47.990 --> 22:51.690
der Hallen erschlossen werden, wo man diese ganz feinen Rücksprünge

22:51.690 --> 22:53.430
sieht in dieser Hallenwand.

22:55.330 --> 22:59.810
Also schlussendlich war es klar, dieser Raum bleibt quasi übrig und

22:59.810 --> 23:02.310
wir sahen das dann auch als Chance und als Geschenk für uns.

23:03.090 --> 23:09.670
Dazu kommt noch, dass in Zürich die Ausnutzung, also die maximale

23:09.670 --> 23:14.250
Quadratmeterzahl, die ich auf dem Grundstück draufkriege, so berechnet

23:14.250 --> 23:20.450
wird, dass derartige Hohlkörper in einem Gebäude nicht dazu zählen.

23:20.970 --> 23:23.770
Das heißt, selbst wenn wir es irgendwie hingekriegt hätten, die

23:23.770 --> 23:29.330
Wohnungsgrundrisse tiefer und schlechter zu machen, hätten wir das

23:29.330 --> 23:33.410
aufgrund der bereits erreichten maximalen Quadratmeterzahl gar nicht

23:33.410 --> 23:34.010
machen können.

23:34.750 --> 23:39.470
Das war dann unser Glück, so konnten wir diese Erschließungshalle

23:39.470 --> 23:40.630
entwickeln.

23:41.070 --> 23:47.510
Die haben wir dann mit unzähligen 1 zu 50 Arbeitsmodellen entwickelt,

23:47.630 --> 23:51.730
weil sich gezeigt hat, dass das am Computer nicht wirklich

23:51.730 --> 23:53.270
zufriedenstellend möglich war.

23:55.330 --> 23:58.310
Das Immobilienbüro, das schließlich diese Eigentumswohnungen und die

23:58.310 --> 24:01.570
Baukörper dann vermarktet hat, hat übrigens eine Visualisierung

24:01.570 --> 24:04.670
gemacht oder mehrere sogar von diesem Treppenhaus oder von dieser

24:04.670 --> 24:09.910
Erschließungshalle und die haben allesamt nicht das wiedergegeben, was

24:09.910 --> 24:15.130
unsere Modelle und im Schluss dann auch das gebaute Resultat gezeigt

24:15.130 --> 24:15.570
hat.

24:16.270 --> 24:18.690
Das Interessante ist eigentlich, dass die Modelle und das gebaute

24:18.690 --> 24:23.890
Resultat viel besser übereingestimmt haben, als die Visualisierung und

24:23.890 --> 24:25.150
das gebaute Resultat.

24:26.730 --> 24:31.210
Wir haben dann verschiedenste Sachen ausprobiert und wirklich sehr

24:31.210 --> 24:32.750
dicht am Modell gearbeitet.

24:33.350 --> 24:38.570
Wir haben uns gefragt, was kann eine adäquate Erschließungsraum für so

24:38.570 --> 24:42.430
ein Gebäude mit 22 hochwertigen Eigentumswohnungen sein.

24:43.130 --> 24:47.090
Muss es überhaupt adäquat sein oder geht es uns einfach nur um den

24:47.090 --> 24:48.490
Raum, ganz abstrakt?

24:53.330 --> 24:56.890
Die Frage war, was passiert dann auch in so einem Raum?

24:58.130 --> 25:02.090
Dieses Klischee vom sozialen Mittelpunkt eines Gebäudes und vom

25:02.090 --> 25:03.910
Treffpunkt aller Bewohner usw.

25:04.070 --> 25:05.850
ist natürlich sehr kritisch, wenn man im gehobenen

25:05.850 --> 25:09.790
Eigentumswohnungssegment sich bewegt, weil da ja am liebsten

25:09.790 --> 25:13.130
eigentlich jeder direkt vom Porsche mit dem Lift in sein Apartment

25:13.130 --> 25:17.190
kommen will, ohne jemand anderem über den Weg zu laufen und vor allem

25:17.190 --> 25:20.230
auch ohne, dass ein anderer sieht, welche Schuhe vor seiner Tür stehen

25:20.230 --> 25:22.470
oder ob ein Gummibaum davorstehen hat.

25:23.730 --> 25:27.950
Es hat sich gezeigt, dass dieser zentrale Raum in dem Gebäude sehr gut

25:27.950 --> 25:31.730
angenommen wird von den Bewohnern, dass sich die Bewohner auch sehr

25:31.730 --> 25:35.950
zurückhalten mit Gummibäumen und Turnschuhen vor der Tür, dass es also

25:35.950 --> 25:38.470
in einem sehr reduzierenden Maße stattfindet.

25:38.890 --> 25:41.610
Und das zeigt ja scheinbar, dass sie diesen Raum auch zu schätzen und

25:41.610 --> 25:42.550
zu würdigen wissen.

25:44.670 --> 25:47.390
Der Raum wird sicher ganz oft auch kritisiert.

25:48.050 --> 25:51.130
Da war das Projekt auch vor einem halben Jahr, glaube ich, im

25:51.130 --> 25:56.510
Baumeister drin, wo der Autor sich dann sehr kritisch geäußert hat und

25:56.510 --> 26:03.430
sich wirklich gefragt hat, ist das A adäquat für dieses Gebäude,

26:04.090 --> 26:09.170
funktioniert das überhaupt, er hat es verglichen mit Beispielen aus

26:09.170 --> 26:14.430
der Baugeschichte und auch ganz oft, wenn wir das Gebäude zeigen,

26:14.530 --> 26:15.810
werden wir darauf angesprochen.

26:17.310 --> 26:24.190
Wir sind eigentlich der Meinung, dass wir einfach ein Stück weit uns

26:24.190 --> 26:28.630
gelöst haben von diesen Fragen und wirklich räumlich uns ausgetobt

26:28.630 --> 26:30.010
haben und da stehen wir auch dazu.

26:30.190 --> 26:36.610
Das Resultat gefällt uns sehr gut und wie gesagt, es wird angenommen

26:36.610 --> 26:42.830
von den Bewohnern und ob das jetzt adäquat ist für so ein 22-Familien

26:42.830 --> 26:46.750
-Haus, das hat uns irgendwann gar nicht mehr so großartig beschäftigt,

26:46.810 --> 26:47.330
diese Frage.

26:51.870 --> 26:54.570
Hier sieht man es nochmal, die Eingänge, die jeweils in den Ecken

26:54.570 --> 26:58.050
sitzen, die Treppenläufe, die im Grundriss eigentlich übereinander

26:58.050 --> 27:02.070
deckungsgleich angeordnet sind, jeweils spiegelverkehrt und abgedreht,

27:02.170 --> 27:03.870
aber eigentlich sind es die gleichen Läufe.

27:05.770 --> 27:08.670
Ein Blick von schräg unten in diesen Raum.

27:12.160 --> 27:20.820
Hier eine Schnittdarstellung, in die andere Richtung geschnitten.

27:22.280 --> 27:26.880
Hier ein Erdgeschossgrundriss mit den beiden Zugängen, einmal von

27:26.880 --> 27:31.200
Norden und dann einen gemeinschaftlichen Gartenausgang nach Südwesten.

27:33.360 --> 27:36.380
Man sieht dann hier diese Grundriss-Tüten, die sich über Eck

27:36.380 --> 27:40.800
organisieren, jeweils wohnen, essen, kochen in den Ecksituationen,

27:40.820 --> 27:44.060
links und rechts davon, Zimmer und dazugehörige Nasszellen.

27:46.540 --> 27:50.840
Das Gebäude ist so ausgerichtet und positioniert, dass es keine reinen

27:50.840 --> 27:53.960
Nordwohnungen und auch keine reinen Nordzimmer gibt, das sind alle

27:53.960 --> 27:55.700
Zimmer leicht abgedreht.

27:58.360 --> 28:03.940
Natürlich gibt es da Lagen, die besser besorgt sind und Lagen, die

28:03.940 --> 28:09.160
schlechter besorgt sind, aber der unterschiedliche Außenraumbezug

28:09.160 --> 28:12.200
dieser Wohneinheiten entschädigt dafür vieles.

28:12.840 --> 28:17.420
Es ist a.) ein städtisches Wohnen, wo die direkte Besorgnis sowieso

28:17.420 --> 28:23.240
nicht so stark Thema sein kann und b.) sind es wirklich sehr

28:23.240 --> 28:27.580
spezifische Außenraumbezüge in diesem alten, gewachsenen Stadtquartier

28:27.580 --> 28:31.380
in Oerlikon, wo es sehr viel altes Grün gibt, wo es die

28:31.380 --> 28:37.640
unterschiedlichsten heterogenen Siedlungsgebäude im Umfeld gibt.

28:38.120 --> 28:41.380
Also diese Wohnzimmer über Eck, die erweitern sich jeweils in sehr

28:41.380 --> 28:45.120
spezifische Außenräume, die sehr unterschiedlich und sehr

28:45.120 --> 28:49.300
charakteristisch sind und sicher ein Stück weit entschädigen für die

28:49.300 --> 28:53.280
naturgemäß nicht überall gleich gute Besorgnis.

28:54.700 --> 28:59.080
Hier sieht man das Dachgeschoss, das ähnlich organisiert ist und

28:59.080 --> 29:02.160
jeweils auf den Ecken ein großes Dach verwachsen hat.

29:03.420 --> 29:05.160
Hier sieht man das Ganze von außen.

29:05.900 --> 29:10.220
Diese Heterogenität, die ich angesprochen habe im Umfeld, links eine

29:10.220 --> 29:15.840
80er Jahre Siedlung, nördlich vom Gebäude, also dahinter hier jetzt in

29:15.840 --> 29:20.480
der Fotografie, eine Siedlung aus den 50ern.

29:21.260 --> 29:24.340
Rundum gibt es noch altes Gewerbe, aber auch viel altes Grün.

29:25.140 --> 29:29.380
Und man sieht zum Beispiel hier jetzt so einen Nordwestbalkon, der

29:29.380 --> 29:33.200
sich da rausschwingt und einen Blick entlang dieser alten

29:33.200 --> 29:35.440
Siedlungsstraße in dem alten Grün ermöglicht.

29:35.440 --> 29:40.100
Der Südwestbalkon, der jetzt auf uns dazukommt, ermöglicht den Blick

29:40.100 --> 29:44.620
in einen Grünfinger in die Versiedlung und die anderen drei Ecken

29:44.620 --> 29:48.560
haben jeweils eben auch eigene Außenraumbezüge.

29:48.620 --> 29:58.880
Hier sieht man den Südbalkon, der sich auf ein altes Gebäude bezieht,

29:59.020 --> 30:02.100
das sehr viel Grün rundum hat und auch sehr viel Abstand bietet.

30:03.880 --> 30:08.360
Hier sieht man diese Balkonschicht von innen.

30:08.940 --> 30:12.440
Wir haben da mit einem Edelstahlgewebe gearbeitet, als

30:12.440 --> 30:14.300
Sonnenschutzvorhaben primär.

30:15.000 --> 30:17.880
Es erfüllt natürlich auch andere Funktionen.

30:17.980 --> 30:21.060
Es ist einerseits Sonnenschutz für den Balkon, es ist Sonnenschutz für

30:21.060 --> 30:22.500
das Wohnzimmer, das dahinter liegt.

30:23.160 --> 30:26.280
Es bildet eine Zwischenschicht zwischen innen und außen, es erweitert

30:26.280 --> 30:29.100
den Wohnraum optisch um diese Balkontiefe.

30:29.960 --> 30:33.780
Es bietet in der Übergangszeit einen geschützten, laubenartigen

30:33.780 --> 30:35.720
Zwischenraum zwischen innen und außen.

30:36.440 --> 30:38.920
Und es belebt natürlich die Fassade, weil es tatsächlich von den

30:38.920 --> 30:40.440
Bewohnern benutzt wird.

30:40.940 --> 30:43.960
Ursprünglich hatten wir mal vor, das Ganze rundum in diesem Vorhang

30:43.960 --> 30:47.320
auszustatten, das ist aber dann an den Kosten gescheitert.

30:47.500 --> 30:51.200
Also die Quadratmeterkosten für dieses Edelstahlgewebe sind allein für

30:51.200 --> 30:52.220
das Gewebe schon immens.

30:52.360 --> 30:55.740
Dazu kommen natürlich die ganzen Edelstahlführungen und Aufhängungen.

