WEBVTT

00:04.750 --> 00:06.450
Wie ist Materie entstanden?

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Die Vorstellung, die wir haben, ist, dass nach dem Urknall das

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Universum hat sich ausgedehnt.

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Und eine Folge dieses Prozesses ist, dass wir gleich viel Materie wie

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Antimaterie erzeugen.

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Jetzt kann man sich fragen, vielleicht ist es ja bis heute so.

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Also wir bestehen hier aus Materie, vielleicht gibt es weit entfernt

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von uns Galaxien aus Antimaterie.

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Aber das können wir heute mit großer Sicherheit ausschließen.

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Das heißt, irgendwas muss passiert sein, dass wir heute netto mehr

00:34.230 --> 00:35.950
Materie als Antimaterie haben.

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Wir wissen heute, dass wir sehr, sehr viel mehr Lichtteilchen,

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Photonen im Universum haben als Materieteilchen.

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Das spricht eben auch dafür, dass es da einen Auslöschungsprozess

00:46.930 --> 00:47.610
gegeben hat.

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Das verwundert uns auch nicht, denn wir können genau das, diese

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Vernichtung von Materie mit Antimaterie, täglich im Labor beobachten.

00:56.710 --> 01:01.890
Also da gab es zum Beispiel Teilchenbeschleuniger, die Elektronen auf

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ihre Antiteilchen, auf die Antielektronen, die wir auch Positronen

01:05.650 --> 01:07.650
nennen, geschossen haben.

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Und das hat man ausgenutzt.

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Da hat sich sozusagen die Materie komplett vernichtet, die Antimaterie

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eben auch.

01:14.450 --> 01:17.450
Also das Elektron und das Positron waren weg nach der Kollision.

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Und was wir dann im Endzustand sehen, sind zum Beispiel zwei

01:20.830 --> 01:22.150
Lichtteilchen, zwei Photonen.

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Meistens ist es komplizierter und die komplizierteren Prozesse sind

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interessant.

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Das heißt, wir machen neue Teilchen und die zerfallen dann zum

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Schluss.

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Aber netto ist dann am Ende Materie und Antimaterie weg.

01:33.570 --> 01:39.550
Um das Problem zu lösen, muss man gewisse Schritte machen als

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Theoretiker.

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Das heißt, man muss das Standardmodell der Elementarteilchen so

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erweitern, dass es bestimmte Kriterien erfüllen muss, die der berühmte

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russische Physiker Andrei Sakharov, den jeder kennt aus seiner Rolle

01:52.690 --> 01:56.210
als Dissident in der Sowjetunion, die der in den 60er Jahren

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aufgestellt hat.

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Es gibt drei wichtige Spiegelbilder oder Spiegelungen.

02:01.390 --> 02:04.990
Das erste ist die Raumspiegelung, die jeder kennt, der zu Hause einen

02:04.990 --> 02:05.510
Spiegel hat.

02:05.610 --> 02:08.150
Wenn ich da reingucke, ist alles seitenverkehrt.

02:08.370 --> 02:12.870
Das zweite war die Spiegelung, wenn ich Materie mit Antimaterie

02:12.870 --> 02:15.130
vertausche und Zeit umkehre.

02:15.130 --> 02:18.190
Das heißt, wenn ich einen Prozess filme und mir rückwärts angucke,

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dann sieht der elementare Prozess nicht gleich aus.

02:22.550 --> 02:24.450
Die haben natürlich Abkürzungen bei uns.

02:24.610 --> 02:30.410
Die Raumspiegelung heißt P. Die Spiegelung des Vertauschens von

02:30.410 --> 02:33.870
Materie und Antimaterie, die wir Ladungskonjugation nennen, wird mit C

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abgekürzt.

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Zu den Sakharov-Kriterien gehörte einmal, dass die C-Symmetrie

02:41.430 --> 02:42.190
verletzt ist.

02:42.190 --> 02:46.990
Und die zweite Bedingung ist, dass die C-P-Symmetrie verletzt ist.

02:47.110 --> 02:47.930
Was bedeutet das?

02:48.010 --> 02:51.350
C-P bedeutet, dass sich sowohl der Raumspiegel als auch Materie und

02:51.350 --> 02:52.690
Antimaterie vertauscht.

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Und der Bezug zur Zeitumkehr, also zum dritten Spiegel, kommt eher

02:58.970 --> 03:01.690
indirekt durch ein Theorem.

