WEBVTT

00:02.320 --> 00:07.920
KIT-Audio, der Forschungspodcast des Karlsruher Instituts für

00:07.920 --> 00:08.560
Technologie.

00:14.040 --> 00:19.160
Die Energieversorgungsnetze sind die Lebensadern unserer Gesellschaft,

00:19.720 --> 00:22.900
die pulsierenden Arterien unserer Industrie.

00:22.900 --> 00:25.640
Seit ihrer Einführung am Ende des 19.

00:25.960 --> 00:30.220
Jahrhunderts haben sie bei uns in Europa ein hohes Maß an

00:30.220 --> 00:31.960
Zuverlässigkeit erreicht.

00:32.500 --> 00:37.060
Mit der bevorstehenden Energiewende aber werden sie sich von Grund auf

00:37.060 --> 00:38.020
ändern müssen.

00:38.460 --> 00:42.380
Wenn wir möglichst viel Strom aus Sonne oder Windkraft nutzen wollen,

00:42.720 --> 00:46.820
müssen auch die Stromnetze einem grundlegenden Strukturwandel

00:46.820 --> 00:48.120
unterworfen werden.

00:51.700 --> 00:57.160
Strom aus erneuerbaren Energiequellen wird in der Fläche geerntet.

00:57.600 --> 01:01.940
Mächtige Kraftwerkzentralen, in denen der Strom bisher aus fossilen

01:01.940 --> 01:06.600
oder atomaren Energieträgern erzeugt wurde, werden einem breiten und

01:06.600 --> 01:11.060
fein verästelten Netz kleiner und kleinster Energieerzeuger weichen.

01:11.060 --> 01:15.800
Von Windparks draußen auf dem Meer wird die Energie über große

01:15.800 --> 01:20.900
Stromautobahnen möglichst verlustfrei über hunderte Kilometer zu den

01:20.900 --> 01:24.440
Städten und in die Industriegebiete transportiert werden.

01:25.060 --> 01:29.420
Jeder Hausbesitzer mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach wird mal

01:29.420 --> 01:34.620
Stromproduzent und mal Verbraucher sein, je nachdem, ob bei ihm gerade

01:34.620 --> 01:35.780
die Sonne scheint.

01:39.920 --> 01:44.600
Im Sekundentakt muss der Verbrauch an ein stark fluktuierendes

01:44.600 --> 01:46.900
Stromangebot angepasst werden.

01:47.340 --> 01:51.080
Überall werden die unterschiedlichsten Speicher die überschüssige

01:51.080 --> 01:55.700
Energie aufnehmen und in den Nachtstunden oder an trüben und kalten

01:55.700 --> 01:57.080
Tagen wieder abgeben.

01:57.660 --> 02:01.520
Zum ersten Mal werden die bisher strikt getrennten Energiebereiche

02:01.520 --> 02:06.980
Elektrizität, Wärme und Verkehr als ein zusammenhängendes Gesamtsystem

02:06.980 --> 02:07.640
betrachtet.

02:07.640 --> 02:12.380
Die sogenannte Sektorenkopplung wird auch chemische Speichermedien wie

02:12.380 --> 02:17.740
Gas nutzen, um beispielsweise die Energieernte eines Sommers im Winter

02:17.740 --> 02:19.160
verbrauchen zu können.

02:22.380 --> 02:25.880
Das klingt nach Science Fiction, aber das täuscht.

02:26.260 --> 02:30.020
Spätestens bis zur Jahrhundertmitte müssen die neuen Energienetze

02:30.020 --> 02:33.800
Wirklichkeit sein, wollen wir unsere Klimaziele nicht verfehlen.

02:33.800 --> 02:37.400
Wie werden die sogenannten Smart Grids dann aussehen?

02:37.760 --> 02:41.480
Was bedeutet Intelligenz in den Stromnetzen für die Menschen, die sie

02:41.480 --> 02:41.920
nutzen?

02:42.360 --> 02:45.000
Welche Schlüsseltechnologien brauchen wir dafür?

02:45.520 --> 02:48.980
Müssen wir mit einer Zunahme von Blackouts rechnen?

02:49.580 --> 02:53.520
Werden wir alle bald eigene Stromspeicher zu Hause haben?

02:53.980 --> 02:57.040
Wie wird sich die Energiebranche als Ganzes verändern?

02:57.040 --> 03:01.840
Und vor allem, wird die erneuerbare Energie auch bezahlbar bleiben?

03:02.460 --> 03:07.280
Hören Sie neue Netze für die Energiewende, das Copernicus-Projekt

03:07.280 --> 03:10.580
Ensure, ein Podcast von Stefan Fuchs.

03:23.510 --> 03:27.230
Wir müssen ein vernünftiges Verhältnis bekommen zwischen dem, was ist

03:27.230 --> 03:30.570
technisch machbar, was ist wirtschaftlich bezahlbar und was ist

03:30.570 --> 03:31.870
gesellschaftlich akzeptabel.

03:32.010 --> 03:34.030
Diese drei Elemente müssen wir gut zusammen bekommen.

03:34.330 --> 03:37.010
Das ist auch Teil dessen, wo die Bundesregierung sehr daran

03:37.010 --> 03:40.450
interessiert ist, mit solchen Projekten im Sinne von Partizipation

03:40.450 --> 03:43.490
auch offen zu legen, was tun wir da, warum tun wir das und was

03:43.490 --> 03:44.730
bedeutet das für den Einzelnen.

03:46.730 --> 03:50.270
2016 gelang es dem Präsidenten des Karlsruher Instituts für

03:50.270 --> 03:55.610
Technologie, Prof. Holger Hanselka, 23 Partner aus Wissenschaft,

03:55.950 --> 04:00.990
Industrie und Zivilgesellschaft, in einem Konsortium zu vereinen, das

04:00.990 --> 04:03.790
sich einer gewaltigen Herausforderung stellt.

04:03.790 --> 04:08.470
Es müssen die technologischen Grundlagen gelegt werden für Stromnetze,

04:08.870 --> 04:12.210
in denen möglichst viel erneuerbare Energie fließen kann.

04:12.770 --> 04:17.130
Ensure ist eines von vier vom Bundesforschungsministerium auf den Weg

04:17.130 --> 04:19.810
gebrachten sogenannten Copernicus-Projekten.

04:20.330 --> 04:23.890
Nach eigenem Verständnis sind sie gegenwärtig die weltweit größte

04:23.890 --> 04:27.530
Forschungsinitiative zur Umsetzung der Energiewende.

04:27.530 --> 04:31.550
Schon lange geht es dabei nicht mehr um die Entwicklung einzelner

04:31.550 --> 04:32.410
Technologien.

04:32.910 --> 04:36.690
Energieversorgung wird in den Copernicus-Projekten als Zusammenhängen

04:36.690 --> 04:38.410
des Gesamtsystems verstanden.

04:38.990 --> 04:42.810
Damit der systemische Ansatz gelingt, müssen zugleich auch ganz neue

04:42.810 --> 04:46.890
Formen der Zusammenarbeit entwickelt werden, neue Formen der

04:46.890 --> 04:51.710
Arbeitsteilung zwischen Wissenschaft, Industrie und Zivilgesellschaft.

04:52.970 --> 04:56.470
Es macht keinen Sinn, wenn Forscher in ihren Laboren irgendwas

04:56.470 --> 04:59.230
erforschen, was nie oder ganz spät an den Markt kommt.

04:59.550 --> 05:02.370
Es macht auch keinen Sinn, wenn die Industrie auf Basis dessen, was

05:02.370 --> 05:04.270
sie hat, versucht eine neue Welt zu gestalten.

05:04.750 --> 05:07.850
Also wie kriegen wir die Forscher, die Industrie und die Gesellschaft,

05:08.130 --> 05:10.370
die das ja alles hinterher auch haben soll, wie kriegen wir die

05:10.370 --> 05:11.270
gemeinsam in einem Boot?

05:12.150 --> 05:15.150
Das ist ja immer die Schwierigkeit, welches Know-how brauchen sie und

05:15.150 --> 05:16.850
wer kann dies am besten leisten?

05:16.850 --> 05:20.590
Professor Joachim Knebel ist Bereichsleiter Maschinenbau und

05:20.590 --> 05:24.190
Elektrotechnik am KIT und vertritt die Karlsruher

05:24.190 --> 05:28.050
Forschungsuniversität im Direktorium des ENTSCHUR-Projekts.

05:28.770 --> 05:32.770
Ich denke, hier haben wir eine gute Mischung aus Industrieunternehmen,

05:32.950 --> 05:38.290
ABB und Siemens, E.ON, Tenet, Lexans als großer Kabelhersteller oder

05:38.290 --> 05:41.930
Stadtwerke Kiel, aus der Wissenschaft die AWTH Aachen, das Karlsruher

05:41.930 --> 05:45.490
Institut für Technologie, Uni Dortmund, Uni Darmstadt, Fraunhofer

05:45.490 --> 05:49.230
Institute oder eben auch ganz wichtig aus der Zivilgesellschaft, die

05:49.230 --> 05:52.430
Deutsche Umwelthilfe oder German Watch Öko-Institut.

05:52.910 --> 05:56.670
Wir wollen ja hier die gesamte Gesellschaft mitnehmen, wir wollen die

05:56.670 --> 05:59.810
Industrie mitnehmen, wir wollen über die Universitäten die jungen

05:59.810 --> 06:01.390
Leute in den Markt bringen.

06:01.530 --> 06:04.450
Ich denke, es ist uns hier gelungen, ein sehr schlagkräftiges,

06:04.690 --> 06:07.630
homogenes, vertrauensvolles Konsortium zusammenzustellen.

06:08.470 --> 06:12.850
Die Beteiligung von E.ON im Henschur-Projekt ist dabei durch die

06:12.850 --> 06:15.910
Schleswig -Holstein Netz AG gewährleistet.

06:16.350 --> 06:19.570
Die Schleswig-Holstein Netz AG ist einer von vier großen

06:19.570 --> 06:23.510
Verteilnetzbetreibern der E.ON mit der höchsten angeschlossenen

06:23.510 --> 06:26.670
Leistung erneuerbarer Energien in Deutschland.

06:30.510 --> 06:35.090
Erstes Kapitel, wie Schalter, Umrichter und Transformatoren

06:35.090 --> 06:36.570
intelligent werden.

06:40.250 --> 06:43.690
Wir sind hier im Elektrotechnischen Institut, hier unten im Labor.

06:43.810 --> 06:48.350
Dennis Breckle ist seit 2015 wissenschaftlicher Mitarbeiter am

06:48.350 --> 06:51.030
Institut für Elektrotechnik des KIT.

06:51.510 --> 06:53.910
Wir beschäftigen uns hier mit Multilevel-Umrichtern.

06:54.150 --> 06:56.970
Das hier ist ein typischer Umrichterschrank, wie er hier zu

06:56.970 --> 06:58.250
Forschungszwecken aufgebaut wird.

06:58.570 --> 07:01.850
Wir haben oben einmal den Leistungsteil und wir haben im mittleren

07:01.850 --> 07:03.770
Bereich des Schranks ein Signalverarbeitungsteil.

07:03.770 --> 07:07.710
Die Signalverarbeitung, wie der Name schon sagt, misst Strom, misst

07:07.710 --> 07:08.170
Spannung.

