WEBVTT

00:10.270 --> 00:12.250
Guten Morgen, ist das zu hören, der Ton?

00:12.650 --> 00:12.790
Ja.

00:14.270 --> 00:19.030
Also, ich begrüße Sie zur heutigen und letzten Veranstaltung und

00:19.030 --> 00:25.130
möchte sozusagen noch den thematischen Rahmen der Vorlesung

00:25.130 --> 00:25.970
abschließen.

00:26.850 --> 00:30.070
Dabei habe ich ja so ein paar Vorgriffe auf spätere Teile jetzt hier

00:30.070 --> 00:34.550
im Zusammenhang meiner eigentlich angelegten Struktur schon

00:34.550 --> 00:35.190
vorgenommen.

00:35.190 --> 00:39.350
Und auch deswegen, weil wir letztes Mal nochmal diese Thematik

00:39.350 --> 00:44.410
Sportdidaktik vorgezogen haben, habe ich ja das Thema didaktische

00:44.410 --> 00:47.590
Grundformen des selbstorganisierten Lernens unterbrochen.

00:47.910 --> 00:49.590
Das würde ich gerne noch zu Ende führen.

00:49.710 --> 00:55.010
Und dann habe ich eigentlich gedacht, dass ich, um den vorgesehenen

00:55.010 --> 01:00.070
Ablauf in gewisser Weise abzuschließen, das Thema Prüfung noch hier

01:00.070 --> 01:07.950
thematisiere und da vor allen Dingen ja vielleicht auch verbinde, die

01:07.950 --> 01:13.290
neuen Ansprüche an Prüfung, die neue Art, wie Prüfungen in den letzten

01:13.290 --> 01:19.450
15, 20 Jahren sich entwickelt haben, verbinde mit einem Ansatz, wie

01:19.450 --> 01:23.050
dann Prüfungen und Prüfungsarten im Bereich der Bildung, der

01:23.050 --> 01:25.970
beruflichen Bildung untersucht werden können, dass ich dafür ein

01:25.970 --> 01:30.070
Beispiel einbringe, erläuter, wie wir selber eine solche Untersuchung

01:30.070 --> 01:34.970
angesetzt haben und zu welchen Resultaten wir dabei gekommen sind.

01:35.930 --> 01:39.430
Also sozusagen einen kleinen Teil nochmal, abschließend die

01:39.430 --> 01:42.010
Grundformen des selbstorganisierten Lernens und dann würde ich

01:42.010 --> 01:49.850
übergehen zu dem Thema Prüfung im Sinne auch der Relevanz für Didaktik

01:49.850 --> 01:51.250
und Methodik.

01:51.690 --> 01:53.910
In einem anderen Rahmen, ich spreche das nochmal an, ist ja das

01:53.910 --> 01:57.610
Stichwort des Constructive Alignment hier auch behandelt worden.

01:57.610 --> 02:01.350
Diejenigen, die in dem Seminar Lehr-Lern-Konzepte mitmachen, da war

02:01.350 --> 02:02.950
das ja auch eines der gewählten Themen.

02:03.930 --> 02:08.430
Und dadurch ist der Zusammenhang zwischen Didaktik, der Vorbereitung

02:08.430 --> 02:12.210
von Lehr-Lern-Konzepten, der Durchführung, aber eben auch der Prüfung,

02:12.550 --> 02:17.950
dass das einen Zusammenhang darstellt, auch einen konzeptionellen

02:17.950 --> 02:18.710
Zusammenhang.

02:19.090 --> 02:23.690
Und deswegen meine ich, macht es ganz Sinn, macht es Sinn, das auch

02:23.690 --> 02:26.290
hier in diesem Rahmen noch anzusprechen.

02:26.290 --> 02:31.750
Dadurch bin ich nachher in der Gesamtheit etwas von meiner

02:31.750 --> 02:33.290
vorgesehenen Struktur abgewichen.

02:33.970 --> 02:39.330
Ich hoffe aber, dass ich in der Summe dennoch die vorgesehenen Inhalte

02:39.330 --> 02:40.650
hier behandelt habe.

02:41.270 --> 02:45.490
Bevor ich jetzt da einsteige, gibt es von Ihrer Seite noch Fragen zu

02:45.490 --> 02:48.530
dem bisherigen Verlauf oder Rückmeldung?

02:49.070 --> 02:53.390
Ein Punkt, die Evaluation habe ich im Internet eingestellt.

02:53.390 --> 02:56.450
Die Ergebnisse können Sie sich auch angucken.

02:58.970 --> 03:02.210
Ich denke, es gäbe auch Anlass, darüber zu diskutieren.

03:02.830 --> 03:07.010
Da wir aber jetzt heute relativ kompakt nur noch den Schlussteil

03:07.010 --> 03:10.150
abarbeiten können, habe ich dafür jetzt nicht unbedingt Zeit

03:10.150 --> 03:16.970
vorgesehen, weil es gibt jetzt keine schwerwiegende Rückmeldung von

03:16.970 --> 03:20.030
vielen, was die Veranstaltung angeht.

03:20.030 --> 03:22.130
Es ist eher eine heterogene Rückmeldung.

03:22.210 --> 03:23.310
Das gucken Sie sich selber an.

03:23.910 --> 03:26.410
Ansonsten ist von meiner Seite auch nochmal das Angebot und die

03:26.410 --> 03:26.830
Offenheit.

03:26.870 --> 03:30.210
Wenn Sie Hinweise zu der Art der Veranstaltung haben, zu der

03:30.210 --> 03:33.230
Durchführung, dann bin ich dafür sehr offen.

03:34.010 --> 03:39.410
Generell, glaube ich, sind Lehrende oder Pädagogen interessiert auch

03:39.410 --> 03:45.070
an Rückmeldungen von Seiten der Studierenden, der Lernenden überhaupt.

03:45.530 --> 03:47.270
Sie können mich da einfach auch ansprechen.

03:47.790 --> 03:53.170
Auch kritische Hinweise sind dabei hilfreich und von meiner Seite aus

03:53.170 --> 03:55.450
geschätzt.

03:55.590 --> 03:58.650
Also ist jetzt nicht, dass ich da irgendwie beleidigt bin, wenn mir

03:58.650 --> 04:01.930
gesagt wird, das eine oder andere wäre nicht so gelungen.

04:02.690 --> 04:05.990
Eine Kritik übrigens, die seit Jahren mich verfolgt, ist, dass es so

04:05.990 --> 04:09.050
eine gewisse Monotonie in der Art des Vortragens gibt.

04:09.750 --> 04:13.190
Ich finde, dass es mit dieser Lautsprecherübertragung zu tun hat, weil

04:13.190 --> 04:17.350
die mich natürlich einerseits auch anhält, einigermaßen gleichmäßig zu

04:17.350 --> 04:17.650
sprechen.

04:19.250 --> 04:22.550
Und ich habe den Eindruck auch, dass die akustische Übertragung so

04:22.550 --> 04:25.230
etwas Monotonie vermittelt.

04:26.230 --> 04:29.230
Was ich, meine ich, nicht vermeiden kann, ist, dass ich tatsächlich

04:29.230 --> 04:36.850
länger selber das Wort behalte und einfach einen Vortrag halte, also

04:36.850 --> 04:38.610
dass es einfach ein längerer Beitrag ist.

04:38.970 --> 04:41.310
Ich versuche, ihn so zu strukturieren, dass auch mal wieder

04:41.310 --> 04:43.590
Schwerpunkte, Übergänge und so enthalten sind.

04:43.970 --> 04:48.170
Aber das ist ein Vortrag, ist es aus meiner Sicht kaum zu vermeiden.

04:48.650 --> 04:51.550
Jetzt gibt es da sicherlich auch etwas, was man besser oder schlechter

04:51.550 --> 04:52.110
machen kann.

04:52.430 --> 04:54.890
Da versucht man natürlich, sich zu verbessern.

04:55.430 --> 04:59.490
Aber es ist so in dem Rahmen nicht eigentlich das erste Ziel oder gar

04:59.490 --> 05:03.670
kein Hauptziel, in diesem Sinne unterhaltsam zu sein, sondern das Ziel

05:03.670 --> 05:08.290
ist eigentlich, bestimmte Inhalte, die als relevant angenommen sind,

05:08.610 --> 05:09.930
konzentriert vorzutragen.

05:09.930 --> 05:13.170
Und das ist schon eigentlich auch vorgesehen als eine Herausforderung

05:13.170 --> 05:15.750
an das Auditorium, dem zu folgen.

05:16.190 --> 05:19.650
Insofern diese gewisse Problematik, dass es jetzt nicht so

05:19.650 --> 05:26.310
unterhaltsam wie in vielen anderen Fällen ist, die ist vielleicht auch

05:26.310 --> 05:27.710
unvermeidlich.

05:27.810 --> 05:30.390
Wobei ich zugestehen muss, es gibt auch unter den Professoren, unter

05:30.390 --> 05:32.190
den Vortragenden...

05:34.670 --> 05:38.050
Es gibt auch unter den Vortragenden welche, denen es besser gelingt

05:38.050 --> 05:39.750
und welche, denen es schlechter gelingt.

05:39.970 --> 05:43.790
Und natürlich, ich denke, ich versuche auch mich da zu verbessern.

05:44.310 --> 05:51.450
Ja, zum Thema didaktische Grundformen der Selbstorganisation.

05:51.650 --> 05:55.950
Ich habe sie als dritte Grundform der Instruktion und dem

05:55.950 --> 05:58.150
konstruktivistischen Ansatz gegenübergestellt.

05:58.470 --> 06:00.190
Darüber kann man sich streiten.

06:00.930 --> 06:04.630
Man hätte auch sehr viele weitere Grundformen hier einbringen können.

06:04.630 --> 06:07.970
Ich denke, drei sind zu bewältigen im Rahmen einer Veranstaltung.

06:08.090 --> 06:11.610
Ich habe es hier damit begründet, dass die Instruktion sowohl von der

06:11.610 --> 06:16.150
geschichtlichen Entwicklung als auch von der Quantität bis heute die

06:16.150 --> 06:17.450
vorherrschende Form ist.

06:17.610 --> 06:21.110
In der Schule, der Frontalunterricht und alles, was damit

06:21.110 --> 06:21.810
zusammenhängt.

06:22.230 --> 06:25.210
In der Betriebchenbildung, die vier Stufenmethoden, das Vormachen,

06:25.270 --> 06:25.750
Nachmachen.

06:26.370 --> 06:29.210
Den konstruktivistischen Ansatz habe ich damit begründet, dass er von

06:29.210 --> 06:33.930
wissenschaftlicher Seite bezüglich dessen, wie Menschen lernen, als

06:33.930 --> 06:37.810
ein besonders adäquater Ansatz angesehen wird.

06:38.170 --> 06:42.330
Dass auch der Bezug des Lernens auf Handlung, Handlungskompetenz dazu

06:42.330 --> 06:45.750
geführt hat, dass man einen neuen Ansatz, einen zusätzlichen Ansatz

06:45.750 --> 06:47.570
neben der Instruktion gesucht hat.

06:48.150 --> 06:51.050
Und ich begründe ihn auch damit, dass im Bereich der beruflichen

06:51.050 --> 06:56.270
Bildung der sogenannte Lernfeldansatz eben dieses konstruktivistische

06:56.270 --> 06:57.630
Vorgehen enthält.

06:57.630 --> 07:01.630
Also das Lernen an Aufgaben, Stellungen, wie sie für einen Beruf oder

07:01.630 --> 07:03.090
für eine Tätigkeit typisch sind.

07:03.670 --> 07:09.210
So, und dann habe ich das dritte, die dritte Grundform eingeführt mit

07:09.210 --> 07:15.970
der Argumentation, dass sie im Alltag der Menschen am Arbeitsplatz,

07:16.130 --> 07:19.010
aber auch im Privatleben oder im öffentlichen Leben eine solche

07:19.010 --> 07:21.890
Relevanz erhalten hat in den letzten Jahren, dass man sie

07:21.890 --> 07:26.770
notwendigerweise zur Kenntnis nehmen muss, auch in der Pädagogik, auch

07:26.770 --> 07:32.490
hinsichtlich der Hausforderung, wie ist es didaktisch erstmal zu

07:32.490 --> 07:36.430
verstehen, einzuordnen und möglicherweise zu unterstützen und zu

07:36.430 --> 07:36.930
gestalten.

07:37.370 --> 07:38.910
Und das ist sozusagen dieser dritte Bereich.

07:39.770 --> 07:45.450
Die Voraussetzung ist, dass es eben für das selbstorganisierte Lernen,

07:45.510 --> 07:50.330
wie ich es hier als relevant erkläre, eben keine lehrende Person gibt,

07:50.330 --> 07:53.290
die einen Unterricht gestaltet, einen Unterricht plant, die Aufgaben

07:53.290 --> 07:58.070
definiert und auswählt, dass es kein Curriculum gibt, dass es keine

07:58.070 --> 08:02.630
vorbereiteten Seminare, Lehrgänge etc.

08:02.810 --> 08:05.850
gibt, sondern dass der Anlass zum selbstorganisierten Lernen sich aus

08:05.850 --> 08:11.050
der Situation der Menschen in ihrer Arbeit oder auch in ihrem privaten

08:11.050 --> 08:12.110
Leben ergibt.

08:12.870 --> 08:17.570
Und die Frage, wie hier unterstützend eingewirkt werden kann, eher

08:17.570 --> 08:22.190
über Dienste, die angeboten werden oder auch technische Umgebungen

08:22.190 --> 08:25.390
oder die Gestaltung technischer Mittel zugänglich ist.

08:25.530 --> 08:29.390
Und hier, so sehe ich es, ist dann die Herausforderung der Didaktik,

08:29.470 --> 08:31.770
also gar nicht so sehr, dann einen Unterricht vorzubereiten oder einen

08:31.770 --> 08:34.330
Lehrgang vorzubereiten, sondern die Frage, wie Menschen, die

08:34.330 --> 08:37.930
selbstorganisiert lernen, in diesem Lernen unterstützt werden können.

08:38.690 --> 08:41.950
Ich hatte schon darauf hingewiesen, dass bezogen auf die berufliche

08:41.950 --> 08:45.730
Tätigkeit, durch die Art, wie Arbeit organisiert ist, es offenbar

08:45.730 --> 08:49.250
unvermeidlich ist, dass Lernerfordernisse entstehen.

08:49.670 --> 08:54.030
Und es ist so, dass wir in diesem Übergang als Berufspädagogen, in dem

08:54.030 --> 08:58.190
Übergang aus dem, was ich hier als terroristisches Prinzip leitbilde,

08:58.210 --> 09:01.710
Paradigma der Arbeit, in Richtung eigentlich neuer Formen der Arbeit,

09:02.190 --> 09:05.950
was wir verändert haben, ist, dass wir versucht haben, dass die

09:05.950 --> 09:10.310
Menschen nicht mehr nur monotone und ausführende Arbeiten übernehmen,

09:10.390 --> 09:12.870
sondern dass sie wieder vollständige Aufgaben übernehmen, indem sie

09:12.870 --> 09:16.470
ihre Qualifikation, ihr Vermögen zu...

09:16.470 --> 09:19.950
auch eine kompetente Arbeit einzubringen, zu leisten, dass sie das

09:19.950 --> 09:24.550
hier auch können, je nachdem, wie eben die Arbeit organisiert ist.

09:25.230 --> 09:27.650
Das hat dazu geführt, dass wir in den letzten Jahren in den

09:27.650 --> 09:31.190
beruflichen Tätigkeiten immer mehr Arbeiten haben, wo die Menschen

09:31.190 --> 09:34.170
auch Verantwortung übernehmen müssen, wo sie ihre eigene Arbeit planen

09:34.170 --> 09:37.610
müssen, wo sie sie natürlich auch durchführen, aber dann auch selber

09:37.610 --> 09:41.890
kontrollieren, ob das, was sie sich vorgenommen haben, was sie

09:41.890 --> 09:45.610
übernommen haben, für das sie Verantwortung übernommen haben, auch den

09:45.610 --> 09:48.110
Zielen entsprechend gestaltet worden ist.

09:48.970 --> 09:54.230
Und dazu gehört dann oftmals eben auch das notwendige Lernen in der

09:54.230 --> 09:54.510
Arbeit.

09:55.450 --> 09:59.310
Ja, und da hatte ich in einer Abbildung darauf hingewiesen, das habe

09:59.310 --> 10:03.070
ich hier schon erläutert, also wie eben die Untersuchung der Arbeit zu

10:03.070 --> 10:07.570
der Erkenntnis geführt hat, dass man eben für die normale Ausführung

10:07.570 --> 10:11.450
von Arbeitsaufforderungen natürlich auch das, was man gelernt hat, was

10:11.450 --> 10:14.790
man zum Beispiel über eine berufliche Bildung, akademische Bildung

10:14.790 --> 10:18.410
sich angeeignet hat, durch Erfahrung ausgeweitet hat, dass man das

10:18.410 --> 10:19.210
einbringen kann.

10:19.370 --> 10:22.530
Also der Großteil dessen, was an Arbeitssinnigkeit zu leisten ist,

10:22.870 --> 10:27.470
wird auf Basis von schon vorhandenem aufgebaut.

10:28.070 --> 10:30.770
Ich habe das hier als bekannte und routinisierte Anteile.

10:30.770 --> 10:33.990
Das ist aber typisch, dass wir auch immer wieder spezifische,

10:34.190 --> 10:37.890
neuartige und unbekannte Elemente in den Aufgaben haben.

10:38.050 --> 10:42.830
Und hier ist eigentlich dann die Notwendigkeit zu lernen angesiedelt.

10:42.910 --> 10:46.190
Und sie ist oftmals unmittelbar mit der Arbeitshandlung verbunden.

10:46.730 --> 10:51.710
Ja, und da ist eben die Frage, inwieweit Services hilfreich sein

10:51.710 --> 10:58.770
können und inwieweit angebotene Services dann auch in Anspruch

10:58.770 --> 10:59.850
genommen werden können.

