WEBVTT

00:00.000 --> 00:03.660
Herzlich willkommen zu diesem Video über Verteilungen und

00:03.660 --> 00:04.960
Verteilungsfunktionen.

00:05.440 --> 00:09.760
Es wendet sich insbesondere an Studierende der Mathematik, könnte aber

00:09.760 --> 00:14.160
auch für Mathematiklehrkräfte an Gymnasien interessant sein, weil

00:14.160 --> 00:16.000
verschiedene Begriffe geklärt werden.

00:16.720 --> 00:20.920
Hierzu gehören die Begriffe Verteilung und Verteilungsfunktion, aber

00:20.920 --> 00:25.480
auch die Konzepte einer diskreten, einer absolut stetigen und einer

00:25.480 --> 00:29.080
singulären Verteilung und zu guter Letzt die Begriffe

00:29.080 --> 00:32.580
Wahrscheinlichkeitsmassenfunktion oder kurz

00:32.580 --> 00:35.640
Wahrscheinlichkeitsfunktion und Dichtefunktion.

00:36.300 --> 00:39.920
Für dieses Video wird vorausgesetzt, dass man weiß, was ein

00:39.920 --> 00:41.320
Wahrscheinlichkeitsraum ist.

00:41.880 --> 00:45.700
Das heißt, solch ein Tripel mit einer nicht leeren Menge Omega dem

00:45.700 --> 00:49.440
Grundraum einer Sigma-Algebra a über Omega und einem

00:49.440 --> 00:53.660
Wahrscheinlichkeitsmaß auf dieser Sigma-Algebra ist einem nicht fremd

00:53.660 --> 00:57.580
und man sollte die Sigma-Algebra der Borellmengen über R kennen.

00:58.400 --> 01:02.080
Auch der Begriff reelle Zufallsvariable sollte kein Fremdwort sein.

01:02.680 --> 01:07.340
In diesem Video steht Groß X für eine solche Zufallsvariable, also

01:07.340 --> 01:12.160
eine reellwertige Abbildung auf Omega mit der Eigenschaft, dass für

01:12.160 --> 01:16.660
jede reelle Zahl t die Menge aller Elemente klein Omega im Grundraum,

01:16.660 --> 01:21.740
für die x von Omega kleiner gleich t ist, zur Sigma-Algebra a gehört.

01:22.860 --> 01:27.460
Das ist die sogenannte Messbarkeitsbedingung von x und aus der folgt

01:27.460 --> 01:31.900
mit Techniken der Maßtheorie, dass sogar für jede Borellmenge b das

01:31.900 --> 01:37.220
Urbild von b unter x, also diese Menge, zur Sigma-Algebra a gehört.

01:38.520 --> 01:42.120
Mit diesen Vorbetrachtungen können wir auch schon definieren, was die

01:42.120 --> 01:43.520
Verteilung von x ist.

01:43.520 --> 01:48.940
Es ist ein Wahrscheinlichkeitsmaß, das mit p und einem hochgestellten

01:48.940 --> 01:53.380
x bezeichnet wird und jeder Borellmenge b die Wahrscheinlichkeit des

01:53.380 --> 01:58.660
Urbildes von b, also die Wahrscheinlichkeit dieser Menge, zuordnet.

01:59.460 --> 02:03.260
In dieser Definition steckt die Behauptung, dass wirklich ein

02:03.260 --> 02:07.180
Wahrscheinlichkeitsmaß vorliegt und das liegt entscheidend daran, dass

02:07.180 --> 02:11.200
Urbilder paarweise disjunkter Mengen ebenfalls paarweise disjunkt

02:11.200 --> 02:11.440
sind.

02:11.440 --> 02:16.820
Man schreibt gerne auch p von x Element b und liest das als

02:16.820 --> 02:20.640
Wahrscheinlichkeit, dass die Zufallsvariable einen Wert in der Menge b

02:20.640 --> 02:21.140
annimmt.

02:22.380 --> 02:26.240
Die Verteilung von x ist also ein Wahrscheinlichkeitsmaß.

