WEBVTT

00:06.620 --> 00:12.820
Guten Nachmittag, wie ich Frau Robertson-De Trotta schon angekündigt

00:12.820 --> 00:17.020
habe, bin ich angefragt worden, um Ihnen heute was zu Megastädten zu

00:17.020 --> 00:17.580
erzählen.

00:18.000 --> 00:20.660
Das möchte ich sehr gerne tun, weil mein spezieller

00:20.660 --> 00:23.840
Forschungsschwerpunkt am Helmholtz Zentrum für Umweltforschung auch

00:23.840 --> 00:25.540
schon sehr lange auf Megastädten liegt.

00:26.320 --> 00:30.280
Ich werde dabei jetzt auch nochmal ein anderes Fenster öffnen.

00:30.280 --> 00:33.980
Wir haben uns bis jetzt sehr stark mit den sozialen Fragen in der

00:33.980 --> 00:34.900
Stadt beschäftigt.

00:35.640 --> 00:38.960
Da ich im Helmholtz Zentrum für Umweltforschung arbeite, ist unser

00:38.960 --> 00:43.520
Hauptschwerpunkt die Umwelt, die ökologische Umwelt, die ganz klar

00:43.520 --> 00:46.060
natürlich verknüpft ist mit den sozialen Fragen.

00:46.220 --> 00:50.200
Das heißt, ich werde heute ein bisschen was Allgemeines zu Megastädten

00:50.200 --> 00:55.120
erzählen, aber eben auch den Zusammenhang zum Klimawandel herstellen,

00:55.240 --> 00:59.500
über Risiken und Chancen von Megastädten im Zusammenhang mit dem

00:59.500 --> 01:02.940
Klimawandel sprechen und Ihnen dabei ein bisschen was zeigen, was wir

01:02.940 --> 01:05.200
in eigener Forschung in Lateinamerika gemacht haben.

01:05.440 --> 01:08.640
Also auch da versuche ich anzuknüpfen an die kleine Lücke, die

01:08.640 --> 01:12.820
aufgetaucht ist, also Ihnen auch was aus Lateinamerika erzählen und

01:12.820 --> 01:15.140
ein paar Fallbeispiele benennen.

01:16.000 --> 01:18.740
Fangen wir an mit einer kurzen Übersicht.

01:19.340 --> 01:23.300
Megastädte, wir sprechen oft von verschiedenen Dingen oder man kann

01:23.300 --> 01:25.860
von verschiedenen Dingen sprechen, weil Megastädte werden

01:25.860 --> 01:26.920
unterschiedlich definiert.

01:27.320 --> 01:29.840
Manche sprechen von ihnen, wenn sie 5 Millionen Einwohner haben,

01:29.960 --> 01:32.720
andere sagen, sie fangen erst an, wenn sie 10 Millionen haben.

01:34.020 --> 01:36.940
Heute haben wir schon Megastädte, die über 20 Millionen haben.

01:37.480 --> 01:40.440
Aber das hier ist ein Überblick über eine Karte, die zeigt, wo die

01:40.440 --> 01:43.060
Megastädten im Jahr 2010 lagen.

01:43.580 --> 01:46.400
Und im Hintergrund sehen Sie in Grausch raffiert die unterschiedlichen

01:46.400 --> 01:47.800
Urbanisierungsraten.

01:47.880 --> 01:51.640
Das zeigt, dass unsere Welt grundsätzlich urbanisiert ist, das wissen

01:51.640 --> 01:54.660
wir alle, mit mehr als 50 Prozent der Menschen, die in Städten leben.

01:55.160 --> 01:57.520
Aber Sie sehen auch, dass das regional sehr unterschiedlich verteilt

01:57.520 --> 01:57.900
ist.

01:58.420 --> 02:01.560
Zum Beispiel haben wir in Afrika noch viele helle Flecken, wo die

02:01.560 --> 02:04.120
Urbanisierung noch gar nicht so weit fortgeschritten ist.

02:04.220 --> 02:05.880
Aber wir haben dort auch schon Megastädte.

02:06.780 --> 02:09.920
Und was ja gestern auch schon angeklungen ist, wir haben in

02:09.920 --> 02:16.460
Nordamerika und in Südamerika und in Europa hoch urbanisierte Räume.

02:16.460 --> 02:23.820
Und ein kurzer Blick auf diese Tabelle zeigt, dass wir in der jeweils

02:23.820 --> 02:28.320
linken Spalte, sehen Sie Städte mit 10 Millionen Menschen und mehr.

02:28.740 --> 02:31.860
Dann nehmen in der zweiten Spalte 5 bis 10 Millionen Menschen.

02:32.240 --> 02:37.280
Und ich würde vor allem auf die ersten beiden Grafiken einmal das

02:37.280 --> 02:40.220
Augenmerk liefern, wo wir sehen Afrika und an zweiter Stelle Asien.

02:40.500 --> 02:41.640
Hier spielt momentan die Musik.

02:41.840 --> 02:45.660
Also es ist gerade in diesen Kontinenten, wo es teilweise noch gar

02:45.660 --> 02:48.240
nicht so urbanisiert ist, aber hier wird es rasant weitergehen.

02:48.480 --> 02:51.540
Also gerade auch in Afrika werden die Megastädte immer weiter

02:51.540 --> 02:52.920
ansteigen in den nächsten Jahren.

02:53.020 --> 02:56.960
Wenn wir bis 2030 gucken, werden wir schon sechs Megastädte haben, von

02:56.960 --> 02:57.860
heute drei auf sechs.

02:58.020 --> 03:01.620
Und auch die mittelgroßen Megastädte werden doch deutlich anwachsen.

03:02.280 --> 03:05.340
Und über Asien denke ich, brauchen wir gar nicht groß zu sprechen,

03:05.440 --> 03:07.380
dass es da ganz rasant zugeht.

03:07.460 --> 03:10.900
Das wissen wir alle, dass dort die Städte wachsen, wie wir es

03:10.900 --> 03:12.500
eigentlich von nirgendwo anders kennen.

