WEBVTT

00:00.900 --> 00:05.360
Herzlich willkommen zu diesem Video über die studentische T-Verteilung

00:05.360 --> 00:08.640
oder wie man auch kürzer sagt, die T-Verteilung.

00:09.220 --> 00:13.600
Die T-Verteilung ist nach William Sealy Gossett benannt, der unter dem

00:13.600 --> 00:15.480
Pseudonym Student publiziert.

00:16.220 --> 00:20.180
Gossett hat die T-Verteilung im Jahr 1908 entdeckt.

00:20.640 --> 00:25.200
Sie war aber schon Jahrzehnte vorher Jakob Lüroth bekannt, der unter

00:25.200 --> 00:29.660
anderem mehr als zehn Jahre Professor an der TH Karlsruhe war und

00:29.660 --> 00:32.160
Nachfolger von Felix Klein in München wurde.

00:33.040 --> 00:36.540
Die T-Verteilung ist mit dem aus der Mechanik stammenden Begriff

00:36.540 --> 00:40.960
Freiheitsgrad verknüpft und sie ist, wie wir sehen werden, eine aus

00:40.960 --> 00:43.760
der Normalverteilung abgeleitete Verteilung.

00:44.380 --> 00:48.800
Für die Statistik wichtig ist, dass sie Konfidenzintervalle für den

00:48.800 --> 00:53.280
als unbekannt angenommen Erwartungswert µ einer Normalverteilung

00:53.280 --> 00:56.520
liefert, wenn auch deren Varianz unbekannt ist.

00:56.520 --> 01:00.880
Zudem stellt sie kritische Werte für den sogenannten T-Test für den

01:00.880 --> 01:03.900
Erwartungswert bei unbekannter Varianz bereit.

01:05.040 --> 01:09.740
In diesem Video zeige ich zunächst, welchem Problem sich Gossett, der

01:09.740 --> 01:13.320
als Mathematiker bei der Guinness Brauerei in Dublin arbeitete,

01:13.500 --> 01:14.320
gegenüber sah.

01:15.120 --> 01:18.520
Gossett führte häufig wiederholte Messungen unter gleichen, sich

01:18.520 --> 01:22.980
gegenseitig nicht beeinflussenden Bedingungen durch und er machte die

01:22.980 --> 01:28.040
Annahme, dass die Messwerte Realisierungen stochastisch unabhängiger

01:28.040 --> 01:33.600
und identisch verteilter Zufallsvariablen sind, die ich mit x1 bis xn

01:33.600 --> 01:34.040
bezeichne.

01:35.100 --> 01:38.260
Dabei sei stets n größer gleich 2 vorausgesetzt.

01:38.980 --> 01:44.580
Eine übliche Modellannahme ist hier, dass x1 und damit jedes xj eine

01:44.580 --> 01:49.140
Normalverteilung besitzt, wobei der Erwartungswert µ und die Varianz

01:49.140 --> 01:52.280
σ² dieser Normalverteilung unbekannt sind.

01:52.280 --> 01:57.480
Von Interesse ist der Erwartungswert µ und nicht die Varianz σ².

01:58.340 --> 02:02.960
In diesem Zusammenhang bezeichnet man dann σ² auch gerne als

02:02.960 --> 02:04.060
Störparameter.

02:05.540 --> 02:09.860
Ein natürlicher Schätzer für µ ist das mit xn quer bezeichnete

02:09.860 --> 02:14.420
arithmetische Mittel der xj und dieses arithmetische Mittel ist nach

02:14.420 --> 02:21.360
Sätzen über die Normalverteilung mit Erwartungswert µ und Varianz σ²

02:21.360 --> 02:22.080
durch n.

02:23.000 --> 02:27.380
Subtrahiert man µ von xn quer und teilt dann durch die

02:27.380 --> 02:32.500
Standardabweichung σ dividiert durch Wurzel aus n, so folgt, dass

02:32.500 --> 02:35.860
dieser Quotient eine Standardnormalverteilung besitzt.