07:08.330 --> 07:12.270
Hier findet die Modulation der einzelnen Verfahren statt, um eben mit

07:12.270 --> 07:15.230
dem Leistungsteil kommunizieren zu können und eben die gewünschte

07:15.230 --> 07:16.830
Strom - und Spannungskurvenform einzuprägen.

07:17.510 --> 07:21.350
Man erkennt hier diese einzelnen Zellen, das sind diese Module, die

07:21.350 --> 07:25.010
hier in Reihe geschaltet werden, um eben dann eine möglichst schöne

07:25.010 --> 07:27.750
Spannungs - und Stromkurvenform erzeugen zu können.

07:28.230 --> 07:30.450
Das heißt, das ist dieses Steuerungselement?

07:30.450 --> 07:33.630
Genau, das besteht aus einem digitalen Signalprozessor.

07:34.090 --> 07:37.970
Wir haben verschiedene FPGAs, also Field Programmable Gate Arrays

07:37.970 --> 07:40.950
drin, um eben eine schnelle Kommunikation und Ansteuerung der

07:40.950 --> 07:42.730
Leistungshalbleiter zu ermöglichen.

07:47.350 --> 07:51.310
Für das Gelingen der Energiewende ist es ein Glücksfall, dass die

07:51.310 --> 07:55.450
Digitalisierung seit geraumer Zeit auch bei den Betriebsmitteln in den

07:55.450 --> 07:58.690
Stromnetzen enorme Fortschritte gemacht hat.

07:58.690 --> 08:03.090
Von der Hoch- über die Mittelspannung bis hin zur Niederspannung in

08:03.090 --> 08:07.790
den lokalen Versorgungsnetzen gilt, mit dem Einsatz von digitalen

08:07.790 --> 08:12.470
Steuerungsmodulen, Transformatoren, Umrichtern und Schaltern lässt

08:12.470 --> 08:17.130
sich das zentralistisch angelegte Stromnetz der Vergangenheit umbauen.

08:17.630 --> 08:21.630
Power Electronics, zu Deutsch Leistungselektronik, macht die

08:21.630 --> 08:25.610
Stromnetze der Zukunft sowohl flexibel als auch stabil.

08:25.610 --> 08:28.650
Eine Solarzelle zum Beispiel liefert eine gewisse Gleichspannung.

08:28.930 --> 08:32.010
Unser Energieversorgungsnetz arbeitet mit Wechselspannung 50 Hertz in

08:32.010 --> 08:32.310
Europa.

08:32.610 --> 08:33.590
Das muss umgeformt werden.

08:33.850 --> 08:36.090
Windkraft, da habe ich einen Generator, der dreht sich mit einer

08:36.090 --> 08:39.250
veränderlichen Drehzahl, hängt von der Windgeschwindigkeit ab und das

08:39.250 --> 08:42.670
muss wieder in eine Wechselspannung 50 Hertz umgewandelt werden, mit

08:42.670 --> 08:44.270
der ich dann die Energie einspeisen kann.

08:44.310 --> 08:48.490
Professor Mark Hiller entwickelt leistungselektronische Systeme am

08:48.490 --> 08:50.990
Institut für Elektrotechnik des KIT.

08:50.990 --> 08:55.970
Er ist stellvertretender Sprecher im Forschungskluster 4 des Insure

08:55.970 --> 08:56.370
-Projekts.

08:57.050 --> 09:01.130
In fünf Aufgabenbereichen, Cluster genannt, wird das Projekt

09:01.130 --> 09:02.170
vorangetrieben.

09:02.630 --> 09:07.350
In Cluster 4 werden die neuen Technologien für die künftig dezentral

09:07.350 --> 09:09.750
strukturierten Stromnetze entwickelt.

09:10.310 --> 09:13.170
Leistungselektronik bedeutet die Umformung von Gleich- zu

09:13.170 --> 09:16.150
Wechselspannung oder von Wechselspannung einer Frequenz in eine andere

09:16.150 --> 09:16.790
Frequenz.

09:16.790 --> 09:20.450
Das geht nicht mehr ohne Leistungselektronik, im Gegensatz zu früher,

09:20.690 --> 09:24.730
wo es große Kraftwerke gab, wo dann eben große Synchrongeneratoren,

09:24.830 --> 09:27.790
die von einer Dampfturbine zum Beispiel angetrieben werden, sei es in

09:27.790 --> 09:29.770
einem Kohlegas- oder Kernkraftwerk.

09:30.090 --> 09:31.170
Und das ist der große Unterschied.

09:31.310 --> 09:33.990
Ich habe jetzt nicht mehr große rotierende Massen, wie diese großen

09:33.990 --> 09:36.910
Kraftwerksgeneratoren am Netz hängen, die für eine gewisse Stabilität

09:36.910 --> 09:39.890
sorgen, die auch eine große Massenträgheit haben und dafür sorgen,

09:39.970 --> 09:43.290
dass die Netzfrequenz stabil ist, diese 50 Hertz eben, die wir bei uns

09:43.290 --> 09:45.850
haben, sondern ich habe jetzt viele Leistungselektronische

09:45.850 --> 09:48.810
Stellglieder, die erstmal diese Funktionalität nicht haben.

09:51.950 --> 09:56.550
Möglichst viel Strom aus Sonne- und Windkraft, das bedeutet für die

09:56.550 --> 10:01.390
Versorgungsnetze in Zukunft auch, dass der Gleichstrom eine größere

10:01.390 --> 10:03.450
Rolle spielen wird als bisher.

10:04.130 --> 10:07.350
Sonnenstrom beispielsweise wird als Gleichstrom erzeugt.

10:08.130 --> 10:12.630
In den Smart Grids wird es deshalb mehr Übergänge zwischen Gleich- und

10:12.630 --> 10:14.090
Wechselspannung geben.

10:14.090 --> 10:18.510
Dies kann effizient nur mit entsprechender Leistungselektronik

10:18.510 --> 10:19.590
bewältigt werden.

10:20.030 --> 10:25.010
Hochspannungs-Gleichstromübertragungen, sogenannte HGÜs, können dann

10:25.010 --> 10:29.630
den Strom nahezu verlustfrei von den Windparks vor der Küste in die

10:29.630 --> 10:34.590
urbanen Ballungsgebiete bringen, wo er in AC-Strom in den Wechselstrom

10:34.590 --> 10:37.610
der lokalen Verteilnetze umgewandelt wird.

10:37.950 --> 10:43.110
Und selbst dort bietet DC-Strom, also Gleichspannung, noch Vorteile.

10:45.610 --> 10:48.350
Man überlegt DC-Netze auf Haushaltsebene umzusetzen.

10:48.490 --> 10:51.270
Da verspricht man sich einen Effizienzvorteil, weil viele

10:51.270 --> 10:55.130
Einspeisungen, Batterien, Solarzellen, die sind DC schon, also

10:55.130 --> 10:55.750
Gleichspannung.

10:55.930 --> 10:58.210
Und sehr viele Verbraucher könnten mit Gleichspannung betrieben

10:58.210 --> 10:58.490
werden.

10:58.610 --> 11:01.730
Jeder Computer, jedes Handy werden eigentlich alle mit DC gespeist,

11:01.830 --> 11:04.030
also mit Gleichspannung und nicht mit Wechselspannung.

11:04.150 --> 11:06.830
Große Verbraucher, Herde oder sowas, können ja auch mit DC speisen.

11:07.070 --> 11:08.750
AC wird nur verwendet, weil es da ist.

11:08.870 --> 11:11.210
Aber ich habe immer erst eine Energiewandlungsstufe, die den Wechsel

11:11.210 --> 11:12.130
in Gleichstrom umwandelt.

11:12.550 --> 11:15.030
Und wenn ich das direkt tue, kann ich tatsächlich deutliche

11:15.030 --> 11:18.250
Effizienzsteigerungen erzielen, wenn ich das konsequent umsetze.

11:18.390 --> 11:22.850
Warum also nicht gleich ganz auf Gleichstrom umsteigen und sich von

11:22.850 --> 11:24.790
der Wechselspannung verabschieden?

11:25.430 --> 11:29.110
Professor Hiller warnt davor, das Kind mit dem Bade auszuschütten.

11:29.450 --> 11:33.830
Zum einen würde ein Komplettumbau der bestehenden Wechselstromnetze

11:33.830 --> 11:35.730
astronomische Summen verschlingen.

11:36.170 --> 11:39.370
Zum anderen hat die Wechselspannung auch Vorteile.

11:39.370 --> 11:41.750
Der große Vorteil der Wechselspannung ist ihre leichte

11:41.750 --> 11:42.370
Transformierbarkeit.

11:43.070 --> 11:46.130
Ich habe einen Trafo und kann die Spannungsebene sehr leicht anpassen

11:46.130 --> 11:47.890
mit einer guten galvanischen Trennung.

11:47.990 --> 11:50.710
Eine weitgehende Entkopplung zwischen den Spannungsebenen, was für

11:50.710 --> 11:52.590
eine sehr große Sicherheit eben sorgt.

11:52.810 --> 11:57.030
Einen DC-Strom zu trennen im Fehlerfall ist wesentlich aufwendiger,

11:57.170 --> 12:00.330
weil ein Wechselstrom immer einen Strom-Null-Durchgang hat.

12:00.470 --> 12:03.090
Wenn man sich vorstellt, man hat einen Lichtbogen, der brennt zwischen

12:03.090 --> 12:03.510
zwei Schaltkontakten.

12:04.290 --> 12:05.910
Und wenn der Strom dann zu Null wird, geht der aus.

12:06.010 --> 12:07.050
Dann ist der Strom getrennt.

12:07.050 --> 12:08.350
Bei Gleichstrom ist das nicht so.

12:08.430 --> 12:11.430
Da muss ich mir andere Technologien überlegen, damit ich so ein Netz

12:11.430 --> 12:12.490
sicher betreiben kann.

12:15.800 --> 12:18.660
Wir können das System hochfahren, dass man sieht, wie sieht die

12:18.660 --> 12:20.520
Stromkonform aus, der Spannungsverlauf.

12:20.940 --> 12:23.960
Wir müssen die Schütze schließen, um eben die Kondensatoren, die sich

12:23.960 --> 12:25.340
im System befinden, vorzuladen.

12:25.460 --> 12:27.140
Das Ganze funktioniert ferngesteuert.

12:27.540 --> 12:30.320
Man hört jetzt gleich die Schütze, wie sie zugehen, um eben die

12:30.320 --> 12:31.700
Kondensatoren vorzuladen.

12:39.240 --> 12:40.940
Man hört im Hintergrund jetzt die Lüfter.

12:41.020 --> 12:42.700
Wir haben Leistungselektronik, wir haben Verluste.

12:42.700 --> 12:46.020
Es entsteht Temperatur und eben um unsere Leistungsleitplatte, die da

12:46.020 --> 12:49.000
drin sind, zu beschützen, muss das aktiv weggekühlt werden.

12:49.100 --> 12:51.720
Das ist dieses Surren im Hintergrund, damit da nichts kaputt geht.

12:51.800 --> 12:54.560
Wenn man jetzt hier auf diese Messeinrichtungen guckt, wir haben hier

12:54.560 --> 12:57.760
ein dreiphasiges SINUS-System einer beliebigen Frequenz.

