WEBVTT

00:06.170 --> 00:13.210
Campus Report Der Forschungspodcast des Karlsruher Instituts für

00:13.210 --> 00:18.210
Technologie Opening The Black Box of Science

00:25.510 --> 00:34.750
Mit Stefan Fuchs Ohne seltene Erden kein Umstieg auf erneuerbare

00:34.750 --> 00:35.770
Energiequellen.

00:35.770 --> 00:39.790
Seltene Erden stecken in den Hochleistungsmagneten moderner

00:39.790 --> 00:40.970
Windkraftanlagen.

00:41.350 --> 00:45.250
Man braucht sie für Batteriespeicher aller Art, für Brennstoffzellen,

00:45.530 --> 00:48.750
LEDs und effiziente Elektromotoren.

00:49.270 --> 00:53.730
In einem Hybridfahrzeug sind bis zu 12 Kilo verbaut, in einer

00:53.730 --> 00:56.030
Windturbine gleich mehrere Tonnen.

00:56.650 --> 01:01.070
Dabei sind die Metalle, die als seltene Erden bezeichnet werden, gar

01:01.070 --> 01:01.990
nicht so selten.

01:02.330 --> 01:05.070
Es gibt eine Vielzahl bekannter Lagerstätten.

01:05.070 --> 01:11.030
Das Problem, seltene Erden sind 17 unterschiedliche Metalle, die immer

01:11.030 --> 01:12.430
in einer Mischung vorkommen.

01:12.950 --> 01:17.210
Das macht ihre Gewinnung aufwendig, teuer und oft ökologisch

01:17.210 --> 01:18.130
problematisch.

01:18.770 --> 01:22.070
De facto besitzt China heute ein globales Monopol.

01:22.510 --> 01:27.590
70 Prozent des Abbaus und 90 Prozent der Weiterverarbeitung finden in

01:27.590 --> 01:28.950
der Volksrepublik statt.

01:28.950 --> 01:34.650
Das ist dazu gekommen, weil China eine große Lagerstätte hat, Bayern

01:34.650 --> 01:38.570
-Oboe wird die genannt, die eigentlich ursprünglich eine

01:38.570 --> 01:39.770
Eisenerzlagerstätte war.

01:40.370 --> 01:43.750
Das heißt, China konnte hier die seltenen Erdenelemente als

01:43.750 --> 01:48.050
Nebenprodukt mitgewinnen und war dadurch ökonomisch so ein bisschen

01:48.050 --> 01:53.250
unabhängiger und konnte hier mit dem Preis spielen und eben die

01:53.250 --> 01:58.270
vorherige Dominanz der USA über ihre Lagerstätte in Mountain Pass

01:58.270 --> 02:02.870
brechen und hier eigene Methoden entwickeln, um den Abbau und die

02:02.870 --> 02:07.590
Aufbereitung zu dirigieren und hier eben die unterschiedlichen

02:07.590 --> 02:11.870
Elemente wirklich sauber voneinander zu trennen entsprechend der

02:11.870 --> 02:12.330
Nachfrage.

02:12.790 --> 02:16.870
Jochen Kolb ist Professor für Geochemie und Lagerstättenkunde am

02:16.870 --> 02:19.170
Karlsruher Institut für Technologie.

02:19.170 --> 02:23.670
Er ist verantwortlich für das Thema Georesourcen im Rahmen der

02:23.670 --> 02:26.170
Thinktanks Industrielle Ressourcenstrategien.

02:27.470 --> 02:31.550
Seit Anfang der 2000er Jahre lässt sich die Strategie Chinas zum

02:31.550 --> 02:34.390
Aufbau eines seltenen Erdenmonopols beobachten.

02:35.450 --> 02:39.170
Nach Einsicht des Experten wurde sie begünstigt durch eine

02:39.170 --> 02:43.470
Vernachlässigung des Bergbaus in Europa ganz allgemein und in

02:43.470 --> 02:44.970
Deutschland im Besonderen.

