WEBVTT

00:09.860 --> 00:13.500
Einen wunderschönen guten Abend, sehr geehrte Damen und Herren, liebe

00:13.500 --> 00:20.740
Kolleginnen und Kollegen, liebe Studierende oder um uns alle sozusagen

00:20.740 --> 00:25.120
zu adressieren, liebe Kommilitoninnen und Kommilitonen, so hat es ein

00:25.120 --> 00:29.240
alter Hochschullehrer von mir immer gesagt, um anzuzeigen, dass wir

00:29.240 --> 00:33.320
eigentlich alle zu einer gemeinsamen Wissenscommunity gehören.

00:33.740 --> 00:37.800
Ich heiße Sie und euch herzlich willkommen zum Eröffnungsabend der

00:37.800 --> 00:44.580
Campus Tage 2020, sowohl hier vor Ort auf dem KIT Campus Süd als auch

00:44.580 --> 00:48.520
an den, ich denke doch sicherlich, zahlreichen Bildschirmen hier.

00:49.680 --> 00:53.080
Mein Name ist Alexa-Maria Kunz, ich bin stellvertretende

00:53.840 --> 00:56.820
Geschäftsführerin am House of Competence und habe heute Abend das

00:56.820 --> 00:59.200
Vergnügen, die Moderation hier zu übernehmen.

01:00.020 --> 01:04.860
Bevor wir in medias res gehen, möchte ich Ihnen kurz die Agenda

01:04.860 --> 01:05.220
vorstellen.

01:05.220 --> 01:11.280
Und zwar haben wir vor uns natürlich die offizielle Begrüßung durch

01:11.280 --> 01:14.440
Herrn Professor Wanner an diesem Abend.

01:14.700 --> 01:19.360
Dann wird Professorin Ines Langemeyer Ihnen unseren Keynote-Speaker

01:19.360 --> 01:24.000
Professor Tremp vorstellen, auf dessen Keynote wir schon sehr gespannt

01:24.000 --> 01:24.940
sind und uns freuen.

01:25.600 --> 01:30.320
Und nach dieser Keynote gehen wir hier vorne in eine Podiumsdiskussion

01:30.320 --> 01:33.780
und ich möchte jetzt schon darauf hinweisen, dass natürlich nicht nur

01:33.780 --> 01:37.840
die Leute hier vor Ort, sondern auch das Publikum an den Bildschirmen

01:37.840 --> 01:41.440
die Gelegenheit hat, sich an dieser Podiumsdiskussion zu beteiligen

01:41.440 --> 01:46.440
und zwar, indem sie entweder über den Chat im YouTube-Kanal ihre

01:46.440 --> 01:56.780
Fragen einbringen oder über die Mail-Adresse fragen at zak.kit.edu

01:56.780 --> 02:00.560
Also entweder über den Channel oder über die Mail, ich sage es auch

02:00.560 --> 02:04.720
nachher nochmal, damit es möglichst eine rege Diskussion hier wird.

02:06.460 --> 02:11.760
Die Diskussion wird circa 18.50 Uhr beginnen, sodass wir dann den

02:11.760 --> 02:17.020
Abend um 19.30 Uhr hier mit einem Steh- bzw.

02:17.300 --> 02:21.000
unter den aktuellen Bedingungen einen kleinen Sitzempfang beschließen

02:21.000 --> 02:21.420
werden.

02:22.380 --> 02:26.600
Und damit übergebe ich das Wort auch schon an Herrn Professor Wanner.

02:27.160 --> 02:27.680
Vielen Dank.

02:33.340 --> 02:36.840
Vielen Dank, Frau Kunz, für diese nette Einführung.

02:37.440 --> 02:41.640
Herzlich willkommen zu den Campus-Tagen Lehre Hochforschung.

02:42.900 --> 02:47.320
Um sowohl die Lern- und Studienbedingungen als auch die Lehre am KIT

02:47.320 --> 02:51.800
kontinuierlich und nachhaltig zu verbessern, wurden im Zeitraum von

02:51.800 --> 02:57.860
2011 bis 2020, also bis heute, innerhalb des Projekts KIT Lehre

02:57.860 --> 03:01.960
Hochforschung und des Nachfolgeprojekts KIT Lehre Hochforschung Plus

03:01.960 --> 03:07.100
fakultäts - und institutsübergreifend insgesamt 18 Teilprojekte

03:07.100 --> 03:07.600
gefördert.

03:08.560 --> 03:12.400
Und entsprechend dem Leitgedanken Lehre folgt Forschung, ging es dabei

03:12.400 --> 03:16.680
darum, Lehre und Lernen so zu gestalten, dass Studierende eine

03:16.680 --> 03:20.720
forschende Haltung entwickeln und ein intensives, wissenschaftliches

03:20.720 --> 03:23.580
und forschungsorientiertes Studium erleben können.

03:24.340 --> 03:27.680
Man kann heute am Ende dieser Periode, die ich gerade genannt habe,

03:28.000 --> 03:31.700
sagen, das ist eine Erfolgsgeschichte für das KIT.

03:32.700 --> 03:36.120
Lehre Hochforschung hatte maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung

03:36.120 --> 03:40.540
des KIT-Leitbilds für Lehre und Studium und trug auch zum

03:40.540 --> 03:43.840
erfolgreichen Aufbau eines systemakkreditierenden Verfahrens zur

03:43.840 --> 03:46.520
Qualitätsentwicklung der KIT-Studiengänge bei.

03:47.360 --> 03:50.540
Die unmittelbar aus dem Vorhaben heraus entstandenen Lehr- und

03:50.540 --> 03:54.780
Lernformate erreichen bei den Studierenden hohe Akzeptanz und wurden

03:54.780 --> 03:58.260
bereits fest in einzelne Studiengänge integriert.

03:59.300 --> 04:02.500
Ich freue mich, dass wir für die heutige Eröffnungsveranstaltung der

04:02.500 --> 04:07.260
Campus -Tage, in denen die Ergebnisse dieses Vorhabens, dieses

04:07.260 --> 04:10.540
langjährigen Vorhabens, vertieft vorgestellt werden.

04:10.900 --> 04:14.300
Ich freue mich, dass wir für die heutige Keynote Herrn Prof. Peter

04:14.300 --> 04:15.560
Tremp gewinnen konnten.

04:16.160 --> 04:20.520
Prof. Langemeyer wird Ihnen nachher noch genauer vorstellen, da

04:20.520 --> 04:21.980
verrate ich jetzt noch nicht zu viel.

04:22.340 --> 04:26.000
Aber lieber Herr Tremp, wir sind uns ja jetzt schon öfter über den Weg

04:26.000 --> 04:29.480
gelaufen, wir haben uns schon öfter über das Thema

04:29.480 --> 04:33.580
erforschungsorientierte Lehre ausgetauscht.

04:33.660 --> 04:37.580
Es war immer ein sehr interessanter Austausch und ich bin gespannt auf

04:37.580 --> 04:41.040
das, was Sie uns dann heute zu diesem Thema erzählen werden.

04:42.280 --> 04:45.800
Corona-bedingt, das wurde schon gesagt, finden die Campus-Tage heute

04:45.800 --> 04:50.000
in einem hybriden Format statt, sodass ich die meisten Teilnehmerinnen

04:50.000 --> 04:52.400
und Teilnehmer heute leider nicht vor Ort begrüßen kann.

04:52.480 --> 04:56.060
Ich freue mich jedoch, dass die Campus-Tage auf großes Interesse

04:56.060 --> 05:00.000
stoßen und sie sich zahlreich für die Veranstaltung angemeldet haben.

05:00.220 --> 05:03.360
Ich möchte Sie bereits jetzt ermuntern, wie es Frau Kunz gerade schon

05:03.360 --> 05:06.900
getan hat, sich nachher bei der Podiumsdiskussion über die Chat

05:06.900 --> 05:10.320
-Funktion regel an der Diskussion zu beteiligen.

05:10.400 --> 05:11.760
Dafür wird es Gelegenheit geben.

05:12.660 --> 05:17.540
An den Campus-Tagen, aber eigentlich ist es hauptsächlich der morgige

05:17.540 --> 05:23.020
Tag, geben die Teilprojekte Einblicke in ihre Themenstellungen,

05:23.140 --> 05:25.880
berichten über ihre Erkenntnisse, insbesondere aus der zweiten

05:25.880 --> 05:31.180
Förderperiode 2017 bis 2020 und präsentieren ihre Ergebnisse der

05:31.180 --> 05:35.260
interessierten internen und externen Öffentlichkeit.

05:36.020 --> 05:39.180
Viele Personen haben zum Erfolg von Lehrerhochforschung beigetragen,

05:39.180 --> 05:42.300
einige möchte ich hier ganz besonders hervorheben.

05:42.460 --> 05:46.580
An erster Stelle möchte ich heute denjenigen danken, die in Sachen

05:46.580 --> 05:50.440
Lehrerhochforschung den Stein ins Rollen gebracht haben und den ersten

05:50.440 --> 05:51.820
Antrag vorbereitet haben.

05:51.900 --> 05:54.540
Das ist jetzt, wie gesagt, schon fast zehn Jahre her.

05:55.180 --> 05:59.420
Er wurde 2011 bewilligt und damals hat Professor Jürgen Becker, mein

05:59.420 --> 06:03.780
Amtsvorgänger, damals hieß es noch Chief Higher Education Officer am

06:03.780 --> 06:08.320
KIT, dann Frau Rothaß, seine damalige enge Mitarbeiterin, Frau

06:08.320 --> 06:13.820
Ernestine Friesow, damals im Präsidialstab tätig, Frau Barbara

06:13.820 --> 06:18.160
Emmerich, ebenfalls Präsidialstab und Frau Klink und Frau Dietz von

06:18.160 --> 06:19.380
PEBA, wie wir sagen.

06:21.160 --> 06:26.040
Das ist Personalentwicklung und berufliche Ausbildung am KIT.

06:26.220 --> 06:30.160
Dort ist auch die Hochschuldidaktik am KIT angesiedelt und die Damen

06:30.160 --> 06:36.580
haben damals mit den Vorgenannten diesen erfolgreichen ersten Antrag

06:36.580 --> 06:37.120
vorbereitet.

06:37.940 --> 06:41.400
In der ersten Förderphase war dann Frau Ernestine Friesow die

06:41.400 --> 06:46.040
maßgebliche Person, die alle Fäden zusammengehalten und alle PSP

06:46.040 --> 06:50.640
-Elemente überblickt hat und das Projekt stets kompetent gemanagt hat.

06:50.820 --> 06:51.700
Dafür vielen Dank.

06:52.180 --> 06:55.900
Gegen Ende der ersten Förderphase wurde der Fortsetzungsantrag

06:55.900 --> 06:56.400
geschrieben.

06:57.340 --> 07:00.820
Hier haben Frau Klink und Frau Friesow sehr viel Zeit und Engagement

07:00.820 --> 07:01.480
investiert.

07:01.900 --> 07:04.800
Damals war auch ich selber dann schon stärker oder sehr stark

07:04.800 --> 07:08.120
beteiligt, weil ich seit 2013 Vizepräsident bin.

07:10.000 --> 07:13.500
Ein zentraler Bestandteil des Fortsetzungsantrags war die Einrichtung

07:13.500 --> 07:15.560
einer Professur für Lehr-Lernforschung.

07:15.680 --> 07:17.220
Diese wurde vertreten...

07:17.220 --> 07:18.840
eigentlich war das schon der erste Antrag.

07:19.740 --> 07:22.800
Im ersten Antrag wurde es gemacht, aber die Besetzung ist dann im

07:22.800 --> 07:25.920
Übergang zwischen dem ersten und dem zweiten Antrag erfolgt.

07:26.180 --> 07:30.020
Es wurde damals eine Professur für Lehr-Lernforschung eingerichtet mit

07:30.020 --> 07:33.740
Fördermitteln, die dann natürlich vom KIT dann verstetigt wurde, also

07:33.740 --> 07:35.160
in die Zukunft getragen wird.

07:36.560 --> 07:40.640
Diese wurde zunächst vertreten von Herrn Professor Jungmann und Frau

07:40.640 --> 07:43.600
Professorin Langemeyer.

07:43.780 --> 07:47.560
Dann hat Frau Professorin Langemeyer den Ruf erhalten und angenommen,

07:47.560 --> 07:50.240
was uns natürlich dann auch sehr gefreut hat.

