WEBVTT

00:21.540 --> 00:24.080
Ja, vielen Dank für die Einladung.

00:24.220 --> 00:26.020
Es ist natürlich eine Ehre, hier zu sein.

00:26.160 --> 00:27.540
Auch jetzt gerade mit Studierenden.

00:27.720 --> 00:29.000
Ich habe vorhin eine Vorlesung gehabt.

00:29.420 --> 00:32.080
Ich muss Ihnen einbinden, ich sehe hier auch bekannte

00:32.080 --> 00:32.880
Gesichterstellen.

00:34.240 --> 00:37.560
Dass ich hier sein darf, zu dem Thema vortragen darf, was mir wichtig

00:37.560 --> 00:40.640
ist, wo wir auch eine starke Fachdebatte in der Journalistik erleben.

00:41.620 --> 00:46.400
Im Moment die ganzen Worte, ich nehme Sie natürlich gerne an, als

00:46.400 --> 00:47.520
Journalist würde ich sagen, kürzen.

00:48.320 --> 00:49.480
Ein herzliches vielen Dank.

00:50.760 --> 00:52.340
Das ist die akademische Ehretage.

00:52.560 --> 00:54.400
Ja, ich weiß, ich muss mich da ein bisschen dran gewöhnen.

00:54.500 --> 00:56.040
Das ist eine Uni hier, ist alles länger.

00:56.260 --> 00:56.740
Universität.

00:57.380 --> 00:59.980
Wir sind eine Fachhochschule, Hochschule Darmstadt.

01:00.960 --> 01:06.100
Ich habe jetzt hier in der nächsten Dreiviertelstunde ein Grenzgang

01:06.100 --> 01:09.020
vor, einen ethisch-praktischen Grenzgang mit Ihnen.

01:09.560 --> 01:13.480
Ein Grenzgang ist eine Tradition aus Südhessen oder aus Hessen auf dem

01:13.480 --> 01:13.840
Dorf.

01:13.840 --> 01:18.100
Man läuft einmal im Jahr das selbe Thema, also den eigenen Ort, das

01:18.100 --> 01:19.100
eigene Ort ab.

01:19.500 --> 01:24.840
An Ortsgrenzen und begutachten Neuigkeiten am Lebensrand, also neue

01:24.840 --> 01:25.980
Tierarten, neues Geschein.

01:27.280 --> 01:29.580
Dann gibt es natürlich auch die geselligen Teile und so weiter.

01:30.500 --> 01:33.180
Gibt es jetzt hier bei mir heute nicht, aber vielleicht trotzdem ein

01:33.180 --> 01:34.480
bisschen Unterhaltung stellenweise.

01:34.640 --> 01:35.940
Ansonsten ist es natürlich eine Vorlesung.

01:36.460 --> 01:38.560
Also das hier ist in der Tat ein Stück Natur.

01:38.860 --> 01:41.580
Das ist der hessische Altrhein-Armen-Kühlkopf-Knoblauchsaug, eines der

01:41.580 --> 01:43.220
bedeutendsten Vogelschutzgebiete in Hessen.

01:43.220 --> 01:47.240
Und für mich ökologische Wiege.

01:48.180 --> 01:53.420
Ich möchte in die Vorlesung einiges Grundlegendes einbringen, was ich

01:53.420 --> 01:54.880
Ihnen hier sage.

01:56.640 --> 01:59.400
Grundlegend geht es mir um Themen wie Berufsethik, Rollen

01:59.400 --> 02:02.360
-Selbstverständnis und natürlich Redaktionspraxis.

02:02.580 --> 02:06.180
Ich möchte mich auch, da es ganz stark um Normalität geht bei meinem

02:06.180 --> 02:07.880
Vortrag, hier verorten.

02:07.880 --> 02:10.760
Ich begreife Analystik als Sozialwissenschaft.

02:11.740 --> 02:15.380
Der Bezug zu anderen Disziplinen, es wurde eben auch schon deutlich,

02:15.500 --> 02:20.520
auch zur Politikwissenschaft zum Beispiel, ist bei mir also relativ

02:20.520 --> 02:22.340
normal, auch zur Soziologie.

02:23.240 --> 02:28.420
Und bin jetzt von der praktischen Seite her ein Umweltjournalist von

02:28.420 --> 02:32.720
der Ausbildung Deutsche Welle-Geo, der also mit seiner Arbeit

02:32.720 --> 02:34.440
gesellschaftliche Wirkungen erzielen will.

02:37.880 --> 02:42.060
Ich bin geprägt vom Studium in Dortmund unter Klaus Euldig zum

02:42.060 --> 02:44.680
Beispiel vom Konstruktivismus als einer wissenschaftlichen

02:44.680 --> 02:49.100
Theorieverortung und habe eben grundlegend im Denken, aber auch im

02:49.100 --> 02:51.240
wissenschaftlichen Forschen einen normalen Ansatz.

02:51.700 --> 02:54.740
Meistens, was natürlich den Gebrauch empirischer Methoden nicht

02:54.740 --> 02:55.880
ausschließt.

02:56.640 --> 03:03.200
Für mich ist es grundlegend eine Erkenntnis, wenn ich also in die

03:03.200 --> 03:06.460
Disziplinen der Sozialwissenschaften hineingehe, das eigene

03:06.460 --> 03:10.620
kommunikative Handeln zuerst mit der Frage der Ethik zu befassen.

03:10.720 --> 03:12.100
Welchen Rahmen habe ich selbst?

03:12.560 --> 03:13.780
Welche Normen gebe ich mir?

03:14.260 --> 03:15.400
Welche Pflichten?

03:15.740 --> 03:18.660
Um also meine Handlungsziele, sei es jetzt als Journalist oder andere

03:18.660 --> 03:21.420
Disziplinen der Sozialwissenschaften, dann praktisch auszufüllen.

03:21.680 --> 03:24.860
Das heißt, ich muss erst aus meiner Sicht eine Form der

03:24.860 --> 03:28.120
sozialethischen Klärung betreiben über mein eigenes Handeln.

03:28.120 --> 03:32.220
Deshalb auch dieses Forderungsfeld der Rollen-Selbstbild-Forschung, in

03:32.220 --> 03:35.200
dem ich also schon länger zu Hause bin, allerdings zum Thema Europa

03:35.200 --> 03:35.840
-Journalismus.

03:35.960 --> 03:39.140
Meine akademischen Arbeiten, einfließend der Promotion, habe ich als

03:39.140 --> 03:42.580
Sozio -Korrespondentin in Brüssel und Regionalredakteur in Deutschland

03:42.580 --> 03:46.860
in Bezug auf EU verfasst und da auch mit der Frage der Rollen

03:46.860 --> 03:47.400
-Selbstbilder.

03:47.460 --> 03:50.440
Also ich möchte gerne hier in diesem Rundgang mit Ihnen dann auch mit

03:50.440 --> 03:54.100
den Fragen natürlich einen Erkenntnisgewinn erreichen für die

03:54.100 --> 03:56.020
Journalismusforschung, aber auch für die Berufspraxis.

03:56.700 --> 03:58.920
Nochmal zur Struktur.

03:59.260 --> 04:01.540
Den Analyserahmen habe ich erklärt, das wäre die erste Sache.

04:02.020 --> 04:05.760
Danach gehen wir in einen Zitat hinein, oder in eine Zitatwelt, die

04:05.760 --> 04:06.680
sehr bekannt ist.

04:07.040 --> 04:10.140
Hans-Joachim Friedrichs, der damalige Moderator mit seiner Aussage zum

04:10.140 --> 04:10.780
Journalismus.

04:11.320 --> 04:15.120
Ich werde das Ganze, diese Losung, dieses Dogma hier versuchen zu

04:15.120 --> 04:18.800
dekonstruieren, zu differenzieren, um das Ganze sozusagen dann

04:18.800 --> 04:22.320
beiseite zu legen, weil es aus meiner Sicht für die aktuelle

04:22.320 --> 04:24.180
journalistische Rollendebatte nicht mehr taugt.

04:24.860 --> 04:29.240
Wir haben dann nochmal eine kurze Analyse, was in der journalistischen

04:29.240 --> 04:32.580
Rollendebatte, in der Fachdebatte, in Redaktionen, aber auch in der

04:32.580 --> 04:34.660
Wissenschaft verkürzt dargestellt wird.

04:34.720 --> 04:38.600
Aus meiner Sicht, ich begreife dann Journalismus als ein grundlegendes

04:38.600 --> 04:42.840
normatives Feld, als ein normatives Geschäft, wo verschiedene Dinge

04:42.840 --> 04:47.760
zusammenkommen und möchte dann im Handlungsrahmen nochmal aufspannen

04:47.760 --> 04:51.100
für uns in der Gesellschaft, in der Kommunikation, warum

04:51.100 --> 04:55.660
Subjektivität, Meinungen, Werte, alles Begriffe, die mit Subjektivität

04:55.660 --> 05:00.160
zusammenhängen, gerade in den letzten Jahren aktuell starke Bedeutung

05:00.160 --> 05:03.240
haben, warum wir darüber auch in der Journalistik diskutieren und

05:03.240 --> 05:07.980
möchte dann noch einige Beispiele auch bringen, warum wir zunehmende

05:07.980 --> 05:11.100
Indikatoren finden können für diese Bedeutung von

05:11.100 --> 05:12.320
Wertbehaltungsfragen.

05:13.340 --> 05:18.320
Aus meiner Sicht ist dann die Journalistik auch natürlich in einer

05:18.320 --> 05:22.440
Entwicklung, die ich kritisch sehe, dass Normativitätsängste vorhanden

05:22.440 --> 05:26.760
sind, die ich also auch hier ein Stück weit bearbeiten möchte und dann

05:26.760 --> 05:30.780
auch einen Vorschlag machen möchte als These für die Frage, was sind

05:30.780 --> 05:34.240
überhaupt universelle Werte, was sind verschiedene Ebenen von Werten.

05:34.680 --> 05:39.120
Ich komme dann kurz auf den Wert der Nachhaltigkeit, der nachhaltigen

05:39.120 --> 05:45.320
Entwicklung, den wir also im Projekt Journalismus so verstehen und der

05:45.320 --> 05:49.400
zunehmend auch von journalistischer Seite in Lüneburg, in Dortmund,

05:49.460 --> 05:51.060
bei uns in Darmstadt eben bearbeitet wird.

05:51.500 --> 05:54.300
Zum Schluss geht es natürlich nochmal, soweit bin ich hier in der

05:54.300 --> 05:56.140
Pflicht, weil ich von der FH bin, wenn ich vielleicht von der

05:56.140 --> 05:58.500
Universität wäre, müsste ich die Praxis jetzt hier nicht so einlenken.

05:59.260 --> 06:00.680
Kleine Seiten gibt, natürlich nicht.

06:01.160 --> 06:04.800
Ich versuche dann zum Schluss auch nochmal in die Redaktionspraxis zu

06:04.800 --> 06:08.220
gehen und die Frage zu stellen, wie gehe ich denn jetzt konkret mit

06:08.220 --> 06:12.220
diesen normativen Forderungen um, mit diesen ethischen Prämissen, die

06:12.220 --> 06:13.320
ich hier aufspannen möchte.

06:13.720 --> 06:16.440
Zum Schluss geht es nochmal ein bisschen um so einen Denkansatz, der

06:16.440 --> 06:18.800
sich gerade jetzt im Kollegium in Darmstadt stärker entwickelt, auch

06:18.800 --> 06:21.820
mit Projekten und dann kommen natürlich ein paar Thesen.

06:22.720 --> 06:26.000
Jetzt möchte ich mit Ihnen zunächst ein kleines Ratespiel machen.

06:26.520 --> 06:29.720
Sie lesen diesen Satz, die Sendung hat eine grüne Botschaft, wenn der

06:29.720 --> 06:32.320
Mensch sich weiter so bemüht, kriegt er das auch noch kaputt.

06:32.940 --> 06:36.800
Und der letzte Film über den Biber war kein reiner Tierfilm.

06:37.380 --> 06:42.200
Jetzt habe ich Ihnen hier einige altgediente Tierfilmer und

06:42.200 --> 06:45.500
Wissenschaftsjournalisten, aber auch einen neu gedienten Andreas

06:45.500 --> 06:48.600
Thieling, Sie kennen ihn vielleicht von seinen Tierdokumentationen, an

06:48.600 --> 06:52.800
die Wand geworfen und meine Frage wäre, von wem kommt dieser Satz,

06:53.260 --> 06:55.420
dieser fünf Journalisten, die wir hier sehen.

06:55.420 --> 06:57.020
Gibt es hier Nennungen?

06:58.160 --> 07:00.060
Vermutlich gibt es auch schon Vorahnungen.

07:02.700 --> 07:03.520
Sielmann.

07:04.520 --> 07:06.900
Andere Gebote.

07:08.540 --> 07:12.100
Sielmann, Bernhard Schimmek, ein wichtiger Vertreter.

07:12.580 --> 07:16.500
Dieser Satz ist von Hans-Joachim Friedrich, dem großen

07:16.500 --> 07:20.360
Nachrichtenmoderator, der also das Bild geprägt hat zum objektiven

07:20.360 --> 07:21.080
Journalismus.

07:21.080 --> 07:26.580
Denn in diesem Spiegelinterview von 1995, was man heute noch nachlesen

07:26.580 --> 07:29.940
kann, in dem dieser berühmte Satz fällt, ein Journalist soll sich mit

07:29.940 --> 07:32.820
nichts gemeint sagen, mit keiner Sache, auch wenn es eine gute ist,

07:33.400 --> 07:36.620
wird zuerst eines deutlich, Hans-Joachim Friedrich, der große

07:36.620 --> 07:39.100
Nachrichtenjournalist, war vor allen Dingen Umweltjournalist und

07:39.100 --> 07:41.680
Tierfilmer mit einem klaren Sendungsdrang.

07:42.180 --> 07:45.100
Das ist die erste Rolle, die wir also hier erkennen können, wenn wir

07:45.100 --> 07:48.040
die Quelle näher betrachten, was nicht oft gemacht wird.

07:48.160 --> 07:51.060
Dieses Dogma wird sehr reflexhaft oft verbreitet.

07:52.100 --> 07:56.340
In dem Interview kommt aber auch noch zur Sprache, dass Friedrichs

07:56.340 --> 08:01.620
nach seiner Zeit als Journalist offen auch für die SPD eingetreten

08:01.620 --> 08:04.980
ist, eine politische Figur war, auch das ist weniger bekannt, und er

08:04.980 --> 08:07.560
hier auch ganz klar eine zweite Differenzierung in seiner Rolle

08:07.560 --> 08:08.120
vornimmt.

08:08.660 --> 08:12.140
Er ist dann natürlich dieser Nachrichtenjournalist, hier ist dieser

08:12.140 --> 08:17.540
Satz in der Mitte, sich nicht gemein zu machen, Distanz zu halten, den

08:17.540 --> 08:21.740
er also aus seiner BBC-Zeit mitgenommen hat.

08:22.940 --> 08:25.860
Und es gibt dann einen vierten Moment der Differenzierung, was wir bei

08:25.860 --> 08:27.720
dieser Quellenanalyse also sehen können.

08:29.460 --> 08:33.840
Er ist hier in die Subjektivität gegangen, und zwar in Form einer

08:33.840 --> 08:34.960
öffentlichen Betroffenheit.

08:35.080 --> 08:38.580
Wir sollen uns nicht gemein machen, Distanz halten, wenn wir aktuell

08:38.580 --> 08:41.020
den Nachrichtengeschäft über Katastrophen berichten und nicht

08:41.020 --> 08:45.440
öffentlich betroffen sind, situativ, was eine andere Perspektive

08:45.440 --> 08:48.180
darstellt als eine längerfristig wertgebundene Handlung.

08:48.740 --> 08:51.360
Es kommt ein fünfter Punkt hinzu, wenn man sich diese Quelle näher

08:51.360 --> 08:55.040
anschaut, diese sehr wichtige Quelle für die journalistische Praxis.

08:55.360 --> 08:58.720
Wir haben hier eine Interkulturalität in seiner Denkweise, also er hat

08:58.720 --> 09:04.440
aus England den Wort des objektiv getriebenen Journalismus, aus dem

09:04.440 --> 09:06.940
wir ja auch in der Nachkriegszeit unsere journalistischen

09:06.940 --> 09:10.240
Kulturansätze erlernt haben, er hat also von hier etwas mitgenommen.

09:12.180 --> 09:15.960
Wenn wir also dieses Ganze nochmal ein bisschen abstrahieren und einen

09:15.960 --> 09:18.420
Schritt zurück treten, können wir dann auch so einiges erkennen.

09:18.760 --> 09:21.340
Das erste ist natürlich, dass unsere journalistische Rollendebatte, so

09:21.340 --> 09:26.280
wie wir sie in Redaktionen führen, in Fachbesprächen, auf Konferenzen,

09:26.280 --> 09:31.220
das kenne ich also zu Genüge, aber auch in der Praxis, wenn sie in

09:31.220 --> 09:34.580
Theorie dann übergeleitet wird an der Hochschule, haben wir also eine

09:34.580 --> 09:35.520
starke Verkürzung.

09:35.920 --> 09:39.240
Journalisten oder auch Kollegen, die vielleicht so argumentieren,

09:39.380 --> 09:43.460
diesen Dogma von Friedrichs machen eines nicht, sie checken die Quelle

09:43.460 --> 09:43.660
nicht.

09:43.720 --> 09:45.320
Das haben wir jetzt eben gemacht zusammen.

09:45.820 --> 09:48.120
Und dann kommt eben dabei raus, dass ein Journalist gleichzeitig

09:48.120 --> 09:49.440
mehrere Rollen haben kann.

09:50.340 --> 09:53.380
Und das sind eben diese Fragen, die ich wichtig finde für eine etwas

09:53.380 --> 09:55.660
ausgeruhtere und differenziertere Rollendebatte.

09:56.000 --> 09:58.980
Das hängt auch sehr viel ab von der Stilform, das ist relativ logisch,

09:59.020 --> 10:02.780
wenn ich einen Kommentar habe, eine Reportage, Subjektivität, die

10:02.780 --> 10:06.820
Pflicht als Meinung und Haltung und Emotionalität, die Pflicht der

10:06.820 --> 10:10.680
Form, weil ich nur so in der Form meinen Leser, meinen Zuschauer auch

10:10.680 --> 10:11.220
gewinnen kann.

10:11.880 --> 10:15.040
Wir müssen also auch diesen Zeitkontext beachten, in dem Fall

10:15.040 --> 10:18.560
situativer Betroffenheit versus grundlegende Haltung.

10:19.000 --> 10:21.040
Also auch hier kommt es zu so einer Differenzierung.

10:22.260 --> 10:27.320
Und eben nochmal der Moment, dass das Rollenverständnis im

10:27.320 --> 10:30.100
Journalismus, das Rollen-Selbstverständnis, wie wir meistens sagen,

10:30.600 --> 10:36.740
kulturell stark konnotiert wird oder eingelegt ist von nationalen,

10:36.740 --> 10:42.020
kulturellen Mustern, wirtschaftlichen Faktoren, politischen Kulturen.

