WEBVTT

00:01.070 --> 00:05.140
In diesem Video geht es um den Multinomial-Koeffizienten und den

00:05.140 --> 00:06.660
Multinomial -Lehrsatz.

00:07.400 --> 00:11.560
Beides ist wichtig für einen Umgang mit einer Verteilung in der

00:11.560 --> 00:13.860
Stochastik der Multinomial-Verteilung.

00:14.540 --> 00:18.260
Ich möchte einstimmen mit etwas, was vielleicht der ein oder andere

00:18.260 --> 00:22.620
schon einmal gesehen hat, das sogenannte Mississippi-Problem.

00:23.620 --> 00:28.480
Die Frage ist, auf wie viele Weisen lässt sich aus den Buchstaben des

00:28.480 --> 00:31.060
Wortes Mississippi ein neues Wort bilden?

00:32.160 --> 00:36.520
Ich könnte das Problem auch in einem ganz anderen Gewand oder in einem

00:36.520 --> 00:38.700
vermeintlich ganz anderen Gewand stellen.

00:39.400 --> 00:44.520
Es gibt eine rote Kugel, vier blaue Kugeln, vier grüne Kugeln und zwei

00:44.520 --> 00:45.420
gelbe Kugeln.

00:46.120 --> 00:49.980
Auf wie viele Weisen lassen sich diese Kugeln in eine Reihe legen?

00:52.620 --> 00:57.520
Man erkennt nach kurzer Überlegung, dass das Problem begrifflich mit

00:57.520 --> 00:59.820
dem Mississippi-Problem übereinstimmt.

01:00.400 --> 01:04.120
Man muss nur die rote Kugel, die eine mit dem Buchstaben M,

01:04.540 --> 01:09.020
identifizieren, die vier blauen Kugeln mit den Is im Wort Mississippi,

01:10.100 --> 01:14.540
die vier grünen Kugeln mit den Buchstaben S im Wort Mississippi und

01:14.540 --> 01:16.900
die zwei gelben Kugeln mit den Ps.

01:19.720 --> 01:23.480
Das entscheidende Verständnis, was man hier haben muss, um auch den

01:23.480 --> 01:27.280
Multinomialkoeffizienten und den Multinomialleersatz zu verstehen, ist

01:27.280 --> 01:27.860
folgendes.

01:28.540 --> 01:34.240
Zum einen die Multiplikationsregel der Kombinatorik und zum anderen

01:34.240 --> 01:38.660
die Bedeutung des Binomialkoeffizienten, nicht wie man ihn ausrechnet.

01:39.660 --> 01:42.700
Wie man ihn ausrechnet, das kommt automatisch, wenn man die Bedeutung

01:42.700 --> 01:43.460
verstanden hat.

01:43.460 --> 01:50.720
Es gilt, der Binomialkoeffizient N über K ist die Anzahl der

01:50.720 --> 01:58.540
Teilmengen T einer Menge M, die genau K-Elemente haben, wobei M eine N

01:58.540 --> 02:00.060
-elementige Menge ist.

02:01.020 --> 02:05.300
Ich schreibe bei einer endlichen Menge Betragsstriche für die Anzahl

02:05.300 --> 02:06.620
der Elemente dieser Menge.

02:08.320 --> 02:14.160
Wir können uns das sehr schnell herleiten, wenn wir K-Tupel bilden mit

02:14.160 --> 02:18.860
Komponenten A1 bis AK, mit lauter verschiedenen Elementen aus M.

02:19.900 --> 02:23.620
Hierzu ist natürlich wichtig, dass N größer gleich K ist.

02:24.500 --> 02:26.660
Dann gibt es folgende Möglichkeiten.

02:26.920 --> 02:30.820
Die Anzahl aller Möglichkeiten ist, man wählt zunächst das erste

02:30.820 --> 02:34.760
Element ganz links im Tupel aus, das A1, da gibt es N Möglichkeiten.