02:44.970 --> 02:48.670
Moderne Exploration findet hier relativ wenig statt.

02:49.030 --> 02:50.910
In Deutschland im Westen vor allen Dingen.

02:51.210 --> 02:55.270
Nur noch sporadisch an einzelnen Stellen seit Ende des Zweiten

02:55.270 --> 02:56.070
Weltkriegs.

02:56.310 --> 02:59.650
Im Osten in Deutschland seit der Wiedervereinigung quasi nicht mehr.

02:59.730 --> 03:02.650
Das ist vielleicht auch ein Grund, weswegen ganz viele Projekte, die

03:02.650 --> 03:07.770
jetzt um Rohstoffe sind, Lithium, Kupfer, die sind in Sachsen und in

03:07.770 --> 03:08.110
Thüringen.

03:08.270 --> 03:12.450
Die sind in den Gebieten, in denen bis 1990 noch wirklich gesucht

03:12.450 --> 03:12.910
wurde.

03:12.910 --> 03:16.730
Hier wissen wir teilweise nicht, was 200 Meter unter unseren Füßen

03:16.730 --> 03:17.070
ist.

03:17.430 --> 03:21.050
Für Professor Kolb wurde wegen dieser Betrachtung des Bergbaus als

03:21.050 --> 03:25.050
Industrie der Vergangenheit hierzulande nicht nur die Exploration

03:25.050 --> 03:27.210
möglicher Lagerstätten eingestellt.

03:27.570 --> 03:30.330
Auch das bergmännische Wissen ist abgewandert.

03:30.510 --> 03:33.690
Das Know-how ist auf ganz wenige Firmen beschränkt.

03:33.790 --> 03:37.390
Es gibt noch die deutsche Montantechnologie, so ein Überbleibsel der

03:37.390 --> 03:38.170
Ruhrkohle AG.

03:38.170 --> 03:40.710
Das ist wahrscheinlich eher so ein bisschen in die Kohle.

03:40.790 --> 03:45.250
Dann gibt es als große Unternehmen Heidelberg Materials, die aber auch

03:45.250 --> 03:49.410
eher dann Natursteine oder Gips und Kalkstein abbauen für ihre

03:49.410 --> 03:50.170
Zementindustrie.

03:50.830 --> 03:56.310
Es gibt die Salzindustrie, Kali & Salz, K&S, die da Expertise haben.

03:56.690 --> 03:59.150
Aber auf dem Metallsektor haben wir keine Expertise mehr.

03:59.690 --> 04:04.950
Industriell im Westen seit Mitte der 80er Jahre, wo Metallgesellschaft

04:04.950 --> 04:08.430
und Preussak aufgehört haben zu existieren, beziehungsweise in

04:08.430 --> 04:10.810
entsprechenden Feldern zu arbeiten.

04:11.170 --> 04:17.090
Es gibt europäische Unternehmen, das sind zwei in Schweden, die LKAB

04:17.090 --> 04:24.070
und Boliden, die auch auf internationalem Niveau agieren, und die KGHM

04:24.070 --> 04:24.750
in Polen.

04:25.150 --> 04:30.770
Das heißt, unsere Expertise ist an den Hochschulen geblieben und da

04:30.770 --> 04:32.690
auch nur noch rudimentär vertreten.

04:33.010 --> 04:36.710
In Deutschland gibt es noch vier weitere Lagerstättenkundler an

04:36.710 --> 04:37.430
Universitäten.

04:37.750 --> 04:42.450
Hinzu kommt das durchaus anspruchsvolle Know-how, der Gewinnung der 17

04:42.450 --> 04:46.590
seltenen Erdenmetalle aus ihrem jeweiligen Würzgestein.

04:46.770 --> 04:50.510
Es gibt gerade bei den seltenen Erdenelementen zwei wichtige

04:50.510 --> 04:51.370
Herausforderungen.

