WEBVTT

00:01.740 --> 00:02.400
Ich

00:07.610 --> 00:14.270
freue mich, dass wir jetzt Professor Lars Feld bei uns haben.

00:14.390 --> 00:19.030
Er wird zum Thema brauchen wir neue Standards für den globalen Markt

00:19.030 --> 00:19.910
sprechen.

00:20.830 --> 00:25.330
Er ist Direktor des Walter-Eukin-Instituts in Freiburg, Professor für

00:25.330 --> 00:29.250
Wirtschaftspolitik und Ordnungsökonomik.

00:30.550 --> 00:33.290
Und wie viele wissen, wir sagen das ein bisschen vergotzt.

00:33.770 --> 00:35.630
Er ist einer von der Wirtschaftsweiser.

00:36.030 --> 00:41.870
So he is one of these wise, wise economists, John, who are advising

00:41.870 --> 00:48.570
Germany on what they are doing in economic policy, also of course in

00:48.570 --> 00:49.030
the EU.

00:49.450 --> 00:53.810
So I'm sure we're going to have some very interesting facts and thesis

00:53.810 --> 00:55.610
now and then we shall have a conversation.

00:55.910 --> 00:56.550
Thank you very much.

00:57.070 --> 01:01.650
Sehr geehrter Herr Krenke, sehr geehrte Frau Robeson von Trotha, meine

01:01.650 --> 01:02.810
sehr geehrten Damen und Herren.

01:03.870 --> 01:07.670
Dear John, I would like to give you the opportunity to listen to my

01:07.670 --> 01:08.010
talk.

01:08.330 --> 01:10.710
So I'm happy that you have your translation device now.

01:12.910 --> 01:19.830
I can't stand the temptation to make a small comment before I start my

01:19.830 --> 01:20.610
own presentation.

01:21.530 --> 01:32.110
Well, actually, I'm happy that we agree on the extent that war and

01:32.110 --> 01:36.530
peace are not the things we are talking about here, because whenever

01:36.530 --> 01:39.190
it comes to peace and war, economists don't have to say anything.

01:39.590 --> 01:43.610
Usually we are interested in peaceful exchange of goods, services and

01:43.610 --> 01:44.010
so on.

01:45.030 --> 01:54.610
And on the other hand, I must say, I can, however not, tell you that I

01:54.610 --> 01:55.750
will not refer to data.

01:56.170 --> 01:58.490
This is something that an economist usually does.

01:59.050 --> 02:00.990
And actually, you have done as well.

02:01.530 --> 02:05.490
But whenever it fitted your presentation quite well, you referred to

02:05.490 --> 02:06.130
anecdotes.

02:06.250 --> 02:07.890
And I have a comment on that in the end.

02:09.450 --> 02:10.990
So I hope the presentation is going to come.

02:11.130 --> 02:11.630
Is it going to come?

02:12.590 --> 02:13.250
It's not?

02:16.900 --> 02:18.260
So, then it's going to come.

02:21.420 --> 02:24.420
Okay, so this was the security advice, you see.

02:26.020 --> 02:31.580
Ich werde zurückspringen ins Deutsche und eigentlich gleich ins Thema

02:31.580 --> 02:32.100
einsteigen.

02:32.220 --> 02:37.060
Im Grunde geht es bei der Frage, was sind die Regeln für den globalen

02:37.060 --> 02:40.600
Markt, um die Frage, was macht die Globalisierung und benötigen wir

02:40.600 --> 02:45.800
ganz bestimmte Vorgaben für die Prozesse der Globalisierung, die dafür

02:45.800 --> 02:51.360
sorgen, dass negative Auswirkungen eingedämmt werden oder eingegrenzt

02:51.360 --> 02:52.680
werden, abgeschafft werden.

02:53.360 --> 02:57.920
Es ist also zunächst mal grundsätzlich die Frage, ist Globalisierung

02:57.920 --> 02:58.660
gut oder schlecht?

02:59.200 --> 03:01.880
Wenn sie schlecht ist oder in den Dimensionen, in denen sie schlecht

03:01.880 --> 03:03.220
ist, was kann man dagegen tun?

03:04.100 --> 03:07.300
Ökonomen tendieren aus einer theoretischen Sicht heraus, schon sehr

03:07.300 --> 03:11.220
früh, im Grunde seit Adam Smith, David Ricardo hat das nochmal stärker

03:11.220 --> 03:14.260
auf den Punkt gebracht und im Zeitablauf zeigt sich das über das ganze

03:14.260 --> 03:14.620
20.

03:14.820 --> 03:15.220
Jahrhundert.

03:16.420 --> 03:20.760
Freihandel, also eine Zunahme des internationalen Handels, aber auch

03:20.760 --> 03:24.840
eine Zunahme des Faktoraustauschs, wie wir das so schön nüchtern

03:24.840 --> 03:25.220
sagen.

03:25.360 --> 03:29.800
Das bedeutet Freizügigkeit, wenn es um Arbeitskräfte geht und das

03:29.800 --> 03:31.480
bedeutet einen freien Kapitalverkehr.

03:32.400 --> 03:36.260
Wir betrachten diese Elemente, das sind sozusagen die vier

03:36.260 --> 03:40.260
Grundfreiheiten des gemeinsamen Marktes in Europa, als

03:40.260 --> 03:41.020
wohlfahrtssteigernd.

03:41.660 --> 03:44.580
Aus einer theoretischen Sicht heraus, weil dieser internationale

03:44.580 --> 03:48.180
Austausch letztlich dazu führt, dass diejenigen, die miteinander

03:48.180 --> 03:52.740
freiwilligen Austausch treten, die gegenseitigen Vorteile des Handels

03:52.740 --> 03:53.980
ausnutzen können.