03:01.990 --> 03:06.150
Das sagt, dass unter sehr allgemein gefassten Bedingungen jede Theorie

03:06.150 --> 03:10.410
symmetrisch ist, wenn ich alle drei Spiegel betrachte.

03:10.410 --> 03:15.670
Also wenn ich C-P-T kombiniere, also Ladungskonjugation,

03:15.890 --> 03:19.310
Raumspiegelung und Zeitumkehr, dann sind die Naturgesetze wieder

03:19.310 --> 03:20.050
invariant.

03:20.450 --> 03:25.230
Das bedeutet aber auch, wenn ich die Kombination C-P verletze, also

03:25.230 --> 03:28.790
wenn die Natur nicht symmetrisch ist unter dieser Kombination, dann

03:28.790 --> 03:33.470
muss ich auch eine Verletzung haben unter der Umkehr der Zeitrichtung.

03:33.470 --> 03:37.730
Die elementaren Naturgesetze sind nicht so.

03:37.950 --> 03:41.550
Die können zwischen Zukunft und Vergangenheit sozusagen unterscheiden.

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Und das ist ein wichtiges Kriterium dafür, dass es Materie im

03:45.970 --> 03:46.850
Universum gibt.

03:51.000 --> 03:54.400
Der zweite Punkt hängt damit mit dem eigentlichen Prozess zusammen, in

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dem Materie entsteht.

03:56.060 --> 04:00.060
Das muss man sich so vorstellen, dass der Entstehungsprozess, das ist

04:00.060 --> 04:03.360
so ähnlich wie wenn man Wasserdampf abkühlt zu Wasser.

04:03.360 --> 04:08.920
Das heißt, man startet mit einer Situation, in der man komplett in der

04:08.920 --> 04:11.760
Dampfphase ist, und dann kühlt man ab, und dann bilden sich zunächst

04:11.760 --> 04:14.960
kleine Blasen, Wasserblasen, und wenn man weiter abkühlt, hat man zum

04:14.960 --> 04:15.540
Schluss Wasser.

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Und diesen Prozess gibt es auch im Standardmodell, und der hat zu tun

04:22.700 --> 04:26.480
mit der Entstehung der Masse der Elementarteilchen.

04:26.480 --> 04:31.740
Also in der Phase, wie wir als Physiker sagen, die der Dampfphase

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entspricht, sind alle Elementarteilchen-Masse los.

04:35.580 --> 04:40.900
Und in diesem Kondensationsprozess, in dem das sogenannte Higgs-Feld

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einen Vakuum-Erwartungswert bekommt, wie wir in unserer Fachsprache

04:44.400 --> 04:47.380
sagen, bekommen die Elementarteilchen eine Masse.

04:47.420 --> 04:49.280
Und dieser Prozess muss sehr schnell passieren.

04:49.280 --> 04:54.600
Und das hängt verrückterweise mit einem Parameter des Standardmodells

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zusammen, und zwar der Masse des Higgs-Bosons.

04:57.300 --> 05:00.880
Das Higgs-Boson ist noch nicht gefunden, das wollen wir finden am LHC,

05:01.000 --> 05:03.860
das machen die experimentellen Kollegen dort wahrscheinlich schon im

05:03.860 --> 05:04.480
nächsten Jahr.

05:05.780 --> 05:08.920
Und was wir wissen, dadurch dass wir es nicht gefunden haben, wir

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wissen, dass das Higgs-Boson schwerer als 114 Gigaelektronenvolt ist.

05:14.220 --> 05:18.800
Das ist die Einheit, mit der wir Teilchenmassen beschreiben,

05:18.920 --> 05:19.220
Gigaelektronenvolt.

05:19.960 --> 05:24.780
Wir wissen, das ist relativ schwer, und wenn es leichter gewesen wäre

05:24.780 --> 05:28.040
als ungefähr 75 Gigaelektronenvolt, dann hätte es geklappt.

05:28.540 --> 05:31.380
Jetzt wissen wir also, es scheitert gleich an zwei Fronten.

05:31.580 --> 05:38.000
Das Higgs-Boson ist zu schwer, damit ist dieser Phasenübergang nicht

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schnell genug.

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Und das zweite Kriterium ist, wir haben zu wenig Verletzung dieser

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Spiegelungssymmetrie.

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Genau genommen die Kombination aus Spiegelung Materie-Antimaterie und

05:50.320 --> 05:52.340
Kombination der Raumspiegelung.

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Wenn man das beides zusammensetzt, das ist zu klein im Standardmodell,

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damit klappt es nicht.

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Und das ist ein schöner Ansatzpunkt, um Forschung zu machen.

