WEBVTT

00:00.000 --> 00:03.660
Also, ich stelle heute ein Konzept vor, was ich umsetzen werde im

00:03.660 --> 00:06.440
Rahmen einer Workshop-Reihe, nämlich für die graduierten Schule

00:06.440 --> 00:10.020
Cultures of Knowledge, die seit kurzem am KIT-Zentrum für Mensch und

00:10.020 --> 00:11.740
Technik ins Leben gerufen wurde.

00:12.400 --> 00:15.680
Und diese Workshop-Reihe trägt den Titel Digitalien, Medien in

00:15.680 --> 00:16.680
Forschung und Lehre.

00:16.960 --> 00:18.960
Sind Sie denn fit für das 21.

00:19.180 --> 00:19.500
Jahrhundert?

00:20.540 --> 00:24.740
Und letzten Endes liegt die Begründung darin, dass letzten Endes hier

00:24.740 --> 00:30.080
die digitale Wissenschaftslandschaft immer größer wird, dass digitale

00:30.080 --> 00:32.400
Kompetenzen aus der Wissenschaftslandschaft eigentlich nicht mehr

00:32.400 --> 00:33.160
wegzudenken sind.

00:33.320 --> 00:35.200
Ich könnte jetzt diesen ganzen Text vorlesen.

00:35.740 --> 00:36.560
Das überlasse ich Ihnen.

00:36.820 --> 00:39.820
Letzten Endes geht es darum, dass natürlich in der Wissenschaft immer

00:39.820 --> 00:41.400
mehr digital stattfindet.

00:41.520 --> 00:45.300
Sei es Datenerhebung, Datenauswertung oder auch das Zusammentragen von

00:45.300 --> 00:45.760
Ergebnissen.

00:45.880 --> 00:48.920
Und letzten Endes bis hin zum Publizieren ist im Grunde der gesamte

00:48.920 --> 00:52.360
Arbeitsbereich von uns Akademikerinnen und Akademikern voll

00:52.360 --> 00:53.080
digitalisiert.

00:53.640 --> 00:54.540
Zumindest in Teilen.

00:54.660 --> 00:57.400
An manchen Stellen sind natürlich immer noch analog.

00:57.720 --> 01:02.000
Man denke zum Beispiel an das klassische Interview oder auch an Dinge

01:02.000 --> 01:04.380
in den Naturwissenschaften, wenn es darum geht, Geländeübungen

01:04.380 --> 01:04.800
durchzuführen.

01:04.880 --> 01:06.680
Das lässt sich natürlich nicht vollständig digitalisieren.

01:06.780 --> 01:09.640
Aber wie gesagt, alles, was sich dann oder sehr vieles von dem, was im

01:09.640 --> 01:13.980
Anschluss an solche Forschungstätigkeiten oder auch an Lehrtätigkeiten

01:13.980 --> 01:16.480
anschließt, findet im digitalen Raum statt.

01:16.480 --> 01:23.240
Und wir haben uns ein Kompetenzmodell genommen und zwar dieses hier

01:23.240 --> 01:25.660
von Michael Eichhorn et al.

01:25.760 --> 01:28.460
von der Goethe-Universität Frankfurt, der ein Kompetenzmodell

01:28.460 --> 01:31.300
entwickelt hat für Hochschullehrende.

01:32.080 --> 01:35.040
Und in diesem Kompetenzmodell oder eigentlich ist es vielmehr ein

01:35.040 --> 01:38.800
Kompetenzraster, sind verschiedene Kompetenzen aufgelistet, die

01:38.800 --> 01:42.460
Hochschullehrende eigentlich mitbringen sollten, um eben in diesem 21.

01:42.680 --> 01:46.760
Jahrhundert ihren Job im Digitalen auch gut ausfüllen zu können oder

01:46.760 --> 01:48.440
eben kompetent handeln zu können.

01:49.440 --> 01:52.020
Und dieses Kompetenzmodell beschreibt jetzt acht Dimensionen, die

01:52.020 --> 01:55.620
jetzt hier auf diesem Kreis einmal abgetragen sind, auf die ich gleich

01:55.620 --> 01:59.020
im Detail auch nochmal im Einzelnen zu sprechen komme, und aber

01:59.020 --> 02:01.800
gleichzeitig auch durch diese konzentrischen Kreise in grüner Farbe

02:01.800 --> 02:04.420
dargestellt, auf verschiedene Stufen abgestuft sind.