30:57.240 --> 31:01.040
So haben wir uns dann entschieden, das wirklich nur auf diese Balkon

31:01.040 --> 31:04.760
-Schwinge zu begrenzen, die jeweils um diese Ecke herum führen.

31:07.440 --> 31:09.300
Hier das Gebäude nochmal bei Nacht.

31:14.720 --> 31:18.260
Das nächste Projekt ist ein Siedlungsprojekt, da haben wir den

31:18.260 --> 31:21.360
Wettbewerb vor zwei Jahren jetzt schon im Sommer gewonnen.

31:23.280 --> 31:33.960
Die Realisierung hätte Ende 2009 starten sollen, die

31:33.960 --> 31:36.380
Ausführungsplanung 2008.

31:36.600 --> 31:39.640
Es hat sich alles ein bisschen verschoben, wir hatten da starke

31:39.640 --> 31:41.480
Kostenprobleme.

31:42.860 --> 31:45.240
Mittlerweile sind wir aber dran, das Ganze zu planen.

31:46.460 --> 31:49.060
Hier sieht man das Wettbewerbs-Gips-Modell.

31:50.700 --> 31:55.580
Es handelt sich da um ein ganz spezielles Quartier in Zürich, den

31:55.580 --> 31:57.080
sogenannten Friesenberg.

31:57.880 --> 32:01.280
Dort haben sich seit den 20er Jahren unterschiedliche

32:01.280 --> 32:03.160
Gartenstadttypologien entwickelt.

32:03.920 --> 32:07.360
Das ganze Gebiet ist fest in der Hand einer einzigen

32:07.360 --> 32:12.480
Wohnbaugenossenschaft, die diese verschiedenen Gartenstadttypologien

32:12.480 --> 32:13.520
realisiert hat.

32:15.300 --> 32:18.520
Bei dieser Siedlung handelt es sich um einen Ersatzneubau.

32:19.360 --> 32:23.720
Es gibt dort eine bestehende Reinhaussiedlung aus den 20ern, die in

32:23.720 --> 32:25.460
einem sehr maroden Zustand ist.

32:25.880 --> 32:28.980
Es gab vorher auch Studien, ob man diese Siedlung irgendwie

32:28.980 --> 32:31.820
nachverdichten oder erweitern und sanieren könnte.

32:32.460 --> 32:34.240
Es hat sich gezeigt, dass das a.

32:34.840 --> 32:37.380
architektonisch sehr schwierig würde und b.

32:37.460 --> 32:39.460
finanziell überhaupt nicht rentabel wäre.

32:40.420 --> 32:43.180
Aus diesem Grund hat sich die Genossenschaft dann entschieden, einen

32:43.180 --> 32:46.920
Wettbewerb auszuschreiben in Zusammenarbeit mit Stadt Zürich.

32:47.420 --> 32:48.880
Das war also eine freiwillige Sache.

32:51.180 --> 32:55.880
Und diesen Wettbewerb konnten wir dann, wie gesagt, im Juni 2007

32:55.880 --> 32:59.000
gewinnen, nach einem mehrstufigen Verfahren.

33:00.880 --> 33:04.700
Und wir haben uns dafür entschieden, die alten Zeilen der bestehenden

33:04.700 --> 33:07.920
Reinhauszubauung quasi wieder nachzubauen, allerdings mit dreifacher

33:07.920 --> 33:08.320
Dichte.

33:09.420 --> 33:14.800
Wir haben uns auch bewusst entschieden, quer zum Hang zu bauen, also

33:14.800 --> 33:16.700
Höhenlinien zu folgen.

33:17.240 --> 33:22.540
Und dadurch Erschließungsräume zwischen den Teilen zu schaffen, die

33:22.540 --> 33:26.240
annähernd horizontal sind, bis auf ein leichtes Diagonalgefälle in

33:26.240 --> 33:26.760
diesem Hang.

33:27.940 --> 33:29.520
Hier sieht man die Schnittfigur.

33:30.440 --> 33:35.120
Die Aufgabenstellung lautete, sich mit einem neuen Reinhausartigen

33:35.120 --> 33:36.520
Wohnen auseinanderzusetzen.

33:38.460 --> 33:41.400
Wir haben dann lange überlegt, wie das gehen kann, wenn man die Dichte

33:41.400 --> 33:42.560
verdreifachen soll.

33:43.840 --> 33:51.000
Und haben schließlich dann die Idee gehabt, dass wir Reinhaustypen,

33:51.140 --> 33:56.080
also Messonette-Typen und Geschosswohnungen so mischen, dass jede

33:56.080 --> 34:02.460
Einheit entweder Anteil an einem privaten Garten hat oder aber in der

34:02.460 --> 34:06.000
Schnittfigur so gelegen ist, dass sie über die nächst untere

34:06.000 --> 34:07.980
Häuserzeile hinweg auf die Stadt zieht.

34:08.880 --> 34:11.640
Das Besondere an diesem Hang ist, dass es sich um ein Nordhang

34:11.640 --> 34:17.160
handelt, also um eine eher günstige, vorhin ausgedrückt, Wohnlage in

34:17.160 --> 34:17.600
Zürich.

34:17.880 --> 34:20.940
Deshalb auch in der Hand dieser Wohnbaugenossenschaft.

34:23.200 --> 34:27.500
Und da hat sich natürlich die Frage gestellt, wie kann man ein Stück

34:27.500 --> 34:30.780
weit die schlechte Besonnung kompensieren.

34:31.860 --> 34:36.880
Und das haben wir versucht, a, mit diesem direkten erdbezogenen

34:36.880 --> 34:40.100
Wohnen, mit diesem Gartenbezug, und b, natürlich mit dem Blick auf die

34:40.100 --> 34:43.860
Stadt, die, und das ist natürlich die Qualität vom Nordhang, die immer

34:43.860 --> 34:45.680
wunderschön besonnt zu Füßen liegt.

34:45.980 --> 34:50.460
Also die vor allem am Nachmittag oder auch in den Morgenstunden einen

34:50.460 --> 34:53.300
ganz eigenen Charme entwickelt aufgrund der Lichtsituation.

34:59.120 --> 35:03.560
Hier sieht man aus dem Wettbewerb ein Holzmodell, das wir angefertigt

35:03.560 --> 35:06.460
haben, als wir in die zweite Röhne kamen.

35:08.260 --> 35:11.980
Was man in diesem Modell auch schon sieht, ist die unterschiedliche

35:11.980 --> 35:13.860
Behandlung der Nord- und der Südfassade.

35:16.640 --> 35:19.800
Südseitig, also Hangaufwärts, läuft eine Leuchten- und

35:19.800 --> 35:23.260
Verwandtenschicht ganz durch, um die volle Länge der Gebäude.

35:24.100 --> 35:29.720
Das hat auch wieder mit der Idee zu tun, den nicht erdgebundenen

35:29.720 --> 35:36.220
Beschlosswohnungen einen adäquaten Außenraumanteil zu geben und auch

35:36.220 --> 35:40.480
einen adäquaten Bezug zu diesem Außenraum zu geben, der ja jetzt

35:40.480 --> 35:44.520
aufgrund der dreifachen Dichte der Bebauung auch dreimal so stark

35:44.520 --> 35:46.300
belebt und frequentiert werden wird.

35:48.620 --> 35:54.080
Die Nordfassade hingegen, Hangabwärts, ist eine eigentlich zunächst

35:54.080 --> 35:59.480
mal klassische Lochfassade, die davon nehmen wird, dass es a.

35:59.640 --> 36:05.740
ein ziemlich bunter Mix sein wird aus Wohnungstypen und b.

36:06.180 --> 36:08.620
ist das Ganze als Holzbau konzipiert.

36:08.920 --> 36:12.460
Das heißt, diese Lochfassade, die jetzt hier im Modell noch als solche

36:12.460 --> 36:14.400
erscheint, war sie eigentlich auch schon lange hier.

36:14.500 --> 36:17.100
Wir haben da schon mit unterschiedlichen Sperrholztätelchen

36:17.100 --> 36:17.800
gearbeitet.

36:18.700 --> 36:22.600
Diese Lochfassade hat eine sehr starke Textur aus verschiedenen

36:22.600 --> 36:28.800
Holzbreckschalungen erhalten und da sind wir jetzt momentan aktuell im

36:28.800 --> 36:33.180
Büro dran, diese beiden charakteristischen Fassadenseiten zu

36:33.180 --> 36:33.740
bearbeiten.

36:33.740 --> 36:37.300
Also diese Südfassade mit der Lodscher und die Frage, was passiert in

36:37.300 --> 36:41.560
so einer Lodscher drin, fassadentechnisch, und die Nordfassade, die

36:41.560 --> 36:45.080
sich zur Stadt orientiert und aufgrund der Spitzfigur natürlich auch

36:45.080 --> 36:47.660
ganz andere Operationen hat als die Südfassade.

36:51.140 --> 36:54.780
Hier eine Visualisierung auf den Wettbewerb, wo man die Idee dieser

36:54.780 --> 36:58.520
Lodscher und dieses Grünraus zwischen den Seilen noch einzieht.

36:58.520 --> 37:03.660
Es handelt sich hier um den bereits angesprochenen horizontalen

37:03.660 --> 37:07.940
Außenraum, der eben damit zu tun hat, dass wir entschieden haben,

37:08.020 --> 37:10.100
Mittellinien zu bauen.

37:11.160 --> 37:13.980
Zwischen den Gebäuden gibt es jeweils Treppenaufgänge.

37:14.320 --> 37:18.840
Da sind wir jetzt auch noch dran, die Frage zu lösen, wie man mit dem

37:18.840 --> 37:21.680
Rollstuhl oder mit dem Kinderwagen sich durch diese Siedlung bewegt.

37:21.800 --> 37:24.520
Das wird nicht ganz einfach aufgrund der steilen Topografie.

37:25.520 --> 37:29.320
Man sieht eben diese Lodscher-Schicht, die über die volle Länge

37:29.320 --> 37:35.540
durchläuft und wie sich diese Lodscher-Schicht verhält zu dem

37:35.540 --> 37:43.240
Außenraum, der sehr stark parzelliert und privatisiert wird, was eine

37:43.240 --> 37:48.360
Grundidee dieser Art, der angehensweise an die Gartenstadt darstellt.

37:48.480 --> 37:52.520
Es gibt an diesem Hangau ganz andere Ideen von Gartenstadt und ganz

37:52.520 --> 37:55.720
andere Typologien, die dann entsprechend auch mit dem Außenraum ganz

37:55.720 --> 37:56.360
anders umgehen.

37:56.520 --> 38:00.980
Wir haben vorhin ein Gipsmodell gesehen, das oberhalb Wohnhochhäuser

38:00.980 --> 38:05.960
steht, von Ernst Giesl und sich übrigens, wo natürlich der Außenraum

38:05.960 --> 38:10.300
überhaupt nicht privatisiert ist und wo der Bezug zum Boden eigentlich

38:10.300 --> 38:13.200
gar nicht mehr thematisiert wird, wo es wirklich nur um die Gartenwelt

38:13.200 --> 38:14.740
und den Blick auf die Stadt geht.

38:19.580 --> 38:22.180
Hier einfach ganz schnell so ein Durchgang, die verschiedenen

38:22.180 --> 38:26.000
Wohnungstypen, die wir bereits im Wettbewerb alle planen mussten.

38:26.340 --> 38:28.740
Mittlerweile natürlich hoffnungslos überholt, weil sich die

38:28.740 --> 38:31.880
Bauernschaft grundsätzlich unentschieden hat, was den Wohnungsstil

38:31.880 --> 38:36.200
anbelangt und was ihre Anforderungen an die Wohnungen anbelangt.

38:37.520 --> 38:40.560
Wir haben das Ganze dreimal überarbeitet, wir mussten auch Kosten

38:40.560 --> 38:45.700
einsparen und daher dieser Verzug im Terminprogramm.

38:46.320 --> 38:50.420
Hier ein Luftbild auch aus dem Wettbewerb, eine Fotomontage, wo man

38:50.420 --> 38:51.440
das Ganze nochmal sieht.

38:53.420 --> 38:57.620
Südlich, also Hang oberhalb dieser Siedlung, wie gesagt, die

38:57.620 --> 39:05.240
Hochhäuser von Giseln und unterhalb ein städtischer Grünraum

39:05.240 --> 39:10.880
eigentlich nur eine Wiese, auf der Kinder Ball spielen und der Blick

39:10.880 --> 39:13.040
dann auf die Stadt über diese Wiese geht.

