WEBVTT

00:00.800 --> 00:02.540
Herzlich willkommen zu diesem Video.

00:03.240 --> 00:07.340
Es ergänzt die beiden Videos zu Erwartungswerten im Zusammenhang mit

00:07.340 --> 00:11.680
Mustern bei Bernoulli-Versuchen um einen neuen Aspekt, nämlich um

00:11.680 --> 00:15.080
überraschende Phänomene bei konkurrierenden Mustern.

00:15.860 --> 00:19.620
Hier sieht man die Ergebnisse von 300 Bernoulli-Versuchen, für die ich

00:19.620 --> 00:20.880
selbst verantwortlich bin.

00:21.600 --> 00:24.120
Ich habe nämlich 300 Mal einen Würfel geworfen.

00:24.120 --> 00:29.160
Immer wenn eine 1, 2 oder 3 auftrat, habe ich zeilenweise von links

00:29.160 --> 00:33.300
nach rechts gelesen eine 1 notiert und ansonsten eine 0.

00:34.320 --> 00:38.160
Um Wahrscheinlichkeiten auszurechnen, benötigen wir ein stochastisches

00:38.160 --> 00:40.100
Modell und das sieht so aus.

00:40.660 --> 00:45.600
x1, x2 und so weiter seien unabhängige Zufallsgrößen, die jeweils die

00:45.600 --> 00:49.420
Werte 1 und 0 mit gleicher Wahrscheinlichkeit ein Halb annehmen.

00:49.420 --> 00:54.120
Für jedes J modelliert dann xj das Ergebnis des Jotten-Bernoulli

00:54.120 --> 00:54.580
-Versuchs.

00:55.240 --> 00:57.660
Ich sage nochmal kurz, was ein Muster ist.

00:58.060 --> 01:03.440
Für jedes L größer gleich 2 sei M ein L-Tupel aus Einsen und Nullen

01:03.440 --> 01:06.060
und das nennen wir ein Muster der Länge L.

01:07.200 --> 01:12.340
Mit Wm bezeichnen wir die kleinste natürliche Zahl k derart, dass das

01:12.340 --> 01:16.300
Muster M nach dem Karten-Bernoulli-Versuch aufgetreten ist.

01:16.300 --> 01:19.100
Und das kann man formal so ausdrücken.

01:21.180 --> 01:26.220
Im folgenden geht es um Muster der Länge 3 und davon gibt es diese 8

01:26.220 --> 01:31.220
Stück, die ich als Dualzahlen und nicht als Tupel geschrieben habe.

01:32.480 --> 01:35.300
Anja und Bettina spielen jetzt folgendes Spiel.

01:35.660 --> 01:40.640
Anja wählt ein beliebiges dieser Muster und dann wählt Bettina ein

01:40.640 --> 01:42.220
davon verschiedenes Muster.

01:42.220 --> 01:46.960
Jetzt werden die Bernoulli-Versuche durchgeführt und dasjenige, der

01:46.960 --> 01:49.840
bei dem Muster, das zuerst auftritt, gewinnt.

01:50.860 --> 01:56.440
Nehmen wir etwa an, dass Anja das Muster 1 0 0 und Bettina das Muster

01:56.440 --> 02:01.740
0 0 1 fehlt, so würde beim obigen Verlauf der Bernoulli-Versuche Anja

02:01.740 --> 02:07.060
gewinnen, weil das Muster 1 0 0 nach dem achten Versuch aufgetreten

02:07.060 --> 02:09.160
ist, nämlich hier, genau an dieser Stelle.

02:09.880 --> 02:13.080
Aber das Muster 0 0 1 erst hier.

02:13.960 --> 02:18.560
Die Frage ist, welches Muster Anja wählen sollte, um möglichst große

02:18.560 --> 02:19.940
Gewinnchancen zu haben.

02:20.720 --> 02:25.140
Wir werden sehen, dass Anja im Nachteil ist, denn ganz egal, welches

02:25.140 --> 02:29.700
Muster sie wählt, Bettina findet immer eins, das mit der

02:29.700 --> 02:34.140
Mindestwahrscheinlichkeit zwei Drittel früher kommt als das von Anja.

