WEBVTT

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Was hat ihre weiße Farbe mit diesen Käfern zu tun?

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Wie steht ihr Kampf gegen das Öl mit dieser Wasserpflanze in

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Verbindung?

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Die Forscherinnen und Forscher am Institut für Mikrostrukturtechnik

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des Karlsruher Instituts für Technologie haben sich Käfer und Pflanzen

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genau angeschaut und dabei faszinierende Entdeckungen gemacht.

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Denn viele Pflanzen und Tiere haben im Laufe der Evolution

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mikrostrukturierte Oberflächen mit nützlichen Eigenschaften

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entwickelt.

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Im Labor versuchen sie nun diese Lösungen zu verstehen und technisch

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zu imitieren.

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Ein Forschungsfeld, das als Bionik bezeichnet wird.

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Die Idee von der Bionik ist, dass es in der Natur durch die Evolution

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Dinge gibt, die schon extrem stark optimiert sind.

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Das heißt, nur Sachen, die besonders gut funktionieren, überleben

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überhaupt in der Natur.

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Und man spart sich dadurch extremst viele Entwicklungsschritte als

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Ingenieur.

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Das heißt, ich muss nicht unbedingt das Prinzip ganz, ganz neu

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entwickeln und entdecken, sondern ich kann mich inspirieren lassen von

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der Natur und kann dann versuchen, dieses Prinzip auf technische

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Anwendungen zu übertragen.

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Der Wasserfarn Salvinia bildet eine spezielle Mikrostruktur aus, die

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dafür sorgt, dass seine Blätter auch unter Wasser trocken bleiben.

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Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des KIT haben die

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natürliche Mikrostruktur kopiert und auf eine Kunststofffolie

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aufgetragen.

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Diese nimmt nun Öl auf und weist Wasser ab.

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Gute Nachrichten für alle also, die ein Gewässer von Ölverschmutzung

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reinigen wollen.

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Zurück zum Käfer Cyphochillus insolanus, dessen Oberfläche weiß

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erscheint.

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Erzeugt wird dieser Effekt ausschließlich durch die poröse Struktur

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der Chitinschuppen, die den Käfer bedecken, an denen das Licht in alle

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Richtungen gestreut wird.

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Zehn Mikrometer Chitinstruktur reichen dabei für ein leuchtendes Weiß.

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Die Forscherinnen und Forscher haben diese Struktur auf eine

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Polymerfolie übertragen, die beliebige Oberflächen strahlend weiß

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erscheinen lässt.

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Solche Folien könnten in der Industrie eingesetzt werden, um

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Oberflächen weiß zu gestalten.

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Zukünftig sind auch weitere Anwendungen denkbar.

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Beispielsweise eine Wandfarbe, die ohne das potenziell

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gesundheitsschädliche Farbpigment Titandioxid auskommt.

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Dank der Käfer bräuchte sich dann niemand mehr Sorgen um die

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Gesundheit machen.

