WEBVTT

00:00.000 --> 00:03.480
Moderne Landwirtschaft gleicht einem Hochleistungsmotor.

00:03.660 --> 00:07.380
Damit sie ihre hohen Erträge erwirtschaften kann, braucht sie einen

00:07.380 --> 00:09.220
Hochleistungskraftstoff.

00:09.780 --> 00:14.240
200.000 Tonnen Phosphordünger jährlich werden in Deutschland von der

00:14.240 --> 00:15.600
Landwirtschaft verbraucht.

00:16.080 --> 00:21.700
Das Problem, wir sind zu 100% auf Importe angewiesen und die Vorkommen

00:21.700 --> 00:23.600
gehen überall zur Neige.

00:24.100 --> 00:28.120
Die Landwirtschaft muss sich auf eine Zeit ohne Phosphor vorbereiten.

00:28.120 --> 00:32.480
Glücklicherweise haben die meisten unserer Nahrungspflanzen im Laufe

00:32.480 --> 00:36.540
der Evolution Wege gefunden, den bereits im Boden befindlichen

00:36.540 --> 00:38.420
Phosphor besser zu nutzen.

00:39.100 --> 00:43.300
Das Projekt Plants Fit for Future am CASO-Institut für Technologie

00:43.300 --> 00:47.720
will Pflanzen fit machen für eine Zukunft, in der Phosphatdünger

00:47.720 --> 00:52.600
Mangelware ist und Pestizide weitgehend von unseren Äckern verbannt

00:52.600 --> 00:53.260
sein werden.

00:54.000 --> 00:58.440
Der biologische Landbau weiß es schon lange, wie die Darmflora für den

00:58.440 --> 01:02.560
Menschen spielt die Bodenflora für die Gesundheit der Pflanzen eine

01:02.560 --> 01:03.680
entscheidende Rolle.

01:03.900 --> 01:07.800
Man braucht seine Darmflora, um einfach ein gesundes Leben zu haben.

01:07.940 --> 01:11.380
Wenn wir zum Beispiel krank werden, dann wird diese Darmflora gestört.

01:11.580 --> 01:13.700
Und genauso passiert auch bei Pflanzen.

01:13.880 --> 01:17.780
Die haben eine Flora von Bakterien und Pilzen, die rund um die

01:17.780 --> 01:21.140
Wurzeln, aber auch um die Blätter, die wichtig sind für die normale

01:21.140 --> 01:22.560
Funktion von diesen Pflanzen.

01:22.940 --> 01:26.940
Und von daher ist es wichtig, diese Flora zu kennen und dann die guten

01:26.940 --> 01:30.820
Mikroorganismen zu nutzen, um einfach die Funktion von Pflanzen zu

01:30.820 --> 01:31.420
verbessern.

01:31.500 --> 01:35.380
Mit fünf weiteren Kollegen erforscht die spanische Molekularbiologin

01:35.380 --> 01:40.540
Prof. Natalia Requena das komplexe Zusammenspiel von Bodenflora und

01:40.540 --> 01:41.720
Pflanzenwachstum.

01:42.340 --> 01:46.340
Eine Großfamilie von Pilzen hat es ihr besonders angetan.

01:46.340 --> 01:51.080
Mykorrhiza-Pilze leben mit nahezu all unseren Nahrungspflanzen in

01:51.080 --> 01:51.780
Symbiose.

01:52.060 --> 01:56.280
Die Pflanze gibt dem Pilz Zucker, im Gegenzug liefert der Pilz

01:56.280 --> 01:56.610
Phosphat.

01:57.260 --> 02:01.500
Der Pilz hat ganz dünne Hüfen und diese Hüfen wachsen im Boden sehr

02:01.500 --> 02:04.920
weit weg, als ob die feinen Wurzeln wachsen könnten.

02:05.100 --> 02:08.100
Und könnten auch Bereiche erreichen, dass die feinen Wurzeln nicht

02:08.100 --> 02:08.480
erreichen.

02:08.780 --> 02:12.360
Andererseits interagieren diese Pilze auch mit Bakterien.

02:12.360 --> 02:16.360
Diese Bakterien könnten Phosphat mobilisieren und der Pilz kann

02:16.360 --> 02:19.400
aufnehmen und transportiert in Richtung der Pflanze.

02:19.580 --> 02:22.920
Pilz und Pflanze gehen eine sehr enge Verbindung ein.

02:23.220 --> 02:26.980
Der Pilz wächst von außerhalb im Boden in der Wurzel rein, in der

02:26.980 --> 02:30.500
Rinde, geht aber nie in den Zentralzylinder oder auch nicht an den

02:30.500 --> 02:32.720
Spross von der Pflanze, bleibt immer in der Rinde.

02:33.000 --> 02:37.400
Und dort werden die Mineralien an die Pflanzen gegeben, hauptsächlich

02:37.400 --> 02:38.000
Phosphat.

02:38.000 --> 02:41.960
Und in die andere Richtung, der Pilz bekommt auch Zucker und Lipide

02:41.960 --> 02:42.840
als Gegenwert.

02:43.000 --> 02:46.880
Hat der Pilz erst einmal das Wurzelwerk kolonisiert, programmiert er

02:46.880 --> 02:48.840
dort Pflanzenzellen um.

02:49.160 --> 02:52.500
Wenn der Pilz die Pflanzen kolonisiert, ändert sich das Zellprogramm

02:52.500 --> 02:53.200
der Pflanze.