03:55.240 --> 03:58.220
Allerdings, auch das ist theoretisch eigentlich ganz gut

03:58.220 --> 04:03.100
herausgearbeitet, im Übergang, wenn die Globalisierung voranschreitet,

04:03.180 --> 04:06.140
bedeutet das nicht notwendigerweise, wenn es wohlfahrtssteigernd ist,

04:06.260 --> 04:10.400
dass alle innerhalb einer Gesellschaft begünstigt werden durch diesen

04:10.400 --> 04:11.520
Austausch.

04:11.540 --> 04:14.280
Sondern es wird immer wieder Gruppen geben, die aufgrund der

04:14.280 --> 04:17.080
Veränderungen, die dann auftreten, der Strukturwandel, die dadurch

04:17.080 --> 04:19.800
eingesetzt werden, verlieren können.

04:20.120 --> 04:23.280
Das gilt beispielsweise in der Diskussion, die wir die letzten Jahre,

04:23.520 --> 04:27.640
seit den 80ern, letzten Jahrzehntes, seit den 80ern diskutieren können

04:27.640 --> 04:32.460
für unqualifizierte Arbeitskräfte in den westlichen Industrieländern,

04:32.760 --> 04:33.660
auf der einen Seite.

04:34.260 --> 04:36.900
Es gilt aber auch für vormals geschützte Sektoren und die können

04:36.900 --> 04:38.880
überall in irgendeiner Form existieren.

04:39.340 --> 04:43.420
Also nicht nur in den Industrieländern, sondern natürlich auch in den

04:43.420 --> 04:45.140
weniger entwickelten Ländern.

04:46.660 --> 04:49.820
Also trotz der Anerkennung dieser Tatsache, dass es Gruppierungen

04:49.820 --> 04:53.620
gibt, die verlieren können, sehen wir per saldo die Globalisierung als

04:53.620 --> 04:54.260
positiv an.

04:54.580 --> 04:57.780
Zunächst mal von der theoretischen Argumentation her.

04:59.120 --> 05:01.800
Populärer ist die Sicht, die John uns vorgetragen hat.

05:02.360 --> 05:05.460
Das ist die Sicht, dass Globalisierung nur den mächtigen Großkonzernen

05:05.460 --> 05:10.360
nutzt, weil sie weitere Menschen auf der Welt ausbeuten, zur Armut

05:10.360 --> 05:14.520
beiträgt, zu der Entstehung eines neuen Prekariats auch in den

05:14.520 --> 05:15.220
Industrieländern.

05:16.260 --> 05:19.600
Denn was hier befürchtet wird, ist ja nicht nur, dass letztlich

05:19.600 --> 05:23.580
Globalisierung für weniger entwickelte Länder nichts bringt, bzw.

05:24.200 --> 05:27.380
dort noch zu weiteren Problemen führt, sondern es ist auch die

05:27.380 --> 05:31.220
Befürchtung, dass die relativ hohen Sozial- und Umweltstandards, die

05:31.220 --> 05:35.100
Wohlfahrtsstaaten westeuropäischer Prägung, vielleicht muss man auch

05:35.100 --> 05:38.200
sagen der OECD-Länder, denn so schlecht steht Nordamerika, was den

05:38.200 --> 05:42.240
Wohlfahrtsstaat anbetrifft, dann auch wieder nicht da, dass diese

05:42.240 --> 05:43.820
Standards ausgehöhlt werden.

05:44.540 --> 05:47.880
Einfaches Beispiel dazu, stellen Sie sich ein Unternehmen vor, das die

05:47.880 --> 05:50.960
Möglichkeit hat, in Deutschland oder in Indien zu investieren.

05:52.520 --> 05:55.280
Nehmen Sie einfachheitshalber ein Textilunternehmen, weil das das

05:55.280 --> 05:57.580
Allereinfachste ist, was wir uns von der Produktion her noch

05:57.580 --> 05:58.560
vorstellen können.

05:59.720 --> 06:02.700
Ich werde nicht darauf eingehen, dass Globalisierung eigentlich eine

06:02.700 --> 06:05.700
Arbeitsteilung entlang von komplizierten Wertschöpfungsketten ist und

06:05.700 --> 06:07.560
gar nicht so auf die einfachen Produkte abstellt.

06:08.160 --> 06:09.740
Aber das ist nur die Seitenbemerkung.

06:09.800 --> 06:11.100
Wir nehmen mal das einfache Produkt.

06:11.320 --> 06:15.620
Also stellen Sie sich einen Textilunternehmer in Deutschland vor, der

06:15.620 --> 06:17.700
überlegt, ob er hier investieren soll oder in Indien.

06:17.700 --> 06:20.920
Und dann stellt er fest, in Indien sind Arbeitskräfte, gerade die

06:20.920 --> 06:23.760
unqualifizierten Arbeitskräfte, die die einfachen Tätigkeiten in

06:23.760 --> 06:25.960
diesem Job tun können, billiger.

06:26.460 --> 06:27.760
Sie verlangen niedrigere Löhne.

06:28.520 --> 06:30.680
Und das tun Sie nicht nur, weil der Lohn, der dann nachher beim

06:30.680 --> 06:33.120
Arbeitnehmer ankommt, niedriger ist, sondern Sie können auch

06:33.120 --> 06:36.800
niedrigere Löhne in dem Sinne verlangen, dass die Arbeitskosten

06:36.800 --> 06:38.200
insgesamt niedriger sind.

06:38.300 --> 06:41.040
Dass man also weniger Unfallschutz benötigt, weniger

06:41.040 --> 06:44.320
Arbeitsmarktregulierung, Hinblick auf Kündigungsschutz und ähnliches

06:44.320 --> 06:44.540
hat.

06:44.540 --> 06:47.580
Das sind ja letztlich ebenfalls Arbeitskosten, die auftreten.

06:48.060 --> 06:49.800
Sozusagen Fixkosten der Beschäftigung.

06:51.100 --> 06:53.500
Und wenn man dann aus diesen Gründen, aus Kostengründen in Indien

06:53.500 --> 06:57.940
investiert, als Textilunternehmer, dann ist das sozusagen eine Abkehr

06:57.940 --> 07:00.700
von den höheren Sozialstandards in Europa.