03:13.640 --> 03:16.320
Warum sind Megastädte Risikoräume?

03:16.440 --> 03:20.660
Risikoräume sind sie einerseits, weil wir ganz stark mit zum Beispiel

03:20.660 --> 03:25.380
Einzelereignissen wie Stürmen, Überflutungen, auch Erdbeben zu rechnen

03:25.380 --> 03:25.660
haben.

03:26.200 --> 03:27.800
Die treten in diesen Megastädten auf.

03:27.900 --> 03:31.420
Und das Problem ist eben, dass dort immens viele Menschen auf einmal

03:31.420 --> 03:32.120
betroffen sind.

03:32.620 --> 03:35.740
Deswegen ist es ein Risiko, was ganz wichtig zu benennen ist.

03:35.860 --> 03:39.940
Ein weiteres Risiko sind schleichende Veränderungen, wie zum Beispiel

03:39.940 --> 03:41.620
Wasserverschmutzung, Luftverschmutzung.

03:41.620 --> 03:44.980
Das ist etwas, was sich nicht in einem Einzelereignis ankündigt,

03:45.040 --> 03:48.400
sondern sich über die ganze Zeit entwickelt und immer gravierendere

03:48.400 --> 03:50.000
Ausmaße annehmen kann.

03:50.720 --> 03:54.240
Ein weiteres Problem, was wir in Megastädten besonders stark sehen,

03:54.460 --> 03:55.760
ist auch der globale Umweltwandel.

03:56.220 --> 03:59.300
Das heißt, diese starken Urbanisierungsraten, die in diesen Städten

03:59.300 --> 04:02.760
vorhanden sind, gehen oft einher mit veränderter Landnutzung.

04:02.900 --> 04:04.320
Es wird immer mehr Fläche versiegelt.

04:04.560 --> 04:05.940
Wir haben immer weniger Grünflächen.

04:06.640 --> 04:09.600
Zeitgleich gibt es geografische Veränderungen, ökonomische

04:09.600 --> 04:12.520
Veränderungen, die sich in diesen Städten eben besonders stark zeigen.

04:13.060 --> 04:17.220
Und diese Verbindung zwischen dem globalen Umweltwandel und der

04:17.220 --> 04:20.260
Urbanisierung macht eben diese Megastädte gerade besonders zu einem

04:20.260 --> 04:20.960
Risikoraum.

04:22.020 --> 04:24.500
Aber ich möchte nicht nur zum Risiko sprechen, sondern gerade diese

04:24.500 --> 04:25.880
Städte haben viel Potenzial.

04:26.060 --> 04:29.200
Diese großen Städte, sie haben eine große ökonomische Produktivität.

04:29.380 --> 04:30.580
Hier passiert ganz, ganz viel.

04:30.680 --> 04:33.040
Wir haben das ja auch schon in anderen Vorträgen gehört.

04:33.040 --> 04:36.560
Das heißt, die Chancen, auch was zu machen, ist in diesen Städten

04:36.560 --> 04:37.760
besonders groß.

04:38.180 --> 04:41.180
Sie sind oftmals Knoten in einem ganzen globalen Netzwerk.

04:41.480 --> 04:44.360
Diese Städte sind auch untereinander stark vernetzt, diese großen

04:44.360 --> 04:44.640
Städte.

04:44.760 --> 04:47.700
Das heißt, zwischen diesen Städten ist ganz viel Austausch, was

04:47.700 --> 04:49.420
wiederum viele Chancen mit sich bringt.

04:50.080 --> 04:53.220
Und wir haben auch schon ein bisschen über Infrastrukturen geredet.

04:53.320 --> 04:56.360
In diesen Städten gibt es natürlich auch ganz viele Chancen,

04:56.480 --> 05:01.420
Infrastrukturen, urbanen Entwicklungen weiterzuführen und neueste

05:01.420 --> 05:02.040
Sachen voranzutreiben.

05:03.180 --> 05:05.860
Es klang ja gestern auch schon mal an, es gibt jetzt Städte, die auf

05:05.860 --> 05:09.820
dem Reißbrett praktisch entstehen und wo vielleicht am Ende gar keiner

05:09.820 --> 05:13.380
mehr leben mag, weil sie einfach so verbaut sind mit neuesten

05:13.380 --> 05:14.080
Technologien.

05:15.480 --> 05:18.020
Es gibt natürlich Menschen, die es mögen, aber das ist gerade der

05:18.020 --> 05:18.620
entscheidende Punkt.

05:18.720 --> 05:21.440
In diesen Städten, diesen Megastädten gibt es eben ganz viel soziales

05:21.440 --> 05:22.080
Potenzial.

05:22.600 --> 05:27.180
Und deswegen haben wir trotz des großen Risikopotenzials, das in

05:27.180 --> 05:30.160
diesen Städten da ist, auch ganz viele Chancen, etwas zu bewegen,

05:30.600 --> 05:33.980
etwas zu verändern und mit den Menschen, die da sind, mit dem Know

05:33.980 --> 05:36.140
-how, die Chancen zu nutzen.

05:37.300 --> 05:41.340
Ich habe es eben schon mal anklingen lassen, diese Megastädte sind

05:41.340 --> 05:42.200
eben groß.

05:42.340 --> 05:44.640
Aber sie sind nicht nur groß wegen der Bevölkerung, sondern sie haben

05:44.640 --> 05:45.960
ein großes Wirtschaftspotenzial.

05:46.360 --> 05:49.520
Sie verbrauchen aber auch unendlich viele Ressourcen im Wasserbereich,

05:49.600 --> 05:50.320
Energiebereich.

05:50.540 --> 05:53.060
Das passiert alles in einer riesigen Stadt zur gleichen Zeit.

05:53.060 --> 05:56.920
Es wird auch ganz viel Abfall produziert, Emissionen werden emittiert,

05:57.060 --> 05:58.320
es wird ganz viel emittiert.

05:58.900 --> 06:01.380
Und dieses Ganze passiert in diesen Städten eben viel, viel, viel

06:01.380 --> 06:03.560
schneller als in anderen Städten.

