WEBVTT

00:00.000 --> 00:02.300
Sie gelten als grüne Lunge der Stadt.

00:02.900 --> 00:07.060
Straßenbäume sind kühle Inseln in den sich durch den Klimawandel

00:07.060 --> 00:09.020
aufheizenden Innenstädten.

00:09.620 --> 00:12.700
Durch die Verdunstung über ihre Blätter senken sie die

00:12.700 --> 00:17.420
Umgebungstemperatur, durch das Blätterdach spenden sie Schatten in der

00:17.420 --> 00:18.220
Sommerhitze.

00:18.860 --> 00:23.260
Aber Bäume fördern nicht immer und unter allen Umständen das

00:23.260 --> 00:24.100
Stadtklima.

00:24.580 --> 00:29.080
Sie können auch Ursache dafür sein, dass die Schadstoffe des Verkehrs

00:29.080 --> 00:33.440
aus den Straßenschluchten nicht richtig abtransportiert werden können.

00:34.020 --> 00:39.040
Das ist das überraschende Ergebnis von Simulationen im Windkanal am

00:39.040 --> 00:41.320
Karlsruher Institut für Technologie.

00:41.900 --> 00:46.260
Eine weitere Überraschung, Hecken in vielbefahrenen Straßen sind

00:46.260 --> 00:49.780
besser für die Luftqualität als eng stehende Bäume.

00:50.000 --> 00:55.200
In Städten ist üblicherweise der Straßenverkehr die Hauptquelle für

00:55.200 --> 00:56.920
Luftschadstoffe.

00:57.220 --> 00:59.460
Da gibt es mittlerweile schon sehr, sehr viele Untersuchungen.

00:59.860 --> 01:05.400
Allerdings haben die immer die Stadt oder die Straße ohne Vegetation,

01:05.540 --> 01:07.000
ohne Bäume untersucht.

01:07.480 --> 01:11.280
Wenn sie aber jetzt mal durch unsere Städte spazieren gehen und die

01:11.280 --> 01:15.160
Augen aufmachen, dann sehen sie, es gibt doch einige Straßenzüge, die

01:15.160 --> 01:20.600
viele Bäume haben, Baumgruppen oder sogar Alleen, Reihen von Bäumen.

01:21.200 --> 01:25.340
Und da kam dann die Fragestellung auf, was hat denn jetzt so eine

01:25.340 --> 01:29.800
Baumreihe für eine Auswirkung auf die Windverhältnisse im Straßenraum?

01:30.140 --> 01:34.100
Und damit verbunden ist natürlich dann auch der Transport von diesen

01:34.100 --> 01:37.660
Verkehrsabgasen, die ja im Straßenraum freigesetzt werden.

01:38.120 --> 01:40.340
Die müssen ja irgendwie raustransportiert werden.

01:40.600 --> 01:43.260
Ansonsten würden ja diese Konzentrationen davon immer, immer weiter

01:43.260 --> 01:47.500
ansteigen und die Luftqualität würde unerträglich schlecht.

01:47.720 --> 01:52.340
Dr. Christoph Gromke experimentiert am Laboratorium für Gebäude- und

01:52.340 --> 01:56.820
Umweltaerodynamik des Karlsruher Instituts für Technologie.

01:57.380 --> 02:02.160
Dort stehen mehrere Windkanäle zur Verfügung, um die Last des Windes

02:02.160 --> 02:03.880
auf Gebäude zu simulieren.

02:04.320 --> 02:08.140
Aber auch die Ausbreitung von Schadstoffen in bebauten Gebieten

02:08.140 --> 02:10.620
gehören zu den Forschungsaufgaben.

02:11.180 --> 02:15.220
Für die Fragestellung, was Straßenbäume mit der Luftqualität machen,

02:15.660 --> 02:20.820
wurde im Windkanal ein Modell im Maßstab 1 zu 100 aufgebaut.

02:20.980 --> 02:24.500
Wir haben eine typische städtische Straßenschlucht im

02:24.500 --> 02:26.140
Innenstadtbereich einer Stadt.

02:26.260 --> 02:28.460
Sagen wir mal, die ist ungefähr 200 Meter lang.

02:29.080 --> 02:33.260
Rechts und links haben wir jetzt geschlossene Häuserzeilen aus

02:33.260 --> 02:36.740
Gebäuden, die circa vier oder fünf Stockwerke hoch sind.

02:37.280 --> 02:39.840
Das ist das Modell, was wir abbilden.

02:40.180 --> 02:44.740
Und wir untersuchen jetzt die Schadstoffe, die durch den Verkehr auf

02:44.740 --> 02:48.680
der Straße, im Straßenraum freigesetzt werden, wie die sich in dieser

02:48.680 --> 02:51.740
Straßenschlucht verteilen, beziehungsweise wie die jetzt

02:51.740 --> 02:52.900
abtransportiert werden.

02:53.360 --> 02:56.720
Der Hintergrund ist, dass die Luftschadstoffkonzentrationen nicht zu

02:56.720 --> 02:57.800
hoch werden dürfen.