02:34.760 --> 02:39.700
Für das zweite Element, A2, aber nur noch N-1, denn die Komponenten

02:39.700 --> 02:40.880
sollen ja verschieden sein.

02:42.260 --> 02:47.060
Für die dritte Komponente gibt es, unabhängig davon, was A1 und A2

02:47.060 --> 02:49.080
sind, nur noch N-2 Möglichkeiten.

02:49.900 --> 02:54.040
Und so geht es weiter, bis wir den Kartenfaktor haben und der

02:54.040 --> 02:58.120
Kartefaktor ist hier N-, jetzt muss man nur aufpassen, hier steht

02:58.120 --> 03:00.120
jetzt K-1 in Klammern.

03:00.220 --> 03:02.140
Jetzt habe ich K-Faktoren erreicht.

03:02.920 --> 03:09.100
Die nächste Überlegung ist die, dass ich die Komponenten A1 bis AK in

03:09.100 --> 03:12.880
diesem Tupel auf K-Fakultätweisen vertauschen kann.

03:13.460 --> 03:17.460
Auch das ist eine einfache Folgerung aus der Multiplikationsformel.

03:18.460 --> 03:23.220
Jede dieser Permutationen, dieser Vertauschungen führt aber zur

03:23.220 --> 03:27.000
gleichen Menge, die aus A1 bis AK besteht.

03:27.600 --> 03:31.000
Bei einer Menge kommt es nicht darauf an, in welcher Reihenfolge man

03:31.000 --> 03:32.400
die Elemente auflistet.

03:33.320 --> 03:40.100
Insofern gilt jetzt, die Anzahl der Permutationen ist dieses Produkt,

03:40.980 --> 03:44.960
aber jeweils K-Fakultät ergeben die gleiche Menge.

03:44.960 --> 03:51.400
Insofern, wenn wir diesen Ausdruck durch K-Fakultät teilen, wir sehen,

03:52.460 --> 03:53.340
was rauskommt.

03:53.900 --> 03:59.460
Das ist gleich, naja, der Zähler ist nichts anderes als N-Fakultät

03:59.460 --> 04:02.280
dividiert durch N-K-Fakultät.

04:02.280 --> 04:06.620
Denn hier kürze ich sehr viel weg und es bleibt nur noch über das

04:06.620 --> 04:13.220
Produkt N-K plus 1 mal N-K plus 2 und so weiter mal N.

04:13.700 --> 04:14.920
Und das steht links im Zähler.

04:15.880 --> 04:18.920
Das K-Fakultät von links nehmen wir auch noch über auf die rechte

04:18.920 --> 04:19.320
Seite.

04:19.780 --> 04:23.740
Und das ist nichts anderes als der Binomialkoeffizient N über K.

04:24.460 --> 04:30.640
Ich möchte das Problem jetzt in einer neutralen Form vorstellen, ohne

04:30.640 --> 04:33.320
Buchstaben und ohne Kugeln mit Farben.

04:35.180 --> 04:40.980
Es sind die Plätze eines N-Tupels zu besetzen und zwar so, dass auf K1

04:40.980 --> 04:47.060
dieser N-Plätze die Zahl 1 steht, auf K2 der Plätze die Zahl 2 und so

04:47.060 --> 04:50.440
weiter, auf Ks der Plätze die Zahl s.

04:51.240 --> 04:53.560
Auf wie viele Weisen ist das möglich?

04:55.240 --> 05:00.400
Hierbei sind natürlich die Zahlen K1, K2 und so weiter nicht negative

05:00.400 --> 05:02.800
ganze Zahlen im Bereich von 0 bis N.

05:03.540 --> 05:08.160
Und sie müssen sich aufsummieren zur Anzahl N der Plätze im Tupel.

05:09.380 --> 05:11.000
Machen wir ein einfaches Beispiel.

05:11.940 --> 05:14.900
N gleich 11, s gleich 4.

