WEBVTT

00:00.000 --> 00:03.120
Willkommen zu meinem Vortrag über elektronene Lichtgeschwindigkeit und

00:03.120 --> 00:04.840
die Dynamik in Synchrotronstrahlungsquellen.

00:05.960 --> 00:07.460
Was ist Synchrotronstrahlung eigentlich?

00:08.380 --> 00:10.000
Synchrotronstrahlung ist Licht bzw.

00:10.660 --> 00:11.580
elektromagnetische Strahlung.

00:12.440 --> 00:14.660
Elektromagnetische Strahlung beschränkt sich jedoch nicht nur auf den

00:14.660 --> 00:17.720
für uns sichtbaren Bereich, sondern besteht aus einem weiten Bereich

00:17.720 --> 00:18.680
an Wellenlängen bzw.

00:19.000 --> 00:19.480
Frequenzen.

00:20.080 --> 00:21.080
An einem Ende steht z.B.

00:21.200 --> 00:24.420
die Nutzung für Funk- oder Radioübertragung, für WLAN oder im

00:24.420 --> 00:25.360
Mikrowellenofen.

00:25.700 --> 00:27.620
Am anderen Ende befindet sich die Röntgenstrahlung.

00:27.620 --> 00:31.620
Auch das sichtbare Licht ist Teil des elektromagnetischen Spektrums

00:31.620 --> 00:33.820
und befindet sich zwischen dem infraroten Bereich und dem

00:33.820 --> 00:34.900
ultravioletten Bereich.

00:35.860 --> 00:38.320
Der spektrale Bereich, in dem die Synchrotronstrahlung erzeugt wird,

00:38.440 --> 00:40.980
erstreckt sich von der Mikrowelle bis zur Röntgenstrahlung.

00:41.200 --> 00:43.800
Daraus ergeben sich eine vielfältige Anzahl an Anwendungen.

00:44.460 --> 00:45.840
Außerdem sieht man direkt einen Vorteil.

00:46.460 --> 00:49.640
Man kann nämlich genau den Teil des breiten Spektrums herausgreifen,

00:49.960 --> 00:51.600
der für diese Anwendung wichtig ist.

00:52.180 --> 00:54.920
Außerdem kann Synchrotronstrahlung mit einer hohen Brillanz erzeugt

00:54.920 --> 00:58.040
werden, sodass Licht mit einer hohen Intensität und sehr stark

00:58.040 --> 01:00.400
gebündet für die Anwendung zur Verfügung steht.

01:01.500 --> 01:06.200
Vorhergesagt wurde die Synchrotronstrahlung 1944 und beobachtet 1946

01:06.200 --> 01:09.180
an einem Synchrotron, einem Teilchenbeschleuniger von General

01:09.180 --> 01:09.680
Electric.

01:10.500 --> 01:12.900
Daraus ergab sich auch direkt der Name Synchrotronstrahlung.

01:13.820 --> 01:17.100
Hier ist dieses Synchrotron von General Electric zu sehen und die

01:17.100 --> 01:21.100
Synchrotronstrahlung als heller Lichtpuls, leicht unterhalb der Mitte

01:21.100 --> 01:21.480
links.

01:22.900 --> 01:26.120
So sieht die Synchrotronstrahlung an einer unserer Beamlines aus.

01:27.620 --> 01:29.980
Die Beamline ist praktisch der Port, an dem die Synchrotronstrahlung

01:29.980 --> 01:32.720
nach außen geleitet wird und zur Experimentenverfügung steht.

01:34.480 --> 01:38.320
Anfangs galt die Synchrotronstrahlung eher als ein Abfallprodukt, denn

01:38.320 --> 01:40.800
die Teilchen verloren Energie durch die Abstrahlung.

01:41.540 --> 01:45.640
Mit der Zeit erkannte man aber das Potenzial und ab den 1970er Jahren

01:45.640 --> 01:49.640
entstanden Pläne zur dedizierten Erzeugung der Synchrotronstrahlung.

01:49.640 --> 01:52.400
Wofür wird die Synchrotronstrahlung nun verwendet?

01:53.180 --> 01:55.360
Einige Beispiele möchte ich Ihnen gerne hier zeigen.

01:56.320 --> 02:00.000
Auf der linken Seite sieht man mit Mikrotomografie aufgenommene,

02:00.200 --> 02:01.380
versteinerte Fliegenlarven.

02:02.460 --> 02:05.660
Und durch die zerstörungsfreie Aufnahme konnte man jetzt die

02:05.660 --> 02:08.860
parasitären Wespen, die sich darin befinden, besser sehen.

02:09.780 --> 02:11.520
In dem Fall sind die blau eingefärbt.

02:12.920 --> 02:16.080
Außerdem wurde Mikrotomografie verwendet, um zum Beispiel die Gelenke

02:16.080 --> 02:17.500
von Rüsselkäfern zu untersuchen.

02:17.500 --> 02:19.860
Diese Käfer sind gerade mal 4 mm groß.

02:20.400 --> 02:23.160
Und dabei hat man entdeckt, dass diese Käfer einen völlig neuen

02:23.160 --> 02:24.300
Gelenkstyp besitzen.

02:25.840 --> 02:29.000
Ihre Gelenke bestehen aus einer Art Schraube, die sich in einer Mutter

02:29.000 --> 02:29.560
befindet.

02:30.600 --> 02:32.420
Vorher war dieser Gelenktyps nicht bekannt.

02:33.540 --> 02:36.160
Eine weitere Anwendung von Synchrotronstrahlung ist die Lithografie

02:36.160 --> 02:38.000
zur Herstellung von sehr kleinen Werkstücken.

02:38.600 --> 02:40.980
Das sind die Zahnräder, die hier unten zu sehen sind.

02:40.980 --> 02:46.060
Die sind gerade mal 1 bis 1,5 mm groß und ihre Zähne dann im 100 bis

02:46.060 --> 02:47.300
10 µm-Bereich.

02:48.640 --> 02:51.520
Diese Zahnräder können zum Beispiel in Uhrenverwendung finden.

02:52.120 --> 02:55.180
Aber man kann auch Strukturen herstellen, die im µm-Bereich sind und

02:55.180 --> 02:56.580
zum Beispiel als Röntgenlinsen dienen.

02:58.100 --> 03:00.920
Auf der rechten Seite ist ein Beispiel für die Röntgenspektroskopie

03:00.920 --> 03:01.540
dargestellt.

03:02.000 --> 03:04.880
In dem Fall wird die Synchrotronstrahlung verwendet, um direkt die

03:04.880 --> 03:07.660
Prozesse, die in einem Katalysator ablaufen, zu untersuchen.

03:07.660 --> 03:12.940
Man kann damit praktisch in situ und in operando, also live, die

03:12.940 --> 03:17.620
Materialveränderungen, die dabei auftreten, während der katalysische

03:17.620 --> 03:19.500
Prozess abläuft, beobachten.

