WEBVTT

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Führt der Verzehr von gentechnisch verändertem Mais zu Krebs?

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Die im Oktober veröffentlichte Studie des französischen

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Molekularbiologen Gilles-Eric Serralini von der Universität Caen

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scheint diesen Verdacht zu erhärten.

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Zwei Jahre lang wurden in seinem Labor Ratten mit dem in Europa als

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Lebens - und Futtermittel zugelassenen Gen-Mais des US-Konzerns

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Monsanto ernährt.

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Das Ergebnis war alarmierend.

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Die Ratten entwickelten Tumore in der Größe von Tischtennisbällen.

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Inzwischen aber wird die Studie heftig angegriffen.

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Bei der europäischen Lebensmittelaufsichtsbehörde ist sie

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durchgefallen und auch Biologen am Karlsruher Institut für Technologie

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haben Zweifel an der wissenschaftlichen Grundlage.

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Das Problem ist, dass man eben hier einen Rattenstamm verwendet hat,

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der auch unter natürlichen Bedingungen sehr leicht Tumore bekommt.

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Das zweite Problem war, dass hier viel zu wenige Tiere verwendet

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worden sind, sodass diese verschiedenen Organisationen extreme Zweifel

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geäußert haben an der statistischen Signifikanz dieser Aussage und ich

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kann mich diesem eigentlich nur anschließen.

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Professor Holger Puchta leitet das Botanische Institut II am KIT.

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Sein Forschungsteam versucht mit grüner Gentechnik den Genpool der

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Wildpflanzen für die Landwirtschaft nutzbar zu machen.

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Die Arbeit des französischen Kollegen rückt für Professor Puchta die

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grüne Gentechnik in ein schiefes Licht, zumal der Franzose seit langem

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erklärter Gegner der Gentechnologie ist.

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Es ist schon problematisch, dass hier der entsprechende

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Wissenschaftler an die Öffentlichkeit gegangen ist, bevor diese Studie

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veröffentlicht worden ist, dass er hier gleichzeitig auch ein Buch

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geschrieben hat, einen Film an die Öffentlichkeit gegeben hat.

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Er wurde übrigens deshalb auch von seiner eigenen

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Forschungsorganisation getadelt.

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Ich glaube, das spricht einfach für sich.

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Auf der anderen Seite gab es bisher keine langfristigen Studien, bei

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denen Tiere über Jahre hinweg mit dem Mais NK 603 des US-Konzerns

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Monsanto ernährt wurden, der durch Gentechnik gegen Herbizide

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resistent gemacht wurde.

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Wir in der Wissenschaft lernen immer dazu und ich denke, es ist schon

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eine im Prinzip zu begrüßen, die Idee zu sagen, lass uns auch

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längerfristig diese Effekte anschauen.

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Und ich bin sicher, dass hier langfristig sehr viel mehr Studien mit

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längeren Laufzeiten durchgeführt werden, überhaupt keine Frage.

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Für Professor Buchter ist es wichtig, zwischen wissenschaftlicher

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Methode und Vermarktung durch einen Konzern wie Monsanto zu

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unterscheiden.

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Multinationale Konzerne sind schwer zu kontrollieren und man muss

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zwischen der grünen Gentechnik als wissenschaftliche Methode

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unterscheiden und dem Gebaren von multinationalen Konzernen wie

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Monsanto.

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Stefan Fuchs, Karlsruher Institut für Technologie

