WEBVTT

00:00.000 --> 00:04.180
Gut 30 Jahre geht der Streit um das Endlager für hochradioaktive

00:04.180 --> 00:06.920
Abfälle im niedersächsischen Gorleben.

00:07.460 --> 00:11.660
Mit dem Entwurf eines Endlagergesetzes des Bundesumweltministeriums

00:11.660 --> 00:16.320
soll jetzt die Suche nach dem optimalen Standort für Atomabfälle auf

00:16.320 --> 00:19.120
eine wissenschaftliche Basis gestellt werden.

00:19.560 --> 00:25.120
Eine 24-köpfige Expertenkommission soll objektive Kriterien für die

00:25.120 --> 00:26.520
Entscheidung erarbeiten.

00:26.520 --> 00:31.640
Am Ende wird dann der Bundestag einen unter den möglichen Standorten

00:31.640 --> 00:32.460
auswählen.

00:32.920 --> 00:37.000
Aber wie die heftigen Diskussionen der letzten Wochen zeigen, ist der

00:37.000 --> 00:41.960
Weg zum nationalen Endlager immer noch lang und steinig.

00:42.240 --> 00:45.880
Wir gehen nicht davon aus, dass es allein darum geht, eine technisch

00:45.880 --> 00:49.000
machbare Lösung zu finden, sondern es muss auch eine Lösung sein, die

00:49.000 --> 00:52.780
angesichts der Risiken, die von dieser Untertage-Deponie ausgehen

00:52.780 --> 00:55.160
können, wie die in der Gesellschaft bewertet werden.

00:55.160 --> 00:59.100
Der Sozialwissenschaftler Dr. Peter Hocke arbeitet am Institut für

00:59.100 --> 01:02.760
Technikfolgenabschätzung des Karlsruher Instituts für Technologie.

01:03.260 --> 01:07.560
Er ist überzeugt, dass ohne eine intensive Bürgerbeteiligung auch der

01:07.560 --> 01:11.780
erneute Anlauf, einen geeigneten Standort für das atomare Endlager zu

01:11.780 --> 01:14.340
finden, zum Scheitern verurteilt ist.

01:14.500 --> 01:18.580
Seit fast zehn Jahren sagen verschiedene Umweltministerien immer

01:18.580 --> 01:20.360
wieder, wir bemühen uns um diesen Anlauf.

01:20.360 --> 01:23.340
Jetzt scheint tatsächlich mit dem Endlagergesetz eine Situation

01:23.340 --> 01:27.160
gegeben zu sein, die einer Problemlösung etwas näher ist, aber die

01:27.160 --> 01:31.100
noch weit davon entfernt ist, einen Konsens in der Bevölkerung

01:31.100 --> 01:31.360
aufzuzeigen.

01:32.060 --> 01:36.060
Also man sieht es an den Reaktionen in Gorleben, die mit der

01:36.060 --> 01:39.840
Entscheidungslage und auch mit dem Tempo, das vorgelegt wird, nicht

01:39.840 --> 01:40.560
zufrieden sind.

01:40.560 --> 01:43.980
Dieses Faktum ist genauso ernst zu nehmen, wie natürlich die

01:43.980 --> 01:47.780
Einsprüche, die sagen, es gibt massive Hinweise, was geologisch

01:47.780 --> 01:51.560
vermeintliche Störungen betrifft, die müssen berücksichtigt werden.

01:51.620 --> 01:55.980
Drei bis vier mögliche Standorte, unter ihnen auch Gebiete in Baden

01:55.980 --> 01:59.320
-Württemberg, sollen in die engere Wahl gezogen werden.

01:59.820 --> 02:04.120
2013 wird der Bundestag dann die endgültige Entscheidung fällen.

02:04.660 --> 02:08.260
Wie immer sie ausfällt, sie wird sicher unpopulär sein.

02:08.260 --> 02:12.200
Keiner wird mit großer Begeisterung die Verantwortung dafür

02:12.200 --> 02:12.760
übernehmen.

02:12.900 --> 02:17.600
Es werden die nächsten 100 Jahre in etwa sein, bis ein Verschluss

02:17.600 --> 02:18.460
erfolgen kann.

02:18.640 --> 02:21.700
Das heißt, auch die Region muss sich darauf einstellen, dass sie 100

02:21.700 --> 02:23.420
Jahre lang diesen Prozess mitgeht.

02:23.580 --> 02:27.280
Für Dr. Hocke fehlen in Deutschland Erfahrungen, wie man bei einer so

02:27.280 --> 02:30.880
komplexen Frage wie der Suche nach dem atomaren Endlager, die

02:30.880 --> 02:35.160
Bevölkerung effektiv in den Entscheidungsprozess einbeziehen kann.

02:35.160 --> 02:38.820
Stefan Fuchs, Karlsruher Institut für Technologie

