WEBVTT

00:00.760 --> 00:04.580
Folgen Sie uns mit InsideScience und werfen Sie den Forschern einen

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Blick über die Schulter.

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In diesem Beitrag...

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Beim Thema Roboter gehen uns verschiedene Bilder durch den Kopf, die

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starke Emotionen auslösen.

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Dabei haben die meisten noch nie einen Roboter in der Realität

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gesehen.

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Industrieroboter revolutionierten in den letzten 50 Jahren die

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Produktionsprozesse.

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Heute sollen Roboter aus den Fabriken heraus und näher zum Menschen

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kommen.

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Als moderner Helfer im privaten Haushalt.

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Wie muss eine Maschine aussehen, die sich in einer Umgebung bewegen

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soll, die für Menschen gemacht ist?

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Die Menschen helfen soll?

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Und die von Menschen möglichst leicht kontrolliert werden kann?

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Am Karlsruher Institut für Technologie arbeiten Forscher verschiedener

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Fachrichtungen am Bau eines humanoiden Roboters.

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Das Ziel des Sonderforschungsbereichs Humanoide Roboter bestand darin,

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multimodale, lernende, kooperierende Roboter zu entwickeln.

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Sie sollten eine humanoide, eine menschenähnliche Formhülle haben,

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sich sehr natürlich menschenähnlich verhalten und vor allem interaktiv

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sein.

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Wir sind jetzt in der Lage, dass wir abgesehen von den

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Industrierobotern, die starre Aufgaben lösen, wirklich jetzt dahin

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gehen können, dass wir Roboter-Systeme entwickeln, die den Begriff

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Humanoid enthalten.

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Das ist ein uralter Menschheitstraum und der heute, sagen wir, seit 20

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Jahren realisiert werden kann.

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Auf der anderen Seite haben wir keiner von uns irgendwelche

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Haushaltsroboter, die den Tisch aufräumen, die die Geschirr spülen,

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die Teller in die Geschirrspülmaschine einräumen, das müssen wir alles

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noch selber machen.

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Wenn wir eine flexible Maschine haben wollen, die im Wesentlichen in

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der Lage ist, beliebige Handgriffe durchzuführen nach einer

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Instruktion des Menschen, da sind wir noch weit davon entfernt.

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Denn Humanoid heißt, wir verhalten uns menschenähnlich.

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Wenn wir das wollen, müssen wir auch bestimmte Kennzeichen, die der

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Mensch hat, der Maschine, dem Roboter übertragen.

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Wir müssen wir gehen, wir müssen greifen können, wir müssen tasten

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können, wir müssen uns bewegen können.

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Wir müssen dann natürlich sehen.

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Sehen, das heißt, ich muss aufnehmen, was in meiner Umgebung passiert.

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Wir müssen also immer schauen, wie ist die Umwelt tatsächlich, wie ist

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sie angeordnet, was können wir machen, wie können wir die

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Instruktionen an eine Maschine geben, dass die Maschine versteht, was

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wir überhaupt eigentlich wollen.

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Ein Roboter, der im Haushalt hilft, muss also wie ein Mensch handeln.

02:49.120 --> 02:53.700
Er muss die Welt wie ein Mensch wahrnehmen und die Anweisungen der

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Menschen verstehen können.

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Wie arbeiten die Fachbereiche zusammen?

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Robotik ist generell interdisziplinär, das heißt also, wir müssen

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verschiedenes Fachwissen und Kompetenzen aus den einzelnen Bereichen

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zusammenfügen, Synergien schaffen.

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Es ist klar, wenn wir einen Roboter bauen, müssen zunächst erstmal die

03:13.500 --> 03:15.160
Maschinenbauer ein Gerät bauen.

03:15.280 --> 03:17.440
Sie brauchen also einen Körper, der gebaut werden muss.

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Und all das bedeutet, dass wir die Mechanik brauchen, wir brauchen

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Mechatronik, wir brauchen Maschinenbau.

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Dann kommen die Schnittstellen zu den Sensoren, dann eben die

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Vorverarbeitung der Signale, die Interpretation und Deutung der

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Signale.

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Ein Roboter, der sehen muss, braucht Kameras, der hören soll, braucht

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Mikrofone, der braucht Arme, der braucht Füße.

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Und dann eben die Umsetzung in Bewegungen, in Handlungen.

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Damit der sich bewegt, brauchen wir Motoren, im Allgemeinen

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Elektromotoren, wir brauchen also die Fakultät Elektrotechnik, die

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dazugehört.

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Wir brauchen aber auf der anderen Seite auch Maschinen sehen, die

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automatische Verarbeitung von Bild, Video, Sprache und Akustik, die

04:00.800 --> 04:03.140
Signale, die vorverarbeitet werden müssen, die Signalverarbeitung.

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Wir brauchen auch Ideen von den Geistes- und Sozialwissenschaften.