12:57.920 --> 13:00.800
Wir haben uns hier jetzt für 75 Hertz entschieden, einfach um zu

13:00.800 --> 13:02.440
zeigen, dass wir da beliebig sind.

13:02.540 --> 13:05.140
Wir sind nicht festgelegt, wir können das machen, letztendlich wie wir

13:05.140 --> 13:05.400
wollen.

13:05.720 --> 13:08.020
Und die Kurve ist schön symmetrisch?

13:08.020 --> 13:09.800
Die Kurve ist schön symmetrisch.

13:10.000 --> 13:12.960
Das ist diese typische Multilevel-Spannungskurvenform.

13:13.060 --> 13:14.640
Wir haben ein dreiphasiges System.

13:14.860 --> 13:18.640
Dieses System ist um 120 Grad Phasen verschoben, entspricht genau dem

13:18.640 --> 13:20.440
System, was man auch zu Hause erkennt.

13:20.740 --> 13:23.020
Ein Herd würde zum Beispiel genau daran angeschlossen werden, ein

13:23.020 --> 13:24.320
dreiphasiges Spannungssystem.

13:26.780 --> 13:31.800
Das Netz von heute ist eine gigantische Stromautobahn, wo alles mit

13:31.800 --> 13:36.380
allem verbunden ist, auf der der Verkehr aber vorwiegend in eine

13:36.380 --> 13:37.480
Richtung fließt.

13:37.480 --> 13:41.460
Diese Struktur muss man für ein Szenario fit machen, in dem

13:41.460 --> 13:44.340
Verbraucher immer auch Erzeuger werden können.

13:44.800 --> 13:48.580
Die digitalisierten Umrichter und Transformatoren, wie sie am

13:48.580 --> 13:52.840
Elektrotechnischen Institut des KIT im Rahmen von Forschungscluster 4

13:52.840 --> 13:57.380
des Ensure-Projekts entwickelt werden, leisten einen wichtigen Beitrag

13:57.380 --> 14:01.200
zur Flexibilisierung des herkömmlichen Stromnetzes.

14:01.200 --> 14:06.040
Denn eine Vision des Netzes der Zukunft ist ja eine in viele kleine,

14:06.480 --> 14:10.260
weitgehend autarke Einheiten aufgeteilte Struktur.

14:10.800 --> 14:15.580
Fein verästelte Inselnetze, in denen immer wieder Gleichstromstrecken

14:15.580 --> 14:18.380
mit Wechselstromstrecken abwechseln.

14:18.820 --> 14:22.540
Vor allem aber muss der Strom frei in alle Richtungen fließen.

14:22.820 --> 14:26.760
Die sogenannte Lastflussrichtung muss sich umkehren können.

14:26.760 --> 14:30.520
Stabil wird das nur funktionieren, wenn die neuen digitalisierten

14:30.520 --> 14:35.100
Steuerungselemente des Netzes auch miteinander kommunizieren können.

14:39.800 --> 14:44.340
Heute hängt so ein Ortsnetz direkt an seinem Verteilnetzbetreiber, hat

14:44.340 --> 14:47.100
eigentlich überhaupt keine vernünftige Schnittstelle zu ihm.

14:47.220 --> 14:49.640
Das heißt, die Energie wird einfach bezogen, gegebenenfalls auch

14:49.640 --> 14:52.860
zurückgespeist, wenn ich eben zu viel Solarenergie erzeuge in den

14:52.860 --> 14:53.180
Häusern.

14:53.340 --> 14:56.220
Aber es findet da keine wirkliche Steuerung und kein

14:56.220 --> 14:57.440
Informationsaustausch statt.

15:01.060 --> 15:04.460
Wenn ich dazu komme, dass dieses Ortsnetz ein dezentrales, ein

15:04.460 --> 15:07.700
Smartgrid wird, dann werde ich damit eine Entkopplung haben von dem

15:07.700 --> 15:08.700
übergeordneten Netz.

15:08.840 --> 15:11.320
Das kann zum Beispiel ein leistungselektronisches Stellglied, ein

15:11.320 --> 15:12.180
Stromrichter sein.

15:12.280 --> 15:14.780
Der Stromrichter muss dafür sorgen, dass dieses Netz funktioniert,

15:15.020 --> 15:16.760
dass Spannung und Frequenz usw.

15:17.000 --> 15:20.600
passen, sodass ich also auch dafür eine kleine Leitwarte brauche.

15:20.800 --> 15:23.280
Da wird keiner sitzen, der sich das anguckt den ganzen Tag, sondern

15:23.280 --> 15:24.880
das wird hochautomatisiert funktionieren.

15:24.980 --> 15:27.820
Und da müssen eben auch die Komponenten und Algorithmen entwickelt

15:27.820 --> 15:28.120
werden.

15:32.720 --> 15:34.000
Zweites Kapitel.

15:34.380 --> 15:37.420
Wo Energie fließt, fließen künftig auch Daten.

15:39.840 --> 15:44.740
Ein Netz, in dem der Strom mal in die eine, mal in die andere Richtung

15:44.740 --> 15:47.580
fließt, muss stabil gesteuert werden.

15:48.020 --> 15:51.520
Zusätzlich spielt die sogenannte Stromqualität eine Rolle.

15:51.980 --> 15:56.280
Das heißt, es sollte eine möglichst perfekte Sinusform erreicht

15:56.280 --> 15:56.720
werden.

15:56.720 --> 16:00.380
Das ist an sich schon eine hochkomplexe Aufgabe.

16:00.860 --> 16:04.460
Für die intelligenten Netze der Energiewende, wie sie das Ensur

16:04.460 --> 16:08.200
-Projekt entwickelt, ist es aber erst die halbe Miete.

16:11.930 --> 16:17.070
Ohne eine effiziente Speicherung des überschüssigen Stroms an heißen

16:17.070 --> 16:21.410
Sommer - oder windigen Herbsttagen ist ein entschiedener Umstieg auf

16:21.410 --> 16:23.870
erneuerbare Energieträger nicht möglich.

16:23.870 --> 16:28.830
Die Intelligenz der Netze muss deshalb vor Ort entscheiden, wann

16:28.830 --> 16:32.550
welche Batterie geladen oder entladen wird, wann ein

16:32.550 --> 16:37.370
Pumpspeicherkraftwerk den überschüssigen Strom aufnimmt oder aus dem

16:37.370 --> 16:42.030
zu viel erzeugten Ökostrom Methangas wird, das in die öffentlichen

16:42.030 --> 16:44.450
Gasnetze eingespeist werden kann.

16:44.450 --> 16:48.650
Die sogenannte Sektorenkopplung betrachtet die bisher strikt

16:48.650 --> 16:53.790
getrennten Energiebereiche Elektrizität, Wärme und Verkehr als ein

16:53.790 --> 16:54.830
Gesamtsystem.

16:55.310 --> 17:00.110
Damit aber vervielfacht sich zugleich auch der Komplexitätsgrad der

17:00.110 --> 17:02.670
benötigten Algorithmen für die Steuerung.

17:05.210 --> 17:07.730
Das Stichwort ist hier Energieinformatik.

17:07.730 --> 17:10.470
Wir haben ja eine Professur für Energieinformatik, die sich ganz

17:10.470 --> 17:15.830
speziell damit befasst, wie hier Betriebskonzepte erarbeitet und

17:15.830 --> 17:19.990
bewertet werden können, dass wir ein flexibles und sicheres

17:19.990 --> 17:22.350
Versorgungsnetz gewährleisten können.

17:22.350 --> 17:27.010
Dass die Grundlagenforschung zur kybernetischen Steuerung des neuen

17:27.010 --> 17:31.710
integrativen Energiesystems auch die Optionen des wissenschaftlichen

17:31.710 --> 17:36.210
Nachwuchses positiv beeinflussen wird, ist für Professor Joachim

17:36.210 --> 17:38.470
Knebel eine ausgemachte Sache.

17:38.950 --> 17:41.350
Das ist ja auch ein wesentlicher Punkt von Insure, die enge

17:41.350 --> 17:45.970
Kooperation zwischen Hochschulen und der Industrie, sodass die jungen

17:45.970 --> 17:49.390
Leute, die zum Beispiel beim KIT ausgebildet werden, hier ihre

17:49.390 --> 17:53.190
Promotion machen, dann im Anschluss direkt einen interessanten und

17:53.190 --> 17:55.610
zukunftssicheren Arbeitsplatz in der Industrie bekommen.

18:01.830 --> 18:06.370
Wenn wir von Steuerung des Energiesystems sprechen, ist vor allen

18:06.370 --> 18:10.230
Dingen wichtig zu beachten, dass dies möglichst in Echtzeit vollzogen

18:10.230 --> 18:15.050
werden muss, weil ja instantan sehr viele Komponenten im Netz, die

18:15.050 --> 18:19.110
über große Distanzen verteilt sind, um die gleichzeitig erfassen,

18:19.270 --> 18:20.830
steuern, regeln zu können.

18:21.030 --> 18:24.030
Dafür entwickeln wir die entsprechenden Algorithmen, vor allen Dingen

18:24.030 --> 18:28.410
auch Algorithmen, die die Daten sicher transportieren, dass die mit

18:28.410 --> 18:32.690
Protokollen übertragen werden, dass von außen nicht eingegriffen

18:32.690 --> 18:36.730
werden kann, also dass die Übertragung schnell, sicher und zuverlässig

18:36.730 --> 18:37.330
funktioniert.

18:37.330 --> 18:41.890
Die Energieinformatik ist eine sehr junge Disziplin, die im breiten

18:41.890 --> 18:45.710
Feld der angewandten Informatik innerhalb kürzester Zeit eine

18:45.710 --> 18:48.350
atemberaubende Entwicklung durchgemacht hat.

18:48.850 --> 18:52.350
Dabei geht es nicht nur um Protokolle, um Verschlüsselungs- und

18:52.350 --> 18:56.390
Kommunikationstechnologien, mit denen die leistungselektronischen

18:56.390 --> 19:00.210
Komponenten in einer kritischen Infrastruktur wie dem Stromnetz

19:00.210 --> 19:02.310
zuverlässig kommunizieren können.

19:02.310 --> 19:06.530
Auch ganz grundsätzliche Fragen zur zukünftigen Struktur des Netzes

19:06.530 --> 19:09.990
müssen von den Energieinformatikern beantwortet werden.

19:10.410 --> 19:14.890
Werden die Smart Grids beispielsweise so etwas sein wie ein Internet

19:14.890 --> 19:15.670
der Energie?

19:16.110 --> 19:18.930
Die Probleme sind lange nicht alle gelöst, auch deshalb, weil eine

19:18.930 --> 19:22.350
große Frage die Community bewegt, vielleicht auch aus der Idee des

19:22.350 --> 19:25.370
Internets getrieben, zu sagen, naja, brauchen wir überhaupt noch sowas

19:25.370 --> 19:29.010
wie Übertragungsnetze, zentrale, zentralistische Elemente mit

19:29.010 --> 19:29.890
Großkraftwerken?

19:29.890 --> 19:33.050
Oder machen wir das nicht wie im Internet, wo alles dezentral

19:33.050 --> 19:34.050
entschieden werden kann?

19:34.170 --> 19:37.750
Professor Veit Hagenmeier leitet das Institut für Angewandte

19:37.750 --> 19:38.510
Informatik.

19:38.870 --> 19:41.690
Er ist Mitglied des Insur-Direktoriums.