10:42.440 --> 10:45.780
Zum Beispiel ist es in vielen Ländern des Südens, Afrika oder auch

10:45.780 --> 10:49.060
Asien, wo ich jetzt in den letzten Jahren auch teilweise Journalisten

10:49.060 --> 10:52.300
weitergebildet habe, Umweltjournalisten, also aus Ghana oder aus

10:52.300 --> 10:55.460
Eritrea zum Beispiel, aber auch aus Südkorea.

10:55.840 --> 10:59.440
Dort ist dann der Auftrag eines Journalisten in der Gesellschaft ganz

10:59.440 --> 11:03.100
anders gesehen, wird automatisch normativer aufgefasst.

11:03.240 --> 11:06.920
Da sind es also teilweise Journalisten per se, die für Themen streisen

11:06.920 --> 11:10.320
auch wirklich, die also Themen auch setzen und stückweit auch, kann

11:10.320 --> 11:12.140
man sagen, Gesellschaft auch mit verändern.

11:12.500 --> 11:14.880
Also diese kulturelle Differenzierung ist mir eigentlich auch relativ

11:14.880 --> 11:15.320
wichtig.

11:17.320 --> 11:21.160
Und eine Sache, die wir auch sehen, die also zum Beispiel auch wieder

11:21.160 --> 11:25.280
in der Bachelorarbeit in der letzten Woche zu einem Defizit führte,

11:25.800 --> 11:28.640
die meisten Journalisten, das wissen wir von Untersuchungen der

11:28.640 --> 11:31.820
Kolleginnen und Kollegen, wählen grün oder würden grün wählen.

11:31.880 --> 11:33.880
Wenn Journalisten grün wählen würden, hätten sie eine hohe

11:33.880 --> 11:34.560
Prozentzahl.

11:34.940 --> 11:39.300
Daraus wurde dann geschlossen, die sind automatisch alle grün in der

11:39.300 --> 11:44.400
Redaktion und deswegen sind grüne Themen jetzt en vogue.

11:44.920 --> 11:46.060
Das war also der einzige Grund.

11:46.500 --> 11:49.540
So ein Kurzschluss ist natürlich jetzt methodisch Quatsch.

11:50.980 --> 11:53.020
Man kann also herausfinden, das habe ich bei meinen

11:53.020 --> 11:56.040
Transparentenbefragungen und Redaktionsbefragungen selbst zum Thema

11:56.040 --> 12:00.000
Europa, will ich also eine europäische Identität konstruieren, mit als

12:00.000 --> 12:03.280
Journalist, wenn ich über EU-Berichte erfrage, dass zwischen einer

12:03.280 --> 12:06.820
Parteipräferenz oder auch einer theoretischen Äußerung in einem

12:06.820 --> 12:09.940
Interview oder auch in einem Fachgespräch mit dem Sendungsdrang in der

12:09.940 --> 12:14.020
Redaktion, was sich wirklich dann am Schreibtisch an Themen

12:14.020 --> 12:16.920
auswählende deutliche Kluft existiert.

12:17.080 --> 12:20.400
Das heißt, ich kann nicht von solchen Präferenzen oder auch Äußerungen

12:20.400 --> 12:23.640
auf der einen Seite in praktisches Handeln und einen aktiven

12:23.640 --> 12:25.300
Sendungsdrang auf der anderen Seite schließen.

12:25.660 --> 12:28.280
Da hilft es einfach, wenn wir die Redaktionsforschung nehmen als

12:28.280 --> 12:31.800
Bereich, ein Name ist vielleicht Manfred Rühl, einer der ganz großen

12:32.580 --> 12:35.260
Kommunikationswissenschaftler, aber auch ein großer Gatekeeper und

12:35.260 --> 12:39.240
Redaktionsforscher, da gibt es verschiedene Modelle, warum

12:39.240 --> 12:41.840
Journalisten anderen Haltestrukturen unterliegen.

12:45.520 --> 12:49.920
Ich begreife Journalismus auch zunehmend als ein grundlegend

12:49.920 --> 12:51.180
wertegebundenes Geschäft.

12:51.300 --> 12:53.780
Ich habe hier die kulturelle Anlegung schon erwähnt, aber auch die

12:53.780 --> 12:56.520
anderen Kontexte, auf die ich jetzt schrittweise zu sprechen kommen

12:56.520 --> 12:56.760
will.

12:57.120 --> 13:00.120
Grundlegend ist es, glaube ich, verständlich, dass jeder Journalist

13:00.120 --> 13:05.200
oder einfach jeder Mensch, der kommuniziert, in kulturelle, politische

13:05.200 --> 13:09.540
und andere Kontexte, Werte und Normen eingekommen ist.

13:10.000 --> 13:14.400
Dies bedeutet natürlich für einen Journalist, dass ich verschiedensten

13:14.400 --> 13:17.980
Einflussfaktoren, wie wir der Forschung meistens auch dann sagen, bei

13:17.980 --> 13:21.640
solchen qualitativen Redaktionsstudien, Einflussfaktoren unterworfen

13:21.640 --> 13:21.900
bin.

13:22.500 --> 13:26.160
Und es gibt einerseits Entscheidungsprogramme, die im redaktionellen

13:26.160 --> 13:30.180
Handeln ablaufen, die automatisiert sind, das ist also gut erforscht,

13:30.920 --> 13:36.600
wo ich also wenige externe Faktoren habe, innerhalb der Redaktion, in

13:36.600 --> 13:40.240
der Routine, routinenhafte Entscheidungsprogramme.

13:40.820 --> 13:43.680
Es gibt auf der anderen Seite aber dann individuelle Faktoren,

13:44.060 --> 13:48.800
kulturelle Faktoren, die also zum Auswahlergebnis, das Gatekeeping und

13:48.800 --> 13:50.460
Agendasetting beeinflussen.

13:51.180 --> 13:55.860
Journalismus ist also letztendlich in Teilweise ein wertgebundenes,

13:55.900 --> 13:59.360
durch die kulturelle und persönliche Verhaftung wertgebundenes

13:59.360 --> 14:02.960
normatives Geschäft, das natürlich, und das ist enorm wichtig,

14:03.620 --> 14:08.160
Standards und Normen entwickelt hat, um sich gegen Manipulierungen,

14:09.100 --> 14:13.340
Parteilichkeiten und externe Einflüsse, Lobbyismus zum Beispiel, auch

14:13.340 --> 14:14.020
zu wehren.

14:14.380 --> 14:17.220
Wir haben also ein Objektivitätsmanagement in Form journalistischen

14:17.220 --> 14:23.380
Handwerks, was diese kulturelle Einbettung und diese normativen

14:23.380 --> 14:25.720
Kontexte ein Stück weit kontern soll.

14:25.720 --> 14:29.380
Wenn wir uns das so vorstellen, das ist so ein klassisches Modell aus

14:29.380 --> 14:33.120
der Redaktionsforschung, welche Sphären beeinflussen journalistisches

14:33.120 --> 14:33.560
Handeln.

14:33.900 --> 14:36.580
Frank Esser ist da ein Name, der also hier auch interkulturelle

14:36.580 --> 14:39.560
Relationen vergleicht, also geforscht hat.

14:39.840 --> 14:43.580
Man sieht also hier, die Gesellschaftssphäre ist enorm wichtig, da

14:43.580 --> 14:46.760
sind die Werte enorm verankert, von denen ich jetzt gesprochen habe.

14:47.280 --> 14:50.660
Wir sehen dann die Medienstruktursphäre, wo wir also Medienunternehmen

14:50.660 --> 14:54.880
haben, Medienrecht, Medienorganisation und die Institutionssphäre, wo

14:54.880 --> 14:57.480
die Redaktion dazuzählen wird, also den Nahraum.

14:57.780 --> 15:00.600
Wir unterhalten uns am meisten und denken am stärksten an die

15:00.600 --> 15:03.360
Individualsphäre, was natürlich die Verkürzung darstellt.

15:04.780 --> 15:07.540
Word macht gute Grafiken, die ich noch herausgefunden habe.

15:07.720 --> 15:09.920
Die sehen allerdings etwas blau aus.

15:10.240 --> 15:12.840
Ich habe es also nochmal hier versucht zu skizzieren.

15:13.420 --> 15:16.420
Wenn Sie sich Informationsfluss vorstellen, auf der einen Seite so ein

15:16.420 --> 15:20.700
relativ einfaches Modell und dann kommen von verschiedenen Seiten

15:20.700 --> 15:24.600
Werte und Normen, Einflussfaktoren hinzu, gehen in einen

15:24.600 --> 15:27.780
Kreislaufprozess, einen Verhandlungsprozess im Prinzip und eine

15:27.780 --> 15:31.240
Information kommt dann als journalistische Entscheidung auf der

15:31.240 --> 15:32.340
anderen Seite wieder heraus.

15:33.820 --> 15:38.320
Kommen wir mal von der Redaktionsforschung und dieser Annahme, dass

15:38.320 --> 15:42.540
Journalismus so funktioniert und sozusagen normative Prämisse hat, in

15:42.540 --> 15:46.820
seinen grundlegenden Arbeiten, kommen wir von dieser Annahme, darüber

15:46.820 --> 15:50.260
kann man ja diskutieren, mal weg und gehen so ein bisschen mehr um die

15:50.260 --> 15:54.620
gesellschaftliche Analyse in diese Erstsphäre, die wir eben gesehen

15:54.620 --> 15:54.960
haben.

15:55.460 --> 15:57.900
Wir haben im Moment, glaube ich, kann man sagen, eine mediale

15:57.900 --> 16:03.180
Fensterzeit, in der Traditionen, vor allen Dingen auch Budgets, leider

16:03.180 --> 16:07.300
auch viele Kolleginnen und Kollegen durcheinandergewirbelt werden, wir

16:07.300 --> 16:11.020
haben enorme Kürzungen, im Prinzip haben wir Verluste von Geld,

16:11.480 --> 16:16.000
Personal und Zeit, vor allen Dingen auch von wichtiger Recherchezeit.

16:16.660 --> 16:19.020
Also wir haben eine journalistische Fensterzeit, in der auch vor allem

16:19.020 --> 16:20.240
die Rollenbilder verschwinden.

16:20.460 --> 16:25.380
Also wir haben ganz neue Rollen, Social-Media-Redakteur, kuratierter

16:25.380 --> 16:28.720
Journalismus, da sprechen wir jetzt drüber, Journalismus, der auch

16:28.720 --> 16:31.340
engagiert ist oder konkrete Projekte begleitet.

16:31.880 --> 16:35.200
Es gibt ganz neue Ausdrücke und Berufssparten.

16:39.380 --> 16:42.740
Diese Verdichtung der Prozesse, diese Einsparungen führen zu

16:42.740 --> 16:45.960
Zweierlei, nämlich einer Vereinzelung von Journalisten.

16:46.080 --> 16:49.000
In der Krise zieht man sich zurück, wenn man bedroht ist, seinen

16:49.000 --> 16:50.640
Arbeitsplatz vielleicht verliert.

16:51.300 --> 16:52.880
Dieser Prozess läuft unsichtbar.

16:53.340 --> 16:55.940
Davon haben wir in wenigen Magazinen wenig zu lesen.

16:56.360 --> 16:59.740
Es gab mal ein Sonderheft vor zwei Jahren, Journalistik, Journalismus

16:59.740 --> 17:00.540
und Traumata.

17:00.540 --> 17:02.140
Da spielen wir das eine Rolle.

17:02.780 --> 17:05.600
Ansonsten haben wir von diesem Prozess der Vereinzelung und der

17:05.600 --> 17:07.760
Desillusionierung relativ wenig.

17:07.920 --> 17:10.600
Es gibt einzelne Forschungsansätze, die jetzt gerade entwickelt

17:10.600 --> 17:10.840
werden.

17:11.100 --> 17:14.620
Was wir vielmehr sehen, ist, ich habe es mal genannt, krisenstolz in

17:14.620 --> 17:15.940
die Fantasie der Lehre.

17:16.580 --> 17:19.920
Also wir haben ein leeres Feld, Leute werden entlassen, Redaktionen

17:19.920 --> 17:20.340
geschlossen.

17:20.700 --> 17:25.280
Bei uns in Darmstadt die Hälfte der lokalen Tageszeitungen ist lokal

17:25.280 --> 17:25.980
einzubauen.

17:26.260 --> 17:28.680
Wir haben also sehr viel Kreativität, die aber auch entsteht, weil

17:28.680 --> 17:31.840
einfach viele kluge Köpfe freigesetzt werden und wir haben

17:31.840 --> 17:37.300
Crowdreporter, Hostwriter und verschiedene Projekte haben, die also

17:37.300 --> 17:40.500
auch im Medienmagazin was hermachen.

17:41.060 --> 17:44.620
Insgesamt haben wir in diesen ganzen Krisenszenarien natürlich

17:44.620 --> 17:46.680
unbedingt die Frage der Finanzierungsmodelle.

17:47.800 --> 17:52.060
Wir haben Crowdfinanzierung, die auch oft zu lesen ist, die Sie

17:52.060 --> 17:53.220
wahrscheinlich auch gut kennen.

17:53.520 --> 17:56.480
Wir haben aber auch Stiftungsfinanzierung, ganz eigenes Feld.

17:56.480 --> 17:59.620
Unser Projekt Gründerjournalismus ist auch stiftungsfinanziert.

18:00.080 --> 18:04.340
Es gibt da in dem vorletzten Heft der Wissenschaftspressekonferenz,

18:04.600 --> 18:07.340
das Berufsverband der Wissenschaftsjournalisten, einen Schwerpunkt nur

18:07.340 --> 18:08.480
zur Stiftungsfinanzierung.

18:08.840 --> 18:10.960
Das will ich nur als eigenes Thema kurz anreißen.

18:11.540 --> 18:15.060
Das bringt ganz viele neue Möglichkeiten, weil neues Geld da ist.

18:15.420 --> 18:18.340
Das bringt natürlich auch die Gefahr der Manipulierung, der

18:18.340 --> 18:21.340
Parteilichkeiten und ganz neue Verhandlungen.

18:21.340 --> 18:23.220
Und wir haben jetzt viel mit Stiftungen zu tun.

18:23.660 --> 18:26.300
Selbst in dem Kollegenkreis gibt es immer mehr Projekte, die auch von

18:26.300 --> 18:27.460
Stiftungen finanziert werden.

18:27.820 --> 18:30.280
Spannendes Forschungsfeld in Wissenschaftskommunikation.

18:30.720 --> 18:32.520
Insgesamt, nicht nur Journalismus.

18:32.940 --> 18:35.560
Das ist also auch ein Moment eines subjektiven Einfalts.

18:37.320 --> 18:40.620
Insgesamt haben wir natürlich die Ablösung ein Stück weit von

18:40.620 --> 18:42.220
journalistischen Ausbildungsgängen.

18:42.700 --> 18:46.900
Die grundlegende Zunahme auch im Berufsfeld an sich in Richtung PR.

18:47.520 --> 18:52.920
Die PR gewinnt an Deutungshoheit, auch an Ressourcen, der Journalismus

18:52.920 --> 18:53.580
verliert.

18:53.960 --> 18:56.520
Das ist natürlich stellenweise auch nicht so Holstedalie zu

18:56.520 --> 18:56.900
betrachten.

18:57.020 --> 19:00.080
Aber generell können wir es glaube ich so fassen.

19:01.160 --> 19:04.920
Wir haben, wenn wir auf die Sprachen gucken, die mir auch ziemlich

19:04.920 --> 19:07.020
immer am Herzen liegen, weil ich eigentlich so ein bisschen aus der

19:07.020 --> 19:08.100
Jury heraus komme.

19:09.680 --> 19:12.020
Wir haben auch die Veränderung der Sprachen und der Formen.

19:12.020 --> 19:18.020
Das heißt, der klassische Bericht, den wir auch heute noch lehren, der

19:18.020 --> 19:21.460
ist immer noch zu finden bei Nachrichten in der Tageszeitung.

19:22.100 --> 19:24.160
Aber wir haben mittlerweile auch die Analyse.

19:24.800 --> 19:27.240
In der Süddeutschen Zeitung auf der Seite 2 konnte man das über die

19:27.240 --> 19:28.140
Jahre gut beobachten.

19:28.260 --> 19:30.080
Das waren vor 15 Jahren noch Berichte.

19:30.720 --> 19:34.780
Und die Analyse ist eine interpretierende, mit klaren subjektiven

19:34.780 --> 19:39.400
Einsprüchen, arbeitende journalistische Form, die relativ neu ist.

19:39.400 --> 19:43.620
Sie haben generell, auch in der Nachricht als der objektivsten Form,

19:43.920 --> 19:47.900
haben Sie kleinere Entwicklungen, dass eine Nachricht auch mal, naja,

19:48.040 --> 19:50.720
szenisch vielleicht nicht, aber auch mal persönlich einsteigt.

19:50.980 --> 19:54.480
Also dieser Stil der Soft-News, was wir aus dem Radio kennen, diese

19:54.480 --> 19:57.020
Form setzt sich auch ein bisschen im Print-Online-Bereich durch,

19:57.120 --> 19:59.800
Online -Nachrichten vor allen Dingen, Spiegel Online zum Beispiel.

19:59.980 --> 20:00.980
Also da haben wir auch Veränderungen.

20:02.220 --> 20:04.880
Insgesamt haben wir, das ist sozusagen jetzt der große Rahmen, das

20:04.880 --> 20:07.840
kennen Sie alles, aber es ist wichtig, hier der Vollständigkeit aller

20:07.840 --> 20:08.600
zu erwähnen.

20:08.600 --> 20:12.540
Wir haben in dieser digital-mobilen Interaktionsgesellschaft, die wir

20:12.540 --> 20:16.860
jetzt seit 15 Jahren hineingeworfen sind, generell natürlich der

20:16.860 --> 20:20.080
Aufwertung, hat aber auch viel mit anderen soziologischen und

20:20.080 --> 20:26.140
wirtschaftlichen Prozessen zu tun, der Individualisierung und der

20:26.140 --> 20:28.820
Emotionalisierung überhaupt in der Kommunikation.

20:29.300 --> 20:32.540
Da gibt es ganz starke Triebe auch in den sozialen Medien durch Blogs.

20:32.760 --> 20:37.140
Also diese subjektive Kommunikation jedes Einzelnen ist sprunghaft

20:37.140 --> 20:38.360
ganz stark aufgewertet worden.

20:38.360 --> 20:41.720
Auch das ist für den ganzen großen Rahmen dieser Gesellschaftsphäre

20:41.720 --> 20:42.780
ein wichtiges Moment.

20:43.140 --> 20:45.360
Generell auch für Journalismus und aber auch für PR.

20:46.760 --> 20:50.300
Und letztendlich beobachten wir verschiedene Krisen.

20:50.600 --> 20:54.260
Seit 2001 fünf oder sechs große Metakrisen.

20:54.880 --> 20:56.580
Und wir haben zwei Momente im Prinzip.

20:56.780 --> 21:00.980
Im Moment, wir erkennen, wenn man sich die Konsum- und Marktstudien

21:00.980 --> 21:03.780
anschaut oder auch die Arbeit des Wissenschaftszentrums der

21:03.780 --> 21:07.240
Sozialforschung in Berlin, WZB, was wollen junge Menschen, was wollen

21:07.240 --> 21:08.780
ihre Generationen, Generation Y.