07:01.460 --> 07:05.500
Und die Befürchtung ist, dass dann zunehmend, quasi in einer

07:05.500 --> 07:10.420
Rückkopplung in die europäischen Staaten, der politische Druck wächst,

07:10.560 --> 07:11.800
diese Sozialstandards abzubauen.

07:12.720 --> 07:14.440
Das ist die Befürchtung, die man hier hat.

07:14.860 --> 07:17.760
Das gilt nun, ich habe es am Beispiel von Sozialstandards jetzt kurz

07:17.760 --> 07:22.120
illustriert, in ähnlicher Weise für Umweltstandards, es gilt in

07:22.120 --> 07:25.280
ähnlicher Weise für das Steuertransfersystem als den Kern des

07:25.280 --> 07:26.080
Wohlfahrtsstaates.

07:28.340 --> 07:30.880
Wir müssen ein bisschen aufpassen, wenn wir über Globalisierung reden.

07:31.000 --> 07:34.780
Wir sind im Moment in einer Situation, in der bezogen auf die

07:34.780 --> 07:38.020
wirtschaftlichen Elemente die Globalisierung so etwa seit der Mitte

07:38.020 --> 07:41.500
der 90er Jahre auf einem Niveau ist, was den internationalen Handel

07:41.500 --> 07:45.180
anbetrifft, den die Globalisierung bereits vor dem Ersten Weltkrieg

07:45.180 --> 07:45.420
hatte.

07:45.860 --> 07:49.660
Die Verflechtungen vor dem Ersten Weltkrieg waren ähnlich enorm wie

07:49.660 --> 07:54.060
nach dem Zweiten Weltkrieg in den 90er Jahren, also kurz nach der

07:54.060 --> 07:55.200
Wiedervereinigung in Deutschland.

07:56.780 --> 07:59.220
Das heißt, man hat es relativ lange gebraucht nach dem Ersten

07:59.220 --> 08:02.320
Weltkrieg, um diese internationalen Verflechtungen wieder aufzuholen.

08:03.440 --> 08:06.920
Aber Globalisierung heute ist gleichwohl anders als die Globalisierung

08:06.920 --> 08:09.660
vor dem Ersten Weltkrieg, weil es nicht nur um den reinen

08:09.660 --> 08:12.680
wirtschaftlichen Zusammenhang geht, im Sinne des internationalen

08:12.680 --> 08:15.640
Handels, des internationalen Kapitalverkehrs, der

08:15.640 --> 08:18.700
grenzüberschreitenden Eigentümerstrukturen, all das gab es damals

08:18.700 --> 08:24.040
auch, sondern wir haben eine Globalisierung, die viel stärker aufgrund

08:24.040 --> 08:27.660
des technischen Fortschritts so weit vorangeschritten ist, dass sie

08:27.660 --> 08:29.940
schwerer zurückzudrehen sein würde.

08:31.380 --> 08:34.980
Der technische Fortschritt, der das ermöglicht hat, ist vor allen

08:34.980 --> 08:37.000
Dingen im Bereich der Informationstechnologien.

08:37.000 --> 08:40.340
Und er bedeutet nun andererseits aber auch, nicht nur, dass wir die

08:40.340 --> 08:44.180
Informationstechnologien als solche haben, sondern, dass der

08:44.180 --> 08:47.020
Informationsaustausch auch intensiver geworden ist.

08:47.160 --> 08:49.980
Das heißt, wir wissen deutlich mehr über das, was in den anderen

08:49.980 --> 08:51.120
Teilen der Welt vorgeht.

08:51.560 --> 08:55.900
Wir erhalten diese Informationen häufig in Echtzeit, wissen also in

08:55.900 --> 08:59.720
den Minuten, in den Stunden, in denen etwas vor sich geht, was dann

08:59.720 --> 09:02.440
tatsächlich dort passiert ist und können das abrufen.

09:02.640 --> 09:04.980
Es gibt auf der anderen Seite natürlich Bereiche, die wir nicht

09:04.980 --> 09:07.060
abrufen können, die versucht werden, geheim zu halten.

09:07.540 --> 09:09.320
Und dann gibt es die anderen, die versuchen, an diese Geheimnisse

09:09.320 --> 09:09.900
heranzukommen.

09:10.380 --> 09:13.060
Aber das hatten wir früher natürlich auch schon so, nur nicht in

09:13.060 --> 09:13.880
diesem Ausmaß.

09:14.260 --> 09:16.520
Das heißt, die Globalisierung, so wie Sie es hier auf der Abbildung

09:16.520 --> 09:18.960
sehen, hat viele verschiedene Dimensionen.

09:19.260 --> 09:23.260
Sie hat einerseits den wirtschaftlichen Teil auf Unternehmen und

09:23.260 --> 09:27.400
Arbeit bezogen, aber der Kommunikationsbereich ist enorm wichtig und

09:27.400 --> 09:30.180
führt letztlich auch dazu, dass die Institutionen, die Globalisierung

09:30.180 --> 09:33.960
erleichtert haben im Zeitablauf, Schwierigkeiten haben würden,

09:34.200 --> 09:36.080
angesichts dieser Entwicklung es wieder zurückzudrehen.

09:36.160 --> 09:39.220
Man müsste also drastische Maßnahmen ergreifen, um wieder

09:39.220 --> 09:42.820
zurückzufallen in die Zeit, die wir vor den 90er-Jahren hatten.

09:44.500 --> 09:48.040
Nun komme ich erstens zur Beschreibung dieses Phänomens, ganz kurz und

09:48.040 --> 09:53.740
knapp, jetzt nur seit den 70er-Jahren, bezogen auf den Handel von

09:53.740 --> 09:55.400
Gütern und Dienstleistungen.

09:56.260 --> 09:59.540
Sehen Sie hier die Entwicklung im Zeitablauf seit 1970.

09:59.540 --> 10:04.260
Wir haben das einfach gemacht, indem wir 1970 als Ausgangsjahr

10:04.260 --> 10:04.980
genommen haben.