19:41.990 --> 19:44.910
Dezentral heißt dann in kleinen Bilanzräumen, also sogenannten Zellen,

19:45.110 --> 19:48.410
die dann für sich selber das Energiemanagement machen.

19:48.510 --> 19:50.610
Im Übrigen nicht nur Strom, sondern kommen über die Sektorkopplung

19:50.610 --> 19:53.750
auch noch angrenzende Energieträger wie Wärme und Gas, auch Fragen der

19:53.750 --> 19:55.470
Mobilität kommen dann mit ins Spiel.

19:55.470 --> 19:59.090
Also sozusagen ein lokales Energie- und Leistungsmanagement über diese

19:59.090 --> 20:03.510
Zellen, die sich über die in der Fläche verteilte Natur von

20:03.510 --> 20:06.250
Solarzellen und Windkraftwerken, also einfach topologisch ergibt.

20:06.470 --> 20:09.670
Angrenzende Zellen zu haben, die schon sich irgendwie aushelfen und

20:09.670 --> 20:11.270
wir brauchen keine zentralen Einheiten mehr.

20:11.450 --> 20:14.590
Das ist die ganz moderne Denke, die auch mitgetrieben durch die

20:14.590 --> 20:18.130
Energieinformatiker, aber auch durch modern denkende Elektrotechniker

20:18.130 --> 20:18.710
aufkam.

20:18.710 --> 20:23.810
Eine bestechende Idee, die als Internet der Energie diskutiert wird.

20:24.190 --> 20:27.850
Sie hätte zugleich den Charme, dass ein großer Teil der zur Steuerung

20:27.850 --> 20:32.070
notwendigen Daten nur lokal fließen müsste, weil die meisten

20:32.070 --> 20:35.850
Entscheidungen durch Programme vor Ort getätigt werden könnten.

20:36.370 --> 20:40.790
Zugleich hat dieses radikal dezentrale Konzept einer Internet

20:40.790 --> 20:44.790
-ähnlichen Struktur für die Smart Grids bei manchen Bürgern die

20:44.790 --> 20:48.550
Hoffnung aufkeimen lassen, man könne sich endgültig von den

20:48.550 --> 20:51.870
ungeliebten großen Energieversorgern abkoppeln.

20:52.350 --> 20:56.750
Mit der Photovoltaikanlage auf dem Dach und der Heimspeicherbatterie

20:56.750 --> 21:01.790
im Keller träumen viele von einer autarken Stromversorgung vor Ort.

21:02.490 --> 21:04.210
Professor Hagemeyer warnt.

21:04.470 --> 21:06.890
Wir haben gesagt, lasst uns doch davon ausgehen, dass wir jetzt hier

21:06.890 --> 21:10.970
nicht Religionen aufbauen oder Ideologien in ganz dezentral oder ganz

21:10.970 --> 21:14.050
zentral, sondern es wird eine Mischform sein müssen, dass vielleicht

21:14.050 --> 21:18.770
das, was heute Verteilnetz heißt, dann Energie-Erntenetz heißt, immer

21:18.770 --> 21:22.350
gedacht in dann etwas größeren Regionen, Stadt-Umland-Regionen.

21:22.710 --> 21:25.650
Und das, was heute mit Übertragungsnetz betitelt wird, wird zu einer

21:25.650 --> 21:29.690
Art Rückgrat-Stabilisierungsnetz, das eben dann in dem Moment, in dem

21:29.690 --> 21:32.510
die Bilanzen nicht mehr aufgehen, die richtige Menge Energie an die

21:32.510 --> 21:35.070
richtige Stelle bringt, sodass das Gesamtsystem stabil bleibt.

21:35.070 --> 21:39.310
Für energieintensive industrielle Produktionen wie die Glas- oder

21:39.310 --> 21:44.910
Aluminiumherstellung sind autarke Energieinseln vor Ort ohnehin kaum

21:44.910 --> 21:45.830
vorstellbar.

21:46.190 --> 21:49.550
Die dort gebrauchten riesigen Strommengen werden lokal nur im

21:49.550 --> 21:52.770
Ausnahmefall nachhaltig erzeugt werden können.

21:57.420 --> 22:02.020
Aber die Frage zentrale oder dezentrale Steuerung, die sogenannte

22:02.020 --> 22:06.440
Netztopologie, ist nur eines der vielen Probleme, mit denen sich die

22:06.440 --> 22:08.900
Energieinformatiker herumschlagen müssen.

22:09.440 --> 22:13.100
Wenn schon eine kleine Wolke am Himmel die Energieerzeugung drosseln

22:13.100 --> 22:16.860
kann, braucht man in den Netzen der Zukunft auch ein perfektes

22:16.860 --> 22:18.380
Vorhersagemanagement.

22:19.800 --> 22:23.640
Zunächst mal brauchen sie die Informationen sicher am richtigen Ort.

22:23.800 --> 22:26.920
Und zwar ist es nicht nur die aktuelle Information in der Sekunde, in

22:26.920 --> 22:30.140
der es dann sozusagen um Stabilität oder Nichtstabilität geht, sondern

22:30.140 --> 22:33.540
schon im Vorfeld das Wettervorhersagegeschehen, dann auch ein

22:33.540 --> 22:37.800
Energieproduktionsgeschehen sozusagen, entsprechende Lastprognosen.

22:37.980 --> 22:40.680
Wenn sie daran denken, dass manch ein Haushalt nicht mehr nur ein

22:40.680 --> 22:43.280
Verbraucher ist, wie es bisher war, sondern weil er sich selbst

22:43.280 --> 22:45.820
Photovoltaik aufs Dach setzt und die Batterien in den Keller stellt

22:45.820 --> 22:48.940
oder ein Elektroautor noch dabei hat, zum sogenannten Prosium wird,

22:49.060 --> 22:52.860
dann ist die Vorhersage, die bisher, auch die Vorhersage der Methoden,

22:52.900 --> 22:54.420
die bisher eingestellt wurden, nicht mehr ausreicht.

22:56.480 --> 23:00.120
Damit der Anteil des Stroms aus Sonne und Wind in den Netzen der

23:00.120 --> 23:03.420
Zukunft möglichst hoch sein kann, muss man mit sehr kleinen

23:03.420 --> 23:05.740
Sicherheitsreserven operieren können.

23:05.740 --> 23:10.380
Das sind in der Regel zentrale Kraftwerke, die für das Abfedern von

23:10.380 --> 23:14.500
Verbrauchsspitzen und unzureichender Stromerzeugung aus erneuerbaren

23:14.500 --> 23:17.700
Quellen im Stand-by-Modus gehalten werden.

23:18.200 --> 23:22.160
Das geht nur mit einer absolut zuverlässigen, vorausschauenden

23:22.160 --> 23:22.920
Planung.

23:23.360 --> 23:25.640
Sobald Sie die Vorhersagen haben, brauchen Sie eine Jahresplanung,

23:25.720 --> 23:28.080
eine Monatsplanung, eine Wochenplanung, eine Tagesplanung, eine Inter

23:28.080 --> 23:28.600
-Day -Planung.

23:28.600 --> 23:32.920
Denn nur aufgrund einer sehr guten Vorhersage plus Planung können Sie

23:32.920 --> 23:35.800
überhaupt in dem Zustand das Netz nachher operieren, dass die

23:35.800 --> 23:37.380
Regelungstechnik noch anschlagen kann.

23:37.400 --> 23:39.300
Wenn Sie sich völlig verschätzen, dann kann auch die beste

23:39.300 --> 23:41.180
Regelungstechnik deshalb nichts mehr helfen, weil Sie gar keine

23:41.180 --> 23:42.140
Stellenergie haben.

23:42.320 --> 23:43.880
Das ist eine sehr komplexe Aufgabe.

23:46.260 --> 23:48.360
Und sie wird noch komplexer.

23:48.800 --> 23:52.300
Nach den bisherigen Erfahrungen mit dem Erneuerbare-Energie-Gesetz

23:52.300 --> 23:56.600
weiß man, nur wenn Marktmechanismen greifen, kann verhindert werden,

23:56.740 --> 23:59.780
dass die Stromkosten in astronomische Höhen steigen.

24:00.260 --> 24:04.040
Die Netze der Zukunft müssen deshalb auch Platz für eine rasch

24:04.040 --> 24:08.980
reagierende Strombörse bieten, auf der viele unterschiedliche Anbieter

24:08.980 --> 24:09.980
agieren können.

24:11.840 --> 24:15.320
Wenn Sie dezentrale, lokale Märkte aufbauen mit unterschiedlichen

24:15.320 --> 24:19.080
Tarifierungssystemen, vielleicht sogar zeitaktuellen Tarifen, je nach

24:19.080 --> 24:19.580
Angebot.

24:19.860 --> 24:22.120
Das KIT forscht auch daran im Rahmen von Intum.

24:22.240 --> 24:24.460
Dann sind diese Marktinformationen auch noch gleichzeitig wichtig.

24:24.680 --> 24:26.940
Dann sofort die Frage nach Verschiebepotenzial in andere

24:26.940 --> 24:27.680
Energieträger.

24:27.960 --> 24:30.420
Der Komplexitätsbaum macht sich sehr schnell sehr weit auf.

24:30.680 --> 24:33.500
Und da werden wir die Aufgabe haben, diese Komplexität in solche

24:33.500 --> 24:36.720
Pakete so zu verpacken, dass es dann nachher einen stabilen Betrieb

24:36.720 --> 24:37.020
gibt.

24:39.870 --> 24:44.010
Aus den Experimenten der Elementarteilchenphysik, bei denen riesige

24:44.010 --> 24:47.670
Datenmengen entstehen, stammen die sogenannten Big Data

24:47.670 --> 24:49.050
-Analyseprogramme.

24:49.610 --> 24:53.430
Sie werden jetzt auch in den Versorgungsnetzen der Zukunft gebraucht,

24:53.730 --> 24:57.890
beispielsweise um aus Daten der Vergangenheit zuverlässige Prognosen

24:57.890 --> 24:59.890
für die Zukunft zu generieren.

25:01.270 --> 25:05.010
Viel, was unter Artificial Intelligence läuft, ob man das immer

25:05.010 --> 25:07.430
Intelligenz nennen muss, weiß ich nicht.

25:07.610 --> 25:10.230
Aber natürlich werden diese Methoden, die dann heute zum Beispiel

25:10.230 --> 25:13.770
unter Deep Learning oder so auch laufen, in dem Rahmen relevant, um

25:13.770 --> 25:18.450
große Datenmengen in vernünftige, dienliche Modellierungen zu bringen.

25:18.670 --> 25:21.610
Das können neuronale Netze sein, das können aber auch andere Methoden

25:21.610 --> 25:21.890
sein.

25:21.890 --> 25:25.970
Und manchmal ist es sogar die ganz einfache Methode von vorgestern,

25:26.090 --> 25:28.970
die Ihnen ein schönes, robustes Ergebnis liefert, mit dem Sie dann

25:28.970 --> 25:30.090
auch zu Rande kommen.

25:37.820 --> 25:38.920
Drittes Kapitel.

25:39.340 --> 25:42.160
Numerische Simulation schafft Vertrauen.

25:45.320 --> 25:49.840
Wenn Sie neue Technologie entwickeln, wollen Sie das natürlich im

25:49.840 --> 25:51.500
echten Netz ausprobieren.