02:04.540 --> 02:07.720
Und diese Stufen lehnen sich an die Blumenstein-Lernziel-Taxonomie an.

02:08.040 --> 02:10.620
Da haben wir den innersten Kreis, das ist die erste Stufe, im Grunde

02:10.620 --> 02:13.200
des Überblickswissen und die Grundlagen zu den jeweiligen

02:13.200 --> 02:14.220
Kompetenzdimensionen.

02:14.580 --> 02:17.700
Danach geht es in die praktische Anwendung, also dass wir alle, Sie

02:17.700 --> 02:21.300
selbst, diese Kompetenzen anwenden können für Ihre eigene Forschung

02:21.300 --> 02:21.920
oder Lehre.

02:22.400 --> 02:26.360
Und die dritte Stufe, daran merkt man dann, dass dieses Modell im

02:26.360 --> 02:29.640
Ursprung sich an Hochschullehrende richtet, ist dann tatsächlich die

02:29.640 --> 02:33.680
dritte Stufe, die sich mit der Weitergabe dieser Kompetenzen oder auch

02:33.680 --> 02:36.660
der Anleitung anderer beim Erwerb der Kompetenzen befasst.

02:37.200 --> 02:40.560
Und was jetzt meine Kollegen und ich vom ZML damals gemacht haben,

02:40.620 --> 02:44.640
hier steht es im Text unter Lohner Seite und Mai 2019, ist, wir haben

02:44.640 --> 02:47.580
dieses Modell genommen und haben uns überlegt, naja, im Grunde

02:47.580 --> 02:50.760
bereitet ein Hochschulstudium ja auch darauf vor, an der Hochschule

02:50.760 --> 02:51.400
tätig zu sein.

02:51.560 --> 02:54.600
Und ich selbst als Doktorand habe dann festgestellt, sobald man aus

02:54.600 --> 02:58.140
dem Studium quasi nahtlos in eine Stelle als akademischer Mitarbeiter

02:58.140 --> 03:01.960
geht, dann ist man auch in der Situation in aller Regel, dass man

03:01.960 --> 03:05.740
selbst Lehre betreibt oder lehren soll oder sogar muss.

03:05.740 --> 03:09.080
Und natürlich braucht man dann unmittelbar diese Kompetenzen.

03:09.360 --> 03:11.900
Warum also nicht schon im Studium damit beginnen, diese Kompetenzen zu

03:11.900 --> 03:14.080
vermitteln oder, so wie ich es jetzt eben vorhabe, in dieser

03:14.080 --> 03:17.420
Qualifikationsphase während der Promotion das nochmal dediziert

03:17.420 --> 03:20.380
anzuschauen und eben strukturiert entlang eines solchen Modells.

03:21.900 --> 03:25.300
Und genau das mache ich in dieser Workshop-Reihe, dass wir nämlich

03:25.300 --> 03:28.460
hergehen und uns einzelne Dimensionen aus diesem Modell nochmal in

03:28.460 --> 03:30.680
separaten Sitzungen im Detail anschauen.

03:30.680 --> 03:36.160
Und bis auf die letzte Kompetenz, also die im Modell unterste

03:36.160 --> 03:38.860
dargestellte Kompetenz, die IT-Kompetenz, da müsste eigentlich noch

03:38.860 --> 03:43.380
eine IT-Anwendungskompetenz hin, die lasse ich ein bisschen raus, weil

03:43.380 --> 03:47.420
die sich tatsächlich im Grunde nur in Anführungszeichen damit befasst,

03:47.920 --> 03:50.480
digitale Geräte und Software bedienen zu können.

03:50.680 --> 03:54.120
Also das, was wir ohnehin tagtäglich machen, sei es mit dem Smartphone

03:54.120 --> 03:57.080
in unserer Hosentasche, unserem Arbeitsgerät im Büro oder im

03:57.080 --> 04:00.400
Homeoffice oder sonst an irgendwelchen Stellen, wenn wir mit Maschinen

04:00.400 --> 04:02.680
arbeiten, die natürlich auch digital bedient werden.

04:03.540 --> 04:06.620
Jetzt ist eine Dimension hier noch blau eingefärbt, nämlich das

04:06.620 --> 04:07.800
digitale Lernen.