21:09.100 --> 21:12.520
Da haben wir also im letzten Semester dran gearbeitet, zwei Projekten.

21:12.860 --> 21:16.780
Dann erkennen wir einen Wertewandel hin zu Prämissen wie Zeithoheit,

21:17.120 --> 21:21.420
andere Arbeitszeitmodelle, ethischer Konsum, Naturnähe, aber auch

21:21.420 --> 21:22.540
schlichtweg Gesundheit.

21:24.940 --> 21:28.480
Alles Werte, die sich harmonisch zueinander verhalten.

21:28.600 --> 21:30.140
Es gibt Überlagerungen, Widersprüche.

21:30.580 --> 21:33.080
Und es gibt zwei grundlegende Bewegungen, die können Sie auch in einem

21:33.080 --> 21:33.900
Magazin machen.

21:33.900 --> 21:36.920
Damit Sie im Journalismus praktisch zurückzukommen.

21:37.160 --> 21:39.500
Diese Bewegungen können Sie auch auf beiden Seiten beobachten.

21:39.920 --> 21:41.360
Es gibt einerseits eine Flucht.

21:42.240 --> 21:45.040
Wir gucken uns gerade ein bisschen hier mit den Praktikanten.

21:45.160 --> 21:48.360
Felix Hausen ist hier mitgekommen, Gründer Journalismus.

21:48.480 --> 21:51.740
Wir gucken uns den Magazin an mit neuen Produkten an, neuen Segmenten

21:51.740 --> 21:52.340
und Werte.

21:52.840 --> 21:56.580
Und die Flucht ist das gesamte Landsegment, die ganze Landlust,

21:56.680 --> 21:57.260
Landliebe.

21:57.500 --> 21:59.580
Wir haben also 20 Heften gefunden, die den Namen tragen.

21:59.940 --> 22:00.840
Das ist Flucht.

22:00.840 --> 22:02.160
Da gibt es viele Vorwürfe.

22:02.500 --> 22:08.800
Neo-Piedermeyer, neue Kleinigkeit, romantisierende Fluchtwelten usw.

22:09.400 --> 22:11.240
Ich würde sagen, wissenschaftlich ist es ganz spannend.

22:11.360 --> 22:12.460
Es ist noch kaum untersucht.

22:12.580 --> 22:13.780
Da steckt relativ viel drin.

22:14.240 --> 22:17.520
Ich würde aber sagen, dass diese Überschrift der Flucht auch zutrifft.

22:18.240 --> 22:20.360
Auf der anderen Seite gibt es aber auch viel Futur.

22:20.720 --> 22:25.080
Also nach vorne Gerichtes mit neuen Magazinen und auch neuen Blogs.

22:25.460 --> 22:27.800
Ich denke, auch die Gründung, die wir erleben, geht in die Richtung.

22:30.060 --> 22:33.640
Schauen wir uns mal die journalistische Fachdebatte etwas näher an.

22:34.740 --> 22:39.480
Was können wir zu der Frage des wertgebundenen und engagierten

22:39.480 --> 22:43.900
Journalismus an Publikationen und Aussprüchen finden?

22:44.820 --> 22:49.060
Ein ganz großes Moment war im letzten Jahr die Äußerung von Glenn

22:49.060 --> 22:52.760
Greenwald, dem Journalisten, der sich auf den Chaos-Computer-Tagen in

22:52.760 --> 22:56.480
Berlin, so wurde dann kritisiert in diesem wegweisenden Artikel hier

22:56.480 --> 23:00.700
in der Zeit, das erste, gemein gemacht hat mit Datenschützern,

23:01.060 --> 23:02.540
Netzaktivisten, mit Bloggern.

23:02.880 --> 23:04.940
Es ging um die ganze NSA-Thematik.

23:05.380 --> 23:08.380
Daraus ist dann eine große Debatte geworden, welche Rolle Journalisten

23:08.380 --> 23:13.980
haben in Bezug auf Bürgerrechte, Datenschutz und Selbstbestimmung im

23:13.980 --> 23:14.220
Netz.

23:15.520 --> 23:19.780
Dann wurde da ein Story-File draus gemacht, hier bei Zeit Online.

23:21.680 --> 23:25.960
Responses to Glenn Greenwald's Kino, sehr ergiebig auch in der

23:25.960 --> 23:27.020
Lektüre.

23:27.720 --> 23:32.020
Wir haben dann aber auch in den klassischen Fachmagazinen Journalist

23:32.020 --> 23:32.740
-Beiträge.

23:33.160 --> 23:37.760
Der bekannte Medienjournalist Stephan Lingenmeier hat sich dann zu

23:37.760 --> 23:40.580
seinem Projekt Bildblog, das dürften die meisten hier kennen.

23:40.720 --> 23:43.040
Bildzahlen werden kritisch begleitet, mittlerweile viel mehr.

23:43.320 --> 23:45.420
Einer der wichtigsten medienjournalistischen Seiten.

23:45.420 --> 23:48.860
Lingenmeier hat sich also hier ganz klar bekannt zu einer Meinung und

23:48.860 --> 23:53.880
hat also insgesamt auch dieses Thema, was ich heute auch hier anreise,

23:53.980 --> 23:54.520
vertreten.

23:54.640 --> 23:57.060
Journalisten, wann dürfen sie eine Meinung haben, was ist eine

23:57.060 --> 23:59.400
Haltung, wie managen wir unsere Rollen.

24:01.020 --> 24:05.020
Und wir haben also hier Bürgerjournalismus als kleines Projekt

24:05.020 --> 24:08.320
natürlich auch im Moment auf der Seite auch ein ganzes Dossier mit

24:08.320 --> 24:11.680
einigen Texten an der Stelle Journalismus und da haben wir hier

24:11.680 --> 24:14.640
Energiejournalisten aus Freiburg, den wir dazu auch interviewt haben.

24:15.160 --> 24:16.400
Wir haben auch deutlich mehr.

24:17.160 --> 24:21.260
New York Times hat viele Blogs, sehr gute Quellen für alle möglichen

24:21.260 --> 24:21.580
Formen.

24:22.020 --> 24:26.920
Hier gibt es etwas Fixes und hier wird also über Solution-Journalism

24:26.920 --> 24:27.360
gesprochen.

24:27.820 --> 24:33.140
Ein weiteres Forschungsthema, ein weiteres neues Feld aus den USA, in

24:33.140 --> 24:34.300
die Journalisten jetzt kommen.

24:34.400 --> 24:37.760
In Deutschland seit zwei bis drei Jahren Solution-Journalism,

24:37.880 --> 24:39.540
lösungsorientierte Berichterstattung.

24:39.540 --> 24:43.740
Es geht also auch stark in diese Frage des Engagements und auch der

24:43.740 --> 24:46.860
Haltung und einer subjektiven Perspektive mit einher.

24:47.320 --> 24:50.660
Hier rechts unten wurde das Ganze auch schon beim Fachmagazin Message

24:50.660 --> 24:54.100
aufgenommen, mit einem Schreibpunkt Lösungsorientierter Journalismus.

24:54.900 --> 24:58.100
Hier links unten haben Sie einen Beitrag über den sehr guten Berliner

24:58.100 --> 25:02.520
Politikblog CARTA, vielleicht kennen das einige, wo also der Autor

25:02.520 --> 25:07.380
Wolfgang Michael, Wissenschaftsjournalist, alter Schule, sehr auch

25:07.380 --> 25:10.180
historisch gut aufarbeitet, das schon Egon R.

25:10.200 --> 25:10.300
D.

25:10.360 --> 25:13.380
Tisch, ein sehr bekennter Journalist war, der war sogar offen auch als

25:13.380 --> 25:14.860
Kommunist unterwegs.

25:15.200 --> 25:17.580
Also das waren auch ganz andere Zeiten natürlich, das muss man dazu

25:17.580 --> 25:20.700
sagen, sondern auch überhaupt kein Aufruf sein, jetzt Kommunist zu

25:20.700 --> 25:20.940
werden.

25:23.360 --> 25:28.260
Und dann haben wir natürlich hier unseren geschätzten Kollegen Lorenz

25:28.260 --> 25:32.920
-Lorenz Meier in Darmstadt, Leiter des Schulgangs Online-Journalismus

25:32.920 --> 25:35.860
und in der Professur für Multimedia-Technik und Multimedia

25:35.860 --> 25:36.440
-Journalismus.

25:36.440 --> 25:41.460
Und er hat sich jetzt in letzter Zeit, im letzten Jahr auch stark in

25:41.460 --> 25:44.760
diese Debatte mit eingebracht, mit einigen Beiträgen und auch mit dem

25:44.760 --> 25:46.060
Forschungsprojekt, das jetzt kommt.

25:46.500 --> 25:49.140
Und er hat also auf der Republikan, der großen Veranstaltung in

25:49.140 --> 25:53.260
Berlin, hier drei, vier Stunden vorgetragen, der Journalismus und die

25:53.260 --> 25:53.960
guten Sachen.

25:54.380 --> 25:58.860
Und hat jetzt gerade vor wenigen Tagen auf CARTA nochmal eines

25:58.860 --> 26:02.160
draufgelegt, er hat den Plenoyer für Kampagnen-Journalismus verlassen.

26:02.420 --> 26:03.280
Was meint er damit?

26:04.560 --> 26:08.420
Jetzt hier mal zwei Zitate, lesen Sie mal in Ruhe selbst kurz durch,

26:08.520 --> 26:10.900
viel mehr kann man auch nicht auf eine Folie bringen, ich gebe es zu.

26:13.340 --> 26:16.460
Journalistische Bemühungen um Relevanz bleiben kurzatmig.

26:16.560 --> 26:19.280
Es gibt keinen Zusammenhang, keine Dramaturgie, keinen Plan.

26:19.720 --> 26:22.960
Die Brücke zur Erlebniswende, darum geht es im Zentral, des Publikums

26:22.960 --> 26:26.520
wird nicht geschlagen, bei den Rezipienten entsteht unterm Strich der

26:26.520 --> 26:28.840
Eindruck des Stillstandes und der Redundanz.

26:30.480 --> 26:34.120
Ein Eindruck, der allein den Impuls erzeugt, wahrscheinlich weiter zu

26:34.120 --> 26:34.360
klicken.

26:34.420 --> 26:37.100
Er geht dann noch weiter und sagt konkret, was an seiner Sicht die

26:37.100 --> 26:40.920
Kampagne ist, in Klammern über den Begriff Kampagne kann man ja

26:40.920 --> 26:41.560
diskutieren.

26:42.700 --> 26:44.780
Ich würde auch mit ihm oder habe schon auch diskutiert.

26:45.540 --> 26:51.020
Aber die Stoßrichtung, die grundlegende Verhaftung ist hier erkennbar.

26:52.600 --> 26:55.060
Langefristige, orchestrierte Maßnahmen, anspruchsvolle

26:55.060 --> 26:59.660
Kommunikationsziele und es fehlt daran, wie er sagt, wie die Werbung

26:59.660 --> 27:02.640
oder die PR-Muster Journalismus ist, lernen, stärkere Botschaften zu

27:02.640 --> 27:03.040
entwickeln.

27:03.400 --> 27:05.520
Vor allem auch Relevanzbotschaften.

27:06.340 --> 27:09.860
Und das ist eine Position, die ich genauso vertrete.

27:11.080 --> 27:16.660
Wir haben einige Mediendienste und Medienprojekte, die also auch zu

27:16.660 --> 27:20.020
Themen arbeiten mit dem klaren Engagement in eine Richtung oder in

27:20.020 --> 27:21.220
eine Wertewelt hinein.

27:21.620 --> 27:25.020
Hier das erfolgreichste Projekt der Mediendienst Integration, der also

27:25.020 --> 27:29.440
rund um Migration, Asylfragen arbeitet und also für Journalisten

27:29.440 --> 27:32.200
Recherchehilfen, Recherche-Telefone anbietet.

27:32.920 --> 27:36.780
Es gibt dann hier ein journalistisches Projekt, die machen also Online

27:36.780 --> 27:41.880
-Reportage, ganz gezielt zum Klimawandel und auch mit einem klaren

27:41.880 --> 27:44.040
Bekenntnis zum Klimaschutz.

27:45.620 --> 27:48.920
Inside Climate News, ein Pulitzer-Preis, woran man vielleicht auch

27:48.920 --> 27:51.600
sieht, dass solche Projekte auch interessanter werden.

27:52.780 --> 27:55.960
Und wir haben dann in Deutschland, das Konto, würde ich sagen, das ist

27:55.960 --> 28:00.800
natürlich etwas kleiner, Klimarechter-Info, seit ungefähr fünf Jahren,

28:01.160 --> 28:02.620
glaube ich, am Markt.

28:02.820 --> 28:05.640
Das ist das zentrale Online-Medium geworden zur Umwelt, Klima,

28:05.660 --> 28:06.060
Energie.

28:06.620 --> 28:09.380
Man sieht schon an dem Titel auch, dass es hier um ganz klaren

28:09.380 --> 28:11.080
Bekenntnisse geht.

28:11.180 --> 28:13.500
Ich habe mit dem Dirk Reimer, dem Chefredakteur, schon einige Seminare

28:13.500 --> 28:15.300
geschrieben, kenne ihn auch ganz gut.

28:15.700 --> 28:19.200
Also das ist jemand, der auch ganz klar sagt, wie der Tatzredakteur,

28:19.660 --> 28:21.600
was er denkt und schreibt.

28:23.920 --> 28:27.980
Ich bin gerade in den letzten Wochen noch mal verstärkt in die

28:27.980 --> 28:31.200
Gedanken gekommen, die haben sich bei mir vertieft, in die ich wohin

28:31.200 --> 28:36.280
schon immer verspricht ware, gerade auch im Rahmen des Austausches mit

28:36.280 --> 28:37.560
Alexander Filippowitsch.

28:37.700 --> 28:43.060
Das ist der einzige Professor für Medienethik bisher an der Hochschule

28:43.060 --> 28:44.160
für Philosophie in München.

28:45.980 --> 28:50.260
Ich konnte also hier auch bei ihm einiges erkennen, was ich selbst so

28:50.260 --> 28:50.800
wahrnehme.

28:51.320 --> 28:55.360
Meine These ist grundlegend, dass wir in der

28:55.360 --> 28:58.180
Kommunikationswissenschaft, in der Journalistik sehr kleinteilig

28:58.180 --> 29:03.600
geworden sind, sehr pragmatisch vorgehen in den Forschungsfragen, in

29:03.600 --> 29:06.460
den Ideen, die bei Bachelorarbeiten aufkommen für Masterprojekte.

29:06.600 --> 29:10.860
Das ist sehr deskriptiv oft, sehr kleinteilig, auch nutzwertig, sodass

29:10.860 --> 29:15.200
ich sagen würde, dass vieles Denken, was dort stattfindet, so einen

29:15.200 --> 29:20.180
guten Literarismus verdient und grundlegend wenig normative oder

29:20.180 --> 29:22.600
ethische oder grundlegend systemische Fragen stellt.

29:23.180 --> 29:26.740
Also das ist eine Beobachtung, die Kollegen teilen, die ich in den

29:26.740 --> 29:29.100
letzten Jahren auch verstärkt gemacht habe.

29:30.620 --> 29:35.320
Wir haben also einen Vorrang von deskriptiven Perspektiven und im

29:35.320 --> 29:39.460
Prinzip ein stückweites Hinnehmen auch des Systems, in dem

29:39.460 --> 29:43.820
Journalismus geschieht und eine Anerkennung von funktionierendem Lauf

29:43.820 --> 29:46.860
und Verfahren und Prämissen, was wir auch mit Positivismus übersetzen

29:46.860 --> 29:47.160
können.

29:47.940 --> 29:52.120
Wir können es aber an einer kleinen Verschiebung in der Sprache sehen.

29:52.760 --> 29:55.680
Darauf macht Horst Pötter aufmerksam, bei dem ich als Journalist in

29:55.680 --> 29:58.060
Dortmund gelernt habe.

29:59.500 --> 30:03.280
Wir sprechen nicht mehr von der journalistischen Aufgabe.

30:04.400 --> 30:08.040
Im Wort der Aufgabe schwingt etwas anderes mit als in unserem neuen

30:08.040 --> 30:08.900
Wort Funktion.

30:09.480 --> 30:14.200
Funktion ist klirisch, entkleidet, steht nackt da als Ausdruck.

30:14.560 --> 30:18.300
Ist ganz klar, in der Aufgabe gibt es einen Aufforderungskarakter.

30:19.660 --> 30:23.300
Ich habe etwas Wertorientiertes, was mitschwingt, ein Stück weit

30:23.300 --> 30:23.960
Verantwortung.

30:24.420 --> 30:28.840
Und an diesem Sprachwechsel sieht man ein kleines Beispiel, wie die

30:28.840 --> 30:32.520
Veränderung der Perspektive, der Forschung, der Fachdebatte aus meiner

30:32.520 --> 30:33.720
Sicht zumindest stattfindet.

30:34.900 --> 30:38.900
Filippowitsch sagt jetzt, wir haben also wirklich verlernt, über die

30:38.900 --> 30:41.180
normativen Grundlagen unseres Fachs zu diskutieren.

30:41.500 --> 30:43.980
Wir haben überhaupt verlernt, als Journalisten und Journalistiker

30:43.980 --> 30:47.540
ethisch zu argumentieren und mit Argumenten uns auszukennen.

30:48.080 --> 30:53.920
Und wir haben deshalb auch, sagt er, in der Disziplin zu vielen

30:53.920 --> 30:55.320
medienpolitischen Fragen.

30:55.320 --> 30:59.320
Politik hat viel mit Werten, mit ethischen Grundannahmen zu tun, mit

30:59.320 --> 31:00.220
normativen Denken.

31:00.540 --> 31:03.700
Wir haben zu vielen medienpolitischen Fragen, so seine These, wenig

31:03.700 --> 31:04.280
Antworten.

31:04.680 --> 31:07.240
Wir beschäftigen uns, ich würde das jetzt mal an einem Beifall

31:07.240 --> 31:12.660
festmachen, wir beschäftigen uns lieber mit Eye-Tracking und der

31:12.660 --> 31:17.300
Blickrichtung beim Lesen eines Magazins, was für sich gesehen sehr

31:17.300 --> 31:20.600
wichtig ist, und weniger mit der Frage, wie vielleicht öffentlich

31:20.600 --> 31:24.160
-rechtlicher Rundfunk ausgeweitet werden kann, welche Berechtigungen

31:24.160 --> 31:28.520
zum Beispiel öffentliche Presseförderung haben könnte, was in

31:28.520 --> 31:32.520
Skandinavien auch erforscht wird und auch in Modellen erfolgreich

31:32.520 --> 31:33.060
erprobt wird.

31:33.140 --> 31:36.820
Also das ist diese Kleinteiligkeit, die mir nicht so besonders

31:36.820 --> 31:37.660
gefällt.