02:26.960 --> 02:31.620
Diese Verteilung ist aber schon eindeutig bestimmt dadurch, dass man

02:31.620 --> 02:35.200
für jede reelle Zahl t die Werte kennt, die dieses

02:35.200 --> 02:39.060
Wahrscheinlichkeitsmaß für das nach links unbeschränkte abgeschlossene

02:39.060 --> 02:42.180
Intervall mit rechtem Endpunkt t annimmt.

02:42.900 --> 02:47.320
Dieses Resultat folgt aus dem sogenannten Eindeutigkeitssatz für Maße.

02:48.400 --> 02:52.080
Mit dieser Erkenntnis drängt sich der Begriff der Verteilungsfunktion

02:52.080 --> 02:53.020
geradezu auf.

02:53.020 --> 02:58.840
Für jede reelle Zahl t definiert man F von t als Wahrscheinlichkeit,

02:59.200 --> 03:03.160
dass die Zufallsvariable einen Wert kleiner oder gleich t annimmt,

03:03.420 --> 03:06.000
also als diese Wahrscheinlichkeit.

03:07.040 --> 03:12.160
Dann ist f eine Funktion, die auf ganz r definiert ist und Werte im

03:12.160 --> 03:16.380
Einheitsintervall annimmt und diese Funktion heißt Verteilungsfunktion

03:16.380 --> 03:20.920
von x oder ausführlicher kumulative Verteilungsfunktion von x.

03:20.920 --> 03:24.240
Den Zusatz kumulativ erkläre ich gleich.

03:25.400 --> 03:29.000
Wir wollen uns zunächst einige Eigenschaften ansehen, die jede

03:29.000 --> 03:33.480
Verteilungsfunktion besitzt und dazu nehme ich die Definition auf die

03:33.480 --> 03:34.420
nächste Folie.

03:35.320 --> 03:40.460
Für die Verteilungsfunktion einer Zufallsvariable gilt, zunächst ist f

03:40.460 --> 03:45.080
monoton wachsend, das heißt aus s kleiner gleich t folgt f von s

03:45.080 --> 03:46.440
kleiner gleich f von t.

03:46.440 --> 03:50.180
Diese Eigenschaft ergibt sich unmittelbar aus der Monotonie der

03:50.180 --> 03:54.160
Verteilung als Wahrscheinlichkeitsmaß, denn aus dem Ereignis x kleiner

03:54.160 --> 03:57.400
gleich s folgt das Ereignis x kleiner gleich t.

03:58.080 --> 04:01.500
Die zweite Eigenschaft ist die rechtzeitige Stetigkeit.

04:02.200 --> 04:06.740
Das heißt für jedes t und jede Folge tn, die monoton fallend von

04:06.740 --> 04:10.960
rechts gegen t konvergiert, konvergieren auch die Funktionswerte f von

04:10.960 --> 04:13.680
tn monoton fallend gegen f von t.

04:13.680 --> 04:17.560
Ich sage gleich noch was dazu, wie man diese Eigenschaft sowie die

04:17.560 --> 04:18.900
noch folgenden beweist.

04:19.760 --> 04:24.540
Die nächste Eigenschaft formuliere ich plakativ als f kommt von 0 und

04:24.540 --> 04:25.520
geht nach 1.

04:26.180 --> 04:31.060
Dies bedeutet, dass f von t für t gegen minusunendlich gegen 0 und für

04:31.060 --> 04:33.620
t gegen unendlich gegen 1 konvergiert.

04:34.860 --> 04:39.500
Eigenschaft d besagt, dass für beliebige reelle Zahlen a und b mit a

04:39.500 --> 04:44.540
kleiner als b die Wahrscheinlichkeit, dass x größer als a und kleiner

04:44.540 --> 04:49.280
gleich b ist, gleich der Differenz f von b minus f von a ist.

04:50.280 --> 04:52.780
Die letzte Eigenschaft ist ebenfalls wichtig.

04:52.780 --> 04:57.100
Für jedes t ist die Wahrscheinlichkeit, dass x den Wert t annimmt,

04:57.500 --> 05:00.720
gleich f von t minus f von t minus.