05:15.800 --> 05:19.520
Es ist also ein 11-Tupel zu besetzen und es kommen nur die Zahlen von

05:19.520 --> 05:20.560
1 bis 4 vor.

05:21.940 --> 05:28.220
Die 1 soll 4 mal vorkommen, die 2 soll 2 mal vorkommen, die 3 soll 1

05:28.220 --> 05:31.500
mal vorkommen und die 4 soll 4 mal vorkommen.

05:33.660 --> 05:36.920
Und zunächst sieht man hier das Tupel mit lauter leeren Plätzen, es

05:36.920 --> 05:38.060
sind 11 leere Plätze.

05:38.060 --> 05:44.020
Wir fangen an und wählen diejenigen Stellen im Tupel aus, auf denen

05:44.020 --> 05:45.760
die 4 Einsen stehen sollen.

05:46.900 --> 05:50.800
Ich mache mal eine Auswahl, hier kommt eine Eins hin, hier kommt eine

05:50.800 --> 05:52.520
Eins hin, hier hin und hier hin.

05:53.580 --> 05:55.160
Wie viele Möglichkeiten habe ich?

05:56.280 --> 06:00.920
Nun es sind insgesamt 11 Plätze im Tupel, davon habe ich 4 ausgewählt

06:00.920 --> 06:04.880
für die Einsen und das ist der Binomialkoeffizient 11 über 4.

06:06.060 --> 06:11.260
Ganz egal, wo jetzt diese Einsen stehen, es bleiben noch 7 Plätze im

06:11.260 --> 06:15.620
Tupel über und jetzt müssen wir 2 Plätze auswählen für die 2.

06:17.040 --> 06:19.520
Legen wir hier zum Beispiel eine 2 hin und dort.

06:20.500 --> 06:21.960
Wie viele Möglichkeiten hatten wir?

06:22.040 --> 06:25.800
Es sind 7 Plätze, davon haben wir 2 ausgewählt, das ist der

06:25.800 --> 06:27.880
Binomialkoeffizient 7 über 2.

06:28.500 --> 06:32.940
Und für jede Auswahl, die wir vorher getätigt haben für die Einsen,

06:33.340 --> 06:37.920
gibt es jetzt so viele Möglichkeiten, 7 über 2 und deshalb habe ich

06:37.920 --> 06:40.720
hier ein Produkt aus 2 Binomialkoeffizienten.

06:41.500 --> 06:47.460
Jetzt haben wir eine 3, wir haben insgesamt noch 5 Plätze, wir

06:47.460 --> 06:50.980
besetzen einen Platz mit der 3, sagen wir hier vorne.

06:50.980 --> 06:53.220
Wie viele Möglichkeiten habe ich?

06:53.980 --> 06:58.280
5 über 1, nämlich aus 5 Plätzen einen auszuwählen für die 3.

06:59.320 --> 07:03.200
Es bleiben noch 4 Plätze über für die Vieren, wir haben nur noch eine

07:03.200 --> 07:05.420
einzige Möglichkeit, wir platzieren die Vieren.

07:06.380 --> 07:09.980
Formal ist das der Binomialkoeffizient 4 über 4, der ist 1.

07:10.760 --> 07:14.800
Es entsteht also dieses Produkt von Binomialkoeffizienten und wenn wir

07:14.800 --> 07:20.740
diese Binomialkoeffizienten mal hinschreiben, 11 über 4, dann 7 über

07:20.740 --> 07:28.140
2, 5 über 1 und 4 über 4, dann sehen wir, dass sich etwas wegkürzt.

07:28.140 --> 07:34.160
Ich habe das farblich angedeutet, 7 Fakultät steht zweimal, rot, das

07:34.160 --> 07:37.820
können wir wegkürzen, 5 Fakultät auch, einmal im Zähler, einmal im

07:37.820 --> 07:41.960
Nenner, kann auch weggekürzt werden und 4 Fakultät ganz rechts im

07:41.960 --> 07:46.400
Zähler, umschräg unten links davor im Nenner, kann auch weggekürzt

07:46.400 --> 07:46.660
werden.