25:51.500 --> 25:56.500
Prof. Matthias Nohe leitet das Institut für Technische Physik.

25:56.840 --> 26:00.780
Im Rahmen von Ensure ist er an der Entwicklung von Testverfahren für

26:00.780 --> 26:04.720
die neue Hardware in den intelligenten Stromnetzen beteiligt.

26:04.840 --> 26:09.520
Wir haben 2003 den weltweit ersten resistiven, supraleitenden

26:09.520 --> 26:13.160
Strombegrenzer ins Netz der RWE gebracht und entwickelt.

26:13.840 --> 26:17.100
Und wir haben den natürlich im Leistungslabor getestet, sonst wäre der

26:17.100 --> 26:18.200
da nicht reingekommen.

26:18.200 --> 26:23.920
Und diese ganze Prozedur mit testen, qualifizieren und dann erst

26:23.920 --> 26:26.620
sehen, wie sich es verhält im Netz, das hat also vier Jahre

26:26.620 --> 26:27.900
Entwicklungszeit gekostet.

26:28.080 --> 26:31.120
Hätte ich damals schon Power Hardware in the Loop zur Verfügung

26:31.120 --> 26:34.640
gehabt, da hätte ich nach gut einem Jahr spätestens sagen können, wie

26:34.640 --> 26:36.100
sich das im Netz verhalten wird.

26:36.280 --> 26:40.020
Im Versuchslabor des Instituts für Technische Physik auf dem Campus

26:40.020 --> 26:44.600
Nord des KIT begegnet uns die Leistungselektronik in einer neuen

26:44.600 --> 26:45.860
Anwendung wieder.

26:45.860 --> 26:50.100
Bis eine neue Hardware für eine kritische Infrastruktur wie die

26:50.100 --> 26:54.800
Stromversorgung zugelassen wird, war es bisher ein langer Weg mit sehr

26:54.800 --> 26:56.960
vielen, auch rechtlichen Hürden.

26:57.440 --> 27:01.140
Kein Stromversorger riskiert leichtfertig, dass die Versorgung durch

27:01.140 --> 27:04.760
nicht ausreichend getestete Betriebsgeräte zusammenbricht.

27:05.200 --> 27:09.740
Aus gutem Grunde gibt sich die Strombranche äußerst konservativ.

27:09.740 --> 27:13.840
Mit einer als Power Hardware in the Loop bekannt gewordenen

27:13.840 --> 27:17.940
Testumgebung lassen sich jetzt Innovationen sehr viel schneller ins

27:17.940 --> 27:18.980
Stromnetz bringen.

27:32.300 --> 27:37.200
Der eigentliche Kern des Power Hardware in the Loop ist diese schnelle

27:37.200 --> 27:38.960
Leistungselektronik.

27:39.120 --> 27:44.840
Das sind zwei 30 kVa Verstärkereinheiten, die dann über eine

27:44.840 --> 27:48.220
Echtzeitansteuerung schnell geregelt werden.

27:48.220 --> 27:53.820
Diese dienen als Quelle, wo dann Strom und Spannung dem Device an der

27:53.820 --> 27:55.420
Test zur Verfügung steht.

27:56.060 --> 28:00.480
So, jetzt muss ich das schnell in eine Simulationsumgebung einbinden.

28:01.400 --> 28:02.820
Das sehen wir hier.

28:03.420 --> 28:06.940
Erstmal nur in der Form der Bildschirme und der dazugehörigen Rechner,

28:07.440 --> 28:10.080
wo die Echtzeitsimulationssoftware läuft.

28:10.080 --> 28:16.320
Die entscheidende Verbindung ist allerdings hier in diesem Schrank mit

28:16.320 --> 28:19.940
der Verknüpfung der Signale und der Ein- und Ausgänge.

28:20.020 --> 28:24.320
Einmal der Verknüpfung der Signale von der Simulation zur

28:24.320 --> 28:28.580
Leistungselektronik und von der Leistungselektronik Hardware zurück

28:28.580 --> 28:29.880
zur Simulation.

28:29.880 --> 28:34.960
Und die Verknüpfung von Simulation auf der einen Seite, schneller

28:34.960 --> 28:40.100
Verknüpfung hier und der Leistungselektronik ermöglicht dann den Power

28:40.100 --> 28:41.440
Hardware in the Loop.

28:43.460 --> 28:48.340
Die praktisch grenzenlose Flexibilität der Leistungselektronik und

28:48.340 --> 28:52.720
ihre Reaktionsgeschwindigkeit im Mikrosekundenbereich werden am

28:52.720 --> 28:57.120
Institut für Technische Physik genutzt, um die Netzumgebung für neu

28:57.120 --> 28:59.940
entwickelte Betriebselemente zu simulieren.

29:00.440 --> 29:05.220
Mit Power Hardware in the Loop kann reale Hardware vom Schalter bis

29:05.220 --> 29:09.560
zum Umrichter in einem perfekt simulierten Versorgungsnetz einer

29:09.560 --> 29:13.000
ganzen Reihe von Stresstests unterzogen werden.

29:16.020 --> 29:18.040
Jetzt sehe ich hier ein Panel.

29:18.200 --> 29:22.260
Das ist also ein Beispiel für ein Gerät, was hier in diesem Prüffeld

29:22.260 --> 29:23.440
getestet werden kann?

29:24.020 --> 29:25.660
Ja, ein Photovoltaik-Panel.

29:25.920 --> 29:28.620
Und wenn wir jetzt die normale Beleuchtung da drauf scheinen lassen,

29:28.780 --> 29:31.120
sehen wir auch schon, wie Strom erzeugt wird.

29:31.640 --> 29:36.660
Wir können dann eine virtuelle Wolke aus Pappe davor halten und sehen,

29:37.080 --> 29:38.480
wie sich das auswirkt.

29:38.480 --> 29:42.960
Wir können aus einem Photovoltaik-Modul hochskalieren auf große

29:42.960 --> 29:44.740
Photovoltaik -Parks dadurch.

29:45.120 --> 29:48.880
Was sind denn die wichtigsten Fragestellungen, die dann in so einem

29:48.880 --> 29:54.280
Test gemischt aus numerischer Simulation und echter Hardware gestellt

29:54.280 --> 29:54.760
werden?

29:55.080 --> 29:58.260
Also die erste Fragestellung bei Technologieentwicklung funktioniert

29:58.260 --> 30:00.560
es, wie es vorhergesehen ist.

30:00.840 --> 30:02.780
Das können wir hier eins zu eins untersuchen.

30:02.780 --> 30:08.460
Die zweite Fragestellung, wie regle ich denn das Netz, dass es stabil

30:08.460 --> 30:09.740
und sicher bleibt?

30:10.260 --> 30:15.200
Da kann ich entsprechende Regelungsalgorithmen entwickeln, die das

30:15.200 --> 30:18.380
Netz bei welchen Vorgängen auch immer stabil halten.

30:22.160 --> 30:28.760
Seit 2014 ist auf dem Campus Nord des KIT das Energy Lab 2.0 im

30:28.760 --> 30:29.160
Aufbau.

30:29.160 --> 30:33.440
Hier wird die Sektorenkopplung erforscht, also die Integration

30:33.440 --> 30:37.080
unterschiedlicher Energieträger und Speichermedien.

30:37.820 --> 30:42.960
Zum Energy Lab 2.0 gehören der KIT Photovoltaik-Park mit einer

30:42.960 --> 30:47.780
Leistung bis zu einem Megawatt, die KIT Biolig-Pilotanlage, die aus

30:47.780 --> 30:52.120
Stroh Treibstoff erzeugt, ein entsprechend dimensionierter Lithium

30:52.120 --> 30:56.560
-Ionen -Batteriespeicher, zwei Anlagen, mit denen unverbrauchter

30:56.560 --> 31:00.940
Strom, CO2 und Wasserstoff in Methangas oder wahlweise in

31:00.940 --> 31:04.400
synthetischen Treibstoff verwandeln kann und schließlich drei

31:04.400 --> 31:09.140
Mikrogasturbinen, in denen das Methan bei Bedarf wieder zu Strom wird.

31:09.520 --> 31:14.080
Ein auf Megawattmaßstab erweitertes Power-Hardware-in-the-Loop-Labor

31:14.080 --> 31:18.860
wird dort im Rahmen des Insure-Projekts ebenfalls seinen Platz finden.

31:18.860 --> 31:23.580
Unser Schwerpunkt ist, dass wir die Kopplung der verschiedenen

31:23.580 --> 31:27.820
Energieträger untersuchen möchten, die sogenannte Sektorenkopplung.

31:27.960 --> 31:30.760
Wir haben hier sehr gute Voraussetzungen, weil wir natürlich mit dem

31:30.760 --> 31:35.080
Energy Lab verschiedene Komponenten hier schon vor Ort haben, genau in

31:35.080 --> 31:38.580
diesem Megawattmaßstab, wie wir auch das Power-Hardware-in-the-Loop

31:38.580 --> 31:40.140
-Labor hier aufbauen möchten.

31:40.540 --> 31:43.920
Das heißt, wir können eine Vielzahl von verschiedenen Kombinationen

31:43.920 --> 31:48.020
von Technologien miteinander verknüpfen und bei der Sektorenkopplung

31:48.020 --> 31:52.120
kommen unterschiedliche Zeitskalen, unterschiedliche Energieträger zum

31:52.120 --> 31:56.200
Tragen und normalerweise unterhalten die sich bisher nicht, wie steht

31:56.200 --> 31:59.880
der Strom für den Elektrolyseur zur Verfügung, in welcher Qualität

31:59.880 --> 32:03.600
oder umgekehrt, was kommt daraus und wie kann ich das zurückspeisen

32:03.600 --> 32:04.130
ins Stromnetz.

32:14.820 --> 32:19.600
Dieses Netz hier, das ist ja wie so ein altes Telefonpanel, wo man

32:19.600 --> 32:21.420
Steckverbindungen machen kann.

32:21.780 --> 32:25.520
Das heißt, das ist eine Möglichkeit, Netzstrukturen diesem

32:25.520 --> 32:27.880
Prüfungsprozess zu unterziehen.

32:28.220 --> 32:32.440
Ja, da haben wir hier schon mal so ein Netz nachgebildet, in einer

32:32.440 --> 32:35.520
kleinen Version, ein Mikronetz quasi.

32:35.680 --> 32:39.500
Anstatt 380 kV haben wir 380 Volt.

32:39.500 --> 32:43.500
Das ist also eine Nachbildung eines Energieversorgungsnetzes aus

32:43.500 --> 32:44.500
verschiedenen Komponenten.

32:45.600 --> 32:48.400
Sie sehen da Transformatorenachbildungen, Sie sehen da

32:48.400 --> 32:52.700
Leitungsnachbildungen, Sie sehen Messgeräte dazu, Sie sehen auch mal

32:52.700 --> 32:53.760
spezielle Schalter.

32:54.380 --> 32:58.500
Das ist jetzt tatsächlich so eine Art Netzaufbau, wie man es wirklich

32:58.500 --> 32:58.860
hat.

32:59.260 --> 33:04.240
Und unser Ansatz ist, gelingt es mit den Mikrogrids nachzuweisen, wie

33:04.240 --> 33:05.920
sich große Netze verhalten.