39:14.880 --> 39:19.200
Die Erschließung der Wohneinheiten funktioniert übrigens so, dass...

39:24.240 --> 39:29.580
... dass man von der Straße hier jeweils in diesen unteren

39:29.580 --> 39:33.180
Zwischenraum gelangt und in diesen oberen Zwischenraum, die sind auch

39:33.180 --> 39:37.160
entsprechend von der Breite und von der Möblierung dann so gestaltet,

39:37.300 --> 39:40.140
dass sie öffentlichen Charakter haben, wohingegen in der Mitte

39:40.140 --> 39:43.640
zwischen der zweiten und der dritten Seite ein kleiner Gartenweg

39:43.640 --> 39:47.340
entlang führt, der untergeordnete Erschließungsfunktion hat.

39:47.340 --> 39:51.880
Das heißt, die Gebäude werden einmal hier durchs Untergeschoss

39:51.880 --> 39:57.180
betreten, hier durchs Erdgeschoss betreten und hier unten wiederum

39:57.180 --> 39:58.750
durchs Untergeschoss und durchs Erdgeschoss.

39:59.460 --> 40:03.920
Was diese Mesonet-Reihenhaus-Typen auszeichnet, ist, dass die jeweils

40:03.920 --> 40:09.900
im Erdgeschoss ihren privaten Gartenanteil haben und im Untergeschoss

40:09.900 --> 40:13.520
jeweils auch noch ein Gartenzimmer und eine Nasszelle haben, sodass

40:13.520 --> 40:20.240
der Luxus eigentlich resultiert, zwei eigene private Gartenabteile zu

40:20.240 --> 40:24.380
haben und das Ganze zu einem für Zürich sensationell günstigen

40:24.380 --> 40:26.140
Mietpreis.

40:27.220 --> 40:31.200
Was natürlich mit dieser Wohnbaugenossenschaft zu tun hat, da werde

40:31.200 --> 40:34.300
ich später noch drauf kommen, die Übernahme zur Rolle der

40:34.300 --> 40:35.880
Wohnbaugenossenschaften in Zürich.

40:42.540 --> 40:47.560
Das war ein Wettbewerb, bei dem uns damals gar nicht klar war, um was

40:47.560 --> 40:49.860
es geht und bei was wir da eigentlich mitmachen.

40:50.980 --> 40:54.040
Wir haben uns damals noch gefragt, inwiefern eigentlich ein Architekt

40:54.040 --> 40:59.100
eine Müllverbrennungsanlage planen kann oder was da überhaupt Spannung

40:59.100 --> 41:02.240
dran sein kann, wie groß eigentlich unser Einfluss sein kann.

41:03.680 --> 41:07.440
Wir haben den Wettbewerb dann 2005 gewonnen.

41:07.640 --> 41:12.700
Danach hat eine sehr lange Phase von politischen Prozessen begonnen.

41:12.860 --> 41:15.300
Mittlerweile sind wir in der Ausschreibungsphase.

41:18.020 --> 41:25.660
Das ganze Areal liegt in einer Gate von Bern, die geprägt ist, A.

41:25.780 --> 41:26.900
durch die Autobahn, B.

41:26.900 --> 41:31.580
durch andere Straßen, Züge und Schiene und C.

41:31.620 --> 41:32.900
durch die Autobahn, D.

41:32.960 --> 41:36.960
durch umliegende Industrieareale, die auch sehr großflächig und zum

41:36.960 --> 41:39.040
Teil sehr großmaßstäblich sind.

41:40.860 --> 41:44.940
Bis vor kurzem war das noch ein dichter Wald, diese Zone zwischen Bahn

41:44.940 --> 41:45.780
und Autobahn.

41:46.600 --> 41:48.720
Das Areal ist jetzt mittlerweile gerodet.

41:51.440 --> 41:58.120
Und der Baukörper wird

42:01.700 --> 42:04.160
dann so in dieser Waldrichtung drin liegen.

42:06.240 --> 42:09.780
Und da in dem Modell sieht man eigentlich schon, inwiefern ein

42:09.780 --> 42:11.900
Architekt doch noch Einfluss nehmen kann bei einer

42:11.900 --> 42:13.140
Müllverbrennungsanlage.

42:13.720 --> 42:18.980
Und zwar resultiert die Kubatur des Gebäudes 1 zu 1 aus der Anordnung

42:18.980 --> 42:21.860
der Verfahrensprozesse in so einer Müllverbrennungsanlage.

42:26.550 --> 42:28.850
Ich hoffe man erkennt den Schnitt halbwegs.

42:29.430 --> 42:30.750
Das Gebäude hat eine Länge von ca.

42:30.750 --> 42:31.890
3,20 Meter.

42:34.470 --> 42:39.210
Was man hier sieht, wenn man es sieht, wäre ein Müllauto, einfach um

42:39.210 --> 42:41.110
den Maßstab anzusehen.

42:42.350 --> 42:46.470
Und ganz rechts oben in diesem Kartonmodell, diese kleine Passerelle,

42:46.570 --> 42:51.170
die führt vom Personal- und Besucherparkplatz in den ganz rechts

42:51.170 --> 42:54.030
liegenden Verwaltungstrakt, den man auch im Schnitt aufgrund seiner

42:54.030 --> 42:55.890
Maßstäblichkeit als solchen erkennt.

42:56.850 --> 43:01.150
Und zwischen diesem Müllauto und dem Verwaltungstrakt liegt der

43:01.150 --> 43:04.770
eigentliche Apparatismus von dieser Anlage.

43:05.790 --> 43:09.610
Da ist bis jetzt noch nicht so ganz klar, was da eigentlich alles rein

43:09.610 --> 43:09.910
soll.

43:10.010 --> 43:12.510
Da sind die ständigen Ambiente entscheidend, aus politischen,

43:12.650 --> 43:15.090
ökologischen und finanziellen Gründen.

43:16.010 --> 43:22.430
Da ist ein Gaskraftwerk drin, ein Holzverbrennungskraftwerk, die

43:22.430 --> 43:23.910
Müllverbrennung natürlich.

43:25.190 --> 43:28.710
Da wird Fernwärme erzeugt, da wird Dampf erzeugt für eine benachbarte

43:28.710 --> 43:29.810
Großwäscherei.

43:30.870 --> 43:33.430
Da wird elektrisches Strom erzeugt.

43:34.290 --> 43:37.930
Und wie gesagt, die Anbauung dieser einzelnen Prozesse, die war im

43:37.930 --> 43:41.310
Wettbewerb annähernd freigestellt.

43:41.310 --> 43:43.930
Man musste den Wettbewerb natürlich mit einem entsprechenden

43:43.930 --> 43:47.350
Spezialisten zusammen machen, also mit einem Planungsbüro für

43:47.350 --> 43:49.470
Müllverbrennungsanlagen sozusagen.

43:50.130 --> 43:53.630
Die konnten uns dann einfach Spielregeln aufzeigen, wie man diese

43:53.630 --> 43:57.610
Sachen anordnen kann und was da möglich ist.

43:58.710 --> 44:02.930
Und wie gesagt, aus der Anordnung dieser einzelnen

44:02.930 --> 44:07.870
Verfahrensabschnitte hat sich dann schlussendlich diese Form ergeben.

44:08.410 --> 44:11.870
Also wir waren nicht gezwungen, das linear anzuordnen, da hätte es

44:11.870 --> 44:14.690
auch andere Möglichkeiten gegeben.

44:17.310 --> 44:20.030
Schlussendlich, das ist der Blick von dieser Passerelle, die vom

44:20.030 --> 44:24.810
Parkplatz in den Verwaltungstakt führt, hat dann eben dieser Baukörper

44:24.810 --> 44:26.370
resultiert.

44:27.970 --> 44:33.570
Rechts oben sieht man so eine Referenz, die uns ein Stück weit da auch

44:33.570 --> 44:39.630
geleitet hat, also a, was den Maßstab anbelangt und b, dann auch

44:39.630 --> 44:45.790
dieser Blick von dieser Brücke auf die ganze Länge des Schiffs, das da

44:45.790 --> 44:48.370
in dieser Weitrichtung schwingt.

44:58.080 --> 45:05.460
Das nächste Projekt ist eine Lehrwerkstätte, das ist eigentlich

45:05.460 --> 45:08.540
vergleichbar mit einer Berufsfachschule, in diesem Fall für

45:08.540 --> 45:10.560
Metallbearbeitung.

45:14.100 --> 45:16.220
Man sieht hier gelb den Baukörper.

45:19.640 --> 45:23.660
Die Längsausdehnung dieses Baukörpers, die hat natürlich zu tun mit

45:23.660 --> 45:25.100
dem städtebaulichen Umfeld.

45:26.560 --> 45:30.400
Nördlich davon, dieser Punkt, ist natürlich auch ein lineares Gebäude,

45:30.500 --> 45:34.800
allerdings ein vertikal orientierter, wie man hier im Bild sieht, das

45:34.800 --> 45:38.380
im Grundriss so eine charakteristische abgeknickte Form hat.

45:39.900 --> 45:42.920
Unser Gebäude hat die charakteristische Form im Schnitt.

45:47.540 --> 45:49.180
Hier die Schnittfigur.

45:50.800 --> 45:52.240
Es liegt an einem leichten Hang.

45:55.340 --> 46:01.260
Was zu lösen war, war die Anordnung und die Stapelung in unserem Fall

46:01.260 --> 46:04.400
von ganz unterschiedlichen Nutzungseinheiten.

46:04.400 --> 46:07.920
Es ging zum einen um ganz normale Klassenzimmer, die sieht man im

46:07.920 --> 46:11.900
mittleren Geschoss mit einem herkömmlichen Schulhauskorridor in der

46:11.900 --> 46:12.100
Mitte.

46:12.720 --> 46:18.260
Es ging dann um diese Werkstattateliers, also das sind Räume, die

46:18.260 --> 46:22.000
wirklich mit Maschinen ausgestattet sind, wie man sie in der

46:22.000 --> 46:27.440
metallverarbeitenden Industrie auch findet, die entsprechend auch eine

46:27.440 --> 46:31.160
Überhöhe haben, entsprechend mit Nordlicht ausgestattet sind.

46:32.440 --> 46:36.260
Im Erdgeschoss, also hangseitig betrachtet im Erdgeschoss, liegt dann

46:36.260 --> 46:41.400
ein Foyer, das sich über fast die ganze Länge des Baukörpers

46:41.400 --> 46:44.600
entwickelt und wie man in der Visualisierung gesehen hat, so ein

46:44.600 --> 46:49.520
Schaufenster zur Stadt hat, damit auch den Öffentlichkeitsbezug dieses

46:49.520 --> 46:50.660
Gebäudes herstellt.

46:55.220 --> 46:58.320
Es gibt dreimal diese Schnittfigur durch ein Treppenhaus, das dann

46:58.320 --> 47:03.520
dieses Foyer, was über 150 Meter durchläuft in der Länge, an drei

47:03.520 --> 47:09.460
Stellen mit dem oberen Foyer verbindet, die diese Werkstatträume

47:09.460 --> 47:09.980
gliedern.

47:12.520 --> 47:16.520
Am einen Ende gibt es dann einen Hörsaal, unter dem Hörsaal befindet

47:16.520 --> 47:22.460
sich die Tiefgaragenzufahrt und am anderen Ende gibt es die Turnhalle.

47:23.680 --> 47:27.860
Hier nochmal ein Schnittmodell, wo man diese Treppenhaussituation

47:27.860 --> 47:33.600
nochmal sieht und wie dieses lange, in Längsrichtung verlaufende Foyer

47:33.600 --> 47:36.880
verbunden wird mit diesem quereingeschnittenen Foyer, das die

47:36.880 --> 47:38.080
Werkstatt berandt ist.

47:42.690 --> 47:49.330
Was bei diesem Projekt interessant zu hören ist, ist die Problematik

47:49.330 --> 47:54.190
des Bewilligungsverfahrens in der Schweiz mit der Möglichkeit der

47:54.190 --> 47:55.470
sogenannten Einsprache.

47:55.610 --> 47:58.710
Das hängt zusammen mit der direkten Demokratie, sprich, dass

47:58.710 --> 48:04.430
eigentlich jeder sich dazu äußern darf, zu einem veröffentlichten

48:04.430 --> 48:08.250
Baugesuch, und jeder seine Meinung dazu sagen darf und jeder seine

48:08.250 --> 48:09.730
Probleme dazu äußern darf.