02:35.640 --> 02:39.020
Gehen wir einfach mal die acht Möglichkeiten für Anja durch.

02:39.420 --> 02:42.580
Nehmen wir an, Anja wählt das Muster 0 0 0.

02:43.100 --> 02:48.200
Das ist besonders schlecht, denn dann wählt Bettina das Muster 1 0 0.

02:48.720 --> 02:49.460
Was passiert?

02:50.380 --> 02:54.700
Anja kann nur gewinnen, wenn am Anfang dreimal hintereinander eine 0

02:54.700 --> 02:58.040
auftritt und die Wahrscheinlichkeit dafür ist ein Achtel.

02:58.040 --> 03:03.200
Andernfalls tritt ja mindestens eine 1 auf, bevor Anja die drei Nullen

03:03.200 --> 03:07.900
hat und nach der 1 benötigt Bettina ja nur noch zwei Nullen, ganz egal

03:07.900 --> 03:11.500
wie viele Einsen diesen beiden Nullen noch vorangehen.

03:11.960 --> 03:15.760
Die Wahrscheinlichkeit, dass Bettina in diesem Fall gewinnt, ist also

03:15.760 --> 03:17.180
gleich 7 Achtel.

03:18.500 --> 03:21.840
Der zweite Fall ist der, dass Anja 0 0 1 wählt.

03:22.260 --> 03:25.160
Dann nimmt Bettina das Muster 1 0 0.

03:25.160 --> 03:30.340
Hier gewinnt Anja genau dann, wenn die beiden ersten Versuche jeweils

03:30.340 --> 03:34.560
eine 0 ergeben und die Wahrscheinlichkeit dafür ist ein Viertel.

03:34.780 --> 03:38.860
Denn treten die beiden Nullen auf, so können direkt danach noch so

03:38.860 --> 03:39.780
viele Nullen kommen.

03:40.240 --> 03:43.600
Irgendwann kommt die erste 1 und dann hat Anja gewonnen.

03:44.780 --> 03:48.760
Tritt aber am Anfang nicht die Doppel-Null auf, so hat Bettina

03:48.760 --> 03:53.820
gewonnen, denn es ist eine 1 dabei, bevor Anja ihre beiden ersten

03:53.820 --> 03:54.560
Nullen hat.

03:54.560 --> 03:58.740
Jetzt können noch so viele Einsen direkt aufeinander folgen.

03:59.200 --> 04:03.100
Irgendwann kommen die zwei Nullen direkt hintereinander und dann hat

04:03.100 --> 04:04.060
Bettina gewonnen.

04:04.580 --> 04:08.140
In diesem Fall gewinnt also Bettina mit der Wahrscheinlichkeit 3

04:08.140 --> 04:08.620
Viertel.

04:10.180 --> 04:14.580
Sehen wir uns den dritten Fall an, dass Anja sich das Muster 0 1 0

04:14.580 --> 04:15.300
aussucht.

04:15.840 --> 04:18.640
Dann wählt Bettina das Muster 0 0 1.

04:18.640 --> 04:23.020
In diesem Fall ist die Wahrscheinlichkeit, dass Bettinas Muster früher

04:23.020 --> 04:27.800
auftritt als das von Anja, nicht mehr ganz so einfach zu bestimmen und

04:27.800 --> 04:30.220
ich schreibe zunächst mal ein Fragezeichen hin.

04:31.480 --> 04:34.080
Hier führt folgende Überlegung schnell zum Ziel.

04:34.720 --> 04:37.880
Man sieht, dass beide Muster mit einer 0 beginnen.

04:38.580 --> 04:41.740
Das heißt, solange die Bernoulli-Versuche ausschließlich Einsen

04:41.740 --> 04:44.540
ergeben, passiert erst einmal gar nichts.

04:44.540 --> 04:49.000
Entscheidend wird es, wenn die erste 0 auftritt und da machen wir eine

04:49.000 --> 04:49.540
Fallunterscheidung.

