WEBVTT

00:00.000 --> 00:03.880
Das war eben dann Gegenstand der Untersuchung, herauszufinden, woran

00:03.880 --> 00:04.320
das liegt.

00:05.180 --> 00:07.700
Dazu wurden dann zunächst einmal Modellrechnungen gemacht.

00:08.540 --> 00:11.700
Und mit diesen Modellrechnungen sieht man, dass man mit den

00:11.700 --> 00:16.000
Modellrechnungen diese Zunahme von HCl auch im Modell findet.

00:16.380 --> 00:17.800
Das heißt, man kann sie beschreiben.

00:18.160 --> 00:21.360
Man sieht auch im Modell, wie auch in den Messungen, dass es nur

00:21.360 --> 00:24.320
auftritt an Messstationen in der nördlichen Hemisphäre.

00:24.320 --> 00:28.060
An Messstationen in der südlichen Hemisphäre tritt das nicht auf, da

00:28.060 --> 00:31.000
nimmt das HCl weiterhin, wie ursprünglich erwartet, ab.

00:31.160 --> 00:34.000
Auf den ersten Blick erscheint diese Entwicklung überraschend.

00:34.340 --> 00:37.460
Denn seit den 90er-Jahren hatten die ozonschädigenden Stoffe

00:37.460 --> 00:41.040
Fluorkohlenwasserstoff und Chlorwasserstoff in der Stratosphäre stetig

00:41.040 --> 00:41.520
abgenommen.

00:42.040 --> 00:44.320
Das Montrealer Protokoll erfüllte seinen Zweck.

00:44.320 --> 00:49.560
1987 war es in Kraft getreten, zwei Jahre nachdem drei Forscher des

00:49.560 --> 00:53.400
britischen Antarktisdienstes von starken Ozonverlusten über ihrer

00:53.400 --> 00:54.960
Arktisstation berichtet hatten.

00:55.500 --> 00:58.720
Bis zu seiner Ächtung durch das Montrealer Abkommen wurde FCKW als

00:58.720 --> 01:02.380
Treibgas in Sprühdosen und zum Aufblähen von Schäumen benutzt.

01:02.800 --> 01:06.380
Außerdem diente es als Kühlmittel in Eisschränken, Kühltruhen und

01:06.380 --> 01:09.560
Klimaanlagen oder als Reinigungsmittel für Textilien.

01:09.560 --> 01:14.700
Obwohl bereits 1974 vor dem Einsatz von FCKWs gewarnt worden war,

01:15.140 --> 01:18.120
wurde vielen erst durch den Forschungsbericht elf Jahre später die

01:18.120 --> 01:20.140
zerstörerische Wirkung des Gases klar.

01:20.300 --> 01:25.260
Es ist also so, dass die FCKWs Chlor enthalten und die FCKWs in der

01:25.260 --> 01:26.820
Troposphäre sehr stabil sind.

01:26.820 --> 01:30.940
Damit ist es also möglich, dass mit diesen Gasen, mit diesen Stoffen,

01:31.000 --> 01:34.720
mit den FCKWs über einen Zeitraum von einigen Jahren eben diese Luft

01:34.720 --> 01:38.580
in die Stratosphäre, also in Höhenschichten von oberhalb von 10-15

01:38.580 --> 01:41.960
Kilometer, also 20-25 Kilometer in die Höhe der Ozonschicht gelangen.

01:42.980 --> 01:45.620
Wo normalerweise haben wir ja einen geringen Austausch zwischen

01:45.620 --> 01:48.580
bodennaher Luft und eben dieser Stratosphäre, aber wenn die Gase so

01:48.580 --> 01:51.040
langlebig sind, können die eben bis dahin kommen.

01:51.040 --> 01:54.840
Dort gibt es harte UV-Strahlung, die wir am Boden glücklicherweise

01:54.840 --> 01:56.440
nicht haben, dank der Ozonschicht.

01:57.140 --> 02:01.320
Und dort wird dann eben dieses FCKW aufgespalten, das Chlor wird frei

02:01.320 --> 02:04.780
und dieses Chlor kann dann eben Ozon abbauen.

02:05.820 --> 02:09.180
Glücklicherweise ist das Chlor normalerweise in Verbindungen wie HCl,

02:09.280 --> 02:13.160
Chlorwasserstoff, gebunden, das nicht direkt das Ozon angreift.

02:13.160 --> 02:17.260
Wenn es aber in der Stratosphäre sehr kalt wird, bilden sich bestimmte

02:17.260 --> 02:21.920
Wolken, PSCs heißen die, polare stratosphärische Wolken, an deren

02:21.920 --> 02:26.140
Oberflächen laufen dann chemische Reaktionen ab, an denen HCl und auch

02:26.140 --> 02:30.780
Chlornidrat eben reagieren und das Chlor freisetzen, was dann eben das

02:30.780 --> 02:31.480
Ozon abbaut.