02:36.800 --> 02:40.760
Wenn man σ kennen würde, so könnte man aus dieser Verteilungsaussage

02:41.520 --> 02:44.700
sofort einen Konfidenzbereich für µ angeben.

02:44.700 --> 02:50.440
σ ist aber unbekannt und muss ebenfalls aus x1 bis xn geschätzt

02:50.440 --> 02:50.740
werden.

02:51.480 --> 02:56.360
Es ist hier üblich, als Schätzer für σ die mit sn bezeichnete Wurzel

02:56.360 --> 03:01.900
aus der durch n-1 dividierten Summe der Abweichungsquadrate der xj von

03:01.900 --> 03:03.460
xn quer zu verwenden.

03:04.500 --> 03:10.000
Die Frage, die sich Gosset stellte, war, welche Verteilung besitzt der

03:10.000 --> 03:15.700
hier stehende Quotient, wenn wir σ durch sn ersetzen.

03:16.660 --> 03:19.800
Ich nenne den so modifizierten Quotienten tn.

03:20.600 --> 03:24.600
Welche Verteilung besitzt also diese zufallsvariable tn?

03:26.220 --> 03:31.780
Wir überlegen uns zunächst, dass diese Verteilung nur von n abhängt

03:31.780 --> 03:38.420
und ich nehme dazu die Definition von tn sowie von sn als Memo auf die

03:38.420 --> 03:39.380
nächste Folie.

03:42.660 --> 03:46.460
Hier noch einmal das als Satz formulierte Resultat.

03:47.380 --> 03:50.440
Der Beweis ergibt sich schnell durch Standardisierung.

03:51.520 --> 03:57.780
Es sei hierzu für jedes j von 1 bis n yj gleich xj minus µ dividiert

03:57.780 --> 03:58.940
durch σ gesetzt.

04:00.200 --> 04:04.980
Dann sind y1 bis yn unabhängige und identisch verteilte

04:04.980 --> 04:07.520
Zufallsvariablen mit einer Standardnormalverteilung.

04:08.200 --> 04:13.900
Es gilt also xj gleich σ mal yj plus µ.

04:14.960 --> 04:18.960
Und wenn wir hier auf beiden Seiten über j summieren und dann durch n

04:18.960 --> 04:26.480
teilen, ist xn² gleich σ mal den mit yn² bezeichneten arithmetischen

04:26.480 --> 04:28.720
Mittel der yj plus µ.

04:30.020 --> 04:36.500
Bei der Bildung der Differenz von xj und xn² hebt sich das µ weg und

04:36.500 --> 04:38.620
wir erhalten diese Gleichungen.

04:39.960 --> 04:45.580
Damit ergibt sich sn als σ mal die Wurzel der durch n-1 geteilten

04:45.580 --> 04:50.100
Summe der Abweichungsquadrate von yj zu yn quer.

04:51.740 --> 04:56.240
Der Zähler von tn im Memo wird zu diesem Ausdruck.

04:57.440 --> 04:59.340
Und jetzt kommt der Clou.

05:00.200 --> 05:06.940
Wenn wir durch sn dividieren, kürt sich dieses σ hier gegen das σ hier

05:06.940 --> 05:07.400
weg.

05:08.600 --> 05:11.700
Und tn nimmt diese Gestalt an.

05:13.000 --> 05:17.880
Da die yj Standardnormal verteilt sind, ist die Verteilung von tn nur

05:17.880 --> 05:20.560
von n abhängig, was zu zeigen war.

05:21.820 --> 05:25.260
Ich nehme dieses Resultat einmal auf die nächste Folie.

05:28.100 --> 05:33.100
Die Frage ist natürlich, welche Verteilung tn besitzt und wie man

05:33.100 --> 05:34.800
diese Verteilung erhalten kann.

05:35.560 --> 05:39.640
Wie die Verteilung strukturell aussieht, beschreibt der folgende Satz.

05:40.360 --> 05:46.140
Es seien Z0 bis Zn-1 stochastisch unabhängige und je Standardnormal

05:46.140 --> 05:47.780
verteilte Zufallsvariable.