48:09.810 --> 48:15.610
In diesem Fall war das ein benachbarter Schokoladenfabrikant.

48:18.130 --> 48:20.350
Da sieht man noch Schoko rechts.

48:24.670 --> 48:31.710
Der so beliebt war, festzustellen, dass es im Kanton eine Ungleichheit

48:31.710 --> 48:35.850
bezüglich der Abstandsregelungen gibt, also die Frage, wie man eine

48:35.850 --> 48:39.490
bestehende Regelung verstehen soll.

48:40.270 --> 48:46.170
Dem Kanton, der übrigens auch Bauherr war, war das eigentlich klar.

48:46.370 --> 48:49.150
Aber die sagten, wir planen ruhig mal weiter, das ist schon okay.

48:49.710 --> 48:51.630
Das haben wir bis jetzt immer irgendwie durchgekriegt.

48:51.710 --> 48:53.030
In diesem Fall hat es nicht geklappt.

48:53.110 --> 48:58.010
Der Schokoladenfabrikant blieb stur und hat natürlich finanzielle

48:58.010 --> 49:02.210
Entschädigungen verlangt für diese Giebelseite, die wir ihm vor die

49:02.210 --> 49:02.870
Nase setzen.

49:04.330 --> 49:07.690
Ein öffentlicher Bauherr kann natürlich da nicht einlenken und einfach

49:07.690 --> 49:12.110
nicht sagen, was für uns dann hieß, dass sich das Ganze um ein gutes

49:12.110 --> 49:16.130
Jahr verzögert, bis das durch sämtliche Instanzen durch war.

49:17.210 --> 49:20.490
Das Blöde war, dass der Bauherr gesagt hat, macht euch da mal keine

49:20.490 --> 49:22.950
Sorgen, fangt ruhig an, das funktioniert dann schon.

49:23.370 --> 49:28.150
Und der Bauherr, also der Kanton auf städtischer Ebene, eine

49:28.150 --> 49:31.010
Teilfreigabe erwirkt hat für das Untergeschoss.

49:31.530 --> 49:35.110
Das Untergeschoss war bereits betoniert, wurde dann eingemottet, die

49:35.110 --> 49:37.490
ganze Baustelle stillgelegt, ein Jahr lang.

49:38.170 --> 49:43.630
Das Ergebnis dieser verschiedenen Instanzen, die die Problematik

49:43.630 --> 49:47.410
durchlaufen hat, war, dass wir das Gebäude um eine Achse kürzen

49:47.410 --> 49:49.150
mussten, sprich um ca.

49:49.230 --> 49:49.850
9 Meter.

49:50.810 --> 49:54.110
Das Blöde war, dass das Untergeschoss bereits betoniert war, die ganze

49:54.110 --> 49:58.470
Kanalisation bereits verlegt war unter der Bodenplatte, alle großen WC

49:58.470 --> 50:03.870
-Anlagen damit schon bestimmt und definiert waren, dass bereits ein

50:03.870 --> 50:06.410
Wertvertrag unter einem Generalunternehmer bestand.

50:08.390 --> 50:11.690
Es hieß für uns jetzt einfach, das Ganze umplanen, eine Achse

50:11.690 --> 50:14.370
rausschneiden, natürlich nicht die letzte, weil da der Hörsaal drin

50:14.370 --> 50:14.810
sitzt.

50:15.330 --> 50:18.030
Das heißt, es hat sich alles verschoben, die Bodenplatte musste

50:18.030 --> 50:22.190
komplett nochmal aufgemeißelt werden, die Kanalisationen neu verlegt

50:22.190 --> 50:26.770
werden, der Generalunternehmer neu rechnen, was er getan hat und zum

50:26.770 --> 50:30.010
Ergebnis kam, dass das nicht billiger wird, wenn man es 9 Meter kürzer

50:30.010 --> 50:30.350
macht.

50:34.430 --> 50:37.610
Zwei Problematiken, einmal die Einsprache und zum Zweiten der

50:37.610 --> 50:38.850
Generalunternehmung.

50:42.170 --> 50:46.290
Hier eine ganz spezielle Bauaufgabe, die vielleicht auch zeigt, was

50:46.290 --> 50:48.110
man in der Schweiz alles machen darf.

50:48.970 --> 50:52.210
Es ging da eigentlich um eine ziemliche Kleinigkeit.

50:52.330 --> 50:57.090
Es ging um die Erneuerung eines Geheges für zwei Leoparden und eine

50:57.090 --> 51:01.350
Otter, eine Schlange, im Tierpark in Bern.

51:02.350 --> 51:05.290
Wir haben den Wettbewerb zusammen mit einem Landschaftsarchitekturbüro

51:05.290 --> 51:07.050
und einem Ingenieurbüro gemacht.

51:08.070 --> 51:13.970
Was man in diesem Grundriss oben entlang dieser Mauer sieht, sind die

51:13.970 --> 51:19.430
alten kleinen Käfige, wo früher unter katastrophalen Umständen diese

51:19.430 --> 51:22.310
beiden Leoparden gehalten wurden.

51:25.370 --> 51:30.210
Wir haben uns entschieden, aufgrund der angespannten Kostensituation

51:30.210 --> 51:33.870
bei diesem Wettbewerb, dies so weit wie möglich zu erhalten und das

51:33.870 --> 51:37.070
eigentliche Freigehege, das jetzt gefordert war, drumherum zu

51:37.070 --> 51:37.330
organisieren.

51:38.150 --> 51:39.550
Entschuldigung, was ist das Gehege?

51:41.650 --> 51:45.230
Also oben diese Mauer, die gab es schon, die durchläuft.

51:45.330 --> 51:48.850
Das ist gleichzeitig auch die äußere Grenze des Zoos, des Tierparks.

51:48.850 --> 51:52.870
Und diese kleinen Kästchen, die man drunter sieht, das waren die alten

51:52.870 --> 51:54.830
Käfige, wo diese Leoparden drin waren.

51:54.990 --> 51:57.650
Und dahinter so ein Fütterungsgang mit einer Fleischküche.

51:59.190 --> 52:03.390
Und der Tierpark der Hölzli in Bern ist ein Tierpark, der eigentlich

52:03.390 --> 52:07.530
kein klassischer Zoo ist, sondern wirklich so ein Landschaftspark mit

52:07.530 --> 52:11.350
sehr wenigen Gebäuden, mit sehr behutsam eingefügten Gebäuden, mit

52:11.350 --> 52:12.830
sehr kleinmaßstäblichen Gebäuden.

52:13.270 --> 52:17.410
Das hat unsere Idee, auch sehr behutsam zu reagieren, möglichst wenig

52:17.410 --> 52:18.750
Architektur zu machen.

52:19.690 --> 52:23.450
Man sieht hier ein Holzmodell, das wir im Wendelberg damals geschnitzt

52:23.450 --> 52:23.830
haben.

52:24.950 --> 52:31.150
Rechts dieser Fütterungsgang mit den Käfigen, die jetzt in künstlichen

52:31.150 --> 52:33.370
Felsen verschwunden sind mittlerweile.

52:34.930 --> 52:39.050
Das eigentliche Gebäude, sprich das Freigehege, besteht aus toten

52:39.050 --> 52:46.210
Eischen, die wir im Wald geschnitten und dort mit Edelstahlkonsolen im

52:46.210 --> 52:47.310
Boden verankert haben.

52:47.830 --> 52:53.190
Und über das Ganze haben wir ein Edelstahltradnetz drübergespannt, das

52:53.190 --> 52:58.230
mit den Bäumen kraftschlüssig verbunden wurde und somit auch die

52:58.230 --> 52:59.770
Aussteifung übernehmen kann.

53:03.130 --> 53:09.390
Oben ist es an dieser bestehenden Grenzmauer des Zoos verankert,

53:09.590 --> 53:09.850
eingespannt.

53:10.950 --> 53:14.950
Und unten haben wir ein Betonband generiert, das sich quasi als

53:14.950 --> 53:17.110
Randstein einmal um dieses Gehege zieht.

53:17.490 --> 53:19.990
Und in der Mitte, man sieht hier schon einen Teil davon, sich

53:19.990 --> 53:23.290
auffaltet zu einem Dach mit einer Sitzbank drunter und einer

53:23.290 --> 53:24.310
Panzerglasscheibe.

53:27.110 --> 53:31.310
Hier sieht man den Transport einer dieser Eichen aus dem nahegelegenen

53:31.310 --> 53:35.070
Berner Bürgerwald mit einem Helikopter.

53:35.170 --> 53:38.950
Also diese Eichen wurden vor Ort erstmal zugeschnitten nach Angaben

53:38.950 --> 53:43.330
des Bauingenieurs und wurden dann mit dem Helikopter zum Tierpark

53:43.330 --> 53:48.030
transportiert, wo sie dann schlussendlich aufgestellt wurden und mit

53:48.030 --> 53:49.650
diesem Netz überspannt.

53:50.790 --> 53:53.250
Das Netz ist übrigens ein deutsches Produkt.

53:53.850 --> 53:58.810
Die Firma, die diesen Disneyland-Kunstfelsen gemacht hat, ist auch

53:58.810 --> 54:00.290
eine deutsche Spezialfirma.

54:02.490 --> 54:06.010
Hier sieht man nochmal dieses Netz, wie es sich davor spannt.

54:06.590 --> 54:12.090
Die unterschiedlichen... gerade von Transparenz, die das Netz hat, je

54:12.090 --> 54:16.010
nachdem, wie es sich in Wellen über diese Bäume drüber schwingt, sieht

54:16.010 --> 54:17.150
man hier eigentlich ganz gut.

54:17.150 --> 54:18.610
Man sieht es hier noch viel stärker.

54:19.030 --> 54:23.030
Hier hat es fast so einen spinnennetzartigen gefalteten Charakter.

54:24.110 --> 54:28.970
Hier sieht man nochmal diese Situation mit dieser Sitzbank und der

54:28.970 --> 54:29.750
Glasscheibe.

54:30.470 --> 54:33.450
Übrigens an dem Tag, als die Leoparden zum ersten Mal reingelassen

54:33.450 --> 54:35.950
wurden in das Gehege, haben die das mit der Glasscheibe nicht

54:35.950 --> 54:36.570
geschneit.

54:37.530 --> 54:40.710
Und einer ist also ungebremst dagegen gerannt.

54:41.290 --> 54:43.750
Die Frau, die auf der Bank saß, hat sich natürlich zu Tode

54:43.750 --> 54:44.330
erschrocken.

54:50.060 --> 54:56.280
Jetzt noch ganz kurz ein Projekt, das wir gerade erst gewonnen haben,

54:56.460 --> 54:58.760
letztes Jahr im Herbst.

54:59.240 --> 55:03.260
Es handelt sich um die Erweiterung und Sanierung des Ethnographischen

55:03.260 --> 55:04.480
Museums in Genf.

55:05.200 --> 55:06.980
Hier die Weltmehrheitsvisualisierung.

55:08.820 --> 55:13.620
Es geht da um ein neues Eingang, einen neuen Eingangsbereich, ein

55:13.620 --> 55:19.540
Eingangsgebäude, eine neue Wahrnehmung des Museums in der Stadt.

55:19.540 --> 55:22.720
Dieses Museum ist momentan noch provisorisch im dahinter befindlichen

55:22.720 --> 55:28.820
Altbau untergebracht, mit völlig unzureichenden Räumlichkeiten, sowohl

55:28.820 --> 55:35.280
was die Größe, aber auch die Raumorganisation, Schnitt, Belichtung

55:35.280 --> 55:35.700
usw.

55:35.940 --> 55:36.500
anbelangt.

55:36.780 --> 55:40.160
Die eigentliche Sammlung ist eingemottet an verschiedenen Orten.

55:40.960 --> 55:45.700
Eine große Spenderin hat jetzt den Grundstoff gelegt für eine

55:45.700 --> 55:49.820
Stiftung, um diesem Museum ein neues Haus zu geben.

55:50.680 --> 55:54.920
Mit diesem Grundstoff war es möglich, den Wettbewerb durchzuführen.

55:58.180 --> 56:02.260
Wir haben uns dann entschieden, den Altbau möglichst freizustellen,

56:02.900 --> 56:09.660
dem Museum seinen platzartigen Außenraum zu geben, um dem eigentlichen

56:09.660 --> 56:14.220
Eingangsgebäude, das als Museum in Erscheinung tritt, auch genug Luft

56:14.220 --> 56:15.060
zu verschaffen.