06:03.640 --> 06:07.240
Es ist einfach diese Dynamik, diese Geschwindigkeit, die auch eine

06:07.240 --> 06:08.860
besondere Herausforderung darstellt.

06:09.280 --> 06:11.600
Und eben diese Komplexität, die Frau Sassen eben auch schon

06:11.600 --> 06:15.000
angesprochen hat, das ist unglaublich komplex, was da zusammenhängt,

06:15.200 --> 06:17.960
die unterschiedlichen Prozesse, die ablaufen, und was natürlich auch

06:17.960 --> 06:20.740
ganz stark in die Governance-Fragen, in die Steuerungsfragen

06:20.740 --> 06:21.240
reintrifft.

06:21.240 --> 06:23.580
Und dass viele Menschen sagen, vielleicht sind diese Städte eigentlich

06:23.580 --> 06:24.380
gar nicht mehr regierbar.

06:26.040 --> 06:29.100
Auf jeden Fall sind Megastädte ein Hotspot für diese simultan

06:29.100 --> 06:30.260
ablaufenden Prozesse.

06:30.660 --> 06:32.120
Und die interagieren miteinander.

06:32.860 --> 06:35.660
Und das zu untersuchen, ist eben eine große Herausforderung.

06:35.980 --> 06:38.140
Wir haben das in einem Projekt einmal getan, das nannte sich das

06:38.140 --> 06:39.060
Kapital Megacity.

06:39.480 --> 06:42.860
Da waren verschiedene Helmholtz-Zentren, unter anderem auch das KIT,

06:43.720 --> 06:44.540
daran beteiligt.

06:45.000 --> 06:48.080
Und wir haben versucht, unterschiedliche Risiken zu analysieren, aber

06:48.080 --> 06:49.720
auch die Chancen uns anzugucken.

06:49.720 --> 06:52.720
Und das alles haben wir in einem Beispiel von Santiago de Chile

06:52.720 --> 06:53.120
gemacht.

06:53.920 --> 06:56.980
Ich will hier jetzt nicht in Detail darauf eingehen, sondern sagen, es

06:56.980 --> 06:59.600
ist noch etwas, was dazukommt, was mich jetzt gerade auch in den

06:59.600 --> 07:01.420
letzten Jahren besonders beschäftigt hat.

07:01.540 --> 07:04.980
Und das ist der Wechsel zwischen der Urbanisierung in Megastädten und

07:04.980 --> 07:05.720
dem Klimawandel.

07:07.560 --> 07:12.060
Und da möchte ich kurz ein paar Worte sagen, was macht Megastädte so

07:12.060 --> 07:14.420
bedeutsam im Zusammenhang mit dem Klimawandel?

07:14.420 --> 07:18.440
Unter anderem ist es jetzt im neuesten IPCC aus dem letzten Jahr das

07:18.440 --> 07:22.180
erste Mal, dass auch ein richtiges Kapitel zu Städten in dem IPCC

07:22.180 --> 07:23.140
-Bericht drin ist.

07:23.600 --> 07:26.780
Das heißt, es wird erkannt, dass Städte einen großen Beitrag haben,

07:27.020 --> 07:30.840
wenn es um den Klimawandel geht, weil sie eben so viel beitragen dazu.

07:31.240 --> 07:33.440
Es wird immer hin und her gefahren, jeden Tag fahren wir durch die

07:33.440 --> 07:35.840
Gegend, wir nutzen das Auto, die Busse, alles Mögliche.

07:36.120 --> 07:39.720
Wir emittieren, wir verbrauchen Energie, wir produzieren selber wieder

07:39.720 --> 07:40.180
Hitze.

07:40.180 --> 07:44.820
Wir sind einfach mittendrin und produzieren und tragen selber alle mit

07:44.820 --> 07:46.580
unserem Handeln zum Klimawandel bei.

07:47.380 --> 07:50.080
Und andererseits sind wir vor allem in den Megastädten besonders

07:50.080 --> 07:50.560
betroffen.

07:51.620 --> 07:54.600
Ganz, ganz viele Megastädte liegen zum Beispiel in Küstenregionen.

07:55.120 --> 07:57.580
Das heißt, im Zusammenhang mit dem Meeresspiegel haben diese Städte

07:57.580 --> 07:58.640
besonders große Probleme.

07:59.480 --> 08:03.280
Sie liegen oft vielleicht strategisch günstig an Handelswegen, an

08:03.280 --> 08:06.640
Meeren, an Flüssen, sind dadurch aber eben auch besonders ausgesetzt.

08:07.240 --> 08:10.700
Und was ganz entscheidend ist, dass diese Auswirkungen auch innerhalb

08:10.700 --> 08:14.560
einer Stadt zum Beispiel nicht klar verteilt sind, sondern es gibt

08:14.560 --> 08:16.040
unterschiedliche Risikogebiete.

08:16.540 --> 08:18.920
Man kann nicht davon sagen, eine ganze Stadt ist komplett betroffen,

08:19.480 --> 08:22.520
sondern es ist gerade interessant zu gucken, wo sind die einzelnen

08:22.520 --> 08:24.820
Gebiete, die besonders betroffen sind.

08:25.460 --> 08:28.320
Und wenn man jetzt zum Beispiel den globalen Norden und den globalen

08:28.320 --> 08:31.620
Süden miteinander vergleicht, kann man auch große Unterschiede sehen.

08:31.620 --> 08:36.000
Oftmals sind eben die Städte im globalen Süden stärker betroffen, weil

08:36.000 --> 08:38.260
sie einfach nicht die Möglichkeiten haben, so gut damit umzugehen wie

08:38.260 --> 08:38.480
wir.

08:38.680 --> 08:40.320
Es fehlt zum Beispiel an Infrastruktur.

08:40.760 --> 08:41.640
Es fehlt an Ressourcen.