11:00.770 --> 11:04.910
Ich hatte ja erläutert, dass auch in den Fällen, wo keine

11:04.910 --> 11:11.510
Unterstützung vorhanden ist, natürlich diese Notwendigkeit zu lernen

11:11.510 --> 11:16.930
auch besteht und beachtet werden muss.

11:17.130 --> 11:20.570
Das ist aber oft dann zu Risiken in der Arbeit und eben sozusagen

11:20.570 --> 11:22.450
amateurhaften Vorgehen führt.

11:23.010 --> 11:25.570
Dann ist es eben so, dass die Mitarbeiter, wenn sie keine

11:25.570 --> 11:30.890
Unterstützung haben, dass ihr Lernen entsprechend adäquat erfolgen

11:30.890 --> 11:35.130
kann, selber sich Wege suchen und eben sozusagen mit den Anforderungen

11:35.130 --> 11:36.130
der Situation umgehen.

11:36.630 --> 11:40.630
Also die Erfordernisse zu lernen, muss auf jeden Fall erfüllt werden.

11:40.890 --> 11:42.970
Die Frage ist, wie gut kann eine Unterstützung sein?

11:43.030 --> 11:46.350
Und das ist unsere Aufgabe als Berufspädagogen unter anderem, den

11:46.350 --> 11:50.710
Menschen Unterstützung anzubieten und sie bei diesen notwendigen

11:50.710 --> 11:53.930
Lernvorgängen in der Arbeit zu begleiten.

11:53.930 --> 12:00.610
Ja, ich hatte dann das in der Absicht, dieses sehr vielfältige Feld

12:00.610 --> 12:03.990
des selbstorganisierten Lernens zu strukturieren, hatte ich drei

12:03.990 --> 12:08.010
Aspekte hier benannt, die dafür möglicherweise geeignet sind.

12:08.370 --> 12:09.590
Da gibt es eine Fülle von Ansätzen.

12:09.710 --> 12:12.930
Also wenn Sie in die Literatur zum selbstorganisierten Lernen, zum

12:12.930 --> 12:15.230
Autodidaktischen Lernen gucken, dann finden Sie eine Fülle von

12:15.230 --> 12:15.510
Ansätzen.

12:15.630 --> 12:19.530
Ich schildere hier nur einen, den wir über viele Jahre verfolgt haben.

12:20.470 --> 12:24.210
Und das geschieht in der Absicht, und das ist eine typische

12:24.210 --> 12:29.530
wissenschaftliche Vorgehensweise, ein unstrukturiertes Feld mit einer

12:29.530 --> 12:34.190
Struktur zu versehen, Modelle zu starten, zu sortieren und dann

12:34.190 --> 12:35.250
zuzuordnen.

12:35.770 --> 12:39.650
Als Beispiel, das wäre hier der Anspruch, welche Situationen der

12:39.650 --> 12:44.130
Arbeit für zu welchen Anlässen zu lernen und welche Arten von

12:44.130 --> 12:45.910
Unterstützung eignen sich dann dafür.

12:45.910 --> 12:49.350
Und die Annahme ist eben, dass man für eine Arbeitssituation, in dem

12:49.350 --> 12:52.670
ich unmittelbar Hilfe brauche, weil ich unmittelbar etwas tun muss,

12:53.190 --> 12:57.350
eher auf eine Hotline oder einen technischen Service oder auf einen

12:57.350 --> 13:01.190
FHQ zurückgreife, als dass ich dann ein Seminar buche.

13:01.930 --> 13:05.790
Das heißt, ganz verschiedene Arten hier Unterstützung abzurufen,

13:06.270 --> 13:10.690
hängen damit zusammen, welche Art der Anlass zum Lernen in der Arbeit

13:10.690 --> 13:10.950
ist.

13:11.350 --> 13:14.450
Und ich hatte darauf hingewiesen, dass es hier nach dem Ansatz, den

13:14.450 --> 13:20.650
ich in der Veranstaltung hier erläutere, eine Unterschiedlichkeit

13:20.650 --> 13:23.910
bezüglich der Lernziele angeht, also wie einfach oder komplex die

13:23.910 --> 13:28.250
Lernziele sind, die mit dem selbstorganisierten Lernen zu tun hat, wie

13:28.250 --> 13:30.650
der Prozess des Lernens selber ist.

13:30.910 --> 13:35.010
Also kann man das alleine zum Beispiel unter Zugriff auf schon

13:35.010 --> 13:41.690
vorhandene Quellen lösen oder ist zum Beispiel ein umfangreicherer

13:41.690 --> 13:45.130
Prozess der Klärung mit verschiedenen Unterstützern erforderlich.

13:45.330 --> 13:49.450
Da gibt es ein unterschiedliches Niveau des Lernprozesses, der hier

13:49.450 --> 13:51.990
denkbar ist und das dritte, der Zeithorizont des Lernens.

13:52.110 --> 13:54.750
Also geht es um etwas, was man unmittelbar braucht, das wäre sozusagen

13:54.750 --> 13:59.690
eher ein kurzer Zeithorizont oder geht es auch um selbstorganisiertes

13:59.690 --> 14:04.390
Lernen, um sich auf eine länger in der Zukunft liegende Anforderung

14:04.390 --> 14:05.330
einzustellen.

14:05.330 --> 14:11.350
Ich hatte dann als Beispiel das Callcenter erwähnt, das wir im Rahmen

14:11.350 --> 14:19.830
von Untersuchungen der Zeit von ungefähr zehn Jahren einbezogen hatten

14:19.830 --> 14:25.030
und das eben hier die Arbeitstätigkeit der Fachkräfte in dem

14:25.030 --> 14:30.170
Callcenter begleitet wird durch eine Unterstützungsinfrastruktur,

14:30.170 --> 14:36.310
innerhalb derer natürlich auch weiterhin Angebote von konventionellen

14:36.310 --> 14:40.650
Trainings und konventionellen Trainern enthalten sind, aber dazu eben

14:40.650 --> 14:44.050
weitere Elemente, die das selbstorganisierte Lernen unterstützen.

14:44.490 --> 14:49.130
Bis dahin, dass Mitarbeiter, Mitglieder in den Teams kontinuierlich

14:49.130 --> 14:54.290
ihre zusätzlichen Erfahrungen, ihr Gelerntes wieder in den

14:54.290 --> 14:57.830
Wissensspeicher des Teams einbringen, also ständig eigentlich in eine

14:57.830 --> 15:01.690
Datenbank, mit der das Team arbeitet im Callcenter, eingefüttert wird,

15:01.910 --> 15:04.590
was die einzelnen Mitglieder des Teams selber lernen.

15:04.710 --> 15:08.850
Es werden also auch hier in einer anderen Hinsicht die Lernenden zu

15:08.850 --> 15:12.130
Lehrenden für ihre Kollegen, die hier immer wieder etwas

15:12.130 --> 15:12.420
bereitstellen.

15:13.370 --> 15:18.710
Und dieses Unterstützungssystem, das wäre jetzt meine Annahme und

15:18.710 --> 15:24.610
meine These, der Bereich, in dem didaktische Gestaltung sinnvoll und

15:24.610 --> 15:25.210
erforderlich ist.

15:25.210 --> 15:29.450
Aus meiner Sicht übrigens auch die Bereiche, in denen Absolventen von

15:29.450 --> 15:33.030
Studiengängen wie dem der Berufspädagogik tätig werden.

15:33.230 --> 15:39.230
Also dort ist genau diese Kompetenz, offenbar auch unterstützende

15:39.230 --> 15:42.030
Dienstleistungen für das Lernen in der Arbeit, für das

15:42.030 --> 15:45.010
selbstorganisierte Lernen zu gestalten, gefragt.

15:45.310 --> 15:48.730
Also da wäre auch ein mögliches Feld der späteren Tätigkeit.

15:49.870 --> 15:53.510
Also die Frage war jetzt, ob was diese Unterstützung angeht, denke

15:53.510 --> 15:57.290
ich, es unterschieden wird zwischen akademisch vorbereiteten

15:57.290 --> 16:00.230
Tätigkeiten oder vorgebildeten Tätigkeiten und aus der beruflichen

16:00.230 --> 16:00.770
Bildung.

16:01.130 --> 16:03.970
Vorgebildeten nach unseren Untersuchungen nicht.

16:04.230 --> 16:07.310
Sie sind sicherlich unterschiedlich, aber in beiden Bereichen scheint

16:07.310 --> 16:10.770
diese Erfordernis auch des selbstorganisierten Lernens und dann des

16:10.770 --> 16:13.270
Zugriffs auf Unterstützung vorhanden zu sein.

16:14.030 --> 16:18.050
Also es ist sicherlich so, dass im Callcenter zwar möglicherweise

16:18.050 --> 16:21.770
relativ viele Akademiker tätig sind, weil sie in dem eigentlich

16:21.770 --> 16:24.630
angestrebten Beruf keine Möglichkeiten gefunden haben.

16:25.050 --> 16:28.630
Das war jetzt in diesem Fall zum Beispiel in Nordirland in der

16:28.630 --> 16:32.130
damaligen Zeit der Fall, weil die auch mit Arbeitslosigkeit zu kämpfen

16:32.130 --> 16:32.390
hatten.

16:32.830 --> 16:35.270
Es ist aber sicherlich von der Tätigkeit jetzt nicht sozusagen der

16:35.270 --> 16:37.570
Zielbereich einer akademischen Bildung.

16:38.130 --> 16:43.150
Aber in anderen Feldern ist die Annahme, dass entsprechende

16:43.150 --> 16:49.930
Unterstützung auch von Personen abgerufen genutzt werden können, die

16:49.930 --> 16:52.670
in akademischen Berufen, also zum Beispiel medizinischen Berufen tätig

16:52.670 --> 16:52.950
sind.

16:55.910 --> 17:01.770
Ich möchte noch, um dieses Thema abzurunden, ein, zwei weitere

17:01.770 --> 17:06.750
Varianten erläutern, die also höheres Niveau oder anspruchsvolleres

17:06.750 --> 17:11.370
Niveau der Lernanlässe zeigen.

17:11.370 --> 17:13.310
Und ich bleibe dabei in diesem Raum.

17:14.050 --> 17:17.310
Der Raum wiederum ist eigentlich eben vorgesehen, nicht um die ganze

17:17.310 --> 17:19.650
Geschichte so kompliziert wie möglich zu machen, sondern eher

17:19.650 --> 17:24.810
umgekehrt, um zu sortieren, welche Art von Lernanlass zeigt sich hier

17:25.370 --> 17:31.630
und welche Art von Unterstützung des Lernens ist auf diesen Anlass

17:31.630 --> 17:32.150
bezogen.

17:32.250 --> 17:37.930
Dann erstmal naheliegend und zu empfehlen.

17:38.930 --> 17:44.630
Ich möchte ein weiteres Beispiel neben dem des Callcenters einbringen.

17:44.770 --> 17:46.750
Und das ist jetzt sozusagen ein ganz anderer Bereich.

17:46.830 --> 17:49.690
Ich habe auch versucht, da ein gewisses Spektrum aufzunehmen.

17:50.170 --> 17:54.150
Das ist jetzt im Bereich der Kraftfahrzeugindustrie und hier stärker

17:54.150 --> 17:55.550
im Werkstättenbereich.

17:56.190 --> 18:02.030
Hier ist es so, dass nicht so sehr nur dieser ganz akute Anlass zu

18:02.030 --> 18:08.330
lernen aufkommt, sondern auch ein etwas länger laufender Anlass,

18:08.710 --> 18:11.450
nämlich wenn ich ein Fahrzeug in die Reparatur nehme.

18:11.610 --> 18:15.210
Und das kann durchaus sein, dass man einige Stunden oder eine für

18:15.210 --> 18:17.670
längere Zeit mit diesem Fahrzeug zu tun hat.

18:18.010 --> 18:22.850
Also man hat ein relativ komplexes System, das heute eben auch ein

18:22.850 --> 18:24.630
mechatronisches System ist.

18:24.750 --> 18:29.290
Während es früher überwiegend ein von dem Kfz-Mechaniker zu

18:29.290 --> 18:33.650
reparierendes Produkt war, ist es heute ein mechatronisches System.

18:33.750 --> 18:38.370
Deswegen auch die Umdefinition der beruflichen Bildung vom Kfz

18:38.370 --> 18:43.450
-Mechaniker und früher gab es noch den Kfz-Elektriker zum Kfz

18:43.450 --> 18:44.230
-Mechatroniker.

18:44.910 --> 18:48.970
Und das ist sozusagen ein typisches System, wie wir es in vielen

18:48.970 --> 18:55.130
Bereichen der Arbeitswelt heute finden, das zu reparieren ist oder wo

18:55.130 --> 19:03.230
eine Diagnose, eine Lösung für ein Problem zu finden ist.

19:03.550 --> 19:07.310
Und der Vorgang, der dann zu der Arbeitstätigkeit gehört, ist zunächst

19:07.310 --> 19:11.830
mal zu untersuchen, was ist jetzt hier an dem Fahrzeug eigentlich die

19:11.830 --> 19:14.170
Ausgangssituation, was ist die Problematik?

19:14.170 --> 19:21.490
Dazu sowohl verschiedene Methoden anzuwenden, also Messmethoden, die

19:21.490 --> 19:25.290
Mitarbeiter in den Werkstätten nehmen, oftmals auch Kontakt dann

19:25.290 --> 19:29.450
wiederum zum Hersteller oder zu Systemlieferanten wie zum Beispiel

19:29.450 --> 19:34.070
Bosch auf, nutzen Diagnosegeräte, die wieder vernetzt sind, die

19:34.070 --> 19:38.710
angeschlossen sind an umfangreichere Informations- und

19:38.710 --> 19:43.170
Unterstützungssysteme und sie nutzen dabei nicht nur ihre unmittelbar

19:43.170 --> 19:46.350
eigene Kompetenz, sondern auch das, was zum Beispiel einen technischen

19:46.350 --> 19:47.930
Service bereitstellt.

19:48.030 --> 19:52.930
Und darin können dann eben auch zum Beispiel für den Kfz-Mechatroniker

19:52.930 --> 19:57.650
Ingenieure ansprechbar sein, die diese technischen Systeme

19:57.650 --> 20:04.750
entsprechend auch im Speziellen beherrschen und dazu Anleitungen geben

20:04.750 --> 20:05.090
können.

20:05.090 --> 20:11.190
Das ist also hier dieser Vorgang der Bearbeitung eines solchen

20:11.190 --> 20:14.430
Reparaturauftrags, nämlich jetzt mal hier als Beispiel verbunden

20:14.430 --> 20:16.930
damit, dass man mit anderen Kontakt aufnimmt, dass man auch

20:16.930 --> 20:20.490
interdisziplinär Informationen aufnimmt, möglicherweise übrigens auch

20:20.490 --> 20:24.590
entscheidet, welche Art der Reparatur die kostenmäßig günstigste ist,

20:24.710 --> 20:27.870
also Austausch zum Beispiel oder Reparatur am Teil selbst, wie

20:27.870 --> 20:29.630
umfangreich der Austausch vorzunehmen ist.

20:29.630 --> 20:32.470
Und da kommt wieder dieses Element rein, dass wir heute diese

20:32.470 --> 20:35.310
fachlichen Inhalte nicht mehr so trennen können, wie wir das früher

20:35.310 --> 20:35.570
hatten.

20:35.670 --> 20:40.330
Wir hatten eben früher eine exakte Trennungsmöglichkeit, auch im

20:40.330 --> 20:45.650
terroristischen Sinne der einzelnen Aufgabenbestandteile.

20:45.730 --> 20:49.430
Und heute fällt das in der Tätigkeit einer Fachkraft sehr intensiv

20:49.430 --> 20:49.870
zusammen.

20:50.330 --> 20:54.210
Ja, dann muss interpretiert werden und möglicherweise früher auch ein

20:54.210 --> 20:58.330
Fahrzeug, und das kommt nicht selten vor, wegen ganz spezifischer

20:58.330 --> 21:05.810
Aspekte des Fahrzeugs, eine situative Weiterbildung erfolgen.

21:06.730 --> 21:10.350
Die führt in der Fülle, dass immer wieder derartige Aufgaben

21:10.350 --> 21:13.190
bearbeitet werden, zu einer immer weitergehenden Spezialisierung der

21:13.190 --> 21:13.690
Fachkraft.

21:13.830 --> 21:16.350
Also das, was man in der Ausbildung gelernt hat, wird eigentlich durch

21:16.350 --> 21:20.250
die dann ständige Arbeit immer wieder an neuen Fahrzeugen, neuen

21:20.250 --> 21:23.510
Reparaturaufträgen erweitert.

21:23.510 --> 21:26.590
Und es gibt eben hier dann später, und das ist hier der untere

21:26.590 --> 21:35.290
Rücklauf, eine Erfahrung des Mitarbeiters in der Kfz-Werkstatt, die

21:35.290 --> 21:41.810
auf diesen vielfältigen Vor-Auftragsbearbeitungen schon aufbaut.

21:42.090 --> 21:46.290
Ja, hier so ein Bild aus der Szene, das sieht also anders aus als in

21:46.290 --> 21:47.250
dem Callcenter.

21:47.890 --> 21:50.870
Ich habe jetzt hier nicht noch weitere Bilder aufgenommen, auch wegen

21:50.870 --> 21:55.570
der Aufnahme, aber ich denke, dass Sie alle sich eine Kfz-Werkstatt im

21:55.570 --> 22:00.490
Prinzip vorstellen können, ähnlich wie auch ein Callcenter,

22:01.170 --> 22:03.110
schematisch dargestellt.

22:03.250 --> 22:07.710
Und da versuche ich jetzt eine Entsprechung zu dem Bild für diese

22:07.710 --> 22:12.970
Callcenter -Umgebung zu entwerfen.

22:13.270 --> 22:16.850
Es gibt hier also als Normalsituation der Arbeitstätigkeit ein zu

22:16.850 --> 22:22.430
reparierendes Fahrzeug, das an einer Reparaturstation bearbeitet wird.

22:22.590 --> 22:26.630
Und es gibt hier einen Kfz-Mechatroniker, der normalerweise Mitglied

22:26.630 --> 22:27.630
eines Teams ist.

