WEBVTT

00:00.000 --> 00:03.500
Sie werden es wahrscheinlich auch mitbekommen, die Menschheit wird

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immer älter und damit verändern sich auch die

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Gesellschaftskrankheiten.

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Eine davon ist die Alterssichtigkeit.

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Aber wahrscheinlich sind die Tage der Gleitsichtbrillen bald endgültig

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gezählt.

00:15.640 --> 00:19.600
Das Forscherteam um Prof. Georg Bretthauer und Frau Dr. Liane

00:19.600 --> 00:24.120
Reinschmidt vom Institut für Angewandte Informatik hier am KIT, die

00:24.120 --> 00:27.240
arbeiten an künstlichen Augenlinsen, die Menschen dann mit

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Alterssichtigkeit und grauem Starr bald zu neuer Sehkraft verhelfen

00:31.100 --> 00:31.380
sollen.

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Wie die künstliche Augenlinse funktionieren soll und vor welchen

00:35.260 --> 00:38.800
Herausforderungen die Forscher dabei standen, das haben Liane

00:38.800 --> 00:42.720
Reinschmidt und ihren Doktorvater Georg Bretthauer genauer gefragt.

00:42.900 --> 00:45.180
Wenn Sie ein solches System bauen, haben Sie nur einen ganz

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beschränkten Bauraum.

00:46.960 --> 00:50.780
Dieser Bauraum ist, wenn wir es realistisch betrachten und später

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einsetzen wollen, ganze 70 bis 80 Kubikmillimeter.

00:56.020 --> 00:59.760
Und stellen Sie sich bitte vor, in diesem beschränkten Bauraum müssen

00:59.760 --> 01:02.480
Sie fünf Teilsysteme unterbringen.

01:03.240 --> 01:07.980
Sie müssen im Prinzip das aktiv-optische Element, das Sensorsystem,

01:08.340 --> 01:12.800
das Kommunikationssystem, das Energiesystem, Steuerung, Regelungs- und

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Überwachungssystem unterbringen.

01:14.700 --> 01:18.300
Und in einen solchen kleinen Bauraum das reinzubringen ist eine riesen

01:18.300 --> 01:19.000
Herausforderung.

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Und die zweite Herausforderung, die sie gelöst hat, wenn man ein

01:22.600 --> 01:26.660
solches System ins Auge einsetzt, genauer gesagt in den Kapselsack,

01:26.860 --> 01:31.100
dann darf während der Gewährleistung von 50 Jahren keine Flüssigkeit

01:31.100 --> 01:33.040
weder rein noch rauskommen.

01:33.360 --> 01:36.740
Die Ingenieurin vom Institut für angewandte Informatik, Dr. Liane

01:36.740 --> 01:40.540
Reinschmidt, entwickelte ein künstliches Akkommodationssystem.

01:41.400 --> 01:45.180
Akkommodation, das ist die Anpassungsfähigkeit des menschlichen Auges

01:45.180 --> 01:50.000
auf verschiedene Blickdistanzen, je nachdem, ob man etwas lesen will

01:50.000 --> 01:51.880
oder in die Ferne schauen möchte.

01:52.100 --> 01:54.340
Und dazu muss die Linse flexibel sein.

01:54.700 --> 01:58.280
Und die Flexibilität der Linse geht im Laufe des Lebens verloren.

01:58.960 --> 02:03.940
Kleine Kinder können noch auf einen Abstand von 10 cm fokussieren, der

02:03.940 --> 02:07.780
geht im Laufe des Lebens, entfernt er sich immer weiter vom Auge.

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Und bemerken tun wir das aber erst so im Alter von 45 bis 50 Jahren,

02:13.160 --> 02:15.780
weil wir nicht mehr auf Leseabstand fokussieren können.

02:15.780 --> 02:20.280
Bei dieser Alterssichtigkeit hieß es bisher, Gleitsichtbrille als

02:20.280 --> 02:21.940
einzige Behandlungsmethode.