31:37.840 --> 31:40.600
Und insgesamt hat es damit auch zu tun, dass wir in der

31:40.600 --> 31:45.020
Journalistenausbildung wenig, zu wenig, glaube ich, ist auch der

31:45.020 --> 31:47.740
Standpunkt, Sachwissen haben, also politisches System,

31:48.240 --> 31:52.760
wirtschaftliches System, Rechtskulturen, all diese Dinge sind, glaube

31:52.760 --> 31:53.400
ich, unterbelichtet.

31:54.000 --> 31:58.780
Jetzt schlage ich hier mal vor, wie man überhaupt Werte ordnen könnte.

32:00.340 --> 32:03.300
Was sind Werte, nach denen wir uns grundlegend ausrichten?

32:03.820 --> 32:06.380
Und das ist ganz interessant, wenn man jetzt sozusagen jemanden fragen

32:06.380 --> 32:13.120
würde, aus der Richtung der Wissenschaftsjournalisten, die also sehr

32:13.120 --> 32:16.860
an der Objektivität festhalten, die sehr wichtig ist als

32:16.860 --> 32:20.740
Handwerksziel, aber auch als grundlegendem Ideal, dann würden die also

32:20.740 --> 32:23.660
sicherlich sagen, auf den Journalisten darf ich natürlich im

32:23.660 --> 32:26.280
Zweifelsfall, er sollte sich wahrscheinlich sogar für Demokratie

32:26.280 --> 32:29.600
einsetzen und für Gleichheit und Gleichberechtigung und freiheitlich

32:29.600 --> 32:30.780
-demokratische Grundordnungen.

32:31.060 --> 32:33.760
Diese Dinge, auf die wir uns alle gut verständigen können, auch so

32:33.760 --> 32:34.380
Grundwerte.

32:35.020 --> 32:37.720
Und wahrscheinlich, wenn man ein Stück weitergeht und differenziert in

32:37.720 --> 32:41.560
sozial - und ökonomische Werte, auch mit dazu nimmt, gibt es aber auch

32:41.560 --> 32:45.760
andere Möglichkeiten der Werte und in der Philosophie ist es relativ

32:45.760 --> 32:49.660
klar, dass man Werte nicht irgendwo verorten kann, denn es ist kein

32:49.660 --> 32:50.000
Kano.

32:50.360 --> 32:53.220
Werte, was sind Grundwerte, die Frage geht es dir, was sind

32:53.220 --> 32:57.420
universelle Werte, die haben fließende Grenzen.

32:57.540 --> 33:01.100
Das ist also schwierig, da kann man nur diskutieren und im Prinzip im

33:01.100 --> 33:03.340
produktiven Streit zu Ergebnissen kommen.

33:03.980 --> 33:06.940
Es gibt auch im Sozialstaat die Marktwirtschaft, darauf haben wir uns

33:06.940 --> 33:09.980
auch alle kommunikativ geeinigt, dass das ein Wert ist, den wir auch

33:09.980 --> 33:12.060
sozusagen implizit auch vertreten.

33:12.180 --> 33:14.820
Ähnlich auch die Wachstumslogik, Minderheitenschutz,

33:15.240 --> 33:19.120
Völkerverständigung, europäische Idee, Multikulturalität, all dies

33:19.120 --> 33:23.420
sind grundlegende Werte innerhalb unseres Systems hier, auch

33:23.420 --> 33:26.780
vielleicht in Westeuropa, nach denen Kommunikation grundlegend

33:26.780 --> 33:27.260
funktioniert.

33:29.000 --> 33:31.300
Generationengerechtigkeit, wir können das auch unterlässlich

33:31.300 --> 33:38.200
nachhaltiger Entwicklung behören, dazu zu diesem Wertekanon, der

33:38.200 --> 33:40.700
mittlerweile in der Kommunikation zwischen Politik und Wirtschaft

33:41.880 --> 33:43.380
messbar und sichtbar wird.

33:43.500 --> 33:43.720
Warum?

33:44.400 --> 33:47.400
Wir haben einen Begriff, nachhaltige Entwicklung, der letztes Jahr 300

33:47.400 --> 33:50.820
Jahre alt geworden ist und seitwegen in der Wissenschaft und in den

33:50.820 --> 33:54.180
letzten 30, 40 Jahren in der Politik zunehmend diskutiert wird.

33:54.900 --> 33:59.020
Wir haben eine umfassende Relevanz dieses Begriffes der Nachhaltigkeit

33:59.020 --> 34:03.000
für alle möglichen Bereiche in Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und

34:03.000 --> 34:06.980
Kunst, denn es geht um nichts anderes als die Zukunft des Planeten und

34:06.980 --> 34:08.860
der Bevölkerung.

34:09.320 --> 34:12.160
Vielleicht kennen Sie diesen neuen Begriff, ich betreibe es als

34:12.160 --> 34:12.860
Narrativ.

34:13.600 --> 34:17.640
Ich war gerade letzte Woche einen ganzen Freitag nur zu einer Tagung

34:17.640 --> 34:20.700
Lost in the Anthropocene in Frankfurt.

34:21.260 --> 34:24.140
Da ging es nur darum, da waren 140 Wissenschaftler an der Disziplin,

34:24.480 --> 34:29.060
wie man diesen neuen Begriff des Anthropozäns, des Menschenzeitalters

34:29.060 --> 34:29.380
fasst.

34:29.380 --> 34:33.560
Und das ist im Prinzip eine Kulminierung der nachhaltigen Entwicklung.

34:34.220 --> 34:38.820
Der Mensch hat die geologische Funktion mittlerweile erreicht und

34:38.820 --> 34:43.260
bewegt mehr Wasser als die Erdsysteme, hat Reife in der Landoberfläche

34:43.260 --> 34:49.760
verändert, hat restbare Spuren in Gesteinsschichten in vielerlei

34:49.760 --> 34:52.660
anderer Hinsicht hinterlassen und das ist dann im Prinzip das

34:52.660 --> 34:53.280
Narrativ.

34:53.280 --> 34:59.300
Wenn 2016 der Stratigraph, das sind Schichtenkundler, Jan

34:59.300 --> 35:04.120
Zaraskewitsch, wenn der also fündig wird, er leitet die internationale

35:04.120 --> 35:07.980
Kommission für Schichtenkunden, dann ist unser Erdzeitalter, das

35:07.980 --> 35:09.200
Holozän, zu Ende.

35:09.680 --> 35:12.380
Die suchen also im Moment, ob wir in der Erdschicht genug Beweise

35:12.380 --> 35:16.320
hinterlassen für unsere ökologischen Verwerfungen, Fußabdrücke und

35:16.320 --> 35:19.600
wenn die Geologen dort genug Beweise finden, dann ist unser

35:19.600 --> 35:20.480
Erdzeitalter zu Ende.

35:20.480 --> 35:23.680
Das ist also ein schönes Narrativ und die Nachhaltigkeitsentwicklung,

35:23.720 --> 35:26.640
die Forderung der nachhaltigen Entwicklung auch in ihrer Komplexität,

35:27.200 --> 35:31.240
aber auch universellen Wertigkeit, glaube ich, um sie deutlich zu

35:31.240 --> 35:31.480
machen.

35:32.020 --> 35:34.540
Und wir haben, und das ist immer ein wichtiger Indikator bei solchen

35:34.540 --> 35:38.080
wertgebundenen Analysen, gerade in der Politikwissenschaft, in meiner

35:38.080 --> 35:42.320
Disziplin der Promotion, aber auch in der Rechtswissenschaft, was wir

35:42.320 --> 35:47.100
im Europarecht auch in den Jahren erkundet haben, ist es eingetoben in

35:47.100 --> 35:49.820
die Rechtskultur, ist es Teil der internationalen Vertragswelt.

35:49.820 --> 35:53.400
Steht dieser Begriff, dieser Wert in einer Präambel, ist er Teil der

35:53.400 --> 35:57.300
Verfassung europäischer Länder, internationaler Verträge.

35:57.680 --> 36:01.540
Wir könnten uns vor Umwelt- und Nachhaltigkeitspräambeln und Aussagen

36:01.540 --> 36:04.160
und Rechtskulturellenverweisen kaum merken.

36:04.300 --> 36:07.380
Auch das ist ein Indikator dafür, der Nachhaltigkeit als universellen

36:07.380 --> 36:08.260
Wert erscheinen lässt.

36:08.780 --> 36:11.440
Hier haben wir in einem Zitat meines geschätzten Kollegen Peter Seeger

36:11.440 --> 36:14.220
noch mal erklärt, was also ein Leitbild ist.

36:14.720 --> 36:17.000
Und nachhaltige Entwicklung ist ein universeller Wert, aber ganz

36:17.000 --> 36:21.240
wichtig, es ist kein beschlossenes Konzept und kein konkretes Thema.

36:21.560 --> 36:24.340
Es ist eine Dimension und in dem Sinne ein Leitbild.

36:24.700 --> 36:29.540
Leitbilde haben eine spezielle Funktion, sie vereinen Kommunikativ in

36:29.540 --> 36:32.180
der Öffentlichkeit, sie vereinen umstrittene Lager.

36:32.500 --> 36:35.140
Sie wirken indikativ, das wird hier also deutlich.

36:36.360 --> 36:39.300
Sie erlauben es, unseren Diskurs zu schärfen.

36:39.740 --> 36:42.020
Und jetzt erinnern Sie sich doch mal, wie ist es mit Demokratie?

36:42.360 --> 36:46.060
Dieser Begriff war in Deutschland irgendwann auch neu und wir haben

36:46.060 --> 36:47.940
aber gelernt, Unterschiede zu machen.

36:48.380 --> 36:52.300
Wir wissen relativ gut, was eine repräsentative Demokratie ist und

36:52.300 --> 36:52.940
eine direkte.

36:53.540 --> 36:54.740
Wir können also unterscheiden.

36:55.020 --> 36:56.800
Wir kennen ja auch verschiedene Formen der Marktwirtschaft.

36:57.060 --> 37:00.400
Wir haben also dieses Leitbild über mehrere Jahrzehnte Diskurses

37:00.400 --> 37:03.500
gelernt und machen dort Unterschiede und sortieren so unsere

37:03.500 --> 37:05.700
verschiedenen Lager und Prämissen auch ein.

37:06.040 --> 37:08.720
Meine These wäre, dass wir uns jetzt bei der nachhaltigen Entwicklung,

37:09.060 --> 37:11.360
vielleicht kann man sie auch anders nennen, aber bei diesen grünen

37:11.360 --> 37:14.840
Themen, Nachhaltigkeit als den sehr geschundenen und auch

37:14.840 --> 37:18.280
problematischen, aber immer noch existierenden Begriff, dass wir uns

37:18.280 --> 37:23.140
genau am Anfang eines solchen diskursiven Lernprozesses befinden und

37:23.140 --> 37:25.460
da würde sich also Herr Habermas freuen, wenn er dann solche

37:25.460 --> 37:29.160
Fortschritte im diskursiven Lernen und im kommunikativen Handeln

37:29.160 --> 37:29.480
sieht.

37:29.900 --> 37:32.440
Wichtig ist eben, dass wir also eine Unschärfe haben.

37:32.940 --> 37:37.100
Es war interessant, letzte Woche bei einer anderen Tagung, der

37:37.100 --> 37:42.140
Präsident des Wuppertal-Instituts für Umwelt, Klima und Energie, sehr

37:42.140 --> 37:46.160
älter Kopf hat eigentlich gesagt, erst durch unschärfere Begriffe

37:46.160 --> 37:47.720
entstehen Veränderungen.

37:48.240 --> 37:51.200
Erst wenn wir diese Scheudentorbegriffe haben, auf die sich alle

37:51.200 --> 37:54.040
einigen können und wo aber auch viele über die Undeutlichkeiten

37:54.040 --> 37:57.260
klagen, Nachhaltigkeit ist ein gutes Beispiel, dann entsteht

37:57.260 --> 37:59.540
Indikationspotenzial für Veränderungen.

37:59.880 --> 38:03.140
Das war eine sehr schöne Aussage dieses Kollegen und das ist diese

38:03.140 --> 38:03.400
Brückenfunktion.

38:04.080 --> 38:08.620
Ganz wichtig aber jetzt dabei, wir haben natürlich keine leeren

38:08.620 --> 38:09.440
Worthülsen.

38:09.640 --> 38:10.360
Darum geht es nicht.

38:11.260 --> 38:15.220
Ein Leitbild hat immer einen inherenten Aufforderungskarakter.

38:15.700 --> 38:19.680
Hat immer eine uns direkt ansprechende, in der Semantik liegende

38:19.680 --> 38:21.800
ethische Komponente.

38:22.140 --> 38:24.000
Das wäre mir wichtig, dass Sie das hier mitnehmen.

38:24.900 --> 38:27.620
Jetzt kommen wir zum praktischen Teil und dann geht es so langsam aber

38:27.620 --> 38:28.040
ins Ende.

38:28.040 --> 38:33.480
Meine Ausführungen hier, meine Thesen, wie kann ich jetzt mit

38:33.480 --> 38:37.640
Objektivität umgehen, als Journalist, als Medienschaffender und

38:37.640 --> 38:42.240
gleichzeitig ein Wirkungsziel haben, mich engagiert für einen

38:42.240 --> 38:43.680
universellen Wert einsetzen.

38:44.040 --> 38:48.260
Was überhaupt nicht bedeutet, dass ich jetzt schreiben würde, die

38:48.260 --> 38:51.280
Energiewende muss mit Offshore beendet werden.

38:51.500 --> 38:54.180
Also wenn ich so eine konkrete Agenda hätte und das überall einbringen

38:54.180 --> 38:56.980
würde, dann habe ich keinen universellen Wert, dann habe ich ein

38:56.980 --> 39:01.360
konkretes Thema und dann störe ich den an Unparteilichkeit

39:01.360 --> 39:05.140
interessierten Leser, weil ich immer schreibe, Biogas ist gut, die

39:05.140 --> 39:08.280
Energiewende muss mit Offshore funktionieren, ihr müsst überall den

39:08.280 --> 39:14.180
Feldhamster retten oder die Entsorgung von unseren atomaren

39:14.180 --> 39:16.800
Brennstoffen muss also in Gorlehen erfolgen.

39:16.900 --> 39:19.280
Das wäre so ein aktuelles Beispiel, was ich immer wieder einbringen

39:19.280 --> 39:20.420
könnte in der Debatte.

39:20.420 --> 39:22.920
Das ist immer nochmal ein Absatz, schön zu Gorlehen zu schreiben.

39:23.480 --> 39:26.820
Das ist sehr unterschiedlich, ob ich aus so einer kleinteiligen Agenda

39:26.820 --> 39:31.500
reite und immer sowas einbringe, sowas kennt man aus dem

39:31.500 --> 39:32.480
Lokaljournalismus.

39:32.820 --> 39:36.340
Ich hatte ein Beispiel in der Redaktion, eine Kollegin war zuständig

39:36.340 --> 39:39.080
für den Schulbereich und ihr Kind ging in die Schule, Schule sollte

39:39.080 --> 39:39.800
beschlossen werden.

39:40.100 --> 39:41.820
Die hatte eine Agenda, konnte ich auch verstehen.

39:42.220 --> 39:46.540
Also die hat immer Kommentare und auch Texte in die Richtung

39:46.540 --> 39:46.960
geschrieben.

39:46.960 --> 39:51.300
Aber wir reden von systemischen Einheiten, von universellen Werten,

39:51.420 --> 39:54.200
die Leitbilder sind und Diskurs offen sind.

39:55.140 --> 39:59.780
Ich muss natürlich Objektivität anpacken und mir Gedanken dazu machen.

39:59.860 --> 40:03.400
Ich sehe es als Ernährungskurs an, als Konstruktivist oder zumindest

40:03.400 --> 40:04.260
davon geprägt.

40:04.340 --> 40:06.700
Ich bin jetzt kein Wissenschaftstheoretiker, will das jetzt auch nicht

40:06.700 --> 40:07.380
zu hoch hängen.

40:08.520 --> 40:12.640
Objektivität in der Themenagenda ist eben wichtig, das heißt an der

40:12.640 --> 40:13.340
Themensetzung.

40:13.340 --> 40:18.060
Wir können uns durchaus fragen, was der Rotor-Journalismus in den

40:18.060 --> 40:21.140
letzten 20, 30 Jahren an Richtung bedeutet.

40:21.540 --> 40:23.980
Oder auch andere Sparten des Journalismus.

40:24.120 --> 40:27.700
Jetzt haben wir eben neue Themen, Datenschutz zum Beispiel als ganz

40:27.700 --> 40:30.480
neues, grundlegendes Metathema.

40:30.660 --> 40:33.480
Auch das ist im Prinzip in den Bereich der bürgerlichen Freiheit

40:33.480 --> 40:34.100
hineingehen.

40:34.400 --> 40:37.020
Nachhaltige Entwicklung, grüne Themen, das sind neue Themen.

40:37.520 --> 40:41.840
Und Journalismus soll eben umfassend berichten, womit ich den Theorien

40:41.840 --> 40:44.740
der Horst Pöttger zitiere, der diese umfassende Berichterstattung sehr

40:44.740 --> 40:45.340
hoch hängt.

40:45.740 --> 40:49.320
Das heißt, in alle Richtungen offen sein und neue Themen, wie so eine

40:49.320 --> 40:52.940
Art Beobachter, der Ausschau hält, die Namen der Gesellschaft, neue

40:52.940 --> 40:54.740
Themen auf die Agenda setzen.

40:54.960 --> 40:57.720
Und dann eben, das glaube ich, ist wichtig, den Kollegen Lorenz

40:57.720 --> 41:00.640
Weyland richtig zu halten, diese Themen langfristig verfolgen.

41:01.860 --> 41:09.140
Es ist dann wichtig, sich nochmal anzuschauen, dass die PR und

41:09.140 --> 41:12.560
natürlich Unternehmenskommunikation, ich habe es gesagt, stark

41:12.560 --> 41:16.260
aufgewertet wurde in den letzten Jahren, auch einen großen Einfluss

41:16.260 --> 41:16.540
hat.

41:16.620 --> 41:20.260
Und wir haben da verschiedene Beispiele dafür, dass

41:20.260 --> 41:26.240
Unternehmensverbände mit ihrer PR ganz stark die öffentliche

41:26.240 --> 41:27.320
Kommunikation prägen.

41:28.240 --> 41:31.840
Die stärkste Lobbyismusverhaftung finden wir in der Pharmabranche und

41:31.840 --> 41:33.280
in der Medizinberichterstattung.

41:33.740 --> 41:36.220
Da haben wir also einen großen Bias, der erzeugt wird, aber natürlich

41:36.220 --> 41:37.120
auch im Umweltbereich.

41:37.120 --> 41:40.200
Lobbyismus natürlich von Umweltgruppen, die wir uns auch genau

41:40.200 --> 41:43.040
angucken müssen und deren eigenen Interessen, aber auch natürlich von

41:43.040 --> 41:44.040
Seiten der Industrie.

41:44.420 --> 41:50.760
Ein Paradenstück dafür war die Grenzwerte für die deutschen Auto-CO2

41:50.760 --> 41:51.980
-Richtlinien in Brüssel.

41:53.280 --> 41:56.120
Wir müssen uns, glaube ich, eins nochmal klar machen für die Praxis.

