WEBVTT

00:00.000 --> 00:02.600
Nicht immer sind Trost oder Ratschläge angebracht.

00:03.460 --> 00:06.540
Manchmal ist es einfach, das Verständnis füreinander, das zählt.

00:07.760 --> 00:10.780
Von seinem Kind Abschied nehmen zu müssen, ist sicher nicht leicht und

00:10.780 --> 00:13.680
sicher eines der schwersten Ereignisse, das Eltern ertragen müssen.

00:14.860 --> 00:18.360
Der Kinderhospizdienst Karlsruhe ist eine Möglichkeit, es Eltern und

00:18.360 --> 00:21.980
Kindern einfacher zu machen, mit dieser Trauer umzugehen und die

00:21.980 --> 00:24.280
letzte Zeit im schönen Miteinander zu verbringen.

00:25.280 --> 00:29.380
Rund 53 ehrenamtliche Mitarbeiter arbeiten im Kinderhospizdienst.

00:30.020 --> 00:33.180
Im vergangenen Jahr haben sie 34 Familien unterstützt.

00:33.840 --> 00:36.960
Die Arbeit der ambulanten Hilfsdienste wird dringend gebraucht.

00:37.960 --> 00:41.800
Etwa 40.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland sind heute so schwer

00:41.800 --> 00:45.360
krank, dass sie, durch das Krankheitsbild bedingt, das

00:45.360 --> 00:47.980
Erwachsenenalter voraussichtlich nicht erreichen.

00:49.020 --> 00:52.480
Die Mitarbeiter besuchen die kranken Kinder zu Hause, spielen und

00:52.480 --> 00:54.960
reden mit ihnen auch über den Tod.

00:56.060 --> 01:00.140
Wie der Alltag der Kinder aussieht und wie sie über den Tod denken und

01:00.140 --> 01:04.020
wie sie selbst mit der Trauer umgeht, das hat Flora Assayer, die

01:04.020 --> 01:07.640
Leiterin des Kinderhospizdienstes, Radio-KIT-Reporterin Jennifer

01:07.640 --> 01:09.300
Watzsächer im Interview erzählt.

01:09.800 --> 01:13.140
Wie sieht denn so ein Tagesablauf für die Kinder in der Regel aus?

01:13.560 --> 01:15.120
Das ist ganz unterschiedlich.

01:15.300 --> 01:20.060
Das hat natürlich was mit der aktuellen gesundheitlichen Situation der

01:20.060 --> 01:21.020
Kinder zu tun.

01:21.020 --> 01:24.260
Da muss man auch einfach sehen, dass wir Kinder mit ganz

01:24.260 --> 01:26.700
unterschiedlichen Krankheitsbildern begleiten.

01:27.040 --> 01:31.180
Gar nicht, wie man in erster Linie meint, Kinder mit schweren

01:31.180 --> 01:32.180
Krebserkrankungen.

01:32.300 --> 01:37.300
Also auch die begleiten wir, aber diese Krankheitsbilder sind bei uns

01:37.300 --> 01:38.260
in der Nähe.

01:38.760 --> 01:43.240
Wir begleiten in erster Linie Kinder, die entweder durch einen

01:43.240 --> 01:47.480
Sauerstoffmangel unter der Geburt schwerste Behinderungen haben oder

01:47.480 --> 01:52.540
auch genetische Grunderkrankungen haben, Stoffwechselerkrankungen

01:52.540 --> 01:57.860
haben, also sozusagen oft körperlich und geistig eine Behinderung

01:57.860 --> 02:02.160
aufweisen, weil man davon ausgehen muss, dass es Krankheitsverläufe

02:02.160 --> 02:06.900
über lange Zeiträume sind, die den Kindern und den Familien dann aber

02:06.900 --> 02:10.180
trotzdem ermöglichen, dass sie sozusagen in Anführungszeichen auch ein

02:10.180 --> 02:11.500
normales Leben führen.

02:11.500 --> 02:17.980
Das heißt, die Kinder gehen auch in Schulkindergärten, gehen in

02:17.980 --> 02:21.380
Schulen speziell für Kinder mit schwerer Behinderung.

02:21.520 --> 02:26.680
Also die haben da auch ihre ganz klare Einbindung in ein schulisches

02:26.680 --> 02:27.380
System.

02:33.380 --> 02:36.280
Das ist sehr unterschiedlich.

02:36.280 --> 02:41.460
Also es gibt immer wieder Situationen, also wenn ich aktuell einen

02:41.460 --> 02:46.280
Hausbesuch gemacht habe und die Situation der Familie vor Ort

02:46.280 --> 02:49.840
kennengelernt habe, dann kann es schon sein, dass es auch etwas ist,

02:49.900 --> 02:54.220
was mich dann auch noch verfolgt, wenn ich sozusagen hier die Tür

02:54.220 --> 03:00.520
meines Büros geschlossen habe und in meine private Zeit gehe.