04:50.620 --> 04:56.100
Das Ereignis A sei, dass auf diese erste 0 direkt eine weitere 0 folgt

04:56.100 --> 05:00.020
und das Gegenereignis ist dann natürlich, dass auf diese erste 0 eine

05:00.020 --> 05:00.840
1 folgt.

05:01.600 --> 05:05.240
Beide Ereignisse schließen einander aus und aufgrund der

05:05.240 --> 05:09.020
Unabhängigkeit aller Zufallsgrößen x1, x2 usw.

05:09.440 --> 05:12.280
besitzen sie jeweils die Wahrscheinlichkeit 1 Halb.

05:12.280 --> 05:16.960
Nach der Formel von der totalen Wahrscheinlichkeit ist die gesuchte

05:16.960 --> 05:21.460
Wahrscheinlichkeit gleich der Wahrscheinlichkeit von A, also 1 Halb,

05:21.760 --> 05:25.380
mal der bedingten Wahrscheinlichkeit unseres Ereignisses unter der

05:25.380 --> 05:29.740
Bedingung A plus der Wahrscheinlichkeit des Gegenereignisses Aquer,

05:30.400 --> 05:34.440
also auch 1 Halb, mal der bedingten Wahrscheinlichkeit, dass Bettina

05:34.440 --> 05:36.760
gewinnt, unter der Bedingung Aquer.

05:37.720 --> 05:42.800
Wenn nach der ersten 0 direkt eine weitere 0 auftritt, gewinnt aber

05:42.800 --> 05:47.260
Bettina mit Wahrscheinlichkeit 1, denn, ganz egal wie viele Nullen

05:47.260 --> 05:52.180
danach noch direkt hintereinander kommen, irgendwann tritt eine 1 auf

05:52.180 --> 05:55.980
und dann hat Bettina ihr Muster vor Anja erreicht.

05:56.920 --> 06:01.360
Was passiert im anderen Fall, dass nach der ersten 0 eine 1 auftritt?

06:01.980 --> 06:05.840
Mit Wahrscheinlichkeit 1 Halb verliert jetzt Bettina, nämlich dann,

06:06.020 --> 06:11.080
wenn eine 0 kommt, denn dann hat Anja ihr Muster 0 1 0 erreicht.

06:11.080 --> 06:15.940
Mit Wahrscheinlichkeit 1 Halb kommt aber nach der 1 noch eine 1.

06:16.700 --> 06:20.480
Dann hat keine der Spielerinnen irgendeinen Anfangsteil ihres

06:20.480 --> 06:24.420
jeweiligen Musters erreicht, denn beide Muster beginnen ja mit einer

06:24.420 --> 06:24.680
0.

06:25.520 --> 06:28.860
In diesem Fall geht alles wieder von vorne los.

06:29.300 --> 06:33.040
Das heißt, diese bedingte Wahrscheinlichkeit ist 1 Halb mal die

06:33.040 --> 06:35.500
Wahrscheinlichkeit, dass Bettina gewinnt.

06:35.500 --> 06:40.440
Nennen wir die gesuchte Wahrscheinlichkeit x, so erfüllt x also die

06:40.440 --> 06:45.380
Gleichung x gleich 1 Halb plus 1 Viertel mal x und daraus folgt x

06:45.380 --> 06:46.360
gleich 2 Drittel.

06:47.300 --> 06:51.320
Wir können also das Fragezeichen durch den Wert 2 Drittel ersetzen.

06:52.200 --> 06:55.420
Die restlichen Fälle können wir jetzt schnell abhandeln.

06:55.960 --> 07:01.500
Wählt Anja das Muster 0 1 1, so sucht sich Bettina das Muster 0 0 1

07:01.500 --> 07:06.160
aus und ihre Gewinnwahrscheinlichkeit ist dann ebenfalls 2 Drittel.

07:06.600 --> 07:09.760
Die Begründung dafür erfolgt genauso wie im Fall 3.

07:10.740 --> 07:15.060
Die restlichen Fälle sind symmetrisch zu den ersten 4, da man jeweils

07:15.060 --> 07:17.300
nur 1 und 0 vertauschen muss.