07:50.360 --> 07:54.260
Und ich danke auch Frau Langemeyer ganz herzlich dafür, dass sie dann

07:54.260 --> 07:58.420
eben hier dauerhaft am KIT Verantwortung übernommen hat und

07:58.420 --> 08:03.260
kontinuierlich maßgebliche Beiträge zu unserem heutigen Thema

08:03.260 --> 08:04.720
sozusagen geleistet hat.

08:05.160 --> 08:07.860
Die Koordination des gesamten Projekts in der zweiten Förderphase

08:08.160 --> 08:13.140
wurde zunächst von Frau Tanja Herrmann übernommen, dann von Benjamin

08:13.140 --> 08:17.580
Zienicke und heute ist es Frau Legrum-Kallet, die seit diesem Jahr bei

08:17.580 --> 08:22.260
uns ist, die neue Leiterin der Abteilung Qualitätsmanagement bei SEK.

08:22.760 --> 08:27.180
Für die stets kompetente Koordination des Gesamtprojekts möchte ich

08:27.180 --> 08:29.560
allen Genannten ganz herzlich danken.

08:31.080 --> 08:35.180
Nun für die Organisation des Campus-Tages möchte ich auch noch einigen

08:35.180 --> 08:36.080
Personen danken.

08:36.080 --> 08:41.100
Das ist die Frau Elena Jährig von SEK-QM, Frau Langemeyer und Frau

08:41.100 --> 08:46.260
Grau vom Institut für Berufspädagogik und Angewandte Pädagogik, Frau

08:46.260 --> 08:52.600
Nadja Legrum-Kallet und Elena Jährig, beide von SEK-QM und last but

08:52.600 --> 08:55.680
not least Frau Katrin Hess von PEBA.

08:57.040 --> 09:01.000
Und auch ganz besonderen Dank an das Zentrum für Angewandte

09:01.000 --> 09:04.260
Kulturwissenschaft und Studium Generale, die heute als

09:04.260 --> 09:06.720
Kooperationspartner hier auftreten.

09:07.080 --> 09:10.840
Das ist ja die Stelle am KIT, die Einrichtung, die öffentliche

09:10.840 --> 09:15.480
Wissenschaft betreibt und die eine große Erfahrung und großes Know-how

09:15.480 --> 09:20.980
und eine sozusagen, das sehr sehr charmant auch immer macht, unsere

09:20.980 --> 09:24.720
Wissenschaft in die Öffentlichkeit hinaus zu tragen und Formate zu

09:24.720 --> 09:29.940
pflegen, mit denen wir eben auch mit der Öffentlichkeit in Interaktion

09:29.940 --> 09:30.620
treten können.

09:31.200 --> 09:34.780
Ja und zuletzt möchte ich noch Frau Kunz danken, die uns heute durch

09:34.780 --> 09:37.620
diesen Abend navigiert und moderiert.

09:38.280 --> 09:42.400
Das macht sie auch ganz toll und ich bin wirklich schon gespannt auf

09:42.400 --> 09:46.960
die Podiumsdiskussion, die wir nachher zusammen haben.

09:47.740 --> 09:51.780
Ich danke allen Beteiligten, Projektbeteiligten für den Ideenreichtum,

09:51.860 --> 09:54.920
für die Professionalität und Leidenschaft, mit der sie die Lehre am

09:54.920 --> 09:56.520
KIT weiterentwickelt haben.

09:56.520 --> 10:00.780
Den Geldgebern, Bund und Land danke ich für großzügige finanzielle

10:00.780 --> 10:03.580
Förderung im Rahmen des Qualitätspaktes Lehre.

10:04.080 --> 10:08.220
Wir alle wissen, dass der Qualitätspakt Lehre dieses Jahr endet.

10:08.640 --> 10:11.900
Das war eine lange politische Diskussion, wie es dann weitergehen

10:11.900 --> 10:12.220
soll.

10:12.660 --> 10:16.320
Das zeichnet sich jetzt immer stärker ab.

10:16.760 --> 10:19.560
Derzeit wird im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und

10:19.560 --> 10:23.320
Forschung die Stiftung Innovation in der Hochschullehre aufgebaut, von

10:23.320 --> 10:26.060
der in Zukunft neue Förderformate zu erwarten sind.

10:26.060 --> 10:31.280
Wir beobachten diese Entwicklung natürlich am KIT sehr aufmerksam und

10:31.280 --> 10:34.680
werden uns dort ganz bestimmt auch mit neuen Förderanträgen

10:34.680 --> 10:35.680
beteiligen.

10:35.900 --> 10:39.560
Es war aber eine politische Entscheidung, hier ganz bewusst eine Zäsur

10:39.560 --> 10:40.100
zu machen.

10:40.240 --> 10:44.920
Das heißt, alle bisher geförderten Vorhaben enden und man muss sich

10:44.920 --> 10:48.520
jetzt auch etwas Neues überlegen, wenn man wieder Geld haben möchte.

10:49.760 --> 10:54.500
Ich danke Ihnen allen für Ihr Interesse an den Themen und Ergebnissen

10:54.500 --> 10:55.560
von Lehre Hochforschung.

10:55.560 --> 11:01.140
Ich wünsche Ihnen einen angenehmen und inspirierenden Campus-Tag mit

11:01.140 --> 11:05.780
vielen guten Impulsen und Anregungen und übergebe nun an Frau

11:05.780 --> 11:07.200
Langemeyer, glaube ich, direkt.

11:07.420 --> 11:10.420
Frau Langemeyer, wurde ja schon gesagt, sie wird jetzt Herrn Trempp

11:10.420 --> 11:13.600
vorstellen, unseren heutigen Keynote-Speaker.

11:13.680 --> 11:14.840
Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend.

11:15.380 --> 11:15.840
Dankeschön.

11:22.300 --> 11:29.040
Ja, lieber Herr Wanner, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, liebe

11:29.040 --> 11:34.060
Studierende, liebe Interessierte hier in Präsenz und aber auch

11:34.060 --> 11:38.580
natürlich in der virtuellen Kommunikation.

11:39.220 --> 11:42.780
Ich freue mich, dass wir hier zumindest auch diese hybride

11:42.780 --> 11:49.180
Veranstaltung machen können und bin sehr, sehr erfreut, hier Peter

11:49.180 --> 11:52.560
Trempp als Keynote-Speaker begrüßen zu dürfen.

11:54.000 --> 11:58.380
Peter Trempp ist in meiner Disziplin sehr bekannt, aber wir haben hier

11:58.380 --> 12:02.820
ein interdisziplinäres Format, deswegen möchte ich Ihnen ganz kurz in

12:02.820 --> 12:05.620
einigen Stationen zumindest etwas vorstellen.

12:07.420 --> 12:12.340
Er hat Erziehungswissenschaften und Sprachwissenschaften studiert,

12:12.340 --> 12:15.260
außerdem auch Geschichte der Neuzeit.

12:16.500 --> 12:23.480
Er war von 2004 bis 2018 Professor für Bildungswissenschaften an der

12:23.480 --> 12:32.140
PH Zürich, bevor er letztes Jahr berufen wurde als Leiter des Zentrums

12:32.140 --> 12:34.260
für Hochschuldidaktik an der PH Luzern.

12:35.000 --> 12:38.960
Er war zuvor auch schon Leiter der Hochschuldidaktik an der

12:38.960 --> 12:46.540
Universität Zürich sogar und an der PH gleichzeitig aber auch Leiter

12:46.540 --> 12:48.400
von Forschung und Entwicklung.

12:48.740 --> 12:54.200
Er bringt also sehr interessante Perspektiven, nämlich Praxis und

12:54.200 --> 13:00.380
Forschung zusammen und wenn man in dem Bereich forschungsorientierter

13:00.380 --> 13:04.180
Lehre unterwegs ist, dann kommt man eigentlich nicht um Peter Trempp

13:04.180 --> 13:04.560
herum.

13:05.400 --> 13:09.240
Er hat zu Wissenschaftsfreiheit, zu Studiengang Entwicklung

13:09.240 --> 13:15.080
publiziert, wichtige Werke dazu verfasst und natürlich auch zu

13:15.080 --> 13:20.260
forschendem Lernen, was hier auch mit dem Projekt Lehrehochforschung

13:20.260 --> 13:22.000
ganz eng verknüpft wurde.

13:22.000 --> 13:28.560
Forschendes Lernen in viele Disziplinen hineinzubringen und damit

13:28.560 --> 13:32.460
sozusagen noch mal das alte Ideal auch der humboldtschen Bildung,

13:32.940 --> 13:37.520
Bildung durch Wissenschaft in eine neue Phase zu bringen.

13:38.880 --> 13:42.400
Dies wird auch, das darf ich zumindest schon mal verraten, Teil

13:42.400 --> 13:45.200
Gegenstand seines Vortrags hier werden.

13:46.240 --> 13:51.360
Ich möchte ein bisschen noch auch was zu ihm sagen, weil ich glaube,

13:53.060 --> 13:58.960
dass ihn eine ganz besondere Wissenschaftlichkeit auch auszeichnet.

13:59.860 --> 14:05.400
Er hat zum Beispiel einen ganz interessanten Impuls für die Frage

14:05.400 --> 14:09.500
forschenden Lernens in die Hochschuldidaktik gebracht.

14:09.640 --> 14:14.060
Ich bringe hier gerade ein relativ neu erschienenes Buch von ihm mit.

14:14.060 --> 14:16.520
Klassiker der Hochschuldidaktik.

14:17.460 --> 14:25.820
Dieses Buch mit dem Titel ist nicht ohne ein kleines Lächeln, ohne

14:25.820 --> 14:30.340
eine kleine Ironie zu verstehen, denn im Grunde haben wir in unserer

14:30.340 --> 14:34.500
Forschung zu Hochschuldidaktik nicht unbedingt ein ganz klares Bild

14:34.500 --> 14:36.820
davon, wer eigentlich zur Klassik gehört.

14:38.740 --> 14:41.540
Klassik gibt es noch nicht.

14:41.540 --> 14:46.060
Er hatte in dem Sinne den Mut, einmal auszurufen, auszusprechen,

14:46.220 --> 14:47.980
vielleicht brauchen wir sowas wie Klassiker.

14:49.380 --> 14:50.640
Brauchen wir sie tatsächlich?

14:50.820 --> 14:53.480
Das ist aber auch die Frage gleichzeitig dieses Buches.

14:53.600 --> 14:56.760
Brauchen wir also einen Kanon, auf den wir uns berufen können?

14:56.920 --> 15:02.020
Brauchen wir also irgendwie auch Personen aus der

15:02.020 --> 15:06.140
Wissenschaftsforschung, aus der Bildungsforschung, die uns als

15:06.140 --> 15:07.460
Klassiker dienen könnten?

15:07.460 --> 15:11.880
Oder sind es vielleicht heutzutage eher auch Konzepte wie Constructive

15:11.880 --> 15:20.300
Alignment, die uns ein Magnet, einen Punkt sozusagen der Stabilität

15:20.300 --> 15:20.640
bringen?

15:22.300 --> 15:28.320
Das ist ein, ja, wir haben vorher auch kurz drüber gesprochen, eine

15:28.320 --> 15:32.140
interessante Publikation, die Peter Trempp vertritt und damit

15:32.140 --> 15:36.460
sozusagen ein Experiment auch für unsere Community, wie wir uns

15:36.460 --> 15:39.820
verstehen wollen und wie wir uns weiterentwickeln wollen.

15:40.560 --> 15:44.860
Also, in dem Sinne, ich freue mich sehr, dass Peter Trempp heute hier

15:44.860 --> 15:48.740
auch in persona ist und freue mich sehr auf seinen Vortrag.

15:59.600 --> 16:03.640
Ja, sehr geehrter Herr Wanner, liebe Ines Langemeyer, liebe Frau Kunz,

16:03.740 --> 16:07.080
sehr geehrte Damen und Herren, vielen Dank, Ines Langemeyer, für diese

16:07.080 --> 16:10.380
sehr freundliche Einführung bei diesem Buch, der Klassiker der

16:10.380 --> 16:11.140
Hochschuldidaktik.

16:11.520 --> 16:14.260
Da steht ja noch ein Fragezeichen im Titel.

16:14.540 --> 16:18.140
Das ist wirklich eine Frage, die mich beschäftigt, die uns beschäftigt

16:18.140 --> 16:21.520
in unserer Disziplin, ist aber nicht heutiges Thema.

