WEBVTT

00:00.000 --> 00:05.180
Bisher war der Sommer 2019 ziemlich geizig mit Niederschlägen, aber

00:05.180 --> 00:09.420
das kann sich im August noch ändern, wenn von Osten ein Tief vom

00:09.420 --> 00:13.400
Mittelmeer heraufzieht und dann tagelang in den Mittelgebirgen hängt,

00:13.480 --> 00:15.300
um sich dort auszuregnen.

00:16.060 --> 00:21.720
2002 führte eine solche Wetterlage zum katastrophalen Elbehochwasser.

00:22.240 --> 00:25.860
Dabei wurden nicht nur Millionen Schäden an Gebäuden verursacht,

00:26.280 --> 00:30.580
weiträumig wurde ein ganzes Ökosystem durcheinandergewirbelt.

00:31.300 --> 00:35.760
Was dabei im Einzelnen passiert, will das Großforschungsprojekt MOSES

00:35.760 --> 00:36.780
herausfinden.

00:37.380 --> 00:40.940
Die Meteorologen des Karlsruher Instituts für Technologie haben soeben

00:40.940 --> 00:45.940
eine erste Messkampagne im Mühglitztal in Sachsen abgeschlossen.

00:46.800 --> 00:51.500
Acht Helmholtz-Forschungszentren, zu denen auch das KIT gehört und das

00:51.500 --> 00:55.760
Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, haben sich im MOSES-Projekt

00:55.760 --> 00:59.740
zusammengeschlossen, um Grundlagenforschung zu betreiben.

01:00.020 --> 01:04.460
Das Verständnis über diese Prozesskette vom Starkniederschlag, der so

01:04.460 --> 01:07.980
stark sein kann, dass er dort zum Beispiel dann auch noch Boden in die

01:07.980 --> 01:08.800
Elbe bringt.

01:09.000 --> 01:12.500
Es werden Nährstoffe ausgeschwemmt aus der Landwirtschaft und aus

01:12.500 --> 01:16.460
anderen Gebieten und das Ganze verändert dann letztendlich die Chemie

01:16.460 --> 01:18.480
und auch die Biologie in diesem Fluss.

01:18.660 --> 01:22.360
Das wird über dieses Hochwasser ins Meer transportiert und die

01:22.360 --> 01:25.380
Auswirkungen lassen sich dann unter anderem in der Deutschen Bucht bis

01:25.380 --> 01:26.420
Helgoland beobachten.

01:26.540 --> 01:30.000
Dr. Andreas Wieser gehört zum Meteorologenteam des KIT.

01:30.400 --> 01:35.440
Das hat sich im Rahmen von MOSES vorgenommen, Licht in die komplexen

01:35.440 --> 01:38.380
Vorgänge beim Entstehen eines Gewitters zu bringen.

01:38.700 --> 01:42.260
Die Vorhersage ist in den letzten Jahren deutlich besser geworden.

01:42.480 --> 01:45.680
Trotz alledem ist es immer noch sehr schwierig, den genauen Ort und

01:45.680 --> 01:47.680
den genauen Zeitpunkt festzustellen.

01:47.780 --> 01:51.420
Und wir hatten während der Kampagne jetzt sechs Intensivmessphasen mit

01:51.420 --> 01:53.360
unterschiedlichen Niederschlagsereignissen.

01:53.480 --> 01:55.260
Davon waren vier mit Gewittern.

01:55.380 --> 01:59.160
Da waren zum Teil sehr starke Gewitter für unser Messgebiet

01:59.160 --> 02:03.500
vorhergesagt, die dann aber nicht eingetreten sind oder deutlich

02:03.500 --> 02:05.180
versetzt vorbeigezogen sind.

02:05.360 --> 02:08.700
Solange die Modelle relativ grobmaschig sind, wird es schwierig sein,

02:08.760 --> 02:10.980
die Prognose so genau hinzubekommen.

02:10.980 --> 02:15.880
Der KIT-Cube ist ein mobiles Observatorium, das mit ganz

02:15.880 --> 02:20.520
unterschiedlichen Messinstrumenten das Geheimnis der Gewitter zu

02:20.520 --> 02:21.880
entschlüsseln sucht.

02:22.080 --> 02:25.500
Das ist ein mobiles Messsystem, mit dem wir das Ziel haben, ein

02:25.500 --> 02:29.100
atmosphärisches Volumen mit etwa zehn Kilometer Kantenlänge so

02:29.100 --> 02:31.560
vollständig wie irgendwie möglich zu vermessen.

02:31.900 --> 02:36.380
Dazu setzen wir am Boden ganz klassische Temperatur-, Feuchte- und

02:36.380 --> 02:39.740
Windsensoren, zum Teil dann auch mit Ultraschall ein,

02:40.780 --> 02:44.020
Strahlungssensoren, um den Energieeintrag zu vermessen.

02:44.480 --> 02:48.160
Aber um kontinuierlich dieses Volumen abzudecken, braucht man dann

02:48.160 --> 02:49.880
Fernerkundungssysteme.

02:49.960 --> 02:54.020
Mit Laserlicht kann man Staubteilchen in der Luft messen, mit

02:54.020 --> 02:58.460
Wolkenradar kann man feststellen, ob die Wolke aus Wassertröpfchen

02:58.460 --> 03:00.400
oder Eiskristallen besteht.

03:00.780 --> 03:03.640
Was das Wolkenradar nicht mehr sehen kann, ist, wenn

03:03.640 --> 03:06.260
Niederschlagstropfen auftreten, also Regen.

03:06.260 --> 03:10.240
In dem Moment nimmt dann das Regenradar, das eine andere Frequenz hat,

03:10.380 --> 03:11.780
die Messung und führt die dann fort.

03:11.920 --> 03:15.880
Und so können wir dann praktisch über diese drei Fernerkundungssysteme

03:15.880 --> 03:19.240
diese Vorgänge, die von der Turbulenz über die Wolkenbildung bis hin

03:19.240 --> 03:21.200
zum Niederschlag gehen, beobachten.

03:21.760 --> 03:26.700
Für MOSES machen wir das mit dem Ziel, die Niederschlagsmengen, die

03:26.700 --> 03:30.820
über unserem Untersuchungsgebiet fallen, so detailliert und so genau

03:30.820 --> 03:32.040
wie möglich zu bestimmen.

03:32.040 --> 03:36.200
Insbesondere in inhomogenem Gelände wie Mittelgebirgen ist die

03:36.200 --> 03:38.440
Niederschlagsverteilung extrem inhomogen.

03:38.740 --> 03:42.160
Und mit diesem Zusammenspiel dieser Instrumente können wir quasi eine

03:42.160 --> 03:46.360
Karte erstellen, um dann unseren Kollegen sagen zu können, in welchem

03:46.360 --> 03:49.500
Abschnitt dieses Gebiets wie viel Niederschlag in welcher Zeit

03:49.500 --> 03:50.220
gefallen ist.

03:50.320 --> 03:53.780
Und natürlich auch eine komplette Wasserbilanz für unser Einzugsgebiet

03:53.780 --> 03:56.980
des Mücklitz-Tals, das wir im Irzgebirge untersuchen, zu bestimmen.

03:56.980 --> 04:00.860
Stephan Fuchs, Karlsruher Institut für Technologie.

