WEBVTT

00:01.090 --> 00:05.110
Folgen Sie uns mit InsideScience und werfen Sie den Forschern einen

00:05.110 --> 00:06.030
Blick über die Schulter.

00:08.630 --> 00:10.350
In diesem Beitrag...

00:11.490 --> 00:16.310
Analyse menschlicher Bewegungen Thorsten Stein und Andreas Fischer

00:16.310 --> 00:21.090
untersuchen am Karlsruher Institut für Technologie, wie sich Menschen

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bewegen und übertragen diese Erkenntnisse auf den Roboter.

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Herzlich Willkommen im BioMotion Center, dem Biomechaniklabor des

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Instituts für Sport und Sportwissenschaft.

00:31.070 --> 00:35.290
Wir sind ein Teil des SFB 588 Humanoide Roboter und ich werde Ihnen

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jetzt ein bisschen erklären, was wir im Rahmen dieses Projektes

00:37.530 --> 00:37.790
machen.

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Das Ziel des SFB ist ja eine Maschine, einen humanoiden Roboter zu

00:42.410 --> 00:44.490
konstruieren, der mit dem Mensch interagiert.

00:45.010 --> 00:48.130
Und wir hatten uns überlegt, das Erste, was diese Maschine ja auch

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wissen muss, ist welchen Menschen hat die Maschine vor sich.

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Und wir wissen aus der Bewegungsforschung im Sport, dass jeder Mensch

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ein ganz typisches Bewegungsmuster hat, wenn er zum Beispiel Fußball

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spielt oder wenn er Tennis spielt.

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Und dieses Wissen wollten wir nutzen, Algorithmen zu trainieren,

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Verfahren zu entwickeln, mit denen man Menschen auf der Basis ihrer

01:11.730 --> 01:13.190
Bewegungen erkennen kann.

01:14.030 --> 01:16.010
Hierzu haben wir ein Experiment durchgeführt.

01:16.310 --> 01:19.030
Wir haben mehrere Probanden auf dem Laufband bei verschiedenen

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Geschwindigkeiten und Neigungen gehen und laufen lassen und haben auf

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der Basis dieser Informationen dann diese Modelle entwickelt.

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Und uns ist es auch gelungen, Personen auf der Basis ihrer Geh- und

01:29.110 --> 01:30.770
Laufmuster zu erkennen.

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Wir kleben jetzt den Probanden an solche reflektierenden Marker über

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die Gelenke und versuchen oder reproduzieren nachher mit diesen

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Markern das Gelenkzentrum.

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Die Marker werden erfasst von infraroten Videokameras, die oben an der

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Decke hängen.

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Die Kameras strahlen infrarotes Licht aus und dieses Licht wird an den

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Markern reflektiert.

01:51.550 --> 01:55.090
Die Marker werden in einer festgelegten Positionierung auf dem Kamera

01:55.090 --> 01:55.690
aufgebracht.

01:56.390 --> 02:00.770
Das ist ein festgelegtes sogenanntes Marker-Set, das aus der

02:00.770 --> 02:03.030
Ganganalyse oder in der Ganganalyse entwickelt wurde.

02:03.630 --> 02:06.430
Die Marker werden auf jeden Probanden gleich aufgeklebt.

02:06.550 --> 02:11.110
Das heißt, das System weiß nachher auch, wo die Marker auf der Person

02:11.110 --> 02:11.770
drauf kleben.

02:12.610 --> 02:17.430
Wir können dann nachher über die Marker sowohl die Gelenkzentren

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berechnen, als auch den Gelenkwinkel, Geschwindigkeiten und

02:20.470 --> 02:21.370
dergleichen.

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Zusätzlich zu den Kamerasystemen oder zu den Videodaten, die wir

02:26.510 --> 02:30.470
erfassen, sind wir auch in der Lage, Muskelaktivität zu erfassen.

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Das heißt, wir kleben über die Muskeln Elektroden und leiten mit

02:35.790 --> 02:38.410
diesen Elektroden die Muskelaktivität ab und zeichnen die auf.