07:17.300 --> 07:23.600
Wählt Anja 1 0 0, so wählt Bettina 1 1 0 und gewinnt wieder mit der

07:23.600 --> 07:24.880
Wahrscheinlichkeit 2 Drittel.

07:25.560 --> 07:27.720
Dieser Fall ist spiegelbildlich zu 4.

07:28.560 --> 07:33.800
Sucht sich Anja das Muster 1 0 1 aus, so nimmt Bettina das Muster 1 1

07:33.800 --> 07:37.240
0 und gewinnt ebenfalls mit der Wahrscheinlichkeit 2 Drittel.

07:37.880 --> 07:40.500
Dieser Fall ist spiegelbildlich zu Fall 3.

07:41.220 --> 07:47.060
Nimmt Anja das Muster 1 1 0, so wählt Bettina 0 1 1 und gewinnt mit

07:47.060 --> 07:48.500
der Wahrscheinlichkeit 3 Viertel.

07:49.020 --> 07:51.460
Dieser Fall ist spiegelbildlich zu Fall 2.

07:52.480 --> 07:57.320
Wählt schlussendlich Anja das Muster 1 1 1, so gewinnt Bettina mit der

07:57.320 --> 08:01.540
Wahrscheinlichkeit 7 Achtel, wenn sie das Muster 0 1 1 nimmt.

08:02.480 --> 08:06.000
Wir können also folgendes überraschende Fazit ziehen.

08:06.520 --> 08:11.040
Zu jedem Muster A gibt es ein Muster B, sodass das Muster B mit einer

08:11.040 --> 08:15.000
Wahrscheinlichkeit von mindestens 2 Dritteln vor dem Muster A

08:15.000 --> 08:15.560
auftritt.

08:16.200 --> 08:21.540
Es gibt also kein bestes Muster und Bettina ist im Vorteil, weil sie

08:21.540 --> 08:26.080
so höflich war, Anja den Vortritt bei der Wahl des Musters zu lassen.

08:27.420 --> 08:32.400
Ich zeige jetzt einmal für jede Wahl eines Musters A und eines Musters

08:32.400 --> 08:37.300
B, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass Muster B vor Muster A

08:37.300 --> 08:37.880
auftritt.

08:38.560 --> 08:42.840
Da die beiden Muster verschieden sein müssen, gibt es keine Einträge

08:42.840 --> 08:46.820
auf diese absteigenden Diagonalen, was ich durch diese Sterne

08:46.820 --> 08:47.160
kennzeichne.

08:48.200 --> 08:52.520
Das sind die Wahrscheinlichkeiten, die wir schon bestimmt haben, und

08:52.520 --> 08:55.900
zwar sind das auch für jede Spalte die jeweils größten

08:55.900 --> 08:56.800
Wahrscheinlichkeiten.

08:57.700 --> 09:01.860
Hieran erkennt man nochmal, dass es für jede Wahl von A ein Muster B

09:01.860 --> 09:06.920
gibt, sodass die Wahrscheinlichkeit, dass B vor A kommt, mindestens 2

09:06.920 --> 09:07.520
Drittel ist.

09:07.520 --> 09:10.380
Ich zeige jetzt weitere Einträge.

09:11.080 --> 09:14.560
Zunächst steht auf der aufsteigenden Diagonalen jeweils die

09:14.560 --> 09:15.820
Wahrscheinlichkeit 1,5.

09:16.200 --> 09:16.540
Warum?

09:17.940 --> 09:23.060
Weil hier das Muster B jeweils das Komplement des Musters A ist, in

09:23.060 --> 09:27.280
dem Sinne, dass Einsen und Nullen jeweils vertauscht werden.

09:27.280 --> 09:34.540
So ist etwa das Komplement des Musters 1,0,1 hier das Muster 0,1,0.

09:36.120 --> 09:40.120
Unter Symmetriegründen tritt jedes Muster mit Wahrscheinlichkeit 1,5

09:40.120 --> 09:42.740
vor seinem eigenen Komplement auf.