22:27.950 --> 22:31.550
Häufig gibt es hier keine exakte Zuordnung mehr von Arbeitsplatz zu

22:31.550 --> 22:35.310
Arbeitsperson, sondern der Mitarbeiter nimmt den Platz, der frei ist

22:35.310 --> 22:38.630
und arbeitet mit den Bedingungen, die er dort zu dem Moment vorfindet,

22:39.310 --> 22:43.050
fährt als Beispiel mit dem Auftrag, den er übernommen hat, an dem

22:43.050 --> 22:47.870
Platz und kann auch an dem Platz mit dem Equipment arbeiten, was er

22:47.870 --> 22:49.090
dort vorfindet.

22:51.750 --> 22:57.190
Dieser Vorgang läuft häufig in den Teams so, dass Mitarbeiter als Team

22:57.190 --> 22:59.950
selber verantwortlich sind für das, was man als Auftragspool

22:59.950 --> 23:00.510
bezeichnet.

23:00.750 --> 23:03.610
Man muss also zunächst mal überlegen, von dem, was jetzt hier zu tun

23:03.610 --> 23:07.490
ist, was eignet sich für die freien Bearbeitungsstationen, wo hat der

23:07.490 --> 23:10.650
Kunde hohe Dringlichkeit, wo sind vielleicht die Teile schon

23:10.650 --> 23:12.930
vorhanden, um die Reparatur durchzuführen etc.

23:12.930 --> 23:19.410
Also der erste möglicherweise Schritt der Bearbeitung ist die Auswahl

23:19.410 --> 23:24.250
des geeigneten nächsten Auftrags aus dem Auftragspool und dann eben

23:24.250 --> 23:30.210
die Aufnahme der Informationen zu dem Auftrag, möglicherweise auch

23:30.210 --> 23:33.030
nochmal die Kommunikation mit dem Kunden, um rückzusprechen, was war

23:33.030 --> 23:39.070
jetzt dessen exaktes Anliehen oder um nochmal für eine Information

23:39.070 --> 23:41.150
nicht enthaltene Punkte Klärung zu bekommen.

23:42.030 --> 23:46.650
Was der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin in der Werkstatt dann

23:46.650 --> 23:50.730
nutzen kann, ist sowohl der Zugangspunkt zum IT-System.

23:51.450 --> 23:54.130
Und das IT-System ist jetzt nicht nur lokal, sondern es ist zum

23:54.130 --> 23:56.110
Beispiel auch der Zugriff zum Kfz-Hersteller.

23:56.530 --> 23:59.430
Das heißt, die Hersteller haben hier einen umfangreichen

23:59.430 --> 24:06.070
Hintergrundservice für jede Art von Reparatur an den Fahrzeugen und

24:06.070 --> 24:10.250
diese Verbindungen sind aus den Werkstätten ein normaler Zugang, den

24:10.250 --> 24:13.950
ein Mitarbeiter am Arbeitsplatz vorfindet.

24:14.150 --> 24:18.430
Es gibt dann ein Diagnose-Equipment, das wäre eine zusätzliche

24:18.430 --> 24:20.190
Unterstützung dessen, was ich vorfinde.

24:21.170 --> 24:26.510
Und das entsprechende Gerät liefert mir wesentliche Details, um zu

24:26.510 --> 24:27.650
entscheiden, wie ich vorgehe.

24:27.990 --> 24:31.910
Ja und dann eben Equipment, um eine Reparatur durchzuführen.

24:33.650 --> 24:37.890
Wenn Sie dann praktisch die Umgebung sehen, dann ist eben der

24:37.890 --> 24:39.610
Mitarbeiter Teil eines Teams.

24:40.630 --> 24:43.210
Es gibt hier weitere Stationen.

24:43.550 --> 24:46.390
Es gibt möglicherweise oder wahrscheinlich auch einen Teamleiter, der

24:46.390 --> 24:48.650
bei Schwierigkeiten auftreten kann.

24:48.970 --> 24:53.130
Und es gibt Funktionen wie einen Supervisor, die also für den

24:53.130 --> 24:56.370
Gesamtablauf in der Werkstatt zuständig sind.

24:56.370 --> 24:58.950
So und jetzt kommt praktisch der Übergang.

24:59.770 --> 25:05.010
Wo ist die Unterstützung für die Erfordernisse zum Lernen?

25:05.470 --> 25:09.250
Und wir nehmen hier wieder an, dass jetzt bei diesen zu reparierenden

25:09.250 --> 25:14.810
Fahrzeugen sich Fragen ergeben, die über den bisherigen Kenntnis- und

25:14.810 --> 25:16.670
Erfahrungshintergrund hinausgehen.

25:16.670 --> 25:23.690
Dann kann der Mitarbeiter nicht nur persönlich, indem man auf Kollegen

25:23.690 --> 25:27.670
zugeht oder Teamleiter oder andere Unterstützer, sondern auch

25:27.670 --> 25:32.590
elektronisch zugreifen auf entsprechende Services, entsprechende

25:32.590 --> 25:33.230
Dienste.

25:33.630 --> 25:35.210
Ich habe hier mal einige aufgenommen.

25:35.730 --> 25:38.650
Natürlich erstmal die Experten für das Equipment.

25:38.870 --> 25:41.450
Also zum Beispiel, wenn der Mitarbeiter merkt, es gibt jetzt hier eine

25:41.450 --> 25:45.890
Diagnosefunktion in dem Bosch Diagnosegerät, die so noch nicht

25:45.890 --> 25:50.010
vorgekommen ist, die keine eindeutige Interpretation ergibt, dann kann

25:50.010 --> 25:54.450
mit den Experten der Diagnosesysteme Kontakt aufgenommen werden.

25:54.970 --> 25:58.110
Und wenn die Frage häufiger vorgekommen ist, kann die aus dem Archiv

25:58.110 --> 25:58.650
genommen werden.

25:58.750 --> 26:01.290
Ansonsten gibt es hier auch die Möglichkeit einer direkten

26:01.290 --> 26:01.810
Unterstützung.

26:02.810 --> 26:06.170
Ja und die kann eben dann elektronisch oder auch persönlich erfolgen.

26:07.870 --> 26:12.390
Wir haben dazu einen Bereich, der sozusagen formalisiertes Training

26:12.390 --> 26:12.850
enthält.

26:12.850 --> 26:16.250
Das ist zum Beispiel, wenn eine neue Fahrzeuggeneration in Gebrauch

26:16.250 --> 26:18.130
genommen wird oder eine wesentliche Komponente.

26:18.690 --> 26:21.050
In der damaligen Zeit, als wir die Untersuchungen gemacht haben, war

26:21.050 --> 26:23.130
das Thema Katalysator ein Riesenthema.

26:23.230 --> 26:25.830
Das kommt heute kaum noch vor in der Presse, aber da war es so, dass

26:25.830 --> 26:28.350
ganz neue Elemente zu dem Fahrzeug gehörten.

26:28.670 --> 26:31.750
Und da gab es dann auch systematische Trainings, also dass alle

26:31.750 --> 26:34.370
Mitarbeiter in der Werkstatt zu einer bestimmten Technologie

26:34.370 --> 26:35.750
weitergebildet wurden.

26:35.750 --> 26:38.550
Wenn sie dann aber das erste Mal zum Beispiel ein entsprechendes

26:38.550 --> 26:43.790
Fahrzeug vor sich hatten oder auch eine Reparatur daran durchführen

26:43.790 --> 26:50.230
mussten, dann haben sie zusätzlich auf diesem schon allgemein

26:50.230 --> 26:52.690
angebotenen Training spezifische Unterstützung abgehoben.

26:53.110 --> 26:55.830
Ja und dann kommt hier auch der Teil, den ich eben schon angesprochen

26:55.830 --> 26:56.270
habe.

26:56.270 --> 27:02.510
Das ist eine Art Archiv, ein Datenbank gibt, wo Mitarbeiter ihre

27:02.510 --> 27:06.330
Erfahrungen, ihre Lösungen, die sie entwickelt haben bei der

27:06.330 --> 27:08.890
Bearbeitung für Kollegen im Team bereitstellen.

27:09.390 --> 27:12.970
Also man lagert sozusagen das, was man an Bewältigung von

27:12.970 --> 27:16.990
Lernerforderungen erlebt hat, für Kollegen wieder ab.

27:16.990 --> 27:21.550
Also auch hier gibt es, ähnlich wie in dem Callcenter, eine Option,

27:22.690 --> 27:26.490
innerhalb des Teams Bildung weiterzugeben.

27:26.870 --> 27:29.830
Ja, was interessant ist und das ist jetzt wahrscheinlich auch wirklich

27:29.830 --> 27:33.770
inzwischen ein Allgemeinplatz, ist, dass sie an nahezu allen

27:33.770 --> 27:38.130
Arbeitsplätzen entsprechende Computerausstattung und dann eben auch

27:38.130 --> 27:46.930
Vernetzung zu den Reservoirs auch häufig außerhalb des Unternehmens

27:46.930 --> 27:48.330
vornehmen können.

27:48.490 --> 27:51.130
Also im Kfz-Bereich natürlich zu den Herstellern, zu den

27:51.130 --> 27:56.050
Komponentendieferanten, aber sicherlich auch zu einem Netzwerk der

27:56.050 --> 28:01.790
anderen Werkstätten, mit denen wir zusammengearbeitet werden können.

28:02.830 --> 28:10.230
Ja, vielleicht noch ein letztes Beispiel zu den Lernanlässen, wie sie

28:10.230 --> 28:11.810
sich in der Arbeit ergeben.

28:11.930 --> 28:14.330
Und das ist jetzt hier noch ein ganz anderer dritter Bereich, der

28:14.330 --> 28:16.950
Ihnen aber, meine ich, auch zugänglich ist, nämlich im Bereich des

28:16.950 --> 28:17.970
Webdesigns.

28:18.910 --> 28:23.890
Hier wird ein Beispiel eines Lernanlasses genommen, wo der Lernprozess

28:23.890 --> 28:30.310
selber als komplex, als von einem hohen Niveau eingeschätzt wird,

28:30.770 --> 28:36.690
allerdings an einem relativ einfachen Lernziel, weil es eben um eine

28:36.690 --> 28:41.430
ganz konkrete einzelne Aufgabe geht und in einem kurzen Zeithorizont,

28:41.590 --> 28:44.810
wo also sozusagen der Lernvorgang innerhalb zum Beispiel von einem Tag

28:44.810 --> 28:48.030
ausgelöst und abgeschlossen werden soll.

28:48.290 --> 28:51.730
Hier jetzt auch wieder sozusagen das Bild, wie ein solches System

28:51.730 --> 28:56.630
schematisiert für die Tätigkeit eines Webdesigners aussieht.

28:57.630 --> 29:02.150
Der Webdesigner ist als solcher auch tätig in einem

29:02.150 --> 29:07.490
Wertschöpfungsprozess, wo mit anderen Personen, also zum Beispiel

29:07.490 --> 29:12.670
einem Unternehmensleiter, einem Programmierer, zusätzlichen Partnern

29:12.670 --> 29:14.270
zusammengearbeitet wird.

29:14.270 --> 29:18.530
Es gibt oft auch ständige Kunden, also mit denen über lange Zeit immer

29:18.530 --> 29:21.530
wieder, auch für die immer wieder gearbeitet wird.

29:21.610 --> 29:24.630
Man kennt also die Kunden und hat dort zum Beispiel einen laufenden

29:24.630 --> 29:27.290
Auftrag, aber auch spezifische Auftragsanteile.

29:27.290 --> 29:33.270
Und die Aufgabe ist eigentlich hier, das, was zum Beispiel als

29:33.270 --> 29:37.970
Webauftritt des Kunden existiert, ständig zu modernisieren, neue

29:37.970 --> 29:39.930
Elemente einzufügen.

29:40.290 --> 29:44.670
Und damit ist eigentlich die Aufforderung zu lernen, ein Bestandteil

29:44.670 --> 29:47.850
der sogar vertraglich vereinbarten Arbeitsleistung.

29:47.850 --> 29:51.430
Also der Mitarbeiter muss nicht nur die Arbeit übernehmen als

29:51.430 --> 29:53.450
Webdesigner, die er schon immer gemacht hat, sondern das gehört

29:53.450 --> 29:54.690
eigentlich zu seiner Tätigkeit dazu.

29:54.810 --> 29:57.830
Das wird erwartet, dass er sich umsieht, dass er einen Teil seiner

29:57.830 --> 30:01.990
Arbeitszeit nutzt, um andere Entwicklungen im Internet kennenzulernen,

30:02.470 --> 30:05.790
um die Weiterentwicklung der eigenen Instrumente, also der Software

30:05.790 --> 30:07.150
als Beispiel, zu verfolgen.

30:07.150 --> 30:12.790
Um in Communities dabei zu sein, um die Entwicklung dessen, was als

30:12.790 --> 30:15.810
Standard angesehen wird oder was als innovativ angesehen wird,

30:16.150 --> 30:16.890
mitzuverfolgen.

30:16.990 --> 30:20.250
Also eine aktive Haltung weiterzulernen, sich umzugucken als ein

30:20.250 --> 30:22.110
Bestandteil der Arbeitstätigkeit selbst.

30:22.110 --> 30:26.810
Ja und da haben wir dann einen anderen Rahmen und der ist, was diesen

30:26.810 --> 30:30.790
digitalen Anteil angeht, beim Webdesigner noch augenscheinlicher als

30:30.790 --> 30:32.110
in den beiden anderen Beispielen.

30:32.810 --> 30:37.550
Hier wieder mit diesem blauen Schirm dargestellt, als Möglichkeit,

30:38.030 --> 30:42.670
sich weiter zu orientieren, Unterstützung für das eigene Lernen zu

30:42.670 --> 30:45.070
holen, das Internet als solches.

30:45.850 --> 30:49.510
Aber auch eben Communities und persönliche Netzwerke, mit denen man

30:49.510 --> 30:50.270
zusammenarbeitet.

30:50.510 --> 30:54.730
Da sind dann eben die Lehrenden, die Unterrichtenden nicht explizit

30:54.730 --> 30:57.450
Dozenten, sondern es sind eben andere Webdesigner oder andere

30:57.450 --> 31:00.930
Personen, mit denen man in einem ständigen gemeinsamen Lernprozess

31:00.930 --> 31:01.510
sich befindet.

31:01.990 --> 31:04.510
Es ist natürlich auch die Kollegenhilfe, die kann auch vom

31:04.510 --> 31:05.770
Schreibtisch nebenan sein.

31:05.770 --> 31:10.190
Es ist ein ganzes Repertoire an selbstorganisierten Trainings.

31:10.310 --> 31:13.410
Wenn man zum Beispiel eine neue Software in Gebrauch nehmen muss, dann

31:13.410 --> 31:17.450
wird die oftmals bereitgestellt und es wird erwartet, dass die Person

31:17.450 --> 31:21.610
selber sich die Elemente eineignet, die einerseits an dem Vorwissen am

31:21.610 --> 31:25.290
besten ankoppeln und die den Zielbereich, der angestrebt wird, am

31:25.290 --> 31:26.790
direktesten ansteuern.

31:26.790 --> 31:29.930
Ja, und dann gibt es auch hier so etwas wie einen gemeinsamen

31:29.930 --> 31:33.770
Erfahrungspool, wo man eben sozusagen lessons learned ablagern kann,

31:33.970 --> 31:38.110
um selber auf sie wieder zuzugreifen, aber auch um Kollegen etwas

31:38.110 --> 31:39.210
anzubieten.

31:40.100 --> 31:46.650
Ja, und damit vielleicht ein weiteres Beispiel noch, wie

31:46.650 --> 31:54.950
unterschiedliche Anlässe zum Lernen auch dazu führen können, dass sich

31:54.950 --> 31:57.930
entsprechende Unterstützungsdienste bilden.

31:58.570 --> 32:03.790
In der Summe komme ich nicht zu einer ganz eindeutigen Darstellung,

32:03.930 --> 32:08.270
wie man es im Bereich der Schule zum Beispiel vornehmen kann, also wo

32:08.270 --> 32:11.070
Unterricht dann gestaltet wird, sondern es ist natürlich ein offeneres

32:11.070 --> 32:14.010
System, das mit dem selbstorganisierten Lernen zu tun hat.

32:14.910 --> 32:20.130
Ich meine, dass ich jetzt hier nur Beispiele, Facetten, Varianten in

32:20.130 --> 32:23.590
systematischer Weise darstellen kann und die Art, wie wir es jetzt

32:23.590 --> 32:27.830
hier strukturiert haben, soll eigentlich, ich springe hier gerade mal

32:27.830 --> 32:35.010
ein bisschen weiter, zu der Möglichkeit führen, dass man Anlässe zu

32:35.010 --> 32:41.710
lernen und die sind hier oben in der Darstellung praktisch als

32:41.710 --> 32:47.970
Bereiche in diesem Raum des Würfels angegeben, also von dem Anlass, wo

32:47.970 --> 32:51.470
man einen unmittelbaren Effekt erwartet bis zu dem Anlass, wo man eine

32:51.470 --> 32:56.590
länger laufende Entwicklung anstrebt und dann eben die möglichen

32:56.590 --> 33:00.010
Dienste und das ist hier auch nur eine offene Liste, die dafür

33:00.010 --> 33:07.110
geeignet sind und man kann als Beispiel hier durchaus nachvollziehen,

33:07.230 --> 33:11.930
denke ich, oder mal erstmal behaupten, dass für eine unmittelbare

33:11.930 --> 33:18.290
Notwendigkeit zu lernen der Rat eines Kollegen oder die Hotline oder

33:18.290 --> 33:22.070
eben auch ein offenes Wissensdomän, in dem man sich selber Antworten

33:22.070 --> 33:27.730
suchen kann, hilfreicher ist als Beispiel ein Coaching oder ein

33:27.730 --> 33:31.030
Blended Learning Arrangement, was einfach länger laufend ist, wo man

33:31.030 --> 33:34.570
sich länger drin bewegen muss.