10:05.380 --> 10:08.280
Auf einen Index wird 100 gesetzt und dann nach oben gerechnet,

10:08.400 --> 10:09.760
entsprechend der Wachstumsraten.

10:10.700 --> 10:14.000
Wenn Sie sich das genauer betrachten und den Offenheitsgrad dieser

10:14.000 --> 10:17.100
Ländergruppen anschauen, dann muss man klar sagen, wir haben einen

10:17.100 --> 10:18.640
massiven Anstieg im Zeitablauf.

10:19.460 --> 10:22.780
Der internationale Handel ist extrem nach oben gegangen, wenn wir die

10:22.780 --> 10:24.260
70er -Jahre als Maßstab haben.

10:25.600 --> 10:30.680
Ähnlich ist es im Bereich der Kapitalströme, aufgeteilt einmal in

10:30.680 --> 10:33.300
Direktinvestitionen, auch 1970 gleich 100.

10:33.660 --> 10:36.420
Das Ganze verläuft ziemlich flach bis in die 90er-Jahre hinein.

10:36.540 --> 10:40.180
Dann beobachten wir diesen starken Anstieg der Direktinvestitionen.

10:41.080 --> 10:46.280
Direktinvestitionen, um das vielleicht klar zu sagen, sind nicht die

10:46.280 --> 10:50.100
einfachen Finanzinvestitionen, also nicht der Aktionär, der nun, indem

10:50.100 --> 10:53.900
er spekuliert, ganz bestimmte Finanzprodukte international kauft,

10:53.900 --> 10:56.920
sondern bei Direktinvestitionen haben wir in der Regel eine

10:56.920 --> 11:01.260
Investition vor Ort, die dazu führt, dass Produktion auftritt, bzw.

11:01.640 --> 11:03.720
dass Dienstleistungsunternehmen geschaffen werden.

11:04.400 --> 11:07.980
Direktinvestitionen zielen also darauf ab, neue Produktionsstätten zu

11:07.980 --> 11:08.480
kreieren.

11:09.100 --> 11:12.840
Und sie sind damit zu unterscheiden von den Kapitalflüssen, die man

11:12.840 --> 11:15.120
aufgrund von Portfolioumschichtungen vornimmt.

11:16.180 --> 11:19.180
Die zeige ich Ihnen in dieser zweiten Grafik, diese globalen

11:19.180 --> 11:22.560
Kapitalflüsse, die nun nicht Direktinvestitionen der Unternehmen sind.

11:22.560 --> 11:25.960
Und auch diese haben seit den 90er Jahren massiv zugenommen.

11:26.220 --> 11:28.680
Also der Anstieg in der Globalisierung ist enorm.

11:29.160 --> 11:31.840
Das mag vielleicht das Phänomen ein wenig illustrieren.

11:32.740 --> 11:36.100
Und weil es verschiedene Dimensionen der Globalisierung gibt, gibt es

11:36.100 --> 11:42.720
auch Bestreitungen, das leicht abbildbar in Indizes zusammenzufassen.

11:42.860 --> 11:47.180
Ein solcher Index wird von der Konjunkturforschungsstelle der ETH

11:47.180 --> 11:48.220
Zürich produziert.

11:48.560 --> 11:52.360
Das ist dieser Index der Handels- und Kapitalverkehrsfreiheit der

11:52.360 --> 11:55.760
ebenfalls seit den 70er Jahren einen stetigen Anstieg anzeigt.

11:55.860 --> 11:59.420
Es gibt seit dem Ende der 90er Jahre einen gewissen Rückgang, der sich

11:59.420 --> 12:01.880
nach 2007 fortgesetzt hat.

12:03.400 --> 12:07.400
Jetzt komme ich zu dem, was John Ralston eben auch schon angesprochen

12:07.400 --> 12:07.720
hat.

12:09.860 --> 12:12.960
Die Frage, zu was führt diese Globalisierung?

12:13.800 --> 12:17.780
Und es ist nicht nur, dass ich das im Studium gelernt habe und nichts

12:17.780 --> 12:22.700
anderes kann, sondern ich habe auch eingesehen, dass es sinnvoll ist,

12:22.780 --> 12:25.980
sich auf Daten zu verlassen und nicht einfach einzelne Beobachtungen

12:25.980 --> 12:26.780
heranzuziehen.

12:27.700 --> 12:30.140
Denn to be on the ground reicht einfach nicht.

12:30.740 --> 12:33.700
Das, was die Weltbank macht, indem sie Daten über Armut in den

12:33.700 --> 12:38.740
verschiedenen Länderregionen zusammensucht, ist, mehrere Leute on the

12:38.740 --> 12:43.060
ground zu schicken und zu schauen, wer ist nun tatsächlich arm,

12:43.200 --> 12:46.740
zunächst einmal gemessen entlang der Linie, die die Weltbank als

12:46.740 --> 12:48.980
absolutes Armutsniveau definiert.

12:49.520 --> 12:52.720
Das ist nach der heutigen Definition ein, ein Viertel Dollar am Tag

12:52.720 --> 12:55.040
Einkommen, das jemandem zur Verfügung steht.

12:55.800 --> 12:59.300
Und sich dann im nächsten Schritt anzuschauen in Relation zu dem

12:59.300 --> 13:03.100
Medianeinkommen, das in einer Gesellschaft oder einer Volkswirtschaft

13:03.100 --> 13:06.480
vorherrscht, wie die relative Armut aussieht.

13:06.820 --> 13:10.280
Die relative Armut ist also immer an dem bestehenden Einkommensniveau

13:10.280 --> 13:10.820
gemessen.

13:11.480 --> 13:13.980
Wenn Sie das hier in der Abbildung anschauen, dann muss man klar

13:13.980 --> 13:20.560
feststellen, insgesamt, insgesamt ohne China, ist die Armut, absolut

13:20.560 --> 13:23.520
gesehen, deutlich zurückgegangen im Zeitablauf.