04:51.510 --> 04:55.310
Die eine Herausforderung ist, dass die seltenen Erdenelemente häufig

04:55.310 --> 05:00.510
mit entweder Uran oder Thorium zusammen vorkommen, was dann andere

05:00.510 --> 05:03.210
Herausforderungen in der Aufbereitung, in der Weiterverarbeitung der

05:03.210 --> 05:04.450
Erze verursacht.

05:05.470 --> 05:10.770
Und das andere ist, dass nicht alle Minerale, die seltene

05:10.770 --> 05:15.850
Erdenelemente zu hohen Gehalten einbauen, auch tatsächlich technisch

05:15.850 --> 05:16.970
aufbereitbar sind.

05:17.450 --> 05:20.930
Es gibt noch nicht auf industriellem Maßstab Aufbereitungsmethoden, um

05:20.930 --> 05:23.810
die seltenen Erden wirklich aus allen Mineralen herauszuholen.

05:23.810 --> 05:27.870
Das ist aufwendig und da sind eben diese aufwendigen Schritte, haben

05:27.870 --> 05:31.230
sich die Chinesen für bestimmte Minerale zurechtgelegt und da die

05:31.230 --> 05:34.990
Prozesse entwickelt und eben auch die Patente gemeldet, sodass man da

05:34.990 --> 05:37.470
auch patentrechtlich häufig gebunden ist.

05:37.590 --> 05:41.510
Auch die ökologischen Folgen des Abbaus seltener Erden, wie er in

05:41.510 --> 05:45.470
China betrieben wird, haben dazu geführt, dass man in Europa keine

05:45.470 --> 05:47.710
eigenen Lagerstätten erschlossen hat.

05:48.190 --> 05:52.930
Man braucht viel Wasser und jede Menge Chemikalien, Schwefelsäure,

05:52.930 --> 05:56.090
Salpetersäure, Salzsäure, Ammoniak, Natronlauge.

05:57.010 --> 06:01.750
Hinzu kommt je nach Wirtsgestein der Anfall von radioaktivem Thorium

06:01.750 --> 06:03.970
und Uran als Nebenprodukt.

06:04.410 --> 06:08.670
Die chinesische Bayernobomine zählt zu den am stärksten verschmutzten

06:08.670 --> 06:09.650
Orten der Welt.

06:09.890 --> 06:14.590
Es gibt unterschiedliche Wirtsgesteine und je nach Wirtsgestein hat

06:14.590 --> 06:17.390
man halt unterschiedliche Minerale, in denen die seltenen Erden

06:17.390 --> 06:19.090
-Elemente angereichert sind.

06:19.090 --> 06:21.570
Man muss sich das so vorstellen, dass im klassischen Bergbau man eben

06:21.570 --> 06:25.570
dieses Gestein gewinnt, bricht, aufmalt und dann braucht man erstmal

06:25.570 --> 06:26.830
eine physikalische Trennung.

06:27.030 --> 06:29.510
Diese physikalische Trennung erfolgt über die Minerale, über

06:29.510 --> 06:31.070
verschiedene Eigenschaften der Minerale.

06:31.530 --> 06:35.250
Hätten sie eine höhere Dichte, andere sind vielleicht magnetisch.

06:35.890 --> 06:39.910
Und über diese Eigenschaften werden erstmal die Minerale getrennt und

06:39.910 --> 06:42.990
dann wird ein sogenanntes Konzentrat hergestellt, das dann erst

06:42.990 --> 06:46.670
chemisch weiterverarbeitet wird und eben dann die Trennung der

06:46.670 --> 06:47.890
einzelnen Metalle erfolgt.

06:47.890 --> 06:52.150
Und dann kommt man nicht umhin, bei bestimmten Mineralen eben Uran und

06:52.150 --> 06:55.570
Thorium mitzuproduzieren, weil das einfach in der chemischen Formel in

06:55.570 --> 06:56.890
diesem Mineral mit drin ist.