05:47.780 --> 05:54.280
Dann besitzt tn die gleiche Verteilung wie der Quotient aus Z0 und der

05:54.280 --> 06:01.760
Wurzel aus der durch n-1 dividierten Summe von Z1² bis Zn-1².

06:02.540 --> 06:06.820
Bevor wir diesen Satz beweisen, sehen wir uns den Quotienten genauer

06:06.820 --> 06:07.080
an.

06:08.020 --> 06:11.900
Zähler und Nenner sind stochastisch unabhängig, denn im Zähler steht

06:11.900 --> 06:17.220
Z0 und im Nenner treten nur Z1 bis Zn-1 auf.

06:17.220 --> 06:21.920
Die Summe der Quadrate im Nenner besitzt nach Definition eine Chi

06:21.920 --> 06:25.220
-Quadratverteilung mit n-1 Freiheitsgrad.

06:26.420 --> 06:28.540
Nun zum Beweis des Satzes.

06:29.620 --> 06:34.900
Es sei hierzu H eine beliebige orthogonale n-reihige Matrix mit der

06:34.900 --> 06:39.720
Eigenschaft, dass die Einträge in der letzten Zeile identisch gleich 1

06:39.720 --> 06:41.220
durch Wurzel aus n sind.

06:41.220 --> 06:47.180
Die letzte Zeile stellt also einen Einheitsvektor im r hoch n dar und

06:47.180 --> 06:50.260
auf die übrigen Zeilen kommt es, wie wir gleich sehen werden,

06:50.400 --> 06:51.600
überhaupt nicht an.

06:52.080 --> 06:55.780
Entscheidend ist nur, dass die Matrix H orthogonal ist.

06:57.060 --> 07:01.320
Wir definieren jetzt einen n-dimensionalen Zufallsvektor, den wir als

07:01.320 --> 07:02.600
Spaltenvektor schreiben.

07:03.200 --> 07:08.740
Dabei treten von oben nach unten gelesen zunächst Z1 bis Zn-1 und dann

07:08.740 --> 07:09.760
Z0 auf.

07:09.760 --> 07:15.840
Dieser Zufallsvektor ist definiert als H mal dem Vektor, der aus Y1

07:15.840 --> 07:17.100
bis Yn besteht.

07:18.140 --> 07:21.680
Jetzt muss man ein wenig über die multivariate Normalverteilung

07:21.680 --> 07:24.540
wissen, über die ich ein eigenes Video gemacht habe.

07:25.320 --> 07:30.300
Der Zufallsvektor mit den Komponenten Y1 bis Yn ist n-dimensional

07:30.300 --> 07:31.440
normal verteilt.

07:31.440 --> 07:35.840
Dabei ist der Erwartungswertvektor gleich dem Nullvektor und die

07:35.840 --> 07:39.580
Kovarianzmatrix ist gleich der n-reihigen Einheitsmatrix.

07:40.380 --> 07:43.700
Dann ist aber auch der links vom Definitionszeichen stehende

07:43.700 --> 07:46.600
Zufallsvektor n-dimensional normal verteilt.

07:47.320 --> 07:49.780
Und der Erwartungswertvektor ist der Nullvektor.

07:51.160 --> 07:56.080
Die Kovarianzmatrix dieses Zufallsvektors hier ist nach allgemeinen

07:56.080 --> 08:02.480
Rechenregeln gleich H mal der Kovarianzmatrix von Y1 bis Yn mal H

08:02.480 --> 08:03.420
transponiert.

08:04.000 --> 08:09.000
Wegen der Orthogonalität von H ist H transponiert gleich der Inversen

08:09.000 --> 08:14.740
von H und da die Kovarianzmatrix der Yj gleich der Einheitsmatrix ist,

08:15.120 --> 08:19.480
ist die Kovarianzmatrix der Zj ebenfalls gleich der Einheitsmatrix.

08:20.420 --> 08:26.640
Damit sind Z0, Z1 und so weiter bis Zn-1 stochastisch unabhängig und

08:26.640 --> 08:28.320
je Standard normal verteilt.

