WEBVTT

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Am Campus Nord des KIT gibt es eine stadtliche Kunstsammlung.

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Die meisten der Werke, die sind durch das Programm Kunst am Bau

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dorthin gekommen.

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So auch ein Keramikwand-Bild von Ernst Wilhelm Ney.

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Es ist ziemlich groß, ziemlich bunt und leider tonnenschwer.

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Und das, das ist genau das Problem.

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Zwar gehört das Werk zu den wertvollsten Stücken der KIT-Sammlung,

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dennoch sorgt es derzeit dafür für Unmut.

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Noch ziert es nämlich die Kantine, aber das Gebäude soll künftig

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anders genutzt werden.

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Nur wohin dann mit diesem riesengroßen, schweren Kunstwerk?

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Meine Kollegin Margarete Jall hat sich das wertvolle Stück auf dem

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Campus Nord mal genauer angesehen und unter anderem nachgefragt, wie

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es denn so bei den Kantinenbesuchern eigentlich ankommt und ob sie es

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vielleicht sogar gerne noch dort hängen hätten.

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Wenn ich ganz ehrlich bin, bin ich ein Kulturbanaus und habe das

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überhaupt nicht wahrgenommen.

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Es ist mir nicht aufgefallen, dass das ein Kunstwerk war, aber ich bin

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ja Wissenschaftler, da hat man die Augen sowieso nicht so weit offen.

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Aber vielleicht liegt es ja eher am knurrenden Magen, dass die meisten

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achtlos an dem riesigen Kunstwerk vorbeieilen.

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Dabei lohnt sich ein Blick auf die knallbunte Wand.

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Beton finde ich furchtbar, das ist viel schöner.

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Es bringt etwas Farbe rein.

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Über Stil kann man streiten, das sieht so wie ein Badezimmer aus dem

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50er -Jahren aus.

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Dieses Badezimmer ist ein abstraktes Keramik-Wandbild von Ernst

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Wilhelm Ney.

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Eine riesige gekachelte Wand, die mit gut drei Metern Höhe und über

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neun Metern Breite den Eingangsbereich der Kantine auf dem Campus Nord

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ziert.

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Dabei strahlt sie echten Sixties-Charme aus.

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Abstrakte Formen winden sich in leuchtenden Farben von Tiefrot bis

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Senfgelb.

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Die Kunsthistorikerin Andrea Stengel erklärt, dass es ein ganz

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besonderes Werk von Ernst Wilhelm Ney ist.

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Ney hat ja sonst eher gemalt, mit Keramik hat er nie gearbeitet

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vorher.

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Und das war für ihn so etwas, das wollte er unbedingt machen, weil er

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so jemand ist, der mit Farbe geforscht hat.

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Er hat immer mehr auch Richtung Farbigkeiten, das erörtern wollen, wie

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funktioniert das, wenn ich Farben nebeneinander stelle.

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Und Keramik hat einfach eine ganz andere Wirkung als Farbe auf

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Leinwand zum Beispiel.

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Wilhelm Ney war einer der Vorreiter der modernen abstrakten Kunst in

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Deutschland.

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Dass er ausgerechnet ein Werk für Karlsruhe geschaffen hat, lag vor

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allem an dem damaligen Bauabteilungsleiter Alfred Bauer.

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Der hatte einen Hang zu moderner Kunst und kannte viele Künstler

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persönlich.

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Über die Jahre entstand so eine bemerkenswerte Sammlung.

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Andrea Stengel ist Kunstsachverständige am KIT und weiß, wie Neys Werk

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nach Karlsruhe kam.

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Es gab die Idee für die Kantine, Kunst anfertigen zu lassen.

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So sind ja die meisten Kunstwerke hierher gekommen, als Kunst am Bau.

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Dann wurden verschiedene Künstler angeschrieben, ob sie denn Interesse

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hätten, so ein Kunstwerk zu gestalten.

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Und Wilhelm Ney hat sich, wenn man so will, ein bisschen

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vorgedrängelt.

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Also auch mit einem Schreiben, dass er dieses Kunstwerk so gerne

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machen möchte.

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Und wenn jemand so großartig ist wie er, also er wusste schon, wie

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bekannt er ist, sich dafür bereit erklärt, dann hätte man ihn doch

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gewissermaßen auch zu nehmen.

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Genommen wurde er auch.

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Und seitdem besitzt das KIT ein für die Kunstwelt durchaus bedeutendes

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Werk.

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Der Wert könnte bei mehr als einer Million Euro liegen.

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Und trotzdem führt das tonnenschwere Wandbild derzeit zu Unmut.

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Denn es steht geplanten Umbaumaßnahmen buchstäblich im Weg.

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Das Problem mit diesem Kunstwerk ist, dass es ein sehr großes

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Kunstwerk ist, das sehr empfindlich ist, weil es eben aus Keramik

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gemacht ist.

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Das heißt, man kann das nicht einfach abnehmen und wegtragen.

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Wenn das irgendwie Spannung bekommt, weil es falsch, ungleich vom

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Gewicht abgehängt wird, dann springt das natürlich gleich oder die

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Gefahr besteht zumindest.

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Und auch rechtlich wäre es schwierig, das Werk einfach umzuhängen.

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Das müsste mit dem Künstler abgeklärt werden.

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Und da dieser schon verstorben ist, hätten in dem Fall die Erbenrechte

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an dem Kunstwerk.

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Die Sache ist also gar nicht so einfach.

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Und die Leitung des KIT ist sich der Bedeutung des Werkes durchaus

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bewusst.

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Was also damit machen?

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Ist mir ehrlich gesagt egal.

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Ich glaube nicht, dass es jetzt zwingende Gründe gibt, dass man sagen

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müsste, das sollte jetzt wirklich wegkommen.

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Ich glaube, man kann das sehr gut auch in ein neues Gebäude

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integrieren.

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Also es wäre schön, dass es erhalten bleibt.

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Weil es hat schließlich irgendwann mal Geld gekostet.

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Es hat sich irgendwer mal sehr viel Mühe gemacht, das zu gestalten.

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Ich würde es jetzt nicht einfach kaputt haben und wegwerfen.

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Das wäre auch für die Kunstwelt unvorstellbar.

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Deshalb ist Andrea Stengel sehr optimistisch, dass Nicewerk an Ort und

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Stelle bleiben wird.