05:01.360 --> 05:06.040
Und f von t minus ist der linkseitige Grenzwert von f an der Stelle t.

05:06.740 --> 05:10.300
Hier lässt man also monoton wachsende Folgen von links gegen t

05:10.300 --> 05:14.040
konvergieren, wobei jedes Folgenglied kleiner als t ist.

05:15.460 --> 05:18.940
Alle Eigenschaften ergeben sich aus Eigenschaften der Verteilung als

05:18.940 --> 05:20.040
Wahrscheinlichkeitsmaß.

05:20.040 --> 05:25.320
Zum Nachweis von b beachte man, dass dieses Intervall der Durchschnitt

05:25.320 --> 05:28.100
einer monoton fallenden Folge von Mengen ist.

05:28.660 --> 05:31.740
Die Behauptung ergibt sich dann, weil ein Wahrscheinlichkeitsmaß

05:31.740 --> 05:33.200
stetig von oben ist.

05:33.940 --> 05:38.160
Um c zu zeigen, greifen Widerstätigkeitseigenschaften eines

05:38.160 --> 05:39.400
Wahrscheinlichkeitsmaßes.

05:39.400 --> 05:44.300
Ist tn eine Folge, die monoton fallend gegen minus-unendlich

05:44.300 --> 05:49.640
divergiert, so liegt eine absteigende Folge von Intervallen vor, die

05:49.640 --> 05:53.460
gegen die leere Menge konvergiert und da die leere Menge das

05:53.460 --> 05:57.620
Wahrscheinlichkeitsmaß 0 besitzt, folgt das f von 0 kommt.

05:58.500 --> 06:02.820
Divergiert die Folge tn monoton gegen unendlich, so gilt diese

06:02.820 --> 06:06.420
Gleichung und jetzt kommt die Stetigkeit von unten eines

06:06.420 --> 06:08.200
Wahrscheinlichkeitsmaßes zum Tragen.

06:08.200 --> 06:11.280
Was bedeutet, dass f nach 1 geht?

06:12.600 --> 06:17.700
Eigenschaft d ergibt sich aus der Zerlegung dieses Intervalls in diese

06:17.700 --> 06:21.320
beiden disjunkten Intervalle und der Additivität eines

06:21.320 --> 06:25.320
Wahrscheinlichkeitsmaßes und die letzte Eigenschaft erhält man wie

06:25.320 --> 06:26.200
folgt.

06:26.980 --> 06:32.340
Ist s1, s2 und so weiter eine monoton wachsende Folge von Zahlen

06:32.340 --> 06:37.820
kleiner als t, die gegen t konvergiert, so ist die Vereinigung dieser

06:37.820 --> 06:41.740
aufsteigenden Intervalle gleich dem offenen Intervall von

06:41.740 --> 06:42.980
minusunendlich bis t.

06:43.800 --> 06:47.120
Das heißt, der Punkt t ist nicht erfasst, was ich farblich

06:47.120 --> 06:48.160
hervorgehoben habe.

06:49.020 --> 06:52.600
Wegen der Stetigkeit von unten eines Wahrscheinlichkeitsmaßes ist also

06:52.600 --> 06:56.500
der linksseitige Grenzwert von f an der Stelle t gleich der

06:56.500 --> 07:00.400
Wahrscheinlichkeit für dieses offene Intervall, woraus die Behauptung

07:00.400 --> 07:00.860
folgt.

07:01.720 --> 07:05.260
Der folgende Plot macht Eigenschaften der Verteilungsfunktion

07:05.260 --> 07:05.800
sichtbar.

07:06.460 --> 07:09.900
Horizontal sei t und nach oben f von t aufgetragen.

07:10.440 --> 07:14.940
Hier sei die Höhe 1 und f kann von 0 kommend unter Umständen streng

07:14.940 --> 07:19.380
monoton wachsend und differenzierbar sein, dann könnte ein Knick

07:19.380 --> 07:24.200
vorliegen und f könnte auf einem Intervall konstant sein und an dieser

07:24.200 --> 07:27.980
mit t0 bezeichneten Stelle könnte eine Unstetigkeit vorliegen.