08:29.220 --> 08:34.580
Nach Definition der letzten Zeile der Matrix H ist Z0 gleich der

08:34.580 --> 08:37.260
Wurzel aus N mal Yn quer.

08:38.680 --> 08:43.020
Sehen wir uns jetzt die im Nenner im Memo auftretende Summe der

08:43.020 --> 08:46.880
Abweichungsquadrate der Yj von Yn quer an.

08:46.880 --> 08:52.460
Nach der binomischen Formel ist das gleich der Summe der Yj Quadrat

08:52.460 --> 09:00.180
minus 2 mal Yn quer mal die Summe der Yj, also minus 2 mal N mal Y

09:00.180 --> 09:07.400
quer Quadrat plus N mal Yn quer Quadrat, also minus N mal Yn quer

09:07.400 --> 09:07.980
Quadrat.

09:07.980 --> 09:14.720
Da die Matrix H orthogonal ist, ist die Summe der Yj Quadrat gleich

09:14.720 --> 09:19.240
der Summe der Zj Quadrat und aufgrund der ersten Gleichung in dieser

09:19.240 --> 09:23.980
Zeile ist N mal Yn quer Quadrat gleich Z0 Quadrat.

09:25.180 --> 09:30.200
Wir erhalten also dieses Gleichheitszeichen, womit der Satz bewiesen

09:30.200 --> 09:30.560
ist.

09:32.180 --> 09:37.700
Wenn man sich von der vorigen Folie daran erinnert, dass Xn quer eine

09:37.700 --> 09:44.180
Funktion von Yn quer und damit von Z0 ist und dass Sn nur von dieser

09:44.180 --> 09:51.840
Quadratsumme hier und damit von Z1 bis Zn minus 1 abhängt, folgt, dass

09:51.840 --> 09:55.200
Xn quer und Sn stochastisch unabhängig sind.

09:55.200 --> 10:00.040
Diese Unabhängigkeit ist übrigens charakteristisch dafür, dass eine

10:00.040 --> 10:04.020
Normalverteilung zugrunde liegt, aber darauf kann ich in diesem Video

10:04.020 --> 10:05.060
nicht eingehen.

10:06.060 --> 10:10.300
Ich nehme einmal die erhaltenen Ergebnisse als Memo auf die nächste

10:10.300 --> 10:11.220
Folie.

10:11.680 --> 10:15.580
Das ist die Zufallsvariable, deren Verteilung William Seely-Gossett

10:15.580 --> 10:19.860
interessiert hat und wir haben gesehen, dass diese Verteilung gleich

10:19.860 --> 10:24.300
der Verteilung dieses Quotienten ist, wobei die Zj stochastisch

10:24.300 --> 10:27.320
unabhängig und jeweils standardnormal verteilt sind.

10:28.320 --> 10:32.520
Diese Darstellung führt uns allgemein zur T-Verteilung mit k

10:32.520 --> 10:33.580
Freiheitsgraden.

10:34.240 --> 10:38.260
Es seien k eine natürliche Zahl und Z0, Z1 usw.

10:38.440 --> 10:43.160
Zk unabhängige und je standardnormal verteilte Zufallsvariablen.

10:43.160 --> 10:48.100
Dann heißt die Verteilung des so definierten Quotienten, und diese

10:48.100 --> 10:54.440
Definition erhält einen Stern, studentische T-Verteilung oder kurz T

10:54.440 --> 11:00.300
-Verteilung mit k Freiheitsgraden und wir schreiben kurz T-Tilde-Tk,

11:00.820 --> 11:04.880
wenn eine Zufallsvariable T diese Verteilung besitzt.

11:05.800 --> 11:10.540
Wenn man sich überhaupt etwas über die T-Verteilung merken möchte,

11:10.920 --> 11:16.000
dann diese Erzeugungsweise der T-Verteilung aus der Normalverteilung.

11:16.520 --> 11:20.860
Ich sagte ja schon zu Beginn des Videos, dass die T-Verteilung aus der

11:20.860 --> 11:22.880
Normalverteilung abgeleitet ist.