41:57.280 --> 42:00.980
Es gibt etwas, was die amerikanischen Kollegen erforscht haben,

42:05.280 --> 42:09.020
das nennen die Journalistiker in der Klima- und Medienforschung

42:09.020 --> 42:10.040
Balance as Bias.

42:10.500 --> 42:15.240
Wir haben also in den USA das Momentum eines sehr stark auf diese

42:15.240 --> 42:20.480
ausgewogene Berichterstattung orientierten Journalismus, wo relativ

42:20.480 --> 42:24.420
reflexhaft die Gegenseite automatisch gehört wird.

42:24.760 --> 42:29.020
Das führt mitunter dazu, dass sich eine radikale Minderheit, jetzt

42:29.020 --> 42:32.800
hier in der Klimaforschung, denn ich sage nicht Klimaskeptiker,

42:32.920 --> 42:37.220
Skepsis mögen wir von alten Fächen her schon lange, Klimaleugner, also

42:37.220 --> 42:41.140
die Forscher oder Experten, die den anthropogenen, menschenbeziehenden

42:41.140 --> 42:45.960
Klimawandel leugnen, dass diese Expertengemeinde, die ja so sehr klein

42:45.960 --> 42:49.940
ist, kommunikativ stark aufgewertet wird, weil sie im Prinzip bei

42:49.940 --> 42:53.940
vielen Arten von Klimaberichterstattungen reflexhaft angehört wird.

42:54.500 --> 42:56.200
Und das ist ein Punkt, der, glaube ich, wichtig ist auch in der

42:56.200 --> 42:57.240
Wissenschaftskommunikation.

42:57.240 --> 43:01.100
Wenn natürlich Klima das Hauptthema ist und ich mir jetzt über

43:01.100 --> 43:04.600
Gedanken mache, wie Klima insgesamt kommuniziert wird, wenn es um die

43:04.600 --> 43:08.280
Klimagipfel geht oder um dieses Beispiel Kleingeld, wo einige

43:08.280 --> 43:11.560
jahrelose Forscher Zahlen zurückgehalten haben, weil sie eins hatten,

43:11.920 --> 43:15.180
dass sie mit ihrer Unsicherheit Verwirrung stiften und Klimaschutz

43:15.180 --> 43:18.460
verhindern, da würde ich natürlich mir die Klimaskeptiker auch

43:18.460 --> 43:18.800
anhören.

43:18.900 --> 43:20.480
Ich muss auch deren Positionen kennen.

43:20.960 --> 43:22.940
Wenn ich als Journalist deren Positionen nicht kenne und die nicht

43:22.940 --> 43:25.160
auch irgendwann mal anhöre, habe ich was falsch gemacht.

43:25.440 --> 43:27.120
Aber wenn ich die bei jedem Bericht zum neuesten

43:27.120 --> 43:31.400
Klimareformungsprojekt hier am KIT automatisch anrufe, dann entzeuge

43:31.400 --> 43:32.760
ich diesen Bias.

43:33.120 --> 43:36.440
Ich rufe ja auch nicht bei jedem Bericht über Demokratie Republikaner

43:36.440 --> 43:36.640
an.

43:37.520 --> 43:39.040
Das wäre also vergleichbar.

43:39.520 --> 43:40.840
Das ist also eine Gefahr.

43:41.140 --> 43:43.240
Ich sollte die Mehrheiten kennen in meinem Themenfeld.

43:43.380 --> 43:48.160
Ich sollte also genau wissen, wann ich die eine Seite anhöre und die

43:48.160 --> 43:48.500
andere.

43:49.040 --> 43:52.480
Generell ist natürlich die Ausgewogenheit das Ziel in unserer

43:52.480 --> 43:53.060
Perspektive.

43:53.060 --> 43:56.460
Und natürlich ist auch wichtig, wenn ich also mit der Haltung

43:56.460 --> 44:00.040
auftrete, hier zu tun auf ein Projekt für Journalismus, daher die

44:00.040 --> 44:03.240
Entwicklung fördern, gesellschaftliche Auswirkungen erzielen, dass ich

44:03.240 --> 44:07.080
also ganz klar mache, das ist auch etwas, was man glaube ich nicht oft

44:07.080 --> 44:12.440
genug betonen kann, woher ich komme, wer mich finanziert, Transparenz,

44:12.820 --> 44:14.420
wer unser Netzwerk ist und so weiter.

44:15.440 --> 44:19.440
Interessanterweise wird diese Rubrik Selbstverständnis, wer wir sind,

44:19.540 --> 44:20.620
am häufigsten angeklägt.

44:20.940 --> 44:23.280
Vor fast allen anderen Fachbeiträgen.

44:23.680 --> 44:26.780
Das ist das, was die Journalisten, unser Zielpublikum, wir sind ja für

44:26.780 --> 44:28.860
Journalisten da, was ihnen passiert.

44:30.380 --> 44:33.320
Das unterstreicht die Wichtigkeit der Transparenz in dem Umgang damit.

44:33.860 --> 44:36.080
Wir haben jetzt gerade so einen Moment, wo wir sagen können, also in

44:36.080 --> 44:38.520
Darmstadt, hier bei uns an der Hochschule, an der Fachhochschule, gibt

44:38.520 --> 44:41.600
es einen Kollegen, den wir jetzt gerade im Moment wirklich dieses

44:41.600 --> 44:44.020
Engagementsthema stark setzen.

44:44.520 --> 44:47.940
Neben mir dann der Kollege Peter Segel, der also schon länger hier

44:47.940 --> 44:50.380
forscht und auch einiges publiziert hat.

44:51.480 --> 44:53.540
Auch die neuen Kollegen sind Geheimnisse und

44:53.540 --> 44:56.200
Wissenschaftsjournalisten, die also auch stark in Medienethik

44:56.200 --> 44:58.800
reindenken und da Akzente setzen im Bereich der

44:58.800 --> 44:59.860
Medizinberichterstattung.

45:00.200 --> 45:03.760
Und eben der Kollege Lorenz Mayerlecht, ein ganz größeres Projekt zu

45:03.760 --> 45:06.980
Public Value, also im wahrlichsten Sinne den Wert öffentlicher

45:06.980 --> 45:10.320
Finanzierungsmechanismen, öffentlich-rechtlichen Grundfunken, auch

45:10.320 --> 45:13.400
gerade aufsetzt in Kooperation mit dem Deutschlandfunk.

45:14.520 --> 45:18.760
Es geht also im Prinzip um einen wertgebundenen Demokratiefunktionalen

45:18.760 --> 45:22.520
Journalismus, der also eine Handlung auch klar erkenntlich macht auf

45:22.520 --> 45:24.060
so einer universellen Ebene.

45:24.460 --> 45:29.040
Es geht um systemkritisches Denken im wahrlichsten Sinne und eben auch

45:29.040 --> 45:30.000
Umwelt und Nachhaltigkeit.

45:30.000 --> 45:32.420
Jetzt komme ich zum Schluss, zur letzten Folie.

45:33.060 --> 45:36.060
Beziehungsweise ich habe da noch eine für Sie, bevor ich Sie wieder

45:36.060 --> 45:37.180
ein bisschen einfangen will.

45:37.840 --> 45:43.680
Weil ich Ihnen hier Fachtermini sozusagen rechts, links, oben, unten

45:43.680 --> 45:44.860
in Abend versüße.

45:46.160 --> 45:50.480
Ich glaube, also diese Medianfensterzeit ist klar erkennbar, sie birgt

45:50.480 --> 45:51.460
eben auch diese Chancen.

45:51.580 --> 45:53.420
Und ich glaube, das alles ist, was passiert.

45:53.980 --> 45:57.000
Auch die große Geo-Redaktion hat es vor zwei Wochen erwischt.

45:57.000 --> 45:59.800
Man konnte also bei Facebook dann leider mitkriegen, wen es erwischt

45:59.800 --> 46:00.060
hat.

46:00.460 --> 46:02.560
Nämlich junge Mütter mit Kindern.

46:03.400 --> 46:04.320
Immer so am Handel.

46:06.220 --> 46:08.040
Das kann ich mir jetzt nicht vergreifen, wie viel weiß.

46:10.020 --> 46:12.920
Dann haben wir also hier diese Fensterzeit und die Rollenbilder

46:12.920 --> 46:13.380
verschwimmen.

46:13.500 --> 46:15.120
Lassen Sie sich das nochmal klar werden zum Schluss.

46:15.760 --> 46:19.380
Oder vergegenwärtigen Sie sich nochmal diesen Moment, wo wir jetzt

46:19.380 --> 46:21.320
über ganz neue Rollenbilder diskutieren.

46:21.700 --> 46:24.940
Also Solution Journals in den USA, ganz andere Formen Kooperativ

46:24.940 --> 46:25.180
-Journalismus.

46:26.040 --> 46:28.680
Dieser Wertewandel ist eben sichtbar, ich habe ihn erwähnt.

46:29.360 --> 46:32.500
Zeithoheit scheint dann der Faktor zu sein, der gerade viele, viele

46:32.500 --> 46:36.860
Mediensendungen, aber auch einfach im Radio, ich bin sehr engagierter

46:36.860 --> 46:39.820
Radiohörer, BR2 Radio, Wissen kann ich Ihnen empfehlen,

46:40.240 --> 46:42.720
Philosophisches Radio, WDR5 oder andere Sachen.

46:43.040 --> 46:45.720
Da finden Sie also unglaublich viel zu Entschleunigungen und so

46:45.720 --> 46:48.580
weiter, Zeithoheit, Resonanzen und so.

46:48.740 --> 46:49.800
Da ist viel los.

46:49.800 --> 46:54.280
Im Prinzip glaube ich als Gewinnessenz, dass der Journalismus, wenn er

46:54.280 --> 46:57.780
weiterhin mit Qualität arbeiten will, einfach deutlich mehr Zeit

46:57.780 --> 46:58.140
braucht.

46:58.600 --> 47:01.460
Es ist ganz viel Beschleunigung ohnehin schon da, seit Jahren.

47:01.720 --> 47:05.800
Und durch diese Verluste von Kollegen, von Recherchezeit, von

47:05.800 --> 47:08.760
Ressourcen, haben wir doch mal in der Redaktion selbst, aber auch im

47:08.760 --> 47:14.340
freien Arbeiten, eine enorme Beschleunigung, die ein Stück weit uns zu

47:14.340 --> 47:17.120
einer gewissen Achtsamkeit auch aufruft.

47:17.120 --> 47:21.620
Achtsamkeit heißt also wirklich mit sich selbst auch in die Reflexion

47:21.620 --> 47:26.120
gehen und auch wieder zu lernen, auch hinzuhören.

47:26.940 --> 47:30.200
Und ein Stück weit auch mal vielleicht sicher Auszeit zu nehmen, zu

47:30.200 --> 47:33.900
recherchieren, zu reflektieren, die Themensetzung, seine eigene Rolle

47:33.900 --> 47:34.980
zu reflektieren.

47:36.040 --> 47:40.980
Die Forschung, glaube ich, muss stärker normativ werden,

47:41.120 --> 47:45.180
transdisziplinär, das heißt also auch Interessen und Kenntnisse aus

47:45.180 --> 47:47.260
der Gesellschaft in die Wissenschaft überführen.

47:47.680 --> 47:50.660
Das ist ja das Ziel unter anderem der Transdisziplinarität.

47:51.040 --> 47:54.620
Stichwort Citizen Science, können Sie vielleicht auch darüber

47:54.620 --> 47:56.600
sprechen, also Bürgerwissenschaft.

47:57.240 --> 48:01.500
Wir brauchen neue Methoden, mit denen wir also in diese Ziele auch

48:01.500 --> 48:04.660
hineingehen, dass wir auch anders forschen, insgesamt auch mehr auf

48:04.660 --> 48:06.140
das Individuum blicken, denke ich.

48:06.560 --> 48:09.500
Und auch alle Wahrnehmungsbereiche uns auch erschließen in der

48:09.500 --> 48:09.920
Forschung.

48:09.920 --> 48:14.500
Eben nicht nur die reine kognitive Seite, wir brauchen auch die

48:14.500 --> 48:18.160
Intuition von Journalisten und auch Kommunikatoren generell, die wir

48:18.160 --> 48:19.180
stärker erforschen müssen.

48:19.720 --> 48:25.740
Wir brauchen auch so etwas wie Kontemplation und ein Stück weit auch

48:25.740 --> 48:26.900
Rückzug.

48:27.860 --> 48:30.540
Dinge, die im Privaten liegen, diese Verknickung von privaten

48:30.540 --> 48:33.420
Befindlichkeiten mit der journalistischen und beruflichen Rolle ist

48:33.420 --> 48:36.080
etwas, was ich sehr interessant finde, dieses Rollenmanagement, ich

48:36.080 --> 48:38.480
glaube, das ist ein wichtiger Forschungsbereich.

48:39.800 --> 48:42.700
Insgesamt geht es eben ein Stück weit darum, über das andere Prozent,

48:42.760 --> 48:46.160
glaube ich, grundlegend nachzudenken, generell in Wissenschaften, bei

48:46.160 --> 48:48.860
diesen Tagungen, da wo ich im Moment unterwegs bin, da sind Physiker,

48:49.000 --> 48:52.420
da sind Geologen, da sind Geografen, Sozialwissenschaftler,

48:52.420 --> 48:53.480
Politikwissenschaftler, Sozialwissenschaftler.

48:54.400 --> 48:57.640
Also das ist ein Thema, was Sie alle angeht und dass wir da ein Stück

48:57.640 --> 49:03.380
weit, ich nehme mal diesen Griff bewusst hier, dieses Vorsorgeprinzip

49:03.380 --> 49:06.260
auch anwenden, in dem wie Wissenschaft auch funktioniert und was sie

49:06.260 --> 49:06.960
auch erforscht.

49:06.960 --> 49:11.140
Demut, also dass wir auch dieses Nichtwissen zunehmend ernst nehmen.

49:11.480 --> 49:14.700
Es gibt einen interessanten Bereich der Soziologie gerade, Soziologie

49:14.700 --> 49:18.260
des Nichtwissens, schönes Buch ist die Management der Ignoranz dazu,

49:18.680 --> 49:19.540
ganz interessanter Titel.

49:20.060 --> 49:23.300
Also dass wir da auch in dieses Nichtwissen bewusster auch reingehen

49:23.300 --> 49:27.320
und dann glaube ich, und das wäre jetzt eben insgesamt eine These auch

49:27.320 --> 49:29.460
vielleicht für Sie hier in der Wissenschaftskommunikation,

49:30.040 --> 49:34.680
Wissenschaft muss sich ändern, muss von den Treppenstufen herabsteigen

49:34.680 --> 49:38.540
und muss, das zeigt uns die Klimawissenschaft, auch mit ihren

49:38.540 --> 49:43.280
Unsicherheiten neu und anders umgehen, muss zu ihrer Fehlertoleranz

49:43.280 --> 49:46.820
stärker stehen und dann eben diese Ambigitätstoleranz, also die

49:46.820 --> 49:49.000
Widerspruchsakzeptanz entwickeln.

49:49.380 --> 49:53.360
Wissenschaft ist oft aus meiner Sicht noch zu sensibel und zu

49:53.360 --> 49:56.760
skeptisch und man sieht es in den Klimaforschungen, dass Zahlen

49:56.760 --> 49:59.420
gewisse Unsicherheiten mit Bedeutung zurückgehalten werden.

49:59.980 --> 50:03.060
Der Effekt ist eine Skandalberichterstattung und ein dramatischer

50:03.060 --> 50:07.520
Glaubwürdigkeitsverlust, weil Wissenschaft die Kommunikationsrolle aus

50:07.520 --> 50:09.400
meiner Sicht fragwürdig ausgeführt hat.

50:09.460 --> 50:12.760
Wir brauchen also mehr Sicherheit durch Unsicherheit.

50:13.240 --> 50:17.740
Insgesamt, wenn man sich die Sozialwissenschaften anguckt, die sehen

50:17.740 --> 50:21.060
da einiges an Elementen dieser kritischen Theorie drin, die auch das

50:21.060 --> 50:23.520
Normaldenken so ein bisschen prägt, weil ich bei Klaus Eurig in

50:23.520 --> 50:27.960
Dortmund Ethik und Kommunikation gelernt habe, das Vertreten der

50:27.960 --> 50:28.720
kritischen Theorie.

50:29.400 --> 50:34.480
Wir sehen aber einen kleinen Moment der Zeit, dass diese kritische

50:34.480 --> 50:35.980
Theorie im Denken niederkommt.

50:36.340 --> 50:39.900
In der Soziologie haben wir Apollodrosa, der Jena lehrt,

50:40.040 --> 50:41.040
Entschuldigungsforscher.

50:41.140 --> 50:44.220
Wir haben Konrad Ott in der Philosophie, Umweltethiker.

50:44.560 --> 50:47.820
Wir haben Postwachstumsforscher, ein Stück weit auch der vielleicht

50:47.820 --> 50:51.080
unbekannte Harald Lelser, der Sozialpsychologen mit seinen Büchern,

50:51.360 --> 50:53.900
die sind mittlerweile sehr populär, auch publiziert.

50:54.240 --> 50:56.800
Ein Stück weit ist er auch in diesem Denken zuzurecht, auch der

50:56.800 --> 50:57.520
Kollege Seeger.

50:57.520 --> 51:00.520
Und wir haben also auch hier Helene Wendel bei, Alexander

51:00.520 --> 51:05.260
Filipowitsch, als Normalkritischen Denkens, was aus meiner Sicht

51:05.260 --> 51:07.640
erfreulicherweise ein Stück weit zurückkehrt.

51:07.960 --> 51:10.960
Jetzt bin ich mit Ihnen auf der Halbinsel angelangt.

51:11.280 --> 51:14.520
Also von hier aus kann man losschwimmen, nach rechts oder links, das

51:14.520 --> 51:15.880
ist auch wieder der Kühlkopf.

51:16.120 --> 51:17.960
Man kann da auch wunderbar angeln, das mache ich aber.

51:18.580 --> 51:21.260
Sie können sich jetzt ausruhen, in welche Richtung Sie gehen, ob Sie

51:21.260 --> 51:24.280
nach links schwimmen, da kommen, glaube ich, Seerosen, kommt so ein

51:24.280 --> 51:28.000
bisschen schwieriges Gewässer, kommen Sie nicht so viel weiter, aber

51:28.000 --> 51:29.940
es ist spannend, Sie haben seltene Kohlarten.

51:30.600 --> 51:34.000
Rechtsrum geht es eher in den Neureihen, wird relativ kanadenartig,

51:34.080 --> 51:36.140
objektiver, also deskriptiver.

51:36.720 --> 51:40.360
Damit möchte ich es jetzt mal belassen und freue mich über Ihre Fragen

51:40.360 --> 51:41.520
und danke für die Aufmerksamkeit.

51:49.120 --> 51:54.520
Ja, Thorsten, sehr vielen Dank für deinen engagierten Vortrag.

51:55.640 --> 52:00.180
Wir waren am Grundteil bei der Wissenswerte, da hat auch Herr Selser

52:00.180 --> 52:04.280
vorgetragen, hat uns gezeigt, wie die Unschärfe des Gebirges

52:04.280 --> 52:07.820
vielleicht eine Brücke schlägt zur Veränderung, das kam nicht bei

52:07.820 --> 52:08.900
allen so gut an.