09:43.580 --> 09:48.040
Es gibt aber noch weitere Einträge mit dem Wert 1,5, nämlich diese

09:48.040 --> 09:48.380
hier.

09:49.340 --> 09:51.800
Auch diese Werte sind unmittelbar bzw.

09:52.360 --> 09:53.920
schnell einzusehen.

09:54.660 --> 09:57.580
Sehen wir uns zum Beispiel diese Fälle hier oben an.

09:58.680 --> 10:04.100
Wenn die Muster 0,0,0 und 0,0,1 gegeneinander antreten, wird es erst

10:04.100 --> 10:08.120
spannend, wenn zum ersten Mal zwei Nullen direkt hintereinander

10:08.120 --> 10:09.160
aufgetreten sind.

10:09.820 --> 10:13.900
Dann sind aber die beiden Fälle 0 und 1 gleich wahrscheinlich.

10:15.440 --> 10:21.340
Etwas aufwendiger wird es beim Vergleich der Muster 0,1,0 und 1,0,0.

10:22.640 --> 10:27.420
Dass diese Wahrscheinlichkeit hier auch gleich 1,5 ist und diese

10:27.420 --> 10:31.380
Wahrscheinlichkeit hier, sieht man mit einer Methode ein, die ich

10:31.380 --> 10:34.220
gleich an einem komplizierteren Fall zeigen werde.

10:35.080 --> 10:39.300
Die nächsten Werte, die ich zeige, folgen dem Prinzip, dass entweder

10:39.300 --> 10:42.320
Muster B vor A kommt oder umgekehrt.

10:42.320 --> 10:46.620
Die Wahrscheinlichkeiten dieser beiden Fälle addieren sich also zu 1.

10:47.980 --> 10:51.700
Wenn also wie hier oben das Muster 0,0,1 mit Wahrscheinlichkeit zwei

10:51.700 --> 10:58.460
Drittel vor dem Muster 0,1,0 kommt, tritt 0,1,0 vor 0,0,1 mit

10:58.460 --> 11:00.100
Wahrscheinlichkeit ein Drittel auf.

11:00.380 --> 11:03.400
Das heißt hier kommt der Eintrag ein Drittel hin.

11:04.340 --> 11:08.800
In gleicher Weise ergeben sich diese zusätzlichen Werte und man

11:08.800 --> 11:13.040
erkennt eine komplementäre Beziehung in Bezug auf die absteigende

11:13.040 --> 11:14.060
Diagonale.

11:15.140 --> 11:17.560
Die weiteren Werte sehen so aus.

11:18.240 --> 11:24.300
Hier links steht 2 mal 3 Fünftel und komplementär dazu in der obersten

11:24.300 --> 11:27.460
Reihe hier jeweils 2 mal 2 Fünftel.

11:28.240 --> 11:32.980
Durch Vertauschen von 0,0,1 erhält man dann auch diese vier Werte

11:32.980 --> 11:33.940
rechts unten.

11:35.240 --> 11:38.740
Dazu kommen noch diese vier grau unterlegten Werte.

11:39.720 --> 11:45.160
Interessant ist, dass sogar Vielfache von 1 Zwölftel auftreten und wir

11:45.160 --> 11:49.340
werden gleich ganz speziell den Wert 7 Zwölftel in der ersten Spalte

11:49.340 --> 11:49.980
herleiten.

11:50.820 --> 11:55.340
Komplettiert wird diese Matrix durch diese jeweils Vielfachen von 1

11:55.340 --> 11:55.720
Zehntel.

11:57.000 --> 12:00.700
Ich zeige jetzt einmal, wie man auf diese Wahrscheinlichkeit 7

12:00.700 --> 12:01.900
Zwölftel hier kommt.

12:03.480 --> 12:07.520
Man kann sich das Ganze anhand eines sogenannten Zustandsgrafen

12:07.520 --> 12:08.360
veranschaulichen.

12:08.960 --> 12:14.300
Hier ist der Startknoten S und es konkurrieren die Muster 1,0,1 und 0

12:14.300 --> 12:15.420
,0,0 miteinander.