08:42.180 --> 08:44.600
Und oft sind einfach auch die Planungssysteme, die institutionellen

08:44.600 --> 08:47.880
Voraussetzungen nicht so gegeben, dass man eben darauf reagieren kann,

08:47.980 --> 08:52.700
was passiert, wenn eben zum Beispiel größere Risiken wie große

08:52.700 --> 08:54.620
Flutereignisse oder sonstiges auftreten.

08:55.160 --> 08:57.840
Das heißt, wir sprechen hier von besonderen Herausforderungen in den

08:57.840 --> 08:58.380
Megastädten.

08:59.460 --> 09:03.080
Und es gibt verschiedene Antworten oder Lösungsmöglichkeiten.

09:04.500 --> 09:08.020
Und ich sehe hier ganz entscheidend den Punkt, diese Interaktionen,

09:08.120 --> 09:11.080
was wir gestern Abend auch in dem Eröffnungsvortrag schon gehört

09:11.080 --> 09:13.600
haben, die unterschiedlichen Ebenen, die angesprochen sind.

09:14.400 --> 09:18.860
Es gibt im Bereich Klimawandel ja viel, was auf internationaler Ebene

09:18.860 --> 09:19.160
passiert.

09:19.380 --> 09:20.380
Es gibt Rahmenbedingungen.

09:20.880 --> 09:22.320
Diese werden national umgesetzt.

09:22.320 --> 09:25.760
Es gibt eigentlich alle Städte, alle Länder dieser Welt haben

09:25.760 --> 09:29.140
irgendwelche Rahmenrichtlinien entwickelt, um sich an den Klimawandel

09:29.140 --> 09:32.640
anzupassen oder Verweinungsstrategien zu machen.

09:33.240 --> 09:35.320
Aber man muss das eben auch weiter runterbrechen.

09:35.400 --> 09:36.400
Man muss es bis auf die Stadt runterbrechen.

09:37.460 --> 09:39.100
Dort geht es um Klimaaktionspläne.

09:39.980 --> 09:41.980
Und es geht daher am Ende auch um spezielle Maßnahmen.

09:42.780 --> 09:44.320
Und wer setzt diese Maßnahmen um?

09:44.560 --> 09:48.340
Das sind am Ende Städte, die kommunale Ebene oder einzelne Gemeinden,

09:48.340 --> 09:52.440
diese Quartiere, Nachbarschaften, die am Ende wirklich das Handeln

09:52.440 --> 09:53.860
durchsetzen.

09:54.560 --> 09:56.800
Und auf diesen Punkt möchte ich jetzt ein bisschen näher eingehen.

09:57.440 --> 10:02.920
Und zwar diese Ebene der Stadt und was passiert da, um unter dieser

10:02.920 --> 10:08.640
Komplexität und den Auswirkungen des Klimawandels lokal handeln zu

10:08.640 --> 10:08.860
können.

10:10.520 --> 10:14.420
Und ich möchte Ihnen dazu das Beispiel aus Santiago de Chile liefern.

10:15.240 --> 10:17.960
Als wir dort hingekommen sind und schon lange geforscht hatten und

10:17.960 --> 10:20.240
gesagt haben, wir müssen uns jetzt auch stärker mit dem Klimawandel

10:20.240 --> 10:23.740
beschäftigen, war es eben gerade so, dass auf nationaler Ebene gab es

10:23.740 --> 10:24.840
einen Rahmenplan.

10:25.560 --> 10:26.580
Da gab es bestimmte Vorgaben.

10:27.180 --> 10:30.100
Es fokussierte vor allem auf diesen Vermeidungsstrategien, also

10:30.100 --> 10:33.240
weniger auf deren Anpassung, sondern wie kann ich Klimawandel erstmal

10:33.240 --> 10:37.600
oder die Treibhausgasemissionsausstöße verhindern oder vermeiden.

10:38.580 --> 10:41.100
Und dieser Ansatz war sektoral.

10:41.440 --> 10:45.220
Man guckte im Bereich Biodiversität, man guckte sich die Wassersachen

10:45.220 --> 10:48.560
an, man guckte sich Städte eigentlich gar nicht an, man sprach nur ein

10:48.560 --> 10:50.340
bisschen von den Küstenstädten, die betroffen sind.

10:50.640 --> 10:53.960
Aber es gab eigentlich keinen urbanen Fokus in diesen nationalen

10:53.960 --> 10:55.100
Rahmenrichtlinien.

10:55.160 --> 10:56.980
Das ist nichts Besonderes, das haben wir fast überall.

10:57.520 --> 11:00.880
Aber das war eben der Ausgangspunkt, warum wir gesagt haben, es wäre

11:00.880 --> 11:04.620
interessant, mit unseren Vorerfahrungen im Stadtbereich zu Risiken und

11:04.620 --> 11:07.480
Chancen, uns diese Sachen im Zusammenhang mit dem Klimawandel etwas

11:07.480 --> 11:08.400
genauer anzugucken.

11:09.200 --> 11:09.780
Und was haben wir gemacht?

11:09.840 --> 11:11.660
Wir haben gesagt, wir müssen uns irgendwie anpassen.

11:11.820 --> 11:15.400
Es gibt Auswirkungen von dem Klimawandel auf die Metropolregion

11:15.400 --> 11:18.200
Santiago und wir müssen gucken, was kann man machen.

11:18.540 --> 11:22.140
Und wir haben angefangen, das erstmal Modelle zu berechnen, weil es

11:22.140 --> 11:26.700
gibt immer, in den meisten Fällen, keine regionalen Daten.

11:27.000 --> 11:30.880
Wir wissen, was der IPCC sagt, wir wissen ungefähr, wie sich das Klima

11:30.880 --> 11:33.600
verändern wird, aber es gibt in der Regel keine Informationen, was

11:33.600 --> 11:37.640
passiert in einer bestimmten Region, in einer Megastadt oder diese

11:37.640 --> 11:39.720
Informationen muss man meistens erst generieren.