07:27.980 --> 07:32.740
Wegen der Monotonie kann das nur ein Sprung nach oben sein und danach

07:32.740 --> 07:35.180
könnte f streng monoton nach 1 gehen.

07:36.060 --> 07:39.500
Ich mache deutlich, dass wegen der rechtseitigen Stetigkeit der

07:39.500 --> 07:43.780
Funktionswert an der Stelle t0 am oberen Ende des Sprungintervalls

07:43.780 --> 07:44.660
angenommen wird.

07:45.180 --> 07:49.380
Das heißt, hier lesen wir f von t0 auf der vertikalen Achse ab.

07:50.220 --> 07:54.040
Die Eigenschaften der Monotonie und der rechtseitigen Stetigkeit sowie

07:54.040 --> 07:59.220
die Tatsache, dass f von 0 kommt und nach 1 geht, haben aus Sicht der

07:59.220 --> 08:02.200
Theorie reeller Funktionen nichts mit Stochastik zu tun.

08:02.760 --> 08:05.340
Insofern ist folgender Sachverhalt interessant.

08:06.000 --> 08:10.760
Zu jeder Funktion f mit den Eigenschaften a bis c, das waren die eben

08:10.760 --> 08:15.500
genannten, gibt es eine zufallsvariable x, sodass f die

08:15.500 --> 08:17.440
Verteilungsfunktion von x ist.

08:17.440 --> 08:21.840
Der Beweis ergibt sich unmittelbar aus einem Satz der Maßtheorie.

08:22.600 --> 08:28.220
Sind a und b beliebige Zahlen mit a kleiner als b, so definieren wir

08:28.220 --> 08:33.520
eine Funktion q auf dem halboffenen Intervall von a bis b als f von b

08:33.520 --> 08:34.960
minus f von a.

08:35.760 --> 08:40.540
Der Maßfortsetzungssatz oder Maßerweiterungssatz liefert dann, dass

08:40.540 --> 08:44.420
man die zunächst nur auf dem System aller halboffenen Intervalle

08:44.420 --> 08:49.780
definierte Funktion q auf genau eine Weise zu einem ebenfalls mit q

08:49.780 --> 08:53.780
bezeichneten Maß auf der Sigma-Algebra der Borellmengen fortsetzen

08:53.780 --> 08:54.060
kann.

08:55.480 --> 08:59.280
Definiert man den Grundraum Omega und die Sigma-Algebra a in dieser

08:59.280 --> 09:04.340
Weise und setzt man p gleich q und x als identische Abbildung auf

09:04.340 --> 09:08.720
Omega, so ist f in der Tat die Verteilungsfunktion von x.

09:09.240 --> 09:12.240
Man nennt diese Konstruktion das kanonische Modell.

09:13.600 --> 09:17.640
Wir kommen jetzt zu einer wichtigen Definition und das ist die einer

09:17.640 --> 09:18.980
diskreten Verteilung.

09:19.560 --> 09:23.640
Man nennt eine Zufallsvariable x diskret verteilt oder nur kurz

09:23.640 --> 09:28.360
diskret, falls es eine abzählbare Teilmenge der reellen Zahlen gibt,

09:28.800 --> 09:33.020
so dass x mit Wahrscheinlichkeit 1 Werte in dieser mit b bezeichneten

09:33.020 --> 09:33.860
Menge annimmt.

09:34.660 --> 09:38.500
In diesem Fall heißen sowohl die Verteilung von x als auch die

09:38.500 --> 09:40.620
Verteilungsfunktion von x diskret.

09:42.380 --> 09:47.160
Abzählbar heißt, dass die Menge b entweder endlich oder abzählbar

09:47.160 --> 09:48.000
unendlich ist.

09:48.480 --> 09:53.060
Im zweiten Fall lässt sie sich bijektiv, also ein-eindeutig, auf die

09:53.060 --> 09:54.860
Menge aller natürlichen Zahlen abbilden.