02:38.730 --> 02:42.770
Die Elektrode wird dann über die höchste Erhebung oder den dicksten

02:42.770 --> 02:47.090
Punkt, den Muskelbauch, geklebt, damit wir möglichst viele

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Muskelfasern direkt unter der Elektrode erfassen können.

02:50.210 --> 02:50.890
Das ist Nummer 1 wieder.

02:55.960 --> 02:59.340
Da sich ein Muskel grundsätzlich nur kontrahieren kann und wird von

02:59.340 --> 03:05.780
alleine wieder quasi dekontrahiert, wird immer Agonist und Antagonist

03:05.780 --> 03:06.280
aufgenommen.

03:06.440 --> 03:09.300
Das heißt, immer der Muskel, der die Beugebewegung macht und der

03:09.300 --> 03:12.240
Muskel, der die Streckbewegung in dem jeweiligen Gelenk macht.

03:13.400 --> 03:16.540
Um nachher feststellen zu können, ob sich diese Muskeln unter

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Umständen gegenseitig behindern, die Muskelaktivität bei der

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Beugebewegung auch im Strecker zu erkennen ist und so das

03:24.680 --> 03:27.600
Zusammenspiel der Muskulatur einschätzen zu können.

03:32.520 --> 03:35.040
Wir sehen jetzt hier die Software, mit der die Muskelaktivität

03:35.040 --> 03:36.180
aufgezeichnet werden kann.

03:36.800 --> 03:40.640
Wenn sich der Proband bewegt und die Muskulatur kontrahiert ist, dann

03:40.640 --> 03:43.160
sehen wir jetzt hier, dass der Muskel des Gastroknemius angespannt

03:43.160 --> 03:43.560
wird.

03:43.560 --> 03:47.320
Wir sehen jetzt hier, wie der Basti auf dem Laufsteg läuft.

03:48.720 --> 03:51.380
Wir können gut erkennen, wie die Marker das Infrarotlicht

03:51.380 --> 03:51.900
reflektieren.

03:52.020 --> 03:54.260
Jetzt nur noch die Marker zu sehen sind.

03:55.340 --> 03:57.820
Über die Marker werden dann wieder die Gelenkpositionen berechnet.

03:58.640 --> 04:01.280
Wenn wir jetzt die Kräfte dazunehmen, die auf den Kraftmaßplatten hier

04:01.280 --> 04:04.980
gemessen werden, dann können wir nachher errechnen, welche Kräfte in

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den jeweiligen Gelenken wirken.

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Die Studie zur Personenerkennung wurde also auf einem Laufband

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durchgeführt, wie Sie es hier sehen.

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Und die Probanden wurden mit mehreren Markerpumpen beklebt und mit EMG

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-Elektroden und wurden mit Kameras, wie Sie sie hier oben sehen

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können, aufgezeichnet.

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Die Studie wurde in Kooperation mit der Gruppe von Prof. Asfuhr und

04:23.000 --> 04:26.480
Prof. Dillmann und Prof. Wank von der Universität Hügen durchgeführt.

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Neben der Erkennung von Personen auf der Basis ihrer Bewegungsmuster

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ist es für die Mensch-Maschine-Interaktion auch wichtig, dass der

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Roboter natürlich erkennt, welche Bewegung führt der Mensch gerade

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aus.

04:37.400 --> 04:40.520
Das ist die Voraussetzung, um seine Bewegung an die des Menschen

04:40.520 --> 04:43.160
anzupassen, um mit dem Menschen in Kooperation zu treten.

04:43.700 --> 04:47.340
Hierzu haben wir Experimente mit der Gruppe von Frau Prof. Schulz

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durchgeführt.

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Dabei haben wir verschiedene Alltagsbewegungen, verschiedene

04:50.760 --> 04:54.460
Greifbewegungen, beispielsweise das Greifen von Flaschen, von Gläsern

04:54.460 --> 04:58.360
oder auch Küchenbewegungen, wie man sie beim Kochen durchführt, mit

04:58.360 --> 05:00.080
den Infrarotkameras aufgenommen.