33:34.570 --> 33:38.670
Während eben, ich habe mal hier dann an der dritten Stelle diesen

33:38.670 --> 33:43.210
gerade beschriebenen Vorgang der Diagnose, da kann durchaus sein, dass

33:43.210 --> 33:48.150
ein Blended Learning hilfreich ist und auch eine Erfahrungsdatenbank

33:48.150 --> 33:53.190
einem zum Beispiel Hinweise geben kann, ich bleibe jetzt mal bei dem

33:53.190 --> 33:56.490
Katalysator -Beispiel, wie Kollegen eben einen entsprechenden

33:56.490 --> 34:02.150
Katalysatoreinbau vorgenommen haben, auf den man aufbauen kann.

34:03.050 --> 34:06.830
Etwas, was wir hier zum Beispiel für mich interessant bei dem

34:06.830 --> 34:11.530
Callcenter gefunden haben, das nannte sich Job Shadowing.

34:12.710 --> 34:18.750
Das ist eine Dienstleistung für das Lernen, die durch das Team selber

34:18.750 --> 34:23.530
übernommen worden ist, aber auch kein Vorgang, den man so auf spontane

34:23.530 --> 34:25.470
Anforderungen hindurch führt.

34:25.470 --> 34:32.310
Das Job Shadowing ist eigentlich folgendes Arrangement, dass innerhalb

34:32.310 --> 34:36.490
des Teams ein Teil der Zeit so verwendet wird, dass man sich bei einer

34:36.490 --> 34:39.990
Kollegin oder bei einem Kollegen dazusetzt und ein Protokoll führt,

34:40.090 --> 34:44.770
was einem bei der Mitverfolgung der Arbeitstätigkeit auffällt und dann

34:44.770 --> 34:48.390
darüber spricht, was hat man erlebt, als Beispiel wie mit einem Kunden

34:48.390 --> 34:52.330
gesprochen worden ist oder wie eine Recherche im System zur Lösung

34:52.330 --> 34:55.190
einer bestimmten Anfrage durchgeführt worden ist.

34:55.470 --> 35:00.490
Und dieses eigentlich als Schatten dabei sein, wird wechselseitig

35:00.490 --> 35:01.010
durchgeführt.

35:01.090 --> 35:07.790
Das heißt nicht der Controller oder der Leiter sitzt dabei oder der

35:07.790 --> 35:10.810
Trainer sitzt dabei, sondern die Kollegen machen das untereinander, um

35:10.810 --> 35:14.630
sich einfach gegenseitig Rückmeldung zu geben, um auch selber

35:14.630 --> 35:15.670
vielleicht zu lernen.

35:15.670 --> 35:18.370
Man lernt ja möglicherweise auch bei der Beobachtung, wie macht das

35:18.370 --> 35:20.470
die Kollegin oder der Kollege und kann ich das selber für mich

35:20.470 --> 35:21.290
übernehmen.

35:22.050 --> 35:26.250
Das wäre jetzt ein Element, was gerade dazu geführt hat, dass man die

35:26.250 --> 35:30.410
Vorbereitung auf eine künftige Antwort zum Beispiel mit einem anderen

35:30.410 --> 35:36.290
Auftraggeber mittelfristig kompetent und professionell angehen kann.

35:37.120 --> 35:40.610
Nach unserer damaligen Untersuchung war das für dieses System des

35:40.610 --> 35:45.450
Callcenters eine der hocheffektiven Arrangements, selbstorganisiertes

35:45.450 --> 35:46.810
Lernen anzugehen.

35:47.070 --> 35:51.690
Das ist hier sozusagen auch nur eher so eine Art Lösungsansatz, um

35:51.690 --> 35:56.350
eben die Arten, wie didaktische Unterstützung im selbstorganisierten

35:56.350 --> 36:01.990
Lernen aussehen kann, zuzuordnen, den Anlässen, die sich für das

36:01.990 --> 36:02.730
Lernen bieten.

36:05.800 --> 36:11.000
Ja, soweit diese Ausführungen im Rahmen der Vorlesung, die ich

36:11.000 --> 36:13.900
vorgesehen habe, zu dem Thema selbstorganisiertes Lernen jetzt.

36:14.240 --> 36:20.340
Die Frage, ob von Ihrer Seite noch Kommentare oder Rückfragen auch zu

36:20.340 --> 36:21.100
dem Thema sind, bitte.

36:22.040 --> 36:25.500
Ja, also die Frage ist, inwieweit die Verortung der eigenen Situation

36:25.500 --> 36:30.320
in diesem Raum sozusagen subjektiv durch den Lernenden oder durch die

36:30.320 --> 36:34.180
lernende Person stark beeinflusst oder vielleicht sogar entschieden

36:34.180 --> 36:34.440
wird.

36:34.960 --> 36:38.920
Und das wäre tatsächlich eine Herausforderung.

36:39.040 --> 36:42.760
Also die Frage ist, wie professionell muss die Person, die

36:42.760 --> 36:45.520
selbstorganisiert lernt, bezüglich des Lernens sein?

36:45.520 --> 36:50.180
Also da ist tatsächlich eine Annahme, das wird ja als Lernkompetenz

36:50.180 --> 36:54.360
auch angenommen, dass zu der heutigen beruflichen Kompetenz dazu

36:54.360 --> 37:00.240
gehört, dass man sozusagen professionell kontinuierlich weiter lernt.

37:00.360 --> 37:03.980
Und eben nicht amateurhaft, nicht nur situativ, sondern dass man auch

37:03.980 --> 37:07.680
dort ähnlich wie man mit anderen Anforderungen der Arbeitsstätigkeit

37:07.680 --> 37:10.020
auch mit der Anforderung des Lernens professionell umgeht.

37:10.020 --> 37:13.080
Und das heißt eben einzuschätzen, wo ist jetzt gerade meine

37:13.080 --> 37:18.300
Lernnotwendigkeit und welche Art von Vorgehen ist dafür geeignet?

37:18.380 --> 37:22.340
Als Beispiel nochmal, wenn ich unmittelbar etwas brauche, ich gucke im

37:22.340 --> 37:24.360
FAQ Service, ich gucke in der Hotline.

37:24.360 --> 37:28.100
Wenn ich sage, ich muss im nächsten Jahr mit meiner Firma, für meine

37:28.100 --> 37:32.200
Firma ins Ausland gehen und muss dort eine Montage, einen größeren

37:32.200 --> 37:35.520
Auftrag für einige Monate durchführen, dann habe ich ein Jahr Zeit,

37:35.600 --> 37:39.040
mich vorzubereiten und kann entsprechend für mich planen, was brauche

37:39.040 --> 37:42.960
ich, wie muss ich Spracherwerb durchführen, wie muss ich Kontakte

37:42.960 --> 37:47.160
aufbauen, was muss ich vielleicht kulturell mir aneichnen, welche

37:47.160 --> 37:50.580
Unterstützung vor Ort in der Situation muss ich vorbereiten, damit ich

37:50.580 --> 37:51.860
sie dann finde, etc.

37:51.860 --> 37:55.240
Also das ist ein längerer Vorgang, der auch der selbstorganisierten

37:55.240 --> 37:59.280
Organisation zugemutet wird, der aber eben sozusagen in diesem Raum

37:59.280 --> 38:03.440
anders zuzuordnen ist, weil er eben längerfristig ein auch geplantes,

38:03.580 --> 38:05.640
selbstorganisiertes Lernen anleitet.

38:06.300 --> 38:09.580
Das wäre sozusagen die eine Perspektive, wo tatsächlich den Lernenden

38:09.580 --> 38:14.320
zugeordnet wird, also zugemutet wird, dass sie sich selber verorten

38:14.320 --> 38:17.340
hinsichtlich ihres Bedarfes, welche Art von Unterstützung brauche ich.

38:17.900 --> 38:20.920
Es ist aber auch auf der anderen Seite eigentlich der Versuch, einen

38:20.920 --> 38:23.840
Ansatz zu machen, wie ein Dienstleister sich verorten kann.

38:23.840 --> 38:27.240
Und wir haben hier das große Problem über viele Jahre gehabt, dass die

38:27.240 --> 38:31.300
konventionellen Anbieter von Weiterbildung von dem wachsenden Bedarf

38:31.300 --> 38:33.000
zu lernen gar nicht profitiert haben.

38:33.380 --> 38:36.640
Obwohl immer mehr aus den Untersuchungen herauskam, dass die Menschen

38:36.640 --> 38:40.160
in der Arbeit lernen müssen, hat es keine höhere Nachfrage nach

38:40.160 --> 38:42.840
Lehrgängen und Seminaren gegeben, die war sogar rückläufig.

38:42.840 --> 38:44.860
Man hat sich gefragt, wo bleiben die denn?

38:45.240 --> 38:48.540
Und da hat sich eigentlich gezeigt, dass andere Dienstleister in

38:48.540 --> 38:53.180
diesem Bereich Unterstützung des Lernens in der Arbeit des

38:53.180 --> 38:56.040
selbstorganisierten Lernens erfolgreicher waren, weil sie eben

38:56.040 --> 38:59.500
leichter ansprechbar waren, weil ihre Dienste besser passten zu dem,

38:59.620 --> 39:01.800
was die Menschen in ihrer Arbeit brauchten.

39:01.800 --> 39:07.940
Und man hier sozusagen einen Übergang hat von dem, was die

39:07.940 --> 39:12.080
konventionellen alten Anbieter in dem Bereich leisten konnten, zu dem,

39:12.200 --> 39:14.160
was zum Teil auch neue Wettbewerber anbieten.

39:14.160 --> 39:17.300
Und da haben sich auch natürlich die Experten im Bereich der

39:17.300 --> 39:19.700
beruflichen Weiterbildung oder beruflichen Bildung überlegt, wie

39:19.700 --> 39:22.560
können wir in diesen Bereich hinüberkommen, wie können wir einen Teil

39:22.560 --> 39:26.660
dessen, was wir anbieten, näher an den Arbeitsplatz bringen, wie

39:26.660 --> 39:29.920
können wir es mehr mit diesem selbstorganisierten Lernen verbinden,

39:30.800 --> 39:35.720
situativer machen, anknüpfen, unmittelbare Bedürfnisse etwas

39:35.720 --> 39:39.580
weiterzulernen mit längerfristigen Unterstützung.

39:40.280 --> 39:43.780
Und das ist auch sozusagen dieser zweite Blick, wie können die

39:43.780 --> 39:49.120
Experten, die Lerndienste anbieten, ihre Dienste hier verorten und

39:49.120 --> 39:53.900
damit anknüpfen an den Bedarfsbereich, der sich in der Arbeit bietet.

39:53.900 --> 39:58.240
Also das ist sozusagen Antwort zwei auf die Frage, also einerseits

39:58.240 --> 40:02.800
eine Aufgabe für die Lernenden, andererseits aber auch der Ansatz, wie

40:02.800 --> 40:08.760
könnten sich Anbieter oder eben auch Didaktiker in diesem konfusen und

40:08.760 --> 40:13.180
diffusen Gebiet des selbstorganisierten Lernens verorten.

40:15.380 --> 40:18.120
Eine grundsätzliche Frage ist eigentlich, wie bedeutend sind

40:18.120 --> 40:20.540
entsprechende Modelle oder welche Bedeutung haben sie?

40:20.860 --> 40:23.080
Tatsächlich ist es so, dass wir hier weiterhin eine relativ

40:23.080 --> 40:26.240
unübersichtliche Lage haben, soweit ich das sehe, auch was die

40:26.240 --> 40:27.880
wissenschaftliche Erfassung angeht.

40:27.880 --> 40:31.780
Also auch dort, wenn sie Literatur schauen, finden sie nicht das

40:31.780 --> 40:34.400
Hauptmodell, wie zum Beispiel das Lernfeldkonzept, was für den

40:34.400 --> 40:37.520
Konstruktivismus steht, sondern sie finden hier eine Fülle von

40:37.520 --> 40:39.940
Versuchen, mit dem komplexen Feld umzugehen.

40:39.940 --> 40:42.720
Und ich sehe das hier auch nur als einen Versuch, mit dem ich mich

40:42.720 --> 40:44.600
eben selber über viele Jahre beschäftigt habe.

40:45.140 --> 40:49.520
Insofern ist es jetzt nicht sozusagen der prägende Ansatz, sondern ein

40:49.520 --> 40:53.900
Ansatz der Vielfalt, der Diffusität der Phänomene gerecht zu werden

40:53.900 --> 40:57.660
und mit ihnen sowohl wissenschaftlich als auch didaktisch-fachlich

40:57.660 --> 40:58.840
umgehen zu können.

41:00.080 --> 41:04.740
Ja, wenn jetzt da nicht weitere Anmerkungen noch sind, dann gehe ich

41:04.740 --> 41:11.800
sozusagen zu dem anderen Thema über und nutze die verbleibende Zeit

41:11.800 --> 41:17.400
noch, um über das Thema Prüfung zu sprechen.

41:17.400 --> 41:20.860
Ja, man könnte jetzt anknüpfen, dass Prüfung natürlich auch mit dem

41:20.860 --> 41:23.600
gerade eben geschilderten jeweils zu tun hat, weil ein Teil der

41:23.600 --> 41:26.960
Arbeitsleistung ist tatsächlich jeweils die Prüfung, ob das, was man

41:26.960 --> 41:31.920
getan hat, erfolgreich war, sinnvoll war, im Sinne des Auftraggebers

41:31.920 --> 41:34.180
zufriedenstellend.

41:34.180 --> 41:37.840
Also das immer wieder Prüfen ist auch ein Teil der Arbeitshandlung,

41:38.000 --> 41:42.780
könnte man auch sagen Kontrollieren, also eben dieses Element und

41:42.780 --> 41:48.660
damit vielleicht eine Überleitung zu der Frage, warum jetzt im Rahmen

41:48.660 --> 41:52.780
einer Vorlesung Didaktik und Methodik oder berufliches Lehren und

41:52.780 --> 41:56.200
Lernen der Aspekt der Prüfung einen Hauptplatz bekommt.

41:56.200 --> 42:01.160
Meine wesentliche Argumentationslinie ist allerdings diejenige, dass

42:01.160 --> 42:10.760
die Prüfung oftmals das Ziel auch eines Bildungsgangs darstellt und

42:10.760 --> 42:14.600
die Art der Prüfung sich hochgradig auswirkt auf die Art und Weise der

42:14.600 --> 42:15.660
Prüfungsvorbereitung.

42:15.660 --> 42:21.620
Es gibt hier also eine Einflussnahme aus der Art der Prüfung auf die

42:21.620 --> 42:28.060
Bildung selber und es gibt deswegen das relativ bedeutende Konzept,

42:28.600 --> 42:32.520
das eben mit dem Construct of Alignment bezeichnet wird, dass die

42:32.520 --> 42:37.740
Ziele, die ich mir aus Bildungsabsicht oder die aus Bildungsabsicht

42:37.740 --> 42:42.140
formuliert werden, sich wiederfinden müssen in der Art der Bildung, in

42:42.140 --> 42:46.920
der Art der Förderung und dass dann eine abschließende Prüfung auch

42:46.920 --> 42:51.180
sich auf das beziehen muss, was in der Zielsetzung benannt worden ist

42:51.180 --> 42:53.960
und was durch die Art der Förderung sich entwickelt hat.

42:54.580 --> 42:58.940
Also es gibt hier diesen Dreiklang oder diesen Zusammenhang von

42:58.940 --> 43:05.140
Zielsetzung, Förderung selber und Prüfung des Gelernten und damit eben

43:05.140 --> 43:06.480
auch diesen Zusammenhang.

43:07.580 --> 43:12.260
Jetzt gibt es in dem Skript einen Verweis auf einen Text von Friede,

43:12.340 --> 43:19.360
den ich da sehr hilfreich finde, in einem Handbuch, in dem Friede die

43:19.360 --> 43:22.700
Veränderung von Prüfung über die Geschichte darstellt.

43:23.000 --> 43:25.400
Ich habe jetzt hier vielfach gesagt, dass man die Gegenwart nur

43:25.400 --> 43:30.500
eigentlich verstehen kann, wenn man ihre Entwicklung, Entstehung in

43:30.500 --> 43:33.420
gewisser Weise nachvollzieht und das gilt auch für den Bereich der

43:33.420 --> 43:33.720
Prüfung.

43:33.720 --> 43:37.900
Es ist tatsächlich so, dass im Bereich der beruflichen Bildung die

43:37.900 --> 43:42.800
Durchführung von Prüfungen, die vor ungefähr 150 Jahren einen

43:42.800 --> 43:46.000
deutlichen Wandel erlebt hat, auf den auch Friede in seinem Beitrag

43:46.000 --> 43:54.400
eingeht, zunächst mal nicht so sehr als Drangsalierung der Geprüften

43:54.400 --> 43:57.180
vorgesehen war, sondern umgekehrt als ein Anrecht.

43:57.180 --> 44:01.620
Es ging erstmal darum, Auszubildenden das Anrecht zu geben, dass sie

44:01.620 --> 44:05.800
zu einer bestimmten Zeit unter geregelten Bedingungen durch eine

44:05.800 --> 44:10.740
Prüfung nachweisen können, dass sie entsprechend ausreichende

44:10.740 --> 44:16.000
Befähigungen sich angeeignet haben, um einen Beruf auszuführen.

44:16.000 --> 44:20.340
Und dass diese Prüfung dann definiert in einer bestimmten Art und

44:20.340 --> 44:24.240
Weise ablief und in gewisser Weise auch standardisiert war, sollte

44:24.240 --> 44:28.420
erstmal ein Recht für die Auszubildenden bedeuten, um sie der Willkür

44:28.420 --> 44:32.420
der Ausbilder etwas entziehen zu können.

44:32.760 --> 44:35.200
Insofern, zunächst mal wurden Prüfungen auch deswegen in diesem

44:35.200 --> 44:39.460
Bereich durchgesetzt, um etwas im Sinne der Auszubildenden zu tun und

44:39.460 --> 44:43.820
es ist, glaube ich, ganz wichtig, das auch immer wieder im Blick zu

44:43.820 --> 44:44.080
haben.

44:44.080 --> 44:48.940
Das zweite ist, dass wir über eine lange Phase im 20.