13:23.700 --> 13:27.140
Also wir messen das hier seit 1981, seit den 80er Jahren werden diese

13:27.140 --> 13:27.980
Zahlen erhoben.

13:28.540 --> 13:32.760
Sie sehen hier die rote Linie ist China, das ist das Land, in dem die

13:32.760 --> 13:37.300
Armut am stärksten zurückgegangen ist, während 1981 mehr als 80

13:37.300 --> 13:41.200
Prozent der Bevölkerung weniger als einen Viertel Dollar pro Tag zur

13:41.200 --> 13:46.040
Verfügung hatten, sind es heute in China noch 16, 17 Prozent.

13:46.320 --> 13:46.940
Mehr nicht mehr.

13:48.340 --> 13:53.580
Wenn man China rausrechnet, also das total exklusive China nimmt, ist

13:53.580 --> 13:57.200
der Rückgang, der sich dann insgesamt abzeichnet, weniger deutlich.

13:57.320 --> 14:01.680
Also man sieht sehr stark, wie der Rückgang in der Armut durch die

14:01.680 --> 14:06.620
Situation in China verstärkt wird, überzeichnet wird, wenn man also

14:06.620 --> 14:08.360
dieses total anschaut.

14:08.760 --> 14:11.680
Aber es stimmt andererseits auch nicht ganz, denn schauen Sie sich

14:11.680 --> 14:14.840
Südasien an, wir haben einen stetigen Rückgang der Armut gemessen

14:14.840 --> 14:16.220
anhand dieses Indikators.

14:16.820 --> 14:21.740
Wir haben auch in Ostasien, im Pazifikraum, einen deutlichen Rückgang

14:21.740 --> 14:24.060
der Gleichläufe wie in China.

14:25.340 --> 14:30.840
In Osteuropa steigt die Einkommensungleichheit an, bis Mitte der 90er

14:30.840 --> 14:33.880
Jahre und sinkt seither leicht, sodass man quasi im längeren

14:33.880 --> 14:35.720
Zeitverlauf nur eine Stagnation sehen kann.

14:36.140 --> 14:39.680
Aber im Großen und Ganzen sind deutliche Rückgänge in den Armutsquoten

14:39.680 --> 14:42.540
in den verschiedenen Regionen der Welt zu beobachten.

14:43.000 --> 14:47.460
Man kann das auch in Millionen Menschen ausdrücken, aber ohne dass man

14:47.460 --> 14:50.300
das Bevölkerungswachstum daneben sieht, macht das nicht so richtig

14:50.300 --> 14:50.740
viel Sinn.

14:51.420 --> 14:54.880
Letztlich bedeutet diese Reduktion der Armutsquoten allerdings, dass

14:54.880 --> 14:59.640
man im Zuge der Globalisierung eine enorme Zahl von Menschen aus der

14:59.640 --> 15:02.780
Armut in Normaleinkommensverhältnisse überführt hat.

15:03.460 --> 15:05.820
Das ist sozusagen ein Erfolg der Globalisierung.

15:06.480 --> 15:08.540
Das heißt nicht, dass man Armut ausradiert hätte.

15:08.740 --> 15:13.420
Und das heißt vor allen Dingen auch nicht für die Regionen südlich der

15:13.420 --> 15:17.460
Sahara, wenn Sie die blaue Linie anschauen, die das Bild am stärksten

15:17.460 --> 15:21.140
trübt, dass man Armut ausradiert hätte.

15:21.740 --> 15:26.960
Und deswegen werden Sie viele 5- bis 10-köpfige Familien finden, auch

15:26.960 --> 15:30.720
im Westen Chinas, die sehr, sehr arm sind und unterhalb dieses Niveaus

15:30.720 --> 15:31.200
leben müssen.

15:31.680 --> 15:36.240
Aber gleichwohl ist man auf dem Weg der Reduktion der Armut deutlich

15:36.240 --> 15:37.140
vorangekommen.

15:38.120 --> 15:44.220
Das gilt dann letztlich auch, wenn Sie das Ganze in, wie wir sagen,

15:44.320 --> 15:45.740
Kaufkraftparitäten ausdrücken.

15:45.820 --> 15:49.340
Also berücksichtigen, dass die Preise für Güter ansteigen, dass es

15:49.340 --> 15:50.640
Inflationsprozesse gibt.

15:51.080 --> 15:55.240
Da schaut man sich also an, ob das, was man gerade bei diesem

15:55.240 --> 16:00.460
absoluten Armutsmaß von einem Viertel Dollar pro Tag, was man dafür

16:00.460 --> 16:03.220
kaufen kann, was die Kaufkraft davon ist, das wird entsprechend

16:03.220 --> 16:04.640
adjustiert und herausgerechnet.

16:05.140 --> 16:08.280
Und ebenfalls sieht man einen deutlichen Rückgang der Armutsquoten

16:08.280 --> 16:13.480
gemessen an diesen Kaufkraftparitäten.

16:13.840 --> 16:17.240
Die einzige Ausnahme wiederum Afrika südlich der Sahara.

16:18.180 --> 16:21.500
Ansonsten sind die Weltregionen zunehmend eingebunden worden in die

16:21.500 --> 16:25.100
internationale Arbeitsteilung und zunehmend ist dabei die Armut

16:25.100 --> 16:25.860
reduziert worden.

16:26.840 --> 16:30.020
Und dann sehen wir es andererseits im Hinblick auf die relative Armut.

16:30.160 --> 16:33.500
Also auch wenn Sie diese betrachten, sieht man den klaren Rückgang in

16:33.500 --> 16:36.600
den verschiedenen Länderregionen, wobei er besonders stark ausgeprägt

16:36.600 --> 16:37.180
ist in China.

16:37.560 --> 16:40.360
Und wenn wir China herausnehmen, ist dann doch in viel stärkerem Maße

16:40.360 --> 16:41.680
eine Stagnation zu beobachten.

16:42.020 --> 16:46.160
Das heißt, es ist der allgemeine Einkommensanstieg, der in den

16:46.160 --> 16:51.280
Regionen außerhalb Chinas die Situation der Menschen verbessert.