11:23.660 --> 11:25.300
Folgendes sollte man beachten.

11:25.900 --> 11:29.700
Zähler und Nenner in Sternen sind stochastisch unabhängig und die

11:29.700 --> 11:33.420
Quadratsumme im Nenner hat eine Chi-Quadrat-Verteilung mit k

11:33.420 --> 11:33.880
Freiheitsgraden.

11:35.400 --> 11:39.440
Der nächste Punkt ist der, dass wir jetzt der Verteilung von Tn im

11:39.440 --> 11:41.420
Memo einen Namen gegeben haben.

11:41.920 --> 11:45.880
Tn hat eine T-Verteilung mit n-1 Freiheitsgraden.

11:46.940 --> 11:50.620
Wir werden gleich mehr über die T-Verteilung erfahren.

11:51.580 --> 11:56.040
Die Verteilung dieses arithmetischen Mittels der zj² nennt man oft

11:56.040 --> 12:00.360
eine reduzierte Chi-Quadrat-Verteilung mit k Freiheitsgraden.

12:01.240 --> 12:04.280
Sieht man sich die Bildung in Sternen noch einmal an, so kann man

12:04.280 --> 12:08.660
jetzt sagen, die T-Verteilung mit k Freiheitsgraden ist die Verteilung

12:08.660 --> 12:13.400
eines Quotienten stochastisch unabhängiger Zufallsvariablen, wobei der

12:13.400 --> 12:17.700
Zähler eine Standard-Normalverteilung hat und der Nenner verteilt ist

12:17.700 --> 12:22.260
wie die Wurzel aus einer Zufallsvariablen mit einer reduzierten Chi

12:22.260 --> 12:23.380
-Quadrat -Verteilung.

12:24.240 --> 12:28.780
Wir können aus Sternen auch ablesen, was beim Grenzübergang k gegen

12:28.780 --> 12:29.760
unendlich passiert.

12:30.540 --> 12:35.340
Da der Erwartungswert der zj² gleich 1 ist, konvergieren nach dem

12:35.340 --> 12:39.820
Gesetz großer Zahlen das arithmetische Mittel im Nenner und damit auch

12:39.820 --> 12:44.140
die Wurzel stochastisch und sogar mit Wahrscheinlichkeit 1 gegen 1.

12:44.920 --> 12:48.660
Und damit konvergiert der Quotient in Verteilung gegen eine Standard

12:48.660 --> 12:49.740
-Normalverteilung.

12:49.740 --> 12:54.560
Die t-Verteilung nähert sich also bei wachsendem Freiheitsgrad immer

12:54.560 --> 12:56.840
mehr einer Standard-Normalverteilung an.

12:58.040 --> 13:01.460
Man kann sich jetzt fragen, alles gut und schön, aber welche Dichte

13:01.460 --> 13:04.700
besitzt denn die t-Verteilung mit k Freiheitsgraden?

13:05.160 --> 13:09.620
Diese Dichte ergibt sich direkt aus der Quotientenregel für Dichten,

13:09.760 --> 13:13.740
über die ich ein eigenes Video gemacht habe und in diesem Video wird

13:13.740 --> 13:17.200
als Beispiel die Dichte der t-Verteilung hergeleitet.

13:17.200 --> 13:20.460
Hier gebe ich die Dichte nur als Satz an.

13:21.400 --> 13:25.240
Eine Zufallsvariable mit einer t-Verteilung mit k Freiheitsgraden

13:25.240 --> 13:28.300
besitzt folgende Dichte, die ich mit fk bezeichne.

13:29.440 --> 13:34.320
Es ist fk von x für jedes Relle x gleich diesem Ausdruck, in dem die

13:34.320 --> 13:35.440
Gamma -Funktion auftritt.

13:36.660 --> 13:41.200
Diese Dichte muss man sich nicht merken, wir wollen uns aber trotzdem

13:41.200 --> 13:43.320
einige Aspekte genauer ansehen.

13:43.800 --> 13:47.420
Der Graph der Dichte ist symmetrisch zu Null und wir wollen uns diesen

13:47.420 --> 13:50.940
Graphen für einige ausgesuchte Werte von k ansehen.