09:55.960 --> 10:00.160
Die Menge b könnte also etwa die Menge der rationalen Zahlen sein und

10:00.160 --> 10:02.620
damit in der Menge der reellen Zahlen dicht liegen.

10:03.360 --> 10:07.000
Man sollte also mit dem Konzept einer diskreten Verteilung keine

10:07.000 --> 10:08.780
isolierten Zahlenwerte assoziieren.

10:11.560 --> 10:15.620
Beispiele für diskrete Verteilung sind die Binomialverteilung, die

10:15.620 --> 10:19.660
hypergeometrische Verteilung, die Poisson-Verteilung, die geometrische

10:19.660 --> 10:23.040
Verteilung, die negative Binomialverteilung, die diskrete

10:23.040 --> 10:25.640
Gleichverteilung auf einer endlichen Menge usw.

10:26.560 --> 10:30.120
Diese Verteilung muss man nicht alle kennen, sie deuten aber die

10:30.120 --> 10:32.380
Wichtigkeit diskreter Verteilung an.

10:33.180 --> 10:37.200
Ein Beispiel sehen wir uns mal genauer an, und zwar, dass X nicht

10:37.200 --> 10:40.840
negative ganze Zahlen mit diesen Wahrscheinlichkeiten annimmt.

10:42.120 --> 10:45.620
Das ist das Beispiel der geometrischen Verteilung mit p gleich ein

10:45.620 --> 10:45.940
Viertel.

10:46.540 --> 10:49.900
Diese Verteilung modelliert die Anzahl der Nieten vor dem ersten

10:49.900 --> 10:54.220
Treffer in einer Folge unabhängiger Bernoulli-Versuche mit gleicher

10:54.220 --> 10:55.760
Trefferwahrscheinlichkeit ein Viertel.

10:56.760 --> 10:59.000
Wie sieht die Verteilungsfunktion von X aus?

10:59.000 --> 11:03.380
In einem Koordinatensystem sieht man auf der horizontalen Achse die

11:03.380 --> 11:06.420
nicht -negativen Zahlen 0, 1, 2 usw.

11:06.980 --> 11:10.100
und auf der vertikalen Achse Zahlen zwischen 0 und 1.

11:10.760 --> 11:14.060
Auf dieser Achse werden die Werte der Verteilungsfunktion aufgetragen.

11:15.540 --> 11:18.420
Da X nur die Werte 0, 1, 2 usw.

11:18.520 --> 11:23.620
annehmen kann, ist für jedes t kleiner als 0 der Wert f von t der

11:23.620 --> 11:27.140
Verteilungsfunktion gleich 0, was sich durch diesen kleinen

11:27.140 --> 11:31.180
Farbwechsel von schwarz zu blau hier unten andeute.

11:32.320 --> 11:36.560
An der Stelle 0 springt die Verteilungsfunktion, da f von 0 gleich der

11:36.560 --> 11:40.140
Wahrscheinlichkeit ist, dass X einen Wert kleiner oder gleich 0

11:40.140 --> 11:44.400
annimmt und dieser Wert ist die Wahrscheinlichkeit, dass X den Wert 0

11:44.400 --> 11:46.640
annimmt, also gleich ein Viertel.

11:47.260 --> 11:49.600
Ich deute das durch diesen kleinen Kreis an.

11:49.600 --> 11:54.040
Bis direkt vor dem Abscissenwert 1 bleibt die Verteilungsfunktion

11:54.040 --> 11:58.640
konstant und an der Stelle 1 erfolgt der nächste Sprung und die

11:58.640 --> 12:02.220
Sprunghöhe ist gleich der Wahrscheinlichkeit, dass X den Wert 1

12:02.220 --> 12:05.800
annimmt, also gleich 3 Viertel mal ein Viertel.

12:06.120 --> 12:09.940
Bis direkt vor die Stelle 2 bleibt dann f wieder konstant und so geht

12:09.940 --> 12:10.440
es weiter.