03:00.520 --> 03:03.480
In der Regel ist es aber so, dass wir, die wir in der

03:03.480 --> 03:09.600
Kinderhospizarbeit tätig sind, eins gut können müssen, also uns gut

03:09.600 --> 03:15.240
einzubringen und intensiv einzubringen, wenn es dran ist.

03:15.360 --> 03:19.700
Also wenn wir Kontakt zu der Familie haben, zu den Kindern haben, aber

03:19.700 --> 03:22.900
dann auch wieder ganz bewusst den Schritt gehen zu können und zu

03:22.900 --> 03:26.660
sagen, ich gehe jetzt auch in meinen ganz persönlichen Bereich zurück

03:26.660 --> 03:31.040
und ich mache im übertragenen Sinne auch wirklich bis morgen die Tür

03:31.040 --> 03:31.900
auch wieder zu.

03:32.780 --> 03:35.860
Also das ist eine Fähigkeit, die auch Menschen, die bei uns

03:35.860 --> 03:39.920
ehrenamtlich mitarbeiten, und es sind ja fast 50, über die die

03:39.920 --> 03:45.780
verfügen müssen, über diese Fähigkeit, sozusagen ihre eigene

03:45.780 --> 03:51.080
Geschichte, ihre eigene Alltagsgeschichte von der zu trennen, in der

03:51.080 --> 03:53.180
sie sich hilfreich einbringen wollen.

03:53.180 --> 03:56.880
Also wenn man das nicht schafft, das eine vom anderen zu trennen, dann

03:56.880 --> 04:00.820
kann man den Familien nicht wirklich ein Unterstützungsangebot machen.

04:03.120 --> 04:06.000
Ja, es ist schwierig.

04:06.300 --> 04:09.480
Ich würde sagen, auch das ist wieder eine Altersfrage.

04:09.820 --> 04:15.340
Also für Jugendliche ist es eine absolut verheerende Diagnose.

04:15.520 --> 04:19.580
Wenn die kommt, dann haben Jugendliche große Probleme, sich damit

04:19.580 --> 04:21.060
auseinanderzusetzen.

04:21.060 --> 04:26.220
Es kommen ganz viele Themen wie Wut, wie Trauer, wie Verzweiflung,

04:26.880 --> 04:27.280
natürlich.

04:27.540 --> 04:31.000
Bei jüngeren Kindern ist es anders, darüber haben wir vorhin auch

04:31.000 --> 04:31.800
schon gesprochen.

04:32.160 --> 04:35.880
Zum Thema Trost möchte ich einfach nochmal sagen, dass man diesen

04:35.880 --> 04:40.120
Begriff sehr differenziert handhaben sollte.

04:40.480 --> 04:45.860
Also wenn Eltern das Gefühl haben, dass sie gut verstanden werden von

04:45.860 --> 04:50.040
ihrem Gegenüber, also von dem Ehrenamtlichen, von der Ehrenamtlichen,

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die sich fest in die Familie einbindet, regelmäßig und zuverlässig in

04:54.680 --> 04:58.740
der Regel einmal pro Woche in die Familie kommt, dann kann es in der

04:58.740 --> 05:01.420
Auswirkung tröstlich sein.

05:01.600 --> 05:09.120
Da ist ein Mensch, der sich versucht, in mich hineinzuversetzen, der

05:09.120 --> 05:13.500
eine Wahrnehmung dafür hat, wann ich das Bedürfnis habe, über meine

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Sorgen zu sprechen, über meine Ängste zu sprechen, der dann auch

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darauf eingeht, vorsichtig nachfragt.

05:22.200 --> 05:25.760
Sowas kann durchaus als tröstlich erlebt werden.

05:26.460 --> 05:31.400
Trost darf nie so gemeint sein, dass man sozusagen aus der Sicht eines

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Menschen, der meint zu wissen, wie man mit einer schwierigen

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Lebenssituation umgeht, eine bestimmte Fragestellung relativiert oder

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herunterspielt.

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Sowas ist eher eine große Kränkung für Eltern, wenn die das Gefühl

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haben, da bindet sich jetzt jemand mit einem Rad ein oder sowas.

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Also sowas ist völlig kontraproduktiv.

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Trösten kann man, indem man dem Anderen sagt, ich habe dich im Blick

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mit deinen Bedingungen, mit deinen Fragestellungen, mit deinem

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Unglück, aber auch mit dem Gelingenen, was in der Familie ja auch

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immer noch eine große Rolle spielt.