12:16.660 --> 12:22.180
Zur Muster 1,0,1 kommt man, wenn eine 1 und dann eine 0 und dann

12:22.180 --> 12:23.660
wieder eine 1 auftritt.

12:23.660 --> 12:29.440
In gleicher Weise erreicht man das Muster 0,0,0 über 0 und 0,0.

12:30.960 --> 12:36.880
Nehmen wir an, Anja hat das Muster 0,0,0 und Bettina das Muster 1,0,1

12:36.880 --> 12:37.380
gewählt.

12:37.980 --> 12:43.520
Nach der ersten 1 befindet sich Bettina im Knoten 1 und Bettina wartet

12:43.520 --> 12:44.380
auf eine 0.

12:44.920 --> 12:48.440
Anja ist noch im Startknoten, weil keine 0 auftrat.

12:48.440 --> 12:54.640
Weitere Einsen lassen Bettina im Knoten 1 und Anja im Startknoten

12:54.640 --> 12:55.060
bleiben.

12:56.000 --> 13:02.960
Wenn dann eine 0 kommt, ist Bettina hier im Knoten 1,0 und Anja hier

13:02.960 --> 13:03.960
im Knoten 0.

13:04.740 --> 13:06.740
Bettina wartet jetzt auf die 1.

13:07.180 --> 13:08.460
Kommt die, hat sie gewonnen.

13:09.180 --> 13:13.160
Andernfalls wird sie in den Startknoten zurückgeworfen und benötigt

13:13.160 --> 13:15.180
wieder eine 1, um weiterzukommen.

13:16.140 --> 13:17.160
Was ist mit Anja?

13:17.660 --> 13:22.300
Wenn sie im Knoten 0 ist und eine 1 kommt, wird sie in den Startknoten

13:22.300 --> 13:23.160
zurückgeworfen.

13:23.740 --> 13:29.120
Und wenn sie im Knoten 0,0 ist und eine 1 auftritt, muss sie ebenfalls

13:29.120 --> 13:30.720
in den Startknoten zurück.

13:31.260 --> 13:35.280
Man sieht also an der Struktur dieses Graphen, dass Bettina

13:35.280 --> 13:40.500
prinzipiell im Vorteil ist, da sie vom Knoten 1 aus nicht in den

13:40.500 --> 13:42.700
Startzustand zurückgeworfen werden kann.

13:42.700 --> 13:46.820
Warum ist aber die Wahrscheinlichkeit, dass Bettina gewinnt, gleich 7

13:46.820 --> 13:47.500
Zwölftel?

13:48.440 --> 13:53.080
Hierzu schreibe ich kurz b für das Ereignis, dass Bettina gewinnt,

13:53.420 --> 13:57.980
also das Muster 1,0,1 vor dem Muster 0,0,0 auftritt.

13:59.080 --> 14:02.740
Die Idee ist, die Formel von der totalen Wahrscheinlichkeit zu

14:02.740 --> 14:03.200
verwenden.

14:03.660 --> 14:07.460
Und zwar unterscheiden wir einfach nur nach dem Ergebnis des ersten

14:07.460 --> 14:08.540
Bernoulli -Versuchs.

14:08.540 --> 14:12.780
Die Wahrscheinlichkeit von b ist also ein Halb, das ist die

14:12.780 --> 14:16.620
Wahrscheinlichkeit für Treffer im ersten Versuch, mal die bedingte

14:16.620 --> 14:20.140
Wahrscheinlichkeit von b unter der Bedingung, dass am Anfang ein

14:20.140 --> 14:24.060
Treffer auftritt, plus die Wahrscheinlichkeit ein Halb, dass am Anfang

14:24.060 --> 14:28.020
eine Niete auftritt, mal die Wahrscheinlichkeit von b unter dieser

14:28.020 --> 14:28.580
Bedingung.

14:29.760 --> 14:32.440
Wir sehen uns jetzt diese beiden bedingten Wahrscheinlichkeiten

14:32.440 --> 14:33.360
einzeln an.

14:33.360 --> 14:38.860
Unter der mit 1 bezeichneten Bedingung ist Bettina im Knoten 1 und

14:38.860 --> 14:40.520
Anja ist im Startknoten.