07:47.120 --> 07:52.060
0 Fakultät ist 1, was überbleibt ist 11 Fakultät, dividiert durch 4

07:52.060 --> 07:55.980
Fakultät, 2 Fakultät, 1 Fakultät und 4 Fakultät.

07:55.980 --> 08:00.480
Wenn man es ausrechnet, kommt hier raus 34.650.

08:01.260 --> 08:05.260
Was wir hier gelöst haben, ist das Mississippi Problem.

08:06.060 --> 08:09.620
Denn folgendes sollten wir beachten, bei Mississippi ist diese

08:09.620 --> 08:17.060
Situation gegeben, wobei das I in den Buchstaben korrespondiert zu 1.

08:17.060 --> 08:21.180
Wir haben 4 mal den Buchstaben I, wir haben 4 Einsen.

08:22.080 --> 08:28.100
Das P korrespondiert mit der 2, wir haben 2 P's und wir haben 2 Zwein.

08:28.660 --> 08:36.200
Das M mit der 3, wir haben eine 3 und das S mit der 4, wir haben genau

08:36.200 --> 08:37.760
4 mal den Buchstaben S.

08:38.820 --> 08:43.340
Man sieht also hier die Kraft der Abstraktion und man könnte das

08:43.340 --> 08:47.800
natürlich auch anders einkleiden, mit Kugeln, die verschiedene Farben

08:47.800 --> 08:48.300
aufweisen.

08:49.440 --> 08:54.000
Es ist jetzt ein leichter Schritt, den allgemeinen Fall anzugehen.

08:54.680 --> 08:58.980
Es sollen jetzt in einem N-Tupel Kj-Plätze mit der Zahl j besetzt

08:58.980 --> 09:02.060
werden, wobei j von 1 bis S läuft.

09:03.300 --> 09:08.100
Nun von den N-Plätzen wählen wir zunächst K1 aus für die 1.

09:09.660 --> 09:15.640
Danach haben wir noch N-K1-Plätze, von denen wählen wir K2-Plätze aus

09:15.640 --> 09:17.220
für die 2 und so weiter.

09:18.920 --> 09:24.020
Nach der Multiplikationsregel der Kombinatorik ist die Anzahl gegeben

09:24.020 --> 09:28.060
durch ein Produkt von Binomialkoeffizienten.

09:28.060 --> 09:35.060
N über K1 ist die Anzahl aus den N-Plätzen K1 für die 1 auszuwählen.

09:36.180 --> 09:42.400
Für jede dieser Auswahlen haben wir N-K1 über K2 Möglichkeiten, die 2

09:42.400 --> 09:46.480
auf die verbleibenden N-K1-Plätze aufzuteilen.

09:47.820 --> 09:54.420
Dann kommen die 3 dran, N-K1-K2-Plätze sind noch frei, wenn wir die 1

09:54.420 --> 09:57.220
und die 2 in das Tupel platziert haben.

09:58.080 --> 10:01.300
Davon müssen wir K3 auswählen und so geht es weiter.

10:02.140 --> 10:05.140
Das heißt wir haben hier ein Produkt von Binomialkoeffizienten.

10:05.520 --> 10:13.320
Der letzte Binomialkoeffizient ist 1, denn N ist die Summe von K1 und

10:13.320 --> 10:15.320
K2 und so weiter und KS.

10:16.200 --> 10:20.520
Wir ziehen K1 ab, wir ziehen K2 ab, wir ziehen KS-1 ab.

10:20.520 --> 10:25.060
Also bleibt im oberen Teil des Binomialkoeffizienten genau KS übrig

10:25.060 --> 10:27.560
und KS über KS ist 1.

10:28.620 --> 10:33.280
Wenn wir auch hier die Binomialkoeffizienten ausschreiben, hier N über

10:33.280 --> 10:40.520
K1, dann N-K1 über K2 und so weiter, dann ergibt sich dieser Ausdruck,

10:40.700 --> 10:41.360
dieses Produkt.