02:58.060 --> 03:02.180
Ein entscheidender Faktor ist die Abbildung der Bäume im Modell.

03:02.380 --> 03:06.500
Wir verstehen Bäume als große Körper, die durchströmt werden können.

03:06.780 --> 03:08.000
Stellen Sie sich vor eine Baumkrone.

03:08.200 --> 03:12.580
Da gibt es dann den Stamm, dann gibt es viele Äste, Verzweigungen und

03:12.580 --> 03:13.580
dann gibt es Blätter.

03:13.960 --> 03:17.180
Von außen her betrachtet hat das oft so die Form von einer Kugel oder

03:17.180 --> 03:18.480
von einem Ellipsoid.

03:18.700 --> 03:21.320
Und innen drin gibt es noch viele Lufträume.

03:21.460 --> 03:22.880
Also ist ein poröser Körper.

03:23.160 --> 03:27.420
Das Entscheidende für uns ist jetzt, welchen Widerstand dieser Baum

03:27.420 --> 03:31.120
oder dieser poröse Körper für eine Luftströmung hat.

03:31.380 --> 03:35.720
Jeder Körper und auch die Luft geht in gewisser Weise ab.

03:35.840 --> 03:38.220
Ein Teil der Luft geht außen drüber, geht drumherum.

03:38.660 --> 03:40.820
Ein Teil der Luft strömt halt eben durch.

03:41.020 --> 03:44.940
In Summe führt es dazu, dass die Strömung verlangsamt wird

03:44.940 --> 03:46.580
beziehungsweise umgelenkt wird.

03:46.780 --> 03:50.820
Und genau das reproduzieren wir in unseren Windkanalversuchen.

03:50.980 --> 03:55.500
Dann wird das Modell im Windkanal Luftströmungen aus unterschiedlichen

03:55.500 --> 03:56.920
Richtungen ausgesetzt.

03:57.400 --> 04:02.300
Die Schadstoffe des Verkehrs werden als messbares Spurengas in den

04:02.300 --> 04:05.240
miniaturisierten Straßenraum eingeleitet.

04:05.400 --> 04:07.220
Wir haben ein Spurengas.

04:07.560 --> 04:10.320
Das leiten wir ein in unserem Modell.

04:10.480 --> 04:13.660
Und zwar da, wo auch der Verkehr die Abgase freisetzt.

04:13.800 --> 04:16.840
Am Boden wird dieses Spurengas freigesetzt.

04:17.060 --> 04:21.600
Das wird dann mit dem Wind, den wir jetzt drauf geben, wird es darin

04:21.600 --> 04:22.760
verteilt.

04:23.020 --> 04:23.940
Es verdünnt sich.

04:24.020 --> 04:24.980
Es wird transportiert.

04:25.160 --> 04:27.100
Überall in unserem Modell haben wir Messstellen.

04:27.420 --> 04:31.740
Teilweise sind das einige Zehn, manchmal auch hundert Messstellen, an

04:31.740 --> 04:35.800
denen wir dann messen, die Konzentration unseres Spurengases

04:35.800 --> 04:36.520
bestimmen.

04:36.800 --> 04:38.920
Das Ergebnis war eine Überraschung.

04:39.040 --> 04:43.680
Wir haben ungefähr 200 Meter Straße und dann Gebäude rechts und links,

04:43.860 --> 04:45.340
also geschlossene Häuserzeilen.

04:45.580 --> 04:48.700
Der natürliche Wind, der jetzt durch die Straßenschlucht weht,

04:48.980 --> 04:51.640
verdünnt das Ganze und transportiert es auch aus.

04:52.540 --> 04:56.220
Bäume sind poröse Körper, die jetzt einen Widerstand ausüben.

04:56.340 --> 04:59.940
Damit halt eben auch die Strömung beeinflussen und verlangsamen.

05:00.120 --> 05:04.460
Wir konnten nachweisen, dass diese Luftströmungen in Straßenschluchten

05:04.460 --> 05:08.520
mit Alleenbäumen, mit Reihen von Bäumen, blockieren teilweise die

05:08.520 --> 05:10.100
Strömung, verlangsamen die Strömung.

05:10.180 --> 05:13.300
Das heißt, wir haben weniger Durchlüftung, wir haben weniger

05:13.300 --> 05:17.520
Verdünnung der Schadstoffe und dass es deshalb zu höheren

05:17.520 --> 05:19.980
Konzentrationen im Straßenraum kommt.

05:20.080 --> 05:24.320
Der Effekt wird umso stärker, je dichter die Alleebäume stehen, je

05:24.320 --> 05:26.420
mehr ihre Kronen sich verbinden.

05:26.700 --> 05:30.480
Der Austausch vom natürlichen Wind, der jetzt über die Dächer der

05:30.480 --> 05:34.220
Straßenschlucht weht und dem Straßenraum selber, findet ja an dieser

05:34.220 --> 05:37.340
Schnittstelle, an diesem Übergangsbereich im Dachbereich statt.