56:15.800 --> 56:19.400
Und die Ausstellungsfläche an sich liegt unterirdisch.

56:20.980 --> 56:25.680
In diesem ureirdisch in Erscheinung tretenden Gebäude liegt dann

56:25.680 --> 56:29.020
eigentlich nur der Eingangsbereich und die Bibliothek und ein paar

56:29.020 --> 56:29.500
Büros.

56:30.940 --> 56:35.300
Von dort führt dann der Weg nach unten in diese beiden Untergeschosse,

56:35.300 --> 56:38.260
wo die eigentliche Sammlung untergebracht wird.

56:38.900 --> 56:44.220
Gelichtet wird das Ganze dann über verschiedene Aufstülpungen auf

56:44.220 --> 56:49.780
diesem Platz, die man hier jetzt sieht, die einerseits Sitzmöbel,

56:49.920 --> 56:52.460
andererseits aber auch Fahrradunterstände sind.

56:53.940 --> 56:59.840
Das ist also unser aktuellstes Projekt, wo wir jetzt gerade eben das

56:59.840 --> 57:02.160
sogenannte Vorprojekt abgegeben haben.

57:03.060 --> 57:07.180
Und, wie soll es anders sein, kostenmäßig auch deutlich über das Ziel

57:07.180 --> 57:08.280
hinaus geschossen haben.

57:08.520 --> 57:12.300
Das hängt aber meistens damit zusammen, dass bei den Wettbewerben die

57:12.300 --> 57:18.240
Kostengrundlagen, also das Kostenziel auf abenteuerliche Weise auch

57:18.240 --> 57:21.040
von professionellen Bauern ermittelt wird.

57:21.160 --> 57:23.820
Also in diesem Fall war das eine Abteilung, die das Raumprogramm

57:23.820 --> 57:26.500
definiert hat und eine andere Abteilung, die gesagt hat, was das Ganze

57:26.500 --> 57:27.200
kosten darf.

57:27.260 --> 57:28.880
Und die beiden haben nebeneinander geredet.

57:29.980 --> 57:32.140
Leidtragende sind natürlich wir in diesem Fall.

57:32.300 --> 57:35.560
Wir müssen uns jetzt überlegen, wie wir das Ganze 50% günstiger machen

57:35.560 --> 57:36.000
können.

57:53.700 --> 57:55.040
Die Deutschen kommen.

57:56.080 --> 57:59.540
Kaum eine größere Planersitzung in Zürich kann ja nicht mindestens ein

57:59.540 --> 58:03.620
Teilnehmer durch sein Hochdeutsch und die unangenehme Eigenart,

58:03.780 --> 58:05.740
ungewöhnlich schnell zu sprechen, auffällt.

58:07.640 --> 58:11.420
Ruft man in einem Fachplaner oder Architekturbüro in Zürich an, wird

58:11.420 --> 58:14.240
man meist von einem jungen, hochdeutsch sprechenden Mitarbeiter

58:14.240 --> 58:19.740
verbunden, der einen immerhin mit einem adäquaten Grünziel begrüßt.

58:19.740 --> 58:23.820
Bei schätzungsweise 18% der bei uns eingehenden Bewerbungen handelt es

58:23.820 --> 58:27.480
sich entweder um Absender aus Deutschland oder um Deutsche, die

58:27.480 --> 58:31.520
bereits in einem anderen Büro in der Schweiz arbeiten oder aber soeben

58:31.520 --> 58:34.580
ihr Studium an der ETH Zürich oder der Akademia in den Finso

58:34.580 --> 58:35.520
abgeschlossen haben.

58:36.520 --> 58:40.460
Es gibt Krankenhausstationen in Zürich, deren komplettes Ärzte- und

58:40.460 --> 58:42.140
Pflegeteam aus Deutschen besteht.

58:42.980 --> 58:46.220
Die Deutschen bilden mittlerweile in Zürich die größte Ausländergruppe

58:46.220 --> 58:49.580
und unterscheiden sich natürlich deutlich von Einwanderern anderer

58:49.580 --> 58:50.460
Nationalitäten.

58:51.320 --> 58:54.680
Sie besitzen eine Ausbildung in einem gehobenen technischen oder

58:54.680 --> 58:58.280
akademischen Beruf, sind sprachgewandt und stehen den

58:58.280 --> 59:02.260
Deutschschweizern zumindest auf den ersten Blick kulturell sehr nahe.

59:03.780 --> 59:07.840
Die Besetzung von gehobenen Positionen durch Deutsche verbunden mit

59:07.840 --> 59:12.400
der sprachlichen Überlegenheit oder Geschwätzigkeit und der schieren,

59:12.560 --> 59:16.340
stetig anwachsenden Zahl führt allerdings mittlerweile zu einer

59:16.340 --> 59:18.660
unterschwelligen deutschen Feindlichkeit in Zürich.

59:19.200 --> 59:22.060
Die ersten Autos mit deutschen Kennzeichen sind bereits nachts

59:22.060 --> 59:23.100
zerkratzt worden.

59:23.960 --> 59:27.040
Eine deutsche Radiomoderatorin bei einem Zürcher Center hat nach

59:27.040 --> 59:29.980
massiven Drohungen mittlerweile ihren Job aufgegeben und ist nach

59:29.980 --> 59:31.340
Deutschland zurückgekehrt.

59:32.220 --> 59:35.660
Doch so dramatisch sich das alles anhören mag im täglichen Leben,

59:35.880 --> 59:39.880
speziell in der weltoffenen Architektenszene und in der international

59:39.880 --> 59:42.840
geprägten Stadt Zürich, ist von alledem nichts zu spüren.

59:43.640 --> 59:47.240
Im Gegenteil, das internationale Flair wird geschätzt und gepflegt.

59:49.400 --> 59:52.300
Warum wollen so viele deutsche Architekten in der Schweiz arbeiten?

59:53.260 --> 59:55.820
Sicher sind die Gehälter in Zürich viel höher als in deutschen

59:55.820 --> 59:56.320
Städten.

59:56.900 --> 01:00:00.360
Daran kann es allerdings kaum liegen, denn die Lebenshaltungskosten

01:00:00.360 --> 01:00:01.240
sind es ebenfalls.

01:00:02.780 --> 01:00:06.120
So lebt ein Architekt in Zürich finanziell nicht möglich besser als in

01:00:06.120 --> 01:00:08.780
einer deutschen Stadt, vielleicht mit Ausnahme von Berlin.

01:00:10.220 --> 01:00:12.860
Vor ein paar Wochen hatte ich eine Bewerbung eines Abgängers dieser

01:00:12.860 --> 01:00:16.320
Fakultät in der Hand, der ganz selbstbewusst Angaben zu seinen

01:00:16.320 --> 01:00:17.510
Gehaltsvorstellungen machte.

01:00:18.600 --> 01:00:22.040
Circa 1800 Euro wollte er als Architekt in Zürich verdienen.

01:00:23.400 --> 01:00:27.160
Ich habe mir lange überlegt, ob ich ihm im Absageschreiben den guten

01:00:27.160 --> 01:00:30.180
Rat geben sollte, sich einmal über die Lebenshaltungskosten in Zürich

01:00:30.180 --> 01:00:31.020
zu informieren.

01:00:32.160 --> 01:00:35.260
Für eine Zwei-Zimmer-Wohnung in einer der mittelmäßigeren Stadtlagen

01:00:35.260 --> 01:00:39.020
würde er in Zürich umgerechnet 800 bis 1000 Euro Miete bezahlen.

01:00:40.340 --> 01:00:43.760
Was ich ihm aber definitiv mit auf den Weg hätte geben sollen, ist,

01:00:43.960 --> 01:00:47.100
dass man als Anfänger in unserer Branche keine Gehaltsvorstellungen

01:00:47.100 --> 01:00:47.640
äußert.

01:00:50.060 --> 01:00:53.660
An der Aussicht auf unermesslichen Reichtum scheint es also nicht zu

01:00:53.660 --> 01:00:53.980
liegen.

01:00:54.500 --> 01:00:56.580
Eher an den sogenannten weichen Faktors.

01:00:57.660 --> 01:01:00.540
Tatsächlich ist es so, dass man in der Schweiz die Chance hat, auf

01:01:00.540 --> 01:01:03.660
einem qualitativ sehr hohen Niveau an interessanten Projekten

01:01:03.660 --> 01:01:05.360
unterstichbar zu arbeiten.

01:01:06.040 --> 01:01:07.520
Dies hat zahlreiche Gründe.

01:01:08.100 --> 01:01:11.460
Zunächst einmal sind die Honorare real betrachtet tatsächlich höher

01:01:11.460 --> 01:01:12.200
als in Deutschland.

01:01:13.380 --> 01:01:15.820
Und der überwiegende Teil der Bauherren verlangt keine

01:01:15.820 --> 01:01:16.860
Dumpinghonorare.

01:01:16.860 --> 01:01:20.000
Obwohl die Honorarordnung in der Schweiz nicht bindend für den

01:01:20.000 --> 01:01:23.060
Berufsstand ist, sondern lediglich erzählend im Charakter.

01:01:24.720 --> 01:01:29.180
Übrigens ist die Branche generell viel stärker liberalisiert und der

01:01:29.180 --> 01:01:31.660
freien Wirtschaft unterworfen als in Deutschland.

01:01:32.440 --> 01:01:36.600
So ist weder der Titel Architekt in irgendeiner Form geschützt, noch

01:01:36.600 --> 01:01:39.440
genießen die Architekten den Status des Freiberufes.

01:01:40.480 --> 01:01:44.300
Und dennoch resultiert eine hochstehende Baukultur und eine Vielzahl

01:01:44.300 --> 01:01:45.740
auch kleinerer Unterbüros.

01:01:46.360 --> 01:01:49.960
Dass dies allerdings nicht selbstverständlich ist, zeigen Beispiele

01:01:49.960 --> 01:01:54.700
der Liberalisierung aus anderen Ländern, wie etwa England, wo in den

01:01:54.700 --> 01:01:59.000
80er Jahren die Branche zu Tode rationalisiert wurde und sich erst

01:01:59.000 --> 01:02:02.080
während der letzten Jahre wieder motivierte junge Büros zu Wort

01:02:02.080 --> 01:02:02.420
melden.

01:02:05.220 --> 01:02:07.840
Die Honorare sind also nicht schlecht in der Schweiz.

01:02:08.200 --> 01:02:11.160
Doch warum sind die meisten Bauherren bereit, diese auch zu bezahlen?

01:02:12.380 --> 01:02:15.600
Einerseits liegt dies sicherlich am Stellenwert der Baukultur in der

01:02:15.600 --> 01:02:20.080
Schweiz und am hohen Qualitätsanspruch der Schweizer, verbunden mit

01:02:20.080 --> 01:02:21.680
dem relativen Reichtum im Land.

01:02:23.060 --> 01:02:25.640
Andererseits auch an der Art der Baumeinschaften.

01:02:26.100 --> 01:02:29.020
So spielen in der Schweiz neben der öffentlichen Hand vor allem

01:02:29.020 --> 01:02:33.080
Genossenschaften und Stiftungen eine entscheidende Rolle als Träger

01:02:33.080 --> 01:02:34.640
und Förderer der Baukultur.

01:02:35.460 --> 01:02:39.480
Um der Wohnungsnot zu begegnen, lancierte die Stadt Zürich in den 90er

01:02:39.480 --> 01:02:43.480
Jahren ein Programm mit dem Slogan 10.000 Wohnungen in 10 Jahren.

01:02:44.500 --> 01:02:47.860
Dieses Programm hat dazu beigetragen, dass städtebauliche Potenziale

01:02:47.860 --> 01:02:52.360
ausgeschöpft wurden und vor allem die in Zürich traditionell stark

01:02:52.360 --> 01:02:56.280
vertretenen Wohnbaugenossenschaften große Projekte in Angriff genommen

01:02:56.280 --> 01:02:57.120
haben.

01:02:57.140 --> 01:03:00.640
Da es sich dabei meist um städtebaulich relevante Angriffe handelte,

01:03:01.140 --> 01:03:05.000
waren die Genossenschaften gezwungen, viele taten es übrigens auch

01:03:05.000 --> 01:03:07.500
freiwillig, Wettbewerbe durchzuführen.

01:03:08.920 --> 01:03:12.380
Aus diesen Wettbewerben resultierten zahlreiche interessante Wohnbau-

01:03:12.380 --> 01:03:15.880
und Siedlungsprojekte, die vor allem auch jüngere Büros zum Erfolg

01:03:15.880 --> 01:03:16.720
verholfen haben.