04:08.600 --> 04:11.900
Wir haben also auch bei uns die Geistes- und Sozialwissenschaften,

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sprich das Sportinstitut, mit integriert.

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In der Robotik kommen also Mechatroniker, Elektrotechniker,

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Informatiker, Maschinenbauingenieure und sogar Sportwissenschaftler

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zusammen.

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Welche Rolle spielen die drei Hauptsäulen?

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Mechatronik, Lernen und Interaktion?

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Der Roboter und das Auto sind die Paradebeispiele für die Grundidee

04:38.020 --> 04:38.820
der Mechatronik.

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Die Grundidee der Mechatronik besteht darin, dass ich interdisziplinär

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zusammenarbeite und zwar vom Maschinenbau mit der Elektrotechnik und

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dann die Automatisierungstechnik und die Informatik zusammenbringe.

04:56.620 --> 04:59.880
Alle Situationen im Alltag lassen sich nicht voraussagen.

05:00.360 --> 05:03.960
Das heißt, der Roboter braucht Wissen, was er kann, was sind die

05:03.960 --> 05:07.900
Folgen seines Handelns, dass er dann also Folgen abschätzen kann.

05:08.280 --> 05:10.200
Und dann das Lernen von dem menschlichen Gehirn.

05:10.280 --> 05:11.560
Wie repräsentieren wir Wissen?

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Wie erkennen wir Wissen?

05:13.260 --> 05:15.420
Wie können wir automatisch lernen von dem Wissen?

05:15.420 --> 05:21.120
Ein Roboter lernt vielfältig durch Experimente, durch Versuche und

05:21.120 --> 05:21.580
Irrtum.

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Er kann aber belehrt werden von den Menschen oder er beobachtet

05:25.100 --> 05:27.520
Menschen bei der Ausführung von Handhabungen.

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Dann das Lernen von Weltwissen, Umgebungswissen, also welche

05:32.500 --> 05:36.380
Komponenten findet man in der Küche, welche Funktionen haben die

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Geräte.

05:37.680 --> 05:40.900
Gleichzeitig muss der Roboter den Menschen beobachten, was er tut,

05:41.400 --> 05:45.700
welche Bedürfnisse er hat, wie er reagiert, sodass der Roboter passend

05:45.700 --> 05:49.020
auf die Situation in der Umgebung eingehen kann.

05:49.460 --> 05:52.940
Stellen Sie sich zum Beispiel vor, dass ich im Wohnzimmer sitze und

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ich sage, ich habe jetzt Durst.

05:55.700 --> 05:59.000
Dann sollte der Roboter in der Lage sein, nicht einfach nur zu sagen,

05:59.640 --> 06:02.440
das ist aber nett, sondern sollte dann sagen können, soll ich

06:02.440 --> 06:05.880
vielleicht ein Bier holen oder hättest du lieber ein Glas Milch?

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Und diese Unterscheidung muss ja zusammenführen, zunächst mal das

06:10.480 --> 06:13.920
Verständnis dessen, was die Person gesagt hat und die implizite

06:13.920 --> 06:17.680
Anforderung oder Aufforderung, etwas zum Trinken zu holen.

06:17.900 --> 06:21.780
Wir haben, und das kann ich ohne Umstände sagen, eigentlich die beste

06:21.780 --> 06:25.280
Hand der Welt und wir sind auch bei den Beinen inzwischen so weit,

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dass wir sagen können, wir haben sehr gut funktionierende Beine.

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Und diese vier Gebiete, nämlich den Körperbauen, die Messtechnik, die

06:35.680 --> 06:40.680
Sensorik, die Steuerungsregelungstechnik, Informationsverarbeitung,

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Informatik und die Realisierung in der Aktorik, dass sich wieder etwas

06:45.200 --> 06:48.140
bewegen muss, das sind die vier Kerngebiete der Mechatronik.

06:48.980 --> 06:54.440
Wir nennen das Multimodalität, wenn wir verschiedene Signale

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zusammenführen.

06:55.300 --> 07:00.120
Wir führen also Video und Akustik, möglicherweise auch taktiles

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Empfinden zusammen.

07:02.660 --> 07:04.440
All das passiert in der Interaktion.

07:04.860 --> 07:08.960
Wir versuchen durch die Interaktion die Umwelt zu verstehen und den

07:08.960 --> 07:12.000
Roboter auch irgendwie sinnvoll auf diese Umwelt reagieren zu lassen.

07:13.000 --> 07:17.220
Der Roboter soll sich also an seine Umwelt anpassen und sinnvoll

07:17.220 --> 07:18.140
darauf reagieren.

07:20.320 --> 07:22.290
Was waren die größten Herausforderungen?

07:23.360 --> 07:28.300
Die größte Herausforderung in dem Sonderforschungsbereich war, dass

07:28.300 --> 07:33.460
wir die Komplizität der Mechatronik und die Integration aller

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Komponenten unterschätzt haben.