11:39.940 --> 11:42.780
Das heißt, hier sind Naturwissenschaftler gefragt, die müssen erstmal

11:42.780 --> 11:45.940
eine statistische Analyse machen und die globalen Modelle

11:45.940 --> 11:49.600
herunterbrechen, damit ich auch ungefähr abschätzen kann, was sind die

11:49.600 --> 11:51.500
Auswirkungen innerhalb meiner Stadtregion.

11:52.120 --> 11:55.200
Aus dieser Basis ausgehend haben wir dann gesagt, was sind denn

11:55.200 --> 11:57.780
bestimmte Sektoren, die besonders getroffen sind.

11:57.840 --> 11:59.480
Wir haben gesagt, Wasser ist ein wichtiges Thema.

11:59.480 --> 12:02.820
Wir haben das Problem in Santiago de Chile, es ist in den Anden

12:02.820 --> 12:07.320
gelegen, in einer Kessellage, das meiste Wasser kommt aus den Anden,

12:07.580 --> 12:10.540
die Gletscher schmelzen, wir haben immer weniger Wasser, hinzu kommen

12:10.540 --> 12:13.740
erhöhte Temperaturen, also es wird irgendwann ein riesiges Problem mit

12:13.740 --> 12:14.360
dem Wasser geben.

12:14.880 --> 12:18.440
Das wiederum hängt mit der Energieversorgung zusammen, also die

12:18.440 --> 12:19.640
Komplexität ist einfach da.

12:20.120 --> 12:22.020
Das heißt, wir haben dann angefangen zu gucken, was sind die

12:22.020 --> 12:25.460
Auswirkungen und haben dann einen sehr intensiven

12:25.460 --> 12:27.360
Partizipationsprozess gemacht.

12:27.360 --> 12:30.560
Wir haben in der gesamten Metropolregion Santiago die Menschen

12:30.560 --> 12:35.920
eingeladen, das sind Ministerien, das war die Regionalregierung, das

12:35.920 --> 12:39.300
waren ganz stark verschiedene NGOs, auch die Bevölkerung und haben

12:39.300 --> 12:41.920
diese Leute an einen Tisch gebracht und haben über einen Zeitraum von

12:41.920 --> 12:45.340
zwei Jahren zehn runde Tische organisiert und die Leute eingeladen,

12:45.420 --> 12:48.060
mit uns zu diskutieren, was wir aus wissenschaftlicher Sicht

12:48.060 --> 12:52.280
herausgefunden haben für Auswirkungen für die Metropolregion und haben

12:52.280 --> 12:55.500
das mit ihnen diskutiert und haben gemeinsam Maßnahmen entworfen, wie

12:55.500 --> 12:57.560
kann man sich an diese Auswirkungen nun anpassen.

12:59.120 --> 13:04.740
Und am Ende dieses Prozesses gab es einen Plan, einen Anpassungsplan

13:04.740 --> 13:06.900
an den Klimawandel und den haben wir übergeben an die

13:06.900 --> 13:10.680
Regionalregierung und an das Umweltministerium, in der Hoffnung, dass

13:10.680 --> 13:13.520
man es eben überführt in politisches Handeln.

13:14.160 --> 13:18.820
Und Sie hören es an meinem Lachen, es ist natürlich wieder der

13:18.820 --> 13:20.540
Knackpunkt, wie wird es nachher umgesetzt.

13:21.220 --> 13:23.680
Obwohl wir von Anfang an das Ministerium drin hatten, die

13:23.680 --> 13:27.580
Regionalregierung mit beteiligt haben, einen MOU, also einen Vertrag

13:27.580 --> 13:30.900
unterschrieben am Anfang haben, ist es bis heute nicht wirklich zu

13:30.900 --> 13:33.680
einem richtigen Umsetzungsprozess gekommen.

13:34.420 --> 13:38.700
Das heißt, es steckt jetzt in diesem Fall, wie kann man einerseits den

13:38.700 --> 13:43.180
Plan implementieren, dass er eine Bindung, eine rechtliche Bindung hat

13:43.180 --> 13:46.400
und wie kann man diese vorgeschlagenen Maßnahmen da drin auch wirklich

13:46.400 --> 13:46.680
umsetzen.

13:50.000 --> 13:53.200
Das ist der Prozess, den wir geführt haben.

13:53.300 --> 13:55.520
Ich wollte jetzt nur noch ein paar Beispiele geben, damit das nicht zu

13:55.520 --> 13:56.280
abstrakt ist.

13:56.440 --> 13:59.500
Also in diesem Bereich sehen Sie die ganze Metropolregion von Santiago

14:00.120 --> 14:04.280
und Sie sehen in Rot die Flächen, die von Hitze betroffen sind und in

14:04.280 --> 14:06.920
Blau schraffiert, das ist nicht so gut zu sehen, sind die Flutflächen.

14:07.500 --> 14:09.780
Und das haben wir dann eben zum Beispiel als Ausgangspunkt genommen

14:09.780 --> 14:12.400
und haben geguckt, wer wohnt denn in diesen Gebieten.

14:12.400 --> 14:16.360
Das zeigt sich in diesen beiden Grafiken, also die blauen Balken

14:16.360 --> 14:19.080
stehen für Flut, die roten für Hitze und das sind die

14:19.080 --> 14:20.420
sozioökonomischen Klassen.

14:20.780 --> 14:25.600
Also A, B, C, 1 sind die reichsten Menschen und die Klasse E sind die

14:25.600 --> 14:26.400
ärmsten Menschen.

14:27.240 --> 14:29.960
Und haben uns das mal über die Stadt verteilt angeguckt, wer ist denn

14:29.960 --> 14:30.320
betroffen.

14:31.360 --> 14:34.200
Und wir haben halt darauf gefunden, wir sind erstmal alle betroffen.

14:35.480 --> 14:38.380
Obwohl oft gesagt wird, naja, es sind die Armen, die wohnen immer in

14:38.380 --> 14:40.100
Risikogebieten und die sind am meisten betroffen.

14:40.100 --> 14:41.480
Es ist aber nicht unbedingt so.

14:41.800 --> 14:45.320
Die Frage ist, wer kann am besten am Ende vielleicht damit umgehen.