04:08.340 --> 04:11.280
Und das entstammt eben dieser Abbildung, die wir speziell für die

04:11.280 --> 04:13.540
Studierenden entwickelt haben.

04:14.080 --> 04:17.820
Im Originalmodell von Archon steht dort natürlich die digitale Lehre.

04:17.820 --> 04:21.040
Wenn ich jetzt dieses Modell auf diese graduierten Schule, für die ich

04:21.040 --> 04:24.800
die Workshop-Reihe vorbereite, beziehe, dann müsste da korrekterweise

04:24.800 --> 04:29.420
ein digitales Lehren und Lernen stehen, denn wir Promovierende sind ja

04:29.420 --> 04:32.640
immer noch in der Lage, dass wir uns selbst weiterqualifizieren und

04:32.640 --> 04:36.260
immer wieder neue Dinge lernen, in Klammern sollen, so wie eigentlich

04:36.260 --> 04:40.080
alle an der Hochschule, wenn wir uns das Stichwort lebenslanges Lernen

04:40.080 --> 04:40.580
mal anschauen.

04:41.580 --> 04:45.320
Ich habe mir jetzt erlaubt, diese einzelnen Dimensionen nicht

04:45.320 --> 04:48.180
unbedingt besonders in einer separaten Reihenfolge oder in einer

04:48.180 --> 04:50.900
spezifischen Reihenfolge durchzugehen und sie heißen auf den

04:50.900 --> 04:54.120
Folgefolien auch ein bisschen anders, aber sie decken jeweils pro

04:54.120 --> 04:55.800
Folie eine dieser Dimensionen ab.

04:57.220 --> 05:00.560
Und ich gehe so ein bisschen darauf ein, was da runter zu verstehen

05:00.560 --> 05:00.680
ist.

05:00.720 --> 05:03.800
Ich habe zu jeder Kompetenzdimension eine Leitfrage formuliert, die

05:03.800 --> 05:06.380
die Teilnehmenden dieser Workshop-Reihe am Ende dieser Session jeweils

05:06.380 --> 05:08.180
für sich beantworten können und sollten.

05:09.000 --> 05:12.220
Und ich denke, das sind genau die Leitfragen, die Sie auch entweder

05:12.220 --> 05:16.000
sich selbst oder mit Ihren Studierenden stellen können oder auch mit

05:16.000 --> 05:16.920
Ihren eigenen Promovierenden.

05:17.060 --> 05:17.620
Warum eigentlich nicht?

05:18.940 --> 05:22.020
Und genau diese Folien würde ich einmal kurz vorstellen.

05:26.280 --> 05:30.120
Der erste Punkt betrifft das digitale Lehrmaterial und da steckt die

05:30.120 --> 05:33.200
Leitfrage dahinter, wie kann ich denn digitale Lehrmaterialien

05:33.200 --> 05:35.440
erstellen und worauf sollte ich dabei achten?

05:35.440 --> 05:38.500
Das heißt, hier geht es jetzt natürlich genau um das, was wir seit

05:38.500 --> 05:42.920
etwa einem Jahr in dieser Pandemie auch tagtäglich tun, nämlich wir

05:42.920 --> 05:46.320
generieren unser Material für die Lehre, für die akademische Lehre

05:46.320 --> 05:49.440
digital in verschiedenen Formen.

05:50.280 --> 05:52.980
Das kann jetzt das sein, was hier genannt ist, dass ich zum Beispiel

05:52.980 --> 05:55.240
ein kleines Lehrvideo selbst produziere.

05:55.380 --> 05:57.720
Das war bis vor der Pandemie sicherlich nicht Tagesgeschäft von allen

05:57.720 --> 05:58.060
von uns.

05:58.680 --> 06:01.440
Mein persönliches schon, eben weil ich auch am Zentrum für mediales

06:01.440 --> 06:04.160
Lernen arbeite, wo das natürlich eines unserer großen Standbeine ist.

06:04.820 --> 06:07.860
Aber es geht natürlich auch darum, ganz klassische Lehrvorträge, sei

06:07.860 --> 06:11.760
es mit PowerPoint-Folien oder anderen Präsentationsmedien, visuell zu

06:11.760 --> 06:12.180
gestalten.

06:12.300 --> 06:14.980
Denn natürlich kann ich, so wie ich das jetzt hier mache, das KIT

06:14.980 --> 06:17.880
Corporate Layout verwenden oder ich kann mir viel mehr Gedanken

06:17.880 --> 06:20.380
darüber machen, wie ich bestimmte Inhalte darstelle.