14:40.980 --> 14:45.520
Beide bleiben in ihrem jeweiligen Knoten, solange Einsen auftreten.

14:46.220 --> 14:50.100
Irgendwann kommt aber die erste Null und dann wird es interessant.

14:51.160 --> 14:54.340
Gedanklich können wir also beide jeweils schon einen Knoten

14:54.340 --> 14:59.180
weiterlaufen lassen, Bettina ist also im Knoten 1,0 und Anja im Knoten

14:59.180 --> 14:59.400
0.

14:59.400 --> 15:03.580
Wir wenden jetzt wieder die Formel von der totalen Wahrscheinlichkeit

15:03.580 --> 15:07.900
an, indem wir danach unterscheiden, ob das nächste Ergebnis nach

15:07.900 --> 15:11.580
dieser ersten Null eine Eins oder wieder eine Null ist.

15:12.060 --> 15:13.980
Beide Fälle sind gleichwahrscheinlich.

15:14.800 --> 15:17.040
Mit Wahrscheinlichkeit ein Halb kommt eine Eins.

15:17.520 --> 15:19.420
Dann hat aber Bettina gewonnen.

15:20.020 --> 15:23.000
Das führt auf den Summanden ein Halb mal Eins.

15:23.000 --> 15:27.120
Kommt aber eine Null, was auch mit der Wahrscheinlichkeit ein Halb

15:27.120 --> 15:31.960
passiert, so ist Bettina in den Startknoten zurückgeworfen worden und

15:31.960 --> 15:34.460
Anja steht im Knoten 0,0.

15:35.900 --> 15:39.360
Da die Bernoulli-Versuche anschaulich gesprochen gedächtnislos

15:39.360 --> 15:43.840
ablaufen, liegt aber die gleiche Situation vor, als wenn die beiden

15:43.840 --> 15:48.640
ersten Versuche jeweils Nieten ergeben hätten und das kennzeichne ich

15:48.640 --> 15:51.220
durch diese bedingte Wahrscheinlichkeit.

15:51.220 --> 15:52.880
Wie geht es weiter?

15:53.500 --> 15:58.360
Nun ein Halb mal Eins ist ein Halb plus ein Halb mal und jetzt kümmern

15:58.360 --> 16:02.840
wir uns um die bedingte Wahrscheinlichkeit, dass Bettina gewinnt, wenn

16:02.840 --> 16:06.200
sie im Startknoten steht und Anja im Knoten 0,0.

16:07.420 --> 16:11.320
Wir unterscheiden wieder zwei Fälle, nämlich dass der nächste Versuch

16:11.320 --> 16:13.480
eine Niete oder einen Treffer ergibt.

16:13.920 --> 16:17.620
Tritt eine Niete auf, was mit Wahrscheinlichkeit ein Halb passiert, so

16:17.620 --> 16:21.560
hat Bettina verloren und das führt auf ein Halb mal 0.

16:22.360 --> 16:26.100
Mit Wahrscheinlichkeit ein Halb kommt aber eine Eins und dann muss

16:26.100 --> 16:30.140
Anja in den Startknoten zurück und Bettina ist im Knoten 1.

16:30.740 --> 16:34.660
Dieser Fall führt auf den Summanden ein Halb mal die

16:34.660 --> 16:37.220
Wahrscheinlichkeit von b unter der Bedingung 1.

16:37.900 --> 16:42.020
Aus dieser Gleichung können wir jetzt p von b unter der Bedingung 1

16:42.020 --> 16:45.500
direkt ausrechnen und erhalten den Wert zwei Drittel.

16:46.560 --> 16:49.960
Um die noch fehlende bedingte Wahrscheinlichkeit zu bestimmen,

16:50.460 --> 16:53.840
unterscheiden wir die beiden Fälle, dass der zweite Versuch einen

16:53.840 --> 16:55.840
Treffer oder eine Niete ergibt.

16:56.360 --> 17:00.020
Die Formel von der totalen Wahrscheinlichkeit liefert dann diese

17:00.020 --> 17:01.260
beiden Summanden.