33:05.920 --> 33:09.600
Gucken Sie mal hier die Wand an, die hätte genug Platz, das ganze

33:09.600 --> 33:12.160
deutsche Netz im Minimaßstab nachzubilden.

33:12.620 --> 33:15.420
Und das wäre doch schön, wenn man sagen könnte, das würde hier

33:15.420 --> 33:19.180
funktionieren und wir könnten die wesentlichen Vorgänge, wie sie da

33:19.180 --> 33:24.020
stattfinden, hier visualisierbar machen und begreifbar und messbar und

33:24.020 --> 33:24.980
anschaulich machen.

33:25.220 --> 33:28.160
Das ist eine Möglichkeit, auf die wir abzielen.

33:28.760 --> 33:30.060
Das dauert allerdings noch ein bisschen.

33:35.650 --> 33:37.070
Viertes Kapitel.

33:37.330 --> 33:41.390
Fließt der Strom unter der Erde, wird der Widerstand kleiner.

33:46.570 --> 33:51.370
Auch die sogenannte Hochtemperatursupraleitung wird in den Netzen der

33:51.370 --> 33:53.310
Zukunft eine Rolle spielen.

33:53.790 --> 33:57.470
Bestimmte Kristalle setzen schon bei relativ hohen Temperaturen um die

33:57.470 --> 34:03.390
20 Kelvin, das entspricht minus 253 Grad Celsius, dem Stromfluss

34:03.390 --> 34:05.650
praktisch keinen Widerstand entgegen.

34:05.650 --> 34:09.810
Für Professor Noe ist die mit flüssigem Stickstoff gekühlte

34:09.810 --> 34:13.730
Supraleitung ideal für bestimmte kurze Abschnitte in den

34:13.730 --> 34:17.190
Stromautobahnen, die die Windenergie von der Küste in die

34:17.190 --> 34:19.670
Ballungsräume des Südens transportieren.

34:20.170 --> 34:23.850
Auch wegen des Widerstands lokaler Bürgergruppen werden diese nicht

34:23.850 --> 34:27.150
überall als Freileitungen gezogen werden können.

34:27.150 --> 34:31.090
Unsere Aufgabe ist nun zu untersuchen, wie man mit einem

34:31.090 --> 34:35.510
Supraleitenden Kabel eine solche Teil-Erdverkabelung durchführen kann

34:35.510 --> 34:39.590
und die technisch und wirtschaftlich zu bewerten gegenüber den

34:39.590 --> 34:43.890
bestehenden Technologien wie konventionelle Kabel, die zum Beispiel

34:43.890 --> 34:50.330
eine Trassenbreite haben von über 65 Metern auf 2 Meter Tiefe ungefähr

34:50.330 --> 34:56.650
aufgegraben, um ein 4 x 380 kV Freileitungssystem unter die Erde zu

34:56.650 --> 34:56.930
bringen.

34:57.230 --> 35:02.410
Das ist ungefähr eine gute mehrspurige Autobahn, die Sie dort

35:02.410 --> 35:03.150
benötigen.

35:03.150 --> 35:08.610
In einem Supraleitenden Kabel würden Sie eine Feldwegbreite benötigen

35:08.610 --> 35:13.970
und könnten auf dieser Feldwegbreite die 4 Systeme 380 kV unterbringen

35:13.970 --> 35:17.110
mit derselben Leistung, wie sie die Freileitungen hat.

35:23.080 --> 35:24.180
Fünftes Kapitel.

35:24.600 --> 35:27.560
Wie beweist man, dass alles wirklich funktioniert?

35:27.560 --> 35:32.740
Wir sehen die Beteiligung in Ensure als große Chance, neue

35:32.740 --> 35:36.900
Technologien, die im wissenschaftlichen Bereich in den Universitäten

35:36.900 --> 35:41.200
entwickelt werden, in Zusammenarbeit mit diesen universitären Partnern

35:41.200 --> 35:45.120
und eben auch in Verbindung mit den anderen Industriepartnern,

35:45.240 --> 35:49.080
insbesondere hier den Netzbetreibern Eon und Tenet marktreif zu

35:49.080 --> 35:49.340
machen.

35:49.340 --> 35:53.660
Und im Ensure sehen wir die Chance, dass jetzt eine Demonstration

35:53.660 --> 35:57.940
möglich ist, die über das regionale Maß, was in anderen Projekten

35:57.940 --> 35:59.340
passiert, möglich ist.

35:59.620 --> 36:03.880
Mit mehreren Partnern, insbesondere auch Partnern, die üblicherweise

36:03.880 --> 36:05.260
im Wettbewerb stehen.

36:05.260 --> 36:10.380
Der Physiker Dr. Silvio Cosse ist Mitglied des Ensure Direktoriums.

36:10.840 --> 36:15.120
Beim Projektpartner Siemens Corporate Technology leitet er am Standort

36:15.120 --> 36:19.320
Erlangen eine Arbeitsgruppe im Technologiefeld Energiesysteme.

36:19.320 --> 36:24.160
Die Bewältigung der Probleme beim Umbau der bestehenden Energienetze

36:24.160 --> 36:27.980
bei laufendem Betrieb sind aus seiner Sicht entscheidend für den

36:27.980 --> 36:29.700
Erfolg des Forschungsprojekts.

36:30.100 --> 36:33.300
Schließlich kann man das bestehende Netz ja nicht einfach abschalten.

36:33.680 --> 36:36.840
Der Umbau wird also gleitend vonstatten gehen müssen.

36:36.840 --> 36:40.600
Wir brauchen weiterhin mechanische zuverlässige Schalter als

36:40.600 --> 36:41.400
Schutzeinrichtung.

36:41.540 --> 36:44.820
Das, was in der Vergangenheit, was heute aktuell überall verbaut wird,

36:44.860 --> 36:45.740
wird es weiterhin geben.

36:45.900 --> 36:50.180
Es wird aber aus unserer Sicht der Anteil an Leistungselektronik im

36:50.180 --> 36:51.560
Netz sich erhöhen.

36:52.040 --> 36:55.240
Und das Wechselspiel zwischen den leistungselektronischen

36:55.240 --> 36:58.820
Betriebsmitteln und den eher konventionellen Betriebsmitteln, das ist

36:58.820 --> 37:01.640
auch Gegenstand des Copernicus-Projektes.

37:01.640 --> 37:04.840
Die Untersuchung, wie müssen sie interagieren, welche

37:04.840 --> 37:09.340
Schnittstellenprotokolle müssen entwickelt oder können genutzt werden

37:09.340 --> 37:13.180
und welche Anforderungen ergeben sich daraus für aktuelle

37:13.180 --> 37:14.340
Betriebsmittel bzw.

37:14.720 --> 37:16.580
für die Weiterentwicklung dieser Betriebsmittel.

37:23.700 --> 37:27.740
Am Ende der zehnjährigen Laufzeit des Insure-Projekts wird die

37:27.740 --> 37:31.460
universitäre Grundlagenforschung durch die Industriepartner im

37:31.460 --> 37:34.640
Konsortium in die Wirklichkeit umgesetzt werden.

37:35.160 --> 37:38.580
Ein Demonstrator wird zeigen, dass die entwickelten Netz- und

37:38.580 --> 37:42.460
Steuerungskonzepte sowie die entsprechende Hardware auch in der

37:42.460 --> 37:46.840
Realität genau das können, was man sich vorgenommen hat, eine

37:46.840 --> 37:51.460
nachhaltige, sichere und dennoch bezahlbare Energieversorgung.

37:52.560 --> 37:57.180
Da es bereits lokale und regionale Pilotprojekte zur intelligenten

37:57.180 --> 38:01.640
Stromversorgung gibt, wird der Insure-Demonstrator nach Überzeugung

38:01.640 --> 38:05.840
von Silvio Kosse einen entscheidenden Schritt darüber hinausgehen

38:05.840 --> 38:06.240
müssen.

38:06.240 --> 38:10.860
Wir brauchen nichts in dieser Copernicus-Initiative demonstrieren, was

38:10.860 --> 38:12.440
in der Vergangenheit schon demonstriert wurde.

38:12.580 --> 38:14.380
Also es muss über die Region hinausgehen.

38:15.020 --> 38:17.280
Die Frage, ob es nicht gleich eine Großstadt sein wird, die würde ich

38:17.280 --> 38:18.600
im Moment noch nicht verneinen.

38:19.000 --> 38:22.720
Das hängt davon ab, welche Großstadt man in die Gespräche einbeziehen

38:22.720 --> 38:27.020
kann, welche Argumente haben wir, die zu überzeugen, dort mitzumachen,

38:27.240 --> 38:31.100
weil es auch ein Risiko birgt, dass in der Demonstration nicht alles

38:31.100 --> 38:31.820
perfekt läuft.

38:31.820 --> 38:34.500
Das ist so, deswegen macht man eine Demonstration.

38:34.980 --> 38:38.960
Wir versuchen natürlich im Vorfeld in der Labordemonstration, dieses

38:38.960 --> 38:41.940
soweit, wie es nur geht, auszuschließen bzw.

38:42.380 --> 38:45.160
diese Fälle kennenzulernen und dann entsprechend zu reagieren.

38:45.320 --> 38:48.620
Aber ich würde es im Moment nicht ausschließen, dass man auch eine

38:48.620 --> 38:52.820
größere Region, und zwar deutlich größer, als das in den vergangenen

38:52.820 --> 38:56.260
Projekten oder in den laufenden Projekten gerade erfolgt, andenkt.

38:58.140 --> 39:02.480
Möglicherweise wird der Ensur-Demonstrator die Ergebnisse der anderen

39:02.480 --> 39:04.680
Copernicus -Projekte einbeziehen.

39:05.040 --> 39:08.900
Das gilt vor allem für das Power-to-X-Projekt, das an der Integration

39:08.900 --> 39:12.620
der Energieträger Gas, chemische Grundstoffe und synthetische

39:12.620 --> 39:16.400
Kraftstoffe in das Stromversorgungssystem arbeitet.

39:16.400 --> 39:20.580
Das Synergy-Projekt dagegen beschäftigt sich mit der Frage, wie

39:20.580 --> 39:25.420
energieintensive industrielle Produktion mit der stark fluktuierenden

39:25.420 --> 39:29.540
Energieerzeugung aus Sonne und Wind in Einklang gebracht werden kann.

39:30.040 --> 39:34.340
Bei allen Überlegungen aber steht die Stabilität des Gesamtnetzes im

39:34.340 --> 39:35.060
Vordergrund.

39:35.520 --> 39:39.020
Nach den bisherigen Erkenntnissen sollte sie von einem in der Fläche

39:39.020 --> 39:42.160
feinmaschiger vernetzten System profitieren.

39:42.160 --> 39:46.780
Jetzt haben wir ja eher Strangnetze oder Ringnetze, die offen sind.

39:46.960 --> 39:50.680
Manchmal geschlossen wären, wenn man jetzt die Netzabschnitte stärker

39:50.680 --> 39:54.020
vermaschen würde, sprich also verbinden würde, dann hätte man im

39:54.020 --> 39:56.340
Idealfall ja sowas wie eine Kupferplatte.

39:56.880 --> 40:00.440
Und auf einer Kupferplatte ist es so, dass nahezu keine

40:00.440 --> 40:03.460
Spannungsabfälle zu verzeichnen sind, weil der Widerstand dieses

40:03.460 --> 40:06.360
Systems so gering ist, dass kein Spannungsabfall zu bezeichnen ist.