16:21.620 --> 16:23.460
Heute geht es um Forschendes Lernen.

16:23.600 --> 16:27.380
Ich freue mich sehr, dass ich heute darüber referieren darf, auch ein

16:27.380 --> 16:32.440
paar Überlegungen Ihnen mitgeben darf, weil ich auch mit Interesse die

16:32.440 --> 16:39.580
Projekte hier verfolge, hier an dieser Hochschule, Lehre

16:39.580 --> 16:40.320
Hochforschung.

16:40.380 --> 16:43.340
Ich komme auf die Begrifflichkeit dann noch kurz zurück.

16:43.760 --> 16:45.120
Forschendes Lernen ist also das Thema.

16:45.420 --> 16:46.240
An Hochschulen.

16:46.700 --> 16:53.500
Hochschulen sind ja in ein ganzes Bildungssystem hier integriert, ein

16:53.500 --> 16:58.720
Bildungssystem, das sehr differenziert daherkommt und versucht ja

16:58.720 --> 17:02.180
auch, die verschiedenen Bezüge in diesen verschiedenen Stufen des

17:02.180 --> 17:06.400
Bildungssystems geklärt zu halten, was zum Beispiel Zugänge und

17:06.400 --> 17:08.040
Abschlussberechtigungen betrifft.

17:09.020 --> 17:12.680
Und gleichwohl sticht meines Erachtens die Universität oder die

17:12.680 --> 17:17.180
Hochschule in diesem Bildungssystem insofern etwas heraus, weil hier

17:17.180 --> 17:21.620
in verschiedenen Zusammenhängen auch eigene Begriffe geprägt werden.

17:21.860 --> 17:24.820
In der Hochschule sind dann eben nicht Lehrer tätig, sondern

17:24.820 --> 17:27.020
Professorinnen, Professoren oder Dozierende.

17:28.380 --> 17:33.300
Die Lehre findet in Hörsälen oder Seminarräumen statt, sicher nicht in

17:33.300 --> 17:35.260
Unterrichtszimmern.

17:35.440 --> 17:39.100
Und bisweilen kann man sich auch fragen, ob hinter diesen Begriffen

17:39.100 --> 17:43.040
auch tatsächlich Bedeutungsdifferenzen stehen, oder ob nicht einfach

17:43.040 --> 17:48.460
auch Begriffe verwendet werden könnten, die auch in anderen

17:48.460 --> 17:52.280
Bildungsinstitutionen üblich sind, wo genau die Differenz ist.

17:52.280 --> 17:56.360
Es gibt aber meines Erachtens auch ein paar Begriffsdifferenzen, die

17:56.360 --> 18:00.320
schön auf den Punkt bringen, um was es geht in dieser Bildungsstufe,

18:00.660 --> 18:02.640
um das an einem Beispiel zu erläutern.

18:03.380 --> 18:06.400
Es ist eine Differenz, ob wir von Hausaufgaben sprechen oder vom

18:06.400 --> 18:07.240
Selbststudium.

18:08.260 --> 18:11.440
Ich möchte das jetzt gar nicht länger ausführen, interessant finde ich

18:11.440 --> 18:14.140
aber auch die Frage, ob Studierende eigentlich diese Differenz

18:14.140 --> 18:17.820
tatsächlich vom ersten Tag her auch so machen, oder wie sie auch

18:17.820 --> 18:23.580
realisieren, dass es hier eben in dieser Hochschulstufe um

18:23.580 --> 18:25.340
Selbststudium geht.

18:25.920 --> 18:28.700
Und ein anderer Begriff, der meines Erachtens eben auch sehr, sehr

18:28.700 --> 18:32.780
typisch ist für diese Hochschulstufe, ist nun eben das Forschende

18:32.780 --> 18:33.220
Lernen.

18:33.320 --> 18:39.360
Das Forschende Lernen, das auch seine Laufbahn im deutschen Sprachraum

18:39.360 --> 18:43.200
so begonnen hat, dass hier ein Konzept vorgestellt wurde, das sich

18:43.200 --> 18:45.900
ganz eindeutig auf die Hochschulstufe bezieht.

18:46.480 --> 18:50.080
Wenn man allerdings heute Publikationen sichtet zum Forschenden

18:50.080 --> 18:54.480
Lernen, dann stellt man fest, dass sich einige Publikationen auch auf

18:54.480 --> 18:57.040
andere Stufen des Bildungssystems beziehen.

18:57.500 --> 19:02.460
Ich habe Ihnen hier ein paar Titel mitgebracht aus Büchern, wo Sie

19:02.460 --> 19:06.240
gerade sehen, da geht es jetzt tatsächlich nicht um Forschendes Lernen

19:06.240 --> 19:07.380
auf der Hochschulstufe.

19:07.380 --> 19:11.240
Erste Experimentiere für kleine Forscher, ein spielerischer Einstieg

19:11.240 --> 19:12.680
in die Welt der Naturwissenschaften.

19:12.900 --> 19:15.860
Für Kinder ab drei Jahren, das große Experimentierbuch für kleine

19:15.860 --> 19:16.280
Forscher.

19:16.720 --> 19:18.320
Alle Kinder sind Matheforscher.

19:19.420 --> 19:23.660
Oder, das knallt dem Frosch die Locken weg, was auch immer dahinter

19:23.660 --> 19:24.980
genau sich verbirgt.

19:25.060 --> 19:28.560
Experimente für kleine und grosse Forscher oder eben Superforscher.

19:28.620 --> 19:31.280
Wir kommen vielleicht in der Podiumsdiskussion noch dazu, auch die

19:31.280 --> 19:35.840
Differenzen zu verdeutlichen zwischen diesem Forschenden Lernen in der

19:35.840 --> 19:38.700
Hochschulstufe oder in der Primarstufe.

19:38.780 --> 19:42.680
Heute geht es aber um Forschendes Lernen in der Hochschulstufe und was

19:42.680 --> 19:47.240
Sie erwarten in meinen Ausführungen, ich beginne mit dem

19:47.240 --> 19:55.060
Forschungsimperativ, der die Universität charakterisiert, werde dann

19:55.060 --> 20:00.740
auf einige damit zusammenhängende Formeln zu sprechen kommen und mich

20:00.740 --> 20:07.020
dann mit der Initialschrift beschäftigen, die dieses Konzept erstmals

20:07.020 --> 20:12.560
so richtig deutlich im deutschen Sprachraum vorgestellt hat und in

20:12.560 --> 20:15.680
diesem Jahr auch das 50-jährige Jubiläum feiern kann.

20:16.000 --> 20:21.320
Und dann werde ich auch noch auf die inflationäre Verwendung des

20:21.320 --> 20:24.940
Begriffs heute eingehen, das hat sich ja in den letzten Jahren enorm

20:24.940 --> 20:25.940
akzentuiert.

20:26.680 --> 20:31.620
Ich beginne aber mit Überlegungen zum Forschungsimperativ der

20:31.620 --> 20:33.760
Universität, der heutigen Universität.

20:34.080 --> 20:38.060
Universität kennt ja eine ganz lange Geschichte und die Verwendung

20:38.060 --> 20:41.420
desselben Begriffs, eben Universität, kann freilich nicht darüber

20:41.420 --> 20:45.520
hinwegtäuschen, dass sich diese Institution enorm gewandelt hat,

20:45.620 --> 20:48.100
gerade auch was grundsätzliche Konzeptionen betrifft.

20:48.800 --> 20:53.160
Seit rund etwa 200 Jahren stehen Universitäten unter einem

20:53.160 --> 20:56.400
Forschungsimperativ und das zeigt sich dann in verschiedenen

20:56.400 --> 21:00.640
Merkmalen, die uns heute eigentlich allen so vertraut sind, dass sie

21:00.640 --> 21:04.080
als beinahe selbstverständlich erscheinen, aber eben das war nicht

21:04.080 --> 21:04.580
immer so.

21:05.180 --> 21:09.400
Der Forschungsimperativ, der die moderne Universität charakterisiert,

21:09.580 --> 21:14.140
zeigt sich zum Beispiel darin, dass nun Publikationen, die auf

21:14.140 --> 21:18.260
originärer Forschung basieren, eine enorm große Bedeutung erlangt

21:18.260 --> 21:23.060
haben, was sich beispielsweise in Berufungsverfahren zeigt, also in

21:23.060 --> 21:25.680
veränderten Kriterien der Rekrutierung.

21:26.740 --> 21:30.620
Damit verändert sich auch das Konzept, das wir haben, von Professor.

21:31.200 --> 21:35.260
Und ich zeige Ihnen im Laufe meines Referats zwei, drei Folien, die

21:35.260 --> 21:43.800
kontrastierend Zitate zeigen, wie es eben vorher geklungen hat, wenn

21:43.800 --> 21:46.000
wir zum Beispiel über Professoren reden.

21:46.000 --> 21:52.680
In einer Schrift von Johann David Michaelis, die Schrift heisst

21:52.680 --> 21:55.760
Raisonnement über die protestantischen Universitäten in Deutschland,

21:56.400 --> 22:00.640
heisst es, der gute, ja der mittelmässige Professor muss von der

22:00.640 --> 22:04.060
Disziplin, die er lernen will, das ganze System kennen.

22:04.440 --> 22:09.360
Ist das nicht, so kann er vielleicht ein weit grösserer Mann, er kann

22:09.360 --> 22:13.480
das vortrefflichste Mitglied einer Akademie der Wissenschaften, er

22:13.480 --> 22:17.600
kann der verewigte Erfinder neuer Wahrheiten sein, aber er ist kein

22:17.600 --> 22:18.480
guter Professor.

22:19.260 --> 22:22.980
Weiter heisst es dann, die schwere Pflicht, die nur immer sehr wenige

22:22.980 --> 22:26.440
Untergelehrten erfüllen können, neue Wahrheiten zu erfinden und

22:26.440 --> 22:30.060
Verbesserer der Wissenschaften zu werden, will ich den Lehren der

22:30.060 --> 22:31.980
Universitäten nicht auflegen.

22:32.220 --> 22:35.980
Das ist das Konzept, das eben vorher gegolten hat, bevor diese

22:35.980 --> 22:39.260
Forschungsimperativ sich deutlich durchgesetzt hat.

22:39.260 --> 22:41.060
Und es finden sich auch im 19.

22:41.260 --> 22:41.660
und 20.

22:41.820 --> 22:45.460
Jahrhundert dann auch immer wieder Hinweise darauf, dass diese

22:45.460 --> 22:50.280
Forschungsorientierung zum Beispiel bei der Auswahl von Professoren

22:50.280 --> 22:56.560
nicht angemessen sei, so beispielsweise beim Pädagogen Disterwig.

22:57.500 --> 23:01.480
Für ihn, für Disterwig, ist die Universität in erster Linie eine

23:01.480 --> 23:05.540
pädagogische Anstalt und er plädiert zwar auch für echte

23:05.540 --> 23:09.540
Wissenschaftlichkeit, sagt aber auch, Zitat nun, der akademische

23:09.540 --> 23:13.840
Lehrer braucht als solcher keinen Forscher, aber er muss ein Lehrer

23:13.840 --> 23:14.280
sein.

23:14.780 --> 23:19.900
Und die Schrift trägt übrigens den sprechenden Titel Über das Elend an

23:19.900 --> 23:21.200
deutschen Universitäten.

23:21.340 --> 23:24.460
Das ist dann eben ein Teil des Elends der Deutschen Universität im 19.

23:24.700 --> 23:26.740
Jahrhundert, wo sich das langsam durchsetzt.

23:27.780 --> 23:31.260
Nun, auch die Lehre ändert sich unter diesem Forschungsimperativ in

23:31.260 --> 23:34.300
ihren Zielsetzungen und in der Ausgestaltung und da möchte ich auf

23:34.300 --> 23:38.420
zwei Formeln zu sprechen kommen, auf die ich jetzt kurz eingehen

23:38.420 --> 23:42.440
möchte, nämlich zum einen auf die Formel Verbindung von Forschung und

23:42.440 --> 23:46.340
Lehre und zum anderen auf die Formel Bildung durch Wissenschaft.

23:46.640 --> 23:50.260
In meiner Lesart ist dann das forschende Lernen und das möchte ich

23:50.260 --> 23:53.760
zeigen, eigentlich eine didaktische Ausprägung dieser Formeln, die

23:53.760 --> 23:57.500
sich so vor ungefähr 200 Jahren zu etablieren beginnen.