17:02.580 --> 17:07.840
Kommt eine 0 und danach eine 1, so befinden sich Bettina im Knoten 1

17:07.840 --> 17:12.760
und Anja im Startknoten und es liegt die gleiche Situation vor, als

17:12.760 --> 17:15.980
wenn schon der erste Versuch einen Treffer ergeben hätte.

17:16.580 --> 17:19.760
Der erste Summand besitzt also diese Gestalt.

17:20.560 --> 17:23.580
Bei der zweiten bedingten Wahrscheinlichkeit betrachten wir die beiden

17:23.580 --> 17:28.320
gleichwahrscheinlichen Fälle, dass der nächste Versuch eine Niete oder

17:28.320 --> 17:29.760
einen Treffer ergibt.

17:30.500 --> 17:34.980
Im ersten Fall gewinnt Bettina mit der Wahrscheinlichkeit 0 und im

17:34.980 --> 17:40.520
zweiten ist Anja zurück im Startknoten und Bettina ist im Knoten 1.

17:41.340 --> 17:45.420
Wir erhalten also ein Halb mal ein Halb mal p von b unter der

17:45.420 --> 17:50.000
Bedingung 1, also ein Viertel mal p von b unter der Bedingung 1.

17:50.000 --> 17:54.740
Insgesamt steht rechts 3 Viertel mal p von b unter der Bedingung 1,

17:55.000 --> 17:59.920
also 3 Viertel mal 2 Drittel und das ist gleich 1 Halb.

18:00.660 --> 18:06.860
Insgesamt folgt also p von b gleich 1 Halb mal 2 Drittel plus 1 Halb

18:06.860 --> 18:12.380
mal 1 Halb und das ist 1 Drittel plus 1 Viertel und damit gleich 7

18:12.380 --> 18:12.960
Zwölftel.

18:14.740 --> 18:19.360
Ich möchte abschließend noch ein Phänomen ansprechen, das erst bei

18:19.360 --> 18:21.460
Mustern ab der Länge 4 auftritt.

18:21.920 --> 18:26.160
Es kann sein, dass das Muster A gegenüber dem Muster B im Mittel

18:26.160 --> 18:30.780
früher auftritt, das heißt der Erwartungswert, der Wartezeit auf das

18:30.780 --> 18:36.060
Muster A ist kleiner als der auf das Muster B, aber das Muster B ist

18:36.060 --> 18:39.680
besser als das Muster A in dem Sinn, dass es mit einer

18:39.680 --> 18:44.560
Wahrscheinlichkeit von mehr als 50 % vor dem Muster A auftritt.

18:45.380 --> 18:50.940
Ganz konkret gilt für diese beiden Muster der Länge 4, dass man im

18:50.940 --> 18:56.180
Mittel 18 Versuche auf das Muster A wartet und 20 Versuche auf das

18:56.180 --> 18:56.780
Muster B.

18:56.780 --> 19:00.860
Diese beiden Erwartungswerte wurden im zweiten Video über

19:00.860 --> 19:04.100
Erwartungswerte auf Muster in Bernoulli-Versuchen bestimmt.

19:05.040 --> 19:09.080
Auf der anderen Seite tritt das Muster B, auf das man im Mittel länger

19:09.080 --> 19:13.740
wartet, mit der Wahrscheinlichkeit 9 Vierzehntel, also deutlich größer

19:13.740 --> 19:16.540
als 1 Halb, vor dem Muster A auf.

19:17.060 --> 19:18.740
Ein interessantes Phänomen.

19:19.800 --> 19:23.520
Wer mehr darüber wissen will, dem empfehle ich als Einstieg einen

19:23.520 --> 19:26.460
Aufsatz, den ich vor längerer Zeit dazu verfasst habe.

19:26.780 --> 19:30.200
Dort findet man dann auch weitere Literatur aufgeführt.

19:31.260 --> 19:34.360
Ich bedanke mich ganz herzlich für das Anschauen dieses Videos.

19:34.800 --> 19:38.260
Wem es gefallen hat, der kann es natürlich sehr gerne weiterempfehlen.