01:03:18.020 --> 01:03:21.800
Doch nicht nur bei den Wohnbaugenossenschaften und Stiftungen ist ein

01:03:21.800 --> 01:03:24.360
hoher Qualitätsanspruch an die Architektur spürbar.

01:03:25.000 --> 01:03:28.700
Generell scheint in der Schweiz der Stellenwert von Qualität, das

01:03:28.700 --> 01:03:33.400
Vertrauen in Professionalität und der Respekt gegenüber Fachleuten

01:03:33.400 --> 01:03:35.720
deutlich größer zu sein als in Deutschland.

01:03:36.560 --> 01:03:39.880
Auch das öffentliche oder gemeinschaftliche Interesse an der gebauten

01:03:39.880 --> 01:03:40.320
Umwelt.

01:03:41.040 --> 01:03:45.140
Dies hat sicherlich mit dem System der direkten Demokratie zu tun und

01:03:45.140 --> 01:03:48.800
zeigt sich unabhängig vom Zwang der öffentlichen Vergaberichtlinien in

01:03:48.800 --> 01:03:52.360
der großen Zahl von Architekturwettbewerben, auch für kleinere

01:03:52.360 --> 01:03:53.640
Projekte in der Provinz.

01:03:55.280 --> 01:03:58.880
Diese wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen bieten

01:03:58.880 --> 01:04:02.120
natürlich schlussendlich einen Leerboden für gute Architektur.

01:04:02.940 --> 01:04:06.200
Es gibt in der Schweiz nicht nur zahlreiche interessante Büros,

01:04:06.940 --> 01:04:10.140
sondern auch die entsprechenden Aufträge, mit denen Sie Ihre

01:04:10.140 --> 01:04:12.040
Fähigkeiten unter Beweis stellen können.

01:04:13.660 --> 01:04:17.740
Und um beim Bild zu bleiben, die Sprösslinge, die in diesem Leerboden

01:04:17.740 --> 01:04:21.640
keimen, kommen natürlich auch von Hochschulen, die deutlich besser

01:04:21.640 --> 01:04:23.220
sind als der europäische Durchschnitt.

01:04:24.100 --> 01:04:27.840
An der ETH Zürich oder der Academia in Mendrisio herrschen geradezu

01:04:27.840 --> 01:04:31.220
paradiesische Zustände, was die Ausstattung mit Mitteln anbelangt,

01:04:31.860 --> 01:04:35.060
aber auch in Bezug auf die Möglichkeit, internationale Größen als

01:04:35.060 --> 01:04:36.220
Professoren zu gewinnen.

01:04:36.960 --> 01:04:40.960
Dort wäre es übrigens völlig unvorstellbar, sich als Professor in

01:04:40.960 --> 01:04:45.360
einen Beamtenapparat einfälschen zu lassen oder bei der Übernahme

01:04:45.360 --> 01:04:48.660
eines Lehrstuhls die Assistenten des Vorgängers übernehmen zu müssen,

01:04:49.180 --> 01:04:52.980
weil deren Verträge eben einmal noch laufen oder ein Teil von ihnen

01:04:52.980 --> 01:04:54.260
sogar für Beamte ist.

01:04:55.240 --> 01:04:58.580
Ein Professor würde sich weigern, mit Assistenten zusammenzuarbeiten,

01:04:58.660 --> 01:05:01.840
die er sich nicht selbst ausgesucht hat und die somit nicht seine

01:05:01.840 --> 01:05:05.400
Architektursprache verstehen und seine Lehre verkörpern können.

01:05:07.220 --> 01:05:09.680
Doch ich hatte ja eingangs versprochen, mich mit Kritik

01:05:09.680 --> 01:05:10.540
zurückzuhalten.

01:05:11.100 --> 01:05:14.100
Also zurück zu der Frage, warum die Schweiz für junge Architekte so

01:05:14.100 --> 01:05:15.080
attraktiv ist.

01:05:16.440 --> 01:05:19.200
Zusammenfassend scheinen es vier wesentliche Dinge zu sein, die sich

01:05:19.200 --> 01:05:20.240
gegenseitig bedingen.

01:05:20.240 --> 01:05:25.080
Die wirtschaftliche Situation, die gesellschaftlichen

01:05:25.080 --> 01:05:29.800
Rahmenbedingungen, die fachlichen Möglichkeiten und das Vorhandensein

01:05:29.800 --> 01:05:32.260
interessanter Büros mit interessanten Aufträgen.

01:05:33.240 --> 01:05:36.860
Mich persönlich haben genau diese Faktoren in die Schweiz gelockt und

01:05:36.860 --> 01:05:39.000
ich bereue die Entscheidung bisher keinesfalls.

01:05:40.020 --> 01:05:44.340
Denn zu diesen vier Positivaspekten kann auch ein Fünfter hinzukommen.

01:05:44.700 --> 01:05:49.020
Die Möglichkeit, sich persönlich zu entwickeln und Karriere zu machen.

01:05:49.020 --> 01:05:53.360
Die viel gepriesene Abwechslung und Vielseitigkeit in unserem Job

01:05:53.360 --> 01:05:56.900
hängt natürlich stark von der Position innerhalb eines Teams ab.

01:05:57.920 --> 01:06:01.960
Für eine einfache Sachbearbeit in einem Projektteam ist davon leider

01:06:01.960 --> 01:06:03.280
noch wenig zu spüren.

01:06:03.960 --> 01:06:06.960
Erst mit der Weiterentwicklung und der Übernahme gewisser leitender

01:06:06.960 --> 01:06:10.280
und koordinierender Tätigkeiten wird es so richtig spannend.

01:06:12.000 --> 01:06:15.480
Die negative Kehrseite davon habe ich eingangs erwähnt.

01:06:16.760 --> 01:06:20.420
Am klassischen Architektenberuf schätze ich das Generalistentum.

01:06:20.740 --> 01:06:23.920
Und ich kann mich gut damit abfinden, dass ich lebensrichtig Bescheid

01:06:23.920 --> 01:06:28.780
weiß, dafür aber überall einen Einblick habe und auf verschiedensten

01:06:28.780 --> 01:06:30.500
Ebenen etwas bewirken kann.

01:06:32.700 --> 01:06:36.920
Das Wissen verdichtet sich im Laufe der Zeit also nicht primär,

01:06:37.260 --> 01:06:39.380
sondern entwickelt sich eher in die Breite.

01:06:40.540 --> 01:06:43.900
Es spezifiziert sich nicht, sondern diversifiziert sich.

01:06:44.720 --> 01:06:48.280
Und genau mit diesem Anspruch habe ich vor 13 Jahren an dieser

01:06:48.280 --> 01:06:50.000
Fakultät mein Studium begonnen.

01:06:55.060 --> 01:06:56.380
Das wäre es von meiner Seite.

01:06:57.480 --> 01:06:59.680
Wie gesagt, habe ich probiert, mich zeitlich ein bisschen

01:06:59.680 --> 01:07:02.020
einzuschränken, hat fast geklappt, eine Stunde sieben.

01:07:05.740 --> 01:07:09.980
Ich würde mich jetzt freuen, wenn wir noch ein lockeres Gespräch

01:07:09.980 --> 01:07:10.760
führen könnten.

01:07:11.800 --> 01:07:18.900
Die geringe Anzahl von Zuhörern hat ja immer den Vorteil, dass wir da

01:07:18.900 --> 01:07:23.040
noch ungezwungen miteinander reden können und jeder zu Wort kommen

01:07:23.040 --> 01:07:23.460
kann.

01:07:24.940 --> 01:07:27.960
Ich habe ein bisschen was erzählt über die Eigenheiten in der Schweiz.

01:07:28.080 --> 01:07:33.800
Ich habe ein bisschen was erzählt über die Frage, warum so viele in

01:07:33.800 --> 01:07:34.600
die Schweiz wollen.

01:07:35.040 --> 01:07:37.520
Ich habe auch erzählt, wie ich persönlich in die Schweiz gekommen bin.

01:07:37.760 --> 01:07:39.720
Und ich habe gesagt, ich weiß keinesfalls.

01:07:39.720 --> 01:07:45.440
Ich kann mir vorstellen, dass viele von euch jetzt auch persönlich

01:07:45.440 --> 01:07:49.400
vielleicht in den Gedanken spielen, sich nach dem Diplom in Richtung

01:07:49.400 --> 01:07:50.680
Schweiz zu bewegen.

01:07:51.520 --> 01:07:56.120
Und deshalb haben wir jetzt die Gelegenheit, diesbezüglich auch Fragen

01:07:56.120 --> 01:07:56.620
zu stellen.

01:07:59.100 --> 01:08:01.220
Ich glaube, zum nächsten Mal so ein bisschen Applaus.

01:08:02.220 --> 01:08:03.000
Applaus

01:08:27.770 --> 01:08:29.330
Sowohl als auch.

01:08:29.990 --> 01:08:34.630
Also die deutsche Architektenausbildung genießt, glaube ich,

01:08:34.630 --> 01:08:36.610
international einen sehr soliden Ruf.

01:08:37.030 --> 01:08:38.930
Das kann man mit Sicherheit sagen.

01:08:41.190 --> 01:08:44.650
Die Bewerbungen unterscheiden sich dennoch sehr deutlich.

01:08:44.790 --> 01:08:47.670
Also Portfolios aus Deutschland sehen einfach auf den ersten Blick

01:08:47.670 --> 01:08:49.030
anders aus als die von der ETH.

01:08:49.250 --> 01:08:51.570
Das hat mit der unterschiedlichen Lehre zu tun.

01:08:52.570 --> 01:08:57.010
Das hat mit der unterschiedlichen Herangehensweise an Architektur zu

01:08:57.010 --> 01:08:57.350
tun.

01:08:58.870 --> 01:09:03.770
Das hat mit der Schicksalsschule auch an der ETH zu tun, wo sehr viel

01:09:03.770 --> 01:09:06.350
über Bilder gearbeitet wird.

01:09:07.770 --> 01:09:13.030
Das heißt, die Ausdrucksstärke der Bilder, die in den Portfolios drin

01:09:13.030 --> 01:09:16.470
ist, und auch der künstlerische Anspruch der Bilder sind ganz anders

01:09:16.470 --> 01:09:19.450
im Vergleich zu den Bewerbungen, die aus Deutschland kommen.

01:09:20.490 --> 01:09:23.210
Generell sind oft auch die Portfolios, und das muss ich wirklich

01:09:23.210 --> 01:09:26.270
sagen, sorgfältiger gestaltet, die von der ETH kommen.

01:09:28.290 --> 01:09:34.610
Und das hat vielleicht ein bisschen mit der erwähnten Geschwätzigkeit

01:09:34.610 --> 01:09:35.930
der Deutschen zu tun.

01:09:35.930 --> 01:09:40.270
Die Bewerbungen fallen oft auch negativ, auch durch ihre Tonfalle.

01:09:40.310 --> 01:09:44.590
In der Schweiz ist es zum Beispiel undenkbar, dass man Hallo, Herr

01:09:44.590 --> 01:09:48.510
Sohn so schreibt in einem Brief, wo man einen Erstkontakt herstellt.

01:09:51.650 --> 01:09:54.410
Aber das sind wirklich so eigentlich die Manualien.

01:09:54.570 --> 01:09:58.350
Also inhaltlich betrachtet genießen die deutschen Hochschulen wirklich

01:09:58.350 --> 01:10:00.030
nach wie vor einen guten Ruf.

01:10:00.030 --> 01:10:04.130
Und es ist sicher, zum Beispiel Karlsruhe, Stuttgart, München, sind

01:10:04.130 --> 01:10:08.290
Hochschulen, die jeder kennt, die Bewerbung aus Cottbus kommt, oder

01:10:08.290 --> 01:10:15.310
von der FH Heidelberg oder sowas, da wird dann vielleicht doch eher

01:10:15.310 --> 01:10:19.650
mal die Nase gerümpelt, oder zumindest wirklich bei mir nachgefragt,

01:10:19.770 --> 01:10:21.170
was das denn für Hochschulen sind.

01:10:22.370 --> 01:10:27.030
Aber von der Uni Karlsruhe haben wir sehr viele Bewerber und es

01:10:27.030 --> 01:10:30.770
arbeiten auch viele, zumindest Praktikanten, momentan bei uns, die

01:10:30.770 --> 01:10:32.010
hier aus Karlsruhe kommen.