12:11.320 --> 12:15.560
Da f von t anschaulich gesprochen die bis zur Stelle t aufgehäuften,

12:15.820 --> 12:20.660
also kumulierten Sprunghöhen angibt, wird eine Verteilungsfunktion oft

12:20.660 --> 12:24.420
auch als kumulative Verteilungsfunktion bezeichnet.

12:25.240 --> 12:28.700
Im Zusammenhang mit diskreten Verteilungen ist auch der Begriff

12:28.700 --> 12:32.580
Wahrscheinlichkeitsfunktion oder Wahrscheinlichkeitsmassenfunktion

12:32.580 --> 12:33.000
wichtig.

12:33.760 --> 12:37.080
Nimmt die Zufallsgröße X mit Wahrscheinlichkeit 1 Werte in der

12:37.080 --> 12:41.260
abzählbaren Menge b an, so nennt man die mit klein f bezeichnete

12:41.260 --> 12:46.100
Funktion, die jedem reellen t die Wahrscheinlichkeit zuordnet, dass X

12:46.100 --> 12:50.180
den Wert t annimmt, Wahrscheinlichkeitsfunktion oder ausführlicher

12:50.180 --> 12:55.280
Wahrscheinlichkeitsmassenfunktion von X oder von der Verteilung von X.

12:56.360 --> 12:59.780
Natürlich können die Funktionswerte dabei nur für die t aus der Menge

12:59.780 --> 13:01.160
b positiv sein.

13:02.320 --> 13:05.200
Für den Fall, dass die Menge b endlich ist, kann man die

13:05.200 --> 13:08.640
Wahrscheinlichkeitsfunktion mit Hilfe eines sogenannten Stabdiagrammes

13:08.640 --> 13:09.420
veranschaulichen.

13:09.420 --> 13:13.560
Die Vorstellung, die man grundsätzlich mit diskreten Verteilungen

13:13.560 --> 13:16.740
verbinden sollte, ist, dass in einzelnen Punkten

13:16.740 --> 13:18.720
Wahrscheinlichkeitsmassen angebracht sind.

13:19.300 --> 13:23.120
Aber auch etwa der Fall, dass die Menge b gleich der Menge aller

13:23.120 --> 13:26.440
rationalen Zahlen ist, ist hierbei eingeschlossen.

13:27.180 --> 13:30.480
Nummerieren wir diese Menge in irgendeiner Weise mit Hilfe der

13:30.480 --> 13:36.100
natürlichen Zahlen durch und vereinbaren, dass X den Wert qj mit der

13:36.100 --> 13:40.460
Wahrscheinlichkeit ein Halbhochj annimmt, so wird auch hierdurch eine

13:40.460 --> 13:42.320
diskrete Verteilung definiert.

13:43.420 --> 13:46.980
Da in der Schule seit einiger Zeit diskrete Verteilungen mit Hilfe

13:46.980 --> 13:50.480
sogenannter Histogramme veranschaulicht werden und dass

13:50.480 --> 13:54.640
Darstellungsmittel für Histogramme Flächen sind, kann ich diesem,

13:55.040 --> 13:59.240
sagen wir, konzeptionellen Frevel nur die Botschaft entgegenhalten,

13:59.240 --> 14:03.680
diskrete Verteilungen haben begrifflich nichts mit Flächen zu tun.

14:05.180 --> 14:08.500
Wir kommen jetzt zu einer weiteren wichtigen Klasse von Verteilungen,

14:08.920 --> 14:11.680
und zwar sind das die absolut stetigen Verteilungen.

14:12.240 --> 14:15.680
Man sagt zwar oft nur stetige Verteilung, muss aber bei dieser

14:15.680 --> 14:17.920
verkürzten Sprechweise auf der Hut sein.

14:18.680 --> 14:23.220
Man nennt eine Zufallsvariable X absolut stetig verteilt, wobei man

14:23.220 --> 14:27.900
gerne mindestens einen der Klammerzusätze weglässt, wenn es eine nicht

14:27.900 --> 14:31.780
negative Funktion f gibt, die folgende Eigenschaften besitzt.