44:49.100 --> 44:53.660
Jahrhundert Prüfungen entwickelt haben und die sich auch etabliert

44:53.660 --> 44:57.620
haben, die sich sehr stark einerseits auf das angenommene Wissen, das

44:57.620 --> 45:01.080
erlernte Wissen, das memorierte Wissen bezogen haben, sogenannte

45:01.080 --> 45:05.920
Theorieprüfungen, und andererseits Praxisprüfungen, wo das, was man in

45:05.920 --> 45:09.520
einem konkreten Tun in einem Beruf gemacht hat, in einer

45:09.520 --> 45:16.080
eingeschränkten Weise praktisch nachvollzogen werden konnte.

45:16.080 --> 45:20.160
Die Wissensprüfungen waren zudem gegliedert in die fachsystematischen

45:20.160 --> 45:26.420
Bereiche, also als Beispiel jetzt Mathematik, Fachkunde im Bereich

45:26.420 --> 45:31.160
Fertigungsverfahren oder Werkstoffe und zum Teil auch

45:31.160 --> 45:35.160
Arbeitsorganisationen, dass man also hier auch diese, wie in der

45:35.160 --> 45:37.760
Schule gewohnte, fachliche Gliederung hatte.

45:37.760 --> 45:42.920
Das hat sich gleicherweise in den letzten 20 Jahren geändert, sodass

45:42.920 --> 45:46.640
wir heute, zumindest im Bereich der beruflichen Bildung, mehr

45:46.640 --> 45:50.760
Prüfungen haben, die auch in sich projektartig strukturiert sind oder

45:50.760 --> 45:55.300
die typische Aufgabenstellung, wie sie in der Arbeit vorkommen, in dem

45:55.300 --> 45:57.880
Beruf vorkommen, als Ausgangspunkt haben.

45:58.740 --> 46:02.980
Das gilt eigentlich für die berufliche Bildung fast generell in

46:02.980 --> 46:08.520
Deutschland und damit eben eine Entsprechung, und da komme ich nochmal

46:08.520 --> 46:12.920
wieder auf das Constructive Alignment, dessen, was in der Ausbildung

46:12.920 --> 46:16.480
selber geschieht und da der Begriff des Lernfeldes, wenn ich anhand

46:16.480 --> 46:20.480
von typischen beruflichen Aufgaben lerne, dann muss auch die Prüfung

46:20.480 --> 46:23.960
eine entsprechende typische Aufgabe als Gegenstand haben.

46:23.960 --> 46:29.440
Ansonsten wäre nämlich der Zusammenhang nicht vorhanden, wenn ich also

46:29.440 --> 46:33.140
in der ganzen Prüfungsvorbereitung mich mit typischen Aufgaben des

46:33.140 --> 46:36.100
Berufs beschäftige, in der Prüfung dann aber Wissen abfrage und

46:36.100 --> 46:39.120
irgendwie eine praktische Tätigkeit durchführen lasse, dann gibt es

46:39.120 --> 46:44.940
hier eine Problematik, dass Art der Prüfung und Art der

46:44.940 --> 46:49.000
Prüfungsvorbereitung und auch Zielstellung der Bildung selber nicht

46:49.000 --> 46:49.680
zusammenpassen.

46:50.320 --> 46:53.480
Ja, und deswegen ist man dabei, im Aumeckium Aumeck auch Prüfungen zu

46:53.480 --> 46:56.860
gestalten, zu etablieren, die diese Art des Arbeits mit

46:56.860 --> 47:01.600
arbeitstypischen Aufgaben aufnehmen und bewältigen.

47:04.120 --> 47:08.900
Ja, das wäre sozusagen ein weiterer Aspekt, dass es Transferleistungen

47:08.900 --> 47:13.840
gibt, die angestrebt werden auf Basis dessen, was man zum Beispiel in

47:13.840 --> 47:16.580
meinem schulischen Unterricht bearbeitet und das Gegenstand der

47:16.580 --> 47:19.460
Prüfung eigentlich auch sein kann, einen Transfer vorzunehmen.

47:19.540 --> 47:22.060
So habe ich jetzt Ihre Kommentierung aufgenommen.

47:23.600 --> 47:27.440
Das ist tatsächlich in der Schule auch ein Übergang und das ist

47:27.440 --> 47:30.080
sozusagen nicht nur etwas, was man vorher schon erlebt hat, dann im

47:30.080 --> 47:32.840
Rahmen der Prüfung stattfinden, sondern tatsächlich Aufgabe der

47:32.840 --> 47:35.540
Prüfung ist auch nachzuweisen, dass man es auf einen weiteren Bereich

47:35.540 --> 47:36.440
übertragen kann.

47:36.440 --> 47:40.620
Also auch das kann ein Element sein, das meine ich auch vorher schon

47:40.620 --> 47:41.200
vorhanden war.

47:41.340 --> 47:45.800
Also dieser Ansatz, der für mich im 20.

47:45.880 --> 47:49.360
Jahrhundert dominant war in der Schule, also der auf Wissen bezogen,

47:49.420 --> 47:52.260
Wissenswiedergabe bezogen war, der kann durchaus auch diese

47:52.260 --> 47:54.900
Transfererfordernisse enthalten haben.

47:55.160 --> 47:58.200
Das wäre also, meine ich, nicht unbedingt so das neue Element, sondern

47:58.200 --> 48:00.200
ein Element, was stetig vorhanden ist.

48:00.200 --> 48:04.220
Jetzt ist die Frage, ob der Transferanspruch sich auch auf die

48:04.220 --> 48:06.020
berufstypischen Aufgaben bezieht.

48:06.240 --> 48:08.740
Das könnte so sein, muss aber nicht unbedingt so sein.

48:09.220 --> 48:12.440
Der wesentliche Umschwung ist dort eigentlich die Orientierung an

48:12.440 --> 48:15.940
diesen Aufgabenstellen und damit die Ablösung von zum Beispiel der

48:15.940 --> 48:17.230
fachsystematischen Gliederung.

48:17.960 --> 48:22.220
Dass man in einer Aufgabe auch die verschiedenen fachsystematischen

48:22.220 --> 48:27.020
Aspekte so zusammenführt, wie sie sich in der Arbeit selber zeigen.

48:27.020 --> 48:30.220
Und da können Sie durchaus als Beispiel eine Kfz-Reparatur, wie ich

48:30.220 --> 48:33.560
sie jetzt gerade genannt habe, als Beispiel nehmen oder eben eine

48:33.560 --> 48:38.240
Aufgabe als Webdesigner, eine bestimmte Lösung für einen Kunden, zum

48:38.240 --> 48:41.240
Beispiel im Bereich Electronic Commerce, bereitzustellen.

48:42.060 --> 48:45.620
Ja, was wir jetzt hier dann als Übertragung haben, da möchte ich

48:45.620 --> 48:50.480
wieder so ein Schemabild einführen, ist, dass wir zunächst mal für den

48:50.480 --> 48:53.720
Bereich der beruflichen Bildung, den nehme ich ja so als Referenzfeld,

48:54.140 --> 48:57.900
als Ausgangspunkt, die professionelle Arbeitstätigkeit haben.

48:58.340 --> 49:03.400
Also die Veränderung der Arten zu prüfen, wird nicht so sehr aus

49:03.400 --> 49:06.360
didaktischer Sicht oder aus wissenschaftlicher Sicht begründet,

49:06.420 --> 49:11.680
sondern dass wir eine andere Art von Arbeitstätigkeit haben, die zu

49:11.680 --> 49:16.540
Arbeitsanforderungen führt, für die ich eben eine veränderte Art von

49:16.540 --> 49:18.300
Kompetenz brauche.

49:19.280 --> 49:22.700
Im Vergleich zu dem, was in beiden Theaterteilen des 20.

49:22.840 --> 49:23.840
Jahrhunderts üblich war.

49:24.920 --> 49:30.260
Und entsprechend wird die Verordnung angepasst.

49:30.440 --> 49:34.680
Das ist also ein Vorgang, der ständig stattfindet, übrigens in allen

49:34.680 --> 49:35.400
Bildungsbereichen.

49:35.540 --> 49:38.000
Es werden Bildungspläne überarbeitet, es werden

49:38.000 --> 49:41.700
Studienprüfungsordnungen erneuert, es werden Ausbildungsordnungen,

49:41.820 --> 49:45.820
Rahmenlehrpläne erneuert und es werden eben Prüfungsverordnungen oder

49:45.820 --> 49:47.160
Prüfungsordnungen erneuert.

49:47.520 --> 49:48.460
Das ist also nur ein Beispiel.

49:48.660 --> 49:51.720
Und hier gibt es ein Wechselspiel zwischen natürlich Erkenntnissen,

49:51.820 --> 49:55.600
die man hat, aber auch Veränderungen in der Realität, in der

49:55.600 --> 49:56.440
beruflichen Praxis.

49:56.800 --> 49:59.880
Und hier im Bereich der beruflichen Bildung ist häufig die Veränderung

49:59.880 --> 50:02.280
der beruflichen Realität der Impuls.

50:02.820 --> 50:05.840
Ja und für den Bereich, den ich hier als Beispiel nehme, das ist

50:05.840 --> 50:09.000
nämlich der Bereich der Fortbildung, ist es so, dass nicht wie im

50:09.000 --> 50:12.940
Bereich der Ausbildung, die Ausbildung selber rechtlich geregelt wird.

50:13.140 --> 50:16.360
Also bei der Ausbildung ist ja so, dass sozusagen genau dargestellt

50:16.360 --> 50:19.560
wird, was während der drei oder dreieinhalb Jahre Ausbildung geschehen

50:19.560 --> 50:22.140
soll, sondern hier wird ausschließlich die Prüfung geregelt.

50:22.680 --> 50:26.300
Und damit natürlich eine Art Vorgabe für die Art und Weise der

50:26.300 --> 50:28.140
Prüfungsvorbereitung gegeben.

50:29.060 --> 50:32.100
Entsprechend der Prüfungsverordnung müssen dann Aufgaben erstellt

50:32.100 --> 50:35.400
werden und wenn die Prüfungsverordnung sagt, es muss anhand von

50:35.400 --> 50:39.800
typischen Aufgaben gelernt werden und geprüft werden, dann ist ja die

50:39.800 --> 50:43.460
Prüfungsaufgabenstellung nicht mehr sozusagen die Auflistung von

50:43.460 --> 50:47.680
wissensbezogenen Aufgaben oder die Definition einer praktischen

50:47.680 --> 50:51.660
Aufgabe, sondern die Ableitung einer typischen Arbeitsaufgabe, die für

50:51.660 --> 50:52.840
die Prüfung geeignet ist.

50:53.860 --> 50:58.700
Ja und das ist eben dann sozusagen das Material, der Gegenstand, der

50:58.700 --> 51:00.860
in die Prüfungsvorbereitung, die Prüfung selber und die

51:00.860 --> 51:03.120
Prüfungsauswertung geführt wird.

51:03.860 --> 51:08.700
Angestrebt wird ein Titel, ein Zertifikat und da kann man jetzt

51:08.700 --> 51:13.400
zunächst mal sagen, das ist ja eigentlich ein theoretisches Ziel, ein

51:13.400 --> 51:16.980
abstraktes Ziel, was angestrebt wird, nämlich sozusagen einen Titel zu

51:16.980 --> 51:20.560
tragen oder eine Bescheinigung zu haben, dass man als Beispiel als

51:20.560 --> 51:25.380
Meister firmieren kann und sich bewerben kann.

51:25.660 --> 51:29.660
Letztendlich ist es aber so, dass im Bereich der Berufsbildung und der

51:29.660 --> 51:33.700
Fortbildung daraus wieder die Gestaltung von Arbeitstätigkeit

51:33.700 --> 51:34.420
hervorgeht.

51:34.420 --> 51:37.880
Das heißt, wir haben hier ein in gewisser Weise rollierendes System.

51:38.380 --> 51:41.860
So wie die Menschen vorbereitet werden und über Prüfung Zugang zu

51:41.860 --> 51:44.860
Arbeitstätigkeiten bekommen, so gestalten sie dann auch wiederum die

51:44.860 --> 51:45.140
Arbeit.

51:45.400 --> 51:49.860
Also wenn sie die Kfz-Werkstätte als System nehmen, dann ist die Art

51:49.860 --> 51:53.880
und Weise, wie sie funktioniert, hochgradig geprägt daraus, wie die

51:53.880 --> 51:57.320
Menschen vorbereitet gebildet sind, wie sie sich positionieren in

51:57.320 --> 51:58.100
diesem System.

51:58.100 --> 52:00.680
Und das ist sozusagen nicht naturgegeben.

52:00.860 --> 52:04.520
Es sind kulturelle Konstrukte, die sich hier zeigen.

52:04.660 --> 52:08.480
Und wenn sie schon zum Teil von dem einen Hersteller zum anderen

52:08.480 --> 52:12.000
Hersteller gehen, aber vor allen Dingen, wenn sie von den nationalen

52:12.000 --> 52:15.700
Systemen wechseln, ergibt sich dadurch eine ganz andere Art von

52:15.700 --> 52:16.960
Arbeitsausführung.

52:16.960 --> 52:20.160
Das ist in Europa immer interessant, weil wir im AOMEGA versuchen,

52:20.240 --> 52:24.280
diese verschiedenen Systeme in Kontakt miteinander zu bringen.

52:24.440 --> 52:27.540
Und wenn Sie eine Firma untersuchen, wie sie in Italien als Beispiel

52:27.540 --> 52:31.540
arbeitet, dann zeigen sich auch bestimmte kulturelle Unterschiede, die

52:31.540 --> 52:34.660
daraus hervorgehen, dass es dort ein anderes System der Bildung und

52:34.660 --> 52:36.860
der beruflichen Bildung vor allen Dingen gibt als in Deutschland.

52:36.860 --> 52:41.180
Also Sie sehen hier, wie die Dinge, die wir hier für normal halten,

52:41.320 --> 52:45.020
für etabliert, für wahrscheinlich selbstständig halten, wie hochgradig

52:45.020 --> 52:46.920
sie auch national geprägt sind.

52:46.920 --> 52:53.900
Im jeden Fall ist es so, dass dieser ganze Vorgang der Hineinführung

52:53.900 --> 52:58.160
in eine Tätigkeit, in einen Beruf sich auswirkt auf die Art und Weise,

52:58.300 --> 53:01.800
wie die Arbeitstätigkeit gestaltet wird und damit wieder die

53:01.800 --> 53:02.380
Anforderungen.

53:02.560 --> 53:07.000
Also es gibt sozusagen einen hoffentlich nicht geschlossenen Zirkel,

53:07.080 --> 53:09.420
aber doch eine wechselseitige Beeinflussung.

53:10.700 --> 53:17.520
Ich hatte als Beispiele jetzt hier für die Absolventen der

53:17.520 --> 53:24.120
Fortbildung, auf die ich hier Bezug nehme, zwei Felder ausgewählt.

53:24.240 --> 53:28.180
Das wäre jetzt nicht die Kfz-Werkstätte, sondern eine Kfz-Fertigung.

53:28.180 --> 53:34.240
Und der Absolvent einer entsprechenden Fortbildung wäre zum Beispiel

53:34.240 --> 53:39.200
Meister in der Seelenmontage von Kraftfahrzeugen.

53:39.960 --> 53:44.680
Eine typische Aufgabe wäre die tägliche Organisation der Besetzung und

53:44.680 --> 53:49.740
Anwesenheit oder die Teilhabe an Abstimmungen zur Problembewältigung

53:49.740 --> 53:51.360
und Verbesserung in übergeordneten Runden.

53:51.360 --> 53:55.060
Also der Meister muss einerseits die Teams in seinem

53:55.060 --> 53:57.380
Zuständigkeitsbereich täglich organisieren.

53:57.820 --> 54:00.620
Das ist so eine Art Personalführungsaufgabe, aber auch

54:00.620 --> 54:02.740
Arbeitsorganisationsaufgabe.

54:03.280 --> 54:08.920
Und der Meister nimmt Teil an Besprechungen, die zum Beispiel den

54:08.920 --> 54:14.920
Produktionsbereich insgesamt betreffen, wo mit anderen Vertretern aus

54:14.920 --> 54:17.980
der Konstruktion, aus der Fertigungsplanung, aus anderen Bereichen

54:17.980 --> 54:19.000
abgestimmt werden muss.

54:19.000 --> 54:22.500
Wie ist zum Beispiel die nächste Woche anzugehen?

54:22.920 --> 54:28.240
Welche besonderen Herausforderungen ergeben sich und wie können

54:28.240 --> 54:33.100
Probleme, die sich in der Vorzeit ergeben haben, bewältigt werden, in

54:33.100 --> 54:33.600
den Griff bekommen?

54:35.100 --> 54:36.260
Wie kann man sie in den Griff bekommen?

54:36.260 --> 54:44.420
Ein anderer Bereich, der von der gleichen Zielgruppe später bearbeitet

54:44.420 --> 54:47.140
wird, ist im Bereich des Schiffbaus.

54:47.460 --> 54:51.680
Das ist hier eine Darstellung aus einer Werft.

54:51.680 --> 54:59.500
Und der gleiche, im Grunde Absolvent, der den Lehrgang zum

54:59.500 --> 55:04.540
Industriemeister Metall durchlaufen hat, kann später als Meister in

55:04.540 --> 55:06.640
einem solchen Rahmen tätig werden.

55:06.700 --> 55:09.180
Das ist natürlich eine vollkommen andere Art von Produkt und damit

55:09.180 --> 55:12.060
eine vollkommen andere Art von Arbeitsablauf.

55:12.060 --> 55:18.140
Ein typisches Aufgabenbeispiel wäre hier, der Meister hat einen

55:18.140 --> 55:22.940
bestimmten Bereich dieses entstehenden Schiffes als seinen

55:22.940 --> 55:27.120
Zuständigkeitsbereich und hat dort verschiedene Teams, die in dem

55:27.120 --> 55:29.180
Fahrzeug tätig sind.

55:29.180 --> 55:35.280
Er geht während des Arbeitstages mehrfach durch diese verschiedenen

55:35.280 --> 55:39.620
Bereiche, sucht die Arbeitsteams auf und berät mit ihnen den

55:39.620 --> 55:42.940
Arbeitsfortschritt bzw.