03:19.940 --> 03:22.500
Und das hilft natürlich bei der Erforschung und Entwicklung von neuen

03:22.500 --> 03:25.640
Katalysatorenprozessen oder Typen.

03:26.700 --> 03:29.860
Ein sehr aktueller Anwendungsfall ist oben in der Mitte dargestellt.

03:29.860 --> 03:34.900
Hier wurde mit makromolekularer Kristallografie die Struktur von einem

03:34.900 --> 03:38.520
Enzym des SARS-CoV-2-Viruses untersucht und dargestellt.

03:39.580 --> 03:42.960
Die Struktur dieses Enzyms ist sehr wichtig, denn es verrät uns viel

03:42.960 --> 03:46.320
über die Funktionsweise des Enzyms, welches wiederum zur Vermehrung

03:46.320 --> 03:47.480
des Viruses da ist.

03:47.980 --> 03:51.520
Sodass, wenn nun Medikamente entwickelt werden, um diese Vermehrung zu

03:51.520 --> 03:56.280
hemmen, eben genau die Funktionsweise des Enzyms sehr essentiell ist.

03:57.820 --> 04:00.100
Aber wie wird die Synchronstrahlung nun erzeugt?

04:01.220 --> 04:03.800
Genau wie zum Beispiel bei Glühbirnen wird Synchronstrahlung mit

04:03.800 --> 04:04.900
Elektronen erzeugt.

04:05.140 --> 04:08.020
Nur, dass im Fall der Glühbirne die Elektronen als elektrischer Strom

04:08.020 --> 04:09.180
aus der Steckdusse kommen.

04:09.560 --> 04:12.540
Und für die Erzeugung von Synchronstrahlung müssen sich die Elektronen

04:12.540 --> 04:13.240
schnell bewegen.

04:13.580 --> 04:16.640
Darum können sie in diesem Fall nicht im Material einer Stromleitung

04:16.640 --> 04:18.480
sein, sondern müssen sich im Vakuum befinden.

04:19.160 --> 04:20.460
Das ist hier dargestellt.

04:20.600 --> 04:23.400
Im oberen Bild sieht man noch die Elektronen, wie sie sich zwischen

04:23.400 --> 04:25.980
den Atomen des elektrischen Leiters befinden.

04:26.340 --> 04:30.000
Und im nächsten Bild sieht man eben, wie die Elektronen im Vakuum sich

04:30.000 --> 04:30.900
frei bewegen können.

04:31.320 --> 04:34.240
Im dritten Bild sind die Elektronen zu einem Elektronenpaket

04:34.240 --> 04:34.500
zusammengruppiert.

04:36.400 --> 04:40.820
Das erleichtert uns die Handhabung der Elektronen und insbesondere für

04:40.820 --> 04:44.320
die starke Beschleunigung, die notwendig ist, um Synchronstrahlung zu

04:44.320 --> 04:44.920
erzeugen.

04:44.920 --> 04:48.460
Denn dafür müssen sich die Elektronen mit nahezu Lichtgeschwindigkeit

04:48.460 --> 04:48.920
bewegen.

04:51.020 --> 04:54.260
Die Synchronstrahlung wird dann abgestrahlt, wenn ein Elektron eben

04:54.260 --> 04:57.100
mit nahezu Lichtgeschwindigkeit um eine Kurve gelenkt wird.

04:57.460 --> 04:59.380
Das ist in der Animation rechts zu sehen.

04:59.880 --> 05:03.480
Das Elektron ist der schwarze Punkt und das gelbe Feld außenrum ist

05:03.480 --> 05:06.440
das elektromagnetische Feld, das das Elektron zu jedem Zeitpunkt

05:06.440 --> 05:06.900
umliegt.

05:06.900 --> 05:11.220
Sobald sich das Elektron nun um die Kurve bewegt, kann man vereinfacht

05:11.220 --> 05:13.800
dargestellt sich überlegen, dass die obere Kante des elektrischen

05:13.800 --> 05:17.200
Feldes nun schneller als Lichtgeschwindigkeit sein müsste, um

05:17.200 --> 05:18.540
praktisch hinterher zu kommen.

05:19.500 --> 05:22.260
Da das nicht möglich ist, wird dieser Teil des elektromagnetischen

05:22.260 --> 05:25.220
Feldes als elektromagnetische Strahlung, in dem Fall

05:25.220 --> 05:27.060
Synchronstrahlung, abgestrahlt.

05:29.600 --> 05:32.880
Um jetzt die Elektronen auf diese Kreisbahn, auf diese Kurve zu

05:32.880 --> 05:34.700
lenken, benutzt man Magnete.

05:35.180 --> 05:37.680
Relativ vereinfacht kann man sich das vorstellen, man hat einen großen

05:37.680 --> 05:41.180
Nordpol und einen Südpol des Magneten und sobald das Elektron in das

05:41.180 --> 05:46.060
magnetische Feld des Magneten eindringt, wird es um die Kurve gelenkt.

05:46.840 --> 05:49.740
Da wir jetzt nicht nur einmal die Elektronen ablenken wollen und nicht

05:49.740 --> 05:53.120
nur an einem Punkt die Synchronstrahlung erzeugen wollen, wird

05:53.120 --> 05:56.900
praktisch mehrere dieser Magnete hintereinander gehängt, sodass sich

05:56.900 --> 05:59.180
am Ende für die Elektronen eine Kreisbahn ergibt.

05:59.800 --> 06:01.360
Das ist hier dargestellt.

06:01.960 --> 06:05.300
Nun bewegt sich dieses Elektronenpaket auf einer Kreisbahn damit

06:05.300 --> 06:09.020
dauerhaft um die Kurve und strahlt kontinuierlich Synchronstrahlung

06:09.020 --> 06:13.620
ab, die jetzt eben überall verteilt um den Ring abgefangen und benutzt

06:13.620 --> 06:14.240
werden kann.

06:15.940 --> 06:18.780
Um die Synchronstrahlung weiter zu optimieren, gibt es verschiedene

06:18.780 --> 06:19.480
Möglichkeiten.

06:20.200 --> 06:23.960
Zum einen kann man versuchen, mehr Elektronen in ein Paket zu packen,

06:24.100 --> 06:26.760
sodass man praktisch mehr Abstrahlung bekommt und damit mehr Licht

06:26.760 --> 06:27.020
hat.

06:27.020 --> 06:30.820
Eine andere Möglichkeit ist, das Elektronenpaket räumlich zu

06:30.820 --> 06:34.500
verkleinern und dadurch praktisch den Quellpunkt der Synchronstrahlung

06:34.500 --> 06:41.260
und damit auch den Lichtspot auf der Probe zum Beispiel, während man

06:41.260 --> 06:45.040
das Experiment macht, zu verkleinern, damit dabei die Intensität und

06:45.040 --> 06:47.080
damit praktisch mehr Licht zu haben.