23:58.060 --> 24:00.420
Und das werde ich dann eben auch zeigen mit der Schrift der

24:00.420 --> 24:04.500
Bundesassistentenkonferenz, die in diesem bildungshistorischen Rahmen

24:04.500 --> 24:08.060
sich selber auch verortet und damit auch die Diskussion um das

24:08.060 --> 24:10.580
forschende Lernen in diesem Rahmen verortet.

24:11.440 --> 24:15.340
Nun zuerst zur Formel Verbindung von Forschung und Lehre.

24:15.420 --> 24:19.220
Man kann sich ja fragen, was sagt denn eigentlich diese Formel

24:19.220 --> 24:19.760
überhaupt?

24:19.960 --> 24:22.880
Meines Erachtens gibt es verschiedene Interpretationsmöglichkeiten, es

24:22.880 --> 24:26.080
gibt verschiedene Varianten, wie wir das verstehen können.

24:26.620 --> 24:29.520
Zum einen Mal würde ich sagen, ist es schlichtweg ein

24:29.520 --> 24:30.720
Aufgabenbeschrieb.

24:30.720 --> 24:34.020
Ein Aufgabenbeschrieb von Professorinnen und Professoren, die haben

24:34.020 --> 24:36.840
als zentrale Aufgaben Forschung und Lehre.

24:37.340 --> 24:39.740
Und das irgendwie miteinander verbunden.

24:40.020 --> 24:43.540
Das wäre also aus der Perspektive der Professoren und Professorinnen

24:43.540 --> 24:44.620
formuliert.

24:45.200 --> 24:46.820
Es gibt andere Interpretationen.

24:46.860 --> 24:54.060
Eine interessante, finde ich jedenfalls, gibt eine Stelle her, aus der

24:54.060 --> 24:57.800
Schrift von Max Weber, Wissenschaft als Beruf, eine Schrift, die die

24:57.800 --> 25:01.860
meisten von Ihnen wohl auch kennen, zu Beginn des 20.

25:02.180 --> 25:02.780
Jahrhunderts.

25:03.240 --> 25:08.940
Er fragt bezüglich Forschung, Zitat nun, warum betreibt man etwas, das

25:08.940 --> 25:12.060
in Wirklichkeit nie zu Ende kommt und kommen kann?

25:12.560 --> 25:15.880
Das ist die Frage, die er stellt und er fährt dann fort, dass die

25:15.880 --> 25:19.940
wissenschaftliche Arbeit eben eingespannt sei in den Ablauf des

25:19.940 --> 25:25.560
Fortschritts und, Zitat, wissenschaftlich überholt zu werden, ist

25:25.560 --> 25:29.240
nicht nur unser aller Schicksal, sondern unser aller Zweck.

25:29.980 --> 25:33.860
Das soll ja weitergehen, man soll auf Neues kommen und so veraltet man

25:33.860 --> 25:35.860
dann halt mit seinen eigenen Ergebnissen.

25:36.280 --> 25:40.100
Aber daraus ergibt sich, so Max Weber, ein eigentliches Sinnproblem

25:40.100 --> 25:41.140
für die Wissenschaft.

25:42.000 --> 25:46.340
Weber löst nun aber dieses Problem, indem er die Frage, was leisten

25:46.340 --> 25:49.460
denn eigentlich diese wissenschaftlichen Tätigkeiten für das

25:49.460 --> 25:53.700
persönliche Leben mit der Bedeutung der Lehrtätigkeit beantwortet.

25:54.180 --> 25:59.020
Durch Kenntnisse, durch Methoden des Denkens, das Handwerkszeug und

25:59.020 --> 26:03.380
die Schulung dazu, um den Studierenden zur Klarheit zu verhelfen, das

26:03.380 --> 26:08.820
ist dann eben das, was eigentlich das persönliche Leben dann auch

26:08.820 --> 26:13.340
prägt und gewinnbringend macht und damit wird Lehre dann eigentlich

26:13.340 --> 26:17.620
zur sinnstiftenden Tätigkeit, die eben eine Sinnstiftung bietet,

26:17.700 --> 26:19.620
welche die Forschung nicht bieten kann.

26:19.840 --> 26:24.820
Man kann überlegen, ob das so zutrifft oder ob das vielleicht eine

26:24.820 --> 26:29.420
etwas gesuchte Verknüpfung ist, aber hier auch eine Verknüpfung von

26:29.420 --> 26:31.600
Forschung und Lehre im Zusammenhang mit Sinnstiftung.

26:32.360 --> 26:35.800
Eine andere Möglichkeit wäre, in dieser Verknüpfung auch eine

26:35.800 --> 26:37.260
Legitimation zu sehen.

26:37.260 --> 26:42.600
Ich habe das kürzlich in einem Referat vorgestellt erhalten, nämlich

26:42.600 --> 26:46.140
so, dass diese Verknüpfung von Forschung und Lehre als

26:46.140 --> 26:49.840
Legitimationsform für Forschung zu verstehen sei.

26:50.480 --> 26:55.560
Lehre wird in dieser Argumentation auf Forschung aufgesetzt, um einen

26:55.560 --> 26:58.440
direkten Nutzen von Forschung auszuweisen.

26:59.240 --> 27:02.660
Lehre bietet dann die Legitimation von anwendungsferner

27:02.660 --> 27:03.940
Grundlagenforschung.

27:03.940 --> 27:07.780
Es kann nämlich jetzt nun über alles geforscht werden und Bildung

27:07.780 --> 27:10.880
eigentlich als Nutzen der Forschung bietet keine inhaltliche

27:10.880 --> 27:14.420
Einschränkung, sehr wohl aber die Legitimation und die Verbindung von

27:14.420 --> 27:18.220
Forschung und Lehre wäre also als Fassade vor allem gegen Aussen

27:18.220 --> 27:18.780
gerichtet.

27:19.880 --> 27:23.300
Das sind mögliche Interpretationen dieser Formel.

27:24.240 --> 27:28.900
Man kann sich auch überlegen, ob diese Formel dann, sie wird ja an

27:28.900 --> 27:32.040
verschiedenen Stellen anders auch formuliert, ob das vielleicht

27:32.040 --> 27:35.060
heissen müsste, Einheit von Forschung und Lehre.

27:35.160 --> 27:36.920
Das liest man ja auch sehr deutlich.

27:37.080 --> 27:40.900
Und eine Einheit ist ja, was der Begriff eben sagt, zusammengehörig.

27:41.160 --> 27:44.880
Die Aufteilung kann man zwar analytisch machen, aber rund wird die

27:44.880 --> 27:47.840
Sache ja dann erst, wenn man beides wirklich zusammendenkt.

27:48.240 --> 27:50.660
Ist Forschung und Lehre also eine Einheit, die sich gar nicht

27:50.660 --> 27:51.460
auftrennen lässt?

27:51.560 --> 27:55.100
Auch hier kann man sich überlegen, welche Interpretationsmöglichkeiten

27:55.100 --> 27:56.540
haben wir denn eigentlich?

27:56.540 --> 28:03.320
Eine Möglichkeit wäre, so zu argumentieren, dass Forschung ohne Lehre

28:03.320 --> 28:07.260
oder ohne Kommunikation, würde ich vielleicht etwas breiter sagen, gar

28:07.260 --> 28:08.820
nicht zu haben ist.

28:08.920 --> 28:14.680
Und Studierende werden dann eben so in diese Diskurs-Community, in die

28:14.680 --> 28:17.640
eben Forschung dann eingebunden ist.

28:18.460 --> 28:21.980
Das ist natürlich aus einer Zeit auch gedacht, wo die

28:21.980 --> 28:25.320
Lehrveranstaltung noch ein bisschen eine andere Funktion hatte, im

28:25.320 --> 28:28.340
Austausch über Forschung, wo es noch nicht die heutigen

28:28.340 --> 28:31.140
Austauschformate der Wissenschaftswelt, Tagungen, Zeitschriften und

28:31.140 --> 28:34.220
weiss nicht was, in dieser Fülle gab, wie es das damals gab.

28:35.120 --> 28:40.080
Oder eine andere mögliche Interpretation ist Lehre, vielleicht gerade

28:40.080 --> 28:41.440
selber Forschung.

28:41.840 --> 28:43.060
Oder immer auch Forschung.

28:43.120 --> 28:47.960
Ich möchte das mit einer Überlegung illustrieren, die sich bei Kleist

28:47.960 --> 28:48.380
findet.

28:48.380 --> 28:53.900
Kleist hat einen schönen, kurzen Text hinterlassen, mit dem Titel Über

28:53.900 --> 28:57.380
die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden.

28:58.180 --> 29:01.840
Die Hauptaussage ist ja die, so quasi wie der Appetit kommt beim

29:01.840 --> 29:04.740
Essen, die Idee kommt auch beim Reden.

29:05.520 --> 29:09.800
Und selber schildert er ein Beispiel, wie er eine algebraische Aufgabe

29:09.800 --> 29:13.900
lösen wollte und siehe da, wenn ich mit meiner Schwester davon rede,

29:14.000 --> 29:17.460
welche hinter mir sitzt und arbeitet, so erfahre ich, was ich durch

29:17.460 --> 29:20.500
ein vielleicht stundenlanges Brüten nicht herausgebracht haben würde.

29:20.940 --> 29:24.760
Nicht als ob sie es mir im eigentlichen Sinne sagte, denn sie kennt

29:24.760 --> 29:27.620
weder das Gesetzbuch noch den Euler und den Kästner.

29:28.220 --> 29:32.020
Auch nicht, als ob sie mich durch geschicktes Fragen auf den Punkt

29:32.020 --> 29:34.140
hinführte, auf welchen es ankommt.

29:34.460 --> 29:38.980
Aber weil ich doch irgendwie dunkle Vorstellungen habe, die mit dem,

29:39.100 --> 29:43.080
was ich suche, von fern her in einiger Verbindung steht, so prägt,

29:43.360 --> 29:47.500
wenn ich nur dreist damit den Anfang mache, das Gemüt, während die

29:47.500 --> 29:51.560
Rede fortschreitet, in der Notwendigkeit, dem Anfang nun auch ein Ende

29:51.560 --> 29:55.780
zu finden, jene verworrene Vorstellung zur völligen Deutlichkeit aus,

29:56.020 --> 29:59.620
der gestaltet die Erkenntnis zu meinem Erstaunen mit der Periode, also

29:59.620 --> 30:03.140
mit diesem komplexen Satzgebilde, das jetzt da aufgebaut wurde, fertig

30:03.140 --> 30:03.460
ist.

30:04.460 --> 30:08.860
Ja, hier geht es also nicht um Majeutik im Sinne von Sokrates, wie das

30:08.860 --> 30:11.500
in der didaktischen Literatur auch manchmal beschrieben wird, sondern

30:11.500 --> 30:16.020
es ist einfach jemand da, die aber nicht mit Fragen das hervorlockt,

30:16.060 --> 30:20.280
wie das eben in der Majeutik der Fall ist, sondern es geht um eben

30:20.280 --> 30:27.120
dieses Klarheit gewinnen beim Formulieren dieses Gedankens.

30:28.360 --> 30:32.800
Es gibt ähnliche Formulierungen auch bei anderen, die vielleicht nicht

30:32.800 --> 30:39.160
so ganz streng sagen, Lehre sei Forschung, aber doch dieses produktive

30:39.160 --> 30:44.040
Moment der Forschung auch in der Lehre erfahrbar machen wollen.

30:44.360 --> 30:47.740
Bei Schleiermacher beispielsweise finden wir solche Formulierungen,

30:48.320 --> 30:52.240
wenn er sagt, der Lehrer muss alles, und da ist natürlich jetzt der

30:52.240 --> 30:56.180
Universitätslehrer gemeint, der Professor, der Lehrer muss alles, was

30:56.180 --> 31:00.260
er sagt, vor den Zuhörern entstehen lassen, er muss nicht erzählen,

31:00.320 --> 31:03.700
was er weiss, sondern sein eigenes erkennen, die Tat selbst

31:03.700 --> 31:08.200
reproduzieren, damit sie beständig nicht etwa nur Kenntnisse sammeln,

31:08.480 --> 31:12.900
sondern die Tätigkeit der Vernunft im Hervorbringen der Erkenntnis

31:12.900 --> 31:17.080
unmittelbar anschauen und anschauend nachbilden.