55:43.620 --> 55:49.120
Störung, Behinderung, die wiederum dazu Anlass geben, mit anderen

55:49.120 --> 55:53.340
Verbindungen aufzunehmen, um Veränderungen bezüglich des geplanten

55:53.340 --> 55:59.120
Ablaufes abzuarbeiten und daraus Konsequenzen zu ziehen.

55:59.180 --> 56:02.000
Das wäre jetzt so eine typische Aufgabe, die sich in der Arbeit

56:02.000 --> 56:06.780
ergibt, wo man bei der Untersuchung der Arbeit den Ausgangspunkt

56:06.780 --> 56:11.680
nimmt, um zu sagen, wenn das die Arbeit prägt, wie könnte man daraus

56:11.680 --> 56:12.960
eine Prüfungsaufgabe machen?

56:12.960 --> 56:16.740
Und da hat man natürlich weder diese Vorortsituation, also man ist ja

56:16.740 --> 56:20.480
nicht in der Seenmontage im Kraftfahrzeugbereich oder man ist nicht an

56:20.480 --> 56:26.220
dem Ort der Werft, man muss also einerseits abstrahieren, andererseits

56:26.220 --> 56:27.860
muss man es ja zeitlich einschränken.

56:28.320 --> 56:33.000
Also man hat ja hier keine Prüfungsphase von vielen Tagen oder Wochen

56:33.000 --> 56:35.920
oder auch nur von einer Woche, sondern man muss zum Beispiel eine

56:35.920 --> 56:39.440
solche Prüfung innerhalb von vier Stunden durchführen.

56:39.440 --> 56:43.780
Und da greift man eben auf die entsprechende Verordnung zurück und die

56:43.780 --> 56:48.840
Verordnung regelt, wie die Prüfung aussehen soll und sie nimmt eben

56:48.840 --> 56:54.900
Bezug auf die konkrete Tätigkeit derjenigen, die durch diese Prüfung

56:54.900 --> 56:58.880
gelaufen sind und später in diesem Bereich tätig werden sollen.

56:59.860 --> 57:04.540
Als ein Beispiel aus der Verordnung, Paragraph 5, handlungsspezifische

57:04.540 --> 57:08.840
Qualifikationen, ist formuliert, der Prüfungsteil handlungsspezifische

57:08.840 --> 57:12.640
Qualifikationen umfasst die Handlungsbereiche Technik, Organisation

57:12.640 --> 57:17.020
sowie Führung und Personal, die in den betrieblichen Funktionsfeldern

57:17.020 --> 57:20.280
Betriebserhaltung, Fertigung und Montage zuzuordnen sind.

57:20.280 --> 57:22.660
So steht das dann in einer richtigen Vorgabe.

57:23.160 --> 57:29.740
Und das besagt im Kern, dass diese fachsystematische Gliederung, die

57:29.740 --> 57:32.340
vorher bestanden hat, nämlich einerseits Technik, andererseits

57:32.340 --> 57:36.580
Organisation und zum dritten Umgang mit Mitarbeitern,

57:36.680 --> 57:41.700
Mitarbeiterführung, dass diese zusammengehören in der Prüfungsaufgabe

57:41.700 --> 57:45.320
und eben in der jeweiligen Aufgabenstellung integriert werden.

57:45.320 --> 57:50.380
Und die Funktionsfelder zeigen hier drei Haupteinsatzgebiete der

57:50.380 --> 57:54.500
Absolventen, nämlich die Montage, da ist hier das Beispiel gezeigt aus

57:54.500 --> 57:58.520
der Kfz-Montage, die Fertigung, das wäre zum Beispiel eine solche

57:58.520 --> 58:04.120
Produktion eines Fahrzeugs auf der Werft oder die Betriebserhaltung,

58:04.220 --> 58:06.740
das sind die ganzen indirekten Bereiche, Instandhaltung,

58:07.040 --> 58:10.900
Betriebsmittelvorbereitung etc., in denen auch Meister tätig sind.

58:10.900 --> 58:13.380
Damit wird sozusagen das Einsatzgebiet benannt.

58:14.160 --> 58:18.420
Ja und dann kommt zu der Prüfung selber, wird dort festgelegt, es

58:18.420 --> 58:22.120
werden drei Funktionsfeld bezogen und die Handlungsbereiche

58:22.120 --> 58:25.560
integrierende Situationsaufgaben zum Gegenstand der Prüfung gemacht.

58:25.560 --> 58:29.320
Das ist also eine Anforderung an die Prüfung, die den Bezug zu der

58:29.320 --> 58:31.640
konkreten Arbeitstätigkeit herstellt.

58:32.240 --> 58:37.500
Ja und da muss man sagen, dass eben die Herausforderung an diejenigen,

58:37.560 --> 58:42.620
die die Prüfung durchführen, die besteht darin, dass man eben diese

58:42.620 --> 58:45.020
rechtliche Vorgabe umsetzen muss.

58:47.000 --> 58:53.440
Ich hatte bei dem Lernfeld bezogen auf das Jahr oder die Zeit um 1996

58:53.440 --> 58:57.140
hingewiesen, wo ein entsprechender Erlass der Kultusministerkonferenz

58:57.140 --> 58:59.380
entstanden ist.

59:00.000 --> 59:04.180
Im Bereich dieser Fortbildung wurde Ende der 90er Jahre eine neue

59:04.180 --> 59:06.180
Verordnung herausgegeben.

59:06.960 --> 59:11.200
Darauf hatten sich die Tarifparteien geeinigt, also Arbeitgeber,

59:11.260 --> 59:13.760
Arbeitnehmerseite waren beteiligt, das Bundesinstitut für Ausbildung

59:13.760 --> 59:14.560
war beteiligt.

59:14.920 --> 59:18.200
Es gibt einen rechtlichen Erlass, also ein Ministerium erlässt eine

59:18.200 --> 59:21.940
entsprechende Verordnung und ab da gilt eigentlich eine neue Art von

59:21.940 --> 59:22.680
Prüfung.

59:22.680 --> 59:25.700
Wenn Sie es übertragen wollen auf die Situation, in der Sie sind, wir

59:25.700 --> 59:28.700
haben mit dem Bologna-Prozess eigentlich einen ähnlichen Vorgang.

59:29.080 --> 59:33.380
Wir haben die Umstellung von zum Beispiel den Diplom-Studiengängen auf

59:33.380 --> 59:38.120
den Bachelor-Master-Studiengang oder den Magister-Studiengängen auf

59:38.120 --> 59:42.820
den Bachelor-Master-Studiengangsansatz erlebt und so ähnlich ist es in

59:42.820 --> 59:43.480
dem Bereich auch.

59:43.560 --> 59:47.800
Aber an einem bestimmten Zeitpunkt gilt eine andere Art von Prüfung in

59:47.800 --> 59:48.380
diesem Fall.

59:49.100 --> 59:54.620
Und die Frage ist, die sich in der Folge ergibt, ist es denn so, dass

59:54.620 --> 59:57.880
diese Vorgabe auch die Realität verändert?

59:58.420 --> 01:00:02.860
Ich hatte das hier in der Vorlesung mal wieder auch mit im Spiel, die

01:00:02.860 --> 01:00:06.240
Frage, inwieweit etwas, was wissenschaftlich angenommen wird oder was

01:00:06.240 --> 01:00:09.120
als sinnvoll angesehen wird oder was in einem Bildungsplan steht,

01:00:09.740 --> 01:00:12.180
inwieweit sich das im konkreten Unterricht wiederfindet.

01:00:12.960 --> 01:00:16.220
Oder inwieweit es sich in der konkreten Prüfung zum Beispiel in der

01:00:16.220 --> 01:00:16.940
Schule wiederfindet.

01:00:17.020 --> 01:00:20.400
Und genau diese Frage stellt sich hier auch, wenn man aus bestimmten

01:00:20.400 --> 01:00:24.040
Erkenntnissen heraus etwas verändern möchte, einen neuen Ansatz, ein

01:00:24.040 --> 01:00:28.160
neues Leitbild, ein neues Paradigma oder auch einen ganz konkreten

01:00:28.160 --> 01:00:30.940
neuen Plan, ein neues Curriculum einführen will.

01:00:31.880 --> 01:00:34.900
Inwieweit kann man eigentlich sicherstellen oder nachvollziehen, ob

01:00:34.900 --> 01:00:37.420
sich diese veränderte Vorgabe aber auch tatsächlich in einer

01:00:37.420 --> 01:00:39.140
veränderten Praxis wiederfindet?

01:00:39.720 --> 01:00:43.960
Und das haben wir hier in der Folge unter anderem auch untersucht.

01:00:44.460 --> 01:00:49.300
Wir haben also die Frage gestellt, wie man oder die Frage wurde in

01:00:49.300 --> 01:00:53.580
Auftrag gegeben zu klären, inwieweit das, was in den Vorgaben zur

01:00:53.580 --> 01:00:56.940
Prüfung enthalten ist, sich auch in der Praxis tatsächlich

01:00:56.940 --> 01:00:57.680
wiederfindet.

01:00:58.260 --> 01:01:01.140
Übertragen auf Ihr Studium wäre es so, dass man überprüfen würde,

01:01:01.300 --> 01:01:04.740
inwieweit das, was als Grundgedanken zum Beispiel vom Bologna-Prozess

01:01:04.740 --> 01:01:08.140
vorgesehen war, sich auch im Studienalltag wiederfindet.

01:01:08.240 --> 01:01:11.740
Also genau diese Untersuchung wurde in Auftrag gegeben.

01:01:11.740 --> 01:01:15.800
Und das ist sozusagen auch eine gewisse Verpflichtung, nicht nur der

01:01:15.800 --> 01:01:17.360
Wissenschaft, sondern auch der Politik.

01:01:17.740 --> 01:01:22.300
Wenn Veränderungen eingebracht werden, ob das das Lernfeld angeht oder

01:01:22.300 --> 01:01:26.200
ob es jetzt hier diese Verwendung von bestimmten Situationsaufgaben

01:01:26.200 --> 01:01:28.940
angeht, dann gibt es auch eine gewisse Verpflichtung nachzuvollziehen,

01:01:29.520 --> 01:01:30.980
wie wirkt sich denn das praktisch aus?

01:01:31.100 --> 01:01:32.140
Wirkt es sich überhaupt aus?

01:01:32.280 --> 01:01:33.420
Wirkt es sich positiv aus?

01:01:33.540 --> 01:01:36.140
Wirkt es sich eher nachteilig aus?

01:01:36.320 --> 01:01:39.080
Und daraufhin dann gegebenenfalls zu korrigieren oder nochmal

01:01:39.080 --> 01:01:40.740
weiterzuentwickeln.

01:01:41.840 --> 01:01:45.000
Ja, wir haben hier in diesem Fall, und das wäre jetzt mein Beispiel,

01:01:45.080 --> 01:01:51.240
was ich noch hier erläutern will, einen Forschungsauftrag, den wir vom

01:01:51.240 --> 01:01:52.900
Bundesinstitut für Berufsbildung bzw.

01:01:53.180 --> 01:01:56.120
eigentlich vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, das dann

01:01:56.120 --> 01:02:01.720
wieder das Bundesinstitut für Berufsbildung einbindet, erhalten.

01:02:03.100 --> 01:02:08.560
Die Prüfungsbestimmungen von Fortbildungsanordnungen, daraufhin zu

01:02:08.560 --> 01:02:12.140
untersuchen, inwieweit sie sich in der Prüfungspraxis auswirken.

01:02:12.840 --> 01:02:15.640
Ja, und da gab es jetzt dann, das ist immer ein Forschungsauftrag.

01:02:15.720 --> 01:02:19.280
Ein Forschungsauftrag ist etwas anders als ein Antrag, den man stellt

01:02:19.280 --> 01:02:21.860
zur Förderung von ganz bestimmten Aktivitäten.

01:02:21.860 --> 01:02:25.720
Ein Forschungsauftrag hat einen definierten Inhalt und der ist hier

01:02:25.720 --> 01:02:27.060
nochmal blau ausgeführt.

01:02:27.180 --> 01:02:34.020
Es ging also darum, zu erkennen, inwieweit Wissen und Verstehen von

01:02:34.020 --> 01:02:38.140
Fachinhalten, die Auseinandersetzung mit betriebspraktischen Problemen

01:02:38.140 --> 01:02:42.960
und Aufgaben etc., die in den Verordnungen formuliert sind, sich dann

01:02:42.960 --> 01:02:46.600
konkret zeigen in der Art und Weise, wie Prüfung stattfindet.

01:02:46.600 --> 01:02:55.080
Diese in der Forschungsauftragstellung enthaltenen Angaben werden in

01:02:55.080 --> 01:02:58.080
der Untersuchung dann auf bestimmte Schlüsselbegriffe konzentriert,

01:02:58.160 --> 01:03:02.500
die dann im Rahmen einer Untersuchung auch zu bewältigen sind und

01:03:02.500 --> 01:03:07.300
Bezug haben sowohl zu den Fragestellungen, die definiert sind, als

01:03:07.300 --> 01:03:08.980
auch zu den Fortbildungsordnungen.

01:03:08.980 --> 01:03:14.820
Und sie leiten dann zu ganz bestimmten Prozessschritten der

01:03:14.820 --> 01:03:18.820
Untersuchung, die sich einerseits auf Merkmale, zum Beispiel

01:03:18.820 --> 01:03:24.060
Absichten, Intentionen, die in der Verordnung formuliert sind, sich in

01:03:24.060 --> 01:03:28.420
der Praxis finden oder in welcher Weise diese Aspekte, die in der

01:03:28.420 --> 01:03:31.560
Verordnung angesprochen sind, sich in der Praxis finden.

01:03:31.560 --> 01:03:36.320
Ja und für den Ansatz selber gliedert sich dann der

01:03:36.320 --> 01:03:39.920
Untersuchungsgegenstand in drei Bereiche, nämlich die

01:03:39.920 --> 01:03:41.220
Prüfungsbestimmungen.

01:03:41.700 --> 01:03:45.080
Das ist die Vorgabe, die rechtliche Vorgabe, der Text, aus dem ich

01:03:45.080 --> 01:03:46.720
gerade etwas gelesen habe.

01:03:47.200 --> 01:03:50.380
Auf der anderen Seite eine existierende Prüfungspraxis.

01:03:50.380 --> 01:03:54.800
Die ist laufend, also an dem Beispiel Industriemeister wurden

01:03:54.800 --> 01:03:57.660
fortgebildet und geprüft über die gesamte Zeit.

01:03:57.780 --> 01:04:00.620
Es gab einfach eine Veränderung, was die Vorgabe angeht.

01:04:00.980 --> 01:04:04.560
Insofern gibt es eine laufende Prüfungspraxis und es gibt auch einen

01:04:04.560 --> 01:04:07.800
laufenden Vorgang der Prüfungserstellung, wird das hier genannt, also

01:04:07.800 --> 01:04:09.920
wie Prüfungsaufgaben definiert sind.

01:04:09.920 --> 01:04:13.500
Diese Erstellung der Prüfungsaufgaben, die könnte man natürlich

01:04:13.500 --> 01:04:17.340
unmittelbar umstellen, indem man sagt, okay, die Verordnung gilt ab

01:04:17.340 --> 01:04:20.040
dem 1.10.2017.

01:04:20.940 --> 01:04:25.500
Ab diesem Tag werden veränderte Aufgaben eingesetzt.

01:04:25.500 --> 01:04:29.740
Allerdings müsste ja eigentlich die Prüfungsvorbereitung entsprechend

01:04:29.740 --> 01:04:32.040
im Vorfeld schon verändert worden sein.

01:04:32.180 --> 01:04:35.700
Wenn jetzt die Prüfungsvorbereitung auf einen Zeitraum von 1 bis 3

01:04:35.700 --> 01:04:39.360
Jahren angesetzt ist, dann muss man zumindest einen Übergangszeitraum

01:04:39.360 --> 01:04:43.220
belegen, wo man sowohl die bisher gültige Art der Prüfung weiter

01:04:43.220 --> 01:04:46.540
anbietet, als auch eben die neue Art der Prüfung.

01:04:46.540 --> 01:04:52.820
Es gibt also hier sozusagen einen Übergangszeitraum und der

01:04:52.820 --> 01:04:56.260
Übergangszeitraum bedeutet vielleicht, dass zwei Arten von

01:04:56.260 --> 01:04:58.460
Prüfungspraxis parallel bestehen.

01:04:58.580 --> 01:05:02.820
Nämlich eine, die die alte Art zu Ende führt und eine, die die neue

01:05:02.820 --> 01:05:06.240
Art nach und nach in Gebrauch bringt.

01:05:07.440 --> 01:05:12.560
Wie kann man jetzt hier die Untersuchung strukturieren?

01:05:12.940 --> 01:05:16.260
Zunächst mal gibt es ja eine Reihe von Dokumenten, die untersucht

01:05:16.260 --> 01:05:16.860
werden können.

01:05:17.020 --> 01:05:18.360
Nämlich die Bestimmungen selber.

01:05:18.960 --> 01:05:22.300
Das ist sozusagen die Rechtskonstruktion und die weiteren Ausführungen

01:05:22.300 --> 01:05:23.180
der Rechtskonstruktion.

01:05:23.760 --> 01:05:27.260
Und die Prüfungsaufgaben als solche sind ja auch Dokumente.

01:05:27.620 --> 01:05:31.540
Letztendlich sind auch die bearbeiteten Dokumente, die untersucht

01:05:31.540 --> 01:05:32.160
werden können.

01:05:33.080 --> 01:05:37.680
Dann gibt es einen zweiten Bereich, wo durch Gespräche die Akteure

01:05:37.680 --> 01:05:40.020
einbezogen werden können.

01:05:40.100 --> 01:05:42.600
Man kann also die Prüfungsaufgaben erstellen.