16:51.640 --> 16:52.540
Absolut gesehen.

16:53.280 --> 16:58.000
Aber ihre Teilhabe an diesem Einkommensanstieg ist nun nicht

16:58.000 --> 17:01.360
überproportional stark, sondern eher unterproportional.

17:03.580 --> 17:06.300
Okay, das ist die eine Seite, die ich kurz beleuchten möchte.

17:06.360 --> 17:09.040
Die andere Seite, die ich kurz beleuchten möchte, ist die, gibt es

17:09.040 --> 17:13.660
denn Druck auf die westlichen Staaten mit ihren wohl ausgebildeten

17:13.660 --> 17:19.220
wohlfahrtsstaatlichen Arrangements und ihren hohen Arbeits- und

17:19.220 --> 17:20.320
Umweltstandards?

17:21.080 --> 17:24.540
Führt die Globalisierung für dieser internationalen Wettbewerb

17:24.540 --> 17:29.340
letztlich dazu, dass Druck auf diese Standards entsteht, dass sie also

17:29.340 --> 17:31.140
nach unten angepasst werden müssen?

17:31.460 --> 17:33.920
Haben wir so etwas wie einen Race to the Bottom, wie das so schön

17:33.920 --> 17:34.280
heißt.

17:35.900 --> 17:38.080
Zunächst beleuchtet für die Steuerpolitik.

17:38.220 --> 17:39.380
In der Tat sieht das so aus.

17:39.500 --> 17:43.040
Wenn Sie hier diese Zahlen anschauen, das ist die Körperschaftsteuer

17:43.040 --> 17:47.560
bis 2008, also bis wir in Europa dann schließlich auch von der

17:47.560 --> 17:49.360
Finanzkrise richtig betroffen worden sind.

17:49.780 --> 17:51.780
Das ist der Steuersatz auf Unternehmensgewinne.

17:52.200 --> 17:55.260
Ein effektiver Steuersatz, also nicht einfach nur ein statutarischer.

17:55.660 --> 17:58.240
Man schaut sich also auch an, wie die Bemessungsgrundlage bei der

17:58.240 --> 18:01.280
Körperschaftsteuer aussieht und welche Steuerschlupflöcher es für die

18:01.280 --> 18:02.060
Unternehmen gibt.

18:02.440 --> 18:05.140
Da sieht man sehr klar den kräftigen Rückgang insgesamt.

18:05.140 --> 18:08.200
Bei den großen Ländern nicht so markant wie bei den kleinen Ländern,

18:08.360 --> 18:12.480
aber im OECD-Durchschnitt ist der Rückgang der Steuersätze deutlich zu

18:12.480 --> 18:12.940
beobachten.

18:14.520 --> 18:17.260
Allerdings hat das nichts am Aufkommen der Unternehmenssteuern

18:17.260 --> 18:17.580
geändert.

18:17.720 --> 18:19.620
Das Aufkommen ist nahezu gleich geblieben.

18:19.700 --> 18:22.940
Wir haben sogar einen gewissen Anstieg in den letzten Jahren im OECD

18:22.940 --> 18:23.960
-Durchschnitt zu beobachten.

18:24.460 --> 18:27.300
Das gilt stärker für die kleinen Länder als für die großen Länder.

18:27.660 --> 18:31.280
Die großen Länder haben erst jüngst einen gewissen Anstieg im

18:31.280 --> 18:33.120
Steueraufkommen zu verzeichnen.

18:34.120 --> 18:36.040
Das ist jetzt bezogen auf die Unternehmenssteuern.

18:36.120 --> 18:38.540
Wenn Sie jetzt weitergehen, das Steueraufkommen insgesamt anschauen,

18:38.620 --> 18:41.680
muss man klar sagen, das Steueraufkommen insgesamt ist nach oben

18:41.680 --> 18:41.980
gegangen.

18:42.100 --> 18:45.020
Die Globalisierung hat dafür gesorgt, dass die Gewinne, dass die

18:45.020 --> 18:48.260
Einkommen gestiegen sind und der Staat hat entsprechend partizipiert

18:48.260 --> 18:49.820
mit einem höheren Steueraufkommen.

18:50.260 --> 18:53.820
Das gilt jetzt hier nur zusammengenommen für die OECD, aber für jedes

18:53.820 --> 18:56.260
einzelne Land können Sie es separat anschauen.

18:56.360 --> 18:58.080
Das gilt insbesondere also auch für Deutschland.

18:58.780 --> 19:02.220
Und dabei hat sich die Struktur des Steueraufkommens kaum verändert.

19:03.240 --> 19:07.020
Die Struktur des Steueraufkommens, das heißt, Steuern auf Einkommen,

19:07.440 --> 19:11.720
Steuern auf Kapital, das sind zwei Teile dieser Struktur, und dann vor

19:11.720 --> 19:15.140
allem die indirekten Steuern, die ja viel stärker auf dem

19:15.140 --> 19:17.540
Produktionsfaktor Arbeit liegen, also beispielsweise die

19:17.540 --> 19:18.160
Mehrwertsteuer.

19:18.820 --> 19:22.580
Man muss sagen, dass im Zeitverlauf die Struktur, naja, Sie können

19:22.580 --> 19:27.460
versuchen, was reinzuinterpretieren, aber das ist nun wirklich robust,

19:27.700 --> 19:28.280
würden wir sagen.

19:28.800 --> 19:29.980
Konstant, kann man auch sagen.

19:30.020 --> 19:30.920
Es hat sich nichts verändert.

19:31.260 --> 19:35.820
Also, dass die Globalisierung nun Druck auf die

19:35.820 --> 19:38.320
Unternehmensbesteuerung machen würde und man dann letztlich eine

19:38.320 --> 19:41.880
Substituierung der Unternehmensbesteuerung durch Umsatzsteuern oder

19:41.880 --> 19:45.940
durch Steuern auf einfache Arbeit hätte, kann man nicht beobachten im

19:45.940 --> 19:46.460
Zeitablauf.