52:11.600 --> 52:16.540
Also, da merkt man tatsächlich, das hat ein abschreckendes Element,

52:16.880 --> 52:20.180
aber er hat trotzdem ein paar Ideen vorgefragt.

52:20.380 --> 52:21.520
Ja, Fragen?

52:26.020 --> 52:28.480
Also erstmal vielen Dank für den schönen Vortrag.

52:28.680 --> 52:32.600
Ich finde, das ist auch wirklich ein relevantes Thema und ich halte es

52:32.600 --> 52:37.160
auch für, das ist ja auch eine Theorie von Ihnen, wichtig, dass

52:37.160 --> 52:40.540
Journalisten oder auch angehende Journalistinnen und Journalisten sich

52:40.540 --> 52:41.980
genau darüber Gedanken machen.

52:42.720 --> 52:46.800
Auch die Thesen, die Sie dann auf der vorletzten Folie hatten zum

52:46.800 --> 52:54.260
Engagement und auch der Qualität, die leuchten mir auch sehr ein,

52:54.320 --> 52:55.400
diese Praxisthesen.

52:57.260 --> 53:00.200
So, was jetzt allerdings auch mein persönlicher Eindruck war, ist,

53:00.200 --> 53:04.780
dass die eher, glaube ich, in dem bloßen Zusammenhang stehen zu den

53:04.780 --> 53:10.560
theoretischen Überlegungen, die vorher kamen.

53:10.700 --> 53:13.940
Ich selbst habe einen Blick als Außenstehender auf das, ich bin

53:13.940 --> 53:14.940
Wissenschaftsphilosoph.

53:15.020 --> 53:18.260
Und in der Wissenschaftsphilosophie gibt es eine inzwischen sehr

53:18.260 --> 53:22.500
differenzierte Debatte darüber, ob Wissenschaft wertfrei sein soll,

53:22.560 --> 53:24.900
sondern ob sich Wissenschaftler politisch engagieren sollten, und

53:24.900 --> 53:30.160
politisch in welcher Weise ihre Entscheidungen und ihre Handlungen auf

53:30.160 --> 53:31.900
Wertannahmen basieren sollten.

53:32.580 --> 53:37.800
Und also ich frage mich auch, da gibt es ja von der Fragestellung auf

53:37.800 --> 53:39.220
jeden Fall Parallelitäten.

53:40.920 --> 53:44.760
Und meine Frage ist, und das werde ich jetzt noch durch zwei, drei

53:44.760 --> 53:50.500
Sätze illustrieren, ob man durch den Vergleich dann vielleicht

53:50.500 --> 53:53.320
hinseitig lernen, voneinander lernen könnte.

53:53.320 --> 53:57.660
Also was wir zum Beispiel, wenn wir das debattieren, was wir als

53:57.660 --> 54:03.000
erstes uns fragen, ist an welchen Stellen eigentlich des

54:03.000 --> 54:06.460
wissenschaftlichen Prozesses fließen oder fließen potenziell überhaupt

54:06.460 --> 54:07.640
Wertannahmen ein.

54:08.320 --> 54:10.820
Und da sieht man, das sind erstmal schon sehr, sehr unterschiedliche

54:10.820 --> 54:15.160
Entscheidungen, die also bei der Themenauswahl, also hier mit welchen

54:15.160 --> 54:17.700
Themen beschäftige ich mich als Journalist oder auch als

54:17.700 --> 54:21.780
Wissenschaftler, ich habe nur begrenzten Zeit, was würde ich jetzt

54:21.780 --> 54:24.620
eigentlich recherchieren, was würde ich erforschen, bis hin zu, was

54:24.620 --> 54:27.980
schreibe ich da genau in meine Publikation rein, äußere ich mich auch

54:27.980 --> 54:32.920
dazu, was getan werden sollte, welche Methoden verwende ich bei der

54:32.920 --> 54:33.600
Recherche.

54:34.000 --> 54:36.340
Das sind, glaube ich, ganz, ganz unterschiedliche Entscheidungen.

54:36.500 --> 54:40.720
Und wenn man sich fragt, sollte man da Wertannahmen einfließen oder

54:40.720 --> 54:43.540
nicht und welche, weil es sind ja alles sehr unterschiedlich zu

54:43.540 --> 54:44.240
beantworten.

54:45.260 --> 54:52.300
Und ich finde, auf der Praxisfolie, auf der Folie davor, da deutet

54:52.300 --> 54:58.100
sich das auch an, weil das Thema Wahl und so, ist was ganz anderes als

54:58.100 --> 55:03.260
äußere ich mich, genau, äußere ich mich, höre ich alle an oder äußere

55:03.260 --> 55:04.860
ich mich zu einem politischen Thema.

55:04.860 --> 55:11.680
Und eine andere Entscheidung, die wir treffen, ist, welche Arten von

55:11.680 --> 55:12.880
Werten gibt es da überhaupt.

55:13.060 --> 55:15.120
Sie haben das auf der inhaltlichen Ebene gehört.

55:16.880 --> 55:20.080
Ökologische Werte, ökologische versus demokratische oder

55:20.080 --> 55:21.380
gerechtigkeitstheoretische.

55:21.780 --> 55:24.260
Vielleicht kann man noch einen Schritt zurückgehen und nochmal sagen,

55:24.260 --> 55:28.540
okay, wir haben vielleicht eher irgendwie journalistische, also

55:28.540 --> 55:31.300
journalistisch -rechtig-epistemische Werte.

55:31.400 --> 55:35.020
Wir wollen die Wahrheit sagen als Journalist.

55:35.080 --> 55:36.120
Wir wollen nicht in die Irre führen.

55:36.240 --> 55:42.120
Wir wollen als Zitate auch möglichst getreu wiedergeben, nicht

55:42.120 --> 55:44.440
irgendwie keitswidergeben oder irreführend wiedergeben.

55:45.040 --> 55:49.200
Und dann hat man auf der anderen Seite erst mal nicht-epistemische,

55:49.280 --> 55:50.640
nicht -journalistische Werte.

55:50.640 --> 55:53.800
Und das kann alles mögliche, religiöse, moralische, politische sein.

55:54.640 --> 55:59.020
Und da wird es auch ganz unterschiedlich zum Antworten sein, wenn man

55:59.020 --> 56:01.640
sich fragt, sollten da Werte eingehen, da muss man differenzieren.

56:02.020 --> 56:03.960
Da meine ich jetzt gegen die journalistische Klage.

56:04.140 --> 56:06.080
Das würde wahrscheinlich einfach sein, es sollte überall eingehen.

56:06.440 --> 56:08.140
Dann ist die kritische Frage, wie ist das denn?

56:08.580 --> 56:11.140
Okay, und dann gibt es noch ein paar Leser, jetzt würde ich weiter

56:11.140 --> 56:11.480
machen.

56:13.500 --> 56:16.760
Also es war so ergiebig, dass ich mir jetzt Hits machen muss.

56:18.540 --> 56:24.200
Also da kann ich nur sagen, mit der ersten Beobachtung oder auch

56:24.200 --> 56:27.620
durchaus Kritik haben Sie recht, das ist Lose hier in der

56:27.620 --> 56:27.980
Thesensetzung.

56:29.220 --> 56:32.880
Das ist eben der Versuch sozusagen dieses ethisch-praktischen

56:32.880 --> 56:33.640
Grenzgangs.

56:33.760 --> 56:36.940
Als Form, das ist sozusagen interdisziplinär, hat praktische

56:36.940 --> 56:40.780
Perspektiven und theoretische, wissenschaftliche Perspektiven.

56:40.780 --> 56:47.620
Ich habe es mir durchaus auch vergegenwärtigt, das zu sortieren würde

56:47.620 --> 56:53.200
möglich sein, wäre möglich, aber würde in der Präglanz mir

56:53.200 --> 56:57.160
schwerfallen im Moment und hätte auch nicht diesen, ich sage zumindest

56:57.160 --> 57:01.240
mal 10% im Unterhaltungscharakter, den ich in diesem Raum versucht

57:01.240 --> 57:02.560
habe zu finden.

57:03.380 --> 57:05.360
Das wäre die erste Sache, da gebe ich Ihnen recht.

57:06.120 --> 57:09.780
Das ist also nicht unbedingt ganz strukturell schlüssig.

57:10.940 --> 57:14.560
Was interessant ist, und das wäre einfach, Annette, da muss ich dich

57:14.560 --> 57:17.140
auch noch ganz viel fragen, weil ich ja auch über deine Arbeit hier

57:17.140 --> 57:20.580
ein bisschen was weiß, was man so liest, aber inwieweit Journalisten

57:20.580 --> 57:22.480
und Wissenschaftler ihren Rollen verglichen werden?

57:22.560 --> 57:24.720
Das finde ich auch sehr spannend, wir machen das als Wissenschaftler

57:24.720 --> 57:28.820
auch ein bisschen und es gibt durchaus ja gleiche oder ähnliche,

57:28.860 --> 57:32.700
zumindest ähnliche Berufsziele oder Handlungsrahmen.

57:32.700 --> 57:36.660
Das hohe Gut der Objektivität, der Unverteillichkeit ist in der

57:36.660 --> 57:41.140
Forschung genauso eine wichtige Norm wie im Journalismus.

57:41.640 --> 57:44.540
Und dann kommt natürlich automatisch die Frage der Interessen, die von

57:44.540 --> 57:48.760
außen kommen, dazu und in der Wissenschaft ist es eben zunehmend auch

57:48.760 --> 57:53.320
wertgebundene Wissenschaft, wie kommt PR in die Wissenschaft, wir

57:53.320 --> 57:56.120
machen da auch manchmal ein Rollenspiel mit Studierenden, also die

57:56.120 --> 58:00.040
dann Wissenschafts-PR versus Wissenschafts-Journalismus, das sind

58:00.040 --> 58:03.160
alles Fragen, die unglaublich interessant sind und im Journalismus

58:03.160 --> 58:03.940
natürlich genauso.

58:04.160 --> 58:06.800
Ich habe natürlich jetzt hier mehr aus der Perspektive Journalismus,

58:06.880 --> 58:10.460
Stiftungsfinanzierung, was kommt da an Interessen mit dazu, wobei

58:10.460 --> 58:13.740
natürlich Interessen nochmal vom Begriff her, das ist ja für Sie als

58:13.740 --> 58:16.880
Philosoph auch immer sehr wichtig, die Begriffsarbeit generell,

58:17.240 --> 58:21.360
Interessen ist natürlich nochmal ein ganzes Momentum entfernt vom

58:21.360 --> 58:21.700
Wert.

58:22.180 --> 58:23.940
Und bei den Werten ist es richtig, ich bin gleich in so eine

58:23.940 --> 58:27.220
inhaltliche Perspektive gegangen, es ist einfach vielleicht auch

58:27.220 --> 58:31.000
dieses pragmatische Denken, praktische Denken ein Stück weit, aber

58:31.000 --> 58:34.440
natürlich können wir auf verschiedensten theoretischen Ebenen

58:34.440 --> 58:36.120
Wertkategorien nochmal unterscheiden.

58:36.340 --> 58:38.500
Da würde ich also auch zustimmen und ich fände also praktisch

58:38.500 --> 58:41.340
gesprochen ein gemeinsames Forschungsprojekt, wenn ich jetzt mal ganz

58:41.340 --> 58:46.240
konkret werden soll, Agendasettingsprozesse und Selektionsprozesse von

58:46.240 --> 58:50.940
Themen im Journalismus verglichen mit Wissenschaftskommunikation oder

58:50.940 --> 58:53.240
auch Wissenschaft und Wissenschaftskommunikation.

58:53.240 --> 58:57.500
Man bräuchte so einen Trilog im Prinzip Journalisten, Wissenschaftler

58:57.500 --> 59:00.860
und Wissenschaftskommunikateure, wo man erforscht, welche

59:00.860 --> 59:04.240
Rollenzuschreibungen sie haben und wie sie dann auch natürlich konkret

59:04.240 --> 59:07.760
ihre Themen auswählen und welche Faktoren, Sie haben es ja skizziert,

59:08.340 --> 59:09.440
da überall dazukommen.

59:09.560 --> 59:12.360
Das geht ja bei den ganz grundlegenden Traditionen, politischen

59:12.360 --> 59:16.800
Kulturen los und geht dann über politische Prozesse bis hin zu

59:16.800 --> 59:19.700
individuellen Präferenzen, die sich da auch einmischen.

59:20.060 --> 59:22.280
Das sind Forschungen, die ich persönlich sehr spannend finde.

59:22.280 --> 59:26.680
Also mit Leitfadeninterviews, mit Fokusgruppen vielleicht oder auch

59:26.680 --> 59:30.620
mit einem gestützten Fragebogen noch oder auch mit Teilnehmenden

59:30.620 --> 59:33.580
Beobachtung, wäre auch mal interessant, auf so einer Wissenswerte zu

59:33.580 --> 59:37.560
beobachten, wie da Netzwerkprozesse ablaufen, Netzwerkanalysen, auch

59:37.560 --> 59:37.820
spannend.

59:39.680 --> 59:41.920
Insofern gerne, ich komme dann auf Sie zu.

59:44.440 --> 59:47.140
Ich würde mich jetzt einfach mal direkt selber auf die Rednerliste

59:47.140 --> 59:51.000
setzen und ich komme über ein paar Sachen da nicht so ganz hinweg.

59:51.000 --> 59:55.240
Also, woher weiß ich, was ein guter Wert ist?

59:56.000 --> 59:58.220
Also nehmen wir mal an, ich möchte jetzt, dass Deutschland

59:58.220 --> 59:59.680
ausländerfrei ist.

01:00:00.200 --> 01:00:02.420
Und ich mache jetzt alles so, wie du dir das vorstellst.

01:00:02.520 --> 01:00:07.020
Ich mache also Kampagnenjournalismus im Lorenz-Lorenz-Meyers-Grinne

01:00:07.020 --> 01:00:12.000
und wo wird verhandelt, dass ich das darf?

01:00:12.860 --> 01:00:17.180
Denn in dem Moment, wo du den Journalismus klar zu einer normativen

01:00:17.180 --> 01:00:21.720
Angelegenheit erklärst, hebst du ihn in die normative Sphäre, das muss

01:00:21.720 --> 01:00:22.640
ja irgendwo verhandelt werden.

01:00:22.780 --> 01:00:24.760
Irgendjemand muss entscheiden, dann hast du das Problem der

01:00:24.760 --> 01:00:25.420
Letztzurundung.

01:00:25.500 --> 01:00:28.020
Wer entscheidet eigentlich zuletzt, was gut ist?

01:00:28.620 --> 01:00:29.640
Wo wird das verhandelt?

01:00:29.720 --> 01:00:32.640
Ist das jenseits der Sphäre des Journalismus oder macht das Gott?

01:00:33.620 --> 01:00:35.540
Und meine zweite Frage, ich fürchte, das geht...

01:00:37.520 --> 01:00:40.460
Ich habe mich dann gefragt, ob nicht die sogenannten, also du hast

01:00:40.460 --> 01:00:44.160
jetzt Klimaleugner genannt, ob die nicht auch genau das gemacht haben,

01:00:44.360 --> 01:00:49.700
was du gesagt hast, für die, sagen wir mal, die guten Werte, für die

01:00:49.700 --> 01:00:50.840
du ja auch offensiv eintriffst.

01:00:51.860 --> 01:00:56.920
Sie haben eine Kampagne gemacht, eine Medienkampagne, Sie haben sich

01:00:56.920 --> 01:00:59.920
journalistisch getarnt, man hat nicht wirklich gemerkt, dass es PR

01:00:59.920 --> 01:01:00.340
ist.

01:01:00.880 --> 01:01:06.480
Sie sind nicht nur deswegen hochgekommen in den USA, weil die

01:01:06.480 --> 01:01:09.820
Journalisten aus einer vielleicht falsch verstandenen Objektivität

01:01:09.820 --> 01:01:12.640
gesagt haben, jetzt rufen wir die auch noch an, sondern weil die ganz

01:01:12.640 --> 01:01:16.800
klar reingedrückt haben und ihre Story erzählt haben, nämlich die

01:01:16.800 --> 01:01:21.160
Wissenschaft bringt Unsicherheit, deswegen kann man Wissenschaft nicht

01:01:21.160 --> 01:01:24.360
glauben, die sind sich ihrer Zahl nicht sicher und deswegen hört nicht

01:01:24.360 --> 01:01:28.200
auf diese Leute, hört lieber auf euren gesunden Menschenverstand und

01:01:28.200 --> 01:01:28.580
so weiter.

01:01:28.780 --> 01:01:33.200
Also haben die nicht genau das gemacht, nur halt mit einem Wert, der

01:01:33.200 --> 01:01:36.020
dir nicht schmeckt und wo wird dann der Wert verhandelt?

01:01:36.880 --> 01:01:41.540
Der Wert wird, so einfach die Antwort, so schwierig der Prozess, in

01:01:41.540 --> 01:01:42.560
der Öffentlichkeit verhandeln.

01:01:43.180 --> 01:01:49.040
Der diskursive, abgeschliffene Meinungsbildungsprozess, der dann über

01:01:49.040 --> 01:01:56.080
Jahrzehnte, Jahrhunderte tradiert Normen, Kulturen hervorbringt, tritt

01:01:56.080 --> 01:01:57.780
in diesem Verhandlungsprozess hervor.

01:01:57.940 --> 01:02:01.060
Allerdings nicht nur in der massenmedialen Öffentlichkeit.

01:02:01.560 --> 01:02:07.740
Der Wert, den ich als einzelner Journalist sehe und mir auch

01:02:07.740 --> 01:02:12.560
zuschreibe, den lerne ich in meiner Sozialisation, in meiner

01:02:12.560 --> 01:02:18.620
Akademisierung und auch in meiner Professionalisierung, das heißt im

01:02:18.620 --> 01:02:20.120
Rahmen der journalistischen Ausbildung.

01:02:20.740 --> 01:02:25.660
Und dort bekomme ich vorgeführt und lerne in Gesprächen, in der

01:02:25.660 --> 01:02:30.120
Kommunikation, ich lerne Mehrheiten kennen und Minderheiten kennen.

01:02:30.560 --> 01:02:35.960
Ich lerne Werte, die von vielen geteilt werden, das lerne ich in der

01:02:35.960 --> 01:02:39.620
menschlichen Kommunikation, ich lerne es aber auch über kognitive

01:02:39.620 --> 01:02:43.020
Ebenen, über Texte, über Visualisierung.

01:02:43.440 --> 01:02:46.920
Dort lerne ich also Wert, Mehrheiten und die Verteilungen dieser

01:02:46.920 --> 01:02:47.820
Zuschreibung.

01:02:48.220 --> 01:02:56.240
Und deshalb sind Perspektiven der zeitgeschichtlichen Forschung in

01:02:56.240 --> 01:02:58.400
Verbindung mit ethischen Fragen sehr spannend.

01:02:59.260 --> 01:03:00.980
Das wäre natürlich die nächste Frage.