14:32.340 --> 14:36.720
Erstens, das Lebesgue-Integral von f über die gesamte reelle Achse ist

14:36.720 --> 14:41.960
gleich 1 und zweitens, für jedes reelle t ist die Verteilungsfunktion

14:41.960 --> 14:46.820
f von x an der Stelle t gleich dem Integral von f in den Grenzen von

14:46.820 --> 14:48.200
minusunendlich bis t.

14:49.780 --> 14:53.100
In diesem Fall nennt man sowohl die Verteilung von x als auch die

14:53.100 --> 14:55.480
Verteilungsfunktion f absolut stetig.

14:55.480 --> 15:00.600
Die Funktion f heißt Dichte oder Dichtefunktion der Verteilung bzw.

15:00.980 --> 15:02.140
von f bzw.

15:02.440 --> 15:02.920
von x.

15:04.040 --> 15:08.580
Wichtig ist, dass diese Integrale grundsätzlich als Lebesgue-Integrale

15:08.580 --> 15:09.480
zu verstehen sind.

15:10.120 --> 15:13.000
Die Dichte ist also grundsätzlich eine messbare Funktion.

15:13.860 --> 15:18.080
Meist wird f jedoch bis auf endlich viele Stellen stetig sein und dann

15:18.080 --> 15:22.620
können konkrete Berechnungen auch mit dem Riemann-Integral erfolgen.

15:22.620 --> 15:26.560
Wichtig ist auch, dass die Dichte im Gegensatz zur Verteilungsfunktion

15:26.560 --> 15:30.380
nicht eindeutig bestimmt ist, denn ein Lebesgue-Integral bleibt

15:30.380 --> 15:34.220
gleich, wenn man den Integranden etwa an endlich vielen Stellen

15:34.220 --> 15:34.840
abändert.

15:35.740 --> 15:39.880
Was den Buchstaben f betrifft, es ist der gleiche wie bei der

15:39.880 --> 15:43.600
Wahrscheinlichkeitsfunktion und das hat einen tieferen Sinn, der sich

15:43.600 --> 15:47.460
erschließt, wenn man in der Maß- und Integrationstheorie allgemein

15:47.460 --> 15:49.600
Maße mit Dichten betrachtet.

15:50.680 --> 15:54.840
Beispiele für absolut stetige Verteilungen gibt es zuhauf, wie etwa

15:54.840 --> 15:58.720
alle Normalverteilungen, Exponentialverteilungen, stetige

15:58.720 --> 16:02.640
Gleichverteilungen auf Intervallen, Weibel-Verteilungen, Gamma

16:02.640 --> 16:03.880
-Verteilungen usw.

16:04.560 --> 16:07.060
Auch diese Verteilung muss man nicht unbedingt kennen.

16:07.720 --> 16:12.340
Diese fast beliebig fortsetzbare Liste soll aber andeuten, dass auch

16:12.340 --> 16:14.800
absolut stetige Verteilungen wichtig sind.

16:16.140 --> 16:19.760
Zur Veranschaulichung sieht man hier den Graphen einer Dichte-Funktion

16:19.760 --> 16:23.540
und rechts den Graphen der zugehörigen Verteilungsfunktion.

16:24.460 --> 16:28.440
Der Zusammenhang ergibt sich aus dieser Gleichung hier oben, wonach

16:28.440 --> 16:32.320
die Verteilungsfunktion an der Stelle t anschaulich der bis zur Stelle

16:32.320 --> 16:37.000
t aufgelaufene Flächeninhalt zwischen der x-Achse und dem Graphen der

16:37.000 --> 16:37.760
Dichte angibt.

16:37.760 --> 16:43.220
Ist also hier eine Stelle t, so ist der bis zur Stelle t aufgelaufene

16:43.220 --> 16:47.480
Flächeninhalt blau dargestellt und der Wert der Verteilungsfunktion an

16:47.480 --> 16:50.380
der Stelle t ist gerade dieser Flächeninhalt.