14:45.740 --> 14:49.500
Wer hat die Sandsäcke zu Hause oder wer hat eine Mauer aufgestellt und

14:49.500 --> 14:53.840
wo passiert am Ende wirklich das Problem, weil eine Flut kommt erst

14:53.840 --> 14:57.560
einmal, sie ist da, aber manche Leute können sich eben besser daran

14:57.560 --> 14:59.640
anpassen, damit umgehen als andere.

15:00.900 --> 15:02.960
Wenn wir die Wasserproblematik nochmal angucken, ich hatte es vorhin

15:02.960 --> 15:06.760
angesprochen, Santiago wird ein Problem haben mit dem Wasser, mit der

15:06.760 --> 15:07.560
Wasserversorgung.

15:07.560 --> 15:11.620
Sie sehen hier, heute gibt es schon in einem normalen Jahr, also wenn

15:11.620 --> 15:15.600
normale Niederschläge fallen, ist die Wasserverfügbarkeit gegeben,

15:16.260 --> 15:19.480
aber der Gesamtwasserverbrauch ist trotzdem schon relativ hoch.

15:19.960 --> 15:23.940
In feuchten Jahren ist es noch möglich, dass wir das Wasser nutzen

15:23.940 --> 15:27.000
können, aber in trockenen Jahren, da haben wir schon jetzt ein großes

15:27.000 --> 15:27.340
Problem.

15:27.500 --> 15:30.600
Wir haben weniger Wasser, das da ist, als das, was wirklich gebraucht

15:30.600 --> 15:30.860
wird.

15:31.140 --> 15:34.720
Und zwar Landwirtschaft, Bevölkerung, Industrie zusammengenommen.

15:34.720 --> 15:38.700
Und wenn wir jetzt gucken, was wir herausgefunden haben mit unseren

15:38.700 --> 15:41.880
Modellen, dass es in Zukunft Probleme geben wird, weil die

15:41.880 --> 15:45.020
Niederschläge zurückgehen, weil die Temperaturen weiter ansteigen

15:45.020 --> 15:46.960
werden, dann haben wir wirklich ein großes Problem.

15:47.540 --> 15:51.080
Die Bevölkerung nimmt nämlich weiter zu, es wird mehr konsumiert, wir

15:51.080 --> 15:53.900
haben einen höheren Wasserverbrauch, wir brauchen mehr Wasser auch in

15:53.900 --> 15:54.460
der Landwirtschaft.

15:55.040 --> 15:58.140
Das heißt, was passiert in Zukunft in den trockenen Jahren, wenn es

15:58.140 --> 15:59.580
kaum mehr Niederschläge gibt?

16:00.100 --> 16:03.420
Und das hat ich vorhin schon angedeutet, es gibt eben diesen Link dort

16:03.420 --> 16:04.600
zur Energieversorgung.

16:07.040 --> 16:09.220
Den Beteiligungsprozess hatte ich auch schon angesprochen.

16:09.460 --> 16:12.500
Ich will nur ganz kurz nochmal darauf eingehen, dass wir eben diese

16:12.500 --> 16:15.620
zehn runden Tische, die wir organisiert haben, wirklich genutzt haben,

16:15.720 --> 16:17.320
um die Menschen an einen Tisch zu bringen.

16:18.180 --> 16:21.380
Und diese Maßnahmen, das sind ja 14 Maßnahmen, die wir hier

16:21.380 --> 16:24.500
vorgeschlagen haben, die sind wirklich relevant für die Region, die

16:24.500 --> 16:25.680
sind kontextspezifisch.

16:25.680 --> 16:29.300
Sie haben unterschiedliche Zeithorizonte, man kann sie kurz-, mittel-

16:29.300 --> 16:30.540
oder langfristig einwenden.

16:31.140 --> 16:33.380
Und wir haben sie nicht einfach so entwickelt, sondern sie sind so

16:33.380 --> 16:35.800
angepasst, dass man sie eigentlich auch wirklich umsetzen könnte.

16:36.440 --> 16:40.480
Also sie passen in die rechtlichen Rahmenbedingungen rein, auch die

16:40.480 --> 16:42.680
politischen Rahmenbedingungen werden damit abgedeckt.

16:43.860 --> 16:46.120
Und es sind unterschiedliche Maßnahmen, die wir vorschlagen.

16:46.980 --> 16:50.340
Zum Beispiel im Bereich Gebäude, was kann man im Bereich von

16:50.340 --> 16:53.840
ökoeffizienten Gebäuden tun, haben wir Möglichkeiten vorgeschlagen,

16:53.900 --> 16:55.100
dass man mehr Grauwasser nutzt.

16:55.100 --> 16:58.740
Vor allem in Hotelanlagen und anderen öffentlichen Gebäuden, dass das

16:58.740 --> 17:01.000
eine gute Möglichkeit wäre, hier Wasser einzusparen.

17:01.480 --> 17:03.620
Und das auch wieder für die Bewässerung dann zum Beispiel zu nutzen.

17:04.080 --> 17:07.420
Aber eben auch noch bessere Bewässerungsmethoden wäre eine Möglichkeit

17:07.420 --> 17:08.560
im Infrastrukturbereich.

17:09.320 --> 17:12.780
Ansonsten ist ein ganz, ganz großes Thema weiterhin Information und

17:12.780 --> 17:13.720
Institutionalität.

17:14.060 --> 17:17.800
Einfach das Wissen weiter schärfen, dass es Probleme gibt, in den

17:17.800 --> 17:20.460
Gemeinden reingehen und gucken, was kann man im Energiebereich zum

17:20.460 --> 17:22.560
Beispiel, wie kann man Energie einsparen, wie kann man Wasser

17:22.560 --> 17:23.100
einsparen.

17:23.100 --> 17:27.860
Ganz große Themen, die denke ich immer noch vorne dran sind und die

17:27.860 --> 17:30.920
weiterhin Berücksichtigung finden müssen.