10:42.260 --> 10:45.420
Auch hier kürzen sich gewisse Teile weg.

10:46.760 --> 10:50.620
Wenn wir den letzten Binomialkoeffizienten ansehen und schauen in den

10:50.620 --> 10:57.540
Nenner, das was dort steht, weil N die Summe aller KJ ist, J von 1 bis

10:57.540 --> 11:03.800
S und die wird wieder abgezogen, steht im Nenner nichts anderes als 0

11:03.800 --> 11:05.840
Fakultät und 0 Fakultät ist 1.

11:07.120 --> 11:12.800
Wir sehen, was übrig bleibt, im Zähler nur N-Fakultät und von den

11:12.800 --> 11:17.500
Nennern bleibt übrig K1-Fakultät, K2-Fakultät und so weiter bis KS

11:17.500 --> 11:18.200
-Fakultät.

11:19.460 --> 11:23.460
Und ich nehme nochmal auf, was hier wichtig ist, die einzelnen K1 bis

11:23.460 --> 11:28.480
KS sind nicht negative ganze Zahlen, die sich zu N aufaddieren.

11:29.700 --> 11:34.860
Dieser letzte Ausdruck ist wichtig, er bekommt eine eigene

11:34.860 --> 11:39.280
Bezeichnung, nämlich dieser Ausdruck, den nennt man

11:39.280 --> 11:42.500
Multinomialkoeffizient und schreibt ihn so wie einen

11:42.500 --> 11:46.640
Binomialkoeffizienten, nur dass man im unteren Teil des

11:46.640 --> 11:51.480
Binomialkoeffizienten jetzt nicht eine Zahl hat, sondern K1, KS.

11:52.140 --> 11:55.160
Man trennt die einzelnen KJ durch Kommata.

11:55.620 --> 11:59.580
Ist also nichts anderes als dieser Ausdruck, den wir oben hergeleitet

11:59.580 --> 12:03.540
hatten als Anzahl, nennt man Multinomialkoeffizient.

12:05.060 --> 12:09.740
Ich möchte das nochmal als Memo aufnehmen auf die nächste Folie.

12:11.200 --> 12:15.320
Man kann also jetzt formulieren, der Multinomialkoeffizient beschreibt

12:15.320 --> 12:20.680
die Anzahl der Möglichkeiten, Wörter der Länge N aus S verschiedenen

12:20.680 --> 12:26.340
Buchstaben zu bilden, wobei der Buchstabe J genau KJ mal auftritt,

12:26.680 --> 12:28.200
jedes J von 1 bis S.

12:28.200 --> 12:32.620
Natürlich werden hier die Buchstaben nicht die Zahlen von 1 bis S

12:32.620 --> 12:36.620
sein, aber wir können die Zahlen eben mit tatsächlichen Buchstaben

12:36.620 --> 12:41.000
identifizieren, wie wir es auch schon beim Wort Mississippi gemacht

12:41.000 --> 12:41.400
haben.

12:43.500 --> 12:47.740
Kompakt, mathematischer Form, kann man es auch so schreiben, der

12:47.740 --> 12:54.900
Binomialkoeffizient ist die Anzahl der Tupel mit Komponenten A1 bis AN

12:54.900 --> 13:00.220
mit nicht negativen ganzzahligen Komponenten, die die Eigenschaft

13:00.220 --> 13:05.520
haben, dass die Zahl J in diesem Tupel genau KJ mal auftritt.

13:06.240 --> 13:11.660
Formal, kurz kann ich das so schreiben, eine Summe, da läuft L von 1

13:11.660 --> 13:16.320
bis N, ich gehe die einzelnen Komponenten des Tupels durch und zähle

13:16.320 --> 13:22.340
immer, ich habe hier einen Indikator, der ist 1, wenn AL gleich J ist

13:22.340 --> 13:27.860
und ansonsten 0, das heißt ich zähle, wie oft J im Tupel vorkommt und

13:27.860 --> 13:32.420
das soll KJ mal sein und zwar für jedes J von 1 bis S.

