WEBVTT

00:00.000 --> 00:01.340
Dem Wald geht es schlecht.

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Vier von fünf Bäumen zeigen deutliche Krankheitssymptome.

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So steht es im neuesten Waldschadensbericht.

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Ursache ist der Klimawandel.

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Langanhaltende Dürreperioden im Sommer schädigen nicht nur

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Fichtenbestände.

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Auch die Buchen leiden unter der Trockenheit.

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Hinzu kommen Schädlinge wie der Borkenkäfer, Stürme, Starkregen und

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Überflutungen.

00:26.320 --> 00:28.960
Wie kann der Wald unter diesen Bedingungen überleben?

00:28.960 --> 00:33.820
Wie muss der wirtschaftlich genutzte Wald in Zukunft aussehen, damit

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er die Belastungen durch den Klimawandel aushalten kann?

00:37.660 --> 00:41.660
Ein Forschungsprojekt des Bundeslandwirtschaftsministeriums ist diesen

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Fragen nachgegangen.

00:43.320 --> 00:47.040
Eine wissenschaftliche Basis soll den Forstämtern bei der Entscheidung

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helfen, welche Bäume jetzt gepflanzt werden sollen.

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Bäume brauchen Jahrzehnte, bis sie groß werden.

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Niemand weiß aber, mit welchem Klima wir in 20 oder 30 Jahren

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beispielsweise hier im Schwarzwald rechnen müssen.

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Es ist ganz schwierig für die Förster zu entscheiden, welche Baumarten

01:05.160 --> 01:08.180
sie jetzt anpflanzen sollen, weil man nicht genau weiß, wie sich der

01:08.180 --> 01:09.280
Klimawandel entwickelt.

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Man weiß aber auch gar nicht so genau, wie sich die Nachfrage

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entwickelt.

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Wichtigste Nachfrage für den Wald im Schwarzwald, weil es vor allem

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Nadelholz ist, ist der Bau- und Holzmarkt.

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Da geht es die Frage einher, wie sieht der nachhaltige, resiliente

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Wald aus in der Zukunft, der es schafft, mit deutlich höheren

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Temperaturen zurechtzukommen.

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Das betrifft vor allem die niederen Höhenlagen, also so bis 600 Meter,

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wo wir auch sehr viele Fichtenbestände haben, aber auch die höheren.

01:36.640 --> 01:40.280
Frau Dr. Christine Rösch leitet die Forschungsgruppe Nachhaltige

01:40.280 --> 01:43.980
Bioökonomie am Karlsruher Institut für Technologie.

01:43.980 --> 01:48.960
In Zusammenarbeit mit der Uni Freiburg und dem Campus Alpin des KIT

01:48.960 --> 01:53.320
wurde gezeigt, dass eine Mischung von Laub- und Nadelbäumen

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widerstandsfähiger gegen Trockenheit ist als Monokulturen von Fichten

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oder Tannen.

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Eine Tanne, die tiefwürzelt, kommt besser an Wasser ran, wenn da was

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ist.

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Es gibt das Phänomen, das man in der Wissenschaft beobachtet hat, das

02:06.320 --> 02:09.600
nennt sich Hydraulic Lift, also dass quasi die Tanne das Wasser

02:09.600 --> 02:13.440
hochpumpt und da sozusagen dann noch ein bisschen was übrig lässt für

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die Nachbarschaft.

02:14.500 --> 02:16.240
Und das sind dann flachwürzelnde Bogen.

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Mischwälder sind ganz allgemein widerstandsfähiger.

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Ein Borkenkäfer kann sich da nicht so schnell ausbreiten oder ein

02:23.260 --> 02:25.260
Pilz, das kennen wir auch aus der Landwirtschaft.

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Der Luftraum, der Photosyntheseraum wird besser ausgenutzt.

02:28.840 --> 02:31.520
Das ist insgesamt für die Biodiversität besser, für die

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Nachhaltigkeit, aber eben nicht für den Holzertrag.

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Befragungen im Rahmen des Forschungsprojekts haben gezeigt, dass die

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Akzeptanz für Mischwälder bei allen Beteiligten wächst.

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Deshalb war die Aussage, dass Mischwälder bevorzugt werden sollen,

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weil sie eben eine größere Artenvielfalt haben und eben auch schöner

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anzusehen sind, aber auch, weil sie für die Wasserversorgung auch

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nicht schlecht sind.

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Es gab aber sogar auch von Förstern, die am Holzertrag interessiert

02:59.440 --> 03:02.660
sind, Meinungen dazu, dass man auf Mischwälder gehen sollte, weil man

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langfristig ökonomischen höheren Ertrag erzielen könnte.

03:06.140 --> 03:09.820
Die richtige Mischung unterschiedlicher Baumarten wird an die

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jeweiligen lokalen Gegebenheiten angepasst werden müssen.

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Der Mischwald per se ist nicht das Allheilmittel.

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Also nicht alle Probleme können durch Mischwälder gelöst werden und

03:20.780 --> 03:23.440
nicht überall passt ein Buchen-Tannen-Mischwald hin.

03:23.540 --> 03:26.040
Es gibt sogar Überlegungen, ob man mehr als zwei, vielleicht sogar

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drei oder vier verschiedene Baumarten mischen sollte.

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Und je nach Standard können es auch andere sein.

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Das heißt, wenn Sie die Förster befragen, die haben verschiedene

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Kandidaten im Rennen, also von der Traubeneiche bis vielleicht eine

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andere Art von der Weißtanne.

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Oder es geht vor allem bei uns hier im Schwarzwald um die Fichten,

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dass die Fichtenbestände umgebaut werden sollen.

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Die Kollegen in Freiburg haben geguckt, wie viele Flächen man umbauen

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könnte, haben da auch eine Fläche identifizieren können.

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Spezielle Punkte, wo man sagt, da würde es gut passen.

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Für andere Flächen braucht es vielleicht andere Mischungen, um einen

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resilienten Wald zu haben.