01:10:32.630 --> 01:10:40.050
Und wir haben momentan auch zumindest einen fertigen Architekten aus

01:10:40.050 --> 01:10:42.350
Karlsruhe, der bei uns im Sozialen Bewerbsteam arbeitet.

01:10:43.270 --> 01:10:48.770
Also es ist sicher kein Makel, der einen da anhaftet, wenn man sich

01:10:48.770 --> 01:10:49.670
aus Karlsruhe nimmt.

01:10:56.620 --> 01:11:05.680
Zu den Nährwerkstätten, diese Maschinen oder diese G-S, die sind im

01:11:05.680 --> 01:11:08.420
Obergeschoss, davon haben wir ein Plastizimmer.

01:11:13.010 --> 01:11:16.170
Da bin ich ein bisschen überfragt, ehrlich gesagt, weil ich das

01:11:16.170 --> 01:11:20.050
Projekt nicht selbst betreue, das wird in Bern bearbeitet.

01:11:20.050 --> 01:11:22.950
Aber das war natürlich ein ganz kritischer Punkt im Weltbewerb, der

01:11:22.950 --> 01:11:29.630
uns auch bewusst war und der auch im Jurybericht erwähnt wurde.

01:11:30.430 --> 01:11:34.190
Das Ganze befindet sich auch, wie gesagt, im Bau, das heißt, es gibt

01:11:34.190 --> 01:11:35.150
Lösungen dafür.

01:11:35.430 --> 01:11:38.810
Also in jedem Fall werden diese Maschinen irgendwie schalltätig

01:11:38.810 --> 01:11:39.690
gekoppelt sein.

01:11:40.090 --> 01:11:43.330
Das ist aber auch ein Problem, das generell in der Industrie

01:11:43.330 --> 01:11:48.010
heutzutage auftritt, wo oft ja auch in einem und demselben Gebäude

01:11:48.010 --> 01:11:53.950
komplex Büros und Fertigungsstätten angeordnet werden.

01:11:54.150 --> 01:11:58.810
Es gibt da Spezialfirmen, die eben solche Lagerungen für die Maschinen

01:11:58.810 --> 01:11:59.790
dann auch herstellen.

01:12:01.910 --> 01:12:04.450
Prinzipiell, also im Stück gesehen, arbeiten wir natürlich mit

01:12:04.450 --> 01:12:08.470
präsentierten Decken, mit dem mehrschichtigen Bodenaufbau, also schon

01:12:08.470 --> 01:12:10.330
baulich entsprechende Vorkehrungen.

01:12:10.330 --> 01:12:14.470
Und ich weiß zumindest, dass diese Maschinen selbst auch alle

01:12:14.470 --> 01:12:16.810
entsprechend umgelandet sind und auch im Detail funktioniert.

01:12:20.650 --> 01:12:23.450
Was mich zu den Jüngsten auch noch mal kurz so interessiert, das war

01:12:23.450 --> 01:12:24.090
wohl im 1.

01:12:24.210 --> 01:12:24.470
und 12.

01:12:24.830 --> 01:12:25.930
Jahrhundert in der Schweiz.

01:12:26.650 --> 01:12:31.030
Das ist ja auch wiederum eigentlich viel Erdulden, sozusagen, dass man

01:12:31.030 --> 01:12:33.370
tatsächlich...

01:12:33.370 --> 01:12:36.390
Das frage ich mich im Nachhinein auch, ehrlich gesagt.

01:12:36.390 --> 01:12:40.810
Also würdest du jetzt jüngeren Studenten, die sich überlegen, zur

01:12:40.810 --> 01:12:43.170
Waschbahn zu gehen, das schon früher anmachen sollen?

01:13:06.390 --> 01:13:08.910
Ich habe mich leider gemacht, solange an dieser Fakultät zu suchen,

01:13:09.050 --> 01:13:12.390
nach dem, was mich faszinieren und motivieren kann.

01:13:12.810 --> 01:13:14.890
Da ist der Funke einfach irgendwann nicht mehr so richtig

01:13:14.890 --> 01:13:15.650
übergesprungen.

01:13:16.810 --> 01:13:19.950
Und wie war das mit Mendrisio, die Entscheidung dafür?

01:13:20.930 --> 01:13:23.750
Das ist ja oftmals eigentlich die ETH-Einschulung oder so.

01:13:25.030 --> 01:13:28.550
Also bei mir war es einfach die Person, die mich fasziniert und

01:13:28.550 --> 01:13:29.470
interessiert hat.

01:13:29.870 --> 01:13:33.630
Und ich habe mich auch, wie gesagt, es gab zu dieser Zeit gar kein

01:13:33.630 --> 01:13:35.250
Austauschprogramm mit Mendrisio.

01:13:35.250 --> 01:13:38.250
Also die Uni Karlsruhe hatte gar kein Programm.

01:13:38.790 --> 01:13:41.110
Ich hatte das Glück, dass ich ein Stipendium gekriegt habe.

01:13:41.970 --> 01:13:46.110
Und damit die relevanten Studiengebühren abgedeckt waren.

01:13:46.250 --> 01:13:48.630
Das ist übrigens in der Schweiz auch so, dass mit größter Berechtigung

01:13:48.630 --> 01:13:52.330
Ausländer dreimal so hohe Gebühren zahlen wie Schweizer.

01:13:53.870 --> 01:13:56.710
Und deshalb hatte ich natürlich auch keine Lehrveranstaltungen, die

01:13:56.710 --> 01:13:59.550
ich besuchen musste oder irgendwelche Nachweise, die ich abliefern

01:13:59.550 --> 01:13:59.790
musste.

01:13:59.790 --> 01:14:03.050
Ich konnte mich also ganz frei bewegen und habe mich dann einfach ganz

01:14:03.050 --> 01:14:07.010
direkt schon von hier aus bei Peter Zumthor in der Erwerbsklasse

01:14:07.010 --> 01:14:07.470
geworben.

01:14:07.590 --> 01:14:08.630
Und das hat dann auch geklappt.

01:14:09.270 --> 01:14:11.750
Also ich weiß nicht, wenn es nicht geklappt hätte, ob ich dann

01:14:11.750 --> 01:14:15.210
trotzdem nach Mendrisio gegangen wäre oder ob ich dann überlegt hätte,

01:14:15.230 --> 01:14:15.670
nachzunehmen.

01:14:21.520 --> 01:14:25.360
Merkt man denn gerade bei den Berufslehrern oder Praktikanten noch

01:14:25.360 --> 01:14:28.440
einen großen Unterschied in der Herangehensweise?

01:14:30.660 --> 01:14:32.340
Oder arbeiten die dann doch?

01:14:33.860 --> 01:14:35.900
Ich glaube, das lässt sich nicht vereinheitlichen.

01:14:35.900 --> 01:14:39.360
Also es gibt auch bei deutschen Abgängern ganz unterschiedliche

01:14:39.360 --> 01:14:42.640
Herangehensweisen und ganz unterschiedlich interessierte und

01:14:42.640 --> 01:14:43.680
motivierte Typen.

01:14:44.440 --> 01:14:46.260
Und genauso ist es bei den Schweizern auch.

01:14:46.360 --> 01:14:48.640
Also es gibt sicher auch Mieten, die von der ETH kommen.

01:14:49.380 --> 01:14:51.620
Und faule Säcke, die von der ETH kommen.

01:14:52.600 --> 01:14:53.200
Reihenweise.

01:14:53.880 --> 01:14:58.200
Es gibt ganz viele Söhnchen von Bauunternehmern, die Mendrisio

01:14:58.200 --> 01:15:01.080
studieren, weil es einfach die teuerste Hochschule ist.

01:15:01.080 --> 01:15:06.900
Also das Diplomzeugnis von der ETH oder von Mendrisio allein, das sagt

01:15:06.900 --> 01:15:07.880
noch gar nichts aus.

01:15:09.000 --> 01:15:12.540
Es gibt keine bestimmten Eigenschaften, die jetzt voll entspannt

01:15:16.780 --> 01:15:17.320
sind?

01:15:17.660 --> 01:15:19.920
Würde ich... wüsste ich nicht welche, nein.

01:15:20.540 --> 01:15:23.760
Es hängt natürlich auch extrem damit zusammen, bei welchen Professoren

01:15:23.760 --> 01:15:28.180
die Leute studieren können, an der ETH oder auch in Mendrisio.

01:15:28.340 --> 01:15:31.400
Also in Mendrisio gibt es himmelweite Unterschiede, was die Lehre

01:15:31.400 --> 01:15:32.180
anbelangt.

01:15:32.180 --> 01:15:35.280
Nicht unbedingt, also auch was die Qualität der Lehre anbelangt, aber

01:15:35.280 --> 01:15:39.680
hauptsächlich was die Herangehensweise und die Methodik und Didaktik

01:15:39.680 --> 01:15:40.400
anbelangt.

01:15:40.700 --> 01:15:41.920
Und genau so auch an den Konzernen.

01:15:43.900 --> 01:15:44.380
Ich

01:15:47.770 --> 01:15:54.740
habe auf dem Wachstumsfeld öfters gehört, dass die Schweizer selbst

01:15:54.740 --> 01:15:58.100
Schwerpunkte auf der theoretischen Ebene entwerten.

01:15:58.520 --> 01:15:59.420
Und dass man die Deutschen,

01:16:10.480 --> 01:16:14.100
man selbst kümmert sich um das hohe Entwerten auf der theoretischen

01:16:14.100 --> 01:16:14.480
Ebene.

01:16:14.980 --> 01:16:17.540
Und soweit das eine Realisierung gibt, schiebe ich es an die Deutschen

01:16:17.540 --> 01:16:17.780
ab.

01:16:17.860 --> 01:16:20.800
Wie ist das jetzt, wie kriegt man das in Zürich hin?

01:16:22.960 --> 01:16:25.740
Prinzipiell ist es in der Schweiz so, dass der Unterschied zwischen

01:16:25.740 --> 01:16:31.780
ETH, EPFL und Mendrisio auf der einen Seite und den Fachhochschulen

01:16:31.780 --> 01:16:34.820
auf der anderen Seite noch sehr groß ist.

01:16:35.260 --> 01:16:38.680
Also Fachhochschulabsolventen sind eigentlich so die Studierenden mit

01:16:38.680 --> 01:16:43.960
Zeichner und die ETH, EFL, Mendrisio-Absolventen sind die mit

01:16:43.960 --> 01:16:44.140
Zeichner.

01:16:45.620 --> 01:16:49.360
Dementsprechend, also es ist wirklich so, die Ausbildung ist so

01:16:49.360 --> 01:16:50.120
unterschiedlich.

01:16:50.520 --> 01:16:55.300
Und dementsprechend sucht man sich natürlich auch die passenden Leute.

01:16:55.480 --> 01:16:58.740
Das heißt, man sucht eigentlich gezielt auch FH-Absolventen, wenn man

01:16:58.740 --> 01:17:02.140
sich in der Ausführungsphase eines großen Projektes befindet, oft

01:17:02.140 --> 01:17:02.500
haben.

01:17:02.980 --> 01:17:12.060
Und das hängt mit der anderen Ausbildungsart in der Schweiz zusammen.

01:17:12.060 --> 01:17:16.200
Nämlich, dass viele in den zweiten Bildungsweg zum Diplom gelangen,

01:17:16.900 --> 01:17:20.360
sprich die FH-Leute sind meistens gelernte Zeichner oder gelernte

01:17:20.360 --> 01:17:21.120
Handwerker.

01:17:23.240 --> 01:17:26.460
Deshalb holt man sich eben oft gezielt einen FH-Abgänger, weil man

01:17:26.460 --> 01:17:29.900
weiß, der hat vorher schon das Zeichnerhandwerk gelernt, der hat

01:17:29.900 --> 01:17:34.820
vorher auf einer Baustelle gearbeitet und der weiß einfach, was er da

01:17:34.820 --> 01:17:35.140
macht.

01:17:35.880 --> 01:17:40.880
Und es ist wirklich so, dass die Leute an den sogenannten vollwertigen

01:17:40.880 --> 01:17:45.500
Hochschulen in der Schweiz, dass die davon relativ wenig Ahnung haben.

01:17:45.580 --> 01:17:49.420
Es gibt zwar auch ein Pflichtpraktikum, sowohl an der ETH als auch in

01:17:49.420 --> 01:17:53.100
der Dresden mittlerweile, wo man in ein Büro gehen muss für ein halbes

01:17:53.100 --> 01:17:53.380
Jahr.