05:37.820 --> 05:41.160
Je mehr Material da jetzt da ist, also Baumkronen beispielsweise,

05:41.520 --> 05:45.500
desto schwieriger wird es für den Wind, da in die Straßenschlucht

05:45.500 --> 05:47.460
einzudringen und auch wieder rauszugehen.

05:47.900 --> 05:51.180
Das heißt, bei gleicher Emissionsstärke haben wir höhere

05:51.180 --> 05:52.700
Konzentrationen im Straßenraum.

05:52.800 --> 05:56.620
Noch mehr überrascht aber war das Forschungsteam, als sie den Versuch

05:56.620 --> 06:00.800
im Windkanal mit Hecken in der Straßenmitte wiederholten.

06:00.960 --> 06:03.840
Stellen Sie sich vor, Sie haben eine straßenparallele Hecke, die jetzt

06:03.840 --> 06:05.520
über die ganze Straßenschlucht geht.

06:05.620 --> 06:10.140
Die ist jetzt mal mittig platziert zwischen den Fahrbahnen und haben

06:10.140 --> 06:13.740
einfach mal untersucht, wie wirkt sich so eine Hecke auf die

06:13.740 --> 06:18.080
Konzentrationen von Verkehrsemissionen im Straßenraum aus.

06:18.520 --> 06:22.700
Und zwar haben wir gefunden, dass Hecken gerade im bodennahen Bereich,

06:22.820 --> 06:27.100
also da wo die Konzentrationen freigesetzt werden, Hecken dazu führen,

06:27.200 --> 06:31.060
dass wir deutlich geringere Konzentrationen vorfinden.

06:31.420 --> 06:35.420
Insbesondere in diesen Gebieten im Straßenraum, wo wir ohne die Hecken

06:35.420 --> 06:38.680
die höchsten Konzentrationsbelastungen gefunden hätten.

06:38.960 --> 06:42.220
Warum das so ist, konnte wissenschaftlich noch nicht untersucht

06:42.220 --> 06:44.680
werden, aber es gibt Hypothesen.

06:45.060 --> 06:50.600
Diese Hecke am Boden leitet den Wind und dadurch das Wirbelsystem

06:50.600 --> 06:52.060
bodennah verändert.

06:52.160 --> 06:54.820
Das ist eher lokal am Boden, das ist jetzt nicht in der ganzen

06:54.820 --> 06:58.140
Straßenschlucht, aber es verändert sich gerade da, wo die Abgase

06:58.140 --> 07:01.780
freigesetzt werden, wo sich auch die Passanten aufhalten.

07:02.240 --> 07:05.920
Dadurch werden weniger Schadstoffe zumindest auf einer Seite zu den

07:05.920 --> 07:07.760
Passanten hin transportiert.

07:08.320 --> 07:11.580
Entsprechend fällt die Empfehlung an die Verantwortlichen für die

07:11.580 --> 07:12.920
Stadtplanung aus.

07:13.140 --> 07:17.280
Insbesondere in stark befahrenen Straßen, also da wo auch viele

07:17.280 --> 07:22.920
Emissionen freigesetzt werden, da kann man sagen, Hecken haben dann

07:22.920 --> 07:29.340
einen günstigen Effekt und bei Bäumen muss man beachten, dass sie die

07:29.340 --> 07:33.580
natürliche Durchlüftung einschränken, blockieren, dem aber

07:33.580 --> 07:37.760
gegenüberstellen, welche klimatischen Benefiz haben jetzt Bäume im

07:37.760 --> 07:40.540
Hinblick auf den Temperaturhaushalt im Straßenraum.

07:40.700 --> 07:44.900
Das ganze Bild, wie Bäume nicht nur auf die Luftqualität, sondern auch

07:44.900 --> 07:48.920
auf die Temperaturen in den urbanen Hitzezentren wirken, wird

07:48.920 --> 07:53.860
Gegenstand eines weiteren Experiments im Windkanal des Labors für

07:53.860 --> 07:55.940
Umweltaerodynamik sein.

07:56.260 --> 08:00.920
Es geht jetzt in Kürze los und in dem untersuchen wir die kombinierten

08:00.920 --> 08:05.660
Effekte von Vegetation im Straßenraum einmal auf die Luftqualität und

08:05.660 --> 08:10.280
auch auf klimatische Parameter, also auf den Wärmehaushalt im

08:10.280 --> 08:13.560
Straßenraum, aber auch auf den Gebäudeenergiebedarf.

08:13.560 --> 08:17.880
Bäume, dadurch dass sie Schatten spenden, können ja dazu führen, dass

08:17.880 --> 08:22.460
sie im Sommer beispielsweise dann die Klimaanlage nicht anmachen.

08:22.820 --> 08:26.340
Umgekehrt kann es dazu führen, dass Bäume vielleicht aufgrund der

08:26.340 --> 08:29.740
Verschattung dazu führen, dass die Heizperiode etwas länger ist.

08:29.880 --> 08:33.840
Das muss man natürlich über den Zyklus eines ganzen Jahres erfassen

08:33.840 --> 08:34.620
und berechnen.