17:35.100 --> 17:38.480
Ein Aspekt, was ich jetzt versucht habe darzustellen, war eben unsere

17:38.480 --> 17:39.520
Arbeit in Lateinamerika.

17:40.540 --> 17:44.640
Ich bin jetzt seit einigen Jahren auch in Istanbul aktiv und habe

17:44.640 --> 17:47.780
gedacht, ich sage noch ein paar Worte dazu, wie ich das sehe.

17:48.860 --> 17:52.260
Einfach dieser Lernaspekt, diese Übertragbarkeit, die ja gestern Abend

17:52.260 --> 17:57.200
auch sehr stark im Fokus stand, die Netzwerke, die es heutzutage gibt,

17:57.280 --> 17:59.960
die ganzen Städtenetzwerke, was für eine Rolle das spielt.

18:00.480 --> 18:03.160
Und da möchte ich einmal noch ganz kurz nach Lateinamerika zurückgehen

18:03.160 --> 18:07.040
und sagen, wir haben in diesem Projekt auch versucht, ein regionales

18:07.040 --> 18:08.180
Lernnetzwerk aufzubauen.

18:08.380 --> 18:10.740
Wir haben versucht, die großen Städte in Lateinamerika

18:10.740 --> 18:14.400
zusammenzubringen und zu diskutieren und das hat sehr gut

18:14.400 --> 18:14.840
funktioniert.

18:15.280 --> 18:19.380
Also wir haben eine UN-Kommission dafür genutzt als Multiplikator und

18:19.380 --> 18:22.880
haben dann nach Santiago de Chile, aus Buenos Aires, aus Bogotá, aus

18:22.880 --> 18:27.260
Lima, aus Mexiko und aus Sao Paulo, zum einen Wissenschaftler

18:27.260 --> 18:29.540
eingeladen und zum anderen Entscheidungsträger eingeladen.

18:29.720 --> 18:32.060
Einmal nacheinander und nachher noch einmal zusammen in einem dritten

18:32.060 --> 18:34.660
Workshop und haben gemeinsam diskutiert mit ihnen.

18:35.180 --> 18:38.200
Und das war eine sehr schöne Geschichte und was ich daran sehr gut

18:38.200 --> 18:41.360
fand, war auch gerade die Kombination Wissenschaft und Politik

18:41.360 --> 18:42.200
zusammenzubringen.

18:42.200 --> 18:45.560
Weil man gesehen hat, dass zum Teil bei diesen Workshops die Leute

18:45.560 --> 18:47.040
auch das erste Mal miteinander agiert haben.

18:47.180 --> 18:53.580
Also ein Wissenschaftler aus Sao Paulo hat das erste Mal mit dem

18:53.580 --> 18:55.860
Vertreter aus der Stadtverwaltung gesprochen, als sie in Santiago

18:55.860 --> 18:57.580
waren und sich zum Klimawandel unterhalten haben.

18:57.960 --> 18:59.440
Also diese Aspekte fand ich sehr gut.

18:59.640 --> 19:03.080
Und jetzt, in meiner Idee, kann man diesen Prozess, den wir in

19:03.080 --> 19:05.800
Santiago gestaltet haben, auch übertragen auf andere Städte.

19:06.560 --> 19:09.760
Ich bin da jetzt seit drei Jahren dabei und versuche das in Istanbul

19:09.760 --> 19:10.440
auch zu tun.

19:10.440 --> 19:15.780
Und ich glaube, ich würde so ein bisschen das revidieren, was gestern

19:15.780 --> 19:20.280
Abend gesagt worden ist, dass es mit den Bürgermeistern funktionieren

19:20.280 --> 19:20.520
kann.

19:21.120 --> 19:23.620
Weil Istanbul ist einfach eine ganz andere Situation.

19:24.360 --> 19:27.040
Wir haben eine ganz andere politische Situation.

19:28.160 --> 19:29.900
Die Ausgangssituation ist ähnlich.

19:30.200 --> 19:31.760
Es gibt viel auf nationaler Ebene.

19:31.880 --> 19:34.340
Es gibt Rahmenbedingungen, es wurden Strategien entwickelt.

19:35.120 --> 19:37.900
Aber auf städtischer Ebene passiert nichts oder wenig.

19:38.360 --> 19:41.660
Und wenn man ein bisschen genauer reinguckt, sieht man eben, dass

19:41.660 --> 19:43.600
einfach überhaupt kein Austausch da ist.

19:43.900 --> 19:46.500
Das, was wir in Santiago gesehen haben, was funktioniert, dass die

19:46.500 --> 19:50.140
Leute zu runden Tischen kommen, sich austauschen wollen, ist

19:50.140 --> 19:52.520
unglaublich schwierig in einem Land wie der Türkei.

19:53.020 --> 19:55.720
Und ich habe viele Interviews durchgeführt, um zu verstehen, womit das

19:55.720 --> 19:55.900
zusammenhängt.

19:56.840 --> 20:00.320
Und es kam eben von vielen Wissenschaftlern auch die Aussage, wir

20:00.320 --> 20:02.260
wissen einfach nicht mehr weiter, wir haben schon so viel versucht,

20:02.540 --> 20:03.780
aber die Politik hört uns nicht.

20:04.620 --> 20:06.740
Es interessiert niemanden, was wir für Daten produzieren.

20:07.140 --> 20:10.000
Wir können noch so viel machen und irgendwann kommt eine Resignation.

20:11.000 --> 20:12.220
Und genau das Gleiche ist bei den NGOs.

20:12.480 --> 20:16.520
Es gibt ganz, ganz viele aktive Klimaaktivisten in der Türkei, in

20:16.520 --> 20:16.880
Istanbul.

20:17.640 --> 20:19.180
Aber es ist eine Gruppe, die kommt immer wieder zusammen.

20:19.420 --> 20:22.300
Die treffen sich untereinander und es kommt wieder jemand dazu, aber

20:22.300 --> 20:23.120
es geht nicht weiter.