06:57.350 --> 07:00.090
Das heißt, wenn man das chemisch angreift, wird das automatisch

07:00.090 --> 07:02.890
freigesetzt und dann muss man es mitproduzieren.

07:03.270 --> 07:07.270
Deswegen hat China jetzt zum Beispiel einige Thorium-Reaktoren gebaut,

07:07.430 --> 07:09.890
um halt eben irgendwas mit diesem Thorium machen zu können.

07:10.910 --> 07:13.650
Das fällt einfach mit an bei bestimmten Mineralen.

07:13.710 --> 07:17.310
Es gibt seltene Erdenvorkommen, bei denen man das Problem nicht hat.

07:17.310 --> 07:20.810
Da sind hier seltene Erden-Elemente in Mineralen, die eben kein Uran

07:20.810 --> 07:21.570
und Thorium haben.

07:21.790 --> 07:25.550
Das kann man ganz klar trennen, das kann man als Geologe sehr schnell

07:25.550 --> 07:27.730
herausfinden und definieren.

07:28.250 --> 07:31.830
Das könnte man zum Beispiel nutzen, um da schon mal eine erste

07:31.830 --> 07:33.390
Priorisierung zu legen.

07:33.610 --> 07:37.330
Bei einigen der bekannten Lagerstätten in Grönland beispielsweise

07:37.330 --> 07:40.390
würde kein radioaktiver Abraum entstehen.

07:41.110 --> 07:42.130
Da ist es unterschiedlich.

07:42.270 --> 07:46.090
Also da gibt es welche, die haben Uran mit drin und es gibt welche,

07:46.230 --> 07:48.230
die haben kein Uran mit dabei.

07:48.370 --> 07:52.930
Da gibt es allerdings auch welche mit Mineralen, das ist der Eudialit,

07:53.290 --> 07:58.050
für die es noch keine Aufbereitung auf industriellem Maßstab gibt.

07:58.430 --> 08:00.950
Das heißt, da müsste man erst mal noch die Technologie entwickeln, um

08:00.950 --> 08:03.850
da die seltenen Erden-Elemente wirklich herauskommen zu können.

08:04.070 --> 08:07.970
Professor Kolb ist grundsätzlich überzeugt, dass die Umweltproblematik

08:07.970 --> 08:12.210
des Abbaus der seltenen Erden in Europa handelbar wäre.

08:12.210 --> 08:17.130
Es also keinen stichhaltigen Grund gibt, das ökologische Problem in

08:17.130 --> 08:19.570
andere Weltregionen zu verlagern.

08:19.750 --> 08:23.290
Ich sehe nicht nur mit China, sondern Bergbau in allen möglichen

08:23.290 --> 08:28.090
dritten Weltländern, dass wir vermutlich in Europa bessere Regularien,

08:28.210 --> 08:31.970
besser ausgebildetes Personal haben, um solche Stoffe richtig

08:31.970 --> 08:32.970
handhaben zu können.

08:33.110 --> 08:35.750
Unsere chemische Industrie arbeitet auch täglich mit diesen Stoffen

08:35.750 --> 08:37.390
und es gibt keine großen Umweltkatastrophen.

08:37.390 --> 08:42.090
Wir können in Europa mit diesen Materialien und Chemikalien in einer

08:42.090 --> 08:43.550
verträglichen Art und Weise hantieren.

08:44.670 --> 08:48.010
Das ist alles eine Frage der Organisation und des Willens und der

08:48.010 --> 08:50.730
Investitionen und des technischen Know-hows drumherum.

08:50.790 --> 08:54.230
Worüber wir uns im Klaren sein müssen, ist, dass Bergbau, dass

08:54.230 --> 08:57.390
Rohstoffabbau immer ein Eingriff in die Natur ist.

08:57.510 --> 08:58.990
Es geht ja gar nicht anders.

08:59.290 --> 09:02.890
Wir entnehmen der Natur einen Stoff, den wir weiterverarbeiten.