01:05:43.620 --> 01:05:46.920
Man kann die, die wir als Prüfungsregulierer bezogen haben, also die,

01:05:47.160 --> 01:05:53.720
welche an der Formulierung der Regulierung beteiligt waren oder auch

01:05:53.720 --> 01:05:58.040
die Prüfer, die in Prüfungsausschüssen mitarbeiten oder auch eben die

01:05:58.040 --> 01:06:01.200
Geprüften, die durch die Prüfung gegangen sind, kann man durch

01:06:01.200 --> 01:06:05.240
Interviews einbeziehen und deren Perspektiven aufnehmen.

01:06:05.900 --> 01:06:10.240
Und man kann schließlich Beobachtungen durchführen, vor allem der

01:06:10.240 --> 01:06:15.840
Prüfungspraxis selber, indem man an sowohl den schriftlichen Prüfungen

01:06:15.840 --> 01:06:19.700
wie auch den Prüfungsgesprächen unmittelbar teilnimmt.

01:06:19.700 --> 01:06:25.980
Das wären also drei Arten von Quellen, auf die hier die Untersuchung

01:06:25.980 --> 01:06:26.880
sich beziehen kann.

01:06:27.500 --> 01:06:32.020
Und die Fragestellung, die für die Untersuchung Leid geben ist, ist

01:06:32.020 --> 01:06:34.700
entsprechend des Forschungsauftrags.

01:06:34.980 --> 01:06:39.580
Inwieweit stimmt die Prüfungspraxis mit dem, was in der Verordnung

01:06:39.580 --> 01:06:43.480
steht, überein oder inwieweit weicht sie davon ab?

01:06:44.480 --> 01:06:47.300
Ich hoffe, dass Sie das vielleicht auch transferieren können, wenn Sie

01:06:47.300 --> 01:06:52.340
mal die Studienprüfungsordnung für den Bachelorstudiengang oder den

01:06:52.340 --> 01:06:55.380
Masterstudiengang nehmen und Sie lesen das als Dokument.

01:06:56.100 --> 01:07:00.160
Dann gibt es ganz bestimmt hoffentlich auch nachvollziehbare

01:07:00.160 --> 01:07:04.080
Dokumente, die deren Umsetzung anleiten.

01:07:04.080 --> 01:07:08.420
Es gibt Akteure, die daran beteiligt sind, die man hinsichtlich ihrer

01:07:08.420 --> 01:07:11.340
Sicht der Dinge einbeziehen kann.

01:07:11.600 --> 01:07:14.960
Und es gibt eine beobachtbare Praxis, also konkrete Veranstaltungen,

01:07:15.200 --> 01:07:20.480
konkrete Leistungen, die jetzt zum Beispiel im Rahmen des Studiums

01:07:20.480 --> 01:07:21.040
erbracht werden.

01:07:21.100 --> 01:07:25.640
Man kann dann untersuchen, inwieweit stimmt das, was dort zu finden

01:07:25.640 --> 01:07:30.080
ist mit dem, was vorgegeben ist, überein oder inwieweit weicht es

01:07:30.080 --> 01:07:30.920
voneinander ab?

01:07:31.740 --> 01:07:36.120
Es gibt dann bezüglich Übereinstimmung und Abstimmung zwei weitere

01:07:36.120 --> 01:07:39.380
Kategorien, die eine Gegenüberstellung ermöglichen.

01:07:40.420 --> 01:07:45.120
Das eine ist nämlich, inwieweit die Akteure, die dann daran beteiligt

01:07:45.120 --> 01:07:50.160
sind, wiederum diese Art der Prüfung für sinnvoll und gut halten oder

01:07:50.160 --> 01:07:50.540
nicht.

01:07:51.080 --> 01:07:53.360
Auch das werden Sie im Bereich des Studiums finden.

01:07:53.520 --> 01:07:57.360
Es gibt eine Reihe von Lehrenden zum Beispiel, die das neue Konzept

01:07:57.360 --> 01:08:00.360
Bachelor und Master für sinnvoll halten und andere, die es eher für

01:08:00.360 --> 01:08:02.160
den Untergang der Universität halten.

01:08:02.600 --> 01:08:04.680
So ähnlich ist es auch im Bereich der beruflichen Bildung.

01:08:04.780 --> 01:08:08.960
Es gibt immer Anhänger einer neuen Form und es gibt Skeptiker, es gibt

01:08:08.960 --> 01:08:09.380
Gegner.

01:08:09.920 --> 01:08:14.120
Die werden ja nicht aussortiert, sondern das sind einfach Mitwirkende

01:08:14.120 --> 01:08:15.100
in dem Gesamtsystem.

01:08:15.320 --> 01:08:17.360
So wie in der Politik gibt es hier auch die Vertreter der

01:08:17.360 --> 01:08:18.200
unterschiedlichen Richtungen.

01:08:18.200 --> 01:08:23.220
Es kann also sein, dass ich mich in einem Studiengang beteilige, dem

01:08:23.220 --> 01:08:25.920
ich in bestimmten Aspekten auch kritisch gegenüber stelle.

01:08:26.080 --> 01:08:28.260
Trotzdem werde ich natürlich versuchen, ihn zu beachten.

01:08:28.820 --> 01:08:30.940
Aber ich kann meine kritische Haltung beibehalten.

01:08:31.420 --> 01:08:32.320
Und so ist es hier auch.

01:08:32.460 --> 01:08:36.280
Also man hat einen Teil der Akteure, die dem zustimmen, einen Teil,

01:08:36.420 --> 01:08:37.100
die das ablehnen.

01:08:37.500 --> 01:08:40.360
Dennoch sind sie insgesamt einbezogen.

01:08:40.360 --> 01:08:46.420
Und das zweite ist, ob konkret in der beobachtbaren Prüfung das, was

01:08:46.420 --> 01:08:49.080
vorgegeben ist, angewandt wird oder missachtet wird.

01:08:50.380 --> 01:08:52.800
Jetzt würde man ja erstmal annehmen, dass diejenigen, die es ablehnen,

01:08:52.880 --> 01:08:56.480
es auch missachten und diejenigen, die zustimmen, es auch anwenden.

01:08:56.480 --> 01:08:59.400
Also das wäre sozusagen die These, dass man dadurch unterscheiden

01:08:59.400 --> 01:09:03.980
kann, gelegen von Prüfungen, dass diejenigen, die skeptisch sind oder

01:09:03.980 --> 01:09:08.440
negativ einem neuen Ansatz gegenüberstellen, dass sie es missachten

01:09:08.440 --> 01:09:14.000
und diejenigen, die Anhänger sind, dass die auch entsprechendes

01:09:14.000 --> 01:09:14.540
umsetzen.

01:09:15.530 --> 01:09:19.280
In der Untersuchung haben wir dann hier diese Phänomene, also

01:09:19.280 --> 01:09:22.460
Zustimmung versus Ablehnung und Anwendung versus Missachtung

01:09:22.460 --> 01:09:27.520
untersucht, komprimiert dargestellt und mit den Experten wiederum

01:09:27.520 --> 01:09:29.620
erörtert, was dabei herausgekommen ist.

01:09:30.100 --> 01:09:34.640
Und da möchte ich einen Aspekt abschließend hier noch zeigen, was die

01:09:34.640 --> 01:09:36.020
Resultate angeht.

01:09:36.020 --> 01:09:39.940
Man könnte jetzt tiefer eingehen in die Art und Weise der Interviews,

01:09:40.020 --> 01:09:41.680
in die Art und Weise der Beobachtung etc.

01:09:41.920 --> 01:09:43.380
Dafür habe ich jetzt nicht so die Zeit.

01:09:43.500 --> 01:09:49.280
Deswegen springe ich mal relativ schnell in dieses eine Element der

01:09:49.280 --> 01:09:50.980
Ergebnisdarstellung.

01:09:51.360 --> 01:09:52.720
Was kam dabei raus?

01:09:54.200 --> 01:09:59.080
Zunächst mal nochmal zur Operationalisierung haben wir hier diesen

01:09:59.080 --> 01:10:03.860
Ablauf, dass wir eine definierte Konzeption der Prüfung haben.

01:10:03.940 --> 01:10:06.660
Das steht in der Verordnung, bei uns hier in unserem Fall in der

01:10:06.660 --> 01:10:07.680
Studienprüfungsordnung.

01:10:08.960 --> 01:10:14.600
Und Aufgabe war eben zu vergleichen, inwieweit das Konzept mit der

01:10:14.600 --> 01:10:18.780
tatsächlichen Praxis der Prüfung in diesem Fall übereinstimmt.

01:10:19.600 --> 01:10:24.720
Was notwendig ist, man kann ja die Verordnung nicht direkt in Praxis

01:10:24.720 --> 01:10:25.420
umwandeln.

01:10:25.540 --> 01:10:29.920
Es ist ein Transferprozess auch hier erforderlich und der erfordert,

01:10:30.420 --> 01:10:34.360
dass diejenigen, die an der Prüfung beteiligt sind, eine subjektive

01:10:34.360 --> 01:10:36.880
Konzeption der Prüfung vornehmen.

01:10:36.880 --> 01:10:39.620
Das heißt, die lesen die Verordnung und überlegen, wie muss die

01:10:39.620 --> 01:10:42.740
Aufgabe für die Prüfung gestaltet sein, damit diese Inhalte der

01:10:42.740 --> 01:10:44.280
Verordnung sich darin finden.

01:10:44.420 --> 01:10:48.320
Also schon dort gibt es eine erste Übertragung und sie verwenden dafür

01:10:48.320 --> 01:10:53.960
bestimmte Merkmale, die in der Vorlage enthalten sind, um diese

01:10:53.960 --> 01:10:56.880
Merkmale in der Konzeption umzusetzen.

01:10:56.880 --> 01:11:01.980
Jetzt kann man die Merkmale, die definiert worden sind, ja auch

01:11:01.980 --> 01:11:05.720
verwenden, um wissenschaftlich nachzuvollziehen, ob das, was die

01:11:05.720 --> 01:11:11.700
Prüfer, die Prüfungsaufgabenersteller als wesentlich erkannt haben,

01:11:12.200 --> 01:11:16.480
sich dann in ihrer Praxis der Aufgabenstellung der Prüfung selber

01:11:16.480 --> 01:11:16.880
wiederfindet.

01:11:16.880 --> 01:11:21.400
Die Annahmen folgender Art waren damit verbunden.

01:11:22.620 --> 01:11:27.600
Annahme 1, die in der Verordnung definierte Prüfung findet sich in der

01:11:27.600 --> 01:11:28.980
tatsächlichen Prüfung wieder.

01:11:29.300 --> 01:11:32.360
Also man nimmt erstmal an, dass was vorgegeben ist, Prüfungsordnung,

01:11:32.540 --> 01:11:34.920
Studienprüfungsordnung, findet sich auch in der konkreten Prüfung

01:11:34.920 --> 01:11:35.120
wieder.

01:11:35.220 --> 01:11:39.380
Das ist zumindest mal wenig kritisch.

01:11:39.380 --> 01:11:43.740
Die Annahme 2, die definierte Konzeption der Prüfung, wird in der

01:11:43.740 --> 01:11:46.680
subjektiven Konzeption der Prüfung bei den Prüfungsbeteiligten

01:11:46.680 --> 01:11:47.360
abgebildet.

01:11:47.660 --> 01:11:50.280
Das heißt, wenn ich jetzt hier einen Dozenten frage oder Sie fragen

01:11:50.280 --> 01:11:54.780
mich aus der Prüfungsordnung zum Pädagogikstudiengang, was sind denn

01:11:54.780 --> 01:11:58.260
die für Sie wesentlichen Elemente, dann müsste das, was ich sage, sich

01:11:58.260 --> 01:11:59.900
auch in dem schriftlichen Dokument finden.

01:11:59.900 --> 01:12:02.800
Das wäre merkwürdig, wenn ich irgendwas ganz anderes sagen würde und

01:12:02.800 --> 01:12:05.820
Sie gucken in die Studienprüfungsordnung und da steht irgendwas ganz

01:12:05.820 --> 01:12:06.100
anderes.

01:12:06.260 --> 01:12:09.920
Also man nimmt erstmal an, dass das, was ich als Beteiligter in dem

01:12:09.920 --> 01:12:13.660
Bereich als wesentlich herausstelle, sich auch in der Verordnung

01:12:13.660 --> 01:12:14.300
wiederfindet.

01:12:15.320 --> 01:12:18.920
Die Annahme 3 ist, die Umsetzung der subjektiven Konzeption der

01:12:18.920 --> 01:12:22.800
Prüfung lässt sich an beobachtbaren Merkmalen erkennen, nachweisen.

01:12:23.320 --> 01:12:26.660
Wenn ich also zum Beispiel sage, für den Studiengang Pädagogik aus

01:12:26.660 --> 01:12:30.500
meiner Sicht sind es folgende Elemente und ich erkenne selber daran,

01:12:30.580 --> 01:12:35.460
ob das dort eine Bedeutung hat, an folgenden Merkmalen.

01:12:35.460 --> 01:12:43.640
Also einige Arrangements, die ich hier organisiere, einige Dokumente,

01:12:43.760 --> 01:12:46.640
die entstehen aus dem Studiengang, daran erkenne ich, ob das

01:12:46.640 --> 01:12:49.860
funktioniert, was auch vorgesehen ist.

01:12:50.660 --> 01:12:54.380
Die Annahme 4 wäre, anhand der in der Praxis erkennbaren Merkmale

01:12:54.380 --> 01:12:57.620
lassen sich definierte und subjektive Konzeptionen und tatsächliche

01:12:57.620 --> 01:12:58.740
Praxis vergleichen.

01:12:59.040 --> 01:13:01.340
Das heißt, wenn ich jetzt eine wissenschaftliche Beobachtung, eine

01:13:01.340 --> 01:13:04.780
Evaluation organisiere, die meine Tätigkeit hier zum Beispiel

01:13:04.780 --> 01:13:09.120
untersuchen, dann müssten die anhand der von mir dargestellten und im

01:13:09.120 --> 01:13:13.440
Zusammenhang auch begründeten Merkmale ebenfalls erkennen können, wie

01:13:13.440 --> 01:13:14.700
weit das stattfindet oder nicht.

01:13:14.700 --> 01:13:18.480
Also das ist sozusagen die Voraussetzung auch dann hier für eine

01:13:18.480 --> 01:13:19.680
wissenschaftliche Untersuchung.

01:13:20.600 --> 01:13:25.100
Das haben wir in dem Fall durchgeführt und eben konzentriert auf diese

01:13:25.100 --> 01:13:29.740
Gegenüberstellung von Anwendung und Missachtung bzw.

01:13:30.380 --> 01:13:31.960
Ablehnung oder Zustimmung.

01:13:31.960 --> 01:13:39.200
Und daraus ergibt sich so ein schönes Entspannungsfeld, nämlich

01:13:39.200 --> 01:13:45.840
einerseits diejenigen, die die Vorgaben der Verordnung ablehnen,

01:13:46.200 --> 01:13:51.500
gegenübergestellt denjenigen, die zustimmen und die Anwendung bei der

01:13:51.500 --> 01:13:53.580
konkreten Beobachtung, also das, was man sieht, findet tatsächlich

01:13:53.580 --> 01:13:56.620
statt, gegenüber dem, wo man merkt, nee, da ist was ganz anderes in

01:13:56.620 --> 01:13:57.140
der Prüfung.

01:13:57.140 --> 01:13:59.120
Ich nehme mal ein Beispiel dafür.

01:13:59.960 --> 01:14:04.720
Die mündliche Prüfung wird als Fachgespräch definiert und jetzt fragt

01:14:04.720 --> 01:14:08.520
man sich gut, was ist ein Gespräch im Unterschied zu einer reinen

01:14:08.520 --> 01:14:09.360
Wissensabfrage?

01:14:09.480 --> 01:14:10.500
Das wäre die Gegenüberstellung.

01:14:10.500 --> 01:14:15.760
Also eine Abfrage ist ja, es wird immer wieder von einem Prüfer eine

01:14:15.760 --> 01:14:18.760
Frage gestellt und der Prüfungskandidat antwortet immer genau wieder

01:14:18.760 --> 01:14:19.460
auf diese Frage.

01:14:19.740 --> 01:14:24.620
Ein Gespräch ist schon eher ein Dialog, also ein gemeinsames Erörtern

01:14:24.620 --> 01:14:27.820
zum Beispiel von einer Thematik, zum Beispiel einer vom Prüfling

01:14:27.820 --> 01:14:29.700
gelösten Aufgabenstellung.

01:14:30.440 --> 01:14:36.500
Und wenn ich jetzt in der Verordnung stehen habe, der mündliche Teil

01:14:36.500 --> 01:14:39.040
der Prüfung soll als Fachgespräch geführt werden, dann gibt es

01:14:39.040 --> 01:14:40.720
bestimmte Merkmale eines Gesprächs.

01:14:41.100 --> 01:14:44.380
Wenn ich dann aber beobachte, das ist eine reine Wissensabfrage, dann

01:14:44.380 --> 01:14:47.580
gibt es eine Missachtung der Vorgabe in der Praxis.

01:14:48.060 --> 01:14:54.060
Also diese Unterscheidung wäre dann Hintergrund für die Zuordnung der

01:14:54.060 --> 01:14:59.280
jeweiligen Praxis bezüglich Anwendung oder Missachtung.

01:15:00.440 --> 01:15:06.260
Und dann kann man jetzt hier zunächst mal die beobachteten

01:15:06.260 --> 01:15:10.860
Sachverhalte, aber auch die jeweiligen Akteure zuordnen.

01:15:10.860 --> 01:15:18.580
Und ich hatte ja zunächst mal auch an den Annahmen oder auch im

01:15:18.580 --> 01:15:21.000
Vorfeld schon hier formuliert, dass eigentlich zu erwarten ist, es

01:15:21.000 --> 01:15:26.600
gibt zunächst mal wahrscheinlich Befürworter des neuen Ansatzes, die

01:15:26.600 --> 01:15:31.340
sagen, super, das war genau das, was wir brauchen und das ist die

01:15:31.340 --> 01:15:32.720
Richtung, in die es gehen soll.

01:15:33.920 --> 01:15:37.900
Und wir stimmen dieser neuen Vorgabe zu und wir wenden sie auch an.