20:24.160 --> 20:29.520
Von daher bin ich jetzt ganz froh, es gab jetzt das Deutsch-Türkische

20:29.520 --> 20:33.660
Wissenschaftsjahr im letzten Jahr 2014 und ich konnte da nochmal ein

20:33.660 --> 20:35.040
kleineres Projekt einwerben.

20:35.040 --> 20:38.420
Und wir haben es geschafft, dass beim letzten Workshop im Oktober

20:38.420 --> 20:41.980
immerhin 15 Vertreter von der Stadtverwaltung gekommen sind und die

20:41.980 --> 20:43.100
haben ihre Daten präsentiert.

20:43.680 --> 20:48.040
Erstmals der Öffentlichkeit gezeigt, was gibt es für Kalkulationen,

20:48.820 --> 20:50.660
die schon gemacht worden sind im Klimawandel.

20:51.520 --> 20:54.620
Und der Bürgermeister wollte auch kommen, er war auf dem Weg und hat

20:54.620 --> 20:59.060
dann den Umweg genommen und ist doch nicht zu uns gestoßen.

20:59.200 --> 21:02.520
Aber ich sehe es als einen großen Erfolg, dass die Menschen erstmal an

21:02.520 --> 21:03.120
einen Tisch kommen.

21:03.120 --> 21:05.880
Und das möchte ich einfach damit sagen, man spricht von ganz

21:05.880 --> 21:07.660
unterschiedlichen Ausgangsvoraussetzungen.

21:09.160 --> 21:12.380
Und ich glaube, das ist ein wichtiger Aspekt.

21:13.060 --> 21:16.080
Jetzt komme ich nochmal ganz kurz an kleinen Zusammenfassungen zurück

21:16.080 --> 21:18.380
zu den Herausforderungen aus wissenschaftlicher Sicht.

21:19.760 --> 21:25.700
Ich würde sagen, diese integrative Betrachtung, die wir gemacht haben

21:25.700 --> 21:27.340
in diesen Projekten, ist sehr wichtig.

21:28.100 --> 21:30.720
Frau Sachsen hat eben auch gesagt, Megastadt oder Städte als System,

21:30.720 --> 21:35.680
als Komplexität, aber auch dieses Unkomplette, was wir genannt haben.

21:35.760 --> 21:37.600
Das ist, glaube ich, wichtig, dass man das mit erfasst.

21:38.880 --> 21:41.140
Aus Forschungssicht denke ich, ist es ganz wichtig, dass man solche

21:41.140 --> 21:44.500
Forschung macht, die interdisziplinär ist, die verschiedene Sachen

21:44.500 --> 21:48.280
zusammenbringt, aber auch transdisziplinär, also auch mit Politik und

21:48.280 --> 21:49.960
Praxis, mit der Zivilgesellschaft.

21:50.920 --> 21:54.560
Und diese Detailinformationen auf lokaler Ebene, also wirklich

21:54.560 --> 21:58.520
reinzugucken, wo sind die Probleme ganz lokal, wo kommt man nachher zu

21:58.520 --> 22:04.500
Risikogebieten, die sehe ich auch als ganz wichtiges Instrument an, um

22:04.500 --> 22:05.760
nachher auch zu Lösungen zu kommen.

22:05.900 --> 22:08.420
Weil das kann ich auch einem Entscheidungsträger in einer kleinen

22:08.420 --> 22:11.680
Kommune wieder zeigen und zu sagen, hier sind deine Gebiete, hier hast

22:11.680 --> 22:13.420
du die Probleme, musst du da nicht was machen.

22:13.660 --> 22:16.380
Und sie sind wirklich interessiert an solchen Informationen aus der

22:16.380 --> 22:16.660
Wissenschaft.

22:18.100 --> 22:20.460
Und das ist, glaube ich, ganz wichtig, man braucht Lösungsansätze auf

22:20.460 --> 22:22.480
ganz verschiedenen Ebenen.

22:22.580 --> 22:23.940
Weil, was will man?

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Ist es wie in der Türkei, man möchte eigentlich nur das Wachstum, man

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möchte eigentlich nur zeigen, dass man vorne an ist und dass man auch

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dazugehört und dass man wirklich alles will, damit es weiter geht und

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bergauf geht, ohne die Umweltaspekte irgendwie zu berücksichtigen.

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Geht es nur um den Wohlstand?

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Geht es um Sicherheit?

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Oder geht es auch wirklich um eine wirkliche Nachhaltigkeit?

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Das ist für mich eine ganz große Frage, die, glaube ich, oftmals

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leider hinten ansteht.

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Und gerade wenn man heutzutage von diesem Smart City spricht, wenn man

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davon spricht, wir brauchen Transformationen, wir brauchen neue

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Städte, ich glaube, es wird ganz oft vergessen, dass man

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Nachhaltigkeit nur erreichen kann, wenn man auch diese ökologischen

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und sozialen Aspekte genauso anguckt und nicht nur auf Technologie am

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Ende aus ist.

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Und ich möchte es doch nochmal betonen, das ist für mich immer ganz

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wichtig, weil in meiner Forschung, dass ich die Akteure vor Ort habe,

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dieses Insiderwissen, dass es ganz entscheidend ist, um gemeinsam

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zwischen Wissenschaft und den Akteuren zu Lösungen zu kommen.

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Und aus wissenschaftlicher Sicht muss man natürlich immer sagen, was

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ich Ihnen auch gezeigt habe, ich kann Karten produzieren, wir machen

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Modelle, aber natürlich sind die unsicher.

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Ich muss die Grenzen erkennen, aber andererseits merke ich immer

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wieder, dass aus Politik nachgefragt wird, nimmt uns quantitative

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Zahlen hin.

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Wir möchten wissen, wie viel Prozent ist es denn nun?

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Und das ist eine große Schwierigkeit.

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Man muss einfach transparent sein am Ende.

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Und ganz zum Schluss nochmal, dieser Austausch zwischen Städten finde

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ich eine ganz spannende Sache.

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Und ich glaube, was wichtig ist, ob es nachher die Bürgermeister sind,

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die wirklich das Sagen haben, ist eine andere Frage.

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Dankeschön.