02:31.660 --> 02:34.680
Mit dem Montrealer Abkommen ging der FCKW-Einsatz laut

02:34.680 --> 02:37.680
Bundesministerium um 95% zurück.

02:37.680 --> 02:40.520
Jährlich ließ sich ein Rückgang der Chlorverbindung in der

02:40.520 --> 02:43.120
Stratosphäre von 1-2% beobachten.

02:43.760 --> 02:46.940
Weltweit wird die Konzentration verschiedener Spurengase von einem

02:46.940 --> 02:50.320
Netz von Beobachtungsstationen untersucht, dem Network for the

02:50.320 --> 02:53.780
Detection of Atmospheric Composition Change, mit über 70

02:53.780 --> 02:54.560
Messstationen.

02:54.980 --> 02:57.660
Dazu gehören auch die Messstationen, die von Forschern des KIT

02:57.660 --> 03:01.360
mitbetrieben werden, wie in Kiruna in Nordschweden, Isania auf

03:01.360 --> 03:02.960
Teneriffa oder in Karlsruhe.

03:02.960 --> 03:06.980
Seit 2007 beobachten die Forscher über den Nordhalbkugel eine Zunahme

03:06.980 --> 03:09.640
des Chlorwasserstoffs von bis zu 3% pro Jahr.

03:10.200 --> 03:12.640
Den Grund dafür haben die Wissenschaftler bereits wohl entdeckt.

03:13.080 --> 03:15.040
Eine Änderung der Luftzirkulation.

03:15.620 --> 03:18.120
Auf dem Nordhalbkugel hat sich die Strömung verlangsamt.

03:18.680 --> 03:22.060
Das heißt, es dauert länger, bis die Luft vom Boden in die

03:22.060 --> 03:23.060
Stratosphäre kommt.

03:23.060 --> 03:26.940
Und damit hat diese Luftmasse eben auch mehr Zeit und ist länger nach

03:26.940 --> 03:28.400
der Sonnenstrahlung ausgesetzt.

03:28.900 --> 03:33.360
Und damit wird eben mehr von den FCKWs in HCl umgewandelt.

03:33.920 --> 03:38.380
Und dadurch bekommt man eben diese Zunahme von HCl in der nördlichen

03:38.380 --> 03:39.160
Hemisphäre.

03:39.540 --> 03:42.940
Im gleichen Zeitraum ist es in der Südhalbkugel etwas schneller

03:42.940 --> 03:43.440
geworden.

03:44.000 --> 03:46.340
Aber es ist im Bereich, sagen wir mal, natürliche Schwankungen.

03:46.380 --> 03:49.060
Es schwankt natürlich immer ein wenig, wird ein wenig schneller und

03:49.060 --> 03:49.500
langsamer.

03:50.100 --> 03:51.800
Das ist, glaube ich, im normalen Bereich.

03:51.800 --> 03:55.520
Die Ursache für die veränderte Zirkulation ist noch nicht bekannt.

03:56.080 --> 03:59.060
Ein Zusammenhang mit dem Klimawandel sei nicht ausgeschlossen, so die

03:59.060 --> 03:59.680
Wissenschaftler.

04:00.220 --> 04:03.800
Gute Nachricht, die Gesamtmenge des Chlors in der Atmosphäre ist also

04:03.800 --> 04:04.740
nicht angestiegen.

04:05.320 --> 04:08.780
Auch eine Zunahme anderer ozonschädigender Stoffe hält man nicht für

04:08.780 --> 04:09.280
wahrscheinlich.

04:09.960 --> 04:11.920
Es sieht also alles nach Entwarnung aus.

04:12.420 --> 04:15.680
Auch Dr. Thomas Blumenstock geht davon aus, dass die Ozonschicht Mitte

04:15.680 --> 04:17.580
des Jahrhunderts wiederhergestellt sein könnte.

04:18.220 --> 04:20.920
Für ihn ist die Konsequenz aus den letzten Messergebnissen...

04:20.920 --> 04:24.440
dass man eben weiter auch weitere Gase anschauen wird und daran weiter

04:24.440 --> 04:25.160
arbeiten wird.

04:26.240 --> 04:30.700
Und es zeigt eben auch, dass eben diese Dinge, die man oft getrennt

04:30.700 --> 04:34.180
behandelt, wie Ozonloch, Ozonschemie auf der einen Seite und

04:34.180 --> 04:36.500
Treibhauseffekte auf der anderen Seite, dass die eben auch stark

04:36.500 --> 04:37.080
gekoppelt sind.

04:37.240 --> 04:41.280
Dass eben sich durch den Treibhauseffekt die Strömung eventuell ändern

04:41.280 --> 04:44.840
kann, dass sich die Temperatur in der Stratosphäre ändert, dass also

04:44.840 --> 04:47.100
diese beiden Dinge durchaus gekoppelt sind.

04:47.220 --> 04:49.900
Und das wird sicher verstärkt in Zukunft untersucht werden.