01:15:38.240 --> 01:15:43.080
Also man würde annehmen, dass wir hier die Gruppe A, die konsequente

01:15:43.080 --> 01:15:45.160
Befürworter sind und dann eben auch anwenden.

01:15:45.980 --> 01:15:49.080
Demgegenüber würden die Oppositionellen, haben wir die jetzt hier mal

01:15:49.080 --> 01:15:51.260
genannt, die aber dennoch dabei bleiben.

01:15:51.540 --> 01:15:59.700
Also es ist so, dass der gesamte Bereich der Bildung keine gesäuberte,

01:16:00.100 --> 01:16:02.940
nach Richtung gesäuberte Landschaft ist, sondern es gibt die Vielfalt

01:16:02.940 --> 01:16:05.460
aller Ansichten und Lager gibt es auch in diesem System.

01:16:05.460 --> 01:16:09.300
Insofern gibt es auch hier welche, die sagen, nee, also ich fand die

01:16:09.300 --> 01:16:12.180
neue Verordnung in wesentlichen Teilen eigentlich nicht sinnvoll,

01:16:12.720 --> 01:16:19.400
dennoch arbeite ich in diesem Rahmen und befolge sie, halte sie aber

01:16:19.400 --> 01:16:22.180
für in einigen Aspekten problematisch.

01:16:22.180 --> 01:16:27.420
Zum Beispiel, es gibt Prüfer, die sagen, ein Gespräch in der Prüfung,

01:16:27.500 --> 01:16:30.420
das ist immer ungreifbar, da wird alles möglich behandelt, da kann man

01:16:30.420 --> 01:16:32.860
nie richtig erkennen, weiß jetzt jemand was oder nicht.

01:16:33.400 --> 01:16:34.660
Eine Wissensprüfung wäre besser.

01:16:35.420 --> 01:16:38.260
Und der sagt aber trotzdem, ja, es ist aber ein Gespräch vorgegeben,

01:16:38.600 --> 01:16:40.380
deswegen muss ich das auch als Gespräch führen.

01:16:40.480 --> 01:16:42.980
Ich würde eigentlich gegen die Verordnung handeln, wenn ich dann,

01:16:43.340 --> 01:16:46.100
obwohl ich es für besser halte, Wissen abfrage.

01:16:47.020 --> 01:16:50.880
Also es sind sozusagen aktiv mitwirkende Oppositionelle, die ablehnen.

01:16:50.960 --> 01:16:55.460
Jetzt hätte man vielleicht die Vermutung, dass die in der Tendenz auch

01:16:55.460 --> 01:16:59.000
eher missachten, was in der Verordnung enthalten ist.

01:16:59.540 --> 01:17:02.540
Es gibt dann die beiden Mischformen.

01:17:02.720 --> 01:17:06.980
Das eine wären diejenigen, die ich gerade geschrieben habe, hier in

01:17:06.980 --> 01:17:07.660
der Gruppe C.

01:17:07.880 --> 01:17:11.160
Wir haben es mal als Skeptiker mit Loyalitätskonflikten, die also

01:17:11.160 --> 01:17:16.180
sagen, die Verordnung im Wesentlichen lehne ich ab.

01:17:18.680 --> 01:17:22.320
Da ich aber Prüfer bin, muss ich sie trotzdem befolgen oder da ich

01:17:22.320 --> 01:17:25.740
Prüfungsaufgaben erstelle, muss ich trotzdem in ihrem Sinne handeln.

01:17:25.980 --> 01:17:28.640
Weil das ist eigentlich ein Anspruch an Prüfer, dass sie sich

01:17:28.640 --> 01:17:32.720
entsprechend der rechtlichen Vorgaben dort betätigen.

01:17:32.720 --> 01:17:34.060
Und das gilt auch hier.

01:17:34.540 --> 01:17:38.400
Wenn jetzt zum Beispiel Opponenten gegenüber dem Bachelor-Master

01:17:38.400 --> 01:17:43.000
-System im akademischen Studium als Dozenten tätig sind, dann müssen

01:17:43.000 --> 01:17:45.260
sie sich dennoch an die Studienprüfungsordnung halten.

01:17:45.580 --> 01:17:49.300
Also man muss ja sozusagen in dem rechtlichen Rahmen sich bewegen, in

01:17:49.300 --> 01:17:53.940
dem man tätig ist, auch wenn man seine eigene innere Position dazu

01:17:53.940 --> 01:17:57.340
weiter aufrechterhalten kann.

01:17:57.340 --> 01:18:03.500
Ja und es gibt dann hier in der Gruppe D diejenigen Akteure, die zwar

01:18:03.500 --> 01:18:09.600
das für richtig und gut halten, in der Praxis aber Probleme haben, die

01:18:09.600 --> 01:18:11.280
Vorgaben tatsächlich umzusetzen.

01:18:11.280 --> 01:18:16.140
Ich nenne mal ein Beispiel des, was wir im Bachelor-Studium erleben.

01:18:16.480 --> 01:18:19.040
Es soll ja aus dem Studium eine Berufsbefähigung hervorgehen.

01:18:19.120 --> 01:18:21.880
Das ist ein Anspruch, den viele auch für gut und sinnvoll halten und

01:18:21.880 --> 01:18:25.120
sagen, das sind viele Elemente, die in dem früheren, sehr

01:18:25.120 --> 01:18:28.000
theoretischen Studium problematisch waren.

01:18:28.280 --> 01:18:31.580
Wenn wir eine Berufsbefähigung hier mit als Ziel setzen, ist es eine

01:18:31.580 --> 01:18:32.320
positive Sache.

01:18:32.760 --> 01:18:35.880
Trotzdem fragt man sich natürlich, wenn man zum Beispiel aus einer

01:18:35.880 --> 01:18:39.240
akademischen Laufbahn hier in die Dozentenrolle gekommen ist, woher

01:18:39.240 --> 01:18:43.220
soll ich denn selber diese Berufskenntnis haben, die ich dann den

01:18:43.220 --> 01:18:44.580
Studenten anbieten soll.

01:18:45.060 --> 01:18:47.060
Und da sagt man, okay, ich habe jetzt ein Problem, ich halte den

01:18:47.060 --> 01:18:47.860
Anspruch für richtig.

01:18:48.280 --> 01:18:51.240
Ich selber bin aber in diesen Berufen gar nicht unbedingt tätig

01:18:51.240 --> 01:18:51.620
gewesen.

01:18:51.940 --> 01:18:56.620
Ich kann also auch nur aus der Distanz dazu beitragen.

01:18:56.620 --> 01:18:59.960
Und dann hat man sozusagen ein Umsetzungsproblem.

01:19:00.820 --> 01:19:03.040
Das kann man lösen, aber das Problem ist dennoch vorhanden.

01:19:03.100 --> 01:19:04.120
Und das gilt hier auch so.

01:19:04.200 --> 01:19:07.900
Es gibt also Akteure in diesem Bereich, die halten das ganze Konzept

01:19:07.900 --> 01:19:11.960
für gut, haben aber bei der konkreten Beobachtung dennoch

01:19:11.960 --> 01:19:15.460
Schwierigkeiten, das umzusetzen.

01:19:15.460 --> 01:19:18.460
Und jetzt vielleicht der letzte Blick, und das ist hier mit einigen

01:19:18.460 --> 01:19:21.400
Zitaten aus den Untersuchungen.

01:19:21.800 --> 01:19:27.380
Es hat sich eigenartigerweise gezeigt, dass bei den Akteuren, und das

01:19:27.380 --> 01:19:32.480
ist jetzt ein Teilergebnis der Untersuchung, die befragt worden sind,

01:19:32.960 --> 01:19:36.780
gar nicht so sehr diese beiden Gruppen A und B im Wesentlichen

01:19:36.780 --> 01:19:41.060
vertreten waren, sondern stärker die Gruppen C und D, also die

01:19:41.060 --> 01:19:46.520
sozusagen ambivalent waren, die sich in ihrer Rolle in einer inneren

01:19:46.520 --> 01:19:47.740
Spannung empfunden haben.

01:19:48.340 --> 01:19:51.100
Also hier sind so markante Zitate.

01:19:51.240 --> 01:19:54.540
Für die Gruppe A würde ja die Person stehen, die sagt,

01:19:54.620 --> 01:19:56.860
Handlungskompetenz ist das Wichtigste an der Prüfung.

01:19:57.640 --> 01:19:59.360
Das Wissen ist austauschbar und flüchtig.

01:19:59.360 --> 01:20:01.820
Also die neue Verordnung hat einen Kernelement.

01:20:02.020 --> 01:20:04.300
Es geht nicht so sehr um das konkrete Wissen, sondern es geht darum,

01:20:04.380 --> 01:20:05.940
dass die Leute handlungskompetent werden.

01:20:07.280 --> 01:20:10.340
Und nur wer Handlungskompetenz besitzt, kann diese Art von Prüfung

01:20:10.340 --> 01:20:10.680
bestehen.

01:20:10.740 --> 01:20:13.160
Die sagen, auch diese Art von Prüfung kann man eigentlich nur

01:20:13.160 --> 01:20:16.240
hinbekommen, wenn man auch wirklich diese Befähigung aufgebaut hat.

01:20:17.400 --> 01:20:21.980
Demgegenüber im Bereich B stünden ja diejenigen, die unter anderem

01:20:21.980 --> 01:20:25.960
angeben, Handlungskompetenz kann man in der Prüfung nicht feststellen

01:20:25.960 --> 01:20:26.560
und bewerten.

01:20:26.740 --> 01:20:27.640
Das geht gar nicht.

01:20:28.020 --> 01:20:31.220
Das ist was, was man nur in der Praxis feststellen kann oder das ist

01:20:31.220 --> 01:20:32.400
im Kopf der Menschen enthalten.

01:20:32.480 --> 01:20:35.220
Das kann man nicht beobachten, nicht sehen, schon gar nicht in so

01:20:35.220 --> 01:20:36.420
einer abstrakten Prüfung.

01:20:36.420 --> 01:20:39.820
Und die sagen, Handlungskompetenz ist eigentlich auch gar nicht so

01:20:39.820 --> 01:20:40.200
wichtig.

01:20:40.800 --> 01:20:42.240
Es geht eigentlich um solides Wissen.

01:20:42.800 --> 01:20:47.740
Also das wäre auch ein Gegner, der eigentlich das, was in der

01:20:47.740 --> 01:20:52.000
Prüfungsordnung enthalten ist, in diesem Fall nicht für sinnvoll hält.

01:20:52.000 --> 01:20:56.900
Diese beiden Gruppen wurden dann relativ wenig repräsentiert unter den

01:20:56.900 --> 01:20:58.800
involvierten Akteuren.

01:20:59.380 --> 01:21:04.780
Es war stärker die Gruppe der Skeptiker, die aber in gewisser Weise

01:21:04.780 --> 01:21:08.660
sich in Loyalitätskonflikten gefunden haben, die zum Beispiel gesagt

01:21:08.660 --> 01:21:11.780
haben, die Verordnung wird angewendet, aber die allgemeinen

01:21:11.780 --> 01:21:13.020
Formulierungen kann man vergessen.

01:21:13.160 --> 01:21:15.260
Wichtig sind die konkret benannten Wissensgebiete.

01:21:15.260 --> 01:21:18.300
Die haben also die Verordnung so interpretiert, dass sie sagen, das

01:21:18.300 --> 01:21:21.540
ganze Gewäsch, was in dem ersten Teil steht, Überhandlungskompetenz

01:21:21.540 --> 01:21:24.000
und so weiter, das ist eigentlich alles mehr oder weniger

01:21:24.000 --> 01:21:24.800
nebensichtlich.

01:21:25.200 --> 01:21:28.380
Wichtig ist dann der Teil, wo die Inhalte exakt aufgezählt sind und

01:21:28.380 --> 01:21:31.000
die arbeiten wir ab und die werden auch in der Prüfung behandelt.

01:21:31.000 --> 01:21:36.520
Das ist sozusagen eine Uminterpretation der Grundintention der

01:21:36.520 --> 01:21:41.840
Verordnung und eigentlich ein Übertragen der alten Modelle unter

01:21:41.840 --> 01:21:43.520
Verwendung der neuen Vorgabe.

01:21:43.620 --> 01:21:48.720
Das ist praktisch möglich, aber es ist eigentlich entgegen des Geistes

01:21:48.720 --> 01:21:51.420
der neuen Verordnung.

01:21:51.420 --> 01:21:55.380
Die zweite Position, die wir vertreten, ist die Integration der

01:21:55.380 --> 01:21:59.220
Themen, mit der wir an der Prüfung arbeiten, führt zu einem Mischmasch

01:21:59.220 --> 01:22:00.600
ohne Struktur und Ordnung.

01:22:00.980 --> 01:22:03.860
Wir sagen zwar, wir machen mit, aber in der Konsequenz hat sich die

01:22:03.860 --> 01:22:05.800
Qualität unserer Prüfung verschlechtert.

01:22:06.460 --> 01:22:10.100
Wir können eigentlich nicht mehr wirklich genau sagen, wie gut diese

01:22:10.100 --> 01:22:11.880
Prüfungskandidaten sind.

01:22:12.000 --> 01:22:13.880
Wir wissen nicht mehr genau, wie wir sie beurteilen können.

01:22:13.920 --> 01:22:16.160
Wir machen da zwar mit, aber eigentlich würden wir es lieber anders

01:22:16.160 --> 01:22:16.560
machen.

01:22:16.560 --> 01:22:20.900
Also die sind sozusagen auch in diesem inneren Konflikt.

01:22:21.280 --> 01:22:24.120
Und die letzte Gruppe, das wären sozusagen die Befürworter, die aber

01:22:24.120 --> 01:22:26.860
doch in der Praxis Schwierigkeiten haben.

01:22:26.940 --> 01:22:29.640
Die sagen zum Beispiel, Handlungskompetenz ist wichtig.

01:22:30.240 --> 01:22:33.560
Sie kann dadurch geprüft werden, dass man Fachfragen und Detailwissen

01:22:33.560 --> 01:22:35.460
genau nachweisen lässt.

01:22:35.800 --> 01:22:38.380
Das heißt, da sagt jemand, okay, es geht schon um Handlungskompetenz,

01:22:38.720 --> 01:22:42.220
stellt dann aber in der Prüfung ganz bestimmte Fachfragen und handelt

01:22:42.220 --> 01:22:44.940
sozusagen konkret dem eigenen Anspruch zuwider.

01:22:44.940 --> 01:22:49.800
Und die letzte Position, wenn man Prüfungskandidaten genau erklärt,

01:22:49.880 --> 01:22:52.740
wie sie in der Prüfung handlungskompetent wirken, schafft das auch

01:22:52.740 --> 01:22:52.960
jeder.

01:22:53.100 --> 01:22:56.560
Das sind sozusagen die Leute, die den allgemeinen Anspruch

01:22:56.560 --> 01:23:01.300
mechanisieren und so eine Art Theater vorbereiten, das dann in der

01:23:01.300 --> 01:23:08.260
Prüfung ablaufen soll, um Handlungskompetenz als Ziel der Prüfung zu

01:23:08.260 --> 01:23:08.620
wirken.

01:23:08.620 --> 01:23:13.100
Und damit in gewisser Weise auch ein konkretes Hintergehen der

01:23:13.100 --> 01:23:14.830
Intention der Prüfung.

01:23:14.830 --> 01:23:19.650
Ja, das Ergebnis jetzt hier dieser Untersuchung zeigt eigentlich in

01:23:19.650 --> 01:23:23.610
dem Fall, dass es eine Wechselwirkung zwischen Prüfungspraxis und

01:23:23.610 --> 01:23:27.310
Prüfungsverordnung gibt, dass sie sich aber als hochgradig

01:23:27.310 --> 01:23:31.090
spannungsreicher zeigt als zunächst angenommen.

01:23:31.090 --> 01:23:35.290
Also der Zusammenhang zwischen Theorie und Anwendung in diesem Fall

01:23:35.290 --> 01:23:39.010
ist eben kein unmittelbarer, dass es also hier eine Entsprechung gibt,

01:23:39.110 --> 01:23:43.790
sondern eher ein Spannungsgefüge, wo der Anspruch, der durch die

01:23:43.790 --> 01:23:48.970
Verordnung gestellt ist, möglicherweise als Prüfelement wieder Praxis

01:23:48.970 --> 01:23:52.770
verwendet werden kann, aber es keine genaue Entsprechung gibt.

01:23:52.770 --> 01:23:55.530
Das wäre etwas, was vielleicht für Sie auch, würde ich das noch am

01:23:55.530 --> 01:23:59.910
Schluss sagen, interessant wäre für Ihr eigenes Studium, dass Sie auch

01:23:59.910 --> 01:24:02.630
versuchen, nochmal aufzunehmen, was sind eigentlich die Grundgedanken

01:24:02.630 --> 01:24:05.690
des Studiums, inwieweit finden Sie sich in dem, was konkret

01:24:05.690 --> 01:24:07.130
stattfindet, wieder.

01:24:07.570 --> 01:24:11.450
Und wenn Sie dort Widersprüche finden oder auch Spannungen, dass das

01:24:11.450 --> 01:24:15.110
eigentlich der Gegenstand unserer Bemühungen ist, zu gestalten, besser

01:24:15.110 --> 01:24:19.130
zu werden und auch daran didaktisch zu arbeiten.

01:24:20.210 --> 01:24:24.270
Damit jetzt nochmal ein kompakter Abschlussteil und für mich eben der

01:24:24.270 --> 01:24:27.430
abschließende Teil auch Prüfung als Aspekt der Didaktik.

01:24:27.610 --> 01:24:30.690
Ich hoffe, dass Sie auch durch die Unterschiedlichkeit der einzelnen

01:24:30.690 --> 01:24:35.170
Veranstaltungen und auch der Elemente der Veranstaltung etwas für sich

01:24:35.170 --> 01:24:42.410
haben mitnehmen können und jetzt eine längere vorlesungsfreie Zeit

01:24:42.410 --> 01:24:44.090
genießen und erleben.

01:24:44.350 --> 01:24:44.590
Danke.