31:17.780 --> 31:20.680
Das braucht dann bestimmte Voraussetzungen, damit das auch wirklich

31:20.680 --> 31:21.100
gelingt.

31:21.540 --> 31:26.620
Und Schleiermacher war, wenn wir den Zeitzeugen von damals Glauben

31:26.620 --> 31:32.020
schenken wollen, ein hervorragender Universitätslehrer und hat das

31:32.020 --> 31:35.240
wirklich zur Kunstform gebracht, wie er das gemacht hat.

31:35.560 --> 31:41.100
Disterweg, den ich vorher schon erwähnt habe, hat geschrieben, seit

31:41.100 --> 31:46.240
Sokrates Tod hatte, soweit meine Kunde reicht, also seit 22

31:46.240 --> 31:50.340
Jahrhunderten, hatte die Welt nichts Ähnliches oder Gleiches gesehen,

31:50.640 --> 31:53.620
wie eben diesen Schleiermacher in seiner Lehrkunst.

31:54.420 --> 31:58.780
Und Disterweg begründet das dann auch mit einer Besonderheit der

31:58.780 --> 32:01.560
Lehrmethode Schleiermachers und ich finde diese Formulierung

32:01.560 --> 32:03.960
eigentlich wunderbar, wie das Disterweg beschreibt.

32:04.620 --> 32:07.580
Es war ein lebendiger Denkprozess.

32:08.020 --> 32:11.200
Man sah denken, man hörte denken, man fühlte es.

32:11.600 --> 32:15.280
Wer von ihm nicht denken lernte, konnte es nirgends lernen.

32:15.860 --> 32:19.900
Also man sah denken bei Schleiermacher da in seiner Vorlesung.

32:19.900 --> 32:25.840
Um auch hier das Besondere nochmals zu verdeutlichen, sei eine Passage

32:25.840 --> 32:28.380
aus einem Bericht, wieder aus dem 18.

32:28.620 --> 32:32.800
Jahrhundert entgegengehalten, eine Passage aus dem wirklich

32:32.800 --> 32:38.280
interessanten Werk «Schutzschrift für den Stand und die Lebensart der

32:38.280 --> 32:44.180
Professoren» von Christoph Meiners, aus dem Jahre 1776, aus einer

32:44.180 --> 32:47.420
ähnlichen Zeit, wie wir vorher das Zitat von Michaelis hatten.

32:47.420 --> 32:53.040
Meiners schreibt, dass in den berühmtesten Universitäten, Zitat nun,

32:53.440 --> 32:58.520
Professoren zu finden seien, die sich allmählich in geistige Automata

32:58.520 --> 33:03.200
verwandelt haben, die seit vielen Jahren nichts an den Wissenschaften,

33:03.220 --> 33:07.080
die sie vorzutragen, pflegen, verändert und gebessert haben, die noch

33:07.080 --> 33:11.460
jetzt, so wie vor zehn Jahren, ihre Kollegia in derselbigen Anzahl von

33:11.460 --> 33:16.120
Stunden und in jeder Stunde dieselbigen Untersuchungen vollenden, die

33:16.120 --> 33:20.840
ihre Vorlesungen wie ein Vaterunser auswendig wissen und ein jedes

33:20.840 --> 33:25.920
Pensum daraus ohne Vorbereitung und doch ohne Anstoß abbeten können,

33:26.180 --> 33:27.860
wenn sie nur den Anfang wissen.

33:28.220 --> 33:30.880
Vielleicht geht das Ihnen auch so, wenn Sie alte Gebete aus Ihrer

33:30.880 --> 33:34.800
Kindheit noch so reproduzieren können, wenn Sie nur mal so den Start

33:34.800 --> 33:35.420
hinkriegen.

33:35.420 --> 33:41.340
Und er fährt dann weiter, die akademische Lebensart muss notwendig das

33:41.340 --> 33:45.440
glücklichste Genie zu einem eingeschränkten Kopfe und zum Pedanten

33:45.440 --> 33:45.820
machen.

33:46.320 --> 33:49.520
Denn die öftere Wiederholung der Vorlesung, so fährt er dann weiter,

33:49.660 --> 33:53.000
Sätze, die man zehn oder mehrere Jahre als Wahrheiten vorgetragen hat,

33:53.440 --> 33:57.860
führt eben dann dazu, dass die Überzeugung von ihrer Wahrheit, der

33:57.860 --> 34:02.400
Wahn von Untrüglichkeit, dogmatischer Stolz und entscheidende

34:02.400 --> 34:06.200
Zuversicht eben zunimmt und diese machen die ersten Grundlage der

34:06.200 --> 34:10.740
ekelhaften Pedanterei aus, von der die wenigsten alten oder dem Alter

34:10.740 --> 34:13.260
sich nähernden Professoren frei sind.

34:14.220 --> 34:18.600
Es ist also gewissermassen eine Berufskrankheit, dass man zum Pedant

34:18.600 --> 34:22.140
wird, wenn man ebenso in dieser alten Universität diese Vorlesung

34:22.140 --> 34:22.620
gehalten hat.

34:22.880 --> 34:25.220
Forschendes Lernen, würde ich sagen, verhütet insofern

34:25.220 --> 34:28.340
Berufskrankheit, dass man nicht so herauskommt, wie das da Meiners

34:28.340 --> 34:29.500
beschreibt.

34:30.270 --> 34:34.160
Also wäre mindestens doch schon ein guter Grund für Forschendes

34:34.160 --> 34:34.440
Lernen.

34:35.300 --> 34:40.100
Nun, bei diesen Formulierungen, Einheit von Forschung und Lehre oder

34:40.100 --> 34:44.000
Verknüpfung von Forschung und Lehre, da bin ich natürlich auch

34:44.000 --> 34:50.500
nachdenklich geworden, was denn eigentlich auch hinter der

34:50.500 --> 34:54.280
Formulierung steckt, welche hier am KIT verwendet wird.

34:56.240 --> 34:57.360
Lehre, Hochforschung.

34:58.920 --> 35:02.040
Ich würde mal vermuten, Sie kennen alle die Geschichte viel besser als

35:02.040 --> 35:04.480
ich, warum das hier so heisst.

35:04.960 --> 35:08.240
Ich habe dann als Erläuterung gelesen, dass das Vorhaben die

35:08.240 --> 35:10.660
Zielsetzung verfolgt einer flächendeckend umgesetzten,

35:10.740 --> 35:14.280
forschungsorientierten Lehre durch die frühe Einbeziehung aller

35:14.280 --> 35:17.780
Studierenden in Forschungsprojekte einerseits sowie durch nachhaltige

35:17.780 --> 35:21.940
Verbesserung der Lehrqualität unter Berücksichtigung des Grundsatzes

35:21.940 --> 35:24.160
Lehre folgt Forschung andererseits.

35:24.600 --> 35:31.120
Auch Lehre folgt Forschung ist eine Formulierung, die sicherlich auch

35:31.120 --> 35:32.760
diskutiert werden könnte.

35:33.580 --> 35:36.540
Aber bleiben wir mal bei Lehre, Hochforschung.

35:37.460 --> 35:42.480
Da wird also in meinem Verständnis Lehre durch Forschung potenziert.

35:43.320 --> 35:46.580
Was meint dies denn eigentlich ganz genau, habe ich mich dann gefragt

35:46.580 --> 35:51.240
und auch habe ich mich gefragt, ob es eigentlich auch umgekehrt heißen

35:51.240 --> 35:51.720
könnte.

35:52.020 --> 35:53.240
Forschung, Hochlehre.

35:54.080 --> 35:56.100
Und was wäre ganz genau die Differenz?

35:57.300 --> 36:00.580
Das wäre vielleicht auch eine Frage, die wir noch aufgreifen können.

36:01.620 --> 36:04.460
Nun jedenfalls, die Verbindung von Lehre und Forschung in der modernen

36:04.460 --> 36:09.440
Universität kann also unterschiedliche Ausprägungen annehmen und ich

36:09.440 --> 36:13.120
kann hier nur vielleicht noch abschließend zu diesem Kapitel anfügen,

36:13.120 --> 36:19.900
dass es auch natürlich Konzepte gibt, die diese Zusammenführung zweier

36:19.900 --> 36:22.320
Begriffe mit einem dritten Begriff auch noch ergänzt.

36:22.360 --> 36:22.740
Im 20.

36:22.900 --> 36:25.760
Jahrhundert gibt es einige Konzepte, die das machen, die Erziehung

36:25.760 --> 36:26.380
noch anhängen.

36:26.520 --> 36:30.060
Also Lehre, Forschung, Erziehung, das kommt dann allerdings nicht

36:30.060 --> 36:32.720
besonders gut an in der Hochschuldiskussion, kommt auch bei den

36:32.720 --> 36:36.880
Studierenden gar nicht gut an, aber diese Konzeptionen gibt es auch.

36:37.660 --> 36:43.020
Nun, dieser Forschungsimperativ hat also Implikationen auch auf den

36:43.020 --> 36:46.500
zentralen Leistungsbereich der Universitäten, auf den traditionellen

36:46.500 --> 36:50.220
zentralen Leistungsbereich, eben auf die Lehre, die konkrete

36:50.220 --> 36:53.380
Ausgestaltung der Lehre, das haben wir bei Schleiermacher gesehen,

36:53.580 --> 36:59.300
könnte dann eben so aussehen, dass Forschung reproduziert wird in

36:59.300 --> 37:01.160
einer gewissen Form in der Vorlesung.

37:01.480 --> 37:05.820
Es gibt dann selbstverständlich auch andere Möglichkeiten, auf die ich

37:05.820 --> 37:08.040
dann beim Forschendenlernen zu sprechen komme.

37:08.580 --> 37:12.740
Aber dieser Forschungsimperativ zeigt sich beispielsweise dann auch in

37:12.740 --> 37:15.840
der Studiengangsgestaltung, Sie finden ab dem 19.

37:16.120 --> 37:19.900
Jahrhundert beispielsweise auch viel deutlicher eine Thematisierung

37:19.900 --> 37:23.580
der Forschungsmethoden in der Lehre, das war vorher kein großes

37:23.580 --> 37:26.560
curriculares Thema, das kommt jetzt dazu, also auch die Studierenden

37:26.560 --> 37:27.660
werden da eingebunden.

37:28.220 --> 37:31.180
Und man kann sich auch überlegen, ob die Forschungsarbeit, die zum

37:31.180 --> 37:36.180
Abschluss eines Studiums verlangt wird, ob das nicht auch diesem

37:36.180 --> 37:39.920
Forschungsimperativ eben geschuldet ist, und zwar so, dass die

37:39.920 --> 37:44.000
Forschungsleistung, die am Schluss also erbracht wird, eigentlich so

37:44.000 --> 37:47.240
etwas ist, wie die neue Prüfungsgebühr, also die hohen

37:47.240 --> 37:51.800
Prüfungsgebühren, die die vormoderne Universität charakterisieren,

37:51.960 --> 37:52.320
ablöst.

37:53.620 --> 37:58.120
Nun, die andere Formel ist die Formel Bildung durch Wissenschaft, da

37:58.120 --> 38:01.560
haben wir nun eine andere Perspektive als bei der Formel Verknüpfung

38:01.560 --> 38:04.480
von Forschung und Lehre, weil hier eben jetzt nicht die

38:04.480 --> 38:07.280
Professorenperspektive eingenommen wird, sondern eigentlich die

38:07.280 --> 38:09.520
Perspektive der Studierenden.

38:10.180 --> 38:13.380
Eigentlich eine typische deutschsprachige Formel, Bildung durch

38:13.380 --> 38:13.760
Wissenschaft.

38:14.160 --> 38:18.060
Es gibt immer wieder Schwierigkeiten, wenn das ins Englische übersetzt

38:18.060 --> 38:18.620
werden soll.

38:19.260 --> 38:24.500
Es gibt mir keine bekannte, elegante und stimmige Übersetzung ins

38:24.500 --> 38:24.980
Englische.

38:24.980 --> 38:30.200
Die Humboldt-Universität zu Berlin, die sich ja ganz stark diesem

38:30.200 --> 38:33.800
Postulat Bildung durch Wissenschaft verpflichtet fühlt, hat das in

38:33.800 --> 38:37.800
ihrem eigenen Selbstverständnis dann so übersetzt Educating Inquiring

38:37.800 --> 38:38.800
Minds.