09:03.290 --> 09:06.670
Es geht dann darum, diesen Fußabdruck möglichst klein zu halten und

09:06.670 --> 09:09.330
ich würde behaupten, dass wir das in Europa besser können als in

09:09.330 --> 09:11.390
vielen anderen Ländern dieser Welt.

09:11.630 --> 09:14.570
Auch weil unsere Staaten stark genug sind, weil es Kontrollsysteme

09:14.570 --> 09:17.210
gibt, weil es Gerichte gibt, die kontrollieren.

09:17.290 --> 09:19.130
Es gibt NGOs, die mit kontrollieren.

09:19.690 --> 09:23.470
Also hier ist einfach ein System entwickelt, das dafür sorgt, dass wir

09:23.470 --> 09:25.150
hier das besser machen können.

09:25.230 --> 09:29.370
Für den KIT-Experten ist der Zug in Europa auf absehbare Zeit

09:29.370 --> 09:30.230
abgefahren.

09:30.230 --> 09:34.870
Man braucht etwa 17 Jahre von der Erschließung einer neuen Lagerstätte

09:34.870 --> 09:37.190
bis zur laufenden Produktion.

09:37.450 --> 09:41.910
Die Exploration wurde eingestellt, Forschung zu umweltschonenden

09:41.910 --> 09:44.330
Technologien gibt es praktisch nicht.

09:44.770 --> 09:48.650
Und auch eine Erschließung der Vorkommen in den Manganknollen der

09:48.650 --> 09:52.170
Tiefsee ist für Professor Kolb Zukunftsmusik.

09:52.170 --> 09:56.370
Die Manganknollen haben natürlich seltene Erdenelemente, aber nicht

09:56.370 --> 10:00.450
besonders stark angereichert und könnten bei einem Abbau dieser

10:00.450 --> 10:04.570
Manganknollen, wenn die Technologie entwickelt wird, hier auch mit

10:04.570 --> 10:05.370
gewonnen werden.

10:06.050 --> 10:10.610
Die Herausforderung beim Tiefseebergbau sehe ich so, dass wir bisher

10:10.610 --> 10:14.750
noch keine Technologie entwickelt haben, diese Manganknollen

10:14.750 --> 10:17.970
tatsächlich in größerem Maßstab an die Oberfläche zu bringen.

10:18.630 --> 10:22.550
Und wir haben noch keine endgültige Technologie entwickelt, diese

10:22.550 --> 10:24.470
Manganknollen entsprechend aufzubereiten.

10:25.350 --> 10:27.130
Das heißt, was alles ist Zukunftsmusik.

10:27.210 --> 10:32.990
Wir sprechen dann hier von 15, 20, 30 Jahren vielleicht, die da ins

10:32.990 --> 10:37.130
Land ziehen, bevor wir hier wirklich tatsächlich die Rohstoffe nutzen

10:37.130 --> 10:37.530
können.

10:38.610 --> 10:43.330
Das andere ist, dass ich es schwierig finde, da die Ökologie zu

10:43.330 --> 10:44.010
beurteilen.

10:44.010 --> 10:49.170
Denn wir sind dann in der Tiefsee und wir wissen, dass das ganz, ganz

10:49.170 --> 10:52.030
langsam sich entwickelnde Ökosysteme sind.

10:52.590 --> 10:58.190
Das heißt, wenn wir da eingreifen, ist es schwer, ein Monitoring zu

10:58.190 --> 10:58.850
entwickeln.

10:59.670 --> 11:02.590
Und es dauert wahrscheinlich lange, bis sich so ein Eingriff

11:02.590 --> 11:07.650
zurückfahren lässt, dass eben wieder Leben und ein Ökosystem sich

11:07.650 --> 11:08.330
entwickeln kann.

11:08.330 --> 11:14.190
Wohingegen wir Übertage oder im Untertageabbau auf dem Land da viel,

11:14.330 --> 11:17.250
viel bessere Kontrollmöglichkeiten und Eingriffsmöglichkeiten haben.