13:34.060 --> 13:38.160
Man sollte sehen, dass der Multinomialkoeffizient eine

13:38.160 --> 13:42.740
Verallgemeinerung des Binomialkoeffizienten ist, wenn man ins Memo

13:42.740 --> 13:48.500
schaut, man muss in diesem Fall S gleich 2 setzen und das K1 setzt man

13:48.500 --> 13:54.520
gleich K und dann ist das K2 nichts anderes als N minus K, denn die

13:54.520 --> 13:56.980
Summe von K1 und K2 ist N.

13:56.980 --> 14:03.240
Wenn man dann rechts ins Memo schaut, kommt N-Fakultät raus und

14:03.240 --> 14:07.280
dividiert wird durch K-Fakultät und dann mal N minus K in Klammern

14:07.280 --> 14:11.120
Fakultät und das ist der Binomialkoeffizient N über K.

14:13.790 --> 14:17.850
Man kann sich fragen, ob es auch eine Verallgemeinerung der

14:17.850 --> 14:21.730
binomischen Formel gibt und die allgemeine binomische Formel sieht so

14:21.730 --> 14:26.930
aus, X plus Y in Klammern hoch N ist die Summe, da läuft K von 0 bis

14:26.930 --> 14:33.090
N, Binomialkoeffizient N über K mal X hoch K mal Y hoch N minus K.

14:34.030 --> 14:38.030
In der Tat existiert eine solche Verallgemeinerung und das ist der

14:38.030 --> 14:44.530
sogenannte multinomiale Leersatz, der besagt, es gilt für beliebige

14:44.530 --> 14:52.370
reelle Zahlen X1, X2 und so weiter bis XS, die Summe von X1, X2 und so

14:52.370 --> 14:57.730
weiter und XS in Klammern hoch N ist nichts anderes als eine Summe.

14:58.530 --> 15:01.910
Jetzt muss man sehen, worüber sich diese Summe erstreckt.

15:02.250 --> 15:09.590
Es sind alle S-Tupel von nicht-negativen ganzen Zahlen, die sich zu N

15:09.590 --> 15:14.970
aufaddieren und dann steht hier der Multinomialkoeffizient, wie wir

15:14.970 --> 15:15.730
ihn eben hatten.

15:15.730 --> 15:22.530
Es wird multipliziert mit X1 hoch K1 mal X2 hoch K2 und so weiter mal

15:22.530 --> 15:24.170
XS hoch KS.

15:25.210 --> 15:29.450
Man kann diesen Leersatz durch vollständige Induktion über N beweisen,

15:30.810 --> 15:36.390
aber dieser Beweis trägt nichts zum Verständnis dieser Gleichung bei.

15:36.390 --> 15:40.710
Diese Gleichung ergibt sich eigentlich unmittelbar, wenn man

15:40.710 --> 15:44.730
Klammerrechnung beherrscht und wenn man den Multinomialkoeffizienten

15:44.730 --> 15:45.470
verstanden hat.

15:45.970 --> 15:47.490
Sehen wir uns diesen Beweis an.

15:47.850 --> 15:50.090
Ich bezeichne ihn als begrifflichen Beweis.

15:50.850 --> 15:56.090
Man schreibt einfach die Summe der XJ in Klammern hoch N als Produkt

15:56.090 --> 15:57.590
von N Klammer ausdrücken.

15:57.810 --> 16:04.690
Also diese Summe mal diese Summe mal diese Summe bis ich N Faktoren

16:04.690 --> 16:05.070
habe.

16:06.050 --> 16:10.810
Nach den Regeln der Klammerrechnung, nach den Distributivgesetzen,

16:11.670 --> 16:12.690
muss man folgendes machen.