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Auch bei einer der verbreitetsten Augenkrankheiten, dem grauen Starr,

02:26.440 --> 02:29.180
soll diese künstliche Akkommodationslinse helfen.

02:29.980 --> 02:33.440
Eine OP, bei der die künstliche Linse in den Kapselsack im Auge

02:33.440 --> 02:38.380
implantiert wird, kann derzeit schon ambulant innerhalb von 20 Minuten

02:38.380 --> 02:39.560
durchgeführt werden.

02:40.300 --> 02:44.340
Die Anforderungen, die so ein künstliches Linsensystem erfüllen muss,

02:44.640 --> 02:45.660
die sind schon enorm.

02:45.980 --> 02:50.760
Die künstliche Linse muss den Bereich zwischen 0 und 3 Dioptrien

02:50.760 --> 02:51.560
abdecken können.

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Das heißt, man muss damit in die Ferne fokussieren können und auf den

02:55.320 --> 02:57.960
Leseabstand von ungefähr 30 cm.

02:58.380 --> 03:00.300
Das ist das Ziel, was wir uns gesetzt haben.

03:00.800 --> 03:04.040
Zusätzlich möchten wir den sogenannten postoperativen

03:04.040 --> 03:05.980
Refraktionsausgleich gewährleisten.

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Das heißt, wenn durch die Toleranz bei der Implantation kleine

03:10.380 --> 03:14.220
Fehlsichtigkeiten entstehen, möchten wir die auch noch mit korrigieren

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können.

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Und darum haben wir den gesamten Bereich nicht auf 3 Dioptrien,

03:18.100 --> 03:20.500
sondern auf 4,7 Dioptrien festgelegt.

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Und sie muss eine Lebensdauer von über 30 Jahren gewährleisten können,

03:25.140 --> 03:28.660
in der keine Flüssigkeit ein und aus dem entwickelten Linsensystem

03:28.660 --> 03:29.360
gelangen darf.

03:30.120 --> 03:33.500
Eine Frage, die sich dabei besonders stellt, ist die nach der

03:33.500 --> 03:34.120
Energieversorgung.

03:34.860 --> 03:38.860
Unser Ziel ist es, dass die Linse autonom arbeitet.

03:39.060 --> 03:41.580
Das heißt, dass der Patient nicht die gesamte Zeit irgendwo eine

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äußere Energieversorgung mit sich rumtragen muss.

03:43.920 --> 03:47.480
Er soll wirklich ohne Brille oder ähnliche Hilfsmittel leben können.

03:48.200 --> 03:52.880
Es wurde analysiert, ob natürliche Energiequellen genutzt werden

03:52.880 --> 03:55.680
können, wie zum Beispiel der Traubenzucker, der sich im Auge befindet,

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oder die Augenbewegungen in Energie umgesetzt werden können, also in

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elektrisch abspeicherbare Energie.

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Oder zum Beispiel das einfallende Sonnenlicht genutzt werden kann.

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Es hat sich aber herausgestellt, dass diese Energiemengen, die man

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daraus gewinnen kann, noch zu klein sind, um das gesamte System

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wirklich zu betreiben.

04:15.520 --> 04:19.860
Und darum ist der derzeit favorisierte Ansatz, einmal am Tag induktiv

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nachzuladen.

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Das heißt, eine Art Brillengestell aufzusetzen mit einer Ladespule und

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im Inneren des Implantats eine zweite Spule zu haben und über ein

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Magnetfeld dann eben die Energie ins Innere des Implantats

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einzukoppeln und in einem Akkumulator zwischenzuspeichern.

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Das langfristige Ziel des Projekts ist es, dass die Menschen auch im

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Alter keine Brille mehr tragen müssen.

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Das heißt, dass die Akkommodation der Linse wieder so hergestellt

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werden kann, wie es im Jugendalter ist.