06:20.820 --> 06:24.240
Spätestens wenn es darum geht, wissenschaftliche Messergebnisse zu

06:24.240 --> 06:26.540
präsentieren, gibt es natürlich eine ganze Fülle an

06:26.540 --> 06:31.600
Darstellungsformen, die für bestimmte Datenarten mal besser, mal

06:31.600 --> 06:32.640
weniger gut geeignet ist.

06:33.500 --> 06:37.780
Und wenn ich schon Lehrmaterial erstelle, kann ich mich natürlich auch

06:37.780 --> 06:41.160
darum kümmern, ob ich das anderen zur Verfügung stellen kann, in Form

06:41.160 --> 06:44.800
von den sogenannten Open Educational Resources, also frei verfügbaren

06:44.800 --> 06:49.140
Bildungsmaterialien, die ich unentgeltlich ins Netz stellen kann,

06:49.260 --> 06:53.180
sodass andere, die sich auch wieder unentgeltlich derer bedienen

06:53.180 --> 06:53.500
können.

06:56.640 --> 07:00.380
Die zweite Kompetenz, die ich hier vorstellen möchte, ist genau das,

07:00.420 --> 07:03.360
was ich vorhin schon gesagt habe, dieses digitale Lehren und Lernen.

07:03.480 --> 07:05.980
Das ist tatsächlich mein ganz persönliches Steckenpferd, zu dem ich

07:05.980 --> 07:06.500
auch lehre.

07:07.240 --> 07:11.340
Das ist nämlich die Frage, wie kann ich denn den Implikationen gerecht

07:11.340 --> 07:15.580
werden, die sich aus der Digitalisierung ergeben, für diese

07:15.580 --> 07:17.620
wechselseitige Beziehung von Lehren und Lernen.

07:17.620 --> 07:20.440
Denn das eine kann ohne das andere in der Regel nicht stattfinden.

07:20.640 --> 07:22.760
Lernen vielleicht schon ohne Lehren, aber Lehren kann eigentlich ohne

07:22.760 --> 07:23.880
Lernen wirklich stattfinden.

07:25.080 --> 07:29.680
Und die Fragen, die wir da behandeln wollen, sind unter anderem die

07:29.680 --> 07:32.400
nach der Bedeutung des Like-Medien-Wechsels für Hochschulen.

07:32.400 --> 07:35.680
Also wir sind ja im Moment an einem Punkt, historisch betrachtet, an

07:35.680 --> 07:39.820
dem immer mehr Dinge sich eher am Digitalen orientieren als vielleicht

07:39.820 --> 07:45.240
noch vor 30, 40, 50 Jahren, wo quasi das gedruckte Buch oder der

07:45.240 --> 07:48.000
gedruckte Buchstabe das Maß der Dinge war.

07:48.000 --> 07:53.260
Also wir müssen uns einfach damit anfreunden, dass dieses Like-Medium

07:53.260 --> 07:55.880
unserer Gesellschaft sich im Moment wechselt, wenn nicht dieser

07:55.880 --> 07:58.840
Wechsel schon lange vollzogen ist und sich vielleicht die Hochschulen

07:58.840 --> 08:02.080
in ihrer trägen Art und Weise dem immer noch ein bisschen verwehren.

08:02.940 --> 08:06.960
Der zweite Punkt, der hier steht, das ist die Kultur der Digitalität

08:06.960 --> 08:10.780
und das bezieht sich als Begriff tatsächlich auf das gleichnamige Buch

08:10.780 --> 08:13.080
von Felix Stalder, das 2016 erschienen ist.

08:13.080 --> 08:19.980
Felix Stalder ist Kulturhistoriker und beschreibt darin auch, dass

08:19.980 --> 08:21.880
sich die Gesellschaft im Grunde gewandelt hat.

08:22.040 --> 08:26.960
Durch die omnipräsente Verfügbarkeit des Internets verändern sich

08:26.960 --> 08:28.200
einfach gesellschaftliche Bedingungen.