40:06.360 --> 40:10.100
Das ist das, was in Kopernikus & Schuhe auch adressiert ist, dass man

40:10.100 --> 40:13.180
möglicherweise lokale Bereiche in den Inselbetrieb fährt.

40:13.500 --> 40:17.140
Das heißt, sie entkoppeln sich vom übergeordneten Netz, sind damit

40:17.140 --> 40:21.000
autark für eine gewisse Zeit und sind aber so sicher, dass eben ein

40:21.000 --> 40:22.820
übergeordneter Fehler sich dort nicht auswirkt.

40:22.900 --> 40:24.700
Dann muss man aber auch wieder dazusehen, dass die sich

40:24.700 --> 40:27.940
synchronisieren können mit dem übergeordneten Netz und dass die

40:27.940 --> 40:30.000
Einstellungen alle passen bzw.

40:30.420 --> 40:33.840
wir nicht durch Zuschalten eines großen Netzbereiches das System

40:33.840 --> 40:34.760
wieder instabiler machen.

40:36.360 --> 40:38.120
Sechstes und letztes Kapitel.

40:38.560 --> 40:42.540
Welches Stromnetz wollen wir und wie viel darf es kosten?

41:09.070 --> 41:11.210
Das ist eine sehr wichtige gesellschaftliche Komponente im Sinne von

41:11.210 --> 41:15.130
Demokratie und da wird unter Umständen durchaus auch technische

41:15.130 --> 41:16.610
Ineffizienten in Kauf genommen.

41:42.350 --> 41:46.750
Dort wollen wir zusammen mit den Kollegen, beispielsweise Öko-Institut

41:46.750 --> 41:52.590
oder EWI aus Köln, wollen wir Storylines entwickeln, die den

41:52.590 --> 41:55.230
Entwicklern eine gewisse Rahmung geben sollen.

41:55.490 --> 41:59.290
Je nachdem, wie sich das Energiesystem zukünftig entwickelt, kann es

41:59.290 --> 42:02.570
heißen, dass bestimmte Technologien bevorzugt beforscht werden müssen,

42:02.670 --> 42:05.530
während andere Technologien unter den Rahmenbedingungen, die wir

42:05.530 --> 42:08.390
erwarten, eben nicht zielführend sein können.

42:11.980 --> 42:15.800
Welches Energiesystem will die Gesellschaft in ihrer Mehrheit

42:15.800 --> 42:16.500
eigentlich?

42:17.000 --> 42:20.280
Das ist die Leitfrage des gesamten Ensur-Projekts.

42:20.680 --> 42:24.560
Die Politik hat aus vielen negativen Erfahrungen in der Vergangenheit

42:24.560 --> 42:25.120
gelernt.

42:25.480 --> 42:29.740
Zur erfolgreichen Einführung neuer Technologien braucht man vor allem

42:29.740 --> 42:32.920
eines, eine breite gesellschaftliche Akzeptanz.

42:34.000 --> 42:38.460
Deshalb diskutieren in Ensur Vertreter der Zivilgesellschaft mit dem

42:38.460 --> 42:42.860
Bundesverband der Industrie, mit Vertretern der Energiebranche und

42:42.860 --> 42:44.020
sogar mit dem Bauernverband.

42:45.260 --> 42:48.720
Wir brauchen Interessensvertreter in unserer Diskussion, die sagen,

42:48.800 --> 42:51.980
wenn ihr zu viel Kabel durchs Land legt, haben wir keine Möglichkeiten

42:51.980 --> 42:54.000
mehr unsere Landwirtschaft zu betreiben, zum Beispiel.

42:54.000 --> 42:58.760
Wir haben die Gewerkschaften im Boot, um nicht nur eben die Industrie

42:58.760 --> 43:02.040
oder die Vertreter der Stromhersteller zu berücksichtigen, sondern

43:02.040 --> 43:04.760
auch mal aus der Perspektive eines Arbeitnehmers.

43:05.480 --> 43:09.000
Stichwort gerechter Lohn, Stichwort ausreichender Lohn.

43:09.000 --> 43:13.400
Wir haben aber auch eine ethische Dimension, die soll die Energiewende

43:13.400 --> 43:18.280
aus dem Blickwinkel einer Organisation betrachten, die ganz weit weg

43:18.280 --> 43:22.200
ist von Gewinnmaximierung, ganz weit weg ist von irgendwelchen

43:22.200 --> 43:25.580
technischen Randbedingungen, sondern die eigentlich ein bisschen den

43:25.580 --> 43:29.900
Blickwinkel der Gesellschaft, aber eben der Werte mit berücksichtigt.

43:31.600 --> 43:35.900
Die Entwicklung von Best-Practice-Beispielen für eine echte

43:35.900 --> 43:41.400
Partizipation der Bürger bei konkreten Netzausbauprojekten vor Ort ist

43:41.400 --> 43:45.400
eine Aufgabe, der sich das Institut für Technikfolgenabschätzung

43:45.400 --> 43:46.820
ebenfalls stellt.

43:46.820 --> 43:51.480
Eine möglichst frühzeitige Information der Betroffenen beim Bau einer

43:51.480 --> 43:56.040
Stromtrasse oder eines Windparks ist sicher ein erster Schritt, um

43:56.040 --> 43:59.060
eine möglichst breite Akzeptanz herzustellen.

43:59.460 --> 44:02.180
In der Praxis ist das aber nicht ganz so einfach.

44:02.180 --> 44:06.700
Häufig ist der Planungsprozess in den Unternehmen oder im Stadtrat

44:06.700 --> 44:09.940
noch gar nicht abgeschlossen und da Informationen zur Verfügung zu

44:09.940 --> 44:12.740
stellen, wird häufig vorgeschlagen.

44:13.220 --> 44:17.560
Ich habe aber auch schon häufig erlebt, dass das sehr, sehr stark zum

44:17.560 --> 44:19.960
Nachteil des ganzen Prozesses entscheidend ist, weil sich dann die

44:19.960 --> 44:24.320
Leute auf einer sehr dünnen Planungsbasis ihre Meinungen bilden und

44:24.320 --> 44:27.320
gar nicht mal dann abkommen und sehen, okay, da wurde was geändert,

44:27.500 --> 44:30.420
aber sie steigern sich dann in was rein und merken gar nicht, dass

44:30.420 --> 44:32.160
dies erstmal wirklich ein Planprozess ist.

44:32.180 --> 44:36.600
Die Rolle der sogenannten Experten und ihr Selbstverständnis bei den

44:36.600 --> 44:41.180
Bürgerbefragungen sind für Dr. Pogan jetzt entscheidend für den Erfolg

44:41.180 --> 44:45.760
eines partizipativen Prozesses, der mehr sein will als nur ein

44:45.760 --> 44:46.560
Feigenblatt.

44:47.300 --> 44:49.760
Für mich gibt es zwei Arten von Experten.

44:49.900 --> 44:53.660
Der eine Typ von Experten ist, der technisch-ökonomisch an die Sache

44:53.660 --> 44:57.200
rangeht, der die technische Effizienz, die ökonomische Effizienz, die

44:57.200 --> 45:00.020
Vorteile einer Anlage aus diesem Blickwinkel berechnet.

45:00.020 --> 45:03.740
Dann gibt es für mich einen ganz anderen Typ von Experten, der ist

45:03.740 --> 45:06.840
der, der sich mit den gesellschaftlichen Prozessen, insbesondere aber

45:06.840 --> 45:11.060
auch mit der Mediation auseinandersetzt, der sich vor der Mediation

45:11.060 --> 45:14.600
genau überlegt, was ist das für ein Typ von Menschen, die dort lebt.

45:14.660 --> 45:17.040
In Bayern werden sie anders an Menschen rangehen müssen als in

45:17.040 --> 45:17.760
Nordfriesland.

45:20.120 --> 45:25.420
Ich erachte beide Experten als extrem wichtig, aber diese Experten

45:25.420 --> 45:29.140
sollten nicht in die Rolle verfallen, alles zu wissen, weil

45:29.140 --> 45:32.800
typischerweise gerade in solchen Bürgergruppen sich selber Experten

45:32.800 --> 45:33.480
gebildet haben.

45:33.620 --> 45:36.280
Das sind dann quasi die internen Experten, die nicht unbedingt

45:36.280 --> 45:39.780
Publikationen machen, die nicht unbedingt ihre tausend Reden pro Jahr

45:39.780 --> 45:43.680
schwingen, sondern die einfach sich ganz konkret mit der Situation vor

45:43.680 --> 45:44.860
Ort auseinandergesetzt haben.

45:44.860 --> 45:49.520
Und die sind häufig auf einem höchstgradig guten Niveau Experten.

46:25.140 --> 46:30.820
In der Summe setzt das einen vielschichtigen und schwierig zu

46:30.820 --> 46:35.140
organisierenden Rückkopplungsprozess zwischen technischer, sozialer

46:35.140 --> 46:37.520
und wirtschaftlicher Vernunft voraus.

46:41.450 --> 46:45.950
Da ist unsere Aufgabe mit den Kollegen am Ende mit Hilfe von

46:45.950 --> 46:49.830
Deskriptoren, die wir auch zurzeit entwickeln, drei bis vier mögliche

46:49.830 --> 46:54.130
Zukunftenergiesysteme in der Zukunft zu kanalisieren und die dann

46:54.130 --> 46:54.830
umzusetzen.

46:55.090 --> 46:58.390
Was bedeutet das zum Beispiel, wenn wir ein sehr dezentrales

46:58.390 --> 47:02.830
Energiesystem haben, kaum mehr große Kraftanlagen, also auch keine

47:02.830 --> 47:05.910
großen Windkraftanlagen, sondern wir eigentlich den Strom vor Ort

47:05.910 --> 47:06.430
haben.

47:06.430 --> 47:10.050
Das bedeutet, dass Höchstspannungsleitungen an Relevanz verlieren,

47:10.350 --> 47:13.570
dafür aber die Verteilnetze an Relevanz wieder sehr stark gewinnen.

47:14.030 --> 47:15.990
Und dann stellt sich die Frage, was bedeutet das?

47:16.150 --> 47:19.350
Müssen wir möglicherweise mehr Kabel verlegen, weil die aktuellen

47:19.350 --> 47:21.330
Kapazitäten werden vielleicht nicht ausreichen?

47:22.150 --> 47:24.590
Möglicherweise brauchen wir auch bessere Regelungstechnik.

47:24.790 --> 47:28.150
Je nachdem, was für ein System wir haben, kann das Auswirkungen haben

47:28.150 --> 47:31.630
auf die Ausgestaltung der Beziehungen zwischen den Stromnachfragern

47:31.630 --> 47:32.630
und den Stromanbietern.

47:33.570 --> 47:38.710
Dr. Witold Roger Poganiec beklagt, dass diese Diskussionen in unserer

47:38.710 --> 47:42.750
in vielfacher Hinsicht polarisierten Gesellschaft nicht selten zu

47:42.750 --> 47:44.890
ideologischen Grabenkämpfen führen.

47:45.590 --> 47:50.210
Das zielt nicht nur auf die Ingenieure, das zielt nicht nur auf die

47:50.210 --> 47:53.790
Vertreter der Energiewende, also zum Beispiel German Watch oder

47:53.790 --> 47:57.870
Greenpeace und so weiter, sondern es zielt auf jeden, weil jeder hat

47:57.870 --> 48:00.370
die Neigung, sein Ziel zu verabsolutieren.

