WEBVTT

00:00.000 --> 00:04.520
Neuen und bezahlbaren Wohnraum schaffen in der Stadt, ohne dass dafür

00:04.520 --> 00:08.800
bestehende Gebäude abgerissen werden müssen und das so, dass der

00:08.800 --> 00:13.000
Energiebedarf ausschließlich mit Sonnenenergie gedeckt werden kann.

00:13.440 --> 00:20.200
Das war die Aufgabe des Solar Decathlon Europe 2021-2022, der weltweit

00:20.200 --> 00:23.840
größte universitäre Zehnkampf für nachhaltiges Bauen.

00:24.380 --> 00:28.660
Eine Art Olympia in zehn Einzeldisziplinen vom architektonischen

00:28.660 --> 00:34.200
Entwurf über Energieeffizienz und Innovation bis zur Bezahlbarkeit.

00:34.420 --> 00:38.160
Gewonnen hat das Team des Karlsruher Instituts für Technologie.

00:38.740 --> 00:42.820
Mit Rufkit errichtete es auf dem Solarkampus in Wuppertal ein

00:42.820 --> 00:47.500
Gebäudeteil, das nicht nur zusätzlich Strom für die Elektromobilität

00:47.500 --> 00:51.900
erzeugt, sondern dessen Baumaterialien am Ende der Lebenszeit auch

00:51.900 --> 00:55.060
noch zu 100 Prozent wiederverwertbar sind.

00:55.580 --> 01:01.160
Fast drei Jahre haben 30 Studierende des KIT am Wettbewerbsbeitrag für

01:01.160 --> 01:02.660
Wuppertal gearbeitet.

01:03.000 --> 01:05.960
Wir waren ja eins der wenigen Teams, die zum allerersten Mal bei einem

01:05.960 --> 01:07.460
Solar Decathlon teilgenommen hat.

01:07.600 --> 01:10.920
Es gab ganz viele Unis, die schon mehrfach beim Solar Decathlon

01:10.920 --> 01:13.280
teilgenommen haben und vielleicht auch schon wussten, was auf sie

01:13.280 --> 01:13.720
zukommt.

01:13.860 --> 01:14.640
Wir hatten keine Ahnung.

01:14.760 --> 01:17.940
Wir haben alles gegeben und anscheinend hat es funktioniert.

01:18.280 --> 01:21.700
Wir sind natürlich unglaublich stolz und unser Wunsch ist, dass das,

01:21.820 --> 01:25.180
was wir gezeigt haben oder wie wir die Menschen inspiriert oder auch

01:25.180 --> 01:27.280
begeistert haben, dass das nicht verloren geht.

01:27.560 --> 01:28.860
Da schauen wir mal, wie es weitergeht.

01:28.960 --> 01:33.100
Regina Gebauer arbeitet am Lehrstuhl für nachhaltiges Bauen des

01:33.100 --> 01:35.160
Karlsruher Instituts für Technologie.

01:35.760 --> 01:39.380
Sie war Teamleader und Projektmanagerin des Karlsruher

01:39.380 --> 01:41.040
Wettbewerbsbeitrags.

01:41.100 --> 01:45.200
Die Aufgabe war es, vor dem Hintergrund der ganzen Probleme, die wir

01:45.200 --> 01:48.700
gerade haben in der Bauwirtschaft, also Ressourcenknappheit, die Frage

01:48.700 --> 01:51.400
von Energieversorgung, Klimawandel und so weiter.

01:52.340 --> 01:55.800
Und zum allerersten Mal in der Solar Decathlon-Geschichte wurde sich

01:55.800 --> 01:59.900
beschäftigt mit der Frage, wie man in bestehenden Stadtkontexten

01:59.900 --> 02:00.660
arbeiten kann.

02:00.900 --> 02:04.180
Also bisher waren die Projekte immer, wir bauen auf der grünen Wiese,

02:04.640 --> 02:08.060
Neubau und behandeln dann diese zehn Disziplinen mal durch.

02:08.600 --> 02:12.660
Und das erste Mal gab es jetzt eine urbane Edition, wurde das genannt,

02:12.780 --> 02:16.220
indem man sich angeschaut hat, was haben wir schon und wie müssen wir

02:16.220 --> 02:16.860
damit umgehen.

02:16.860 --> 02:20.480
Das Café Ada in Wuppertal, ein Gebäude aus dem 19.

02:20.820 --> 02:24.120
Jahrhundert, sollte um ein Stockwerk erweitert werden.