08:28.200 --> 08:32.160
Es ist heutzutage leichter denn je für noch so kleine Randgruppen und

08:32.160 --> 08:38.320
jeden Einzelnen von uns teilzuhaben an gesellschaftlichen Debatten und

08:38.320 --> 08:43.540
Diskursen, eben über dieses wie zum Beispiel Lisa Rosa, ihres Zeichens

08:43.540 --> 08:46.620
Lehrerfortbildnerin in Hamburg, glaube ich, inzwischen im Ruhestand

08:46.620 --> 08:51.060
sagt, über dieses Kulturzugangsgerät, womit sie das Smartphone meint.

08:51.980 --> 08:54.800
Also da tut sie einfach im Moment sehr viel und wie gesagt, dieses

08:54.800 --> 08:57.340
Buch von Felix Stalder kann ich nur empfehlen für jeden, der sich

08:57.340 --> 08:58.540
damit auseinandersetzen möchte.

08:59.160 --> 09:02.000
Und die letzte Frage ist dann die Frage nach postdigitaler

09:02.000 --> 09:02.640
Hochschulbildung.

09:03.040 --> 09:05.880
Postdigital bedeutet in dem Sinne dann, dass wir nicht mehr darüber

09:05.880 --> 09:09.280
nachdenken, wie können wir dies oder jenes auch digital durchführen,

09:09.660 --> 09:12.740
sondern dass wir das Digitale einfach als gegeben hinnehmen, genauso

09:12.740 --> 09:16.220
selbstverständlich verstehen wie den Strom aus der Steckdose oder das

09:16.220 --> 09:17.040
Wasser aus der Leitung.

09:17.040 --> 09:21.240
Sodass die Frage, welchen Artikel lese ich, sich nicht mehr daran

09:21.240 --> 09:23.500
orientiert, ist der in einem bestimmten Zeitschrift erschienen oder

09:23.500 --> 09:25.480
ist der vielleicht auf irgendeinem wissenschaftlichen Blog im Internet

09:25.480 --> 09:29.300
erschienen, sondern dass es wirklich um die Inhalte geht und gar nicht

09:29.300 --> 09:30.920
mehr um die Form des Mediums.

09:32.640 --> 09:37.340
Die dritte Kompetenzdimension ist das digitale Wissensmanagement.

09:37.700 --> 09:40.480
Und da steht die Frage dahinter oder darüber, wie kann ich denn mein

09:40.480 --> 09:43.780
eigenes Wissen und natürlich auch meine eigenen Daten digital

09:43.780 --> 09:44.300
verwalten.

09:44.300 --> 09:45.920
In zum Beispiel Wissensdatenbanken.

09:46.040 --> 09:46.820
Wie kann ich da vorgehen?

09:47.400 --> 09:47.800
Wissensmanagement.

09:48.160 --> 09:50.940
Da geht es auch ein bisschen dann um Forschungsdatenmanagement, wobei

09:50.940 --> 09:54.100
das nah an anderen Themenbereichen nochmal liegt, aber auch nochmal

09:54.100 --> 09:56.520
ganz intensiv um das Thema Wissenssoziologie.

09:56.720 --> 09:59.320
Also auch so Dinge wie, wie wird eigentlich Wissen generiert?

09:59.580 --> 10:00.840
Wie kann ich Wissen festhalten?

10:00.980 --> 10:03.060
Wie kann ich Wissen für andere nutzbar machen?

10:03.200 --> 10:04.960
Und das sind alles Fragen, die natürlich gerade in den

10:04.960 --> 10:07.560
Geisteswissenschaften ganz intensiv diskutiert werden.

10:08.700 --> 10:12.960
Für mich kristallisiert sich diese Frage ein bisschen an den Punkt,

10:13.480 --> 10:16.560
wie gelangen wir als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

10:16.560 --> 10:17.660
eigentlich an neue Erkenntnisse?

10:18.100 --> 10:22.920
Also im Prozess zum Beispiel, wenn ich Texte lese, wie schreibe ich

10:22.920 --> 10:25.620
mir Dinge auf und wie generiere ich aus diesen Notizen, die ich ja

10:25.620 --> 10:29.120
dann vielleicht auch digital festgehalten habe, wieder neue Artikel?

10:29.120 --> 10:31.060
Also wie funktioniert da dieser Transfer?

10:31.160 --> 10:33.680
Wie kann ich den für mich bestmöglich organisieren?

10:35.440 --> 10:39.860
Die nächste Kompetenz ist dann das digitale wissenschaftliche Arbeiten

10:39.860 --> 10:40.620
und Forschen.