01:03:01.800 --> 01:03:08.480
Wenn ich jetzt verweise auf tradierte Muster, also auf Werte und

01:03:08.480 --> 01:03:12.020
Normen, die sich in allen möglichen Kommunikationsprozessen, im

01:03:12.020 --> 01:03:17.140
diskursiven Prozess, bisschen an Habermas angelehnt, durchsetzen,

01:03:17.340 --> 01:03:20.940
abgeschliffenes Argument, was sozusagen nach vernünftigem Gespräch

01:03:20.940 --> 01:03:24.340
mehrheitlich akzeptiert wird, dann ist natürlich die nächste Frage,

01:03:24.380 --> 01:03:27.420
das wäre so meine Antwort, was ist denn der Zeithorizont?

01:03:27.920 --> 01:03:29.000
Wann fangen wir denn an?

01:03:29.040 --> 01:03:33.380
Fangen wir jetzt an vor 100 Jahren oder vor 500 Jahren?

01:03:33.480 --> 01:03:35.740
Gehen wir aufs alte Rom zurück und sagen, die hatten recht, daran

01:03:35.740 --> 01:03:36.420
orientieren wir uns.

01:03:36.840 --> 01:03:39.380
Und da wäre jetzt mein Vorschlag, das ist sozusagen die Frage, die da

01:03:39.380 --> 01:03:42.380
drin steckt, dieses kommunikative Gedächtnis ein Stück weit mal

01:03:42.380 --> 01:03:46.060
anzudenken, was jetzt die zeitgeschichtlichen Forscher, Historiker und

01:03:46.060 --> 01:03:48.560
die Sozialpsychologen auch zunehmend bearbeiten.

01:03:48.920 --> 01:03:52.440
Vier Generationen, 25 Jahre mal 4 macht 100 Jahre.

01:03:52.440 --> 01:03:57.660
Vier Generationen sind das, wo wir also Werte tradiert haben, die wir

01:03:57.660 --> 01:04:00.420
verstehen und die wir in unser Handeln auch überführen.

01:04:00.880 --> 01:04:05.160
Das ist zum Beispiel was, was Harald Welzer, der jetzt mit anderen

01:04:05.160 --> 01:04:08.160
Themen bekannt ist, dieser Sozialpsycholog, ist aber in die

01:04:08.160 --> 01:04:11.280
Wissenschaft gekommen, eigentlich als jemand, der die

01:04:11.280 --> 01:04:14.600
Elterngeneration, die Kriegsgeneration erforscht hat.

01:04:14.680 --> 01:04:17.240
Und da hat er zum Beispiel auch dieses Konzept des zeitgeschichtlichen

01:04:17.240 --> 01:04:21.080
Erinnernisses, dieses zeitgeschichtliche Gedächtnisses von vier

01:04:21.080 --> 01:04:21.680
Generationen.

01:04:21.680 --> 01:04:24.760
Das wäre so eine Marke, über die man mal nachdenken könnte.

01:04:25.160 --> 01:04:26.700
Was natürlich auch nur eine These wäre.

01:04:27.180 --> 01:04:30.460
Aber diese Verhandlungsprozesse geschehen in mehreren Formen von

01:04:30.460 --> 01:04:34.100
Öffentlichkeit und Kommunikation und Ergebnis dessen ist das Erlernen

01:04:34.100 --> 01:04:34.880
von Mehrheiten.

01:04:35.280 --> 01:04:40.120
Und was ich intuitiv auch und natürlich auch kognitiv fassen kann.

01:04:41.040 --> 01:04:44.640
Und das andere wäre, du hast ja noch was gesagt, haben nicht die

01:04:44.640 --> 01:04:48.880
Klimaleugner in den USA oder auch Klimaskeptiker, haben die nicht

01:04:48.880 --> 01:04:49.740
genau das gemacht?

01:04:50.260 --> 01:04:52.540
Haben die nicht ein Thema genommen, sind sehr engagiert dafür

01:04:52.540 --> 01:04:53.120
eingetreten?

01:04:53.260 --> 01:04:54.960
Haben die nicht also eine Kampagne geführt?

01:04:55.300 --> 01:04:59.440
Wie gesagt, Kampagne finde ich nicht den richtigen Begriff, weil das

01:04:59.440 --> 01:05:01.180
also ganz stark in die PR reingeht.

01:05:01.640 --> 01:05:03.920
Das kennen wir aus der PR, da gibt es entscheidende Unterschiede zum

01:05:03.920 --> 01:05:04.560
Journalismus.

01:05:05.320 --> 01:05:07.600
Wir Journalisten haben und brauchen immer dieses

01:05:07.600 --> 01:05:11.060
Objektivitätsmanagement, dass wir unsere Position, auch wenn sie

01:05:11.060 --> 01:05:15.480
engagiert ist, reflektieren und verhandeln gegenüber unserem Ergebnis,

01:05:15.640 --> 01:05:16.240
dem Beitrag.

01:05:16.240 --> 01:05:19.420
Wir haben also sozusagen einen automatischen Verhandlungsprozess und

01:05:19.420 --> 01:05:24.740
auch sozusagen einen Damm gegen Beeinflussungen.

01:05:24.840 --> 01:05:28.240
Die PR hat es an sich, im Handeln am Schreibtisch, hat es in ihrer

01:05:28.240 --> 01:05:30.360
eigenen Rolle nicht diesen Schutzmechanismus.

01:05:30.580 --> 01:05:33.960
Da geht es ganz gezielt, dieser Durchfluss, den ich vorhin hatte, hat

01:05:33.960 --> 01:05:35.040
nicht dieses Verhandlungsmoment.

01:05:35.140 --> 01:05:38.320
Deshalb ist Kampagne für mich nicht der richtige Begriff, der verliert

01:05:38.320 --> 01:05:40.840
unter anderem, auch wenn er erklärt, was dieser Begriff meint.

01:05:41.700 --> 01:05:47.780
Die haben natürlich grundlegend sozusagen auf der deskriptiven Seite

01:05:47.780 --> 01:05:52.020
oder einfach auf der Seite der Argumentationsanalyse, hast du recht,

01:05:52.540 --> 01:05:56.480
die haben eine Kampagne gemacht, auch eine kluge, rein von der Technik

01:05:56.480 --> 01:05:59.820
her, sie haben also große Wirkung erreicht, haben sich auch bekannt.

01:06:01.100 --> 01:06:04.880
Natürlich ist es aber eben jetzt dann die Frage, da kommen wir eben zu

01:06:04.880 --> 01:06:09.100
einem Urteil, worüber wir diskutieren müssen und nicht an sich, dass

01:06:09.100 --> 01:06:13.040
ich jetzt etwas formuliere, ist sozusagen der mehrheitliche

01:06:13.040 --> 01:06:18.400
Gesellschaftsgewinn, nicht unbedingt meine Position, aber der Streit

01:06:18.400 --> 01:06:23.360
und der Themeneffekt durch den Streit, durch die Konfliktsetzung, den

01:06:23.360 --> 01:06:26.800
meine Position, meine Werthaltung gegenüber einer anderen Werthaltung

01:06:26.800 --> 01:06:30.260
formuliert, der Streit und der Themeneffekt, der daraus hervorgeht,

01:06:30.560 --> 01:06:35.080
das ist das, was gesellschaftlich dann vom Informationsbestand her

01:06:35.080 --> 01:06:37.300
wirkt und zum Lernen beiträgt.

01:06:37.540 --> 01:06:40.820
Deshalb, glaube ich, steckt in der normativen Haltung grundlegend die

01:06:40.820 --> 01:06:42.060
Antwort Streit.

01:06:42.520 --> 01:06:46.820
Zivilisierter Streit, das ist im Prinzip der Auftrag.

01:06:50.420 --> 01:06:51.420
Bitte schön.

01:06:51.800 --> 01:06:53.600
Sie sagten ja vorhin, es ist Balance.

01:06:54.540 --> 01:06:55.840
Wie genau meinten Sie das?

01:06:56.840 --> 01:07:00.500
Ich glaube, es war etwas leise.

01:07:00.780 --> 01:07:02.560
Können Sie es mir etwas lauter machen, bitte?

01:07:04.620 --> 01:07:07.220
Verstehen Sie unter Balance eine Quantität?

01:07:07.980 --> 01:07:14.180
Das klang für mich heute so sehr danach, dass quasi ausbalanciert

01:07:14.180 --> 01:07:21.160
wird, dass eine Balance zwischen Niederhalt und Mehrheit geschaffen

01:07:21.160 --> 01:07:21.440
wird.

01:07:22.640 --> 01:07:26.640
Sie sagten ja, dass es außerhalb dieser Wertes ist, wenn eine

01:07:26.640 --> 01:07:28.760
Niederhaltung viel Aufmerksamkeit bekommt.

01:07:30.480 --> 01:07:39.120
Ich weiß nicht, ist es nicht ausbalanciert, wenn man tatsächlich

01:07:39.120 --> 01:07:41.120
möglichst viele Perspektiven einnimmt?

01:07:42.180 --> 01:07:46.540
Viele Perspektiven einzunehmen sollte das Ziel von Kommunikation sein,

01:07:46.560 --> 01:07:47.700
von Journalismus per se.

01:07:48.180 --> 01:07:51.380
Wenn ich mich nur auf die Umwelt konzentriere und deren Agenda

01:07:51.380 --> 01:07:53.640
verfolge, bin ich schlecht beraten.

01:07:53.740 --> 01:07:55.940
Ich brauche die anderen Perspektiven, ich muss sie kennen, ich muss

01:07:55.940 --> 01:07:57.040
sie auch sichtbar machen.

01:07:57.480 --> 01:08:02.360
Was hier gemeint ist, aus amerikanischen Kollegen heraus, ist etwas

01:08:02.360 --> 01:08:03.960
anderes, als Sie es verstanden haben.

01:08:07.220 --> 01:08:13.400
Die Balance, also die ausgewogene Berichterstattung dieser Habitus,

01:08:13.540 --> 01:08:20.140
dieser Reflex, fast in jedem Fall immer die radikale Minderheit zu

01:08:20.140 --> 01:08:25.060
hören, das Bemühen um Ausgewogenheit, das ist die Balance, führt eben

01:08:25.060 --> 01:08:31.880
dazu zu einer Relevanz, Verzerrung, wenn man jetzt die Scientific

01:08:31.880 --> 01:08:38.920
Community nimmt, und die Mengengrößen von Klimaforschern, die den

01:08:38.920 --> 01:08:46.240
Hamburger Klimawandel grundlegend befürworten, und also Experten, ich

01:08:46.240 --> 01:08:48.660
sage jetzt nicht unbedingt Forscher, weil das sind wenige Gründe, die

01:08:48.660 --> 01:08:53.220
wirklich Forscher sind, es gibt ein paar, und dieser Menge.

01:08:53.500 --> 01:08:55.860
Das ist dann sozusagen die Verzerrung und das ist der Bias.

01:08:56.240 --> 01:09:00.580
Also die Balance ist das Ziel und durch das Verhalten, was dieses Ziel

01:09:00.580 --> 01:09:02.060
verfolgt, entsteht Bias.

01:09:02.440 --> 01:09:03.720
Und die Mehrheit ist aber relevanter?

01:09:04.520 --> 01:09:07.280
Die Mehrheit ist relevanter, eindeutig.

01:09:07.460 --> 01:09:08.880
Das ist die Aussage, die dahinter steckt?

01:09:09.120 --> 01:09:10.400
Das ist die Aussage, die dahinter steckt.

01:09:13.580 --> 01:09:17.080
Also in Bezug auf die Entschleunigung, die Sie angesprochen hatten,

01:09:17.700 --> 01:09:21.220
wie kann man sicherstellen, dass wenn man versucht, eine

01:09:21.220 --> 01:09:24.140
Entschleunigung, die ja auch möglich ist, um jetzt das Pro und Contra

01:09:24.140 --> 01:09:27.800
kennenzulernen, um die Gewichte kennenzulernen, dass es nicht verloren

01:09:27.800 --> 01:09:31.980
geht in dem Moment, wo immer mehr Bedarf nach Liveberichterstattung da

01:09:31.980 --> 01:09:37.920
ist, wo am liebsten der Zuschauer, der Empfänger live dabei wäre in

01:09:37.920 --> 01:09:38.160
dem Moment.

01:09:41.260 --> 01:09:43.200
Da haben Sie mich jetzt erwischt.

01:09:43.980 --> 01:09:45.640
Das ist keine leichte Frage.

01:09:46.120 --> 01:09:48.680
Wie kann ich ein grundlegendes Bedürfnis an Entschleunigung

01:09:48.680 --> 01:09:54.460
herstellen, oder auch dem stattgeben, wenn gleichzeitig Prozesse

01:09:54.460 --> 01:09:57.060
ablaufen, die also Live-Ticker bedeuten.

01:09:57.220 --> 01:09:59.600
Ich spiele online an, bei großen Konferenzen, also

01:09:59.600 --> 01:10:02.880
Liveberichterstattung, die zunehmende Inszenierung.

01:10:03.260 --> 01:10:06.600
Wir hatten heute Morgen im Master, im Labor, du kennst es noch, hatten

01:10:06.600 --> 01:10:11.340
wir eine große Diskussion über Scheinauthentizität von Radiobeiträgen,

01:10:11.400 --> 01:10:14.860
die also Tage alt sind und dann aber trotzdem als aktuell verkauft

01:10:14.860 --> 01:10:15.120
werden.

01:10:15.680 --> 01:10:17.200
Das findet man ja zunehmend auch.

01:10:18.200 --> 01:10:21.580
Also für die ganz konkrete, praktische Ausführung kann ich Ihnen jetzt

01:10:21.580 --> 01:10:22.500
keine Antwort bieten.

01:10:23.080 --> 01:10:29.000
Meine Antwort wäre, keine Scheinauthentizität zulassen, wenn es geht.

01:10:31.620 --> 01:10:35.480
Und natürlich auch überdenken, ob ich diese Live-Ticker überhaupt

01:10:35.480 --> 01:10:39.460
brauche, weil ich anzweifeln würde, ob ich das immer weiter treiben

01:10:39.460 --> 01:10:39.620
muss.

01:10:39.720 --> 01:10:41.620
Da wäre meine Frage, wohin soll es denn überhaupt gehen?

01:10:41.940 --> 01:10:46.060
Also wenn ich jetzt alle Minute einen Live-Ticker habe, brauche ich

01:10:46.060 --> 01:10:49.440
den dann in zwei Jahren alle halbe Minute und muss ich dann, also

01:10:49.440 --> 01:10:52.900
irgendwann stehe ich dann nur noch so da und muss gucken, dass ich

01:10:52.900 --> 01:10:55.200
alle Sekunde, wenn ich spiele online, irgendwas mitkriege oder so.

01:10:55.260 --> 01:10:56.260
Ich weiß nicht, wohin das führt.

01:10:56.260 --> 01:10:59.720
Die Entsteuerung meine ich eher auf so einer praktischen Ebene der

01:10:59.720 --> 01:11:02.280
Reflexion, des sich zurücknehmens, des Nachdenkens.

01:11:02.700 --> 01:11:05.340
Kann für Journalisten heißen, sich gemeinsam auch mal zurückzuziehen,

01:11:05.460 --> 01:11:07.200
stärker über die Rolle nachzudenken.

01:11:07.520 --> 01:11:12.000
Kann heißen, auch Technik der Kontemplation, sozusagen auch der

01:11:12.000 --> 01:11:18.700
Erinnerung und der Visionformulierung auch zu benutzen.

01:11:19.100 --> 01:11:22.500
Denn eines ist auch klar, also Journalismus und Vision zum Beispiel

01:11:22.500 --> 01:11:25.420
sind sehr schwierige Begriffe, die werden selten zusammengebracht.

01:11:25.420 --> 01:11:28.760
Ich denke auf jeden Fall, dass Journalisten eine Vision haben, was sie

01:11:28.760 --> 01:11:31.240
tun wollen, von dem auch die Gesellschaft funktioniert.

01:11:32.680 --> 01:11:34.040
Das war doch eine Frage woanders.

01:11:35.140 --> 01:11:38.840
Ja, vielleicht ist das auch ein Missverständnis, aber wenn der Wert

01:11:38.840 --> 01:11:42.480
durch die Fahndung der Möglichkeit auch vortritt, quasi das Erlernen

01:11:42.480 --> 01:11:47.380
von Mehrheiten wäre, und die Mehrheit auch noch die relevante ist,

01:11:47.440 --> 01:11:50.440
relevanter ist, wie Sie eben gesagt haben, ist es dann nicht so, dass

01:11:50.440 --> 01:11:53.800
man da eine Art Mehrheitsjournalismus herausbringt.

01:11:53.800 --> 01:11:57.380
Im Endeffekt so eine Art Schweigespirale, weil sich an dieser Mehrheit

01:11:57.380 --> 01:11:58.780
gespenstisch identifizieren.

01:11:59.080 --> 01:12:05.460
Naja, das ist ja sozusagen die Antwort auf die Frage, wie sich im

01:12:05.460 --> 01:12:07.640
Prozess ein Wert herstellt.

01:12:07.980 --> 01:12:13.160
Die Antwort ist ja nicht so zu verstehen, dass dieser Wert dann allein

01:12:13.160 --> 01:12:16.740
Gültigkeit hat, sondern die Antwort lag ja sozusagen, diese

01:12:16.740 --> 01:12:21.280
grundlegende Dissonanz zwischen einem Wert und dem anderen Wert, sich

01:12:21.280 --> 01:12:26.920
widersprechen Werten und dem Wert des Diskutierens und des Streits in

01:12:26.920 --> 01:12:28.580
der verschiedenen Positionen.

01:12:28.620 --> 01:12:32.900
Das ist das, was eben mit umfassender Berichterstattung als Auftrag

01:12:32.900 --> 01:12:37.160
von Journalisten auch gemeint ist, dass natürlich, und das sehen Sie

01:12:37.160 --> 01:12:42.460
auch, das funktioniert, sobald eine Sache groß ist, gerade auch in

01:12:42.460 --> 01:12:46.660
Anführungszeichen Themen, denen viele Medien zustimmen, wird es

01:12:46.660 --> 01:12:49.400
schnell wieder heruntergeschrieben und es wird schnell auch dahinter

01:12:49.400 --> 01:12:49.820
geguckt.

01:12:49.820 --> 01:12:53.140
Also das funktioniert bei uns zumindest, würde ich jetzt sagen, ganz

01:12:53.140 --> 01:12:56.100
gut, dass wir also immer wieder auch da verschiedene Perspektiven auf

01:12:56.100 --> 01:12:56.900
eine Sache einlegen.

01:12:57.320 --> 01:13:00.220
Aber der mehrheitliche Wert setzt sich durch, aber natürlich ist es

01:13:00.220 --> 01:13:02.840
die wichtige Aufgabe von Journalisten jetzt entsprechend, die Dinge

01:13:02.840 --> 01:13:05.920
auch immer, wir brauchen grundlegend kritisches Denken infrage zu

01:13:05.920 --> 01:13:06.160
stellen.

01:13:06.840 --> 01:13:10.080
Auch einen Wert wie nachhaltige Entwicklung müssen wir infrage

01:13:10.080 --> 01:13:10.420
stellen.