02:24.600 --> 02:29.320
Das preisgekrönte Rufkit-Konzept beweist, dass das ausschließlich mit

02:29.320 --> 02:32.240
recycelten Baumaterialien möglich ist.

02:32.340 --> 02:37.180
Unser Anspruch ist zu zeigen, dass Bauen mit Sekundärrohstoffen eben

02:37.180 --> 02:42.100
kein Konglomerat aus in Anführungsstrichen Müll ist, sondern dass es

02:42.100 --> 02:46.060
unglaublich viele Potenziale gibt in Materialien oder Objekten, die es

02:46.060 --> 02:46.560
schon gibt.

02:47.280 --> 02:52.040
Wenn man alte Materialien und neue Materialien kombiniert, dass man da

02:52.040 --> 02:56.340
gestalterisch unglaubliche Potenziale aufzeigen kann, die man niemals

02:56.340 --> 02:58.700
mit reinen Neumaterialien realisieren könnte.

02:58.820 --> 03:03.280
Auch Energieeffizienz konnte mit recycelten Materialien erreicht

03:03.280 --> 03:03.740
werden.

03:03.940 --> 03:06.640
In unserem Fall haben wir PVT-Module angewendet.

03:06.780 --> 03:10.160
Das sind Module, die sowohl Strom als auch Wärme erzeugen.

03:10.900 --> 03:14.440
Und was bei uns ganz besonders war, dass wir im Sinne der

03:14.440 --> 03:17.220
Ressourcenschonung oder der Ressourcenknappheit, die wir haben,

03:17.320 --> 03:22.620
überlegt haben, PVT-Module zu verwenden, die es schon gab, die wir

03:22.620 --> 03:25.500
einfach wieder eingesetzt haben, also die nur einen ganz kleinen

03:25.500 --> 03:29.320
Verlust im Wirkungsgrad hatten, die aber noch funktionsfähig waren, um

03:29.320 --> 03:31.620
einfach Materialien, die wir bereits haben, nochmal wieder

03:31.620 --> 03:32.360
einzusetzen.

03:32.360 --> 03:37.380
Die Einbindung der urbanen Mobilität war ebenfalls Teil der Aufgabe,

03:37.560 --> 03:39.360
der sich das Team stellte.

03:39.720 --> 03:43.440
Wir haben ja gebaut in Wuppertal einen kleinen Ausschnitt aus unserem

03:43.440 --> 03:43.820
Projekt.

03:44.320 --> 03:47.280
Aber das Projekt ist eigentlich ein Ausschnitt aus einem viel größeren

03:47.280 --> 03:47.760
Kontext.

03:47.880 --> 03:51.100
Das heißt, wir haben auch den Kontext Stadt miteinbezogen und

03:51.100 --> 03:56.840
überlegt, wie kann man das Gebäude selbst als quasi immobiles Element

03:56.840 --> 04:00.960
sozusagen, also statisch festgesetztes, mit der Mobilität verbinden.

04:00.960 --> 04:05.520
In unserem Fall haben wir es so gemacht, dass die E-Mobilität über die

04:05.520 --> 04:08.840
Energie der Sonne, die wir über unser Gebäude gewinnen, gespeist wird.

04:08.920 --> 04:11.700
Das heißt, wir wollen auch einen Mehrwert für die Stadt generieren.

04:11.800 --> 04:15.520
Die vollständige Recyclingfähigkeit des Gebäudes wird durch den

04:15.520 --> 04:19.000
Einsatz sogenannter Monomaterialien ermöglicht.

04:19.120 --> 04:23.300
Unser Steckenpferd für Roofkit war, dass wir uns sehr viel beschäftigt

04:23.300 --> 04:27.180
haben mit Material, Materialzusammensetzung, Materialverbindungen.

04:27.630 --> 04:31.240
Wie kann man die einzelnen Materialien miteinander verbinden, damit

04:31.240 --> 04:32.480
sie kreislauffähig werden?

04:32.740 --> 04:36.300
Also unser Anspruch war es, ein 100 Prozent kreislauffähiges Gebäude

04:36.300 --> 04:37.000
zu entwickeln.

04:37.580 --> 04:41.080
Was bedeutet, dass man alle Materialien so miteinander verbinden muss,

04:41.240 --> 04:43.720
dass sie auch sortenrein wieder trennbar sind.

04:43.920 --> 04:46.420
Keine Kleber, keine Nassdichtungen, keine Silikone.