06:48.300 --> 06:51.220
Eine andere Möglichkeit ist, die Elektronen nicht nur auf einer

06:51.220 --> 06:54.460
vereinfachten Kreisbahn umzulenken, sondern auf eine Art

06:54.460 --> 06:56.080
Schlangenlinienbahn zu senden.

06:56.080 --> 07:00.260
Dazu benutzt man Modulatoren, das sind Geräte, in denen mehrere

07:00.260 --> 07:03.520
Magnete immer abwechselnd mit dem Nord- und Südpol oben sind, sodass

07:03.520 --> 07:08.480
die Elektronen eben diese Schlangenlinienbahn fliegen und bei jeder

07:08.480 --> 07:11.720
Kurve Synchronstrahlung abstrahlen, was natürlich zu einer vermehrten

07:11.720 --> 07:13.480
Abstrahlung durch die vielen Kurven führt.

07:15.060 --> 07:19.020
Eine andere Möglichkeit der Optimierung ist es, die abgestrahlten

07:19.020 --> 07:22.480
Pulse zu verkürzen, denn das gibt uns eine kürzere Belichtungsdauer.

07:22.480 --> 07:25.760
Aus der Fotografie kennt man das, wie hier zum Beispiel an dem

07:25.760 --> 07:26.880
Springbrunnen dargestellt.

07:27.260 --> 07:29.460
Wenn man eine kürzere Belichtungsdauer wählt, kann man schnelle

07:29.460 --> 07:32.460
Prozesse besser auflösen, ohne dass sie eben verwaschen.

07:32.860 --> 07:35.980
Das heißt, dafür müssen wir die Elektronenpakete räumlich kürzer

07:35.980 --> 07:36.280
machen.

07:38.060 --> 07:44.200
Alle diese Optimierungen sind relativ komplex und bringen einiges an

07:44.200 --> 07:45.340
Herausforderungen mit sich.

07:45.700 --> 07:48.280
Und deswegen gibt es dedizierte Einrichtungen, die sich damit

07:48.280 --> 07:51.760
beschäftigen, Synchronstrahlung mit den besten möglichen Eigenschaften

07:51.760 --> 07:52.500
zu produzieren.

07:53.560 --> 07:56.580
Von diesen Synchronstrahlungsquellen gibt es mehrere große

07:56.580 --> 08:00.540
Einrichtungen, bis über 50 große Einrichtungen weltweit, mehr als 20

08:00.540 --> 08:01.420
davon in Europa.

08:01.420 --> 08:05.680
Und auch hier am KIT, am Campus Nord, befindet sich so eine

08:05.680 --> 08:08.580
Einrichtung, CARA, der Karlsruhe Research Accelerator.

08:09.880 --> 08:13.400
Auf dem Bild rechts sieht man sehr gut die kreisförmige Struktur, in

08:13.400 --> 08:17.940
der die Elektronen umfliegen können und tangential davon ausgehend die

08:17.940 --> 08:20.260
verschiedenen Beamlines, also die verschiedenen

08:20.260 --> 08:23.120
Experimentierstationen, in denen das Licht genutzt werden kann.

08:25.300 --> 08:29.780
CARA ist seit 2004 in Betrieb und seit 2015 ist es nicht nur eine

08:29.780 --> 08:34.400
Synchronstrahlungsquelle, sondern dient auch als Testanlage zur

08:34.400 --> 08:37.480
Erforschung von Beschleunigerphysik, das ist die Physik, die sich in

08:37.480 --> 08:40.460
solchen Anlagen abspielt, und zur Erforschung von der Produktion der

08:40.460 --> 08:43.540
Synchronstrahlung und auch der Optimierung der Synchronstrahlung, zum

08:43.540 --> 08:45.520
Beispiel durch kürzere Elektronenpakete.

08:46.680 --> 08:49.400
Das heißt, wie ein Kollege von mir immer so schön sagt, wir machen

08:49.400 --> 08:50.780
Forschung für die Forschung.

08:51.740 --> 08:55.240
Die Elektronen, die bei CARA im Kreis fliegen, haben eine Energie von

08:55.240 --> 08:56.020
2,5 Gigaelektronenwatt.

08:57.680 --> 09:00.140
Das ist eine sehr hohe Energie, sodass die Elektronen nun eine

09:00.140 --> 09:03.660
Geschwindigkeit haben, die nur 6 Meter pro Sekunde langsamer ist als

09:03.660 --> 09:04.520
tatsächlich Licht.

09:05.840 --> 09:10.000
Und da CARA etwa einen Umfang von 110 Meter hat, schaffen diese

09:10.000 --> 09:14.540
superschnellen Elektronen nun 2,7 Millionen Umläufe in der Sekunde.

09:16.280 --> 09:19.360
An CARA gibt es etwa 20 Beamlines, das heißt 20

09:19.360 --> 09:22.380
Experimentierstationen, an denen das Licht ausgekoppelt werden kann

09:22.380 --> 09:25.460
und nach außen geleitet wird und für verschiedenste Experimente zur

09:25.460 --> 09:26.120
Verfügung steht.

09:27.080 --> 09:30.520
Im folgenden werde ich Ihnen nun ein kurzes Video zeigen, in dem man

09:30.520 --> 09:33.900
sieht, wie CARA aussieht, und man bekommt einen relativ guten Eindruck

09:33.900 --> 09:35.420
von der Größe des Ganzen.

09:37.640 --> 09:39.260
Nun betreten wir CARA.

09:39.700 --> 09:42.820
Der Zutritt durch die Sicherheitstüre ist nur im ausgeschalteten

09:42.820 --> 09:43.640
Zustand möglich.

09:47.070 --> 09:50.850
Links sieht man die grünen Dächer einiger Beamlines, in die die

09:50.850 --> 09:54.470
erzeugte Synchrononstrahlung geführt wird und für verschiedenste

09:54.470 --> 09:56.050
Experimente zur Verfügung steht.

10:01.620 --> 10:04.460
Genau innerhalb entlang der aus weißen Blöcken aufgebauten

10:04.460 --> 10:07.940
Strahlenschutzmauer verläuft der Ring, in dem die Elektronenpakete

10:07.940 --> 10:08.500
umfliegen.

10:14.000 --> 10:17.880
Nun stehen wir unten innerhalb des Rings, direkt neben dem Vakuumrohr

10:17.880 --> 10:19.020
und den Magneten.

10:19.020 --> 10:23.200
Man kann aufgrund der vielen Geräte, der Gnostik und Pumpen, das

10:23.200 --> 10:25.640
eigentliche Rohr, in dem die Elektronen fliegen, kaum sehen.

10:26.540 --> 10:29.500
Die großen gelben Magnete halten die Elektronen auf der Kreisbahn.

10:30.040 --> 10:33.200
Die kleinen roten und grünen Magnete dienen dazu, die Größe des

10:33.200 --> 10:34.900
Elektronenpakets zu kontrollieren.