13:51.500 --> 13:55.120
Im Fall k gleich 1 sieht der Graph von fk so aus.

13:55.120 --> 14:01.320
Wenn wir oben in die Definition von fk k gleich 1 setzen und beachten,

14:01.980 --> 14:06.140
dass Gamma von 1 halb gleich der Wurzel aus Pi und Gamma von 1 gleich

14:06.140 --> 14:10.780
1 ist, so folgt, dass f1 von x so aussieht.

14:12.240 --> 14:15.120
Das ist die Dichte der Standard-Cauchy-Verteilung.

14:16.000 --> 14:19.700
Wer hier mehr wissen will, auch über die Cauchy-Verteilung existiert

14:19.700 --> 14:20.840
ein eigenes Video.

14:21.520 --> 14:27.480
Aus der Formel für fk von x ist ersichtlich, dass die Werte von fk von

14:27.480 --> 14:33.000
x für x gegen ±unendlich um so schneller abfallen, je größer k ist.

14:33.600 --> 14:38.960
Und das zeigt sich anhand der Plots für k gleich 3 und k gleich 11.

14:41.120 --> 14:45.000
Wir haben schon gesehen, dass die t-Verteilung mit k-Freiheitsgraden

14:45.000 --> 14:48.640
beim Grenzübergang k gegen unendlich gegen die Standard

14:48.640 --> 14:52.740
-Normalverteilung konvergiert und das zeigt sich auch für die Dichten,

14:53.260 --> 14:57.320
denn für jedes Reelle x gilt diese Konvergenzbeziehung.

14:58.320 --> 15:05.680
Dieser Ausdruck hier konvergiert nämlich gegen ±x²½ und mithilfe der

15:05.680 --> 15:09.400
Wallis -Produktdarstellung für die Kreiszahl pi, über die ich ein

15:09.400 --> 15:15.320
eigenes Video gemacht habe, folgt, dass dieser Vorfaktor hier gegen 1

15:15.320 --> 15:17.540
durch Wurzel aus 2pi konvergiert.

15:19.300 --> 15:23.060
Das hier ist ein Plot der Dichte der Standard-Normalverteilung.

15:23.640 --> 15:27.580
Wer möchte, kann hier noch ein wenig Kurrendiskussion betreiben, so

15:27.580 --> 15:32.820
liegen etwa die Wendepunkte der Funktion fk bei ±k dividiert durch

15:32.820 --> 15:33.700
k±2.

15:35.280 --> 15:39.120
Ich möchte abschließend noch etwas zu den Momenten der t-Verteilung

15:39.120 --> 15:39.480
sagen.

15:40.240 --> 15:44.560
Dazu nehme ich die Dichte der t-Verteilung mit k-Freiheitsgraden auf

15:44.560 --> 15:45.620
die nächste Folie.

15:46.720 --> 15:52.060
Ist n eine natürliche Zahl, so existiert das endte absolute Moment

15:52.060 --> 15:57.860
einer Zufallsvariante t mit der Dichte fk definitionsgemäß genau dann,

15:58.320 --> 16:05.520
wenn das Integral von x³n·fkx über die gesamte reelle Achse endlich

16:05.520 --> 16:05.860
ist.

16:05.860 --> 16:11.540
Aufgrund der Gestalt von fk ist das genau dann der Fall, wenn k

16:11.540 --> 16:14.180
mindestens gleich n±1 ist.

16:14.760 --> 16:18.660
Um Momente auszurechnen, sollte man sich daran erinnern, dass t die

16:18.660 --> 16:24.820
gleiche Verteilung besitzt wie das Produkt x·1·y, wobei x und y

16:24.820 --> 16:26.260
stochastisch unabhängig sind.

16:26.260 --> 16:31.880
Dabei besitzt x eine Standardnormalverteilung und y hat die gleiche

16:31.880 --> 16:37.320
Verteilung wie die Wurzel aus z·k, wobei z eine Chi-Quadratverteilung

16:37.320 --> 16:39.120
mit k-Freiheitsgraden besitzt.

