WEBVTT

00:00.000 --> 00:03.760
Der Juni 2013 hat uns wieder einmal ein sogenanntes

00:03.760 --> 00:05.400
Jahrhunderthochwasser beschert.

00:05.880 --> 00:10.860
Dabei liegt das letzte, vom August 2002, gerade mal elf Jahre zurück.

00:11.360 --> 00:15.160
Damals versprach die Politik, den Flüssen mehr Raum zu geben,

00:15.540 --> 00:18.640
investiert wurde aber vor allem in technische Maßnahmen.

00:19.100 --> 00:23.520
Die versprochene Renaturierung von Auenlandschaften als Teil eines

00:23.520 --> 00:27.240
ökologischen Hochwasserschutzes war schon bald vergessen.

00:27.240 --> 00:32.680
Und so schlitterte beim Juni-Hochwasser 2013 auch der Oberrhein nur

00:32.680 --> 00:35.440
haarscharf an einer Katastrophe vorbei.

00:35.620 --> 00:39.500
Wir sind gut weggekommen, weil die Niederschlagsmengen nicht

00:39.500 --> 00:44.420
vergleichbar waren wie die, die in Südostbayern heruntergekommen sind

00:44.420 --> 00:46.620
oder auch im Einzugsgebiet der Elbe.

00:46.760 --> 00:49.900
Wenn wir die in gleichem Maß gehabt hätten im Einzugsgebiet des

00:49.900 --> 00:52.060
Rheins, wären wir nicht so glimpflich davon gekommen.

00:52.060 --> 00:56.300
Prof. Emil Diester leitet das Rastatte-Auen-Institut des Karlsruher

00:56.300 --> 00:57.780
Instituts für Technologie.

00:58.280 --> 01:01.760
Auf dem Höhepunkt des Juni-Hochwassers passierte die gewaltige

01:01.760 --> 01:07.120
Wassermenge von 4000 m³ pro Sekunde den Pegel bei Plittersdorf.

01:07.440 --> 01:10.720
Die Anlieger des nördlichen Oberrheins sind nach Ansicht des

01:10.720 --> 01:14.580
Flussexperten also nur um Haaresbreite an der Katastrophe

01:14.580 --> 01:15.800
vorbeigeschlittert.

01:15.880 --> 01:18.540
Ohne enorme Mengen von Niederschlag gibt es kein Hochwasser.

01:18.540 --> 01:20.800
Die Frage ist nun, was passiert mit diesem Wasser?

01:20.920 --> 01:21.780
Wie fließt es ab?

01:21.900 --> 01:24.780
Da kann man feststellen, dass die Abflussbedingungen natürlich heute

01:24.780 --> 01:27.120
nicht optimal sind auf den landwirtschaftlichen Flächen.

01:27.260 --> 01:31.080
Die kleinen Flüsse und Bäche sind ebenfalls begradigt und das führt

01:31.080 --> 01:34.420
natürlich dazu, dass das Wasser schneller zusammenfließt und dann

01:34.420 --> 01:36.660
konzentriert in den großen Flüssen landet.

01:37.180 --> 01:38.560
Und das führt zu Problemen.

01:39.280 --> 01:42.900
Probleme, die nach Auffassung des Hochwasserexperten durch die

01:42.900 --> 01:46.460
Zögerlichkeit der Politik unnötig vergrößert werden.

01:46.460 --> 01:50.320
Die Politik befasst sich ungern mit Dingen, die vielleicht in 100

01:50.320 --> 01:52.400
Jahren mal wiederkommen, so war die Meinung.

01:52.700 --> 01:56.640
Und wenn man sieht, wie weit diese Hochwasserschutzmaßnahmen und aus

01:56.640 --> 01:59.840
welchen Gründen sie auf die lange Bank geschoben werden, dann ist das

01:59.840 --> 02:02.240
wirklich ein sehr erschütterndes Ergebnis.

02:02.800 --> 02:06.660
Beispielsweise geplante Hochwasserschutzmaßnahmen am südlichen

02:06.660 --> 02:07.480
Oberrhein.

02:07.480 --> 02:11.620
Bei denen ich selbst mit an der Planung beteiligt war, die 1984

02:11.620 --> 02:15.120
begonnen haben und bis zum heutigen Tag noch nicht zur

02:15.120 --> 02:16.820
Planfeststellung gekommen sind.

02:17.000 --> 02:20.680
Man braucht eigentlich, das muss man ehrlicherweise sagen, derart

02:20.680 --> 02:24.420
große Hochwässer in kurzem Abstand, damit sie politische Wirkung

02:24.420 --> 02:27.300
erzielen und dass tatsächlich etwas gemacht wird.