16:51.260 --> 16:54.840
Ich möchte das Video mit einer Klasse von Verteilungen beschließen,

16:54.940 --> 16:59.120
die man kennen sollte und die das Gesamtbild über alle möglichen

16:59.120 --> 17:02.160
Verteilungen reeller Zufallsvariablen vervollständigt.

17:02.160 --> 17:06.360
Ich hatte ja schon dafür sensibilisiert, dass man bei einer stetigen

17:06.360 --> 17:09.920
Verteilung immer an die Existenz einer Dichte denken sollte.

17:10.400 --> 17:13.280
Der Punkt ist nämlich der, die Verteilungsfunktion einer

17:13.280 --> 17:15.800
Zufallsvariable mit einer Dichte ist stetig.

17:16.260 --> 17:19.880
Es wird also jede reelle Zahl nur mit der Wahrscheinlichkeit 0

17:19.880 --> 17:20.620
angenommen.

17:21.360 --> 17:24.700
Aber jetzt kommt der springende Punkt, nicht jede stetige

17:24.700 --> 17:29.740
Verteilungsfunktion ist absolut stetig, lässt sich also als Integral

17:29.740 --> 17:31.360
über eine Dichte darstellen.

17:31.360 --> 17:35.040
Das führt uns auf den Begriff der singulären Verteilung.

17:35.700 --> 17:39.700
Man nennt eine Zufallsvariable singulär verteilt, wenn die

17:39.700 --> 17:43.860
Verteilungsfunktion von x stetig ist und wenn die Ableitung dieser

17:43.860 --> 17:46.980
Verteilungsfunktion fast überall, d.h.

17:47.180 --> 17:50.140
außerhalb einer Lebesgue-Nullmenge, gleich 0 ist.

17:51.020 --> 17:54.420
In diesem Fall nennt man die Verteilungsfunktion singulär.

17:55.250 --> 17:59.800
Hier geht ein berühmter Satz von Henri Lebesgue aus dem Jahr 1904 ein,

18:00.240 --> 18:04.940
nachdem jede Verteilungsfunktion und allgemeiner jede monotone

18:04.940 --> 18:07.620
Funktion fast überall differenzierbar ist.

18:08.380 --> 18:11.940
Ein Beispiel einer solchen singulären Verteilungsfunktion ist die

18:11.940 --> 18:14.880
kantorsche Verteilungsfunktion, die im Rahmen der

18:14.880 --> 18:18.540
Darstellungsmöglichkeiten auf einem Bildschirm angenähernd so

18:18.540 --> 18:19.060
aussieht.

18:19.060 --> 18:24.020
Diese Funktion entsteht über einen Grenzprozess und dazu habe ich ein

18:24.020 --> 18:25.200
eigenes Video gemacht.

18:25.600 --> 18:29.180
Manche nennen diese Verteilungsfunktion auch die Teufelstreppe.

18:30.720 --> 18:33.860
Warum runden singuläre Verteilungen das Gesamtbild ab?

18:34.320 --> 18:36.780
Hierzu gibt es einen Satz über die Struktur aller

18:36.780 --> 18:40.820
Verteilungsfunktionen und der lautet Jede Verteilungsfunktion hat

18:40.820 --> 18:45.680
genau eine Darstellung in dieser Form als Linearkombination von drei

18:45.680 --> 18:51.020
Funktionen, wobei die Vorfaktoren nicht negativ sind und sich zu eins

18:51.020 --> 18:51.840
aufsummieren.

18:52.560 --> 18:55.500
Es handelt sich also um eine sogenannte Konvexkombination.

18:56.360 --> 19:02.700
Hierbei sind fd eine diskrete, fa eine absolut stetige und fs eine

19:02.700 --> 19:04.420
singuläre Verteilungsfunktion.

19:04.420 --> 19:10.000
Der Beweis dieses Satzes würde den Umfang dieses ohnehin schon langen

19:10.000 --> 19:14.680
Videos sprengen und so sage ich einfach nur Danke fürs Anschauen und

19:14.680 --> 19:18.320
jeder weiß, dass ich für Hinweise und konstruktive Kritik stets

19:18.320 --> 19:19.020
dankbar bin.