48:00.370 --> 48:05.270
Und diese Verabsolutierung führt zu einer Schärfe, die der Diskussion

48:05.270 --> 48:06.670
meines Erachtens nicht hilft.

48:07.050 --> 48:10.090
Ich kann sie verstehen, wenn ich von etwas überzeugt bin, versuche ich

48:10.090 --> 48:11.330
es mit Macht durchzusetzen.

48:11.510 --> 48:15.150
Aber ich glaube, die ist in vielen Diskussionen kontraproduktiv, weil

48:15.150 --> 48:19.330
sie auch ein Front-Feind-Verhältnis implizit zum Tragen bringt, aber

48:19.330 --> 48:22.030
wir gleichzeitig dennoch in einem Boot leben müssen.

48:22.030 --> 48:26.350
Ein unverzichtbarer Faktor für die gesellschaftliche Akzeptanz ist die

48:26.350 --> 48:31.330
Bezahlbarkeit des nachhaltigen Stroms, der spätestens 2050 durch die

48:31.330 --> 48:33.590
intelligenten Stromnetze fließen wird.

48:34.010 --> 48:37.570
Dabei spielen sehr viele Faktoren eine Rolle, nicht zuletzt die

48:37.570 --> 48:41.730
Einbindung marktwirtschaftlicher Elemente, die bis zur Novellierung

48:41.730 --> 48:44.590
des Erneuerbare-Energien-Gesetzes fehlte.

48:44.590 --> 48:49.370
Wie wird sich der Markteintritt lokaler Bürger-Erzeuger-Gesellschaften

48:49.370 --> 48:51.510
auf den Strompreis auswirken?

48:51.950 --> 48:56.310
Wie eine größere energetische Autarkie der kleinen Photovoltaik

48:56.310 --> 48:56.830
-Besitzer?

48:57.550 --> 49:01.610
Wird der Anschluss an das Versorgungsnetz künftig teurer werden, bei

49:01.610 --> 49:04.010
insgesamt sinkenden Strompreisen?

49:04.450 --> 49:07.930
Die Kosten für die eigentliche Energieerzeugung aus Wind und Sonne

49:07.930 --> 49:11.430
jedenfalls sind inzwischen so niedrig, wie man sich das vor fünf

49:11.430 --> 49:13.430
Jahren noch nicht vorstellen konnte.

49:13.430 --> 49:17.510
Bleibt die Frage, welche Kosten durch Speicherung und Steuerung

49:17.510 --> 49:19.450
zusätzlich entstehen werden.

49:19.850 --> 49:22.890
Die Stromgestehungskosten für Erneuerbare sinken.

49:23.270 --> 49:27.210
Sie werden nicht zu null sinken, weil einen gewissen Kostensatz hat

49:27.210 --> 49:27.630
man immer.

49:28.310 --> 49:32.450
Und dann wird man sehen, dass man Technologien entwickelt oder

49:32.450 --> 49:37.130
ertüchtigt, die nicht teurer sind, um die Energieübertragung und

49:37.130 --> 49:38.410
Verteilung zu ermöglichen.

49:38.430 --> 49:41.610
Ich glaube, die Option, dass Strom nicht bezahlbar ist, haben wir

49:41.610 --> 49:41.770
nicht.

49:41.770 --> 49:45.850
Silvio Kosse vom Projektpartner Siemens Corporate Technology ist

49:45.850 --> 49:50.050
überzeugt, dass das Ziel der Bezahlbarkeit des nachhaltig gewonnenen

49:50.050 --> 49:51.690
Stroms erreicht werden kann.

49:52.170 --> 49:56.190
Die absehbare industrielle Massenfertigung der Leistungselektronik

49:56.190 --> 49:59.830
wird sich nach seiner Einschätzung positiv auswirken.

50:00.430 --> 50:04.550
Für Professor Veit Hagemeyer bietet auch der rapide Preisverfall bei

50:04.550 --> 50:07.610
den Batteriespeichern Anlass zu Optimismus.

50:07.610 --> 50:12.510
Die Kosten der Speicherung des Stroms in Speichermedien wie Gas mit

50:12.510 --> 50:16.230
den unvermeidlichen Effizienzverlusten dagegen sind nach seiner

50:16.230 --> 50:19.070
Auffassung gegenwärtig noch kaum einzuschätzen.

50:19.490 --> 50:23.230
Dabei sind gerade die chemischen Speichermedien für eine mittel- und

50:23.230 --> 50:26.070
langfristige Speicherung unverzichtbar.

50:26.410 --> 50:30.290
Die Bezahlbarkeit des Gesamtsystems ist für mich eine offene Frage.

50:30.290 --> 50:33.070
Ich weiß, es gibt Studien, die sagen, wenn man mal im neuen System

50:33.070 --> 50:36.230
ist, dann sind wir wieder bei Preisen, die mit den heutigen

50:36.230 --> 50:37.170
vergleichbar sind.

50:37.330 --> 50:40.910
Aber der Weg dahin wird uns sicherlich noch Kopfzerbrechen bereiten.

50:41.070 --> 50:45.090
Vor allem aber bedeutet das Ernten des Stroms in der Fläche durch

50:45.090 --> 50:50.150
Photovoltaikanlagen oder Windparks eine wirtschaftliche Aufwertung von

50:50.150 --> 50:54.310
Grundbesitz, über die im Zusammenhang der Energiewende bisher nur

50:54.310 --> 50:57.330
selten eine öffentliche Diskussion geführt werde.

50:57.330 --> 51:01.430
Über das Erneuerbare-Energien-Gesetz und die entsprechenden Umlagen,

51:01.570 --> 51:05.810
die bei jedem im Haushalt ankommen, das heißt auch beim Hartz-IV

51:05.810 --> 51:09.390
-Empfänger genauso wie beim berühmten Zahnarzt, machen wir eine

51:09.390 --> 51:12.590
Umverteilung von Arm nach Reich, weil die erhöhten Kosten, die der

51:12.590 --> 51:15.810
Hartz -IV-Empfänger sieht, mit einer garantierten Einspeisevergütung

51:15.810 --> 51:19.090
im Grunde genommen politisch eine Umschiftung eines finanziellen

51:19.090 --> 51:19.950
Stromes ist.

51:20.070 --> 51:22.710
Und damit erzeugen wir natürlich einen gesellschaftlichen Unterschied.

51:23.010 --> 51:23.570
Das ist die Frage.

51:23.710 --> 51:24.430
Wollen wir das so?

51:29.880 --> 51:34.220
Eines ist sicher, mit den vier Kopernikus-Projekten ist Deutschland

51:34.220 --> 51:37.620
gegenwärtig das größte Forschungslabor zur Energiewende.

51:38.000 --> 51:41.600
An den Stromnetzen der Zukunft wird rund um den Globus gearbeitet,

51:41.960 --> 51:45.560
kaum irgendwo anders aber wird der systemische Ansatz so weit

51:45.560 --> 51:47.140
getrieben wie hierzulande.

51:47.600 --> 51:51.500
Das weckt natürlich internationales Interesse, wie Dr. Kosse

51:51.500 --> 51:52.120
berichtet.

51:52.120 --> 51:53.940
Wir sind in einer Vorreiterposition.

51:54.260 --> 51:58.180
Es gibt aus unterschiedlichen Regionen der Erde die Fragen, wie

51:58.180 --> 51:59.320
realisiert ihr was?

51:59.520 --> 52:01.740
Wie löst ihr Problem A, B, C?

52:02.160 --> 52:05.920
Das hören wir siemensintern von unseren zum Beispiel chinesischen

52:05.920 --> 52:06.280
Kollegen.

52:07.080 --> 52:12.740
Und man guckt sehr interessiert, wie realisiert Deutschland die

52:12.740 --> 52:13.420
Energiewende?

52:13.420 --> 52:19.640
Und hier würde ich sogar ergänzen, man beobachtet, wie realisieren wir

52:19.640 --> 52:23.160
die Energiewärme und möglicherweise sogar Verkehrswende.

52:23.320 --> 52:26.200
Wir sind ein Land mit einem Energieverbrauch, der nicht

52:26.200 --> 52:27.100
vernachlässigbar ist.

52:27.280 --> 52:32.140
Und da guckt man, wie Deutschland das löst, welche Herausforderungen

52:32.140 --> 52:36.080
werden wie gemeistert und welche Probleme ergeben sich, die man

52:36.080 --> 52:38.560
vielleicht, wenn man neu planen kann, komplett umgehen kann.

52:40.900 --> 52:45.020
Wenn sich die vielen Mosaikstückchen erst einmal zusammengefügt haben,

52:45.380 --> 52:48.800
werden die Smart Grids sehr viel mehr verändert haben, als man heute

52:48.800 --> 52:49.800
absehen kann.

52:50.240 --> 52:53.520
Die Einführung der Strom- und Gasversorgung in den Städten an der

52:53.520 --> 52:54.440
Wende vom 19.

52:54.800 --> 52:55.460
zum 20.

52:55.740 --> 52:59.800
Jahrhundert hat die Entwicklung einer spezifischen Urbanität, wie wir

52:59.800 --> 53:03.040
sie heute kennen, überhaupt erst möglich gemacht.

53:04.040 --> 53:08.160
Sicher ist, dass der Einzelne sehr viel mehr Verantwortung übernehmen

53:08.160 --> 53:11.340
wird, was die eigene Versorgung mit Energie betrifft.

53:11.560 --> 53:15.780
Und sei es nur, indem er sich eine Solaranlage und einen elektrischen

53:15.780 --> 53:17.440
Heimspeicher anschafft.

53:17.920 --> 53:21.940
Ensur-Direktoriumsmitglied Professor Joachim Knebel jedenfalls

53:21.940 --> 53:26.240
ermutigt nachdrücklich zu diesem Mehr an Eigenverantwortung.

53:26.240 --> 53:30.400
Wenn da die Menschen entsprechend lukrative Finanzierungsangebote

53:30.400 --> 53:34.260
kriegen, die Technologie entsprechend zuverlässig im Markt ist, mit

53:34.260 --> 53:38.880
den Energieversorgern Modelle ausgehandelt werden, wie man nur noch

53:38.880 --> 53:42.540
rudimentär vom Netz zum Beispiel seinen Strom bezieht, wenn der

53:42.540 --> 53:46.280
Speicher groß genug ausgerichtet ist, da müssen so viele Parteien

53:46.280 --> 53:48.220
einfach mal neue Wege gehen.

53:48.220 --> 53:53.440
Der Bürger selber, die Netzbetreiber, die Stadtwerke, die Politik ein

53:53.440 --> 53:56.560
bisschen was wagen, aber auch einfach mal aus dem alten Trott

53:56.560 --> 53:56.980
rausgehen.

53:57.080 --> 53:58.900
Das ist was, das würde ich mir wünschen.

53:59.020 --> 54:02.160
Ich glaube, das ist der ganz große Schritt, den alle Player hier

54:02.160 --> 54:02.960
machen müssen.

54:22.950 --> 54:28.870
Redaktion Justus Hartlieb Titelmusik Arthur Tadeuszian Weitere

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Informationen finden Sie unter www.kit.edu.au