10:40.880 --> 10:43.320
Also wie und wo kann ich denn meine wissenschaftlichen Ergebnisse

10:43.320 --> 10:45.640
digital publizieren und bekannt machen?

10:45.640 --> 10:48.800
Und da spielen natürlich diese gigantischen Themenbereiche rund um das

10:48.800 --> 10:52.620
Thema Openness, sei es Open Access, Open Data, vielleicht auch Open

10:52.620 --> 10:56.780
Science oder sowas, dann geht ja schon fast in Richtung Citizen

10:56.780 --> 10:57.160
Science.

10:57.260 --> 11:00.940
Also wie kann ich die Wissenschaft als solche möglichst weit öffnen

11:00.940 --> 11:04.040
und das eben nicht nur der Wissenschafts-Community gegenüber, sondern

11:04.040 --> 11:06.960
auch der Allgemeinheit gegenüber, sodass sie auch verständlich wird.

11:06.960 --> 11:10.780
Und spätestens, wenn ich mich dann damit befasse, wie ich denn Dinge

11:10.780 --> 11:13.960
veröffentlichen kann, muss ich mich auch damit auseinandersetzen, wie

11:13.960 --> 11:15.420
bestimmte Lizenzmodelle ausschauen.

11:15.560 --> 11:18.380
Also gerade beim Thema Open Access ist ja seit einiger Zeit in aller

11:18.380 --> 11:21.980
Munde, dass es da doch unterschiedliche Vorstellungen gibt zwischen

11:21.980 --> 11:24.560
dem, was viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler meinen und

11:24.560 --> 11:27.960
dem, was einige Wissenschaftsverlage meinen, was denn der Gesellschaft

11:27.960 --> 11:29.220
am besten täte.

11:31.340 --> 11:35.820
Der nächste Punkt ist dann die digitale Identität und Karriereplanung

11:35.820 --> 11:36.520
in der Wissenschaft.

11:36.880 --> 11:39.680
Denn auch hier kann ich mir die Frage stellen, mit welchen Sozialen

11:39.680 --> 11:42.800
Medien kann ich denn meine Karriere in der Wissenschaft am besten

11:42.800 --> 11:43.580
befördern?

11:43.580 --> 11:47.240
Sind das die klassischen Sozialen Medien, wie Twitter, ein eigenes

11:47.240 --> 11:49.100
Blog oder vielleicht auch noch Facebook und Instagram?

11:49.680 --> 11:53.160
Oder sind es eher die speziell auf die Wissenschaft zugeschnittenen

11:53.160 --> 11:57.940
Sozialen Medien, wie zum Beispiel ResearchGate oder Academia.edu oder

11:57.940 --> 12:01.080
die OrgID, die ich mir auch anlegen kann als Wissenschaftler, aber

12:01.080 --> 12:01.860
sicherlich nicht muss.

12:01.860 --> 12:05.780
Aber viele werden das sicherlich empfehlen und ich habe das auch erst

12:05.780 --> 12:08.700
im Laufe meiner Promotion mir angelegt und noch lange nicht im

12:08.700 --> 12:09.080
Studium.

12:09.900 --> 12:12.400
Wobei ja inzwischen es doch auch gar nicht gäbe, ist, dass man bereits

12:12.400 --> 12:14.860
während des Studiums an Artikeln mitschreibt, sodass es vielleicht

12:14.860 --> 12:17.540
sinnvoll ist, diesen Schritt viel früher zu gehen, als zum Beispiel

12:17.540 --> 12:18.360
ich ihn gemacht habe.

12:20.260 --> 12:22.560
Oder sollte ich mich als Wissenschaftler doch lieber auf den

12:22.560 --> 12:25.600
klassischen Karriere-Netzwerken wie LinkedIn, Xing oder ähnlichen

12:25.600 --> 12:26.040
tummeln?

12:26.280 --> 12:29.160
Und da gibt es natürlich für jedes Netzwerk bestimmte Stärken und

12:29.160 --> 12:32.040
Schwächen, die man für sich nutzen kann oder eben auch nicht.

12:32.300 --> 12:34.720
Aber die Frage ist immer, wie bei allen Dimensionen, die ich bisher

12:34.720 --> 12:39.100
aufgezählt habe, mache ich das bewusst und weiß ich, dass ich mich

12:39.100 --> 12:41.340
jetzt in diesem Themenbereich aufhalte?