10:36.260 --> 10:39.240
Nun möchte ich Ihnen gerne einige Beispiele vorstellen, die wir in

10:39.240 --> 10:40.080
CARA erforschen.

10:40.080 --> 10:43.920
Zum Beispiel werden in CARA Supraleitende Ultradatoren getestet.

10:44.280 --> 10:46.300
Ein Foto davon ist oben links zu sehen.

10:47.000 --> 10:49.580
Ultradatoren sind Geräte, die die Elektronen eben auf eine

10:49.580 --> 10:52.900
Schlangenlinienbahn lenken und so, wie vorher erklärt, zu einer

10:52.900 --> 10:55.260
verstärkten Abstrahlung von Synchrononstrahlung führen.

10:56.640 --> 10:59.840
Außerdem werden natürlich Simulationen von der Dynamik gemacht.

11:01.240 --> 11:04.700
Da es einfach einfacher ist, sich damit die Prozesse vorzustellen, die

11:04.700 --> 11:07.720
in der Maschine ablaufen, und da es eben nicht so einfach ist, in die

11:07.720 --> 11:11.400
Maschine und damit zu den Elektronen hineinzusehen und zu sehen, wie

11:11.400 --> 11:12.240
die sich verhalten.

11:12.960 --> 11:17.380
Natürlich arbeiten wir auch daran, die Elektronen besser beobachten zu

11:17.380 --> 11:20.880
können, also genau dieses Hineinsehen, genau diese Diagnose zu

11:20.880 --> 11:21.440
optimieren.

11:21.900 --> 11:23.740
Dazu haben wir verschiedene Diagnosemethoden.

11:24.100 --> 11:26.140
Eine davon ist unten rechts dargestellt.

11:26.500 --> 11:30.520
In dem Fall wurde die emittierte Synchrononstrahlung, also die

11:30.520 --> 11:34.480
abgestrahlte Strahlung, benutzt, um den Punkt oder die Position der

11:34.480 --> 11:37.440
Elektronen zu untersuchen und man kann jetzt sehen, dass über die

11:37.440 --> 11:41.820
Zeit, die da aufgetragen ist, die Position der Elektronen eben

11:41.820 --> 11:42.860
geschweigt hat.

11:44.300 --> 11:47.300
Wir arbeiten auch daran, immer neue Detektoren zu testen, die uns mit

11:47.300 --> 11:48.760
der Diagnose helfen könnten.

11:49.180 --> 11:52.200
Gleichzeitig ist natürlich die breite Spektrum der Synchrononstrahlung

11:52.200 --> 11:55.680
von Vorteil, auch Detektoren für andere Anwendungszwecke gezielt zu

11:55.680 --> 11:56.080
testen.

11:57.900 --> 12:00.100
Außer CARA gibt es auch noch eine weitere Synchrononstrahlungsquelle.

12:01.680 --> 12:04.060
An unserem Institut wird nämlich daran gearbeitet, einen

12:04.060 --> 12:05.840
Linearbeschleuniger aufzubauen.

12:06.420 --> 12:09.400
In dem werden die Elektronen nicht in einem Kreis fliegen wie bei

12:09.400 --> 12:13.640
CARA, sondern erstmal einfach geradeaus und am Ende dann um eine Kurve

12:13.640 --> 12:15.140
gelenkt, um Synchrononstrahlung abzustrahlen.

12:16.320 --> 12:18.800
Dieser Beschleuniger wird zwar nicht die gleichen Energien wie CARA

12:18.800 --> 12:22.300
erreichen, hat aber den Vorteil, dass noch kürzere Elektronenpakete

12:22.300 --> 12:25.100
erzeugt werden können und damit noch kürzere Lichtpuls.

12:26.420 --> 12:29.620
Das Thema, mit dem ich mich hauptsächlich beschäftige, ist die

12:29.620 --> 12:32.180
Untersuchung von extremen Operationsmodi.

12:32.780 --> 12:35.480
Also zum Beispiel der Betrieb von CARA mit sehr kleinen oder sehr

12:35.480 --> 12:39.100
kurzen Elektronenpaketen, wobei ich mich hauptsächlich mit der

12:39.100 --> 12:42.160
Untersuchung von sehr kurzen Elektronenpaketen beschäftige.

12:43.080 --> 12:45.780
Das Ganze ist hier dargestellt, das heißt eigentlich werden die

12:45.780 --> 12:49.140
Elektronen am Paket einfach nur zusammengebracht, sodass sich die

12:49.140 --> 12:51.120
Länge des Paketes reduziert.

12:52.160 --> 12:55.200
Aber was passiert jetzt eigentlich bei kurzen Elektronenpaketen?

12:56.080 --> 12:58.700
Hier wird erstmal nochmal ein langes Elektronenpaket dargestellt und

12:58.700 --> 13:02.380
die Synchrononstrahlung ist in Form von einer abgestrahlten Welle zu

13:02.380 --> 13:02.680
sehen.

13:03.380 --> 13:07.560
Und für jedes Elektron wird sozusagen eine Welle emittiert und die

13:07.560 --> 13:11.600
abgestrahlte Leistung ist die Summe dieser Wellen und ist damit

13:11.600 --> 13:14.440
proportional zur Anzahl der Elektronen.

13:14.460 --> 13:17.800
Wenn wir jetzt nun dieses Elektronenpaket in der Länge verkürzen, das

13:17.800 --> 13:20.940
heißt die Elektronen näher zusammenbringen, sind auch die Quellpunkte

13:20.940 --> 13:24.360
dieser Wellen näher beieinander und was passiert ist, dass diese

13:24.360 --> 13:25.820
Wellen in Phase liegen.

13:25.920 --> 13:28.700
Das kann man hier sehr gut sehen, weil in dem oberen Bild das alles

13:28.700 --> 13:32.100
etwas chaotisch aussieht, kann man im unteren eben sehr schön alle

13:32.100 --> 13:34.880
Wellen gleichzeitig parallel in Phase sehen.

13:36.340 --> 13:39.940
Was dabei passiert ist, dass diese Wellen sich jetzt nicht einfach nur

13:39.940 --> 13:42.280
addieren, sondern zusätzlich auch noch quadrieren.

13:42.360 --> 13:46.020
Das heißt, es wird viel mehr Leistung abgestrahlt und die Abstrahlung

13:46.020 --> 13:48.620
ist jetzt nicht mehr nur proportional zur Anzahl der Elektronen,

13:48.840 --> 13:51.280
sondern proportional zur Anzahl der Elektronen im Quadrat.

13:51.280 --> 13:55.800
Das heißt, das ist eine starke Verstärkung der abgestrahlten

13:55.800 --> 14:00.620
Synchronstrahlung, denn wir haben so circa mehrere Millionen bis eine

14:00.620 --> 14:02.860
Milliarde an Elektronen in so einem Paket.