11:29.230 --> 11:33.630
Ich denke, es sind mehrere Maßnahmen notwendig.

11:33.630 --> 11:37.770
Das eine ist, das ist wahrscheinlich das leichteste, was zu tun ist,

11:37.950 --> 11:42.750
viele der Elemente der seltenen Erden werden nur in geringen Maßen

11:42.750 --> 11:43.330
eingesetzt.

11:43.510 --> 11:46.230
Also wir brauchen teilweise nur Kilogramm oder Tonnen.

11:46.910 --> 11:50.950
Das sind wichtige Nischenprodukte, die man braucht, aber eben

11:50.950 --> 11:53.590
teilweise braucht man das da nur ein paar Kilo pro Jahr.

11:53.930 --> 11:55.550
Das kann man einfach irgendwo hinlegen.

11:56.130 --> 11:59.270
Das heißt, ich empfehle, so ähnlich wie wir das fürs Erdgas alle

11:59.270 --> 12:04.190
gehört haben und kennen, ich empfehle eine Lagerhaltung von bestimmten

12:04.190 --> 12:05.750
kritischen Rohstoffen im Allgemeinen.

12:06.530 --> 12:07.850
Das ist was, was Japan macht.

12:07.950 --> 12:10.090
Das ist das, was die USA machen.

12:10.970 --> 12:13.490
Die kauft man, wenn der Preis niedrig ist und dann legt man die

12:13.490 --> 12:14.030
irgendwo hin.

12:14.610 --> 12:18.050
Und wenn der Preis hoch ist, wirft man sie auf den Markt oder wenn es

12:18.050 --> 12:20.710
Engpässe gibt, kann man die heimische Industrie damit versorgen.

12:21.630 --> 12:22.870
Lagerhaltung ist das eine.

12:22.870 --> 12:27.030
Das andere, was Japan zum Beispiel gemacht hat, gerade bei den

12:27.030 --> 12:32.570
seltenen Erden, die haben massiv in eine Bergbaufirma in Australien

12:32.570 --> 12:33.250
investiert.

12:33.450 --> 12:39.450
Haben da ein bis zwei Milliarden Euro so in dem Rahmen investiert und

12:39.450 --> 12:44.210
haben sich das mit Abgabemargen bezahlen lassen.

12:44.490 --> 12:48.650
Also die haben da eine Beteiligung, wird in Mount World in Australien

12:48.650 --> 12:52.670
abgebaut, das wird in Malaysia aufbereitet und das geht dann nach

12:52.670 --> 12:55.390
Japan und damit haben die ihren Bedarf gedeckt.

12:55.550 --> 12:59.870
Das heißt, eine direkte Investition in vielversprechende

12:59.870 --> 13:02.730
Bergbausysteme, Bergbaufirmen benötigen wir.

13:03.110 --> 13:07.090
Die zwei mittelfristigen Lösungsmöglichkeiten, die eben einigermaßen

13:07.090 --> 13:08.930
schnell umzusetzen sind.

13:09.350 --> 13:12.930
Langfristig muss sich Europa überlegen, ob wieder eine

13:12.930 --> 13:15.970
Bergbauindustrie aufgebaut werden muss in größerem Stil.

13:15.970 --> 13:20.330
Ob wir wieder größere Bergbauunternehmen brauchen bei uns, die dann

13:20.330 --> 13:25.490
eben auch Metallerze abbauen können und weiter aufbereiten können in

13:25.490 --> 13:30.690
Europa, um eben dann langfristig diese Abhängigkeit mindern zu können.

13:30.950 --> 13:34.570
Das dauert so 17 bis 20 Jahre, bis so ein Berg da steht.

13:35.290 --> 13:36.990
So lange wollen wir vielleicht nicht warten jetzt.

13:37.150 --> 13:41.410
Und deswegen halt erstmal Lagerhaltung, gezielte Investitionen in

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bestimmte Entwicklungen.

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Das ist das, was ich denke, sind die kurz- bis mittelfristigen Lösungen.