38:39.380 --> 38:42.180
Ich würde jetzt in der Rückübersetzung vielleicht nicht gerade auf

38:42.180 --> 38:46.120
Bildung durch Wissenschaft kommen, aber es ist ein Versuch, das eben

38:46.120 --> 38:47.620
ins Englische zu übertragen.

38:48.580 --> 38:53.240
Der Bildungshistoriker Heinz-Elmar Tenort hat mehrmals darauf

38:53.240 --> 38:57.440
hingewiesen, dass diese Formel keineswegs historisch eindeutig

38:57.440 --> 38:58.160
bestimmt ist.

38:58.260 --> 39:00.760
Sie wird ja sehr häufig auf Humboldt zurückgeführt.

39:01.220 --> 39:04.800
Bei ihm ist allerdings diese wörtliche Formulierung so nicht zu

39:04.800 --> 39:05.160
finden.

39:05.920 --> 39:11.580
Vielmehr, darauf weist auch Tenort hin, lassen sich vielfältige

39:11.580 --> 39:14.280
Varianten dieses Programms unterscheiden.

39:14.700 --> 39:19.140
Und eine Variante dieses Programms Bildung durch Wissenschaft ist dann

39:19.140 --> 39:22.840
eben eine spezifische Lehrform, also gewissermaßen eine

39:22.840 --> 39:26.720
hochschuldidaktische Reformulierung dieses Postulats.

39:27.520 --> 39:33.060
Und gleichzeitig, und da werde ich darauf aufmerksam machen, ist das

39:33.060 --> 39:36.940
eben das, was sich die Bundesassistentenkonferenz in ihrer

39:36.940 --> 39:40.500
Initialschrift, was sie da ausbreitet.

39:41.720 --> 39:45.300
Die Formel Bildung durch Wissenschaft lässt sich natürlich auch noch

39:45.300 --> 39:49.420
daraufhin befragen, welche Alternativen es denn gäbe.

39:49.420 --> 39:52.760
Bildung ist ja nicht nur Zielsetzung der Hochschulstufe, Bildung ist

39:52.760 --> 39:57.740
auch Zielsetzung der anderen Stufen des Bildungssystems und es gibt

39:57.740 --> 40:01.180
offensichtlich auch andere Wege, wie Bildung zu erreichen ist.

40:01.460 --> 40:04.480
Es gibt auch historisch andere Varianten, beispielsweise Bildung durch

40:04.480 --> 40:06.600
Reisen, die klassischen Bildungsreisen im 18.

40:06.860 --> 40:12.200
Jahrhundert, die Grand Tour, die da zu den Sehenswürdigkeiten geführt

40:12.200 --> 40:13.020
haben.

40:13.300 --> 40:16.100
Man könnte sich auch fragen, Bildung durch Praxiserfahrung, wäre das

40:16.100 --> 40:18.280
vielleicht auch ein Programm, das möglich wäre?

40:18.280 --> 40:21.320
Aber es ist jedenfalls jetzt Bildung durch Wissenschaft und auf diese

40:21.320 --> 40:23.800
Formel bezieht sich also eben auch diese Schrift der

40:23.800 --> 40:26.800
Bundesassistentenkonferenz, auf die ich jetzt eingehen möchte.

40:27.160 --> 40:31.120
Eine Schrift, die vor 50 Jahren erstmals publiziert wurde.

40:31.320 --> 40:36.000
Die Bundesassistentenkonferenz wurde 1968 gegründet, hat nur kurze

40:36.000 --> 40:41.240
Zeit bestanden, bis 1974, war aber in diesen knappen sechs Jahren

40:41.240 --> 40:47.900
unglaublich produktiv, hat sehr viele Publikationen da veröffentlicht,

40:48.400 --> 40:52.840
unter anderem eben dieses Heft 5, der sogenannten Blauen Reihe, mit

40:52.840 --> 40:55.620
dem Titel Forschendes Lernen, Wissenschaftliches Prüfen.

40:56.060 --> 40:59.980
Man muss sich das mal vorstellen, von dieser Publikation wurden über

40:59.980 --> 41:02.180
100.000 Exemplare verkauft.

41:02.840 --> 41:04.280
Also ein riesiger Erfolg.

41:04.700 --> 41:07.620
Ich weiss nicht, wer von Ihnen Publikationen hat, die diese

41:07.620 --> 41:12.160
Grössenordnung erreichen, ich gehöre also definitiv nicht dazu.

41:14.560 --> 41:18.620
Die Bundesassistentenkonferenz schliesst also an die genannten Formeln

41:18.620 --> 41:24.860
an, so etwa, wenn es heisst, Zitat nun, «Dem Postulat der Einheit von

41:24.860 --> 41:29.440
Forschung und Lehre entspricht das Postulat der Einheit von Forschung

41:29.440 --> 41:35.080
und Lernen.» Forschendes Lernen ist in dieser Schrift der

41:35.080 --> 41:38.760
Bundesassistentenkonferenz einige Merkmale charakterisiert, die eine

41:38.760 --> 41:43.500
strukturelle Gleichheit zwischen studentischem Tun und der Tätigkeit

41:43.500 --> 41:45.580
von Forscherinnen und Forschern betonen.

41:46.220 --> 41:50.240
Dazu gehört beispielsweise die selbstständige Wahl des Themas, eine

41:50.240 --> 41:54.920
selbstständige Strategie, ein unbegrenztes Risiko an Irrtümmen und

41:54.920 --> 41:59.140
Umwegen, wie das in dieser Schrift heisst, die Notwendigkeit, dem

41:59.140 --> 42:03.280
Anspruch der Wissenschaft zu genügen, die Prüfung des Ergebnisses

42:03.280 --> 42:07.420
hinsichtlich seiner Abhängigkeit von Hypothesen und Methoden und dann

42:07.420 --> 42:11.120
auch die Aufgabe, das erreichte Resultat klar darzustellen.

42:11.820 --> 42:17.600
Also insgesamt soll die Wissenschaft als offener, reflexiver Prozess

42:17.600 --> 42:19.760
erfahrbar und erlebbar werden.

42:20.040 --> 42:22.500
Das ist so die Stossrichtung dieses Papiers.

42:23.360 --> 42:26.800
Die Schrift schliesst beim Postulat der Bildung durch Wissenschaft an,

42:27.140 --> 42:31.480
zwar kommt die Formel in der Schrift nicht wörtlich so vor, aber es

42:31.480 --> 42:36.480
kommt eine Aufzählung vor, die gewissermaßen eine Aufgliederung der

42:36.480 --> 42:39.820
verschiedenen Aspekte beinhaltet, wenn hier geschrieben wird,

42:40.080 --> 42:43.300
wissenschaftlich, eben wissenschaftlich tätig sein, Bildung durch

42:43.300 --> 42:48.880
Wissenschaft meint, bedeutet in dieser Schrift, einerseits Ausbildung

42:48.880 --> 42:53.680
durch Wissenschaftler in einer Wissenschaft für einen auf Wissenschaft

42:53.680 --> 42:57.180
angewiesenen Beruf, der systematische, selbstständige und kritische

42:57.180 --> 43:02.320
Arbeit in einem bestimmten Gebiet verlangt und darum Teilnahme an der

43:02.320 --> 43:02.740
Wissenschaft.

43:03.060 --> 43:07.960
Mir erscheint gerade dieser letzte Punkt geht weit über Lehrmethoden

43:07.960 --> 43:12.440
hinaus, sondern meint ein grundsätzliches Verständnis, was wir da

43:12.440 --> 43:18.000
eigentlich machen in Hochschulen und wie Studierende und Dozierende

43:18.000 --> 43:19.980
zusammen da tätig sind.

43:20.300 --> 43:24.040
Von dem her, Frau Kunz, Ihre Bemerkung, liebe Kommilitoninnen und

43:24.040 --> 43:28.260
Kommilitonen, passt eigentlich so in diese Tradition, die hier auch in

43:28.260 --> 43:32.180
dieser Publikation der Bundesassistentenkonferenz eingeflossen ist.

43:33.340 --> 43:36.480
Wie sehr die Forschungsorientierung von Hochschulen als Grundprinzip

43:36.480 --> 43:41.120
gelten soll, zeigt sich insbesondere auch in der Aussage, dass das

43:41.120 --> 43:45.060
forschende Lernen als hochschuldidaktischer Angelpunkt für alle

43:45.060 --> 43:48.600
Hochschulen und eigentlich auch für alle Hochschultypen, ist gedacht,

43:48.920 --> 43:53.620
gelten soll, also insbesondere auch für die damals breit diskutierten

43:53.620 --> 43:54.860
Gesamthochschulen.

43:55.460 --> 43:59.540
Es heisst im Text der Bundesassistentenkonferenz wörtlich, Lernen als

43:59.540 --> 44:03.420
forschendes Lernen ist daher nicht nur ein didaktisches Problem der

44:03.420 --> 44:07.020
bisherigen Universitäten, sondern ein didaktisches Problem auch für

44:07.020 --> 44:11.100
Fachhochschulen und mithin auch für eine künftige Gesamthochschule.

44:11.620 --> 44:15.880
Entweder konstituiert forschendes Lernen die didaktische Einheit der

44:15.880 --> 44:19.440
Gesamthochschule oder es wird keine innere Einheit der

44:19.440 --> 44:22.780
Gesamthochschule geben, sondern nur eine formale Organisation.

44:23.900 --> 44:29.400
Das ist also wirklich der Kern, der hier beschrieben wird, dieses

44:29.400 --> 44:30.200
forschende Lernen.

44:30.820 --> 44:34.580
Gesamthochschulen sind also nicht einfach nur ein Beitrag zur

44:34.580 --> 44:39.080
Hochschuldifferenzierung und zur Steigerung der Ausbildungseffizienz

44:39.080 --> 44:42.740
im tertiären Bildungssektor, sondern es geht hier eigentlich um

44:42.740 --> 44:46.240
Grundprinzipien des wissenschaftlichen Studiums, das hier von der

44:46.240 --> 44:49.380
Bundesassistentenkonferenz angemahnt wird.

44:49.620 --> 44:51.460
Es geht eigentlich um akademische Bildung.

44:51.600 --> 44:53.620
Das steckt dahinter, das ist das Anliegen der

44:53.620 --> 44:54.860
Bundesassistentenkonferenz.

44:55.740 --> 44:59.660
Diese Konzeption der Bundesassistentenkonferenz verortet also

44:59.660 --> 45:03.840
akademische Bildung und eben auch die Zielsetzung eines akademischen

45:03.840 --> 45:09.020
Studiums in einem Referenzrahmen von drei Polen, nämlich von

45:09.020 --> 45:12.100
Wissenschaft, Person und Praxis.

45:12.100 --> 45:15.200
Praxis, sowohl berufliche wie auch gesellschaftliche Praxis.

45:15.760 --> 45:20.080
Und in diesem Einbezug, auch der beruflichen Perspektive, stimmt die

45:20.080 --> 45:27.260
Bundesassistentenkonferenz übrigens auch mit der Gründung der

45:27.260 --> 45:29.240
Universität zu Berlin zu Beginn des 19.

45:29.480 --> 45:33.460
Jahrhunderts, was also landläufig als Humboldt-Universität beschrieben

45:33.460 --> 45:35.220
wird, überein.

45:35.220 --> 45:40.280
Nämlich dort heisst es in den Statuten der Universität aus dem Jahre

45:40.280 --> 45:45.920
1816 im ersten Paragrafen, dass die Universität Berlin eben auch den

45:45.920 --> 45:50.760
Zweck habe, die Jünglinge in wissenschaftliche Bildung einzuführen und

45:50.760 --> 45:54.980
andererseits aber auch andere akademische Übungen fortzusetzen und sie

45:54.980 --> 45:57.880
zum Eintritt in verschiedenen Zweige des höheren Staats- und

45:57.880 --> 45:59.460
Kirchendienstes tüchtig zu machen.

45:59.460 --> 46:03.100
Also es ist auch damals schon keine Abkehr von sogenannten

46:03.100 --> 46:05.820
Brotstudien, wie das damals dann auch genannt wurde.

46:06.220 --> 46:10.280
Es geht nicht um zweckfreie Bildung durch Wissenschaft, sondern es

46:10.280 --> 46:14.340
geht um eine Ausbalancierung von unterschiedlichen Referenzpolen, die

46:14.340 --> 46:15.500
hier eben genannt wird.