14:03.000 --> 14:05.720
Das heißt, der Faktor ist auf keinen Fall vernachlässigbar.

14:06.780 --> 14:10.020
Das interessante ist jetzt, dass diese Verstärkung nur für bestimmte

14:10.020 --> 14:13.200
Wellenlängen, also bestimmte Lichtfarben sozusagen auftritt.

14:13.200 --> 14:15.900
Das kann man hier sehr gut sehen, im unteren Bild ist jetzt der

14:15.900 --> 14:20.680
gleiche kurze Elektronenpaket dargestellt und jetzt ist aber die

14:20.680 --> 14:23.700
abgestrahlte Welle, also die Synchronstrahlung, mit einer anderen

14:23.700 --> 14:24.240
Wellenlänge.

14:24.960 --> 14:27.940
Und man sieht jetzt, dass es wieder leicht chaotisch aussieht im

14:27.940 --> 14:30.960
Vergleich zum mittleren Bild.

14:31.100 --> 14:36.220
Das heißt, hier tritt keine Verstärkung auf und die Leistung ist auch

14:36.220 --> 14:38.120
wieder proportional zur Anzahl der Elektronen.

14:39.360 --> 14:43.160
Zusammenfassend heißt es, dass für sehr kurze Elektronenpakete

14:43.160 --> 14:46.180
bestimmte Wellenlängen, das heißt bestimmte Lichtfarben, verstärkt

14:46.180 --> 14:47.060
abgestrahlt werden.

14:47.160 --> 14:50.020
Und das ist auf jeden Fall von Vorteil, dadurch haben wir mehr

14:50.020 --> 14:51.420
Synchronstrahlung in diesem Bereich.

14:52.020 --> 14:55.260
Und in unserem Fall an CARA tritt diese Verstärkung auch genau im

14:55.260 --> 14:57.240
Bereich der Terahertzstrahlung auf.

14:57.680 --> 15:01.200
Und die Terahertzstrahlung ist ein sehr interessanter Bereich für die

15:01.200 --> 15:05.840
aktuelle Forschung, denn er liegt auf dem elektromagnetischen Spektrum

15:05.840 --> 15:09.660
zwischen der Mikrowellenstrahlung und der Infrarotstrahlung, also

15:09.660 --> 15:13.760
unterhalb vom sichtbaren Licht, hat aber im Vergleich zum Beispiel der

15:13.760 --> 15:18.520
Funkwelle oder dem WLAN eine deutlich kürzere Wellenlänge, das heißt

15:18.520 --> 15:19.400
auch eine höhere Frequenz.

15:19.900 --> 15:22.420
Und damit ist es möglich, viel schneller Daten zu übertragen.

15:22.980 --> 15:26.260
Da man praktisch einen viel schnelleren Wechsel in der Welle hat und

15:26.260 --> 15:28.660
damit höhere Datenraten erreichen kann.

15:28.720 --> 15:31.280
Das heißt, es ist ein sehr aktiver Bereich der Forschung momentan.

15:32.160 --> 15:36.680
Ein weiterer Bereich in der Forschung ist die Anwendung von

15:36.680 --> 15:38.600
Terahertzstrahlung zur Materialanalyse.

15:40.180 --> 15:43.460
Das kann man hier sehen zum Beispiel, einige kennen das bestimmt auch,

15:43.580 --> 15:47.540
am Flughäfen gibt es jetzt diese Terahertzscanner anstelle von

15:47.540 --> 15:48.380
Röntgenscanner.

15:50.120 --> 15:52.940
Und da wird eben die Terahertzstrahlung benutzt, um zum Beispiel

15:52.940 --> 15:54.320
versteckte Objekte zu sehen.

15:54.500 --> 15:56.800
Das heißt, die Terahertzstrahlung wird genutzt, um verschiedene

15:56.800 --> 15:58.660
Materialien voneinander zu unterscheiden.

15:58.660 --> 16:02.580
Auf der linken Seite ist ein Foto von einer Person, sowohl im

16:02.580 --> 16:06.580
sichtbaren Bereich, in der Mitte im infraroten Bereich und das linkere

16:06.580 --> 16:09.040
Foto ist mit Terahertz aufgenommen.

16:09.340 --> 16:12.540
Und man sieht sehr gut, dass im Terahertzbereich das Objekt, was die

16:12.540 --> 16:16.320
Person in dem Umschlag hat, viel besser zu sehen ist, als in den

16:16.320 --> 16:17.320
anderen beiden Bereichen.

16:18.280 --> 16:21.280
Im Vergleich zur Röntgenstrahlung hat die Terahertzstrahlung auch den

16:21.280 --> 16:23.800
entscheidenden Vorteil, dass sie eben nicht schädlich für den Körper

16:23.800 --> 16:24.220
ist.

16:24.220 --> 16:27.580
Und das wird natürlich auch für viele biologische Untersuchungen und

16:27.580 --> 16:30.320
Experimente genutzt, da die Terahertzstrahlung im Gegensatz zu der

16:30.320 --> 16:35.760
Röntgenstrahlung die Proben und das Material nicht zerstört.

16:36.940 --> 16:41.060
Außerdem kann man mit der Terahertzstrahlung die Materialien anders

16:41.060 --> 16:42.980
unterscheiden, als man es mit Röntgenstrahlung könnte.

16:43.840 --> 16:46.820
Bei Röntgenstrahlung kennt man es, dass zum Beispiel Metall oder

16:46.820 --> 16:50.020
Knochen mit sehr hoher Dichte gut zu erkennen sind.

16:50.700 --> 16:54.560
In der Terahertzstrahlung ist in der Mitte dargestellt, verschiedene

16:54.560 --> 16:59.040
Materialien aufgenommen worden, jeweils in einer Schachtel, in einer

16:59.040 --> 17:00.140
Streichholzschachtel.

17:00.660 --> 17:03.600
Und im oberen Bereich befindet sich nur ein durchsichtiger

17:03.600 --> 17:07.680
Klebestreifen, im mittleren eine Büroklammer aus Metall und im unteren

17:07.680 --> 17:09.160
tatsächlich eine Aspirin-Tablette.

17:09.780 --> 17:11.340
Und wenn man jetzt die geschlossenen Schachtel mit der

17:11.340 --> 17:13.860
Terahertzstrahlung durchleuchtet, kann man eben sehen, dass alle drei

17:13.860 --> 17:17.900
Materialien sehr gut zu sehen sind und mit der Terahertzstrahlung

17:17.900 --> 17:19.020
aufgelöst werden können.

17:20.080 --> 17:22.160
Das heißt, eigentlich ist es alles super.

17:22.560 --> 17:26.400
Wir haben kurze Elektronenpakete, damit können wir natürlich die

17:26.400 --> 17:29.520
kurzen Lichtpulse haben, die uns eine bessere zeitliche Auflösung für

17:29.520 --> 17:32.060
die Experimente bekommen, da wir jetzt eine kürzere Belichtungszeit

17:32.060 --> 17:32.440
haben.