16:13.110 --> 16:18.430
Man muss aus jeder Klammer entweder X1 oder X2 oder X3 und so weiter

16:18.430 --> 16:23.470
oder XS auswählen und dann das Produkt bilden.

16:24.730 --> 16:28.250
Man kann sich fragen, wie viele Summanden entstehen, denn wir müssen

16:28.250 --> 16:30.150
ja diese Produkte alle aufsummieren.

16:30.930 --> 16:36.730
Aus der ersten Klammer haben wir S-Möglichkeiten, entweder X1 oder X2

16:36.730 --> 16:37.930
und so weiter oder XS.

16:38.150 --> 16:40.610
Das haben wir aber auch für die zweite Klammer, für die dritte

16:40.610 --> 16:42.470
Klammer, so weiter für alle Klammern.

16:42.470 --> 16:44.770
In jeder Klammer S-Möglichkeiten.

16:44.930 --> 16:48.170
Das ergibt nichts anderes als S hoch N.

16:48.850 --> 16:50.490
Und das ist schon eine sehr große Zahl.

16:50.610 --> 16:53.930
Man stelle sich vor, ich habe hier nur S gleich 3 und N gleich 5.

16:54.030 --> 16:56.470
3 hoch 5 ist schon 243.

16:56.830 --> 16:58.650
Das heißt, da entstehen viele Summanden.

16:58.650 --> 17:02.210
Aber jetzt kommt es, viele der Summanden sind gleich.

17:03.530 --> 17:04.950
Warum sind sie gleich?

17:06.590 --> 17:11.130
Nun ganz einfach, wenn ich aus K1 dieser Klammern das X1 gewählt habe,

17:11.870 --> 17:16.750
aus K2 der Klammern das X2 und so weiter und aus KS der Klammern das

17:16.750 --> 17:22.910
XS, dann entsteht wegen der Kommutativität der Multiplikation das

17:22.910 --> 17:28.630
Produkt X1 hoch K1 mal X2 hoch K2 und so weiter mal XS.

17:28.650 --> 17:29.470
Hoch KS.

17:30.010 --> 17:35.170
Und das tritt oben, ganz rechts, im Multinomialleersatz auf.

17:36.650 --> 17:39.330
Die Frage ist, wie oft tritt das auf?

17:42.140 --> 17:47.380
Und es tritt genauso oft auf, wie es der Multinomialkoeffizient

17:47.380 --> 17:47.920
angibt.

17:49.980 --> 17:52.060
Jetzt müssen wir nochmal kurz nachdenken.

17:53.000 --> 17:56.200
Was mache ich denn bei dieser Auswahl aus den Klammern?

17:56.300 --> 17:57.140
Ich habe N-Klammern.

17:57.240 --> 17:59.480
Ich könnte mir das als ein N-Pupel vorstellen.

18:00.520 --> 18:03.640
Ich habe Plätze, von links nach rechts muss ich sie besetzen.

18:04.880 --> 18:10.320
Nur den ersten Platz besetze ich mit der Zahl J, wenn ich XJ auswähle.

18:12.680 --> 18:17.760
Den zweiten Platz besetze ich auch mit einer Zahl zwischen 1 und S.

18:18.060 --> 18:21.380
Wenn ich X1 auswähle, schreibe ich an die zweite Stelle eine 1.

18:22.100 --> 18:24.860
Wähle ich X2 aus, schreibe ich an die zweite Stelle eine 2.

18:25.960 --> 18:32.020
Es baut sich ein N-Pupel auf und in diesem N-Pupel, da ich eben aus KJ

18:32.020 --> 18:37.560
der Klammern das XJ gewählt habe, stehen in diesem N-Pupel, ja an

18:37.560 --> 18:39.960
genau KJ Stellen, steht dann die Zahl J.

18:41.440 --> 18:45.940
Und wir haben eben gesehen, dass diese Anzahl nichts anderes als der

18:45.940 --> 18:47.620
Multinomialkoeffizient ist.

18:48.460 --> 18:49.700
Und das war zu zeigen.