12:41.340 --> 12:44.680
Oder mache ich es einfach nur, weil ich es sowieso mache oder weil ich

12:44.680 --> 12:47.520
es gewohnt bin oder weil ich es sowieso immer mal machen wollte?

12:47.800 --> 12:50.260
Dann passiert dieser Prozess aber wenig reflektiert und entsprechend

12:50.260 --> 12:51.520
auch wenig strukturiert.

12:54.360 --> 12:58.140
Und dann gibt es noch die Kompetenzdimension des digitalen

12:58.140 --> 13:01.220
Kommunizierens und Zusammenarbeitens, also im Grunde das, was wir hier

13:01.220 --> 13:01.420
machen.

13:01.840 --> 13:04.240
Nämlich mit welchen digitalen Prozessen kann ich denn Kooperation in

13:04.240 --> 13:05.680
der Wissenschaft fördern oder umsetzen?

13:06.080 --> 13:09.480
Also wie kann ich über den digitalen Raum gemeinsam mit anderen

13:09.480 --> 13:11.740
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern oder eben Studierenden

13:11.740 --> 13:12.940
zusammenarbeiten?

13:12.940 --> 13:15.060
Da haben wir natürlich auch jetzt während der Pandemie einen

13:15.060 --> 13:20.900
gigantischen Schub erlebt, durch den es uns erlaubt wurde, Dinge zu

13:20.900 --> 13:22.440
nutzen, die wir vorher nicht nutzen durften.

13:22.660 --> 13:25.380
Erstmal nur auf Zeit, aber letzten Endes gibt es ja solche Tools schon

13:25.380 --> 13:25.640
länger.

13:26.820 --> 13:29.800
Und ich muss im Grunde alle Prozessschritte während eines

13:29.800 --> 13:32.980
Forschungsprojekts inzwischen auch digital durchführen können oder

13:32.980 --> 13:35.960
eben remote, weil mein Team über den ganzen Globus verteilt ist.

13:35.960 --> 13:38.860
Also um zum Beispiel das Projektmanagement zu nennen und natürlich

13:38.860 --> 13:42.620
auch die ganze Kommunikation über Videokonferenzen.

13:42.740 --> 13:45.320
Das fällt uns jetzt natürlich sehr leicht, weil wir uns alle hier

13:45.320 --> 13:48.460
irgendwie am KIT befinden, aber es ist ja auch denkbar, dass man zum

13:48.460 --> 13:51.240
Beispiel internationale Kooperationen hat, wo es dann schon anfängt,

13:51.340 --> 13:54.380
einen Termin für die Videokonferenz zu finden, der hoffentlich für

13:54.380 --> 13:55.540
niemanden nachts um drei ist.

13:56.420 --> 13:59.180
Und natürlich kann ich auch alle möglichen agilen Methoden in der

13:59.180 --> 14:01.700
Wissenschaft, das schließt so ein bisschen sehr an das digitale

14:01.700 --> 14:05.400
Projektmanagement an, nutzen und für meine Projekte, sei es jetzt ein

14:05.400 --> 14:08.940
Forschungsprojekt mit DFWG-Mitteln oder sei es nur die Gruppenarbeit

14:08.940 --> 14:12.080
im Seminar XY zu bewerkstelligen.

14:13.340 --> 14:17.520
Und die letzte Kompetenzdimension, die sicherlich die komplexeste ist,

14:17.620 --> 14:21.380
weil dort alles zusammenfließt, was ich bisher vorgestellt habe, ist

14:21.380 --> 14:24.300
die Analyse und Reflexion digitaler Medien im Wissenschaftskontext.

14:24.700 --> 14:27.180
Also da muss ich mir dann die Frage stellen, nach welchen Kriterien

14:27.180 --> 14:31.980
kann ich Medien eigentlich bewerten und welchen Vorannahmen unterliege

14:31.980 --> 14:34.020
ich da vielleicht mit meinem eigenen Medienhandeln?

14:34.020 --> 14:36.000
Also welche Biases kommen da zum Tragen?

14:36.300 --> 14:39.560
Sind meine Medien, die ich erzeuge, um auf diese digitale Produktion

14:39.560 --> 14:42.060
und Lehrmittelerstellung einzugehen, sind die barrierefrei?

14:43.000 --> 14:44.280
Ist das Video so okay?

14:44.360 --> 14:45.160
Brauche es Untertitel?