02:54.060 --> 02:57.560
Das heißt, die Pflanze macht andere Sachen, als wenn die Pflanze nicht

02:57.560 --> 02:58.080
dran ist.

02:58.380 --> 03:02.280
Und ein Teil dieser Veränderung ist, um besser zusammen mit dem Pilz

03:02.280 --> 03:02.760
zu wachsen.

03:02.760 --> 03:06.480
Und ein anderer Teil, das ist was wir glauben, das macht die Pflanze

03:06.480 --> 03:11.140
resistenter zum Beispiel zu schädlichen Mikroorganismen, aber auch,

03:11.320 --> 03:14.760
dass die Pflanze eine bessere Distribution zum Beispiel von dem

03:14.760 --> 03:16.140
Phosphat in der Pflanze hat.

03:16.260 --> 03:19.820
Symbiose mit dem Pilz verändert das Programm von der Pflanze.

03:19.960 --> 03:24.620
Genau wie unsere Darmflora verändert auch die Funktion von unseren

03:24.620 --> 03:24.930
Darmzellen.

03:24.930 --> 03:27.930
Der Pilz verändert die Dicke der Rindenwurzeln.

03:28.990 --> 03:32.710
Der Pilz wächst von außerhalb im Boden in der Wurzel rein, in der

03:32.710 --> 03:36.250
Rinde, geht aber nie in den Zentralzylinder oder auch nicht an den

03:36.250 --> 03:38.470
Spross von der Pflanze, bleibt immer in der Rinde.

03:38.730 --> 03:43.130
Und dort werden die Mineralien an der Pflanze gegeben, hauptsächlich

03:43.130 --> 03:43.750
Phosphat.

03:43.910 --> 03:47.990
Und in die andere Richtung der Pilz bekommt auch Zucker und Lipide als

03:47.990 --> 03:48.570
Gegenwert.

03:49.170 --> 03:53.450
In Klimakammern werden die Modellpflanzen mit dem Pilz in Verbindung

03:53.450 --> 03:54.010
gebracht.

03:54.010 --> 03:59.130
Und dann extrahieren wir das genetische Material und analysieren, was

03:59.130 --> 03:59.590
passiert.

03:59.710 --> 04:02.710
Und so kann man in dieser Veränderung sehen, ob ein Gen mehr

04:02.710 --> 04:06.610
exprimiert ist oder nicht, wie stark die Expression geändert ist.

04:06.790 --> 04:10.790
Und auf diese Veränderung könnten wir uns überlegen, vielleicht ist

04:10.790 --> 04:13.750
dieser Gen wichtig für die Funktion in der Symbiose.

04:13.750 --> 04:18.050
Der Schneckenklee dient dem Team um die Professorin Rekena als

04:18.050 --> 04:19.010
Modellpflanze.

04:19.510 --> 04:23.970
Er gehört zu den Leguminosen aus der Familie der Hülsenfrüchtler.

04:24.150 --> 04:27.650
Das sind sehr wichtige Pflanzen, auch für die Ernährung von Menschen

04:27.650 --> 04:30.850
und von Tieren, weil die sehr viel Höheproteine enthalten.

04:30.930 --> 04:35.070
Die könnten nicht nur Symbiose mit Mykorrhiza, sondern auch mit

04:35.070 --> 04:36.250
Knochenbakterien.

04:36.330 --> 04:40.210
Und mit das könnten sie Stichstoff auf der Luft fixieren und die

04:40.210 --> 04:41.670
könnten auch besser ernähren.

04:41.670 --> 04:46.570
Und als Modellpflanze ist dieser Schneckenklee sehr wichtig, weil er

04:46.570 --> 04:49.970
ein kleines Genom hat und man ihn relativ gut manipulieren kann.

04:50.190 --> 04:54.110
Und man kann in kurzer Zeit lernen, wie diese Zellulärprozesse

04:54.110 --> 04:54.830
funktionieren.

04:54.990 --> 04:59.410
Versteht man, welche Gene der Pilz in der Pflanze verändert, kann man

04:59.410 --> 05:01.590
die Pflanze im Labor optimieren.

05:01.790 --> 05:06.890
Ziel ist letztendlich, Pflanzen zu haben, die weniger Phosphat

05:06.890 --> 05:09.970
brauchen, sodass wir nicht so viel Mineraldunger brauchen.

05:09.970 --> 05:12.770
Dafür würden wir wahrscheinlich mehrere Sachen brauchen.

05:12.950 --> 05:16.130
Eine ist, dass die Pflanzen mehr in der Lage sind, Interaktion mit

05:16.130 --> 05:17.930
diesen Mykorrhiza-Pilzen zu machen.

05:18.070 --> 05:21.390
Wenn der Phosphat-Dunger so hoch im Boden ist, der Pilz bleibt

05:21.390 --> 05:21.830
draußen.

05:22.110 --> 05:24.930
Das heißt, wir sollten erst mal weniger dungen, dann könnten die

05:24.930 --> 05:27.130
Mykorrhiza -Pilze besser in die Pflanzen kommen.

05:27.450 --> 05:31.730
Aber Ziel ist auch, wie können wir diese Prozesse modifizieren, sodass

05:31.730 --> 05:35.110
die Pflanzen auch effizienter diese Phosphat auf den Boden nehmen.

05:35.110 --> 05:39.610
Und so brauchen wir weniger Phosphat und haben weniger Schaden von den

05:39.610 --> 05:41.050
Obernutzungen von Phosphat.