01:13:10.940 --> 01:13:12.120
Wir müssen mit ihm diskutieren.

01:13:12.660 --> 01:13:14.240
Wir brauchen dazu kritische Stimmen.

01:13:14.620 --> 01:13:17.800
Wir müssen auch Stimmen natürlich kennen und zulassen, die sagen, wo

01:13:17.800 --> 01:13:21.560
wollten da hin, was soll das Ganze, Energiewende, muss das sein?

01:13:21.900 --> 01:13:24.500
Also wenn wir die Stimmen verlieren, dann wird es langweilig.

01:13:31.240 --> 01:13:34.220
Ich glaube, dass man eben der Mehrheit auch deswegen so viele

01:13:34.220 --> 01:13:36.440
Aufmerksamkeit bekommt, weil man halt wissen möchte, was so für eine

01:13:36.440 --> 01:13:37.940
Meinungsspiele in der Gesellschaft ist.

01:13:38.520 --> 01:13:43.640
Also das ist ja schon ganz wichtig zu wissen, wie gerade so die Leute

01:13:43.640 --> 01:13:44.200
dazu stehen.

01:13:45.880 --> 01:13:49.860
Und wenn dadurch tatsächlich dann, auch dadurch, dass in diesem Thema

01:13:49.860 --> 01:13:53.400
mehr Aufmerksamkeit gestehen wird, dass dann auch dadurch mehr Raum

01:13:53.400 --> 01:13:57.340
für Kritik oder Opposition ist, dann ist es ja gut so.

01:13:58.000 --> 01:14:01.780
Was ich vorhin so ein bisschen kritisch fand, ist eigentlich, dass das

01:14:01.780 --> 01:14:03.140
Klanggebiet auch eine Motivation ist.

01:14:03.480 --> 01:14:05.900
Wenn tatsächlich nur die Mehrheit gehalten wird, auch von Kritikern

01:14:05.900 --> 01:14:06.220
vielleicht.

01:14:06.460 --> 01:14:10.160
Also das ist keineswegs aus meiner Sicht jetzt hier so zu verstehen,

01:14:10.260 --> 01:14:12.000
dass die Mehrheit per se recht hat oder so.

01:14:12.100 --> 01:14:12.580
Keineswegs.

01:14:14.360 --> 01:14:16.960
Mehrheitsbildung ist sozusagen ein Prozess für Erkenntnisgewinn.

01:14:16.960 --> 01:14:20.640
Danach findet dann die Diskussion statt, welche gesellschaftlichen

01:14:20.640 --> 01:14:23.340
Entscheidungen jetzt dann stattfinden, was Politik auswählt.

01:14:23.700 --> 01:14:26.280
Und da möchte ich gerne den Begriff der Relevanz nochmal einbringen.

01:14:26.700 --> 01:14:28.340
Relevanz muss auch verhandelt werden.

01:14:28.740 --> 01:14:33.520
Aber nachhaltige Entwicklung oder auch Datenschutz hat mehr Relevanz

01:14:33.520 --> 01:14:34.160
als Handball.

01:14:35.220 --> 01:14:38.020
Handball ist eine wunderbare Sportart, auch meinetwegen Fußball.

01:14:38.740 --> 01:14:41.720
Aber wenn wir über Relevanz sprechen, dann müssen wir dann anfangen,

01:14:41.780 --> 01:14:46.360
inhaltlich zu argumentieren, über Betroffenheit im Alltag zu reden.

01:14:46.360 --> 01:14:47.960
Dann haben wir eben viele Themen.

01:14:48.320 --> 01:14:49.820
Das sind oft sehr komplexe Themen.

01:14:50.020 --> 01:14:54.180
Klimawandel, Nachhaltigkeit, Datenschutz, Bürgerrechte, Arbeitswelt

01:14:54.180 --> 01:14:54.720
und so weiter.

01:14:55.060 --> 01:14:59.900
Komplexe Themen, die von ihrer Relevanz her stark sind, weil sie uns

01:14:59.900 --> 01:15:02.160
im Alltag faktisch alle betreffen.

01:15:02.860 --> 01:15:05.360
Auch unsere Gesundheit, unsere Finanzsysteme.

01:15:07.220 --> 01:15:10.440
Und gemessen an dieser Relevanz, die man auch darstellen kann,

01:15:12.240 --> 01:15:14.500
deutlich zu wenig abgebildet werden.

01:15:14.500 --> 01:15:16.020
Was verschiedenste Gründe hat.

01:15:16.520 --> 01:15:20.700
Es gibt durchaus einige Themen, die in der Relevanz, und die Relevanz

01:15:20.700 --> 01:15:25.260
ist eine eigene Kategorie, die gemessen an der mehrheitlichen

01:15:25.260 --> 01:15:31.240
Kommunikation, Veröffentlichung, Öffentlichkeit, relativ klein

01:15:31.240 --> 01:15:31.800
gehalten sind.

01:15:31.960 --> 01:15:38.140
Dann gibt es Themen, die wenig Relevanz haben, aus einer Sicht im

01:15:38.140 --> 01:15:40.340
Bereich Gesellschaft, Gesellschaftswissenschaften.

01:15:40.640 --> 01:15:43.280
Natürlich ist Fußball auch furchtbar relevant für den Einzelnen.

01:15:43.280 --> 01:15:46.440
Aber das ist der Unterschied zwischen Individual- und Kollektivethik,

01:15:46.980 --> 01:15:48.160
dem wir dann auch verhandeln müssen.

01:15:48.420 --> 01:15:51.480
Dass wir uns oft auf so eine Individualethik bewegen und das dann

01:15:51.480 --> 01:15:56.580
vergleichen und dann zu so einer These kommen, jedem ist das Seine gut

01:15:56.580 --> 01:15:56.980
genug.

01:15:57.460 --> 01:15:59.300
Und das ist natürlich auch richtig, sonst würden wir auch unseren

01:15:59.300 --> 01:16:00.320
Liberalismus verlassen.

01:16:00.760 --> 01:16:03.680
Aber ein Stück weit ist diese Spannungsfeld, individuelle und

01:16:03.680 --> 01:16:07.400
kollektive Perspektiven, auch nochmal mehr Streit werden.

01:16:08.040 --> 01:16:10.900
Ich plättere einfach für ein bisschen mehr Kollektivenansatz.

01:16:11.720 --> 01:16:12.900
Glauben Sie das?

01:16:14.260 --> 01:16:16.420
Wir haben eine Rednerliste.

01:16:16.480 --> 01:16:16.900
Entschuldigung.

01:16:17.920 --> 01:16:19.260
Wir brauchen eine Ausgabe.

01:16:20.720 --> 01:16:22.160
Und dann sind Sie noch dran.

01:16:23.700 --> 01:16:30.260
Meine Frage sticht genau daran an, dass gerade spätestens in diesem

01:16:30.260 --> 01:16:36.560
Bereich der theoretischen Konstruktion der wirtschaftliche Aspekt,

01:16:36.640 --> 01:16:41.780
wenn wir jetzt gerade einen Fußball-Weltmeister haben, dann spielt ja

01:16:41.780 --> 01:16:45.820
gerade der Fußball doch eine sehr größere Relevanz, weil das etwas

01:16:45.820 --> 01:16:50.900
ist, was dann auch Auflagen macht, was dann auch für die einzelnen

01:16:50.900 --> 01:16:53.800
Medien einen wirtschaftlichen Faktor darstellt.

01:16:54.200 --> 01:16:58.100
Das heißt, andere Themen, wie beispielsweise die Kraft-Ukraine-Krise

01:16:58.100 --> 01:17:02.360
oder die NSL-Affäre, die haben erstmal zurückgefahren, sind natürlich

01:17:02.360 --> 01:17:07.580
gesellschaftlich weiter relevant, aber haben einen Anteil an Relevanz

01:17:07.580 --> 01:17:09.740
nicht in der Betrachtung der Richterstattung.

01:17:11.420 --> 01:17:14.260
Also diese Frage geht, denke ich, hervor, dass der Begriff der

01:17:14.260 --> 01:17:18.600
Relevanz verortet werden muss zu einer enormen Debatte.

01:17:18.860 --> 01:17:22.960
Also ich kann natürlich unternehmerische Relevanz als Begriff nehmen

01:17:22.960 --> 01:17:26.140
und als Ziel verfolgen, dann habe ich im Journalismus eine ganz andere

01:17:26.140 --> 01:17:29.820
Themensetzung, wenn ich sozusagen auf das Geldverdienende schauke, auf

01:17:29.820 --> 01:17:33.900
das funktionierende Medium, wiederum anders, als wenn ich nur auf das

01:17:33.900 --> 01:17:37.540
Individuum schaue, den Redakteur, der vielleicht gerne Vortragen oder

01:17:37.540 --> 01:17:39.980
andere Dinge relevant hätte, mehr im Blatt.

01:17:40.440 --> 01:17:44.600
Oder ich gehe eben in ein Stück weit eine gesellschaftspolitische

01:17:44.600 --> 01:17:49.120
Perspektive rein, mit so einer kollektiven Ethik begleitet und sage,

01:17:49.200 --> 01:17:53.920
was ist relevant für uns als Gesamtgesellschaft, was sind Dinge, die

01:17:53.920 --> 01:17:57.260
uns verändern, die uns betreffen, die auch die zukünftigen

01:17:57.260 --> 01:18:01.760
Generationen betreffen und dann bestätige ich natürlich verschiedene

01:18:01.760 --> 01:18:06.100
Relevanzinterpretationen gegenüber, das ist ganz klar.

01:18:06.560 --> 01:18:09.280
Und dann muss ich natürlich mich irgendwo auch entscheiden, nach einer

01:18:09.280 --> 01:18:13.300
Verhandlung, nach einer Diskussion, nach einem Streit, wahrscheinlich

01:18:13.300 --> 01:18:16.440
auch, Streit ist bei mir nicht immer so mit Karren gemeint, das ist

01:18:16.440 --> 01:18:19.500
eher so konstruktiver Austausch.

01:18:19.840 --> 01:18:21.760
Und dann ist es eben die Frage, wo verorte ich mich da?

01:18:21.880 --> 01:18:24.000
Und das ist eben ein Stück weit, dass ich denke, wir sprechen einfach

01:18:24.000 --> 01:18:27.720
auch sehr viel über Individualethik, in diesen neuen Perspektiven und

01:18:27.720 --> 01:18:31.900
führen das nicht über vielleicht eine etwas größere Frage, wohin

01:18:31.900 --> 01:18:33.300
wollen wir als Gesellschaft?

01:18:33.700 --> 01:18:35.120
Diese Frage geht uns alle an.

01:18:35.280 --> 01:18:36.320
Darin steckt Relevanz.

01:18:36.840 --> 01:18:40.040
Und wenn ich daran ins Fußball eindenke, hat es eine andere Stelle

01:18:40.040 --> 01:18:44.160
mehr für mich, ich glaube für uns alle auch, als Datenschutz oder eben

01:18:44.160 --> 01:18:49.240
den Klimawandel oder meinetwegen auch Toleranz, Integration nebenbei.

01:18:49.840 --> 01:18:52.200
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk, das gibt es ja von einer Folie

01:18:52.200 --> 01:18:55.680
noch zu kurz dargestellt, wir haben gerade die Themenwoche Toleranz

01:18:55.680 --> 01:18:59.840
der ARD, letztes Jahr gab es die Themenwoche Nachhaltigkeit, ARTE,

01:19:00.340 --> 01:19:03.620
enormes Wirtschaftsmagazin im O-Jahr, wir haben viele Medien, die im

01:19:03.620 --> 01:19:06.240
letzten Jahr entstanden sind oder eben solche Formate jetzt

01:19:06.240 --> 01:19:10.240
entwickeln, auch RTL, ProSieben und Sat.1 hatte eine Themenwoche

01:19:10.240 --> 01:19:14.920
Nachhaltigkeit, die also ganz klar diesen Auftrag punktuell erkennen

01:19:14.920 --> 01:19:20.440
oder als Medium selbst formulieren, die CO2 im O-Jahr, die enorm, auch

01:19:20.440 --> 01:19:23.280
Vivo Green von der Wirtschaftswoche, ein eher liberal-konservatives

01:19:23.280 --> 01:19:27.340
Medium, forciert dieses Thema Nachhaltigkeit aus einer ökonomischen

01:19:27.340 --> 01:19:29.560
Herausforderung, aber auch mit einer Haltung.

01:19:30.580 --> 01:19:35.200
Also das sind im Prinzip Beispiele von Reaktionen auf so eine

01:19:35.200 --> 01:19:38.480
engagierte, wertgebundene Haltung, die wir jetzt hier sehen.

01:19:39.760 --> 01:19:43.720
Okay, wir haben noch zwei Fragen, kurze Fragen, relativ kurze

01:19:43.720 --> 01:19:44.240
Antworten.

01:19:45.620 --> 01:19:47.640
Ich versuche, mich kurz zu befassen.

01:19:48.620 --> 01:19:51.680
Mir geht es speziell darum, den Anspruch der Entschleunigung in

01:19:51.680 --> 01:19:57.360
Zusammenhängen für Journalisten als schwierig zu betrachten, wenn sich

01:19:57.360 --> 01:20:01.000
schon schnell Öffentlichkeiten und Gegenöffentlichkeiten vermittelt,

01:20:01.500 --> 01:20:03.420
neue Massenmedien selbst bilden können.

01:20:03.840 --> 01:20:06.300
Und ich habe da ganz speziell den Fall Brüder.

01:20:06.700 --> 01:20:08.460
Elisabeth Brüder hat da so zu tun, dass sie das Thema der

01:20:08.460 --> 01:20:11.960
Medienkontrolle, egal, falls der Irgendwas sagt, nicht.

01:20:12.900 --> 01:20:16.540
Da geht es um sozialpädagogische und sexualpädagogische

01:20:16.540 --> 01:20:20.060
Veröffentlichungen, die nochmal quasi...

01:20:20.060 --> 01:20:21.060
Schützsorge und so weiter.

01:20:21.940 --> 01:20:23.900
Doch, habe ich gerade vorgesehen im Radio, was du da gehört hast.

01:20:23.940 --> 01:20:24.520
Ich kenne es ja.

01:20:25.020 --> 01:20:25.640
Aber nur durch Zufall.

01:20:25.780 --> 01:20:29.160
Elisabeth Brüder als Professorin aus Kassel, die sich dann sehr

01:20:29.160 --> 01:20:33.540
schnell aus der Diskussion zurückgezogen hat und damit die Quelle für

01:20:33.540 --> 01:20:38.860
kritische Journalisten, die das gerne verstehen wollen, weg war.

01:20:39.240 --> 01:20:42.040
Und die hat sich jetzt vor ein paar Wochen wieder gemeldet.

01:20:42.060 --> 01:20:43.140
Nach einem halben Jahr.

01:20:43.540 --> 01:20:46.780
Sodass Entschleunigung zwar wichtig ist, um sich eine Meinung zu

01:20:46.780 --> 01:20:50.100
bilden und zu entscheiden, was wird berichtet.

01:20:50.600 --> 01:20:54.440
Aber wenn die Quellenwechsel und nur noch die Gegenöffentlichkeit da

01:20:54.440 --> 01:20:59.180
ist, die sagt, wie schlimm das ist, was da quasi die Sichtweise gegen

01:20:59.180 --> 01:21:03.980
diese Wissenschaftlerin vorhanden ist als Quelle.

01:21:04.220 --> 01:21:06.120
Was macht solche Journalisten dann noch?

01:21:07.240 --> 01:21:12.080
Heißt es, ich verstehe es nur so zur Hälfte, heißt es also, dass Sie

01:21:12.080 --> 01:21:15.540
mit dem Rückzug dieser Protagonistin Entschleunigung meinen?

01:21:15.940 --> 01:21:17.340
Das ist ja dann die Entschleunigung.

01:21:17.600 --> 01:21:20.460
Also dann kommen Journalisten zu spät, wenn sie nicht mehr auf diese

01:21:20.460 --> 01:21:21.720
Quelle zurückgreifen können.

01:21:21.720 --> 01:21:26.600
Weil die Öffentlichkeit, die gesagt hat, die sich so massiv gegen sie

01:21:26.600 --> 01:21:29.800
gemeldet hat, dafür gesorgt hat, dass sie sich zurückzieht, anstatt

01:21:29.800 --> 01:21:30.600
sich zu stellen.

01:21:30.720 --> 01:21:32.300
Das ist im Prinzip ein Quellenverlust.

01:21:32.420 --> 01:21:34.780
Ich würde das jetzt mit Entschleunigung nicht direkt in Verbindung

01:21:34.780 --> 01:21:35.100
bringen.

01:21:35.400 --> 01:21:37.360
Das ist natürlich eine Verlangsamung, ich kann nicht mal so schnell

01:21:37.360 --> 01:21:38.760
berichten, wenn das gemeint ist.

01:21:40.800 --> 01:21:44.460
Aber für mich steckt da auch ein bisschen die Frage drin, wie zieht

01:21:44.460 --> 01:21:46.420
man sich als Wissenschaftler, das wäre jetzt eine Frage auch

01:21:46.420 --> 01:21:49.200
vielleicht für hier, wie zieht man sich als Wissenschaftler aus

01:21:49.200 --> 01:21:52.120
solchen sehr hektischen, sehr schnellen, sehr emotionalen

01:21:52.120 --> 01:21:55.900
Diskussionen, Shitstorms und so weiter, Umgang mit Trollen und so

01:21:55.900 --> 01:21:58.020
weiter, wie zieht man sich da zurück, wie verhält man sich überhaupt?

01:21:58.820 --> 01:22:02.760
Und kann man sich da so eine Blockadehaltung leisten oder nicht?

01:22:03.780 --> 01:22:06.840
Das wäre so die Frage, wo man aus der Perspektive des Wissenschaftlers

01:22:06.840 --> 01:22:07.520
diskutieren müsste.

01:22:07.920 --> 01:22:11.560
Journalisten müssen sich in ihrer Rolle natürlich fragen, wie gehe ich

01:22:11.560 --> 01:22:12.520
mit sowas um?

01:22:12.520 --> 01:22:15.720
Wobei natürlich dort viel auch sozusagen aus sozialen Medien jetzt

01:22:15.720 --> 01:22:17.200
nicht von Journalisten kommt oder kann.

01:22:17.360 --> 01:22:19.420
Ich bin mir klar, das Wort Medien hat wirklich keine Bedeutung.

01:22:19.740 --> 01:22:21.020
Nichts mit Journalisten im Ersten.

01:22:26.060 --> 01:22:30.340
Das ist ein Thema, das uns auch intensiv bewegt.

01:22:30.420 --> 01:22:31.580
Ich darf noch eine Wortmeldung.

01:22:32.040 --> 01:22:33.400
Hat sich erledigt.

01:22:34.240 --> 01:22:34.940
Zu spät?

01:22:35.160 --> 01:22:38.160
Oder schade, nachdem es ganz näh ist.

01:22:38.440 --> 01:22:39.420
Das war die Frage.

01:22:39.560 --> 01:22:40.340
Ja, das war die Frage.

01:22:40.340 --> 01:22:41.380
Vielen Dank.