17:33.040 --> 17:36.320
Wir bekommen auch zusätzlich noch mehr Terahertzstrahlung, mit der wir

17:36.320 --> 17:38.920
verschiedene Experimente machen können und forschen können.

17:39.760 --> 17:41.280
Aber es gibt da auch ein Problem.

17:42.440 --> 17:45.920
Durch die verstärkte Abstrahlung kommt es auch zu mehr Interaktion

17:45.920 --> 17:48.020
zwischen den Elektronen in ein Elektronenpaket.

17:49.760 --> 17:52.740
Aber wie interagieren diese Elektronen jetzt eigentlich miteinander?

17:53.580 --> 17:56.620
Dazu muss man sich nochmal in Erinnerung rufen, dass die Elektronen

17:56.620 --> 17:58.400
mit nahezu Lichtgeschwindigkeit fliegen.

17:59.200 --> 18:02.960
Das heißt, wenn man sich das übertragen vorstellt und wir uns zum

18:02.960 --> 18:07.080
Beispiel in ein Auto setzen und neben uns eine andere Person in einem

18:07.080 --> 18:09.940
anderen Auto fährt und wir fahren sehr schnell, dann ist es eben

18:09.940 --> 18:13.400
relativ schwierig, sich gegenseitig zu hören, da der Fahrtwind einem

18:13.400 --> 18:17.760
sprichwörtlich die Worte aus dem Mund reißt und das Ganze die

18:17.760 --> 18:19.800
Kommunikation sehr stark erschwert.

18:20.840 --> 18:22.120
Ähnlich geht es den Elektronen.

18:22.620 --> 18:25.060
Sie verstehen sich auch kaum, wenn sie bei Lichtgeschwindigkeit

18:25.060 --> 18:26.160
nebeneinander herfliegen.

18:27.100 --> 18:29.780
Was jetzt aber einen Unterschied macht, ist durch die kurzen

18:29.780 --> 18:33.360
Elektronenpakete und die verstärkte Abstrahlung dann in einer

18:33.360 --> 18:36.160
bestimmten Wellenlänge ist die Kommunikation lauter.

18:36.160 --> 18:40.100
Die Elektronen können jetzt praktisch lauter schreien und diese

18:40.100 --> 18:42.820
stärkere Kommunikation ermöglicht es eben, dass sie sich doch

18:42.820 --> 18:43.800
miteinander unterhalten.

18:44.800 --> 18:47.540
Und wie die sich miteinander unterhalten, ist unten in der Animation

18:47.540 --> 18:48.620
darzusehen.

18:49.760 --> 18:53.320
Auf der einen Seite haben wir das Elektronenpaket, was durch das

18:53.320 --> 18:57.860
Magnetfeld auf eine Kreisbahn gelenkt wird und gleichzeitig sieht man,

18:58.000 --> 19:01.660
dass es zu Beginn dieser Kreisbahn eine Synchrotronstrahlung

19:01.660 --> 19:02.300
abstrahlt.

19:02.300 --> 19:04.500
Eben in diesem Fall als Welle stilisiert dargestellt.

19:05.620 --> 19:08.820
Und da diese Synchrotronstrahlung als elektromagnetische Welle nicht

19:08.820 --> 19:12.020
abgelenkt wird vom Magnetfeld, kann die praktisch abkürzen.

19:12.360 --> 19:15.520
Während das Elektronenpaket außenrum fliegen muss, kann die aufholen

19:15.520 --> 19:18.740
und dann können praktisch Elektronen, die vorher am hinteren Ende des

19:18.740 --> 19:21.780
Elektronenpakets saßen, jetzt mit Elektronen im vorderen Ende

19:21.780 --> 19:22.580
kommunizieren.

19:22.860 --> 19:25.100
Denn die empfangen die Synchrotronstrahlung wiederum.

19:26.420 --> 19:29.560
Diese Kommunikation kann man sich vorstellen als einen Austausch von

19:29.560 --> 19:32.700
Informationen oder auch als einen Austausch von Energie.

19:33.340 --> 19:36.940
Was dazu führt, dass sich das Elektronenpaket verformt.

19:37.000 --> 19:38.960
Das heißt, es bildet sich jetzt einen Kreislauf.

19:39.080 --> 19:41.320
Wir haben auf der einen Seite die verstärkte Abstrahlung.

19:42.700 --> 19:46.900
Dann haben wir die Kommunikation der Elektronen miteinander, die jetzt

19:46.900 --> 19:48.860
möglich wurde durch die verstärkte Abstrahlung.

19:49.120 --> 19:51.500
Das heißt, die interagieren jetzt und durch die Interaktion ergibt

19:51.500 --> 19:53.120
sich aber eine Verformung des Elektronenpaketes.

19:53.860 --> 19:56.860
Und diese Verformung führt wieder dazu, dass wir zum Beispiel

19:56.860 --> 19:59.520
verschiedene Längen des Elektronenpakets haben, was wieder die

19:59.520 --> 20:00.640
Abstrahlung verändert.

20:01.000 --> 20:02.340
Und die Verstärkung der Abstrahlung.

20:02.440 --> 20:06.280
Das heißt, es bildet sich dieser Kreislauf und genau daraus entsteht

20:06.280 --> 20:07.440
dann eine Instabilität.

20:08.760 --> 20:12.700
Diese Instabilität kann man sehr gut hier in der Animation sehen.

20:13.280 --> 20:16.840
Auf der rechten Seite, nein, auf der linken Seite sind ganz viele

20:16.840 --> 20:20.200
Elektronen als blaue Punkte stilisiert dargestellt.

20:20.800 --> 20:23.780
Und man sieht jetzt sehr gut, dass es Zeitpunkte gibt, wo diese

20:23.780 --> 20:28.940
Elektronen eben wie Substrukturen zu sehen sind, also in kleineren

20:28.940 --> 20:29.240
Haufen.

20:29.320 --> 20:32.680
Oder wie jetzt gerade eine sehr weiche Verteilung, wo sie alle

20:32.680 --> 20:33.920
gleichmäßig verteilt sind.

20:34.280 --> 20:37.460
Und dann bilden sich wieder diese Cluster an Elektronen oder

20:37.460 --> 20:38.640
Substrukturen heraus.

20:38.960 --> 20:41.940
Und man kann sehen, auf der rechten Seite ist die abgestrahlte

20:41.940 --> 20:45.480
Leistung, also die Menge des Lichtes, die emittiert wird, über die

20:45.480 --> 20:46.400
Zeit dargestellt.

20:46.400 --> 20:49.460
Und man sieht, dass es eben auch sehr stark schwankt und davon

20:49.460 --> 20:53.800
abhängt, wie die Elektronen gerade im Elektronenpaket verteilt sind.