19:47.120 --> 19:48.800
Und das sind jetzt nur die illustrativen Bilder.

19:49.120 --> 19:51.360
Es gibt natürlich eine Reihe von Studien, die sich das genauer

19:51.360 --> 19:51.720
anschauen.

19:51.720 --> 19:55.340
Die stellen letztlich fest, dass eine ganze Reihe von anderen Faktoren

19:55.340 --> 19:59.420
dafür sorgen, dass dieser Steuerwettbewerb die Wohlfahrtsstaatlichkeit

19:59.420 --> 20:01.920
von der Finanzierungsseite her nicht aushöhlt.

20:03.700 --> 20:06.000
Ähnliches gilt für Arbeitsmarktinstitutionen.

20:06.060 --> 20:07.440
Auch hier nur ein illustratives Bild.

20:07.540 --> 20:09.920
Dahinter steckt eine systematische Studie, die eine ganze Reihe

20:09.920 --> 20:11.680
anderer Einflussfaktoren konstant hält.

20:12.160 --> 20:14.000
Und das dann auch zusammengefasst in Indizes.

20:14.160 --> 20:15.940
Hier ist der Kopfindex der Globalisierung.

20:16.460 --> 20:19.860
Was Sie hier sehen an der Y-Achse, das ist ein Index der

20:19.860 --> 20:21.040
Arbeitsmarktregulierung.

20:21.040 --> 20:23.980
Da werden also Kündigungsschutzregelungen, Unfallschutzregelungen und

20:23.980 --> 20:25.260
ähnliches zusammengenommen.

20:25.800 --> 20:29.780
Und wenn Sie sich diese Punktwolke anschauen, über eine Reihe

20:29.780 --> 20:33.020
unterschiedlicher Länder der Welt, muss man sagen, da gibt es keinen

20:33.020 --> 20:33.260
Zusammenhang.

20:33.900 --> 20:35.440
Das ist eine Punktwolke, nichts mehr.

20:36.140 --> 20:37.100
Lässt sich nichts erkennen.

20:37.720 --> 20:40.600
Also mit anderen Worten, die Globalisierung hat nicht zu einem

20:40.600 --> 20:44.920
Rückgang der Arbeitsmarktstandards in den Industrieländern geführt und

20:44.920 --> 20:49.420
auch nicht zu einem Rückgang der Arbeitsmarktstandards in den weniger

20:49.420 --> 20:50.220
entwickelten Ländern.

20:50.220 --> 20:53.380
Wir sehen auch keinen Anstieg auf der anderen Seite.

20:54.040 --> 20:55.340
Aber wir sehen keinen Rückgang.

20:58.340 --> 21:02.560
Ich will das nochmal zusammenbringen, obwohl mir schon langsam die

21:02.560 --> 21:03.720
rote Karte gezeigt wird.

21:05.560 --> 21:07.220
Zusammenbringen in einem Verteilungsmaß.

21:07.820 --> 21:10.160
Wir haben ja insbesondere in Deutschland eine solche Debatte in den

21:10.160 --> 21:16.100
letzten Jahren geführt, die behauptet hat, wir würden in der

21:16.100 --> 21:19.760
Bundesrepublik in einem Land leben, in dem die sozialen Schieflagen

21:19.760 --> 21:20.800
massiv zunehmen.

21:22.040 --> 21:24.960
Ich habe mich immer auch gewundert, on the ground sozusagen, und habe

21:24.960 --> 21:26.740
gedacht, bist du so weit weg von deinen Wurzeln.

21:28.320 --> 21:31.040
Aber offenbar stimmt das nicht ganz, wenn man sich die Daten

21:31.040 --> 21:32.040
tatsächlich anschaut.

21:32.240 --> 21:35.640
Diese Daten werden erhoben und zusammengestellt vom Deutschen Institut

21:35.640 --> 21:38.660
für Wirtschaftsforschung in Berlin, das von seiner bisherigen

21:38.660 --> 21:43.580
Ausrichtung seit dem Zweiten Weltkrieg unverdächtig ist, neoliberale

21:43.580 --> 21:44.640
Positionen zu vertreten.

21:45.500 --> 21:50.380
Es handelt sich um eine Zusammenfassung der Einkommensverteilung in

21:50.380 --> 21:53.640
Deutschland in einem einzigen Maß, dem Gini-Koeffizienten.

21:54.500 --> 21:55.360
Was wird da gemacht?

21:55.440 --> 21:59.000
Wir nehmen die Einkommen der Menschen, schauen uns an, wo sie sich

21:59.000 --> 22:03.220
befinden, in welchen Einkommensklassen also, und dann ordnen wir diese

22:03.220 --> 22:07.640
Einkommensklassen von niedrigen auf hohe Einkommen an und schauen uns

22:07.640 --> 22:10.420
an, wie viel Prozent des Gesamteinkommens fällt in jede

22:10.420 --> 22:11.240
Einkommensklasse.

22:11.240 --> 22:14.720
Dann lässt sich das Ganze nachher umrechnen in einen Koeffizienten,

22:14.780 --> 22:16.260
der zwischen 0 und 1 variiert.

22:16.400 --> 22:19.420
0 wäre perfekte Gleichverteilung, alle haben das gleiche Einkommen.

22:19.860 --> 22:22.380
1 wäre perfekte Ungleichverteilung, einer hat alles.

22:22.800 --> 22:25.520
Beides sehr unrealistisch, man befindet sich also irgendwo in der

22:25.520 --> 22:26.720
Mitte, wenn es realistisch ist.

22:27.180 --> 22:30.100
Aber bitte beachten Sie, wir sind hier unten in Deutschland bei einem

22:30.100 --> 22:33.520
Gini -Wert von 0,2.

22:34.160 --> 22:37.660
Brasilien liegt über 0,8, also man kommt dann schon ziemlich nah an

22:37.660 --> 22:39.840
die 1 ran, wenn man bestimmte Schwellenländer anschaut.