46:15.920 --> 46:18.520
Man könnte mit einem, ich würde mal sagen, ziemlich gewagten

46:18.520 --> 46:23.880
Überschlag, akademische Bildung mit einem Verweis auf die Schrift von

46:23.880 --> 46:27.240
Kant, Streit der Fakultäten, illustrieren.

46:27.240 --> 46:32.340
In dieser Schrift erörtert Kant die innere Ordnung der Universität und

46:32.340 --> 46:36.040
stellt der unteren Fakultät, nämlich der philosophischen Fakultät, die

46:36.040 --> 46:39.800
oberen Fakultäten gegenüber, Theologie, Juristerei und Medizin.

46:40.400 --> 46:43.840
Und er sagt dann, dass das Besondere der philosophischen Fakultät

46:43.840 --> 46:48.060
darin bestehe, dass sie allein der Wahrheit der Lehren, die sie

46:48.060 --> 46:49.880
aufnehmen soll, verpflichtet sein.

46:49.880 --> 46:54.120
Sie kann insofern als frei und nur unter der Gesetzgebung der

46:54.120 --> 46:57.700
Vernunft, nicht der Regierung stehend, gedacht werden.

46:58.080 --> 47:00.280
Und in dieser Ausrichtung unterscheidet sich die philosophische

47:00.280 --> 47:03.260
Fakultät von den oberen drei Fakultäten.

47:04.020 --> 47:07.980
Bei der philosophischen Fakultät geht es um eine philosophische

47:07.980 --> 47:12.600
Nützlichkeit, weil, Zitat, auf Wahrheit alles ankommt.

47:12.700 --> 47:16.720
Und in der Universität eigentlich haben wir eine anspruchsvolle

47:16.720 --> 47:20.560
Koppelung institutionalisiert, nämlich zwischen den Verfahren der

47:20.560 --> 47:23.220
Reproduktion der gesellschaftlichen Ordnung in den

47:23.220 --> 47:27.260
professionsorientierten höheren Fakultäten und dem selbstbestimmten

47:27.260 --> 47:31.040
Denken und Forschen in der philosophischen Fakultät, welche das Wissen

47:31.040 --> 47:33.780
der oberen Fakultäten immer wieder in Frage stellen soll.

47:34.280 --> 47:37.560
Und der gewagte Überschlag wäre nun die, dass meines Erachtens das,

47:37.820 --> 47:41.360
was Kant hier beschreibt, in der akademischen Bildung, in der

47:41.360 --> 47:45.240
Vorstellung auch der Bundesassistentenkonferenz, dass diese Funktionen

47:45.240 --> 47:46.720
in der Person gekoppelt sind.

47:46.720 --> 47:50.380
Akademische Bildung bewegt sich dann eben in diesen drei Polen

47:50.380 --> 47:55.460
Wissenschaft, Praxis und Person, die in den Studienprogrammen etwas

47:55.460 --> 47:59.220
unterschiedlich ausgeprägt sein können, aber gleichwohl es geht immer

47:59.220 --> 48:01.720
um die Ausbalancierung dieser drei Pole.

48:02.180 --> 48:04.340
Und wir könnten dann sagen, Hochschulabsolventinnen und

48:04.340 --> 48:08.420
Hochschulabsolventen lassen sich charakterisieren, als sie sind

48:08.420 --> 48:10.600
funktionierende Praktikerinnen und Praktiker.

48:10.600 --> 48:15.020
Sie kommen also mit den zu erwartenden anspruchsvollen beruflichen

48:15.020 --> 48:16.800
oder gesellschaftlichen Aufgaben zurecht.

48:17.200 --> 48:21.000
Sie sind gleichzeitig zertifizierte Skeptikerinnen und Skeptiker.

48:21.520 --> 48:24.100
Das heisst, Sie fragen auch stets, könnten wir dies nicht auch ganz

48:24.100 --> 48:24.860
anders machen?

48:25.280 --> 48:26.820
Gibt es nicht noch andere Möglichkeiten?

48:27.260 --> 48:30.240
Und sie sind autonome Persönlichkeiten, sie gebrauchen ihren

48:30.240 --> 48:33.640
wissenschaftlich gebildeten Sachverstand in verantwortungsvoller

48:33.640 --> 48:33.960
Weise.

48:34.660 --> 48:38.020
Wissenschaft ist hier also Kern des Studiums und die Studierenden sind

48:38.020 --> 48:40.180
eigentlich dann die Subjekte des Studiums.

48:41.180 --> 48:44.980
Nun verlasse ich kurz die Schrift der Bundesassistentenkonferenz und

48:44.980 --> 48:47.660
schaue noch auf die Verwendung des Begriffs des Forschendenlernens

48:47.660 --> 48:48.080
heute.

48:48.660 --> 48:53.560
So kann ich ganz allgemein feststellen, der Begriff erlebt einen

48:53.560 --> 48:54.960
eigentlichen Boom.

48:55.340 --> 48:57.780
Forschendes Lernen ist überaus attraktiv.

48:58.500 --> 49:02.720
Das Forschende Lernen ist geradezu zur Zauberformel geworden und das

49:02.720 --> 49:06.140
zeigen sowohl bildungspolitische Dokumente, aber auch Expertisen und

49:06.140 --> 49:10.300
Gutachten, aber auch viele Projekte und Publikationen und an einigen

49:10.300 --> 49:12.840
muss ich zugeben, bin ich auch selber beteiligt.

49:13.400 --> 49:16.820
Sie können schauen, was nur schon in diesem Jahr publiziert wurde zum

49:16.820 --> 49:17.540
Forschendenlernen.

49:18.520 --> 49:21.720
Da müssen Sie sich beeilen, dass Sie überhaupt nachkommen, das zu

49:21.720 --> 49:22.360
lesen.

49:22.820 --> 49:25.560
Gehen wir zuerst auf bildungspolitische Dokumente.

49:25.700 --> 49:28.740
So heißt es zum Beispiel im Qualifikationsrahmen für deutsche

49:28.740 --> 49:30.580
Hochschulabschlüsse von 2017.

49:30.580 --> 49:34.480
Dieser Hochschulqualifikationsrahmen bindet den Erwerb und die

49:34.480 --> 49:38.380
Weiterentwicklung von Kompetenzen an Forschendes Lernen, das hier als

49:38.380 --> 49:40.980
wissenschaftlich, forschungsmethodisch, disziplinär und weitgehend

49:40.980 --> 49:42.300
selbst gesteuert verstanden wird.

49:42.600 --> 49:47.800
Also auch da wird das Forschende Lernen eigentlich genannt, explizit

49:47.800 --> 49:51.600
genannt, oder beispielsweise in einem Fachgutachten, wo es um

49:51.600 --> 49:55.620
Employability geht, resümierend betrachtet, er weist sich das

49:55.620 --> 49:59.420
Forschende Lernen als ein besonders ertragreiches Lehr-Lern-Format, um

49:59.420 --> 50:02.240
Studierende zum einen mit Forschungsbezügen und einer forschenden

50:02.240 --> 50:06.080
Haltung vertraut zu machen, und ihnen zum anderen gleichzeitig

50:06.080 --> 50:10.000
berufliche Feldkenntnisse sowie fachliche, personelle und soziale

50:10.000 --> 50:13.360
Kompetenzen für die spätere Berufstätigkeit zu vermitteln.

50:13.960 --> 50:17.140
Das Lehr-Lern-Format Forschendes Lernen verfügt über besondere Stärken

50:17.140 --> 50:19.660
zur Förderung des Praxisbezugs im Studium und der

50:19.660 --> 50:21.380
Beschäftigungsfähigkeit der Studierenden.

50:21.380 --> 50:24.800
Man kann sich bei solchen Formulierungen fast schon fragen, was

50:24.800 --> 50:26.600
schafft denn das Forschende Lernen nicht?

50:27.020 --> 50:30.080
Fast alle Zielsetzungen können ja da eigentlich erreicht werden.

50:30.500 --> 50:33.880
Das zeigt sich auch bei Projekten im Qualitätspakt Lehre.

50:33.980 --> 50:37.820
Es gibt einige Projekte, die zur Forschungsorientierung oder eben auch

50:37.820 --> 50:39.940
zum Forschenden Lernen durchgeführt wurden.

50:40.360 --> 50:43.480
Ein Projekt, das ich besonders interessant finde, wurde in Hamburg

50:43.480 --> 50:43.820
gemacht.

50:44.240 --> 50:49.600
Da ging es um die Frage, welche Zielsetzungen sollen verfolgt werden

50:49.600 --> 50:53.060
beim Forschenden Lernen, wenn das schon in der Studieneingangsphase

50:53.060 --> 50:54.100
integriert wird.

50:54.720 --> 50:57.480
Und Sie können das jetzt vielleicht nicht alles lesen, diese

50:57.480 --> 51:00.980
Forschungsgruppe hat nun versucht, Zielsetzungen auseinander zu

51:00.980 --> 51:03.780
dividieren, um zu klären, was wird alles da erreicht.

51:04.340 --> 51:08.140
Und Sie können dort feststellen, fast alles kann eigentlich mit

51:08.140 --> 51:09.680
Forschenden Lernen erreicht werden.

51:09.800 --> 51:14.200
Also Forschendes Lernen ist offensichtlich zur attraktiven Leitformel

51:14.200 --> 51:18.300
geworden, bedient nicht nur unterschiedliche Zielsetzungen, sondern

51:18.300 --> 51:21.560
teilweise, und das finde ich das Interessante, auch gegensätzliche

51:21.560 --> 51:22.520
Positionen.

51:23.080 --> 51:27.300
Ich kann das so konkretisieren, in der ganzen Employability-Debatte

51:27.300 --> 51:30.820
wird beispielsweise das Forschende Lernen von zwei sehr

51:30.820 --> 51:34.140
unterschiedlichen Gruppen als Beleg verwendet.

51:34.720 --> 51:38.260
Nämlich zum einen wird Forschendes Lernen gegen eine zu enge

51:38.260 --> 51:43.160
Interpretation des Berufsbezugs ins Feld geführt und zum anderen wird

51:43.160 --> 51:46.140
es auch als Antwort gesehen auf die Forderung nach mehr beruflicher

51:46.140 --> 51:47.160
Relevanz der Studiengänge.

51:47.160 --> 51:50.540
Also für beides ist offensichtlich Forschendes Lernen geeignet.

51:51.200 --> 51:55.460
Das hat meines Erachtens eben damit zu tun, dass sich das Konzept eben

51:55.460 --> 51:59.620
in diesem Referenzrahmen der drei Pole Wissenschaft, Person und Praxis

51:59.620 --> 52:03.640
bewegt und damit unterschiedliche Hochschulkonzeptionen oder

52:03.640 --> 52:07.360
unterschiedliche Studiengangskonzeptionen eben auch daran orientieren

52:07.360 --> 52:11.600
können, indem sie zwar diese Pole etwas unterschiedlich gewichten.

52:12.640 --> 52:15.840
Nun, diese Attraktivität der Formel zeigt sich auch in ein paar

52:15.840 --> 52:16.240
Zahlen.

52:16.240 --> 52:20.080
Sie haben hier die Google-Auswertung von deutschsprachigen Büchern zum

52:20.080 --> 52:20.840
Forschenden Lernen.

52:20.960 --> 52:27.360
Sie haben hier abgetragen von 1950 bis zum Jahr 2000.

52:27.480 --> 52:31.800
Sie sehen, bei 1965 beginnt es langsam zu steigen, 1970 haben Sie

52:31.800 --> 52:33.640
einen Peak, dann flacht es wieder ab.

52:34.060 --> 52:37.020
Wenn ich jetzt Ihnen die nächste Folie zeige, dann sehen Sie, wie das

52:37.020 --> 52:38.920
nach dem Jahr 2000 weitergeht.

52:39.040 --> 52:40.480
Der Maßstab ändert sich allerdings.

52:41.200 --> 52:45.040
Sie sehen dann, nach 2000 steigt das enorm an.

52:45.040 --> 52:50.500
Und Sie haben hier dann noch die besondere Pointe, dass die

52:50.500 --> 52:52.780
Schreibweise sich auch leicht ändert.

52:52.880 --> 52:55.460
Forschendes Lernen wird jetzt so geschrieben, forschend groß, also

52:55.460 --> 52:58.200
Forschendes Lernen wird eigentlich als Begriff verstanden.