01:17:54.880 --> 01:17:59.120
Aber selbst dort arbeitet man oft an Wettbewerben mit und hat dann

01:17:59.120 --> 01:18:02.380
keine Ahnung von der Ausführung oder von der Konstruktion.

01:18:02.380 --> 01:18:07.800
Also dieser Unterschied ist ganz deutlich wahrnehmbar und da bringen

01:18:07.800 --> 01:18:13.440
die deutschen Bewerber schon ein Stück weit den Vorzug mit, dass sie

01:18:13.440 --> 01:18:17.460
eine gewisse Basis haben, auch was Konstruktion anbelangt.

01:18:18.620 --> 01:18:23.140
Und das führt natürlich oft dazu, dass man, wenn man eigentlich einen

01:18:23.140 --> 01:18:27.800
FH -Bewerber sucht aus der Schweiz und den nicht will, weil der Markt

01:18:27.800 --> 01:18:31.600
ist absolut ausgetrocknet in der Schweiz zur Zeit, dass man dann eben

01:18:31.600 --> 01:18:35.480
einen Absolventen von einer technischen Hochschule aus Deutschland

01:18:35.480 --> 01:18:41.340
holt, der a, in seiner Ausbildung ein bisschen was mitgekriegt hat und

01:18:41.340 --> 01:18:45.940
b, und das ist in Deutschland auch verbreiteter als in der Schweiz, b,

01:18:46.200 --> 01:18:49.660
während des Studiums auch irgendwo in Büros gearbeitet hat, wo er

01:18:49.660 --> 01:18:53.300
schon in der Ausführungsplanung Erfahrungen sammeln konnte.

01:18:54.900 --> 01:18:58.660
Daher kann es dann dazu kommen, dass so eine Zweiteilung im Büro

01:18:58.660 --> 01:18:59.060
entsteht.

01:18:59.360 --> 01:19:03.460
Bei uns, in keinem von beiden Büros, gibt es da so eine Zweiteilung.

01:19:03.680 --> 01:19:05.540
Das ist für uns überhaupt nicht spürbar.

01:19:06.280 --> 01:19:08.940
Allerdings haben wir momentan wirklich auch das Problem, dass wir

01:19:08.940 --> 01:19:11.800
Leute suchen mit Ausführungserfahrungen und die wir am besten will,

01:19:12.200 --> 01:19:12.860
nicht finden.

01:19:12.860 --> 01:19:17.360
Also aufgrund des Baubooms, der in den 90ern eingesetzt hat, speziell

01:19:17.360 --> 01:19:21.500
in Zürich, aber auch in anderen Gegenden der Schweiz, ist momentan die

01:19:21.500 --> 01:19:26.140
Situation da, dass sich viele der damals angestoßenen Großprojekte in

01:19:26.140 --> 01:19:32.300
der Realisierungsphase befinden und dementsprechend die Büros

01:19:32.300 --> 01:19:35.520
händelingend nach qualifizierten Mitarbeitern für ihre

01:19:35.520 --> 01:19:36.780
Ausführungsabteilungen suchen.

01:19:44.590 --> 01:19:49.690
Native zu der schweizenden, von jetzigen Ausrüstung, wenn man zum

01:19:49.690 --> 01:19:52.190
Beispiel nicht nach Deutschland reist?

01:19:53.990 --> 01:19:56.590
Das kommt darauf an, aus welchem Grund man weg will.

01:19:57.410 --> 01:20:00.430
Zum Beispiel auch mal wegen der Gehaltssituation?

01:20:01.290 --> 01:20:03.390
Das habe ich ja versucht darzulegen.

01:20:03.610 --> 01:20:06.510
Also man mag sich nicht erhoffen, dass man in der Schweiz reich wird

01:20:06.510 --> 01:20:07.330
als Architekt.

01:20:07.330 --> 01:20:11.290
Man verdient natürlich entsprechend mehr, aber hauptkraftbereinigt,

01:20:11.370 --> 01:20:15.370
umgerechnet, lebt man genauso, gut oder schlecht, wie hier.

01:20:22.730 --> 01:20:23.210
Ja,

01:20:27.210 --> 01:20:30.950
wenn man das anstrebt, dann ist es vielleicht guter, wenn man in die

01:20:30.950 --> 01:20:34.490
Schweiz geht, aber für mich war das keine Motivation.

01:20:37.330 --> 01:20:40.050
Mir war die Sache mit dem schwarzen Porsche und den schicken Schuhen

01:20:40.050 --> 01:20:41.430
eigentlich ziemlich schnell klar.

01:20:41.670 --> 01:20:44.930
Der erste Vorlesung hier an dieser Hochschule hat der Arno Lederer

01:20:44.930 --> 01:20:48.750
durchgezählt und hat jedem Dritten mitgezeigt, dass er mal einen Job

01:20:48.750 --> 01:20:49.250
kriegen wird.

01:20:49.330 --> 01:20:51.230
Und die anderen beiden könnten eigentlich jetzt schon wieder nach

01:20:51.230 --> 01:20:51.810
Hause gehen.

01:20:51.810 --> 01:20:53.650
Ja, das hat er später auch noch probiert.

01:20:56.530 --> 01:21:02.570
Aber was mich noch interessiert, wenn man die Schweiz durch

01:21:02.570 --> 01:21:07.230
Zeitschriften oder Vorträge zur Kenntnis hat, in der Art, dass man

01:21:07.230 --> 01:21:11.230
selber dort war, eine Praktikum gemacht hat, eine Büro gearbeitet hat,

01:21:11.490 --> 01:21:12.170
dann hat man so eine

01:21:17.380 --> 01:21:19.640
Struktur, die sehr selbstständig ist.

01:21:19.640 --> 01:21:25.080
Und deswegen wollte ich einfach mal fragen, wie dann solche Tendenzen,

01:21:25.220 --> 01:21:29.020
solche augenblicklichen Tendenzen, international, wie IHB, Drohder,

01:21:29.040 --> 01:21:32.820
Polar, wird sowas diskutiert oder gibt es das gar nicht?

01:21:34.360 --> 01:21:38.000
Also ganz so hinter den sieben Bergen, wie es in der Schweiz liegt.

01:21:43.700 --> 01:21:48.040
Also in der Schweiz gibt es genau die gleichen Medien, wie hier auch.

01:21:48.440 --> 01:21:52.260
Und die Hochschulen sind mit internationalen Professoren ausgestattet.

01:21:53.360 --> 01:21:57.700
Die unterschiedlichen Strömungen sind in den Studentenportfolios

01:21:57.700 --> 01:21:58.880
genauso sichtbar.

01:22:00.920 --> 01:22:05.260
Dass die Schweiz ein Stück weit sich abkapselt, das hat sicher auch

01:22:05.260 --> 01:22:10.900
mit einem Schutzbedürfnis zu tun und auch mit dem Bewusstsein, dass

01:22:10.900 --> 01:22:15.600
sie ein Stück weit auch ihre Qualität verteidigen möchte, die sie

01:22:15.600 --> 01:22:17.600
immer noch erhalten kann.

01:22:18.680 --> 01:22:22.200
Also generell kann man schon sagen, dass die Architektur der

01:22:22.200 --> 01:22:25.820
Studierenden einfach angemessen war und in den Gegenständen ist, als

01:22:25.820 --> 01:22:32.060
manche Spinnereien aus anderen europäischen Gegenden.

01:22:32.060 --> 01:22:38.160
Das hat, denke ich, mit so einem ureigenen Grundwesenszug der

01:22:38.160 --> 01:22:38.980
Schweizer zu tun.

01:22:39.080 --> 01:22:41.040
Die sind ein sehr bodenständiges Volk.

01:22:42.060 --> 01:22:45.560
Und die Stadt Zürich ist da auch eine Ausnahme.

01:22:45.700 --> 01:22:49.060
Das ist wirklich so die Stadt, die sich sehr weltoffen zeigt, die ein

01:22:49.060 --> 01:22:54.480
sehr internationales Flair hat, wo ein sehr großer Zuzug, wie ich ja

01:22:54.480 --> 01:23:00.620
erwähnt habe, herrscht von hochqualifizierten Leuten in der

01:23:00.620 --> 01:23:02.400
Wirtschaft, aber auch in der Kulturbranche.

01:23:03.980 --> 01:23:08.800
Vielleicht noch Basel, das einfach aufgrund seiner Lage im

01:23:08.800 --> 01:23:13.420
Dreiländereck ein gewisses multikulturelles Flair hat und sich

01:23:13.420 --> 01:23:16.440
zumindest auf zwei Seiten ein bisschen öffnet.

01:23:17.400 --> 01:23:20.240
Aber ansonsten ist die Schweiz schon nach wie vor ein sehr

01:23:20.240 --> 01:23:24.880
bodenständiges und sehr, auch aufgrund der topografischen Situation in

01:23:24.880 --> 01:23:31.740
den Tälern, ein sehr abgeschlossenes und auf sich selbst bezogenes

01:23:31.740 --> 01:23:32.720
Land.

01:23:38.110 --> 01:23:41.110
Wie hat es Ihnen bei der Ausbildung möglich gemacht, so viel

01:23:41.110 --> 01:23:41.750
vorherzukommen?

01:23:54.880 --> 01:23:56.380
Ich glaube, es waren zwei Dinge.

01:23:56.620 --> 01:24:03.760
Zum einen war es wirklich ganz neutral, objektiv betrachtet, die

01:24:03.760 --> 01:24:08.940
Lehre, die mich interessiert hat und die mich fasziniert und motiviert

01:24:08.940 --> 01:24:09.320
hat.

01:24:10.160 --> 01:24:13.040
Also wirklich andere Sachen, die gelehrt wurden, die auf eine andere

01:24:13.040 --> 01:24:17.120
Art und Weise gelehrt wurden, die zum Teil, zumindest auch bei Peter

01:24:17.120 --> 01:24:21.120
Zunter, sehr viel intensiver gelehrt wurden, auch mit einem höheren

01:24:21.120 --> 01:24:21.920
Leistungsdruck.

01:24:23.740 --> 01:24:28.420
Und andererseits waren es, wie ich ja auch erwähnt habe, die Personen

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an sich, die mich fasziniert haben.

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Es waren einfach Leute, deren Namen man schon oft gehört hat, von

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denen man auch Bücher gelesen hat, teilweise sogar Standortwerke, zum

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Beispiel zur Baugeschichte gelesen hat, zum Städtebau gelesen hat.

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Und es war dann wirklich auch so, vielleicht habe ich mir das nur

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eingebildet, aber ich hatte das Gefühl, dass diese Leute eine gewisse

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Aura umgeben.

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Also wenn ein Luigi Snotzi einfach mit seinen fettigen Haaren und der

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großen Zigarre dasteht und eine Studentenarbeit kritisiert, das hat

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einfach was.

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Also vielleicht ist es ein Stück weit objektiv, aber zu einem Großteil

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ganz bestimmt subjektiv.

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Und deshalb sage ich ja, wer hier zufrieden ist und das Gefühl hat, er

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kommt hier vorwärts, der kann sicher hier eine tolle Lehre genießen

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und einen fundierten Abschluss machen.

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Ich möchte nicht prinzipiell die deutschen Hochschulen kritisieren

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oder als minderwertig darstellen, es war einfach bei mir subjektiv so,

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dass ich zu einem gewissen Zeitpunkt das Gefühl hatte, ich muss weg,

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ich komme nicht mehr weiter.

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Und dieses Gefühl leider zu lange mit mir rumgetragen habe, es immer

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wieder probiert habe und dann eben erst kurz vor dem Diplom abgehauen

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bin.

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Aber ich gehe mir unabhängig davon jedem raten, im Laufe seines

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Studiums mal wegzugehen, sei es für ein Praktikum im Ausland oder sei

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es für ein Auslandsjahr an der Hochschule irgendwo anders.

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Egal, ob er dort eine bessere Lehre genießen kann oder einfach nur

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eine andere Lehre.

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Einen schönen Schlusswort.

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Ich lade euch dann natürlich wieder ein, wenn ich noch draußen bin,

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ein Gläschen Wein oder eine Flasche Bier zu trinken.

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Und vielleicht können wir dann auch dieses Gespräch noch ein bisschen

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tiefen oder fortsetzen.

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Vielen Dank, dass ihr heute so hart an mir steht.

01:26:39.500 --> 01:26:40.260
Vielen Dank.

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Vielen Dank.