04:47.020 --> 04:50.560
Das war ein ganz großer Schwerpunkt, das auch das Fachgebiet oder die

04:50.560 --> 04:51.740
Professur hier vertritt.

04:51.740 --> 04:56.900
Ein hoher Vorfertigungsgrad verkürzt Baustellenzeiten und fördert die

04:56.900 --> 04:59.260
soziale Dimension der Nachhaltigkeit.

04:59.600 --> 05:02.760
Wir haben zusammengearbeitet mit einer Zimmerei in Österreich, der

05:02.760 --> 05:07.940
Zimmerei Kaufmann, die schon sehr lange im Holzbau tätig sind und sich

05:07.940 --> 05:11.440
auch wahnsinnig gut auskennen mit Holz und Holzverbindungen.

05:11.940 --> 05:16.720
Unser Ziel war es, die Module auch im Sinne von Nachhaltigkeit, auch

05:16.720 --> 05:20.560
sozialer Nachhaltigkeit, innerhalb des Werks in Vorarlberg

05:20.560 --> 05:22.780
vorzufertigen und zwar so weit wie möglich.

05:22.980 --> 05:25.360
Das heißt, es war eigentlich schon alles dran.

05:25.480 --> 05:28.500
Die Fassade war schon dran und nach innen der Lehmputz war auch schon

05:28.500 --> 05:28.760
dran.

05:29.320 --> 05:31.880
Die Möbel standen schon drin, die musste man nur noch mal auspacken

05:31.880 --> 05:32.620
und aufstellen.

05:32.840 --> 05:36.260
Und dann in Wuppertal hat uns das ermöglicht, dass man nur noch an den

05:36.260 --> 05:40.500
Modulstößen die einzelnen Elemente verbinden musste und wir innerhalb

05:40.500 --> 05:44.400
von 48 Stunden die Einheit funktionsfähig dastehen hatten.

05:44.400 --> 05:48.560
Und übertragen auf die größere Aufgabe würde das bedeuten, dass wir in

05:48.560 --> 05:52.640
der Stadt Baustellenzeiten verkürzen können, damit Kosten minimieren

05:52.640 --> 05:58.060
und wenn wir mit dem Bestand arbeiten, auch Nutzerausfälle vermeiden

05:58.060 --> 05:58.420
können.

05:58.540 --> 06:03.100
Möglich wurde der Wettbewerbssieg durch ein multidisziplinäres Team.

06:03.260 --> 06:07.040
Wir hatten auch Bauingenieure, die unter anderem die Statik- und

06:07.040 --> 06:08.980
Tragkonstruktion entwickelt haben.

06:08.980 --> 06:13.500
Wir hatten von den Wirtschaftsingenieuren jemanden da, jemanden, der

06:13.500 --> 06:15.260
sich mit der Mobilität beschäftigt hat.

06:15.480 --> 06:19.720
Was wir zum Beispiel gemacht haben, hier aus Karlsruhe die Meidinger

06:19.720 --> 06:20.640
Schule angesprochen.

06:21.400 --> 06:25.860
Dort lernen Schüler oder werden ausgebildet zu Elektrotechnikern,

06:25.980 --> 06:29.860
Elektrikern oder Heizung, Lüftung, Sanitärexperten, die wir dann

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einfach mit dazu genommen haben, weil wir als Architekten eigentlich

06:33.960 --> 06:35.260
das Wissen nicht dazu haben.

06:35.680 --> 06:38.780
Und so haben sie uns dann unterstützt in der Ausführungsplanung.

06:38.780 --> 06:43.220
Der Rufkit-Demonstrator soll jetzt vom Solarkampus Wuppertal nach

06:43.220 --> 06:47.360
Karlsruhe gebracht und als Reallabor weitergenutzt werden.

06:47.640 --> 06:51.640
In Wuppertal war es so, dass wir den Holzbau auf Gerüsten aufgestellt

06:51.640 --> 06:52.040
hatten.

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Und hier in Karlsruhe werden wir das Ganze aber ein Stockwerk tiefer

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setzen, also ohne die Gerüste aufstellen.

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Und dann soll das Ganze als weiteres Forschungsprojekt, also quasi als

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eigenes Living Lab, hier weitergenutzt werden für Nutzerkomfort,

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Analysen und so weiter.

07:07.620 --> 07:12.300
Also es sollen Studenten oder PhD-Studierende hier wohnen.