52:58.560 --> 53:02.180
Auch das wäre sicher eine Frage wert, warum das so ist und ob das

53:02.180 --> 53:03.840
wirklich so geschrieben werden soll.

53:04.640 --> 53:07.680
Nun, dieser inflationäre Auftritt des Forschenden Lernens in den

53:07.680 --> 53:11.780
Hochschulpapieren und auch in Publikationen ist meines Erachtens eben

53:11.780 --> 53:14.920
auch noch einer anderen Entwicklung geschuldet, nämlich auch einer,

53:15.680 --> 53:19.020
dass sich eine neue Textsorte auch etabliert hat, nämlich die

53:19.020 --> 53:20.760
Textsorte Lehrstrategie.

53:21.460 --> 53:26.440
Unter Allgemeiner vielleicht, dass eine besondere Erwartung an die

53:26.440 --> 53:29.340
Hochschulen jetzt gestellt ist nach Profilbildung.

53:29.920 --> 53:33.320
Und beim Profilbildung eben muss man ja irgendetwas schreiben, beim

53:33.320 --> 53:36.520
Leitbild und bei solchen Strategien und da ist Forschendes Lernen

53:36.520 --> 53:38.280
immer auch passend.

53:39.820 --> 53:44.860
Und das wird sich dann auch natürlich multiplizieren, also wenn man

53:44.860 --> 53:48.140
eine Strategie hat, dann hat man nachher auch einen Aktionsplan und

53:48.140 --> 53:50.780
dann noch eine Zielüberprüfung und so weiter und immer kommt dann

53:50.780 --> 53:52.560
wieder irgendwie Forschendes Lernen vor.

53:52.860 --> 53:55.760
Man kann das aber dann auch wirklich so sehen, wenn man verschiedene

53:55.760 --> 54:00.160
Leitbilder und Strategiepapiere hier aus Baden-Württemberg miteinander

54:00.160 --> 54:00.820
vergleicht.

54:01.560 --> 54:04.160
Fast alle Hochschulen haben sowas drin, dass es irgendwie um

54:04.160 --> 54:07.020
Forschendes Lernen geht oder um Forschungsorientierung.

54:08.020 --> 54:16.740
Was mich irritiert, ist, dass hier allerdings Forschendes Lernen sehr

54:16.740 --> 54:22.640
stark als Methode thematisiert wird, auch in der didaktischen, in der

54:22.640 --> 54:24.840
hochschuldidaktischen Diskussion.

54:26.000 --> 54:30.680
Und damit bleibt meines Erachtens das, was die Radikalität des Textes

54:30.680 --> 54:34.120
der Bundesassistentenkonferenz ausmacht, bleibt etwas auf der Strecke.

54:34.120 --> 54:38.360
Und diese Radikalität möchte ich ganz kurz noch zeigen, bevor ich zu

54:38.360 --> 54:39.980
drei abschließenden Merkungen komme.

54:40.720 --> 54:44.280
Die Schrift heisst nämlich Forschendes Lernen, wissenschaftliches

54:44.280 --> 54:44.740
Prüfen.

54:44.840 --> 54:47.560
Es hat also noch einen zweiten Teil zum wissenschaftlichen Prüfen.

54:48.120 --> 54:54.020
Und diese Verknüpfung ist sehr bewusst gewählt, weil diese beiden

54:54.020 --> 54:56.560
Teile konzeptionell miteinander verbunden sind.

54:56.680 --> 55:00.280
Es heisst in dieser Schrift drin, Studienreform, wie wir sie meinen,

55:00.780 --> 55:02.940
ist ohne Prüfungsreform unmöglich.

55:02.940 --> 55:05.740
Das gilt zumal im Blick auf das Forschende Lernen.

55:06.480 --> 55:12.040
Und dann kommt das Abgehandelt zu diesem Prüfen, etwas kürzer, als das

55:12.040 --> 55:13.620
beim Forschenden Lernen der Fall ist.

55:13.900 --> 55:17.640
In acht Kapiteln werden Fragen aufgegriffen und aufgeworfen, die bis

55:17.640 --> 55:21.060
heute, meines Erachtens, bedeutsam geblieben sind.

55:21.800 --> 55:25.680
Diese Passagen beziehen sich dann allerdings ausdrücklich nur auf

55:25.680 --> 55:29.800
Prüfungen mit Rechtsfolgen und besagen, Zitat, nichts über die

55:29.800 --> 55:33.860
Notwendigkeit oder Wünschbarkeit von Prüfungen mit den didaktischen

55:33.860 --> 55:37.040
Funktionen der Rückmeldung, Selbstkontrolle und Evaluation.

55:38.060 --> 55:41.740
Und dann kommen ein paar Vorschläge zur Reform des Prüfungswesens.

55:42.600 --> 55:47.280
Und diese Vorschläge, so heisst es da, sollen so realisiert werden,

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dass sie sich in eine Richtung entwickeln, die, Zitat, eine

55:51.920 --> 55:56.980
schliessliche Abschaffung der Prüfungen nicht erschwert, sondern im

55:56.980 --> 55:58.120
Gegenteil erleichtert.

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Dieses Postulat dann, würde ich sagen, sagt eigentlich auch noch etwas

56:06.080 --> 56:11.140
ganz Grundsätzliches, oder ganz deutlich, wie grundsätzlich diese

56:11.140 --> 56:13.800
Bundesassistentenkonferenz eigentlich das so gedacht hat.

56:15.060 --> 56:19.880
Abschließend drei Überlegungen, die etwas zusammenfassen, aber

56:19.880 --> 56:25.560
gleichzeitig nochmals vielleicht noch etwas akzentuieren.

56:26.240 --> 56:29.640
Forschendes Lernen ist ja geradezu eben ein Zaubermittel geworden.

56:30.080 --> 56:33.080
Welches Problem auch gelöst werden muss, das forschende Lernen scheint

56:33.080 --> 56:35.200
die methodische Antwort darauf zu sein.

56:35.700 --> 56:38.760
Ich würde sagen, wir haben es hier mit einer übersteigerten Bedeutung

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des forschenden Lernens zu tun und wir tun ein Gut daran, an die

56:43.240 --> 56:47.880
Bedeutung der anderen Lehrformen zu erinnern, um auch die Vorteile des

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forschenden Lernens etwas zu schärfen und auch zu klären, was kann man

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wirklich mit forschendem Lernen und wo sind es vielleicht auch andere

56:54.160 --> 56:55.320
Methoden angebracht.

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Zum anderen haben wir aber hier auch nur eine Restform der damaligen

56:59.460 --> 57:00.500
Reformüberlegungen.

57:01.020 --> 57:04.780
Darauf aufmerksam macht eben beispielsweise die Frage der Prüfungen,

57:04.860 --> 57:07.520
die Abschaffung der Prüfungen, wie das da gefordert wird.

57:10.460 --> 57:15.400
Mir scheint, es geht hier eigentlich eben auch um die Frage, wie

57:15.400 --> 57:17.780
verstehen wir akademische Sozialisation?

57:18.400 --> 57:22.440
Zum Beispiel auch die Frage, wie Studierende tatsächlich als Teil der

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Scientific Community wahrgenommen werden.

57:24.880 --> 57:28.660
Kommilitonen, Kommilitonen, gehöre ich als Professor auch zu dieser

57:28.660 --> 57:29.360
Gemeinschaft.

57:29.700 --> 57:32.200
Über die Begrifflichkeit kann man vielleicht dann noch streiten.

57:32.680 --> 57:36.440
Wie sehen wir das zum Beispiel auch in der Studieneingangsphase?

57:36.440 --> 57:42.080
Die Covid-19-Bedingungen unserer eigenen Arbeitsweisen zeigen gerade

57:42.080 --> 57:45.760
einfache Möglichkeiten, Studierende in diese Wissenschaftswelt auch

57:45.760 --> 57:46.780
irgendwie einzubinden.

57:47.200 --> 57:51.380
Melanie Schliefner-Rose aus der TU Kaiserslautern hat das kürzlich so

57:51.380 --> 57:55.720
festgehalten, die zahllosen Online-Tagungen könnten insbesondere für

57:55.720 --> 57:57.300
Studierende Vorteile bieten.

57:57.620 --> 58:01.220
Die Zugangsbeschränkungen sind niedrig, man muss sich nicht gleich zu

58:01.220 --> 58:04.400
Wort melden und man kann durch die Vielzahl der Angebote auch mal

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reinschnuppern usw.

58:05.660 --> 58:08.340
Und sie fährt dann fort, wie können wir das eigentlich machen, dass

58:08.340 --> 58:10.740
Studierende da eben hineinkommen.

58:11.140 --> 58:15.980
Dass eben akademische Sozialisation auch noch anders gedacht werden

58:15.980 --> 58:18.940
muss, als nur die Addition von Lehrveranstaltungen.

58:19.900 --> 58:22.880
Zum Zweiten, breite Beteiligung.

58:23.340 --> 58:26.900
Die Schrift der Bundesassistentenkonferenz fordert ja eigentlich eine

58:26.900 --> 58:28.340
partizipative Wissenschaft.

58:28.820 --> 58:31.880
Forschendes Lernen ist eigentlich als Beteiligungskultur konzipiert.

58:32.480 --> 58:34.600
Studierende sind eben Teil dieser Scientific Community.

58:34.600 --> 58:38.300
Sie sind gewissermaßen die Novizen, die aber im Vollzug von

58:38.300 --> 58:41.140
Wissenschaft bereits einbezogen sind oder eben sein sollen.

58:42.960 --> 58:46.360
Dies alles in dieser Bundesassistentenkonferenz noch ziemlich in

58:46.360 --> 58:48.420
schöner Ordnung und in Studienreglementen.

58:49.540 --> 58:53.100
Und mit einer klaren Trennung eigentlich noch, wer gehört dazu, wer

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gehört nicht dazu, die Studierenden gehören dazu, aber die Grenzen der

58:56.020 --> 58:57.580
Hochschule, die bleiben bestehen.

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Ich könnte mir vorstellen, dass man partizipative Wissenschaft heute

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auch noch weiterdenken könnte, von den Universitäten aus, und über die

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klare Trennung nachdenken könnte, wie auch weitere Personen sich an

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Wissenschaft beteiligen können, die eben ein Interesse haben.

59:12.660 --> 59:15.720
Wie können wir diese institutionellen Grenzen überwinden?

59:15.980 --> 59:19.420
Und zwar ohne, dass sich diese Personen unbedingt in Studiengänge,

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respektive in geregelte Studiengänge, da einschreiben müssen.

59:23.820 --> 59:27.540
Wissenschaft, das zeigt die Bundesassistentenschrift, ist nicht nur

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Angelegenheit einer Sekte, sondern von uns allen.

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Und darin liegt, würde ich sagen, auch das aufklärerische Element,

59:34.940 --> 59:37.640
darüber könnten wir auch nachdenken.

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Und drittens, und das ist eigentlich, im Prinzip verstehe ich ja

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meinen Beitrag, vor allem auch als Empfehlung, die Schrift nochmals zu

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lesen, der Bundesassistentenkonferenz, das lohnt sich.

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Sie werden sich da auch überraschen lassen können, zum Beispiel auch

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eben von dieser Radikalität.

59:55.680 --> 59:58.340
Sie können sich aber auch anstecken lassen von dieser

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Grundsätzlichkeit, auch von dieser Aufbruchsstimmung, von dieser

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Zumutung gegenüber den Studierenden, was die auch machen sollen, was

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die machen können.

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Dabei sollten Sie eine Passage nicht überlesen, es heisst da in dieser

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Bundesassistentenschrift, der Leser, der sich unmittelbar verwendbare

01:00:15.900 --> 01:00:19.320
Hinweise für die Einführung forschenden Lernens in seinem Bereich

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erwartet, wird sich vielleicht enttäuscht finden.

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Der Raum und die Möglichkeit für forschendes Lernen müssen in jedem

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Sachgebiet von Dozenten wie Studenten erst wieder entdeckt und

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schöpferisch gestaltet werden.

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Diese Entdeckung und Gestaltung werden die folgenden Überlegungen

01:00:37.020 --> 01:00:42.260
anregen und ermutigen, eben insofern ist diese Schrift eine Ermutigung

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und eine Anregung für Lehrentwicklung.

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Und damit bedanke ich mich für Ihre Aufmerksamkeit.