20:56.840 --> 20:59.760
Diese Instabilität, die jetzt eben zu einer Fluktuation in der

20:59.760 --> 21:03.460
abgestrahlten Leistung, aber auch zu einer Veränderung der Form und

21:03.460 --> 21:07.160
der Größe des Elektronenpaketes führt, ist natürlich nicht sehr

21:07.160 --> 21:09.900
hilfreich für einen stabilen Betrieb und eine Nutzung von

21:09.900 --> 21:10.880
Synchrotronstrahlung.

21:10.980 --> 21:14.000
Weil wenn wir mal mehr, mal weniger Licht bekommen, ist es natürlich

21:14.000 --> 21:14.760
nicht erwünscht.

21:15.540 --> 21:19.360
Das heißt, was ich jetzt untersuche, ist, bei welchen Konditionen

21:19.360 --> 21:23.020
genau diese Instabilität auftritt und wie sie sich dann verhält.

21:23.860 --> 21:27.640
Und wie die Elektronen sich während der Instabilität verhalten.

21:30.140 --> 21:33.460
Die Instabilität hat eine entscheidende Eigenschaft.

21:33.640 --> 21:36.080
Und zwar hat sie eine sehr konkrete Schwelle.

21:36.080 --> 21:43.180
Sozusagen eine Grenze unterhalb derer, das Elektronenpaket stabil ist

21:43.180 --> 21:47.580
und oberhalb derer eben diese Instabilität auftritt und das

21:47.580 --> 21:50.600
Elektronenpaket sich verformt und schwankt, wie wir das vorher in der

21:50.600 --> 21:51.940
Animation gesehen haben.

21:53.000 --> 21:56.100
Diese Grenze hängt von verschiedenen Eigenschaften ab.

21:56.600 --> 21:59.280
Und das ist auf der linken Seite hier dargestellt.

22:00.300 --> 22:04.300
Man sieht auf der horizontalen Achse die Länge des Elektronenpakets

22:04.300 --> 22:07.420
und auf der vertikalen Achse die Anzahl der Elektronen in diesem

22:07.420 --> 22:08.400
Elektronenpaket.

22:09.020 --> 22:10.900
Und man kann sich jetzt zum Beispiel vorstellen, wenn man zu sehr

22:10.900 --> 22:14.740
langen Elektronenpaketen geht, kann man sehr viele Elektronen in das

22:14.740 --> 22:17.480
Paket packen, bevor die Instabilität auftritt.

22:17.860 --> 22:20.440
Das heißt, das ist sozusagen der Bereich, wo man sich mit langen

22:20.440 --> 22:23.780
Elektronenpaketen sicher stabil aufhält.

22:23.780 --> 22:27.060
Wenn man jetzt aber dahin geht, wo wir hinwollen, nämlich zu kurzen

22:27.060 --> 22:31.540
Elektronenpaketen, dann können wir nur sehr wenige Elektronen in das

22:31.540 --> 22:33.860
Paket packen, bevor die Instabilität auftritt.

22:34.180 --> 22:37.460
Das heißt, es ist sehr entscheidend zu untersuchen, wie viele genau

22:37.460 --> 22:41.120
können wir reinpacken, bevor es zur Instabilität kommt, aber auch zu

22:41.120 --> 22:43.780
untersuchen, was passiert, wenn die Instabilität da ist.

22:44.720 --> 22:46.340
Wie verhalten sich die Elektronen dann?

22:46.440 --> 22:50.740
Und um genau das zu untersuchen, messen wir sogenannte Fingerabdrücke.

22:50.740 --> 22:54.960
So ein Fingerabdruck ist auf der rechten Seite dargestellt und da ist

22:54.960 --> 22:57.400
einerseits wieder die Anzahl der Elektronen dargestellt.

22:57.700 --> 23:02.680
Auf der anderen Achse ist die Frequenz der Fluktuation, also wie

23:02.680 --> 23:06.060
schnell schwankt das Elektronenprofil oder auch die abgestrahlte

23:06.060 --> 23:06.920
Leistung dargestellt.

23:06.920 --> 23:10.660
Und das kann man sehr gut sehen, dass es unten in diesem Bild einen

23:10.660 --> 23:15.360
dunklen Bereich gibt, in dem praktisch keine Schwankungen auftreten

23:15.360 --> 23:19.020
und das ist genau der Bereich, wo eben für wenige Elektronen im Paket

23:19.020 --> 23:23.240
das Paket noch stabil ist und keine Instabilität auftritt.

23:23.340 --> 23:26.480
Und sobald man über einen bestimmten Wert hinauskommt, sieht man, dass

23:26.480 --> 23:30.640
diese hellen Linien anfangen und eben Fluktuationen auftreten und das

23:30.640 --> 23:35.700
Elektronenpaket anfängt zu schwanken und die Instabilität da ist.

23:35.700 --> 23:38.120
Und man sieht auch, dass es sich immer wieder verändert.

23:38.260 --> 23:40.660
Es bleibt nicht konstant, sondern es gibt eine äußerst komplexe

23:40.660 --> 23:43.180
Dynamik, die sehr interessant zu untersuchen ist.

23:44.140 --> 23:48.520
Und genau um das zu untersuchen, verändert man jetzt die Eigenschaften

23:48.520 --> 23:48.890
des Elektronenpakets.

23:49.480 --> 23:52.740
Also zum Beispiel nimmt man verschiedene Längen des Elektronenpakets

23:52.740 --> 23:56.880
oder man nimmt Elektronen mit leicht unterschiedlichen Energien oder

23:56.880 --> 23:59.160
man beschleunigt die Elektronen leicht unterschiedlich.

23:59.160 --> 24:02.040
Oder man lässt sie auf einer leicht unterschiedlichen Bahn umlaufen.

24:02.340 --> 24:05.520
Und wenn man für jede dieser Fälle nun so einen Fingerabdruck misst,

24:06.120 --> 24:09.260
sieht man, wie hier dargestellt für vier Beispiele, dass der

24:09.260 --> 24:12.940
Fingerabdruck immer ähnlich aussieht, aber es gleichzeitig durchaus

24:12.940 --> 24:15.520
Unterschiede in der genauen Struktur gibt.

24:16.100 --> 24:19.620
Und genau diese Unterschiede sind uns natürlich sehr interessant, weil

24:19.620 --> 24:22.300
genau die könnten uns verraten, dass es vielleicht irgendwelche

24:22.300 --> 24:25.780
Einstellungen oder Bedingungen gibt, wo die Instabilität nicht ganz so

24:25.780 --> 24:28.160
schlimm ist oder wo man damit besser umgehen kann.

24:30.060 --> 24:33.340
Um jetzt viele solcher Messungen bei vielen verschiedenen Parametern

24:33.340 --> 24:36.340
durchzuführen, habe ich eine neue Messmethodik entwickelt, die das

24:36.340 --> 24:37.260
Ganze beschleunigt.

