WEBVTT

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Diamonds are the girls' best friend.

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Aber nicht nur Frauen umgeben sich gern mit dem funkelnden Luxusgut,

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sondern auch Forscher am KIT.

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Denn Diamanten eignen sich bestens zur Datenübertragung.

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Bisher haben Wissenschaftler dafür monokristalline Industriediamanten

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eingesetzt.

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Aber die Herstellung dieser Diamanten ist sehr aufwendig und sehr

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teuer.

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Dr. Wolfram Pernis und sein Team vom Institut für Nanotechnologie

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haben jetzt eine neue Lösung gefunden.

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Sie haben erstmals Polykristallinediamant für einen optischen

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Schaltkreis benutzt.

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Meine Kollegin Margarete Jall hat herausgefunden, was es damit genau

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auf sich hat.

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Licht eignet sich hervorragend, um gewaltige Datenmengen in kürzester

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Zeit zu übertragen.

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Und genau diese Eigenschaft von Licht, besser gesagt von Photonen,

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machen sich Quantenphotoniker zunutze.

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Wolfram Pernis vom Institut für Nanotechnologie ist einer von ihnen.

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Er beschäftigt sich mit der Datenübertragung per Licht.

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Und damit die funktioniert, braucht es Materialien, die entsprechende

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optische Eigenschaften haben.

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Diamant ist dafür besonders geeignet.

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Zum einen ist er sehr mechanisch stabil, also kann man ja bekanntlich

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nicht zerkratzen.

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Dann hat er eine hohe Wärmeleitfähigkeit.

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Also wenn man viel Leistung reingibt, dann verteilt sich die

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gleichmäßig und wird nicht nur an einer Stelle heiß.

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Der ist auch mehr oder weniger biokompatibel, also man kann ihn auch

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für biologische Anwendungen einsetzen.

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Er ist durchlässig für Licht über einen sehr breiten Spektralbereich

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und hat dann Zugang zu weiten, vielen Wellenlängen, also sichtbares

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Licht und infrarotes Licht und hat auch eine sehr hohe Steifigkeit.

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Also wenn man mechanische Bauelemente drauf baut, können die hohe

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Frequenzen haben.

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Bisher haben Wissenschaftler für optische Schaltkreise nur

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Monokristalline Industriediamanten eingesetzt.

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Das sind hochreine Kristalle, bei denen unter einer Milliarden

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Diamantatomen höchstens ein Fremdatom vorkommt.

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Ihre Herstellung ist aber sehr aufwendig und teuer.

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Die Forschungsgruppe von Wolfram Panis hat jetzt zum ersten Mal

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Polykristallinediamant für einen optischen Schaltkreis eingesetzt.

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Dieser Diamant ist äußerst robust und eignet sich daher auch für den

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industriellen Einsatz.

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Hergestellt wird er synthetisch in einem Mikrowellenreaktor.

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Durch hohen Druck und hohe Temperaturen wachsen dabei Atom für Atom

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polykristalline Schichten.

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Der Knackpunkt ist halt, dass man nicht nur kleine Diamanten wachsen

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kann, sondern sehr große, also in der Fläche groß.

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Und die, die wir nehmen, die sind bis zu sechs Inch groß, also es sind

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ungefähr 15 Zentimeter im Durchmesser und dann eben einmal kreisrum.

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Also es hängt im Wesentlichen davon ab, wie groß der Wafer ist, den

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wir am Anfang genommen haben und der ist sechs Inch in dem Fall.

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Und nur etwa einen halben Millimeter dick.

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Der Wafer ist quasi die Arbeitsplatte, auf die die dünne

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Diamantbeschichtung aufgetragen wird.

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Anschließend wird er in mehrere kleine Teile gebrochen, die etwa ein

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bis zwei Quadratzentimeter groß sind und damit Platz für beliebig

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viele kleine Schaltkreise bieten.

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Der Clou dabei, Pernis und sein Team kombinieren damit zwei

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verschiedene Forschungsrichtungen, die Optik und die Mechanik.

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Das Ergebnis ist ein sogenannter optomechanischer Schaltkreis.

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Was wir nehmen, sind Wellenleiter, so Lichtleiter, so eine Art

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Glasfaser auf dem Chip, nur dass es halt kein Glas ist, sondern

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Diamant.

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Normalerweise sitzt der fest auf dem Untergrund, also auf dem Wafer

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eben drauf und kann sich deswegen nicht bewegen, weil er unten dran

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hängt.

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Und was wir jetzt machen, ist, wir nehmen das Glas unter dem

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Wellenleiter weg.

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Dann hängt er quasi in der Luft und ist halt nur an zwei Seiten

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eingespannt, ganz ähnlich wie eine normale Seite in einem Instrument

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und kann sich dann auch so bewegen wie eine Seite.

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Also wenn man mit der richtigen Frequenz dran wackelt, baut sich so

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eine Schwingung auf, die wir dann messen wollen.

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Das kann man sich etwa vorstellen wie auf einer Brücke.

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Hüpft man mit der richtigen Frequenz, fängt die Brücke an zu

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vibrieren.

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In unserem Fall ist der freischwingende Wellenleiter ein sogenannter

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nanomechanischer Resonator.

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Der ist winzig klein mit einem Durchmesser von ein paar hundert

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Nanometern, also wesentlich kleiner als ein Haar.

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Weil er so klein ist, reagiert er auch sehr empfindlich auf minimale

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Störungen, wie Druck- und Temperaturschwankungen oder Krafteinflüsse,

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wie zum Beispiel von einem Laser.

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Durch das An- und Ausschalten wird der Balken optisch angeregt, er

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wackelt.

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Wenn wir jetzt den Laser anstellen, dann wird dieser Balken nach unten

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gezogen, also in Richtung von dem Glasuntergrund.

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Und wenn der Wellenleiter näher an das Glas rankommt, dann sieht das

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Licht, das in dem Wellenleiter drin ist, das Substrat.

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Also es ist so eine Art Tunneleffekt.

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Dadurch wird das Licht ein bisschen abgebremst sozusagen.

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Also es sieht halt mehr Material und kann sich deswegen nicht so

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schnell ausbreiten.

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Und diese Verlangsamung der Lichtgeschwindigkeit, die kann man optisch

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sehr empfindlich messen.

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Dabei wird quasi gemessen, wie viel Licht am Ausgang ankommt.

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Und weil dieses System so empfindlich ist, kann man damit auch sehr

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kleine Schwankungen messen.

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Die Diamanten in Schaltkreise scheinen also ideal für Sensoren vom

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Airbag bis zur Wasserwaage im Smartphone.

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Das ist aber Zukunftsmusik, denn Wolfram Penis betont, dass er

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lediglich Grundlagenforschung betreibt.