14:45.360 --> 14:46.880
Muss ich mich vielleicht darum kümmern, dass es jemand in

14:46.880 --> 14:48.260
Gebärdensprache übersetzt oder nicht?

14:48.920 --> 14:50.500
Habe ich das überhaupt auf dem Schirm, habe ich da jemals dran

14:50.500 --> 14:50.780
gedacht?

14:50.920 --> 14:53.620
Ist mein PDF mit einem Screenreader lesbar für jemanden, der zum

14:53.620 --> 14:55.480
Beispiel eine Seheinschränkung hat?

14:56.220 --> 15:01.400
Oder auch, dass die Medien an für sich schon mit einem gewissen Bias

15:01.400 --> 15:01.940
versehen sind.

15:02.200 --> 15:05.400
Also wenn ich alle meine Wissenschaft nur über Twitter kommuniziere,

15:05.520 --> 15:08.280
dann schließe ich ja kategorisch alle anderen sozialen Netzwerke und

15:08.280 --> 15:10.660
insbesondere alle Personen, die nicht auf diesem einen sozialen

15:10.660 --> 15:13.280
Netzwerk unterwegs sind, von meiner Kommunikation aus.

15:13.640 --> 15:15.200
Ist das wirklich das, was ich machen will?

15:15.640 --> 15:17.420
Oder bin ich mir dessen vielleicht einfach gar nicht bewusst?

15:18.200 --> 15:24.580
Wenn ich ein eigenes Blog führe, will ich dann das Ganze einfach so

15:24.580 --> 15:25.160
betreiben?

15:25.500 --> 15:29.200
Oder betreibe ich aktives Search Engine Optimization, um besser

15:29.200 --> 15:30.000
gefunden zu werden?

15:30.460 --> 15:33.040
Und welche Implikation hat das dann vielleicht auf meine Formulierung

15:33.040 --> 15:33.740
von Überschriften?

15:33.880 --> 15:35.860
Sind die dann vielleicht gar nicht mehr so wissenschaftlich, wie sie

15:35.860 --> 15:36.800
eigentlich sein sollten?

15:36.800 --> 15:41.040
Also das sind alles so Fragen, die man sich dann stellen kann, wenn

15:41.040 --> 15:45.280
man sich tatsächlich souverän im digitalen Raum bewegen möchte und die

15:45.280 --> 15:48.600
ich gerne mit den Promovierenden dieser Graduiertenschule besprechen

15:48.600 --> 15:51.860
möchte und die aber natürlich auch Sie alle mit Ihren eigenen

15:51.860 --> 15:54.180
Kolleginnen und Kollegen, Studierenden oder auch Promovierenden

15:54.180 --> 15:56.920
besprechen können und, wie ich finde, unbedingt auch sollten.

15:57.180 --> 16:00.580
Denn das Digitale wird so gesehen nicht mehr weggehen, sondern wird

16:00.580 --> 16:06.100
uns begleiten und wir müssen uns damit arrangieren.

16:06.100 --> 16:10.520
Und ich persönlich begreife das als riesengroße Chance, eben weil

16:10.520 --> 16:13.540
durch, ich habe es vorhin schon gesagt, diese Sache mit Open Access,

16:14.120 --> 16:17.580
dadurch unsere Ergebnisse und unsere Sicht der Dinge, die

16:17.580 --> 16:20.620
wissenschaftliche Weltsicht, wenn man so möchte, für einen viel

16:20.620 --> 16:23.700
größeren Teil der Gesellschaft zugänglich werden kann.

16:24.140 --> 16:26.900
Und ich finde, gerade in Zeiten wie diesen sollte sie das unbedingt.

16:27.420 --> 16:30.960
In diesem Sinne vielen Dank fürs Zuhören auf jeden Fall und ich bin

16:30.960 --> 16:34.200
gerne noch bereit, sehr viele Fragen zu besprechen oder auch Dinge zu

16:34.200 --> 16:34.700
erörtern.

16:34.880 --> 16:38.520
Ich kann auch gleich nochmal die zwei Links in den Chat stellen, wo

16:38.520 --> 16:41.060
dieses Modell noch ein bisschen im Detail vorgestellt ist, wer sich

16:41.060 --> 16:41.960
dafür interessieren möchte.

16:42.560 --> 16:45.000
Aber für jetzt beende ich meine Bildschirmpräsentation zumindest.