05:00.640 --> 05:04.180
Und Frau Schulz hat dann auf der Basis dieser Bewegungsanalysen auch

05:04.180 --> 05:07.160
Algorithmen entwickelt, mit denen man Bewegungen erkennen kann.

05:07.480 --> 05:10.960
Und hier ist es uns gelungen, mit sehr hohen Erkennungsraten von über

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90 Prozent letztendlich, also mit einer sehr hohen Sicherheit,

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menschliche Bewegungen zu erkennen.

05:15.860 --> 05:19.600
Neben der Personenerkennung und der Erkennung von Bewegungen soll der

05:19.600 --> 05:21.000
Roboter sich menschenähnlich bewegen.

05:22.020 --> 05:26.860
Das Verständnis menschlicher Bewegungen ist ein Forschungsfeld, über

05:26.860 --> 05:29.780
das man einen eigenen Sonderforschungsbereich eigentlich beantragen

05:29.780 --> 05:30.140
könnte.

05:30.720 --> 05:33.200
Wir haben uns mit dem Problem beschäftigt, wie der Mensch seine

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Bewegungen erzeugt und haben versucht, über eine Analyse der

05:37.100 --> 05:40.260
Bewegungen menschliche Bewegungsstrategien zu identifizieren.

05:40.860 --> 05:43.860
Das ist nötig, weil der Mensch Bewegungen immer auf viele verschiedene

05:43.860 --> 05:44.920
Arten ausführen kann.

05:45.060 --> 05:48.600
Und die Frage ist, wie wählt unser Gehirn eine mögliche Bewegung aus?

05:48.920 --> 05:53.160
Als Beispiel, wenn wir diese Dose greifen wollen, können wir das auf

05:53.160 --> 05:57.800
ganz viele verschiedene Art und Weisen realisieren.

05:58.360 --> 06:02.240
Unser Gehirn wählt eine Bewegung aus auf der Basis eines Mechanismus

06:02.240 --> 06:04.440
und diesen Mechanismus versuchen wir zu finden.

06:04.920 --> 06:09.380
Die neue Roboter-Generation im Sonderforschungsbereich AMA4 hat Beine,

06:09.500 --> 06:12.580
das heißt für uns ist das zweibeinige Gehen und Laufen als

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zusätzliches Thema dazugekommen.

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Wir untersuchen Menschen beim Gehen und Laufen auf unterschiedlichen

06:18.260 --> 06:21.180
Untergründen, wie zum Beispiel einem unebenen Untergrund, wie Sie hier

06:21.180 --> 06:24.760
sehen können, oder aber sogar Rasen, wie Sie es hier sehen können, und

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versuchen zu verstehen, welche verschiedenen Strategien der Mensch

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wählt in Abhängigkeit des Untergrundes.

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Darüber hinaus führen wir Fallstudien durch, das heißt, wir

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untersuchen, welche Strategien wählt der Mensch, wenn er aus dem

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Gleichgewicht kommt, um sein Gleichgewicht wiederzuerlangen.

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Die Analyse menschlicher Bewegungen ist ein Baustein im

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Sonderforschungsbereich Human in the Roboter und wie wir Ihnen eben

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gezeigt haben, spielt sie an verschiedenen Stellen eine Rolle.

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Zukünftig glaube ich, dass der Informationsfluss sogar umgekehrt sein

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wird, dass durch die Konstruktion Human in the Service Roboter wir

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noch mehr über die menschliche Bewegungskoordination lernen können.

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Die KIT-Serie InsideScience blickt den Wissenschaftlern des

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Sonderforschungsbereichs über die Schulter.

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Sehen Sie in weiteren Beiträgen, wie ein Roboter konstruiert wird, wie

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er lernt, wie er mit Menschen interagiert und welche

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gesellschaftlichen Aspekte diskutiert werden.

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Vielen Dank.