24:37.840 --> 24:41.280
Das Ganze wurde unter anderem möglich durch eine neue, ultraschnelle

24:41.280 --> 24:44.700
Ausleseelektronik, die in Zusammenarbeit mit dem Institut für

24:44.700 --> 24:48.140
Prozessdatenverarbeitung und Elektronik entstanden ist.

24:48.140 --> 24:52.480
Wie ich vorher erwähnt habe, fliegen die Elektronen 2,7 Millionen Mal

24:52.480 --> 24:53.880
pro Sekunde im Kreis.

24:54.220 --> 24:57.380
Das heißt, man braucht eine sehr, sehr schnelle Elektronik, um die

24:57.380 --> 24:59.780
genau vermessen und beobachten zu können.

25:01.080 --> 25:03.920
Außerdem konnte ich dann zeigen, dass es keinen großen Unterschied

25:03.920 --> 25:08.760
macht, ob wir ein Elektronenpaket im Ring umfliegen lassen oder ob

25:08.760 --> 25:11.360
eben mehrere Elektronenpakete im Ring fliegen.

25:11.360 --> 25:14.960
Für die Instabilität verhält sich jedes Paket so, als wäre es alleine

25:14.960 --> 25:15.680
in der Maschine.

25:16.400 --> 25:19.460
Und damit war es dann möglich, diese neue Messmethode zu entwickeln.

25:20.680 --> 25:23.820
Anstelle jetzt, wie auf der linken Seite dargestellt, ein

25:23.820 --> 25:28.600
Elektronenpaket über eineinhalb Stunden im Ring zu verfolgen und zu

25:28.600 --> 25:32.980
beobachten, wie es langsam an Elektronen verliert und damit die Anzahl

25:32.980 --> 25:36.880
der Elektronen im Paket abnimmt und man diesen Fingerabdruck messen

25:36.880 --> 25:43.860
kann, kann man jetzt 90 oder gar mehr Elektronenpakete gleichzeitig im

25:43.860 --> 25:47.420
Ring füllen, die alle unterschiedliche Anzahl an Elektronen schon

25:47.420 --> 25:47.660
haben.

25:47.780 --> 25:50.860
Das heißt, man kann jetzt mit einer einzigen Messung von nur einer

25:50.860 --> 25:54.800
Sekunde den gleichen Fingerabdruck messen, anstelle wie früher

25:54.800 --> 25:59.080
eineinhalb Stunden zu warten, während ein Elektronenpaket langsam

25:59.080 --> 26:00.380
Elektronen verliert.

26:01.620 --> 26:05.880
Mit dieser neuen Messmethode ist es jetzt möglich, viel

26:05.880 --> 26:08.680
systematischere Messungen zu machen, einfach viel mehr Messungen bei

26:08.680 --> 26:11.540
verschiedenen Parametern durchzuführen und diese dann eben zum

26:11.540 --> 26:15.380
Beispiel mit Theorie- oder Modellvorhersagen zu vergleichen.

26:16.380 --> 26:20.100
Ein Beispiel dafür ist hier dargestellt, wobei hier die theoretische

26:20.100 --> 26:24.400
Vorhersage die graue Linie ist, die diagonal durch den Blatt liegt und

26:24.400 --> 26:28.160
jedes dieser Kreuze der schwarzen Punkte entspricht praktisch einer

26:28.160 --> 26:28.600
Messung.

26:28.600 --> 26:31.620
Und früher hätte jede Messung praktisch eineinhalb Stunden gedauert

26:31.620 --> 26:35.300
und jetzt kann man mit der neuen Messmethode für jede Messung

26:35.300 --> 26:38.660
innerhalb von einer Sekunde so einen Fingerabdruck messen und eben

26:38.660 --> 26:41.960
ganz, ganz viele Punkte erzeugen, die man mit der Theorie vergleichen

26:41.960 --> 26:42.240
kann.

26:43.880 --> 26:47.460
Darüber war es mir natürlich möglich, die Theorie mit vielen, vielen

26:47.460 --> 26:51.240
Messpunkten zu vergleichen, zu schauen, wo passt sie besonders gut, wo

26:51.240 --> 26:55.360
passt sie nicht ganz so gut und dadurch praktisch aufzuzeigen, was an

26:55.360 --> 26:59.140
der Theorie alles gültig ist und woran man noch arbeiten kann.

26:59.140 --> 27:02.060
Denn so ein Theoriemodell ist sehr, sehr wichtig, wenn wir zum

27:02.060 --> 27:06.900
Beispiel neue Beschleuniger oder neue Synchrotronstrahlungsquellen

27:06.900 --> 27:09.760
bauen wollen, die dann eben zum Beispiel mit noch kürzeren

27:09.760 --> 27:13.200
Elektronenpaketen operieren, müssen wir vorher, bevor sie gebaut sind,

27:13.240 --> 27:16.260
Performance messen kann schon wissen, was wir erwarten.

27:16.580 --> 27:19.980
Also wo zum Beispiel diese Instabilität bei kurzen Elektronenpaketen

27:19.980 --> 27:22.980
auftritt, ob sie ein großes Problem wird und dafür brauchen wir genau

27:22.980 --> 27:25.060
diese theoretischen Vorhersagen und Modelle.

27:26.800 --> 27:30.440
Gleichzeitig konnte ich natürlich ein großes Verständnis für diese

27:30.440 --> 27:34.340
Instabilität gewinnen und sehen, wie sie sich bei welchen Bedingungen

27:34.340 --> 27:34.900
verhält.

27:35.280 --> 27:38.220
Das war sehr wichtig, denn jetzt gibt es Kollegen von mir, die daran

27:38.220 --> 27:41.900
arbeiten, diese Instabilität zu unterdrücken oder zu kontrollieren,

27:42.020 --> 27:45.620
indem sie zum Beispiel in die Interaktion der Elektronen untereinander

27:45.620 --> 27:48.840
versuchen einzugreifen oder sie zu unterbinden.

27:48.840 --> 27:52.940
Und all diese Studien sind jetzt praktisch möglich geworden durch

27:52.940 --> 27:57.100
diese schnelle Messmethode und den großen Datenmengen, die wir damit

27:57.100 --> 28:00.320
aufnehmen können und die vielen Vergleichspunkte, die wir gewinnen.

28:01.740 --> 28:05.000
Damit bin ich am Ende von meinem Vortrag und ich hoffe, dass ich Ihnen

28:05.000 --> 28:08.080
einen schönen Einblick in die Dynamik in Synchrotronstrahlungsquellen

28:08.080 --> 28:11.800
geben konnte und Ihnen ein bisschen zeigen konnte, was Elektronen so

28:11.800 --> 28:14.480
umtreibt, während sie mit nahezu Lichtgeschwindigkeit im Kreis

28:14.480 --> 28:14.780
fliegen.

28:15.460 --> 28:15.960
Auf Wiedersehen!