07:35.160 --> 07:38.860
Die größte Herausforderung bei einem solchen Roboter aus Sicht der

07:38.860 --> 07:43.040
Interaktion ist, sich mit den Unsicherheiten und der Variabilität der

07:43.040 --> 07:46.160
Umwelt und der Interaktion mit den Menschen zurechtzufinden.

07:47.320 --> 07:51.060
Wir versuchen im Wesentlichen immer zu raten, es hätte das sein können

07:51.060 --> 07:52.940
oder jenes sein können.

07:53.380 --> 07:56.140
Er hat hier vielleicht Teller gesagt oder auch Keller.

07:57.120 --> 08:00.740
Und nun lösen wir das auf, wenn wir diese Unsicherheiten repräsentiert

08:00.740 --> 08:03.220
haben, lösen wir das auf durch zusätzliches Wissen.

08:03.220 --> 08:06.960
In dem einen Satz ist Keller vielleicht plausibel, in dem anderen eher

08:06.960 --> 08:07.860
Teller plausibel.

08:08.420 --> 08:11.740
Das heißt, wir verstehen die Sätze dadurch, dass wir unterschiedliche

08:11.740 --> 08:13.160
Wissensquellen zusammenführen.

08:13.600 --> 08:17.580
Die größte Herausforderung besteht meiner Meinung nach darin, dass

08:17.580 --> 08:20.360
sich im Prinzip, und das muss man wissen bei einem solchen

08:20.360 --> 08:26.300
Sonderforschungsbereich etwa in jedem Jahr 20 bis 24 junge Leute, die

08:26.300 --> 08:31.200
die einzelnen Projekte bearbeiten, dass die zusammenkommen, dass sie

08:31.200 --> 08:35.920
kooperieren, dass sie ihre Ideen austauschen und dass sie sozusagen

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die Kreativität, die gerade die jungen Leute haben, wenn sie von der

08:39.360 --> 08:42.780
Schule, von der Universität kommen, dass sie die dort einbringen,

08:42.880 --> 08:46.200
damit wir wirklich auch das bauen, was sich die jungen Leute

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vorstellen.

08:46.680 --> 08:50.280
Einen Roboter zusammenzubauen ist also gar nicht so leicht.

08:51.420 --> 08:53.700
Zudem verhält sich die Umwelt immer wieder anders.

08:54.420 --> 08:57.600
Und letzten Endes sollen auch die jungen Studenten ihre Kreativität

08:57.600 --> 08:58.460
ausleben können.

09:01.560 --> 09:02.920
Und die Zukunft?

09:03.920 --> 09:07.720
Wenn Sie die Roboter heute sehen, sind sie noch sehr langsam.

09:08.700 --> 09:14.380
Ich denke, dass zukünftige Roboter genauer oder hochperformant sein

09:14.380 --> 09:14.760
werden.

09:15.500 --> 09:20.940
Heute werden die Sätze noch sehr betont gesprochen mit dem Roboter.

09:21.940 --> 09:23.070
Das ist teilweise Schriftsprache.

09:23.950 --> 09:32.070
Die Interaktion ist auf Zeige, Gesten, Vorführen von Greifvorgängen

09:32.070 --> 09:36.990
beschränkt, während jetzt also komplexere Handlungsketten, zum

09:36.990 --> 09:42.770
Beispiel die Reparatur eines Gerätes oder das Herstellen eines

09:42.770 --> 09:47.370
Objektes, zum Beispiel Schreinerarbeiten, einen Schrank, einen Stuhl,

09:47.430 --> 09:53.130
ein Tisch, Zimmern, nur sehr schwer und mit Aufwand eben auf die

09:53.130 --> 09:54.730
Maschine zu übertragen ist.

09:55.630 --> 09:59.870
Spannend wäre es, wenn ein Roboter von einem anderen Roboter lernt.

10:00.010 --> 10:04.290
Das heißt, dass es ein gelerntes Wissen auf eine andere Maschine

10:04.290 --> 10:04.570
überträgt.

10:04.570 --> 10:10.610
Also wenn Sie Erfahrungen austauschen, Algorithmen austauschen, auch

10:10.610 --> 10:14.770
visuelle oder perzeptive Fähigkeiten austauschen, das kann man noch

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steigern, indem eine große Anzahl von Robotern Informationen

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austauscht oder dass ganz generell Roboter im Web surfen und sich die

10:26.370 --> 10:28.630
Informationen weltweit holen, die sie brauchen.

10:29.870 --> 10:34.690
Die KIT-Serie InsideScience blickt den Wissenschaftlern des

10:34.690 --> 10:36.630
Sonderforschungsbereichs über die Schulter.

10:37.030 --> 10:40.950
Sehen Sie in weiteren Beiträgen, wie ein Roboter konstruiert wird, wie

10:40.950 --> 10:44.650
er lernt, wie er mit Menschen interagiert und welche

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gesellschaftlichen Aspekte diskutiert werden.