22:42.120 --> 22:45.340
Gut, danke, dass Sie mich da korrigieren, aber ich habe Zahlen aus der

22:45.340 --> 22:47.960
Vergangenheit noch im Sinn, wo wir deutlich höher lagen.

22:49.960 --> 22:51.340
Naja, das mag ja richtig sein.

22:52.000 --> 22:55.140
Was ich damit illustrieren will, ist, dass die 1 zwar extrem ist, aber

22:55.140 --> 22:57.840
dass man dann trotzdem in der Verteilung, die man in der Welt

22:57.840 --> 23:00.000
beobachten kann, auch an die 1 rankommt.

23:00.160 --> 23:03.740
Dass es also jetzt nicht nur einen Bereich zwischen 0,2 und 0,6 gibt,

23:04.060 --> 23:05.660
der realistisch wäre in der Welt.

23:05.660 --> 23:08.560
Sondern wir kommen schon auch über Werte von 0,8.

23:08.620 --> 23:10.680
Wenn das für Brasilien nicht stimmt, dann nehmen wir halt Burundi.

23:12.660 --> 23:15.920
Was Sie hier sehen, ist einmal der Gini-Koeffizient für die

23:15.920 --> 23:19.260
Markteinkommen, bevor Steuern und Transfers des Staates einsetzen.

23:19.820 --> 23:23.860
Das sind die durchgezogenen Linien für die drei Gebietsabgrenzungen.

23:24.500 --> 23:28.260
Und die gestrichelten Linien, das ist der Gini-Koeffizient, also die

23:28.260 --> 23:30.480
Einkommensverteilung nach Steuern und Transfers.

23:30.620 --> 23:33.480
Bitte beachten Sie, das ist Verteilung, das ist nicht Einkommenshöhe.

23:33.480 --> 23:36.040
Also wenn die blaue Linie für Ostdeutschland über der für

23:36.040 --> 23:38.060
Westdeutschland liegt, heißt das nicht, dass wir da ein höheres Pro

23:38.060 --> 23:38.900
-Kopf -Einkommen haben.

23:39.140 --> 23:41.380
Sondern wir haben eine höhere Ungleichverteilung der Einkommen.

23:42.440 --> 23:44.460
Also von 0 bis 1, umso ungleicher wird es.

23:44.680 --> 23:48.060
Die Markteinkommen sind ungleicher verteilt als die Haushaltsnetto

23:48.060 --> 23:48.480
-Einkommen.

23:50.760 --> 23:52.460
Diese Grafik hat drei Botschaften.

23:52.520 --> 23:56.380
Erstens, die Einkommensungleichheit steigt im Zeitablauf an.

23:56.980 --> 24:02.940
Allerdings relativ moderat, von 0,4 bis maximal 0,5 im Zeitablauf.

24:02.940 --> 24:03.940
Über eine längere Zeit.

24:05.240 --> 24:06.240
Das ist die erste Botschaft.

24:06.500 --> 24:07.640
Es ist relativ moderat.

24:08.620 --> 24:12.360
Die zweite Botschaft ist die, der Staat in Deutschland verteilt in

24:12.360 --> 24:13.920
erheblichem Maße Einkommen um.

24:14.500 --> 24:18.000
Zwischen den Markt- und Haushaltseinkommen wird deutlich umverteilt.

24:18.540 --> 24:21.280
Trotz all dieser Globalisierungsprozesse, die ich geschrieben habe,

24:21.400 --> 24:23.960
Sie haben ja die Zahlen gesehen, es wird trotzdem viel umverteilt.

24:25.100 --> 24:29.460
Und das Interessante ist, seit 2005 sinkt die Einkommensungleichheit

24:29.460 --> 24:29.780
wieder.

24:30.600 --> 24:34.680
Also das, was an Reformen stattgefunden hat seither, hat eigentlich

24:34.680 --> 24:39.400
nicht zu dieser Zunahme der Einkommensungleichheit geführt, wie wir

24:39.400 --> 24:41.940
das die ganze Zeit in der öffentlichen Debatte gesehen haben, sondern

24:41.940 --> 24:43.120
es hat zu einem Rückgang geführt.

24:43.500 --> 24:46.980
Man könnte auch sagen, für die deutsche Situation, Soziales, was

24:46.980 --> 24:47.540
Arbeit schafft.

24:47.660 --> 24:48.420
Ich komme zum Ende.

24:49.420 --> 24:51.700
Also brauchen wir neue Standards für den globalen Markt.

24:51.800 --> 24:54.260
Es lohnt sich, die Evidenz anzuschauen, und zwar die systematische

24:54.260 --> 24:55.340
Evidenz anzuschauen.

24:55.980 --> 24:58.960
Globalisierung lässt insbesondere die Ärmeren in der Welt stärker am

24:58.960 --> 25:00.680
wirtschaftlichen Erfolg teilhaben.

25:01.180 --> 25:06.240
Sie führt zu keinem Kollaps der westlichen Wohlfahrtsstaaten, und sie

25:06.240 --> 25:10.060
führt auch nicht zu einer Aushöhlung von Arbeitsmarktstandards.

25:12.220 --> 25:16.700
Es deutet manches darauf hin, dass wir die Chance haben, unsere Umwelt

25:16.700 --> 25:19.380
- und Sozialstandards sozusagen zu exportieren.

25:20.320 --> 25:22.500
Und dann habe ich die zwei Botschaften, die ich gerne an John

25:22.500 --> 25:23.440
weitergeben müsste.

25:24.160 --> 25:27.620
Ich habe das Zitat von Edward Stemming gelesen.

25:27.960 --> 25:30.260
In God we trust, all others bring data.

25:32.400 --> 25:35.020
Und damit wir wissen, was Daten sind, hat George Stigler das nochmal

25:35.020 --> 25:35.860
klar formuliert.

25:36.160 --> 25:38.240
The plural of anecdote is data.

25:38.760 --> 25:39.860
Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