16:39.120 --> 16:44.720
Da die Dichte fk symmetrisch zu Null ist, sind die Ungradmomente,

16:44.980 --> 16:51.080
sofern sie existieren, gleich Null und die Existenz des 2l±1 Moments

16:51.080 --> 16:54.120
ist gleichbedeutend mit dieser Ungleichung.

16:54.800 --> 16:59.120
Insbesondere existiert der Erwartungswert der t-Verteilung erst ab dem

16:59.120 --> 17:00.220
Freiheitsgrad 2.

17:01.980 --> 17:07.220
Ist l eine natürliche Zahl, die diese Ungleichung erfüllt, so können

17:07.220 --> 17:13.740
wir den Erwartungswert von t hoch 2l leicht ausrechnen, wenn wir diese

17:13.740 --> 17:18.360
Verteilungsgleichheit hier ausnutzen und die Multiplikationsregel für

17:18.360 --> 17:19.760
Erwartungswerte verwenden.

17:20.540 --> 17:24.100
Danach ist dieser Erwartungswert gleich diesem Produkt von

17:24.100 --> 17:25.220
Erwartungswerten.

17:26.200 --> 17:28.480
Den ersten Faktor lasse ich stehen.

17:29.540 --> 17:34.540
Und jetzt nutze ich diese Verteilungsgleichheit hier aus.

17:35.840 --> 17:41.080
Das liefert mir das Produkt aus k hoch l und diesem Erwartungswert.

17:41.720 --> 17:46.320
Der Erwartungswert von x hoch 2l ist das Produkt der ungeraten

17:46.320 --> 17:49.880
natürlichen Zahlen von 1 bis 2l-1.

17:49.880 --> 17:54.180
Hierzu habe ich ein eigenes Video gemacht, das in der Beschreibung zu

17:54.180 --> 17:56.160
diesem Video aufgeführt ist.

17:57.420 --> 18:02.120
Den Faktor k hoch l lassen wir und der verbleibende Erwartungswert ist

18:02.120 --> 18:05.800
der Erwartungswert einer Funktion einer chi-Quadrat verteilten

18:05.800 --> 18:08.540
Zufallsvariablen mit k Freiheitsgraden.

18:09.120 --> 18:13.100
Von der Dichte dieser chi-Quadrat-Verteilung ziehe ich den konstanten

18:13.100 --> 18:19.960
Faktor nach vorne und übrig bleibt das Integral über t hoch minus l

18:19.960 --> 18:26.500
und von der Dichte von z kommt noch t hoch k halbe minus 1 mal e hoch

18:26.500 --> 18:27.500
minus t halbe.

18:28.400 --> 18:32.860
Das letzte Integral führt nach Substitution auf die Gamma-Funktion.

18:32.860 --> 18:37.580
Nutzt man dann die Funktionalgleichung der Gamma-Funktion, nach der

18:37.580 --> 18:43.380
für jedes positive x Gamma von x plus 1 gleich x mal Gamma von x ist,

18:43.700 --> 18:47.120
so ergibt sich nach direkter Rechnung dieses Resultat.

18:49.660 --> 18:53.140
Speziell erhält man für l gleich 1 die Varianz von t.

18:53.140 --> 18:58.240
Da t den Erwartungswert 0 besitzt, ist diese Varianz gleich dem

18:58.240 --> 19:03.340
zweiten Moment und damit nach der Gleichung darüber gleich k dividiert

19:03.340 --> 19:04.780
durch k minus 2.

19:05.480 --> 19:09.320
Man beachte, dass die Varianz von t nur für k größer gleich 3

19:09.320 --> 19:10.040
existiert.

19:12.380 --> 19:16.360
Ja, damit sind wir am Ende dieses doch recht langen Videos angekommen.

19:16.360 --> 19:19.320
Ich bedanke mich ganz herzlich fürs Anschauen.

19:19.840 --> 19:23.580
Wem das Video gefallen hat, der kann es ja gerne weiterempfehlen.

